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Wie man Terrorexperte wird
#1
Wie man Terrorexperte wird

Wieso uns das Fernsehen immer wieder die gleichen Personen als Fachleute für alles und jedes präsentiert – insbesondere das öffentlich-rechtliche.

Den Vogel schoss dieses Mal CNN ab: In der Münchner Schreckensnacht holte der amerikanische Nachrichtensender den früheren Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark auf den Bildschirm, um das Geschehen im fernen Deutschland zu kommentieren und gehörig durch zu spekulieren. Auf die Idee muss man erst mal kommen! Was befähigt einen General, der früher einmal militärische Großverbände führte, sich mit den möglichen Motiven einer Gewalttat in München zu beschäftigen? Nichts, aber auch gar nichts.
Das Erste präsentierte zur gleichen Stunde den früheren Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo als „ARD-Terrorexperten“. Dieser Titel war mir neu. Bisher kannte man Mascolo nur als „Leiter des Rechercheverbunds“, den NDR und WDR gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung betreiben.
Der Mann verfügt offenbar über eine multiple Persönlichkeit: Mascolo tauchte in anderen Sendungen auch schon als „Finanzexperte“ (Panama Papers), „DDR-Experte“ (Jahrestag des Mauerfalls) oder „Geheimdienstexperte“ (BND-Skandal) auf. Sein Vorteil: Mascolo plaudert relativ intelligent über jedes Thema – auch wenn er nicht wirklich etwas über das Thema weiß. Solche Experten liebt man im Fernsehen, wo nichts wichtiger in einer Sondersendung ist, als solange zu reden, bis endlich wieder neue Nachrichten hereinkommen. Das kann Mascolo. Mehr aber leider auch nicht.
Da konnte man fast schon den ehemaligen Polizisten Rainer Wendt loben, der sich am Freitag im deutschen Privatfernsehen tummelte. Der Mann versteht wenigstens etwas vom Einsatzfach und konnte das Vorgehen der Münchner Polizei ganz gut erklären. Das Erste hielt Freitagnacht erst mit, als ein gestandener Polizeireporter des Bayrischen Rundfunks vermehrt im Studio auftauchte und genauso fachkundig wie ruhig kommentierte. Solche Leute brauchte man mehr – gab es aber Freitag nicht.
Wieso gibt es bei uns so wenige wirkliche Fachleute im Fernsehen, wenn es um Terrorismus, Kriege oder Geheimdienste geht? Ganz offensichtlich versäumen es die Sender, systematisch Experten heranzuziehen und aufzubauen. Dabei gibt es genügend ehemalige Polizisten, Generäle oder Schlapphüte, die über Fachwissen verfügen
(...)
Wenn man sich die riesigen Budgets der öffentlich-rechtlichen Sender anschaut, dann fragt man sich: Wieso schaffen sie es solchen Abenden wie Freitag nicht, ihre kleineren Konkurrenten um Längen zu schlagen? N24 oder NTV verfügen über den Bruchteil des Geldes, das ein mittelgroßer ARD-Sender jedes Jahr verpulvert.
Deshalb können die Bürger, die Monat für Monat für ARD und ZDF zahlen, wohl etwas mehr von den öffentlich-rechtlichen Sendern verlangen. Der Bayerische Rundfunkt verfügt über Hunderte von Reportern. Wieso waren am vergangenen Freitag nicht mehr Teams in München unterwegs? Und wieso gab es so wenige Augenzeugen, die zu Worte kamen?
weiter:https://www.bilanz.de/leben/terrorexperte-muenchen
 
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