Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Die Spaltung der Linken — Ganz im Sinne der Herrschenden
#1
Die Spaltung der Linken — Ganz im Sinne der Herrschenden

von James B.
Ich freue mich sehr, dass James, der immer mal wieder Texte für uns übersetzt hat, hier einen eigenen Text geliefert hat, und hoffe, dass von beidem (dem Übersetzten wie dem Eigenen) noch mehr kommt…D.H.

Wenn schon Putin im Verlaufe des Maidans ein spaltpilziger Vorgeschmack war, dann haben diejenigen, die sich politisch links zu Hause fühlen, im Zuge des Refugee-Welcome-Phänomens die endgültige Spaltung ihrer politischen Heimat erlebt.
»Putin-Versteher« haben schon früh erkannt, daß etwas viel Größeres zur Disposition steht als eine zunächst innenpolitisch gestellte Grundsatzfrage, wie etwa der nach der Atomkraft. Die Frage lautet nämlich nicht mehr, ob Rußland noch dazugehört oder nicht, oder ob die Antwort darauf sich auf »Rußland« in der Person Putins beschränkt oder nicht, sondern: ob wir eine monopolare Weltordnung möchten oder nicht.
Zu letzterem dürfte und sollte im gesamten linken Spektrum Einigkeit herrschen, sonst hat man Grundsätze linker Politik nicht verstanden (für nicht-linke Leser: Niemand hat in der Welt einen alleinigen Führungsanspruch). Eine multipolare oder gar-keine-polare Welt sollte also ein Ziel linker Politik sein. Doch hin zu diesem Ziel wird der Weg, der dazu beschritten werden muß, leicht vergessen, und deshalb ist es um so ärgerlicher mit anzusehen, wie sich die Linke spaltet, wo sie noch gar nicht erst angefangen hat, den Weg zu beschreiten. Und weil sie ihn nicht begriffen hat, streitet sie schon vorm Abmarsch.
Meiner Meinung nach begeht DIE LINKE einen katastrophalen Fehler, der unbeabsichtigte Kollateralschäden birgt, aber vor lauter Verblendung einer möglichen Regierungsbeteiligung (»r2g« für Rot-Rot-Grün) übersehen wird. Man schlägt sich die Hände überm Schädel zusammen, wenn die Regierungsfähigkeit an die Nato-Bündnisfrage geknebelt wird und die ZDF-Nachrichtentante darauf auch noch eine verkäufliche Weder-noch-Antwort bekommt — von einem LINKEN-Vorstandsmitglied! Die SPD konnte seit Schröder, Mehrwertsteuer und Hartz IV nicht krasser umfallen — umgefallen auf dem Weg zum Ziel einer gerechteren Sozialpolitik, lautete das nichtausgerufene Ziel nach dem Umfallen: »marktkonforme Demokratie«. Im Ergebnis sinken die SPD-Wahlergebnisse seit Jahren in den Bereich eines handelsüblichen Flaschenbieres. Der linken Partei droht nun der gleiche Irrweg, und das Gros der Führungsriege scheint es nicht einmal zu bemerken — Macht korrumpiert.
Wer sich als Linker sieht und kein Putinversteher ist, hat noch zuviel Vertrauen in die Leitmedien. Dies gilt umso deutlicher für diejenigen Linken, die weder Putin verstehen wollen und die zugleich mehr oder weniger blind der in den gleichen Medien gepriesenen Refugees-Welcome-Kultur folgen. Seit den Tagen Roms lautet ein Leitsatz der Mächtigen: »Teile und herrsche«. Nichts ist für die bestehende Machtordnung bedeutender als eine zerstrittene und in möglichst viele Splitter geschlagene Linke. Diese Bedeutung vergrößerte sich massiv mit dem Mauerfall, als die staatlich getragene Linke zerbrach und die US-Regierung ihre Chance auf die uneingeschränkte Weltvorherrschaft witterte. Spätestens damit brachen sich die deregulierten Märkte, massive Privatisierungswellen und marktkonforme Sozialnormen auch in Deutschland bahn.
Jeder hat mitbekommen, wie Bundespräsident Gauck »mehr Verantwortung« Deutschlands in der Welt predigt. Diese »Verantwortung« ist mitverantwortlich für unzählige Unruhe-, Konflikt- und Kriegsherde, hauptsächlich im Nahen und Mittleren Osten. Diese »Verantwortung« ist maßgeblich am verfassungswidrigen Umsturz in der Ukraine beteiligt, ebenso an der Bildung und Ausbildung der verfassungswidrigen »Opposition« in Syrien durch die Konrad-Adenauer-Stiftung und die SWP, beide übrigens stark von Steuergeldern gepäppelt. Diese, der US-Führung blind folgende »Verantwortung« ist mithin eine große Fluchtursache — für die meisten systemkonformen Refugees-Welcome-Jubelperser sind die »Flüchtenden« jedoch einfach da, wie aus heiterem Himmel.
Es ist die Pflicht eines Linken, sich diesen Zusammenhängen bewußt zu sein. Er kann dann nicht länger unkritisch der Refugees-Welcome-Kultur folgen, er hat aber im Rahmen seiner Möglichkeiten Empathie und Hilfsbereitschaft für die Betroffenen aufzubringen, wenn diese nach Deutschland gelockten Menschen ein ihrem Gefühl nach nutzloses Dasein fristen, ohne jegliche Perspektive.
Stattdessen sollen sich putinverstehende Linke in ein »Querfront«-Schema pressen lassen, das eigens für sie erfunden wurde, und zwar von den anderen, olivgrünen Linken, die sich als neue »Mitte« sehen. Siehe da: Die Linke läßt sich vom Establishment benutzen und gegen ihre eigenen Splitterfraktionen aufhetzen. Statt die Revolution zu organisieren ist sie mit sich selbst beschäftigt und liefert mit brennenden Autos, krawallreichen Wohnungsbesetzungen und dem obligatorischen »Schwarzen Block« Schlagzeilen und Bilder des Chaos, sodaß jeder daheimgebliebene TV-Zuschauer im Strahl kotzen könnte. (»Querfront« ist an sich schon hirnrissig: Linke sind in der Regel nicht fremdenfeindlich, sondern weltoffen und sie lieben die persönliche Freiheit in einem pazifistischen Wohlfahrtsstaat, während Nazis die straffe Organisation in einem diktatorischen Staat wollen und dabei jedes Fremde, »volksschädliche« oder »zersetzende Element« hassen. Das soll zusammengehen, weil man sich als Linker um das Wohl der Bestandsbevölkerung und der Neuankömmlinge sorgt?)
Wenn all das klar ist, sollte sich der systemkonforme linke Putin-Kritiker zum Putin-Versteher wandeln. Denn es ist Wladimir Putin, der nicht zu allem Ja und Amen sagt, was aus Washington kommt, was wiederum vom deutschen Staatsfunk verbreitet und von transatlantischen »Denkfabriken« aufgekocht wird. Dieser Linke ist es dann, der in Putin jemanden sieht, den er selbst immer sein wollte, dazu aber nie die Macht hatte und sie als Einzelner so schnell auch nicht haben wird. Jemand, der sich gegen das Establishment auflehnt, so lange es den kleinen Mann ausbeutet und nach Strich und Faden übers Ohr haut. Jemand, der nicht einverstanden ist mit der salamischeibchenweisen Aushöhlung von Bürgerrechten mit jedem terroristischen Anschlag als Vorwand. Jemand, der nicht einverstanden ist mit der Feudalmacht der Machtsüchtigsten unter den Reichsten der Reichen. Jemand, der nicht einverstanden ist mit der anhaltenden Umverteilung von unten nach oben und dem zusammenhängenden Rückbau sozialstaatlicher Errungenschaften. Jemand, der nicht einverstanden ist mit geopolitisch motivierten Hegemonialkriegen, die in nicht-wahabittischen Muslimen (Iran als »Erzfeind« der USA und Saudi-Arabiens) feindselige Untermenschen sieht und ein balkanisiertes Rußland auf den Knien sehen will, um seine Naturschätze und Menschen nach Gusto auszubeuten.
Sollte das nicht klar sein, sollte er sich fragen, ob er nicht besser bei der CDU oder den Grünen aufgehoben wäre.

weiter hier:http://vineyardsaker.de/analyse/die-spal...rschenden/
Antworten


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste