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Kurzfassung „NSU“
#41
Teil 5: Indizien für alle Verbrechen der Welt – fast jedenfalls
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#42
GDU: Ein Königreich voller Indizien – Teil 6
Weiter geht es mit Auszügen aus dem Buch von @taucher über den Geheimdienstlichen Untergrund. Es wird ein Füllhorn an Indizien vorgestellt, auf daß es nur noch gilt, die Täter für die statistisch noch nicht erfaßten Verbrechen zu finden. Es sind genug Indizien für alle da.
Teil 1: GDU: Geheimdienstlicher Untergrund – Einleitung
Teil 2: Das Henne-Ei-Problem beim NSU
Teil 3: Schredder as Schredders can
Teil 4: Orgasmus mit Beweisen
Teil 5: Indizien für alle Verbrechen der Welt – fast jedenfalls
______________
6.2 Ganz viele Indizien

[Bild: fs26_brand.png]
(Bildquelle: SPIEGEL 08.11.2011, Kriminalfall: Der Heilbronner Polizistenmord)
In den Überresten von diesem flammenden Inferno wurden diese Asservate „aufgefunden“: Die Gründlichkeit mit der Parktickets und Tankquittungen feuerfest archiviert worden sind, spricht für einen urdeutschen Hintergrund. Wahrscheinlich haben sich die beiden Uwes auch deshalb erschossen, weil ihnen eine Betriebsprüfung durch das Finanzamt Zwickau ins Haus stand.
6.3 Blutjogginghose
Das ist auch so ein running gag. Das Blut der Opfers auf einer Hose soll beweisen, dass Mundlos die Polizistin Kiesewetter ermordet hat (SPIEGEL vom 12.08.2012):

[Bild: dna_fragmente_mundlos_jogginghose.png]

Klingt als Ankündigung ganz gut, ist leider der totale Nonsens.
Aufgefunden wurde diese Hose angeblich hier und so sieht sie aus

[Bild: jogginghose_brandschutt.png]

Das ist total glaubwürdig, dass die aus der Asche diese Jogginghose herausgesiebt haben.
Schränke verbrennen manchmal. Jogginghosen nicht, die sind bekanntlich unbrennbar.
Bundesanwalt Diemer besteht darauf, dass dieses „Beweismittel“ der ultimative Tatbeweis ist. Diemer ist der Fachmann, deshalb glauben wir das natürlich. Die Bundesanwaltschaft hat erst im August 2012 (vorher taucht sie in den Akten nicht auf) bemerkt, dass diese Hose sichergestellt wurde.
Zudem ist es mit der Hose und dem Taschentuch so, wie mit den meisten „Beweismitteln“. Kein Mensch weiß, wie diese Gegenstände in die Asservatenkammer gekommen sind. Angeblich wurden die aus dem flammenden Inferno geborgen. Doch es gibt keine Finder und keine Auffindedokumentation.  Schon aus diesem Grund ist diese Installation als Beweis nicht verwendbar.
Davon abgesehen, es gibt keine feste Verbindung zwischen einer Hose und einem Taschentuch. Beide Gegenstände sind für sich einzeln funktionsfähig und einzeln transportierbar.
Bayerischer Rundfunk,  01.11.2015, Gibt es einen dritten NSU-Täter?:[ 

[Bild: dna_tempotaschentuch.png]

Dann gibt es noch ein Problem.
Jeder Mensch hinterlässt in seiner Hose ziemlich viele Humanspuren, einschl. der üblichen Ablagerungen von Hautschuppen, Haaren oder deren Follikel, Urin, Analsekret und (je nach Geschlecht) Sperma oder Vaginalsekret. Man hätte was von Mundlos in dieser Hose finden müssen. Da war aber nichts. Noch mal aus dem gleichen BR-Artikel:

[Bild: jogginghose_innen_keine_dna_mundlos.png]

Von all dem abgesehen, es kann überhaupt keine Jogginghose sichergestellt worden sein. Schon vor Jahren wunderte sich BKA-Chef Ziercke, dass in der ganzen Wohnung keine Männerkleidung sichergestellt werden konnte (SWR 16.03.2012, BKA-Präsident staunt über Wasserverbrauch der Zwickauer Zelle).

[Bild: fs26_fehlende_m%C3%A4nnerkleidung.png]

Wie geht das, keine Männerkleidung gefunden – aber Mundlos´ Jogginghose sichergestellt?
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#43
NSU-Terrorist
DNA von Uwe Böhnhardt bei Ermittlungen im Fall Peggy gefunden

Gibt es eine Verbindung zwischen dem Mord an Peggy und dem "Nationalsozialistischen Untergrund"? Ermittler haben an einem Gegenstand vom Fundort des Mädchens die DNA Uwe Böhnhardts festgestellt.
Donnerstag, 13.10.2016   19:27 Uhr


Am 7. Mai 2001 verschwand die neun Jahre alte Peggy im oberfränkischen Lichtenberg, im Sommer 2016 entdeckte ein Pilzsammler in einem Waldstück nahe des Ortes Teile ihres Skeletts. Bei der Untersuchung der dort sichergestellten Spuren wurde nun die DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt festgestellt.

Der Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel dementierte gegenüber dem SPIEGEL, dass die DNA am Skelett des Mädchens gefunden worden sei. Die Spur sei auf einem Gegenstand festgestellt worden, der am Fundort der sterblichen Überreste lag. Nach Informationen des SPIEGEL handelt es sich um ein Stück Stoffdecke.

Die Hintergründe sind noch unklar. Auch eine Verunreinigung der DNA-Probe sei theoretisch denkbar, wie der SPIEGEL aus Ermittlerkreisen erfuhr: Das Skelett von Peggy und die Leiche Böhnhardts seien im gleichen rechtsmedizinischen Institut untersucht worden.

Wo die DNA-Spur entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. stehe, müsse noch ermittelt werden, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth mit. Die Rede ist von "umfassenden Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen". Unter anderem seien auch der Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt informiert worden und in die Ermittlungen eingebunden.

Der Fall Peggy zählt schon lange zu den rätselhaftesten Kriminalfällen der Republik: 2004 wurde der geistig beeinträchtigte Ulvi K. in einem Indizienprozess wegen Mordes an der Neunjährigen zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Hof sah es damals als erwiesen an, dass K. die Schülerin tötete, um einen zuvor begangenen sexuellen Missbrauch an ihr zu vertuschen.
K. hatte die Tat im Juli 2002 gestanden, einige Monate später aber widerrufen. Wegen anderer Vergehen wurde er im Oktober 2002 in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.
Im Dezember 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens an, weil das Geständnis von Ulvi K. der vermuteten Tatversion der Polizei auffällig ähnlich war. Außerdem hatte ein Belastungszeuge zugegeben, im ersten Prozess falsch ausgesagt zu haben. Im Mai 2014 hob das Landgericht Bayreuth die frühere Verurteilung von Ulvi K. schließlich auf, die Mutter des Mädchens verzichtete auf eine Revision.

Uwe Böhnhardt bildete laut Bundesanwaltschaft gemeinsam mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe den "Nationalsozialistischen Untergrund". Die drei Neonazis waren 1998 abgetaucht und lebten bis November 2011 im Untergrund - das Trio flog auf, als die beiden Uwes nach einem Banküberfall in Eisenach gestellt wurden und sich in einem Wohnmobil das Leben nahmen. Sie werden unter anderem für die Morde an neun griechisch- und türkischstämmigen Kleinunternehmern und an der Polizistin Michele Kiesewetter verantwortlich gemacht.
Im Fall Kiesewetter, die 2007 in Heilbronn erschossen wurde, hatten verunreinigte DNA-Spuren die Ermittler lange in die Irre geführt. An Dutzenden weiteren Tatorten war damals eine DNA-Spur gefunden worden, die jedoch - wie sich 2009 herausstellte - von einer Mitarbeiterin eines Verpackungsbetriebs für Wattestäbchen in Bayern stammte. Der Fall ging als "Phantom von Heilbronn" in die Kriminalgeschichte ein.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die DNA Böhnhardts sei an den sterblichen Überresten der ermordeten Peggy gefunden worden. Laut Staatsanwaltschaft Bayreuth befand sich die DNA-Spur aber nicht am Skelett, sondern an einem Gegenstand. Wir haben die entsprechende Textstelle korrigiert.

hut/jdl/srö

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/uw...16557.html
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#44
Ermittlungen zum Fall Peggy: Statement von Joachim Hermann am 14.10.2016


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#45
Binninger fordert neue DNA-Analysen bei NSU-Verbrechen
14.10.2016 - 15:57 Uhr
Berlin (dpa) - Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Clemens Binninger (CDU), fordert neue Untersuchungen der DNA-Spuren im Zusammenhang mit der rechten Terrorserie. «Der Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt müssen sich noch mal den vielen anonymen Spuren an den NSU-Tatorten widmen», sagte Binninger am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Notwendig sei eine «Generalrevision» der DNA-Spuren.

Es sei unbefriedigend, dass nur die DNA von sieben der 14 Beschuldigten im NSU-Prozess in der BKA-Datenbank gespeichert seien und zur Recherche genutzt werden könnten. An den 27 bekannten Tatorten des Trios wurden zahlreiche anonyme DNA-Spuren gefunden, aber keine DNA der mutmaßlichen Haupttäter Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Zur Entdeckung von Böhnhardts DNA am Fundort der Leiche Peggys sagte Binninger: «Was die Spur zu bedeuten hat, dazu kann man momentan seriös noch keine abschließende Aussage machen.» Das müssten jetzt die Ermittlungsbehörden klären.
http://www.thueringer-allgemeine.de/web/...1223879374
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#46
Kindersachen in NSU-Wohnmobil und Wohnung

Der NSU nutzte ein Wohnmobil, mit welchem Böhnhardt und Mundlos 2011 auch zu einem Überfall in Eisenach gefahren waren. Nachdem ihnen die Polizei auf die Spur kam, setzten sie den Wohnwagen in Brand und töteten sich selber. In dem ausgebrannten Wagen sind Kindersachen gefunden worden, deren Herkunft bis heute unklar ist. "Die meisten der Kindersachen wurden nie auf DNA untersucht", sagte Dorothea Marx, die Vorsitzende des thüringischen NSU-Untersuchungsausschuss. In der Zwickauer Wohnung des NSU-Trios sind ebenfalls Kindersachen entdeckt worden. Auch ihre Herkunft ist unklar.

www.focus.de/politik/deutschland/nsu-verbindung-zu-fall-peggy-bei-boehnhardt-wurden-kinderpornos-und-kinderkleidung-gefunden_id_6071870.html

ach, auf einmal?

"Entdeckt hat man die in der Rechtsmedizin, die auch die rechtsmedizinische Betreuung von Böhnhardt verkackt hat, die nicht untersuchte, wann er zu Tode kam, die nicht veranlaßte, die Munitionsteile aus dem Schädel penibel genau untersuchen zu lassen."


Stellungnahme des Universitätsklinikums Jena, Institut für Rechtsmedizin

Jena (ukj/dre). Aufgrund der aktuellen Berichterstattung teilt das Universitätsklinikum Jena (UKJ) mit:

Im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Jena fand im November 2011 die Obduktion des Leichnams des Uwe Böhnhardt statt.

Im Juli 2016 fanden im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Jena die forensisch-medizinische Untersuchung des Leichnams von Peggy Knobloch sowie dessen Identifizierung statt. Hierbei wurden durch das Institut für Rechtsmedizin ausschließlich Skelettreste untersucht.

Die Spurensicherung am Fundort im Fall Böhnhardt sowie die forensisch-genetische Untersuchung der gesicherten Spuren im Fall Böhnhardt wurden nicht durch das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Jena durchgeführt.

Die Spurensicherung am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy Knobloch sowie die Untersuchung der gesicherten Spuren im Fall Peggy Knobloch wurden ebenfalls nicht durch das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Jena durchgeführt. Insofern ist eine etwaige zufällige Übertragung von DNA zwischen beiden Fällen durch das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Jena ausgeschlossen.

Das Institut für Rechtsmedizin ist seit 2007 für forensische Untersuchungen bei der DAkkS (Deutsche Akkreditierungsstelle) akkreditiert.
www.uniklinikum-jena.de/Startseite/Aktuelles_Presse/Presse/Aktuelle+Pressenews/Stellungnahme+des+Universit%25C3%25A4tsklinikums+Jena_+Institut+f%25C3%25BCr+Rechtsmedizin-p-46996.html

Uwe Böhnhardt und Fall Peggy
DNA-Probe vermutlich nicht verunreinigt
Mit dem Fund des DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt wird ein Zusammenhang mit dem Mordfall Peggy wahrscheinlicher. Laut BR kann die Probe nicht verunreinigt sein, weil die Fälle in unterschiedlichen Instituten untersucht wurden. Ähnlich äußerte sich das BKA
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#47
[Bild: mein-ko-595x1260.jpg]

[Bild: ferkel-Zeitung-595x496.jpg]

Bönhardtrettetsyrermordetpeggyknobloch-Fall mittlerweile angepasst:  DNA-Spur nicht, ich wiederhole NICHT von Mall gefunden,
sondern vom LKA Bayern. Guckst du Herbert Potzel:
„Die DNA von Uwe Böhnhardt haben Rechtsmediziner des Landeskriminalamts in München untersucht. Entgegen anders lautender Medienberichte waren die Rechtsmediziner in Jena  nur im Fall der gefundenen Leiche von Peggy involviert und nicht bei der jetzt gefundenen Spur von Uwe Böhnhardt. …
In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen. ….Dennoch will der Leitende Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel die grundsätzliche Möglichkeit einer DNA-Verunreinigung nicht ausschließen. Das sei Aufgabe der laufenden Ermittlungen, sagte der Leitende Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Grundsätzlich gebe es verschiedene Möglichkeiten, wie es zu einer DNA-Verunreinigung kommen könne. Mehr wollte Potzel dazu aber nicht sagen. ….“
Ja, da hat er recht, es gibt da ein, zwei durchaus plausible Möglichkeiten, wie es zu solchen DNA-Anhaftungen kommen kann… Liebesgrüße aus der Zwickauer Schockinghose ?
http://julius-hensel.ch/2016/10/mein-kom...n-dr-mall/

„In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen.“
Aus der Presseerklärung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bayreuth
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#48
"NSU" die Müllhalde für ungeklärte und unangenehme Verbrechen und Lieferant für gerade benötigte Ablenkung?

das alles stinkt dermaßen, da ist jede Güllegrube Parfüm
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#49
Der Mord an Peggy und der NSU-Komplex
DNA-Spuren von NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt an Fundort entdeckt / Was weiß der Verfassungsschutz?

Der Vergleich von DNA-Spuren hat schon manchem Kriminalfall eine überraschende Nuance oder sogar Wende gegeben. Nun wurde bekannt, dass man an den Resten einer Decke, die am Fundort der kleinen Peggy in einem Thüringer Waldstück lag, DNA des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt gefunden hat.

Peggy war im Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Erst im Juli 2016 entdeckte ein Pilzesammler im thüringischen Saale-Orla-Kreis Überreste ihrer Leiche. 15 Jahre nach ihrem Verschwinden gab es Gewissheit über ihr Schicksal - und jede Menge neue Fragen. Eine aktuelle lautet: Kann man diesem sogenannten genetischen Fingerabdruck trauen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die DNA auf das Stoffstück gelangt sein kann. Zudem ist es noch völlig unbekannt, welche Art DNA in welchem Zustand entdeckt wurde. Stammt die Analyse aus Blut, Speichel, Hautpartikeln? Kann sie über andere Personen weitergegeben worden sein? Weitere Auskünfte können derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht erteilt werden, sagt die Staatsanwaltschaft in Bayreuth.
Beim Thema DNA-Spuren sollte man vorsichtig sein. Denn gerade in dem Bereich ist die Beweislage gegen die mutmaßlichen NSU-Mörder noch immer sehr dünn. Man fand an den NSU-Tatorten - die Terroristen verübten wahrscheinlich zehn Morde, brachten Bomben zur Explosion. überfielen Banken und einen Supermarkt - keine DNA von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die die Verbrechen begangenen haben sollen. Das Bundeskriminalamt hat zudem viel zu wenige der sonst zahlreich gefundenen DNA-Proben mit denen weiterer Verdächtiger aus dem NSU-Umfeld verglichen. Es gebe keine rechtliche Handhabe, Leute aus dem NSU-Bereich um die Abgabe von Speichelproben zu bitten, sagt der ermittlungsleitende Generalbundesanwalt. Doch nicht einmal jene, die ohnehin schon in polizeilichen DNA-Datenbanken gespeichert sind, wurden vollständig für Vergleiche herangezogen. Den Anklägern im Münchner NSU-Prozess reichte es, drei Hauptschuldige und eine Handvoll Mitläufer zu benennen. Ein Netzwerk und möglicherweise weitere Verbrechen aufzuklären, kommt ihnen zumindest öffentlich nicht in den Sinn. Und so ist es auch jetzt - egal, was die Nebenkläger auch beantragen - höchst unwahrscheinlich, dass der »Fall Peggy« irgendwelches substanzielles Gehör vor dem Oberlandesgericht München findet.
Einen vorsichtigen Umgang mit DNA-Spüren legt auch der Mordfall Michèle Kiesewetter nahe. Da fabrizierte die Kriminaltechnik eine wohl einzigartige Panne. Die Polizistin war 2007 in Heilbronn angeblich auch vom NSU erschossen worden. Ein Streifenkollege wurde bei dem Überfall schwer verletzt. Man analysierte am Tatort gefundene DNA-Spuren und entdeckte, dass die bei zahlreichen Kriminalfällen auch außerhalb Deutschlands gesichert wurden. So sprach man bald vom »Heilbronner Phantom« oder der »Frau ohne Gesicht«. Sie soll zwischen 2007 und 2009 in Süddeutschland, Österreich und Frankreich über 40 Verbrechen verübt haben. Überraschend zeigte sich dann, dass die Wattestäbchen, die zur Untersuchung verwendet wurden, verunreinigt waren. Die DNA passte lediglich zu einer Frau, die die Wattestäbchen in der Herstellerfirma verpackt hatte. Beim »Fall Peggy« gibt es auch eine Möglichkeit, dass die Böhnhardt-Spur in die Irre führt. Das Labor, das die aktuellen DNA-Spuren untersuchte, hatte auch schon mit der DNA von Böhnhardt zu tun.
Die zweite Unschuldsvermutung, eine zufällige Übertragung von DNA, schließen die Rechtsmediziner der Uni Jena am eigenen Institut aus. Im Juli seien ausschließlich Skelettreste des Mädchens untersucht worden. Die Spurensicherung am Fundort der Leiche seien nicht von der Jenaer Rechtsmedizin durchgeführt worden. Dennoch: Das Stoffstück mit Böhnhardts DNA könnte schon in der Natur gelegen haben, als jemand Peggys Leiche in dem Waldstück versteckte. Oder sie kam später hinzu, als Böhnhardt (oder eine andere Person, die mit ihm zu tun hatte) dort Picknick machte.
Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Böhnhardt direkt mit der Tat oder dem Täter zu tun hatte. Möglicherweise ist er der Täter. Dass er auch jenseits der bislang als rassistisch eingestuften Morde gewalttätig ist, wurde mehrfach dokumentiert. So wie ein noch immer ungeklärter Fall aus dem Jahr 1993. Im Juli des Jahres verschwand in Jena der damals neunjährige Bernd B. Man fand seine Leiche zwei Wochen nach der Vermisstenanzeige. Verwest am Saale-Ufer. Gleich daneben lag ein Außenbordmotor. Der führte die Ermittler zu Enrico Theile, einem Freund von Böhnhardt. Beide wohnten damals in Jena, beide hatten Anfang der 1990er Jahre einige Überfälle begangen. Laut Anklage war Theile auch an der Beschaffung der Ceska-Mordwaffe beteiligt, die als »Firmenzeichen« der NSU-Mörder gilt. Als Zeuge in München erinnerte sich Böhnhardts Schulfreund, ein angeblicher Autoschieber, nur sehr schwammig an die gemeinsame Zeit. Bei der Polizei hatte Theile noch die Vermutung geäußert, dass Böhnhardt den Jungen umgebracht und versucht haben könnte, ihm die Schuld in die Schuhe zu schieben, indem er die falsche Spuren mit dem Außenbordmotor legte. Interessant könnte auch eine Äußerung von Böhnhardts Mutter über die Gefängniszeit ihres Sohnes sein: »Als Mutter sieht man seinen Sohn in einem Männergefängnis eher als Opfer.«
Ein nächster Anhaltspunkt dafür, dass Böhnhardt in den »Fall Peggy« verknüpft sein könnte, bietet die Analyse eines Computers aus der Zwickauer Frühlingsstraße, wo das NSU-Trio angeblich zusammen gelebt hat. Auf diesem PC wurden nach dem Auffliegen des NSU im November 2011 kinderpornografische Inhalte gefunden. Angeblich gehörte der Rechner Beate Zschäpe, doch auch die beiden Uwes sowie mutmaßliche Quartiergäste haben ihn benutzt.
Zu fragen ist auch: Woher stammen die Kinderschuhe und der Teddybär, die in dem Wohnmobil gefunden wurden, das Mundlos und Böhnhardt zu ihrem letzten Banküberfall in Eisenach benutzt haben und in dem sie sich angeblich selbst umgebracht haben? Bislang hat das BKA die DNA dieser Asservate offenbar nicht mit der von anderen vermissten Kindern abgeglichen. Das aber muss schleunigst geschehen - fünf Jahre nach dem Auffliegen des NSU. Man hat in all den Jahren auch nicht herausgefunden, wer die Frau und das kleine Mädchen sind, die bei der Fahrzeuganmietung dabei waren.
Zeitlich liegt der Mord an Peggy zwischen der ersten und der zweiten NSU-Hinrichtung. Beide fanden in Nürnberg statt. Peggys Wohnort liegt quasi auf halber Strecke. Dass der NSU stets beste Kontakte gerade nach Nordbayern hatte, ist erwiesen.
Zugegeben, rassistische Morde sowie die Hinrichtung von Polizisten passen nicht unbedingt zu Taten von Kinderschändern. Zumal dann nicht, wenn man der Nazilosung »Todesstrafe für Kinderschänder« folgt. Doch die gilt nicht für alle Rechtsextreme. Belege für Doppelmoral finden sich beispielsweise beim Geheimdienst-V-Mann Tino Brandt. Der staatlich alimentierte Chef des Thüringer Heimatschutzes soll männliche Minderjährige für Sexspiele bezahlt haben, aber Minderjährige auch in 45 Fällen an Erwachsene vermittelt haben. Bis zu 450 Euro hat er dafür kassiert. Brandt sitzt wegen Kindesmissbrauchs und Förderung der Prostitution im Gefängnis.
Es wird Zeit, dass der Verfassungsschutz endlich sein Wissen rückhaltlos offenlegt. Dazu gehört, dass endlich die Beziehungen zwischen dem NSU und der grenzüberschreitenden Organisierten Kriminalität untersucht werden: Mädchen-, Frauen-, Waffen- und Drogenhandel stehen dabei obenan.
Auch die Polizei sollte ihre Ermittlungen noch mal einer Tiefenprüfung unterziehen. Chefermittler der Soko »Peggy 2« war ein Kriminaldirektor Wolfgang Geier. Er war direkt vom damaligen bayerischen Innenminister Günther Beckstein (CSU) beauftragt worden. Später leitete er auch die Sonderkommission »Bosporus«, die den sogenannten Dönermorden - also den Taten des NSU - nachging. Geiers Ermittlungen krankten daran, dass er die Mörder nur im Umfeld der Opfer suchte. So verdächtigte er nicht rassistisch motivierte Nazis, sondern ermittelte vor allem gegen türkische Familienangehörige und Freunde.
https://www.neues-deutschland.de/artikel...mplex.html
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#50
Zitat:Ein Puzzlestück, das nicht passt

DNA-Spuren bringen den Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt in Verbindung mit dem Mord an Peggy Knobloch. Was bedeutet das für den NSU-Prozess?

Von Tom Sundermann

Man könnte sagen, es gab Hinweise. Sechs Fotos, die "dem Bereich der Kinder-/Jugendpornografie zuzurechnen" sind, wie ein Ermittler des Bundeskriminalamts in einem Vermerk notierte, wurden auf Festplatten der Terrorzelle NSU in Zwickau gefunden. Die örtliche Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, mit der Begründung, Vorwürfe wie Mord und Terrorismus wögen ohnehin viel schwerer. Die Spur blieb unbeachtet liegen.

Doch selbst wenn nicht: Hätten die Ermittler von den Bildern nackter Mädchen und Jungen eine Verbindung zum Mord an einem Kind herstellen können, zum Tod der neunjährigen Peggy Knobloch, verschollen am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg, tot aufgefunden am 2. Juli diesen Jahres, 15 Kilometer entfernt in einem Waldstück in Thüringen? Weil die Ermittlungen ausblieben, gibt es darauf keine Antwort.

Genau das, die Verbindung zum Fall NSU zu prüfen, ist nun Aufgabe der Ermittler unter Führung der Bayreuther Staatsanwaltschaft. Am Fundort der stark verwesten Leiche hatten Polizisten ein winziges Stück Stoff gefunden, aus dem Experten eine DNA-Spur extrahierten. Spurenverursacher, wie es in der Polizeisprache heißt, ist einem Abgleich zufolge Uwe Böhnhardt, Mitglied des NSU.
Der NSU-Prozess läuft unterdessen weiter

Während Kriminalpolizisten nun allen erdenklichen Spuren nachgehen, läuft in München der NSU-Prozess weiter. 316 Verhandlungstage lang haben sich die Richter gemeinsam mit den anderen Verfahrensbeteiligten durch das Leben, die Taten und das Unterstützernetzwerk des NSU gewühlt. So wird es wohl auch weitergehen.

Dass der Fall Peggy Thema im Terrorverfahren wird, ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Zur Anklage wird der Mord in München nicht gelangen. Ein solcher Vorgang ist zwar möglich, doch wäre dafür vieles zu belegen: Von dem Indiz gegen Böhnhardt ausgehend, müsste Beate Zschäpe oder einer der anderen vier Angeklagten eine Beteiligung an der Tat nachgewiesen werden. Diese müsste zudem etwas mit dem Terrorkomplex zu tun haben. Doch wie der Mord an dem Mädchen zu den restlichen NSU-Taten, den Morden und Anschlägen gegen Migranten und deutsche Polizisten passen sollte, ist völlig unklar.

Das macht die aktuelle Lage so verwirrend. Der Fall Peggy ist ein Puzzlestück, das auf dem Tisch liegt, aber nicht passt. Jeder Versuch, es in den Komplex Nationalsozialistischer Untergrund einzusetzen, scheitert. Es gibt Hinweise, es gibt Möglichkeiten, aber keine geht über eine Spekulation hinaus. Das ist extrem frustrierend, sollte aber nicht dazu verleiten, die Ermittlungen mit einem blinden, rasenden Aufklärungseifer zu vermischen.
Daimagüler will neue Untersuchung der Kinderporno-Spur

Der Nebenklageanwalt Mehmet Daimagüler kündigte ohne viel Zeitverzug an, er wolle eine neue Untersuchung der Kinderporno-Spur beantragen. Im Terrorismus-Prozess, wohlgemerkt. Würde das Gesuch tatsächlich vorgebracht, wäre es chancenlos. Der Opfervertreter müsste sich von den Verteidigern der Angeklagten zurecht den Vorwurf gefallen lassen, er wolle den Prozess ausfransen und in fremden juristischen Gebieten wildern.

Trotzdem gilt: Daimagüler gibt lediglich die Fragen wieder, die sich sämtliche Beobachter des Prozesses stellen: Was ist, wenn etwas dran ist an der DNA-Spur, an der Möglichkeit, Uwe Böhnhardt sei in einen Kindermord verwickelt? Solange das Rätsel um den Stofffetzen nicht aufgeklärt ist, werden diese Fragen nicht mehr verschwinden. Sie werden stumme Begleiter des Prozesses bleiben, eröffnen sie doch die Möglichkeit, dass die NSU-Täter noch ganz andere Motive des Mordens hatten als bisher bekannt.

Diese Vorstellung wird den Prozess nicht verändern, aber vielleicht den Blick darauf. Der Fall Peggy ist ein zusätzliches Mysterium, eines von etlichen, die den Fall der Terrorzelle seit jeher begleiten. Das Dickicht der Rätsel ist noch ein wenig undurchdringlicher geworden.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc...tersuchung

(Tom Sundermann, der NSU-Prophet von ZON. Vielleicht passt es ja doch und der NSU muss umgeschrieben werden. Schon eigenartig, wie die erste richtige Spur (DNA) von den Gazetten heruntergespielt wird.
Dabei wäre es die erste konkrete DNA-Spur an einem an einem Tatort eines NSU-Verbrechen überhaupt, nachdem an den anderen 27 Tatorten genau nichts bisher gefunden wurde.)
Antworten


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