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Prozeßdoku von democ.de
#1
Exclamation 
Die Doku ist ausführlicher als die Presseberichte.
Ich archiviere sie hier unkommentiert und in voller Länge.
Antworten
#2
1. Verhandlungstag: Prozessprotokoll

Hauptverhandlung gegen Stephan B. vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgericht Naumburg

1. Verhandlungstag (21. Juli 2020)
CN: Das nachfolgende Protokoll enthält explizit gewaltverherrlichende, rassistische, antisemitische und menschenverachtende Aussagen und Ausdrücke.
Wir protokollieren die vollständige Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Attentäter von Halle. Wir versuchen dabei, so nah wie möglich am Wortlaut der Verhandlung zu bleiben, direkte Zitate sind durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Da es nicht zulässig ist, die Verhandlung mitzuschneiden, entsteht unser Protokoll auf Basis unserer Mitschriften aus dem Gericht. 
Einige Passagen haben wir bewusst gekürzt. So werden etwa Inhalte, die die Persönlichkeitsrechte von Prozessbeteiligten oder Dritten verletzen könnten, nicht veröffentlicht. Zudem streichen wir in der öffentlich zugänglichen Fassung des Protokolls jene Passagen, die Details der Tat und Tatplanung beinhalten und deren Veröffentlichung eine Gefahr, etwa durch Nachahmer, darstellen könnte. Die entsprechenden Abschnitte werden mit “[XXX]” gekennzeichnet. In begründeten Ausnahmefällen können etwa Wissenschaftler*innen oder Journalist*innen die gestrichenen Passagen bei uns anfragen. 
Nachnamen werden ggf. abgekürzt. An Stellen, an denen uns unser Protokoll nicht präzise genug war, etwa weil Wortbeiträge unverständlich vorgetragen wurden, haben wir Auslassungen auf die gängige Weise “[…]” angegeben.


Verhandlungsbeginn
Der Angeklagte Stephan B. wird mit Fuß- und Handfesseln in den Saal geführt. Die Handfesseln werden ihm abgenommen. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens eröffnet die Hauptverhandlung in der Strafsache gegen Stephan B. vor dem Staatsschutzsenat des OLG Naumburg. Sie stellt die Anwesenheit der Dolmetscher ins Russische, Türkische, Polnische und Englische fest und erläutert die besonderen Bedingungen des Verfahrens: Sie gehe mit Blick auf die Corona-Pandemie davon aus, dass alle Anwesenden keine Krankheitssymptome haben.
Sie selbst habe ein Verfahren mit derart vielen Beteiligten noch nicht geführt. Die Pausenregelungen und Regelungen zur Nutzung der Mikrofone werden erläutert. Es können maximal drei Mikrofone gleichzeitig durch die Verfahrensbeteiligten genutzt werden.
Im Anschluss stellt Mertens die Anwesenheit der Vertreter der Generalbundesanwaltschaft fest: Diese wird durch Bundesanwalt Kai Lohse und Oberstaatsanwalt Schmidt vertreten.
Der Angeklagte Stephan B. wird von RA Hans-Dieter Weber und RA Rutkowski vertreten. 
Mertens verliest die Namen der anwesenden Vertreter*innen der Nebenklage und Sachverständig*innen.
Gegenstand der Hauptverhandlung ist die Anklageschrift der GBA vom 3. April 2020, welche mit Beschluss vom 11. Juni 2020 zugelassen wurde. Die Vorsitzende stellt fest, dass es vorab keine Absprachen zwischen den Verfahrensbeteiligten gegeben habe und belehrt den Angeklagten B. über sein Rechte, insbesondere sein Aussageverweigerungsrecht. 
Sodann werden die Personalien des Angeklagten festgestellt:
Stephan B., geboren am [x].[x].1992 in Alsleben, deutscher Staatsangehöriger, zuletzt wohnhaft in Benndorf.
Auch B.s bisherige Haftzeit wird festgestellt:
Der Angeklagte wurde am 9. Oktober 2019 vorläufig festgenommen und ist seit dem 10. Oktober 2019 ununterbrochen in Untersuchungshaft.
B. gibt an, dass er sich zur Sache äußern möchte. 
Verlesung der Anklage
Bundesanwalt Kai Lohse verliest die Anklageschrift. Laut Anklage hat B. sich am 9. Oktober 2019 in Halle an der Saale durch 13 “rechtlich selbstständige Handlungen” strafbar gemacht. Diese werden einzeln aufgezählt. […]
Stephan B. wird vorgeworfen, zwei Menschen „aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch“ ermordet zu haben und in neun Fällen zum Nachteil von 68 Personen versucht zu haben, Menschen zu töten, u. a. heimtückisch, aus niedrigen Beweggründen und um eine andere Straftat zu ermöglichen. Neben mehrfachen körperlichen Misshandlungen und räuberischer Erpressung, wird ihm vorgeworfen, „eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung in einer Weise, die geeignet ist den öffentlichen Frieden zu stören, geleugnet zu haben“. Hinzu kommt u. A. versuchte räuberische Erpressung. Ebenso sei er vorsätzlich und grob verkehrswidrig zu schnell gefahren und habe fahrlässig das Leib und Leben eines anderen Menschen gefährdet.
Bundesanwalt Lohse schildert den Tathergang aus Sicht der Bundesanwaltschaft:
1. und 2. Tat: Der Angeklagte B. sei am 09. Oktober 2019 um kurz vor 12 Uhr bewaffnet mit acht Waffen und Sprengsätzen zur Synagoge der Jüdischen Gemeinde Halle (Saale) gefahren, um einen Mordanschlag auf die Besucher der Synagoge zu verüben und eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten.
Er habe aus antisemitischer, rassistischer und menschenfeindlicher Gesinnung heraus gehandelt. B. habe sich aus dem sozialen Leben herausgedrängt gefühlt und die Tat Monate zuvor geplant. Die Schusswaffen und Sprengsätze habe er selbst gebaut.
Seine Tat habe er in Anlehnung an den rechtsextremen Attentäter von Christchurch, Brenton Tarrant, begangen. Er hätte ein Zeichen gegen die Verdrängung von Deutschen setzen wollen. Seine Tat habe er mit einer Kamera an seiner Schutzweste gefilmt. Die Kamera sei mit einem Smartphone verbunden gewesen, um die Aufnahme der Tat per Livestream auszustrahlen. Unmittelbar vor der Ankunft in der Synagoge habe er einen Link mit drei selbstverfassten Dokumenten veröffentlicht, die Angaben zum Tathergang, zu den Waffen und zu seiner Motivation enthalten. In einem der englischsprachigen Dokumente habe er mit den Worten “Kill all Jews” dazu aufgerufen, alle Juden zu töten.
Seine Tat habe er per Livestream auf der Plattform “Twitch” übertragen. Er wollte Nachahmer zu ähnlichen Taten animieren. Im Stream habe er in seinem einleitenden Kommentar den Holocaust “in Abrede” gestellt, indem er sagte “I think the Holocaust never happened”. Er bezeichnete Juden als Wurzel vermeintlicher Probleme und als Ratten. 
Im Anschluss an diesen Kommentar habe er sich dem Tatvorhaben zugewandt. Er sei davon ausgegangen, dass aufgrund des Feiertags Jom Kippur, der an dem Tag begangen wurde, besonders viele Leute in der Synagoge sein würden und wollte eine möglichst große Anzahl der Besucher töten. 
52 Personen hielten sich zum Tatzeitpunkt in der Synagoge auf. 
Gegen 12 Uhr ging B. mit einer Schrotflinte, einer Sprenggranate und […] auf die Eingangstür zu. Er habe dabei die Vorstellung gehabt, nun mit dem Töten beginnen zu können.  Sein Vorhaben misslang, da die Tür verschlossen war. Er habe die Schrotflinte abgestellt und die Granate geworfen. Dabei habe er mit der Absicht gehandelt, dass Personen die sich auf der Freifläche (im Hof) aufhielten tödlich getroffen werden oder er Flüchtende erschießen könne.
Anschließend sei er weiter zum Tor der Synagoge gegangen. Er habe einen weiteren Sprengsatz in der Türspalte platziert und detonieren lassen. 
Wenig später habe er wieder versucht das Tor aufzudrücken – auch dieser Anlauf sei misslungen. Er sei an der Mauer entlanggelaufen. Kurze Zeit später sei der dritte Anlauf gefolgt – er habe mit der Schrotflinte auf die Tür geschossen. 
Zuerst habe seine Waffe Ladehemmung gehabt, dann habe er drei Schüsse abgefeuert. 
Die Tür ließ sich nicht öffnen. Er habe dreimal gegen die Tür getreten, ohne Erfolg. 
Anschließend sei Stephan B. zurück zu seinem PKW gegangen und habe drei Molotowcocktails und […] geholt. Er habe in der Vorstellung gehandelt Personen verletzen oder töten zu können. Dann habe er versucht, die Synagoge in Brand zu setzen. 
Schließlich habe er sein Vorhaben aufgrund der ihm verfügbaren Mittel als gescheitert angesehen. Gegen 12:07 Uhr habe er den Tatort mit einem Mietfahrzeug verlassen.
3. Tat: Kurz vor der Sprengung der Tür sei Jana L. an dem Angeklagten vorbeigekommen, ohne zu erkennen, dass B. bewaffnet war. Er habe aus Verärgerung, nicht in die Synagoge eindringen zu können, in Tötungsabsicht vier Schüsse aus der Maschinenpistole abgegeben. Er habe Jana L. aufgrund ihres Aussehens für minderwertig gehalten und “sprach ihr die Lebenswürdigkeit ab”. Er habe weitere 11 Schüsse auf Jana L.s Körper abgegeben, als diese bereits am Boden lag. Dabei zerschoss er versehentlich einen Reifen. Er habe Jana L. als “Schwein” bezeichnet. Jana L. verstarb an Ort und Stelle an den Schussverletzungen. 
4. Tat: Unmittelbar nach den Schüssen auf Jana L. sei B. zur Synagoge zurückgekehrt. Dort habe er Mandy R. wahrgenommen. Er habe seine Maschinenpistole angelegt und erkannt, dass die Waffe Ladehemmung hatte. R. habe sich aus dem Schussfeld entfernt. B. sei sich des Risikos für ihn bewusst gewesen, wenn er R. verfolgen würde. 
5. Tat: Kurz nach der Begegnung mit Mandy R. habe B. versucht, über Nachbargrundstück auf das Gelände der Synagoge zu gelangen. Stanislaw G. habe derweil den Körper von Jana L. bemerkt, ohne das Geschehen vorher mitbekommen zu haben. Er habe gehalten, um Hilfe zu leisten. Der Angeklagte habe seine Maschinenpistole auf ihn gerichtet, um ihn zu töten. Aufgrund von Ladehemmungen habe sich kein Schuss gelöst. Nachdem er es ein zweites Mal versucht habe, sei er von Tötungsversuch mit der Maschinenpistole abgerückt. Danach habe B. die Schrotflinte ergriffen, um mit dieser Stanislaw G. zu erschießen. Stanislaw G. habe die Zeit genutzt, um zu fliehen. Ein tödlicher Schuss sei nicht mehr möglich gewesen, was B. bewusst gewesen sei.
6. Tat: Im Anschluss habe sich der Angeklagte mit einem PKW von der Synagoge entfernt und sich 12:09 Uhr dem “Kiez-Döner” genähert. Aufgrund der “Frustration, keine große Anzahl von Menschen getötet zu haben”, habe er sich spontan entschlossen, eine andere Bevölkerungsgruppe anzugreifen, die er für seine Misere verantwortlich machte. Diese dort anzutreffen, vermutete er aufgrund des Namens der Gaststätte. […]
B. habe eine Granate auf die Gaststätte geworfen und sei in der Hofeinfahrt in Deckung gegangen. Er habe die Eingangstür verfehlt. Ein Nagel habe […] getroffen, wovon er/sie ein Hämatom davongetragen habe. Danach habe B. das Geschäft betreten, sei auf Kevin S. getroffen und habe zwei Schüsse abgegeben, weil er ihn irrtümlich für einen Muslim gehalten habe. Er habe Kevin S. vorerst verfehlt. Dieser sei dann geflohen und B. sei ihm gefolgt. Conrad R. sei in den Toilettenraum geflohen.
B. habe Bernd H. wahrgenommen und die Maschinenpistole angelegt. Er habe zweimal versucht, in Tötungsabsicht zu schießen, sei aber aufgrund von Ladehemmung gescheitert. Bernd H. habe die zeitliche Verzögerung zur Flucht genutzt. Auch der dritte Schussversuch sei an einer Ladehemmung gescheitert.
B. sei davon ausgegangen, dass er Bernd H. nicht töten könne. 
Zeitgleich habe er Kevin S. zusammengekauert gefunden. Er habe wiederum angelegt und versucht, zu schießen. Erneut habe sich aufgrund einer Ladehemmung kein Schuss gelöst.
Er habe erneut angelegt, wieder sei die Schussabgabe gescheitert. 
Auch ein weiterer Schuss auf Wolfgang B. sei gescheitert. Wolfgang B. sei geflohen. B. habe erkannt, dass die Verfolgung sinnlos gewesen sei. B. habe erneut auf Kevin S. angelegt. Zwei Versuche weitere seien gescheitert. Der Angeklagte habe nun mit Einzelladerpistole gezielt. Ein Schuss habe Kevin S. getroffen.
B. habe den Imbiss verlassen und sei zum Mietwagen gegangen. Danach sei er zurückgekehrt und habe mit einer Schrotflinte auf den lebenden Kevin S. geschossen. Er sei weggegangen, erneut umgekehrt und habe zwei weitere Schüsse abgegeben. Dann habe er die Gaststätte um 12:15 Uhr verlassen. Kevin S. erlag multiplen Schussverletzungen u. a. durch Schüsse in Herz und Lunge.
7. Tat: In der Schillerstraße habe B. mit einer Schrotflinte auf einen tunesischen Staatsangehörigen gezielt. B. habe aufgrund seiner erkennbaren Abstammung die Absicht gehabt, ihn zu töten. Dieser konnte jedoch fliegen. B. habe einen Schuss abgegeben und ihn verfehlt. B. habe erkannt, keine Möglichkeit mehr zu haben, ihn einzuholen.
8. Tat: Der Angeklagte sei mit dem Mietfahrzeug einige Meter auf und ab gefahren und habe dann gehalten. Er sei mit der Schrotflinte ausgestiegen. Er habe Abdul […] und eine unbekannte Person gesehen und aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes für Muslime gehalten. B. sei ihnen einige Meter gefolgt und habe auf sie geschossen. Er habe sie “aufgrund ihrer Herkunft töten” wollen. Die Angegriffenen haben Deckung gesucht, ein weiterer Schuss habe sie verfehlt. B. habe erkannt, dass er den Vorsprung der Geschädigten nicht einholen könne.
9. Tat: B. sei auf der Ludwig-Wucherer-Straße einige Meter gefahren und dabei auf eine Funkstreife der Polizei gestoßen. […] Die Polizisten hätten bereits über Funk von einem Schusswaffengebrauch gewusst. B. habe sich in seinem Vorhaben, Menschen zu töten, gehindert gesehen. Er sei aus seinem PKW ausgestiegen und habe sich mit der Schrotflinte hinter seiner Fahrertür positioniert. Dann habe er sich hinter das Heck des Fahrzeugs begeben und drei weitere Schüsse abgegeben. […] B. habe versucht eine Rauchgranate zu zünden, aber sei durch den Schuss aus einer Maschinenpistole von einem Polizisten getroffen wurden. Er sei zu Boden gefallen und einige Sekunden benommen gewesen. […]
B. habe erkannt, dass er der Polizei unterlegen war und fuhr mit seinem PKW weiter.
10. Tat: B. habe versucht, so schnell wie möglich zu fahren, um sich der Verfolgung durch die Polizei zu entziehen. Er sei mit einem Taxi zusammengestoßen und mit hoher Geschwindigkeit auf die Gegenfahrspur gewechselt. B. habe bei seiner Fahrt Abdi I. mit seinem Seitenspiegel angefahren. Anschließend habe B. seine Fahrt fortgesetzt.
11. Tat: Der Angeklagte habe um kurz vor 13 Uhr sein Auto in Landsberg abgestellt, um die Flucht mit einem anderen Fahrzeug fortzusetzen. Er habe die selbstgebaute Einzelladerpistole und Manschinenpistole mitgenommen. In der Hofeinfahrt, [XXX, Adresse, Anmerkung democ.], habe er von Jens Z. verlangt, die Schlüssel seines PKWs auszuhändigen. Dieser habe angegeben, keine Schlüssel zu haben. B. habe aus Wut auf Jens Z. geschossen, weil dieser angab, keine Schlüssel zu haben. Er habe dessen Tod billigend in Kauf genommen und herablassend gehandelt, da er ihn als “der Unterschicht zugehörig” betrachtete. Danach habe der Angeklagte auf die Beine von Dagmar M. geschossen. Der Schuss habe den linken Gesäßbereich getroffen und M. habe durch den Sturz eine Schürfwunde davongetragen. […]
B. habe auch M. gegenüber “aus einer geringschätzigen Haltung heraus” gehandelt und habe mit seiner Tat des Weiteren versucht, einen PKW in seinen Besitz zu bringen. Beide verweigerten weiterhin Schlüssel. B. habe es für möglich gehalten, dass beide so verletzt seien, dass diese sterben würden.
13. Tat: Gegen 13 Uhr habe B. sich zur KFZ-Werkstatt, [XXX, Adresse, Anmerkung democ.], begeben, um einen PKW zu beschaffen. Dort habe er von Christian W. die Herausgabe eines Taxi-Fahrzeugs verlangt. Er habe mit einer Waffe dessen Bruder Daniel W. bedroht, worauf dieser ihm die Zündschlüssel eines Taxis gab. B. habe anschließend zwei 50-Euro-Scheine auf den Boden geworfen. […]
B. wurde auf der Bundesstraße 91 nach einem Zusammenstoß mit einem LKW festgenommen. Zusammenfassend nennt Bundesanwalt Lohse die Tatbestände. B. sei angeklagt wegen Mordes, versuchten Mordes, versuchter räuberischer Erpressung mit Todesfolge, besonders schwere räuberischen Erpressung, Volksverhetzung, gefährliche Körperverletzung […].
Der geschädigte Abdi I. habe laut Lohse Strafantrag gestellt
Es bestehe ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung der Taten.
Es komme die Unterbringung von B. in Sicherheitsverwahrung in Betracht.
Aussage Stephan B.
Zunächst belehrt die Vorsitzende Richterin Mertens den Angeklagten B. bezüglich eines Rechts auf Aussageverweigerung. Auf die Frage, ob er aussagen wolle, antwortet B. mit “Ja”. Die Richterin Mertens erklärt, es werde zuerst um seinen Lebenslauf, die Vorgeschichte der Taten und dann um das allgemeine Tatgeschehen gehen. Einzelheiten würden nach Inaugenscheinnahme des Videos besprochen. Gegebenenfalls werde dies wiederholt. Die Verfahrensbeteiligten hätten das Recht, Fragen zu stellen.
Auf Mertens’ Frage, wie seine Kindheit verlaufen sei, antwortet B., das sei unwichtig. Die Vorsitzende antwortet, sie würde nicht fragen, wenn sie nicht wüsste, dass seine Eltern geschieden seien und fragt nach B.s Alter bei der Scheidung.
B. antwortete er sei etwa 14, 15 Jahre alt gewesen.
Die Vorsitzende fragt, ob er die Trennung als belastend empfunden habe. B. antwortet mit “Nein”, sie hätten ein gutes Verhältnis.
Auf die Bitte, davon mehr zu erzählen, gibt B. an, die Tat hätte keinen Bezug zur Familie. Die Vorsitzende erklärt, man frage sich natürlich, wie Menschen sich entwickeln. 
B. antwortet: “Man fragt sich natürlich, wie man diese Handlungen verhindern kann. Daran habe ich kein Interesse.”
Die Vorsitzende Mertens fragt nach B.s Schwester. Er antwortet, sie sei drei Jahre älter und er habe ein gutes Verhältnis mit seiner Schwester und seinen Eltern. Die Fragen, ob er von weiteren Personen Besuch erhalten habe und ob er eine Telefonerlaubnis habe, werden beide mit “Nein” beantwortet. Dass er seine Schullaufbahn als unauffällig empfunden habe, beantwortet B. mit “Ja, unauffällig”.
Auf die Frage, ob er mit sechs Jahren eingeschult worden sei, antwortet B., das müsse so sein. Ob er die Grundschule bis zur sechsten Klasse besucht habe, bejaht B.
Auf die Frage, mit wie viel Schuljahren er einen Abiturabschluss erhalten habe, sagt er “mit 12 Jahren”. B. gibt auf Nachfrage der Vorsitzende an, nie eine Klasse wiederholt zu haben, eine Vorliebe für Biologie und eine Schwäche in Englisch gehabt zu haben.
Die Frage, ob er gute Freunde gehabt habe, verneint B.. Auf die Frage nach seinen Interessen gibt er “Internet” an. Er habe irgendwann als Teenager dazu Zugang bekommen. 
Die Vorsitzende fragt, ob es sein „Haupthobby” gewesen sei. Er sagt: “Neben vielen anderen, ja.” B. erklärt, er wolle nicht über Privatsachen reden. Die Vorsitzende fragt, ob ihn das Internet fasziniert habe. Er antwortet, “in gewisser Weise ja”. Auf die Rückfrage, was daran besonders faszinierend gewesen sei, sagt B.: “die Möglichkeit sich frei zu unterhalten”.
Die Vorsitzende hakt nach, ob es diese Möglichkeit auch woanders gebe. B. antwortet: “Nicht in Deutschland!”.
Ob er sich mit anderen Menschen Kontakt hatte, beantwortet er mit “Ja, selten”. […] Er bestätigt, dass seine Schwester ihn manchmal mitgenommen habe. Wie er dies empfunden habe, fragt die Richterin. “Ganz nett”, antwortet B..
Die Vorsitzende will wissen, ob sich etwas daraus entwickelt hat. B. antwortet, man hätte halt ein paar Bekannte. Auf die Nachfrage, ob das bis zuletzt so gewesen sei oder geendet hätte, gibt B. an, das hätte nach und nach abgenommen. 
Die Vorsitzende fragt B., ob er wisse, was die Ursache war. Er antwortet, das seien verschiedene Sachen gewesen und das sei unwichtig. Seine Schwester habe sich trotzdem bemüht, fragt die Vorsitzende Mertens, was B. bestätigt: “Auf jeden Fall.”
Habe er seine Schwester gesehen? Ja. Auf Nachfragen bzgl. des Kindes seiner Schwester möchte B. nicht eingehen. B. bejaht, ob die Schwester einen eigenen Haushalt führt.
Die Vorsitzende fragt nach B.s Wehrdienst. Er gibt an, einen verkürzten Wehrdienst von sechs Monaten in der Panzergrenadier-Einheit 4012 in Hagenow, Niedersachsen, geleistet zu haben. Nach Möglichkeit sei er nach Hause gefahren. Der Wehrdienst sei anstrengend gewesen, da er unsportlich gewesen sei. Die Bundeswehr sei “keine richtige Armee”, sondern nur “Bürger in Uniform”.
Ob er jemals überlegt habe zu verweigern, fragt die Vorsitzende. “Niemals!”, erwidert B.
Auf die Frage nach freundschaftlichen Kontakten gibt B. an, nur einen Bekanntenkreis gehabt zu haben und in diesem seien auch nur wenige gewesen. Die Vorsitzende fragt, was seine Pläne nach dem Wehrdienst gewesen seien.
B. antwortet, er habe ein Studium anfangen wollen: “Molekulare und Strukturelle Produktgestaltung”. Er habe eine Einzimmerwohnung in Magdeburg angemietet. Die Vorsitzende fragt, wann er dort hingezogen sei. Der Angeklagte antwortet, sie habe die Daten. Er habe in einer der ärmsten Gegenden gewohnt und habe in der Wohnung die Lüftung abkleben müssen, da Insekten herausgekommen wären, “weil die Mieter” über ihm “Drecksschweine” gewesen seien. Dies sei ein ehemaliger Plattenbau gewesen, der mittlerweile abgerissen wurde. Dort habe er sich nicht sehr wohlgefühlt.
Die Frage, ob er eine Fahrerlaubnis gehabt habe, beantwortet er mit “Ja”, er habe aber kein Auto gehabt. Sein Studium sei mäßig gelaufen, so B. Es hätte Fächer gegeben, die ihm Spaß gemacht hätten, aber auch welche in denen er richtig schlecht gewesen sei.
Die Vorsitzende fragt, ob das Studium die richtige Wahl gewesen sei. Er antwortet mit “Nein”. Er habe dann im 2. Semester zu Chemie gewechselt, weil ihm das mehr lag. Auf Rückfrage der Vorsitzenden gibt er an, das sei besser gewesen.
Die Vorsitzende fragt, ob dann die Krankheit kam und bittet um Schilderung. Er sagt er möchte die Krankheit ungern schildern, sie hätte die Akten. […] Er habe sich über ein Jahr nicht richtig bewegen können, so B. und er habe heute noch Probleme. Die Vorsitzende fragt, wann es gut oder besser gegangen sei. B. antwortet, das sei 3 bis 4 Jahre später gewesen. Die Vorsitzende fragt, ob er in der Zeit wieder bei der Mutter gewohnt habe. Er sagt, ja, das habe er, aus Geldgründen. Die Vorsitzende fragt, wie seine Pläne zu diesem Zeitpunkt waren. Er lacht und sagt, er hätte keine mehr gehabt. Sie fragt ihn, ob er so “in den Tag rein gelebt” habe. Er sagt, ja, das könne man so sagen. Rehasport habe er nicht gemacht. Ob er eine Therapie gemacht habe, will die Vorsitzende wissen. “Nein”, sagt B. Einen Kuraufenthalt? Er denke, das habe er abgelehnt. “Warum?”, will die Vorsitzende wissen. “Das ist für alte Leute”, begründet B.. Dem widerspricht die Vorsitzende und weist darauf hin, dass es auch für junge Männer, die krank sind, geeignet sei. Das sei jedenfalls der Grund gewesen, erwidert B.. Er habe “keine Lust gehabt.”
Die Vorsitzende sagt, dass sie sich vorstelle, dass es da Leidensdruck gebe. B. stimmt zu und antwortet, dass es nicht schön sei.
Die Vorsitzende erklärt, sie versuche zu verstehen, warum er da nicht ein bisschen aktiv geworden ist. B. antwortet, das sei alles unwichtig. Die Vorsitzende sagt, sie wisse nicht ob es unwichtig ist. B. sagt, er wisse es aber und er möchte nicht antworten.
Ob er überwiegend zu Hause und im Internet gewesen sei, will die Vorsitzende wissen. 
“Ja”, und er habe Sport getrieben. Anfangs nur gegangen, dann Liegestütze, Sit-ups und Laufen. Die Vorsitzende fragt, ob er im Fitnessstudio gewesen sei, was B. verneint. Ab wann es ihm wieder “richtig gut” gegangen sei, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte lacht und sagt er könne darauf keine Antwort geben. B. sagt: “Nach 2015 habe ich entschieden, nichts mehr zu tun für eine Gesellschaft, die nichts mehr für mich tut und mich durch Muslime und Neger ersetzt”. Die Vorsitzende belehrt den Angeklagten, dass sie keine Beschimpfungen möchte und ihn wegen solchen Verhaltens ausschließen könne. Sie dulde nicht, dass er Straftaten im Gerichtssaal begehe. B. antwortet, dieses Wort sei früher eine normale Bezeichnung gewesen. Die Vorsitzende sagt, es gehe nicht darum, was früher war, es gehe darum, was beleidigend ist: “Diese menschenverachtenden Äußerungen möchte ich hier von Ihnen nicht hören.” […] Die Vorsitzende sagt zu ihm, er habe sich entscheiden, nichts für die Gesellschaft zu tun. Damit habe er auch entscheiden, nichts für sich zu tun.
Er habe versucht sich zu bessern, antwortet der Angeklagte. Die Vorsitzende merkt an, dass ein außenstehender Dritter, dem man erzähle, dass er noch im Kinderzimmer wohne, denken würde, dass dieser nicht viel Wert auf Lebensqualität legen würde. B. lacht und sagt: “Keine Antwort”.
Auf die Frage nach seinem Einkommen, gibt der Angeklagte an, seine Eltern hätten ihn unterstützt.  Er habe nie Sozialhilfe bekommen und nie geerbt – nur kleine Geschenke zum Geburtstag bekommen. Die Vorsitzende kommt auf seine Internetaktivität zu sprechen und fragt B., ob er Personen hatte, mit denen er gechattet hat und ob das (nicht) mit Klarnamen gewesen sei. B. lacht. Natürlich habe er mit Menschen kommuniziert, er kenne diese Personen aber nicht. Die Vorsitzende fragt, ob er mal Telefonnummern ausgetauscht hätte, was er verneint. Sie fragt weiterhin, ob jemand versucht habe, Kontakt aufzunehmen. B. lacht wieder und sagt, das habe so nicht stattgefunden. 
Die Vorsitzende fragt, ob seine Bekanntschaften außerhalb des Netzes also abgesehen von der Familie gegen null gegangen sein, was er bejaht. Auf die Rückfrage, ob es neben der Kleinstfamilie noch jemanden gab, sagt er ja, es gab noch welche, aber da wolle er nicht drüber reden und habe selten Kontakt. Zu Familienfeiern sei er hingegangen.
Die Vorsitzende fragt, ob es Streit mit den Eltern gegeben hätte. Der Angeklagte lacht und sagt: “Natürlich”. […]
B. sagt, seine Eltern hätten sich sehr Sorgen gemacht. Ob sie das artikuliert haben, fragt die Vorsitzende, was B. bejaht. […] Die Vorsitzende fragt nach dem Beruf seiner Eltern, B. antwortet, seine Mutter sei Lehrerin und sein Vater würde als Dienstleister für Rundfunk/Fernsehen arbeiten. […] Die Mutter unterrichte an der Grundschule, sagt B.. Auf die Frage, welche Fächer sie unterrichten würde, antwortet B.: “Ethik”.
Die Vorsitzende fragt, ob er Ethik gehabt habe und wenn ja, wie lange. B. antwortet, das wisse er nicht aus dem Kopf, aber es müsste ab der 7. Klasse gewesen sein. Die Vorsitzende kommt darauf zurück, dass seine Eltern sich Sorgen gemacht und ihn unterstützt hätten. Sie fragt, mit welchen Beträgen. B. gibt an, sie hätten seinen Lebensunterhalt und seine Krankenversicherung bezahlt.
Auf die Frage, was er im Monat gebraucht habe, antwortet er mit: “Keine Ahnung”. Er habe möglichst wenig verbraucht. Die Rückfrage der Vorsitzende, ob er bescheiden sei, bejaht er. 
Ob das Internet nicht auch Kosten verursacht habe, fragt die Vorsitzende. […] Er benutze technische Geräte sehr lange, bis sie kaputtgehen, sagt B.. Die Vorsitzende erfragt, woher er sein technisches Grundverständnis habe und ob er es vom Vater habe. Dies bejaht B., aber sagt, er habe es sich größtenteils selbst angeeignet.
Die Vorsitzende fragt wie sein Leben verlief und ob es von Jahr zu Jahr gleich war oder es eine Art Cut gab. B. gibt an das hätte es gegeben, die Flüchtlingskrise 2015. Die Vorsitzende fragt nach was, das Problem gewesen sei. 
Millionen Araber seien nach Deutschland geströmt und hereingelassen worden, sagt B..
Wie viele Flüchtlinge seien in seinem Heimatdorf gewesen, fragt die Vorsitzende. Plötzlich seien sie da gewesen, sagt der Angeklagte. Ob ihn dies beeinträchtigt habe, will die Vorsitzende wissen. Zögerlich antwortet B.: “Ich denke, ja”. […] Die Vorsitzende sei “vielleicht noch nie von einem Muslim dumm angemacht worden”, sagt der Angeklagte – er schon. Ob er zuvor denn noch nie angemacht worden sei, fragt die Vorsitzende. Nicht in dem Umfang, sagt B.. Wie es in der Schule war, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte antwortet, er sei kein beliebter Schüler gewesen. Ob es Hänseleien gegeben habe, fragt die Vorsitzende, worauf B. antwortet: “Ein paar”. Was der Aufhänger gewesen sei, will die Vorsitzende wissen. Der Angeklagte antwortet, er denke, Grund sei seine “geringe soziale Stellung” gewesen. Warum er von dieser sozialen Stellung ausgehe, fragt die Vorsitzende und verweist auf die Berufe der Eltern. B. lacht und verweist auf Gruppendynamiken.
Ob er unbeliebt gewesen sei, fragt die Vorsitzende. “Richtig”, antwortet B. Er solle erklären, warum er unbeliebt gewesen sei. B. lacht. […]
Ob er jemandem erzählt habe, dass er sich unwohl gefühlt habe, fragt die Vorsitzende. Nein, das habe er nicht, sagt der Angeklagte. Die Vorsitzende will wissen, ob er jemand sei, der über seine Probleme nicht rede. B. antwortet: “Eher nein”. Er habe kein Interesse daran.
Die Vorsitzende verweist zurück auf das Jahr 2015. Sie verstehe nicht, wie Menschen, die aus anderen Ländern kommen, den Angeklagten in seinem damaligen Wohnort beeinträchtigt hätten. B. lacht. […] Wie viele Flüchtlinge seien dann hinzugekommen, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte fragt gereizt, woher er das denn wissen solle.
Ob es ein Flüchtlingsheim in seiner Umgebung gegeben hätte, fragt die Vorsitzende, was B. verneint. Die Flüchtlinge seien dezentral untergebracht worden; in “Kommunistenhäusern”, fügt er hinzu. Der Angeklagte sagt, sie seien “Eroberer aus dem muslimischen Kulturkreis”.
Ob er dumm angemacht wurde, will die Vorsitzende wissen.
Er sei “drei Tage vor der Tat von drei Negern an die Seite gedrückt” worden in der Bahn, sagt B. aufgebracht. Von drei “Dunkelhäutigen”, fragt die Vorsitzende? “Ja”, sagt B..
Das passiere, dass man angemacht wird, sagt die Vorsitzende.
Sie würden sich “wie die Eroberer, die sie sind,” benehmen, sagt B.. […]
Die Vorsitzende sagt, der Angeklagte habe ja nicht so viel Erfahrung mit vielen Menschen und fragt, ob ihn viel ängstigen würde. B. antwortet, er sei wütend. Über Jahrhunderte habe man “sein Land verteidigt”. Jetzt würden “die Feinde ins Land gelassen, ohne Widerstand”. Die Vorsitzende unterbricht den Angeklagten und fragt, wo sein Name herkomme. Aus Elsass-Lothringen, antwortet B. Der Name hätte einen “hugenottischen Hintergrund”, vermutet die Vorsitzende. Er sei französisch. Er würde “rote Haare” bedeuten, was eine “rassistische Bezeichnung” sei, sagt B. 
Wenn man bei dem Angeklagten recherchieren würde, könnte man vermutlich eine Fluchtgeschichte finden, sagt die Vorsitzende. […] Die Vorsitzende unterbricht den Angeklagten und sagt, der Angeklagte könne das in Ruhe nachlesen. […] Die Vorsitzende habe ihm vorhin verboten das Wort “Neger” zu sagen, sagt B. […] Die Vorsitzende merkt an, sie solle die Eltern des Angeklagten sowie seine Schwester abladen, da diese keine Aussage machen wollen. Ob diese von seiner Tat belastet wären, fragt sie den Angeklagten.
Ja, sie seien sehr durch seine Tat belastet, sagt B.. Der Angeklagte sagt, er sei “eine Person am unteren Rand der Gesellschaft”. Wenn “Fremde kommen, rutsche [er] raus”. Er sei durch seine Krankheit bereits “rausgerutscht”, entgegnet die Vorsitzende. Er habe keine Pläne und keine Ziele gehabt. Das hätte nichts mit Flüchtlingen zu tun gehabt, sagt sie.
“Doch, sehr”, sagt der Angeklagte. […] Der Angeklagte sagt “Muslime und Araber” seien “in alle Dörfer gedrängt” worden. Die Vorsitzende sagt, sie habe verstanden, dass der Angeklagte ein Problem mit diesen gehabt habe. […]
Er habe sich erstmals 2015 angefangen zu bewaffnen – “aus Selbstschutzgründen”, sagt der Angeklagte. Im “Sommer 2015”, fügt er hinzu. […] Er habe ein Gewehr im Internet gekauft, sagt B.. Ob er dies bei der Tat dabei gehabt habe, fragt die Vorsitzende. “Ja, aber nicht verwendet”, antwortet der Angeklagte. Bestimmte Dinge seien der “Einziehung unterlegen”, sagt die Vorsitzende. Er würde nicht freiwillig auf irgendwas verzichten, sagt B.. Diese seien jetzt sichergestellt, sagt die Vorsitzende. Was der Angeklagte sich vorstelle, was mit den Dingen passieren solle, fragt die Vorsitzende. Er würde sie seiner Familie übergeben, damit sie diese verkaufen könnten, “als kleine Wiedergutmachung”, sagt B..
[XXX, Es geht um die Beschaffung der Waffen im Internet, Anm. Democ.].
Er habe viel sparen und viel verkaufen müssen, sagt der Angeklagte. Er habe nach und nach alles verkauft, was er nicht brauchte, sagt der Angeklagte.
Was er verkauft habe, fragt die Vorsitzende. “Alle möglichen Sachen”, darunter Spielzeug und Elektronik antwortet B.. […]
Ob die Mutter des Angeklagten, sein Zimmer sauber gemacht habe, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte sagt, dass sein Zimmer immer abgeschlossen gewesen sei. Die Mutter habe keinen Schlüssel gehabt. Die Vorsitzende fragt, ob es andere Räume gab, die der Angeklagte alleine genutzt hat und auf die nur er Zugriff gehabt habe. Sein ehemaliges Kinderzimmer im Haus seines Vaters, antwortet B. Er habe es verwendet, um “ursprünglich” Möbel zu lagern.
Ob nur er einen Schlüssel gehabt habe, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte verneint. Es stehe leer, aber sein Vater würde dort nicht hinein gehen. Er wolle da nichts, sagt B.. […]
“Ein paar Sachen von mir”, hätten noch im Keller gestanden und Werkzeug, das er verwendet habe, habe er im Schuppen seines Vaters stehen lassen. Die Vorsitzende fragt, ob man daraus Bezug zur Herstellung von Waffen ziehen konnte, was B. verneint.
Wo der 3D-Drucker stand, fragt die Vorsitzende. Er habe im ehemaligen Kinderzimmer bei seinem Vater gestanden. Ob der Vater B. angesprochen habe, wozu er diese Geräte brauche, fragt die Vorsitzende. Der Vater des Angeklagten habe es als Spielzeug empfunden, sagt B.. Sei der Vater nie dazu gekommen, fragt die Vorsitzende, was der Angeklagte verneint. […] Die Vorsitzende spricht die Waffen an.
[XXX, der Angeklagte stellt dar, welche Waffen er besaß, Anm. democ.]
Was er sich dabei gedacht habe, als er die Waffe gekauft habe, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte antwortet: “als Selbstverteidigungswaffe”.  “Gegen?”, fragt die Vorsitzende, worauf der Angeklagte mit “Muslime und Schwarze” antwortet.
[XXX, es geht um Bau und Beschaffung von Waffen, Anm. democ.]
Wann er festgestellt habe, dass er keine Waffen kaufen könne, fragt die Vorsitzende. 
Es sei “Herbst bis Winter 2015” gewesen, also “nach der großen Flüchtlingskrise, nach den Aufnahmen in der Tagesschau” antwortet B.. […] Er habe im Internet Pläne gefunden, wie er eine Waffe bauen könnte, sagt der Angeklagte. Er wollte dies dann ausprobieren. […]
Sein Vater habe relativ viel Werkzeug, was er nutze könne, wenn der Vater nicht da sei, sagt der Angeklagte. B. sagt, er habe nicht viel selber kaufen müssen, was praktisch gewesen sei. Sein Großvater sei gestorben und er habe sich alle Werkzeuge genommen, die funktionierten, sagt der Angeklagte. […] Die ersten Pläne habe er aus dem Internet genommen, sagt B. Dann habe er angefangen selbst zu entwerfen. Ob er sich mit anderen darüber ausgetauscht habe und auf welcher Plattform, fragt die Vorsitzende. Er habe sich “anonym mit Leuten darüber unterhalten”, antwortet B.
Also gäbe es Gleichgesinnte, fragt die Vorsitzende, was B. bejaht. Es würde “natürlich nicht gesagt, man baut eine illegale Waffe”, sagt der Angeklagte.
Die Vorsitzende fragt, ob dies das “Darknet” gewesen sei. “Auch im Darknet”, dort gäbe es jedoch “wenig Traffic”, sagt B.. Er habe 2016 angefangen, Waffen zu bauen, fragt die Vorsitzende, was B. bejaht. Es seien acht Waffen sichergestellt worden, sagt die Vorsitzende. Der Angeklagte bejaht. Über welchen Zeitraum er die Waffen gebaut habe, fragt die Vorsitzende. Er habe mit Unterbrechung drei Jahre gebraucht, sagt B. Er habe nur arbeiten können, wenn sein Vater nicht gewesen wäre und er Motivation gehabt habe.
[XXX, Angaben zu Waffen, Ausrüstung und Munition, Anm. democ.]
Die Vorsitzende fragt, ob er diese Artikel im Internet gekauft habe, was der Angeklagte bejaht. Ob er seinen Wohnort verlassen habe, fragt die Vorsitzende. “Ja”, aber er habe sich dafür das Auto seiner Mutter leihen müssen oder mit Bus bzw. Bahn fahren, sagt B.. Er habe wenig Geld gehabt und sei selten gefahren.
[XXX, Angaben zu Bezugsquellen für Waffen, Anm. democ.]
Die Vorsitzende fragt, ob er auch etwas anderes gemacht habe. Er sei durch den Wald gelaufen, sagt B.. Sonst habe er nichts unternommen. […]
Würden sie sich als einen einsamen Menschen bezeichnen, fragt die Vorsitzende. B. bejaht und sagt, “er denke schon”. Wie es ihm dabei gehe, fragt die Vorsitzende. Nach kurzer Pause antwortet B.: „suboptimal“. Die Vorsitzende fragt, ob er sich mehr soziales Umfeld gewünscht habe, was B. bejaht.
Ob er keine Möglichkeit gesehen habe, fragt die Vorsitzende. Das sei richtig, antwortet B..
Die Vorsitzende sagt, er hätte sich einer Gruppierung anschließen können.
“Nein”, sagt B. energisch, das seien „alles Verfassungsschutzleute“. Er sagt, er habe keine Angst, dass Gruppierungen von Verfassungsschutz unterwandert seien. Fast jede Gruppierung, die sich dafür einsetze, „dass Europa weiß bleibt“, sei „vom Verfassungsschutz unterwandert”. […]
Die Vorsitzende fragt, wann er sich entschieden habe, seine Tat umzusetzen. Nach dem Anschlag in Christchurch in Neuseeland, sagt B.. Die Vorsitzende fragt, was er daran spannend gefunden habe. B. sagt, es habe sich ein „weißer Mann“ gewehrt, obwohl er gewusst habe, dass er „nicht gewinnen“ könne. Der Mann habe es selbst in die Hand genommen. Dem Mann sei egal gewesen, was andere über ihn sagen. Man könne sich auch fragen, was „der weiße Mann“ in Neuseeland mache, sagt die Vorsitzende.
B. sagt, die mächtigste und stärkste Gruppe besiedle die Region. Das wichtigste sei, sich auszurüsten und zu kämpfen.
[XXX, Angaben zu den Waffen, Anm. democ.]
Die Vorsitzende sagt, der Angeklagte habe die ganze Zeit von Muslimen gesprochen. Warum habe er die Synagoge gewählt, fragt sie. B. seufzt, holt Luft und sagt, die Juden seien die „Hauptursacher am weißen Genozid“. Sie würden eine „neue Weltordnung errichten“ wollen.
Die Vorsitzende unterbricht den Angeklagten: „Herr B.“ B. sagt weiter: “[unverständlich] in einer Weltstadt [unverständlich] Protokolle [unverständlich].” Die Vorsitzende unterbricht und sagt: „Das stoppe ich jetzt“.
Sie fragt, wann der Angeklagte auf die Idee gekommen sei, seine Aggressionen „nicht nur gegen Muslime, sondern auch gegen Juden“ zu richten. B. sagt, die Juden seien die Organisatoren und seien dies auch 2015 gewesen. Ob es auch schon damals Thema war, fragt die Vorsitzende. Es sei nach und nach gekommen, sagt B. Damals sei nur das Bild der Muslime, die das Land erobern würden, präsent gewesen. […]
Die Vorsitzende fragt, wie es mit Christen sei. B. sagt, „diese semitische Weltsicht, diese Religion“ sei aus der Vorstellung, dass alle Menschen unter Gott gleich seien, „einer der Hauptgründe“, warum „die Muslime und die Schwarzen“ sich ansiedeln könnten.
Die Vorsitzende fragt, ob er meine, dass ihre bzw. unsere christliche Weltordnung „Ursache allen Übels“ sei. B. sagt dies sei nicht seine, sondern ihre Weltsicht, was die Vorsitzende bejaht. Er sagt, sie sei „nicht Ursache allen Übels“, sie würde aber zu einer „multikulturellen Entwicklung“ führen.
Die Vorsitzende verweist auf die Hugenotten und den möglichen Fluchthintergrund der Urgroßeltern des Angeklagten. B. lacht. […] Er habe kein Problem mit Religion, er habe ein Problem mit “Semitismus”, sagt B. […] Der Angeklagte sagt, das Judentum sei sowohl “ein Glaube, als auch eine Abstammung”. Die Vorsitzende fragt, warum er eine Synagoge und keine Moschee ausgewählt habe. B. sagt, es sei die Frage, ob man „das Symptom oder die Ursache bekämpfen“ wolle. Wann der Entschluss gekommen sei, die Synagoge anzugreifen, fragt die Vorsitzende. April bis Mai letzten Jahres [2019], sagt B.. Ob er mit irgendjemandem darüber gesprochen habe, fragt die Vorsitzende. „Nein, selbstverständlich nicht“, sagt der Angeklagte. Die Vorsitzende, fragt, ob er darüber mit jemandem im Internet gechattet habe. Er habe es niemals angekündigt, sagt B. [XXX, bewertet eigenes Vorgehen, Anm. democ.] Es sei Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, gewesen. Das sei der Tag „an dem die Juden für das nächste Jahr schon mal beten, dass sie sich nicht an Verträge halten“ müssten, sagt der Angeklagte. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
Der Angeklagte sagt, dass er die Waffen und Ausrüstung bereits vorher gehabt habe, da er zuvor die Idee hatte, eine Moschee anzugreifen. 
[XXX, B. führt Vorbereitung und Wahl seines Angriffsziels aus, Anm. democ.]
Im Haus seines Vaters habe er sich umgezogen, sagt B. Sein Vater sei nicht anwesend gewesen. Er denke, er sei um 11 Uhr losgefahren und um kurz vor 12 Uhr in Halle angekommen, so der Angeklagte. Er sei “dummerweise” durch die Innenstadt gefahren. […] Der Angeklagte sagt, er sei auf die Türen fokussiert gewesen und habe gehofft, dass um 12 Uhr eine Pause sei. [XXX, B. führt Überlegungen zur Tat aus, Anm. democ.]
Ob er gedacht habe, dass er gesehen werden würde, fragt die Vorsitzende. Das wäre ihm egal gewesen, sagt B. Er sei in “voller Montur” ausgestiegen. […]
[XXX, Details zur Tatdurchführung, Anm. democ.]
Die Vorsitzende fragt, ob er dies mit einer zweiten Person als Assistenz hätte machen können. B. lacht und sagt, er “kenne niemanden gut genug, um mit dem einen Terroranschlag durchzuführen.”  […]
Die Vorsitzende sagt, man sehe auf dem Video, dass der Angeklagte nicht in die Synagoge hereinkomme und man sehe, dass er frustriert sei. B. bejaht und sagt, das “Stresslevel” habe angefangen. Er habe es gefilmt und dann versage er. […]
Warum er die Tat live gestreamt habe, fragt die Vorsitzende. Weil die Übertragung, die Aufnahme wichtiger sei, als die Tat an sich, sagt B.. […]
Es gehe darum anderen zu zeigen, dass diese nicht alleine seien, so der Angeklagte. Man müsse zeigen, dass es andere Leute gäbe, die bereit wären, zu kämpfen. […]
Wann er Frau Jana L. wahrgenommen habe, fragt die Vorsitzende.
Er wisse nur, dass jemand ihn von der Seite “angeredet”, “angeschnauzt” habe, sagt B.. 
Ob er sich an die Worte erinnern könne, fragt die Vorsitzende. B. sagt, er könne sich nicht genau erinnern. Es habe etwas wie, “wenn ich hier vorbeilaufe” gehört. Die Vorsitzende fragt, als was er die Stimme identifiziert habe und ob diese hallisch, hochdeutsch bzw. ein Dialekt gewesen sei. B. lacht und sagt, er habe das in diesem Moment nicht mitbekommen. Er habe die Waffe angelegt und abgedrückt. […] 
Die Vorsitzende sagt, dass man im Video sehen würde, dass die Frau ihm bereits den Rücken zugewandt habe. B. lacht. […] Er könne nichts dafür, dass sie ihn beleidigt und sich dann weggedreht habe. “Naja, mich angeschnauzt” habe, sagt B. Die Vorsitzende sagt, dies sei für einen Unbeteiligten, der Krach mitbekommt, nachvollziehbar. Der Angeklagte verneint und sagt, er schnauze in der Regel keine Unbeteiligten an. […] Die Frau sei weitergegangen, sagt die Vorsitzende. Sie frage sich, warum der Angeklagte auf Frau L. geschossen habe. B. sagt knapp: “Kurzschlussreaktion”. Das sei ein großes Problem. Der Angeklagte sagt: “Hätte ich es nicht gemacht, hätten mich alle ausgelacht.” Wer ihn auslachen würde, fragt die Vorsitzende. Alles was reichen würde einen Rechten zu stoppen, sei ein dummer Kommentar, sagt B.. Ob der Angeklagte sich als einen Rechten bezeichnen würde, fragt die Vorsitzende. Er würde dies nicht unbedingt, aber andere würden das so sehen, sagt B.. […]
Die Vorsitzende hält B. vor, er habe nicht gewusst, wie Frau L. sei. Diese habe vielleicht eine ähnliche Einstellung gehabt. B. sagt, es sei eine Kurzschlussreaktion gewesen. […]
Die Vorsitzende fragt, warum er ein weiteres Mal auf Frau L. geschossen habe. “Zur Sicherheit”, sagt B.. Man müsse es durchziehen, sagt der Angeklagte.
Die Vorsitzende fragt, ob der Angeklagte Frau L. habe töten wollen. Sie habe direkt vor seiner Autotür gelegen, sagt B. Der Angeklagte sagt, die Frau hätte ihn beim Einsteigen “ergreifen” bzw. entwaffnen können. Ob Frau L. aussah, als ob sie den Angeklagten hätte “ergreifen” können, fragt die Vorsitzende.
B. stammelt: Es habe einen “weißen Krieger” gegeben, der in Norwegen eine Synagoge angegriffen habe und von einem 70-Jährigen entwaffnet wurde. […] Hätte sie nichts gesagt, wäre es ihm egal gewesen. B. sagt, wenn man etwas anfange, müsse man es auch zu Ende bringen.
Ob er die Lebenszeichen von Frau L. geprüft habe, fragt die Vorsitzende, was B. verneint. 
“Nochmal ein Magazin rein”, dann sei es sicher, sagt der Angeklagte. Die Vorsitzende fragt, ob der Angeklagte sich erinnern könne, die Frau beleidigt zu haben, was B. bejaht und sagt, er habe sie “Schwein” genannt. […] Es sei das Erste, was ihm einfiel und sei “unterbewusst” abgelaufen. Es sei nicht geplant gewesen, sie zu erschießen, sagt B..
Die Vorsitzende fragt, ob der Angeklagte kein Mitleid habe. Es tue ihm sehr leid, dass er sie erschossen habe, sagt B. und pausiert. Es sei nicht geplant oder gewollt gewesen.  
Die Mutter von Frau L. hätte als Nebenklägerin auftreten können, sagt die Vorsitzende. Sie habe sich jedoch von ihrem Anwalt getrennt. Sie gehe davon aus, dass es ihr “unglaublich schlecht” gehe. Der Angeklagte solle daran denken, wie es seiner Mutter gehen würde, wenn er so erschossen worden wäre. “Unglaublich schlecht” wäre es seiner Mutter ergangen, sagt B. Die Vorsitzende stimmt zu. Der Mutter von Frau L. gehe es auch so. Ihre Tochter sei dort langgegangen und habe lediglich etwas gesagt. Die Vorsitzende hätte in dieser Situation auch etwas gesagt, sagt sie. Dann würde sie dort auch liegen. Das nenne man Mitleid bzw. Empathie, sagt die Vorsitzende. Ob der Angeklagte das im Nachhinein auch so sehe. B. sagt, er würde das bereuen. Er habe “viele Weiße angeschossen”. Das habe er nicht gewollt. Man wisse nicht, welchen Hintergrund Frau L. habe, sagt die Vorsitzende.
B. und die Vorsitzende sprechen durcheinander. Die Geschichte werde aktiv umgeschrieben, sagt B.. Er habe kein modernes Geschichtsbuch im Gefängnis erhalten. Er habe sich viel mit Geschichte beschäftigt, sagt der Angeklagte […].
[XXX, nach einer entsprechenden Frage der Vorsitzenden führt B. seinen Versuch aus, in die Synagoge einzudringen, Anm. democ.]
B. sagt, vor der Synagoge sei eine Person gewesen. Er habe gehofft, dass diese Person aus der Synagoge sei. Er habe versucht, zweimal auf ihn zu schießen. Es habe jedoch Ladehemmungen gegeben, sagt der Angeklagte. Die Person sei dann weggefahren.
Warum er auf die Person geschossen habe, fragt die Vorsitzende. Er habe vermutet, dass er “ein Jude aus der Synagoge” sei, sagt B.. Die Vorsitzende fragt, ob er den Mann habe töten wollen. Der Angeklagte antwortet knapp: “Ja”. […]
Die Vorsitzende fragt, ob der Angeklagte eine weitere Frau, Mandy R., wahrgenommen habe. Er habe sich umgeschaut, aber nicht abgedrückt, sagt B.. Er habe erneut Ladehemmungen gehabt. Die Vorsitzende sagt, der Angeklagte habe auf die Frau gezielt. B. sagt er habe gezielt, denn “es hätte ja auch ein Schwarzer sein können”. Dann hätte man abdrücken können, sagt der Angeklagte. Ob er die Frau verfolgten wollte, fragt die Vorsitzende, was B. verneint und sagt, er habe in die Synagoge gewollt.
[XXX, B. beantwortet ausführlich Fragen zu seinen Waffen, Anm. democ.]
Die Vorsitzende fragt, was B. in der Synagoge habe tun wollen. “Gegen meine Feinde, die Juden”, sagt der Angeklagte. Wie genau das hätte passieren sollen, fragt die Vorsitzende. 
[XXX, B. beantwortet Fragen zu Tathergang und -vorbereitung, Anm. democ.]
Ob er wisse wie viel Menschen in der Synagoge sein werden, fragt die Vorsitzende. B. verneint. Er habe nicht gewusst, ob die Synagoge genutzt wurde. Es hätte auch ein Denkmal sein können. Es sei schade, dass der Angeklagte die Synagoge nicht z. B. am Tag des offenen Denkmals die Synagoge besucht habe, sagt die Vorsitzende. B. sagt, dafür habe er keine Zeit gehabt.  Dann hätte er sich mit den Dingen beschäftigen können und nicht mit dem Menschentöten, sagt die Vorsitzende. […]
Die Vorsitzende fragt, wann klar gewesen sei, dass B. es nicht schafft.
[XXX, B. spricht u. A. ausführlich über seine Waffen, Anm. democ.] 
Die Vorsitzende fragt, was er sich dabei gedacht habe und was in ihm vorging. Er habe sich “global lächerlich gemacht”, in einem “unglaublichen Maß”, sagt der Angeklagte. Ob er sich als Versager fühlte, fragt die Vorsitzende. B. lacht und fragt: “Fühlten?”. Dies sei “offensichtlich” so, sagt der Angeklagte. 
Die Vorsitzende fragt, ob er an die tote Frau L. gedacht habe, was B. verneint. Unter Adrenalin denke man keine komplexen Gedankengänge. Es funktioniere “unterbewusst”, sagt B.. B. sagt er habe eine Person erschossen, die nicht zu seinen Feinden gehöre. Er sei an der Synagoge gescheitert und die Polizei sei informiert worden. Zusätzlich sei sein Fahrzeug zerstört worden. Er habe gehofft, die Straße runter rollen zu können, um in die Innenstadt zu kommen “die immer voller Muslime und Neger” sei, sagt B.. […] Er habe dort gegen seine Feinde vorgehen wollen – gegen das Symptom und nicht die Ursache, sagt der Angeklagte.
Wann er erkannt habe, dass es sich um einen Döner-Imbiss handelte, fragt die Vorsitzende.
Kurz davor, antwortet B.. Ob der Angeklagte selbst einmal in einem Döner-Imbiss gewesen sei, fragt die Vorsitzende. B. bejaht und sagt, er sei als 18-Jähriger in einem gewesen. Was für Menschen dorthin gehen, fragt die Vorsitzende. Der Angeklagte antwortet, es seien größtenteils Menschen, die kein Problem mit Muslimen hätten. Die Vorsitzende fragt, ob die Schwester des Angeklagten kein Problem mit Muslimen habe. Er befürchte es, sagt B.. Ob er durch die Schwester wisse, dass in einem Döner-Imbiss viele Menschen seien, fragt die Vorsitzende. Das habe sich seit der “Flüchtlingskrise” geändert, sagt B.. […]
Im Imbiss seien der Mitarbeiter Herr T. sowie Besucher gewesen, sagt die Vorsitzende. 
B. bejaht und sagt “natürlich”, er fragt, worauf sie hinaus wolle. Sie antwortet, sie wolle darauf hinaus, wie es kam, dass er Muslime töten wollte und er Herrn S. getötet habe, sagt die Vorsitzende.
[XXX, B. macht Angaben zum Tatablauf, Anm. democ.]
Die Vorsitzende sagt, Frau W. sei unmittelbar in der Nähe gewesen. Die Frau habe einen Nagel abbekommen, sagt B.. Es tue ihm “sehr leid”. Er sei “zu dumm” gewesen, die Granate zu schmeißen. Die Vorsitzende sagt, es sei “nicht normal”, dass eine “unbeteiligte Dame” unterwegs sei und dann passiere so etwas. Natürlich könne sowas passieren, sagt B.. […]
RA Hoffmann, Vertreter der Nebenklage, bittet um eine Pause. Die Vorsitzende Vorsitzende Mertens unterbricht die Sitzung für 45 Minuten. Nach etwa einer Stunde wird die Sitzung fortgesetzt. 
Die Vorsitzende Richterin stellt die Anwesenheit der Beteiligten fest und setzt die Vernehmung von B. fort. Wie viele Personen er wahrgenommen habe, fragt die Vorsitzende. B. sagt, eine Person habe an der Tür gestanden. Dieser habe “muselig” [schwer verständlich] ausgesehen. Auf diesen habe er geschossen. […] Der Angeklagte sagt, die Waffe habe geklemmt. Links habe eine Person gesessen. Er habe “zwei, drei, vier” mal abgedrückt. Er wisse nicht, wie oft. Der Mann sei nach hinten gerannt, sagt B.. […] Der Angeklagte sagt, der Mann auf der linken Seite sei über die Treppe geflohen. 
[XXX, B. macht Angaben zu seinen Waffen, Anm. democ.] 
Er habe ein oder zwei Menschen bei den Kühlschränken gesehen, sagt der Angeklagte. B. sagt, er sei größtenteils beschäftigt gewesen, die “Lage zu klären”. Der Angeklagte spricht von “schwarzen, krausen Haaren” und sagt, er sei davon ausgegangen, dass die Person im Döner-Imbiss ein Muslim sei. […]
Die Vorsitzende fragt, ob der Angeklagte gesehen habe, dass eine Person recht jung war.
B. sagt, dieser habe das Alter der “meisten Muslime hier” gehabt. Die Vorsitzende drückt ihr Unverständnis aus. Der Angeklagte sagt, wenn man nur Millisekunden habe, müsse man Entscheidungen treffen – “ist das einer oder nicht?”. Er sei davon ausgegangen, dass es “wahrscheinlich einer” sei, sagt B.. […] B. sagt, er möchte anmerken, dass niemand auf die Idee gekommen sei, ihn “wegzutackeln” [um zu stoßen]. Er hätte sich an der Stelle der Angegriffenen “weggetackelt”. […]
Die Vorsitzende sagt, Herr B. sei arbeitsunfähig und es gehe ihm sehr schlecht. […] Das Problem sei, dass der Angeklagte nicht so viel mit Menschen zusammen gewesen sei, sagt die Vorsitzende. […]
B. sagt, er glaube, die Vorsitzende war “noch nie in so einer Situation”. Anwesende im Gerichtssaal lachen. Bei “so einer Aktion” höre man keine Akzente raus, sagt B..
Ob der Angeklagte in einem Rausch gewesen sei, fragt die Vorsitzende.
Er sei in einem typischen Adrenalinrausch gewesen, aber so habe er das noch nie erlebt, sagt B.. Die Vorsitzende sagt, dass der Angeklagte noch nicht viel erlebt habe, wenn er zurückgezogen gelebt habe. […]
B. sagt, keiner würde etwas machen. […] Der Angeklagte sagt, dass die Identitäre Bewegung sich “explizit mit der Grundlage gegründet” hätte, “keine Gewalt anzuwenden”. Diese seien bereits als extremistisch eingeschätzt worden. Das bedeute, es gäbe keinen friedlichen Weg. […] Er lebe bereits in einem Dorf in Ostdeutschland und wisse nicht, wo er sonst hingehen solle.
Sie habe viele Menschen verurteilt, sagt die Vorsitzende. Viele Muslime seien nicht dabei gewesen. […]
[XXX, B. macht Angaben zu Waffen, Anm. democ.]
B. sagt, er habe auf jemanden geschossen. Es habe sich um einen Muslim handeln müssen. Dieser sei “relativ dunkel” und vermutlich aus den Maghreb-Staaten gewesen.
[XXX, B. beschreibt technisch und detailliert seine Handlungen, Anm. democ.]
Die Vorsitzende sagt, der Angeklagte sei mit einer Pistole erneut in den Döner-Imbiss, um Herr S., den “gedachten Muslim, zu erschießen”. Der Angeklagte sagt, er habe ihn angeschossen und dachte, er hätte ihm ins Gesicht geschossen. Die Vorsitzende sagt, im Video sei zu hören, dass B. sage, “der ist ja immer noch nicht tot”. B. sagt, dies sei “unterbewusst” passiert. Man müsse “das halt schnell entscheiden”, sagt B. und lacht. 
[XXX, B. macht Angabe zu Tatgeschehen, Anm. democ.] Die Vorsitzende fragt, was der Plan des Angeklagten war, als der den Döner-Imbiss verließ. Der Angeklagte antwortet, dass er “möglichst viele Muslime und Schwarze auf der Straße” töten wollte und sich dann selbst erschießen wollte. […]
Die Vorsitzende sagt, B. habe ein Polizeiauto gesehen und dies als Bedrohung wahrgenommen. B. sagt er habe einen “großen Fehler” begangen, da er nicht näher ran gerollt sei. Ob B. Angst gehabt habe, fragt die Vorsitzende. B. lacht und sagt, es werde einem schon “leicht mulmig”. […] Entweder er werde gewinnen oder sterben, sagt B..
Ob er Angst gehabt habe, zu sterben, fragt die Richterin. “Mögen” tue er es nicht, sagt B. Er sei nicht suizidal. […] Er wollte seinen Feind bekämpfen, sagt der Angeklagte. […]
Die Vorsitzende fragt, ob er frustriert gewesen sei. B. sagt er habe “relativ stark versagt”. Er habe “keine suizidalen Absichten” gehabt, weil er die Möglichkeit gesehen habe, “die Lage zu drehen”, sagt B.. 
[XXX, Der Angeklagte gibt Details zur Tatplanung und technischen Umsetzung an, Anm. democ.]
Die Vorsitzende stellt Frage, wie B. von der Polizei angeschossen worden sei: Es sei schwarz geworden, sagt B. Er habe gedacht, dass er jetzt tot sei. Nach ein paar Sekunden sei es wieder hell geworden. Sein Gehirn habe nicht richtig funktioniert. B. sagt, er habe starke Schmerzen im Nacken gehabt. Er habe die Befürchtung gehabt, dass er im Nacken getroffen wurde. Von da sei “viel unterbewusst” gelaufen, sagt B. Er habe die Waffen genommen und sei weggefahren. Er könne sich nicht erinnern, ob er die Zündung angemacht habe. […] Er sei noch einmal an der Synagoge vorbeigefahren. Er hätte dies nicht gemacht, wenn ihm bewusst gewesen wäre, wo er lang fahren würde.
Er habe mehrere Überholmanöver unternommen, sagt B. Alles sei relativ anstrengend gewesen. Es sei ihm schwammig geworden. […] B. sagt, er “habe auch einen Schwarzen angefahren” und lacht. Er hätte “erstmal kein Problem,” hätte er “ihn direkt erwischt”. Seinem Ziel hätte dies entsprochen. Das Problem sei gewesen, dass er “komplett weg war in den Gedanken”, sagt der Angeklagte. Die Vorsitzende erwähnt einen Zusammenstoß mit einem Taxi. B. sagt, dass dort zwei Männer gestanden hätten. Einer – der vordere – sei schwarz gewesen. […] Der Angeklagte sagt, dass er gesehen habe, “dass es ein Schwarzer war”. Die Vorsitzende fragt, ob der Angeklagte auf ihn zugehalten habe. B. sagt, dass die Bordsteinkante sehr hoch gewesen sei und er nicht “rüber ziehen“ wollte. Wenn diese niedriger gewesen wäre, “hätte ich rüber gezogen”, sagt B. Aber er habe sich nicht gefährden wollen. Er sei weitergefahren und habe sich normal in den Verkehr eingeordnet, sagt B..
Ob er Verkehrsschilder wahrgenommen habe, fragt die Vorsitzende. B. verneint. Das Auto sei kaputt gewesen und deswegen unberechenbarer gefahren, sagt B.. Am Anfang und als er erneut an der Synagoge vorbeigefahren sei, habe er Sirenen wahrgenommen. Er sei aus Halle heraus, auf die Landstraße gefahren. Vermutlich dort sei der zweite Reifen geplatzt, sagt der Angeklagte. 
[B. beschreibt detailliert, wie schnell er wann gefahren ist.]
Er habe ein Polizeiauto vor einem Gebäude gesehen. Es sei “zum Glück niemand da” gewesen. 
[XXX, B. macht Angaben zum Ablauf der Flucht, Anm. democ.]
B. sagt, er habe auf der Hinfahrt geschaut und gesehen, dass der Stream gesperrt war. Das sei “schlecht”. “Die Übertragung war viel wichtiger als die Handlung an sich”, sagt der Angeklagte. Die Vorsitzende fragt, ob B. wollte, dass das Video verbreitet wird. B. bejaht. […]
B. sagt, er habe ein Taxi gesehen. Dies sei gut. Er habe eine zweite Person gesehen.
Der Angeklagte spricht zunehmend angeregter. […] Er sei auf einen älteren Mann zugegangen. Ob es sein Auto sei, habe er den Mann gefragt.  Er habe gesagt, er solle ihm den Schlüssel geben, sagt B.. Der Mann habe verneint. B. sagt, er habe gerufen: “Das ist eine Pistole!” und erneut den Schlüssel gefordert. B. lacht und sagt, er habe erneut gesagt: “Das ist eine Pistole!” und erneut den Mann aufgefordert, den Schlüssel herauszugeben. Er habe keine Zeit, habe er gesagt. Die Vorsitzende sagt, dass sie denkt, dass es dem Mann egal war, dass der Angeklagte keine Zeit hatte. B. kichert. […] B. sagt, er wollte auf das Grundstück des Mannes und weg von der Straße.
Der Angeklagte sagt: “Wenn dich jemand nicht ernst nimmt, bist du kurz davor entwaffnet zu werden. Dann habe ich abgedrückt.” […] B. sagt, er sei Linkshänder. Die Vorsitzende sagt, “angeschossen” höre sich harmlos an und fragt, ob er in am Kopf habe treffen wollen. B. sagt, er wollte, dass der Mann versteht, dass er den Schlüssel geben solle. 
[XXX, B. macht Angaben zur eingesetzten Waffe, Anm. democ.]
Die Vorsitzende sagt, dass sie in ihrer beruflichen Laufbahn mitbekommen habe, dass auf den Körper sehr wenig Leute zielen. […] Die Pistole an den Hals oder Richtung Kopf zu halten, sei “nochmal eine andere Nummer”. 
[XXX, B. macht Angaben zur eingesetzten Waffe, Anm. democ.]
Die Vorsitzende sagt, dass Herr Z. zu Boden gegangen sei. Sie fragt, ob der Angeklagte die Lebensgefährtin wahrgenommen habe. B. sagt, plötzlich sei eine zweite Person aufgetaucht. [XXX, B. macht Angaben zur eingesetzten Waffe, Anm. democ.] Er habe ihr in die Beine geschossen, sagt die Vorsitzende. Die Frau sei auch zu Boden gegangen. Was er wolle, habe die Frau den Mann gefragt, sagt B. Er wolle den Autoschlüssel, habe er gesagt. […] Er habe diese Leute nicht anschießen wollen, sagt der Angeklagte. “Naja”, dies habe er aber getan, sagt die Vorsitzende. B. sagt, es habe ihn “sehr betroffen”, dass er “Weiße angeschossen habe”. Ob er sich geschämt habe, fragt die Vorsitzende. B. bejaht und sagt “ein wenig”. […] Die Vorsitzende fragt, ob er sich Gedanken gemacht habe, dass beide Hilfe bräuchten. B. sagt, die hätten ja noch reden können. Sie hätten eine Schussverletzung gehabt, aber hätten sich noch unterhalten können. Er habe überlegt, was er jetzt mache. Dass sie angeschossen seien, sei “ziemlich schlecht”, aber das bringe ihn da nicht weg. Die Vorsitzende fragt, ob er Mitleid gehabt habe. B. bejaht. Er habe nur den Autoschlüssel gewollt.
Die Vorsitzende sagt, jetzt sei B. zur Werkstatt gegangen und fragt, welche Waffe er dabei gehabt habe. B. sagt, die gleiche Waffe, halb in der Tasche. [XXX, B. macht Angaben zur Waffe, Anm. democ.] Er sei hingelaufen und sei ziemlich aufgelöst gewesen, dass er die angeschossen habe, Er habe eine weinerliche Stimme gehabt, was “ziemlich schlecht” sei, weil ihn so “doch niemand ernst” nehme, sagt der Angeklagte. Die Vorsitzende fragt, ob B. die Pistole auf die Personen gerichtet habe. B. sagt, er könne sich nicht ganz erinnern. Er habe nur ein Auto gewollt, um wegzukommen. Ob er dies kommuniziert habe, fragt die Vorsitzende. Das wisse er nicht ganz, sagt B.. 
[XXX, B. macht Angaben zur Waffe, Anm. democ.]
B. sagt, ob er “gefuchtelt” habe, wisse er nicht. Er gehe davon aus. Er habe nur im Kopf gehabt, “wie schief das alles läuft.” Was schief gelaufen sei, fragt die Vorsitzende. Er habe “zwei Weiße angeschossen”, sagt B. Er habe noch nicht gewusst, dass die Person im Döner-Imbiss “ein Weißer” gewesen sei. B. sagt, er sei “ziemlich fertig” gewesen. Der Rucksack sei schwer gewesen und ein Arm würde nicht mehr funktionieren. […]
[XXX, B. macht Angaben zur Flucht mit dem angeeigneten Auto] 
Der Angeklagte beschreibt die Verfolgungsjagd. B. sagt ihm sei schwindelig geworden. […]
B. kichert und sagt, es sei ein Polizeiauto von vorne gekommen und er habe überlegt: “Was machste jetzt?!”. […] Er habe keinen Widerstand bei der Festnahme mehr leisten können. […] B. sagt, er habe zwei 50-Euro-Scheine hinterlassen. Er habe das Taxi nicht beschädigen wollen. Die Richterin fragt, was die 100 Euro sein sollten. Er habe ursprünglich die Idee gehabt, eine Taxifahrt zu erzwingen, sagt B. Ob das eine Nutzungsentschädigung gewesen sein soll, fragt die Vorsitzende. B. lacht und bejaht. Die Vorsitzende sagt, dass dies jetzt leider nicht reiche. B. sagt, dass er 500 bis 600 Euro dabei gehabt habe, “für die Zeit danach”. Die Vorsitzende fragt, ob der Angeklagte Hoffnung gehabt habe, nach Hause zurückzukommen. “Absolut nicht”, sagt B.. […] Nicht wiedersehen sei das eine – viel schlimmer sei es, was er seinen Eltern damit antue, sagt B.. Die Vorsitzende fragt, ob dies vorher klar gewesen sei, was B. bejaht. […] B. spricht vom “Kampf” und “multikulturellen Staat”. Er habe sich entschieden, dass es “keinen anderen Weg gibt, als den Kampf, weil es hier sonst verbraun[en]” würde. Der Zuzug von Flüchtlingen führe “zur Verbraunung der Gesellschaft.” 
Die Vorsitzende fragt, ob er sich in der JVA wohlfühle. B. lacht und verneint. Er bekomme doch Essen und sei versorgt, sagt die Vorsitzende. Es fühle sich so an, als sei man in der BRD in Gefangenschaft, sagt B.. […] Nach seinen Regeln müsse man “alles tun, um nicht ausgelöscht zu werden”.
Die Vorsitzende Richterin eröffnet die Fragerunde. Diese solle am darauffolgenden Tag fortgesetzt werden. RA P., Vertreter der Nebenklage, sagt, er fühle sich nicht in der Lage Fragen zu stellen, ohne das Video gesehen zu haben. Die Vorsitzende sagt, das Video werde am nächsten Tag gezeigt werden. Dann könnten die Personen, die das Video nicht sehen wollen, später kommen.
Richter Scholz sagt, der Angeklagte habe sich über seine Grundwehrdienstzeit “despektierlich” geäußert. Er solle versucht haben, sich noch einmal bei der Bundeswehr zu bewerben. B. stammelt und sagt, er habe sich schlecht über das System Bundeswehr geäußert. Es sei “absurd”, “wie ein Staat seine wichtigsten Leute”, die ihn erhalten und beschützen würden, “gängeln” würde. […] Warum er diese Bewerbung zurückgezogen habe, fragt Richter Scholz. Er habe sie aus medizinischen Gründen zurückgezogen, sagt B.. Seine Verfassung sei relativ schlecht gewesen. Der Richter fragt, was der Grund der Krankheit gewesen sei und ob dies mit Drogen zu tun gehabt habe. B. verneint und sagt, dies habe damit nichts zu tun. Der Richter sagt, laut einem Gutachten seien Drogen Ursache für die Verletzung gewesen. […]
Die Vorsitzende Richterin Mertens beendet die Verhandlung für diesen Tag. Sie bittet Vertreter der Presse, am nächsten Tag schneller bei der Einlasskontrolle zu sein.
https://democ.de/1-prozesstag-protokoll/


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Antworten
#3
2. Prozesstag Kurzbericht: Nebenklage bringt Angeklagten aus dem Konzept

Zu Beginn des 2. Verhandlungstages wurden durch die Verteidigung von Stephan B. Briefe von dessen Angehörigen verlesen, denen zufolge alle als Zeugen geladenen Familienangehörigen des Angeklagten – Vater, Mutter und Schwester – von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen würden. Die Richterin erklärte, die Zeugen abladen zu wollen. Einzelne Nebenklagevertreter*innen stellten Nachfragen, wie diese Briefe in die Hände der Verteidigung gekommen und warum sie nicht direkt an das OLG geschickt worden seien. Wenn die Verteidigung von Stephan B. dessen Familienangehörige beraten habe, so ein Nebenklagevertreter, könne ein Interessenkonflikt vorliegen. Die Verteidigung verneinte dies. 
Anschließend wurde das Video im Gerichtssaal abgespielt, welches der Attentäter während der Tat live streamte. Wesentliche Teile des Tatablaufs sind darauf zu sehen. Der Angeklagte grinste immer wieder während der Clip abgespielt wurde, was vom Gericht zur Kenntnis genommen wurde. 
Nach einer 45-minütigen Pause begannen die Vertreter der Anklage – Bundesanwalt Lohse und Oberstaatsanwalt Schmidt – mit der Befragung des Angeklagten. Auf die Frage, weshalb sich sein Ziel während der Tatausführung von Jüdinnen und Juden auf Muslime verlagert habe, sagte B., dass er, wenn er schon nicht an die „Ursache“ (die Synagoge) rangekommen sei, „wohl oder übel“ zum „Symptom“ (Muslime) habe wechseln müssen. Es ist nicht das einzige Mal an diesem Tag, dass er unverkennbar auf die Verschwörungsideologie vom „Großen Austausch“ anspielt, die behauptet, europäische Bevölkerungen würden durch Muslime ausgetauscht (und damit die Feindschaft gegen sie begründet), die „Strippenzieher“ dieses Plans seien aber andere (allzu häufig werden – wie im Falle von Stephan B. –  „die Juden“ benannt). Erneut bekräftigte der Angeklagte in der Vernehmung seine antisemitische Tötungsabsicht gegenüber den Besucher*innen der Synagoge. Die Synagoge anzugreifen, sei „kein Fehler“ gewesen, so der Angeklagte. An seiner Empathielosigkeit gegenüber den Opfern ließ er auch heute keine Zweifel aufkommen. 
Anschließend wurde der Angeklagte von seinen beiden Verteidigern befragt. Dabei beanstandeten Nebenklagevertreter*innen wiederholt und erfolgreich Fragen der Verteidigung, weil sie auf eine rechtliche Bewertung durch den Angeklagten abzielten oder suggestiv gestellt seien. Verteidiger Weber versuchte in der Befragung vor allem darauf abzustellen, dass sein Mandant gar keinen konkreten Anhaltspunkt dafür gehabt habe, dass sich in der Synagoge tatsächlich Menschen aufhielten. Zum Beispiel hätten die Recherchen des Angeklagten nach dessen Aussage ergeben, dass Synagogen auch manchmal Denkmäler seien und somit leere Gebäude. 
Von Seiten der Richterin gab es Widerspruch im Hinblick darauf, dass einige der von der Verteidigung unterstellten Aussagen nicht deckungsgleich mit der Aussage des Angeklagten vom vorherigen Tag seien. Die Verteidigung beantragte daraufhin die wortwörtliche Protokollierung der Aussage Stephan B.’s zum besprochenen Sachverhalt. 
Der Antrag wurden von der Richterin und dem Senat abgelehnt, da dafür die Voraussetzungen nicht gegeben seien: Es komme nicht auf den Wortlaut der vom Verteidiger zitierten Aussage an, sondern auf deren Sinngehalt im Kontext der Aussage des Angeklagten.
Auf eine Frage der Richterin offenbart der Angeklagte, dass er nicht damit gerechnet habe, noch weit mit seinem beschädigten Fluchtfahrzeug zu kommen. Andernfalls, so Stephan B., wäre er vielleicht noch nach Halle-Neustadt gefahren, um dort ein islamisches Kulturzentrum anzugreifen.
Schließlich ging das Wort an die Vertreter Nebenklage. Einige zeigten dem Angeklagten klare Kante und machten ihm deutlich, dass sie ihm keine Bühne für seine Ideologie bieten würden. Wenn er abschweifte, unterbrachen sie ihn und forderten die Beantwortung ihrer Fragen ein. Der Angeklagte reagierte darauf zunehmend patzig und brach die Befragung mit einigen Rechtsanwält*innen ab. Seine unverschämten und teilweise hitzigen Reaktionen verstärkten den Eindruck, dass er aus dem Konzept gebracht wurde und die Gelassenheit teilweise verlor, mit der er sich sonst vorzugsweise präsentierte. Andere Nebenklagevertreter versuchten, ihn mit seiner Ideologie zu konfrontieren und sein rassenideologisches Gedankengebäude in der Befragung ad absurdum zu führen.
Im Zuge der Befragung durch die Nebenklage kam die Sprache auf Kontakte, die B. im Internet gehabt hätte. Er betonte zwar immer, er habe die Personen aus dem Internet nicht persönlich gekannt habe, erzählte aber auch, dass er sich im Darknet in Chatforen u.a. über seine Experimente mit dem Waffenbau ausgetauscht hätte (allerdings ohne direkten Bezug zu seiner Tat). Im Darknet gäbe es Räume, wo er „freier reden“ könne. Er weigerte sich allerdings vehement, die Plattformen und Websites zu nennen, auf denen er kommunizierte und von denen er seine Informationen bezog, da er „niemanden anscheißen“ und „seine eigenen Leute“ schützen wolle.
Der Angeklagte ließ, wie am Vortag, keine Gelegenheit aus, seine antisemitische, rassistische und anti-feministische Ideologie zu verbreiten. Es wurde immer wieder deutlich, wie diese verschiedenen Elemente seines Denkens ineinander greifen. Sein Antisemitismus scheint dabei eine Art übergeordnete Funktion einzunehmen, da er die Juden sowohl für seine Feindschaft gegenüber Nicht-Weißen verantwortlich macht (weil sie den angeblichen Bevölkerungsaustausch zu verantworten hätten) und ebenso für den ihm verhassten Feminismus (den er als „jüdisch“ bezeichnete).

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#4
3. Prozesstag Kurzbericht: Bestens vernetzter Einzeltäter?

Am 3. Verhandlungstag wurde die Befragung des Angeklagten durch die Nebenklage fortgesetzt und ein BKA-Beamter angehört.

Am dritten Verhandlungstag am 28. Juli 2020 wurde zunächst die Befragung des Angeklagten durch die Vertreter*innen der Nebenklage fortgesetzt. Neben einzelnen Rückfragen zu Details des Tatablaufs oder Angaben des Angeklagten an den ersten beiden Verhandlungstagen stellten die Vertreter*innen der Nebenklage insbesondere Fragen zum Verlauf der Radikalisierung des Angeklagten und zu dessen On- und Offline-Kontakten. 
Während sich der mutmaßliche Attentäter bei Fragen nach seinen Tötungsabsichten, seiner Ideologie oder einzelnen menschenverachtenden Scherzen erneut gelassen zeigte, immer wieder auflachte oder die Fragenden mit Gegenfragen zu provozieren versuchte, reagierte er wesentlich einsilbiger und dünnhäutiger, wenn die Sprache auf seine Familie oder andere persönliche Kontakte aus der Zeit vor der Tat kam.
So wurde er etwa mit verschiedenen Aussagen ehemaliger Mitschüler*innen, anderer Bekannter oder seiner Schwester konfrontiert, in welchen diese von rassistischen und antisemitischen Aussprüchen des Angeklagten berichten. Der Angeklagte stritt ab, sich politisch geäußert zu haben und gab an, sich an einzelne Aussagen nicht zu erinnern. Außerdem sei er jeweils betrunken gewesen sei. Ein Anwalt berichtete von einem Zeugen, der erzählt habe, der Angeklagte sei schon 2016 in einer Auseinandersetzung mit einem Messer verwickelt gewesen, nachdem er sich im Bekanntenkreis offen antisemitische geäußert habe und dies offenbar auf Gegenwind gestoßen sei. Der Angeklagte sagte lachend, ihm falle dazu nichts ein.
Fragen nach dem Kontakt zu seiner Familie in der Zeit der Haft beantwortete er verhältnismäßig knapp. Er wolle seine Familie schützen und daher etwa keine Angaben zu ihrem derzeitigen Wohnort machen. Ihm sei bewusst, dass ein Suizidversuch seiner Mutter auf seine Tat zurückzuführen sei. Auch zum Abschiedsbrief, den diese offenbar während des versuchten Suizids an ihre Tochter, die Schwester des Angeklagten, formuliert hatte, wollte er sich nicht ausführlicher äußern. In dem Brief, der am Nachmittag von der Vorsitzenden Richterin Mertens verlesen wurde, äußerte die Mutter des Angeklagten antisemitische Verschwörungstheorien rund um die Hintergründe der Tat und das Ermittlungsverfahren. Demnach habe ihr Sohn “sein Leben gegeben für die Wahrheit.” Mehrfach zeichnete sie in dem Brief außerdem durchgestrichene Davidsterne. Der Angeklagte gab an, mit seiner Mutter nie über Politik gesprochen zu haben. Er erkläre sich den Inhalt des Briefs u. a. mit dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten. Die Frage einer Vertreterin der Nebenklage, ob er seiner Mutter Videos des rechtsterroristischen Attentäters von Christchurch, der am 15. März 2019 51 Menschen ermordet hatte, gezeigt habe, verneinte er vehement.
Laut und sichtlich überrascht wurde der Angeklagte, als eine Anwältin ihn nach fünf Personen befragte, mit denen er im Laufe seiner Haftzeit regen Briefkontakt entwickelt haben soll. Die Inhalte dieses Austauschs werde er nicht offenlegen und keine weiteren Fragen der Anwältin beantworten.
Auch am dritten Verhandlungstag schockierte der Angeklagte mit rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Aussagen und bekräftigte das Bild, dass er sich nach wie vor in einem Kampf gegen Jüdinnen und Juden, Muslime und Nicht-Weiße wähnt, in dem ihm alle Mittel recht seien. Teils waren seine Ausführungen derart absurd, dass sie für Auflachen unter den Anwesenden sorgten, etwa wenn er von seinem Hass gegen die vermeintlich jüdische “Star Trek”-Erzählung berichtete. An anderer Stelle ging er Prozessbeteiligte direkt an oder offenbarte seinen Willen zur hemmungslosen Gewalt.
Wiederholt fand die Vorsitzende deutliche Worte in Richtung des Angeklagten: So sei ihrem Verständnis nach ein Kampf eine Auseinandersetzung zwischen ebenbürtigen Gegnern. Der Angeklagte habe nicht gekämpft, sondern sich jahrelang im Kinderzimmer versteckt, um dann heimtückisch Unbewaffnete zu erschießen. Im Verlauf der Befragung richtete sie sich außerdem an die Nebenklage und regte an, dass diese überdenken sollte, ob sie dem Angeklagten mit ihren Fragen weiter Raum für die Darstellung seiner Ideologie geben wolle.
Die Rechtsanwältin Kati Lang fasste das Ergebnis am Ende ihrer Befragung zusammen: “Sie verbreiten nationalsozialistische und faschistische Ideologie. Genau das sind Sie. Ein Nazi.”
Schon in der Befragung des Angeklagten wurde das Interesse der Nebenklage an dessen Orientierung, seinen Kontakten und der Radikalisierung im Netz deutlich. So wurde er etwa danach gefragt, warum er sich Elementen der Incel-Szene, einer extrem misogynen Online-Bewegung, bediene oder in welchen Bereichen des Darknets er sich bewegt habe. Ähnlich wie bei den Fragen nach Offline-Kontakten blockte der Angeklagte diese Fragen zumeist gereizt ab.
In diese Richtung wenig aufschlussreich war auch die Befragung des BKA-Beamten Rainer D., der den Angeklagten kurz nach seiner Tat ausführlich vernommen hatte und bestens mit dem Verfahren vertraut ist. Ausführlich stellte er die Vernehmung, die sich im November 2019 über fünf Tage erstreckte, dar und zeichnete ein klares Bild der Radikalisierung des Angeklagten: Einschneidende Brüche in seinem Leben seien nach dessen Selbstdarstellung eine schwere Krankheit im Jahr 2013, die laut Nebenklagevertreter*innen auf Betäubungsmittelmissbrauch zurückzuführen sein könnte, die “Flüchtlingskrise” sowie das Attentat von Christchurch gewesen. Während er sich seit 2013 offline weitestgehend sozial isolierte, unselbstständig lebte und sein Studium aufgab, sei 2015 eine Phase der Bewaffnung angebrochen. Das Attentat von Christchurch habe den Angeklagten schließlich zu seinem Tatentschluss gebracht.  
Obwohl er mehrere Berichte über den Fall und den Angeklagten verfasst hatte und ihm dabei von entsprechenden Expert*innen der Polizei zugearbeitet worden war, konnte D. zu dem Online-Verhalten des Angeklagten nur unzureichende Angaben machen. Zwar könne man nachweisen, dass sich dieser im Darknet bewegt und Gewaltvideos und rechtsextreme Inhalte, etwa der Atomwaffendivision, heruntergeladen habe. Auch von einem äußerst regen Austausch mit Gleichgesinnten müsse man ausgehen. Konkrete Aktivitäten seien aber nur schwer nachweisbar, auch da der Angeklagte gezielt seine Spuren verschleiert habe.
Nachdem der Zeuge D. angab, keine besondere Expertise für den Bereich der Imageboards, auf denen der Angeklagte sehr aktiv gewesen sein soll und aus deren Umfeld er eine Spende von 0,1 Bitcoin (damals umgerechnet rund 1.000 Euro) erhalten habe, vorweisen zu können, regten Vertreter*innen der Nebenklage gegenüber dem Senat nachdrücklich an, entsprechende Sachverständige hinzuzuziehen. Deren Expertise sei unerlässlich, um die Frage zu klären, ob und inwiefern der Angeklagte mit dem Wissen oder der Unterstützung Anderer gehandelt habe.
Der Zeuge D. wurde entlassen. Für den vierten Verhandlungstag sollen laut dem Gerichtssprecher Wolfgang Ehm u. a. die Familienangehörigen des Angeklagten und anderen Personen aus dessen privaten Umfeld vorgeladen worden sein.

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#5
[b]2. Verhandlungstag: Prozessprotokoll[/b]

2. Verhandlungstag (22. Juli 2020)


CN: Das nachfolgende Protokoll enthält explizit gewaltverherrlichende, rassistische, antisemitische und menschenverachtende Aussagen und Ausdrücke.
Wir protokollieren die vollständige Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Attentäter von Halle. Wir versuchen dabei, so nah wie möglich am Wortlaut der Verhandlung zu bleiben, direkte Zitate sind durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Da es nicht zulässig ist, die Verhandlung mitzuschneiden, entsteht unser Protokoll auf Basis unserer Mitschriften aus dem Gericht. 
Einige Passagen haben wir bewusst gekürzt. So werden etwa Inhalte, die die Persönlichkeitsrechte von Prozessbeteiligten oder Dritten verletzen könnten, nicht veröffentlicht. Zudem streichen wir in der öffentlich zugänglichen Fassung des Protokolls jene Passagen, die Details der Tat und Tatplanung beinhalten und deren Veröffentlichung eine Gefahr, etwa durch Nachahmer, darstellen könnte. Die entsprechenden Abschnitte werden mit “[XXX]” gekennzeichnet. In begründeten Ausnahmefällen können etwa Wissenschaftler*innen oder Journalist*innen die gestrichenen Passagen bei uns anfragen. 
Nachnamen werden ggf. abgekürzt. An Stellen, an denen uns unser Protokoll nicht präzise genug war, etwa weil Wortbeiträge unverständlich vorgetragen wurden, haben wir Auslassungen auf die gängige Weise “[…]” angegeben.

Um 9:50 Uhr wird der Angeklagte in den Raum gebracht, Begrüßung durch die Vorsitzende um 10:00 Uhr. Sie stellt die Teilnehmer fest.
Im Vorfeld wurden Schriftsätze ausgeteilt, darunter ein Brief von Frau W. Der Brief wird verlesen. Sie wendet sich an das Gericht mit einer ärztlichen Bescheinigung der Nicht-Verhandlungs- und Reisefähigkeit. Danach verliest die Vorsitzende Briefe der Familie des Angeklagten (Mutter, Vater und Schwester), in denen sie ihr Recht auf Zeugnisverweigerung geltend machen. Die Briefe habe sie von der Verteidigung erhalten. Die Richterin sagt, sie werde die Zeugen für nächsten Donnerstag abladen. Als Drittes wird ein Schriftsatz vorgelesen, der erst gestern beim OLG eingegangen ist. Es handelt sich um die Beantragung der Zulassung für die Nebenklage für ein weiteres Ehepaar, die auch Synagogenbesucher waren. Dem stehe wohl nichts entgegen, so die Vorsitzende.
Eine Nebenklagevertreterin schaltet sich ein. Die Familie sei ja noch nicht abgeladen, sie bittet darum, dass die Familie sich erklärt. Die Richterin will später am Tag nochmal Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Die Nebenklagevertretung bittet Herrn Rutkowski von der Verteidigung zu erklären, wie der Brief der Familie zustande gekommen sei. Die Mandantschaft habe bedenken, dass Herr Rutkowski Zeugen beraten habe, obwohl er als Verteidiger den Angeklagten vertritt und hier eine Interessenkollision gegeben sei. Da alle Schreiben inhaltsgleich seien, solle Herr Rutkowski erklären, ob eine Beratung stattgefunden habe und warum die Zeugen dieses Schreiben zunächst an ihn und nicht direkt ans OLG geschickt haben. Der RA Rutkowski möchte sich dazu äußern, wie das Schreiben “in seinen Machtbereich gelangt” sei und erklärt, es hätte sich in seinem Briefkasten befunden. Eine Beratung habe nicht bestanden. Die Nebenklagevertreterin Pietrzyk antwortet, wenn das im Briefkasten war, könne man ja nicht nachvollziehen, ob das Zeugnisverweigerungsrecht tatsächlich ausgeübt wird, da er nicht gesehen habe, ob es unterschrieben wurde. Da habe man berechtigte Zweifel an der Autorenschaft. Der Nebenklagevertreter RA Herrmann schaltet sich ein. Wenn die Briefe kommentarlos im Briefkasten gelegen hätten, sei nicht mal eine Zweckbestimmung veranlasst, dass es zum Gericht gelangen soll. Die Vorsitzende erläutert, dass auch am 14. Juli ohne Absender 3 Schreiben zur Gerichtsakte gelangt seien, die auch von der Poststelle jeweils abgestempelt waren – da würden sich diese Schreiben auch mit Unterschriften finden. Sie bittet darum, die Angelegenheit nicht zurückzustellen. RA Scharmer von der Nebenklage fragt, ob es die Briefumschläge dazu auch gebe. Die Richterin antwortet, die würden nicht aufgehoben. 
Die Richterin spricht an, dass besprochen wurde, dass einige davon Abstand nehmen wollen das Video in Augenschein zu nehmen, was jetzt über die Bildschirme abgespielt würde.
Anschließend wird das Video von der Tat auf Monitoren im Gerichtssaal abgespielt. Der Angeklagte scheint leicht zu lachen, insbesondere in den ersten Minuten. Das scheint ihn zu amüsieren. Ein Nebenklagevertreter unterbricht kurz, um die Aufmerksamkeit des Sachverständigen auf das Grinsen des Angeklagten zu lenken. 
[XXX, Inhalt des Videos, Anm. democ.]
Die Vorsitzende richtet das Wort an die Nebenklage. Alle hätten registriert, dass der Angeklagte zwischendrin gegrinst habe. Die Vorsitzende weist darauf hin, dass die Verfahrensbeteiligten ohne Rechtsverlust auch Erklärungen bis zum Beginn des Fortsetzungstermins abgeben können, man könne also auch noch schriftlich etwas einreichen. 
Pause von 45 Min. 

Befragung durch die Anklage 
Die Richterin erteilt dem Bundesanwalt Lohse das Wort, er habe nun die Gelegenheit, dem Angeklagten Fragen zu stellen. Lohse sagt: “Wir stehen alle noch unter dem Eindruck des Videos”. Er versuche nun eine Überleitung herzustellen. Er fragt B., was er empfunden habe, als er das Video gesehen hat. B. antwortet, es sei schon ziemlich schiefgelaufen. Dann sagt er, er könne die Frage nicht beantworten. Lohse sagt er habe beobachtet, dass B., je länger das Video lief, desto deprimierter und enttäuschter wirkte, am Anfang hatte er den Eindruck etwas Richtung Stolz festzustellen. Er fragt, ob das richtig sei. B. antwortet, er habe über ein, zwei Sachen schmunzeln müssen, über dämliche Witze, die er gemacht habe. Lohse fragt ihn, wie oft er das Video gesehen habe. B. antwortet, nur einmal, bei der polizeilichen Vernehmung. Der Bundesanwalt erklärt, er wolle nochmal chronologisch durchgehen und mit der Situation vor der Abfahrt anfangen. B. habe ja verschiedene Dinge vorbereitet und das Streaming in Gang gesetzt und später auch Musik angemacht. Er fragt den Angeklagten, ob er das mit Bedacht gemacht habe, wann er welche Musik spielte. B. antwortet ja, das sei alles vorher durchdacht und geplant gewesen, auch die Musiktitel waren bewusst gewählt. Lohse fragt, ob sie auch ein Kommentar zur Tat sein sollten, B. bejaht dies und sagt, das könne man so sagen. Lohse spricht noch einmal B.’s gestrige Aussage an, wo er angab, die Verbreitung sei ihm wichtiger gewesen als die Tat selbst, was B. noch einmal bestätigt. Lohse fragt ihn, welche Ziele er mit der Verbreitung angestrebt habe, B. will dazu keine Aussage machen. Lohse bezieht sich auf die polizeiliche Vernehmung, wo B. drei Ziele genannt habe: Möglichst viele Menschen zu töten, Demoralisierung auszulösen und Leute zum Kampf zu motivieren. Er fragt, ob das so richtig sei. B. antwortet “Ja”, das seien die Ziele, die er im Dokument genannt habe. Lohse fragt ihn nach der Gewichtung der drei Ziele. B. sagt, am wichtigsten sei gewesen zu zeigen, dass man sich wehren kann. Das zweitwichtigste sei gewesen, die Moral zu heben und die eigentliche Tat sei an Platz drei. Lohse sagt, B. habe das im Internet verbreitet, B. bestätigt das. Lohse fragt, ob das Ziel gewesen sei, möglichst viele Menschen zu erreichen. B. Antwortet “Ja, genau”. Lohse führt an, B. habe gestern gesagt, dass er sich global lächerlich gemacht habe. Er fragt ihn, ob er das in globalem Maßstab gesehen habe. B. antwortet, wenn man etwas ins Internet setze, habe das globale Auswirkungen. 
Dann kommt Lohse zur Situation vor der Synagoge. Er sagt, B. habe geschildert, er hätte rotgesehen und ein hohes Stresslevel gehabt. B. bejaht das, das sei so gewesen, nachdem er die Tür nicht aufgekriegt hätte. Lohse fragt ihn, ob das sein Vermögen, sich an Einzelheiten zu erinnern, beeinträchtige. B. verneint. Er erinnere sich schon an Einzelheiten, nur nicht mehr so gut an die Abfolge. Lohse sagt, B. habe die Videos kommentiert und fragt, ob das spontane Äußerungen waren oder ob er das geplant habe. B. antwortet, das seien Spontanäußerungen gewesen, das sei größtenteils unterbewusst passiert, er rede ja sozusagen mit sich selbst. Lohse fragt nochmal, ob er also mit den weiteren Handlungen, nach dem er die Türe nicht öffnen konnte, spontan reagiert habe. B bejaht das. Lohse fragt ihn, welches Ziel er verfolgt habe, als er die Sprengsätze über die Mauer warf. B sagt, er hätte ja gewusst, dass dahinter wenig ist. Er hätte gehofft, dass etwas Feuer fängt. Er lacht. Es sei gar nicht so leicht, etwas anzuzünden. Er hätte das gemacht, weil er noch irgendwas tun wollte, auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering war, dass er etwas anzünden konnte, aber die Hoffnung sei da gewesen. 
Anschließend kommt Lohse auf die Situation mit Frau L. zu sprechen. Er sagt, wenn er B. richtig verstanden habe, hätte er den Vorsatz gehabt, jeden der ihn da stört, anzugreifen. B. antwortet mit ja, wer ihn daran hindere oder angeht. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.] Lohse fragt ihn, ob er in der Situation mit Frau L. den Eindruck gehabt hätte, dass er gehindert wurde. B antwortet, das sei eine sehr schnelle Spontanentscheidung gewesen. Er lacht. Er habe nicht richtig gedacht. Lohse fragt den Angeklagten, ob das Erscheinungsbild von Frau L. eine Rolle gespielt habe, was dieser verneint. Lohse sagt, er frage, weil B. sich abschätzig über sie geäußert habe. B sagt, er bezeichne die Dinge so wie er sie sehe. Lohse fragt, was gewesen wäre, wenn jemand anderes ihn angesprochen hätte. B. antwortet, dass ziemlich sicher dasselbe passiert wäre, er habe “jetzt nichts gegen die Frau explizit”.
Danach kommt Lohse auf die Situation mit Frau Mandy R. zu sprechen. Er fragt B., ob er, nachdem er Frau L. erschossen hatte, seine Gedanken darauf gerichtet hätte, einen Umweg zu machen, um zu gucken, wer ihm noch gefährlich werden könnte. B. bejaht. Er wisse, dass Synagogen unter Polizeischutz stehen. Deshalb hätte er erstmal schauen müssen, wie die Situation ist, und ob sich dort möglicherweise ein Polizist befindet, der ihn erschießen könne. Lohse fragt ihn, ob er sich noch an die Situation mit Frau R. erinnere. B. sagt, er habe die Waffe einmal hochgenommen und auf eine Person gezielt, die weit weg war. Er vermutete, dass an der Waffe etwas klemmte und das habe er dann auch gesehen. Lohse entgegnet, er habe bei der Polizei gesagt, dass er sich nicht genau an die Situation erinnern könne. B. erwidert, ja, er erinnere sich ungenau. Die Vernehmung sei auch ziemlich lang gewesen. Lohse fragt den Angeklagten, wie weit er sich noch an die Dinge erinnere und wie weit er die Dinge aus der Vernehmung übernähme. B. antwortet, er könne sich an relativ viel erinnern. Manche Sachen würden sich überlagern. An die einzelnen Handlungen könne er sich alle erinnern.
Lohse spricht B. auf ein Zitat aus dem Video an, nachdem das Eindringen in die Synagoge gescheitert war. Es lautete etwa “Dann jetzt die Kanaken”. Er fragt, was da sein Gedankengang gewesen sei. B. antwortet, er sei an die Ursache nicht herangekommen, die Synagoge war zu, also hätte er wohl oder übel auf das Symptom wechseln müssen, also Muslime. Lohse fragt ihn, ob er sich diese Zielsetzung als Plan B überlegt habe. B. antwortet, er habe überlegt, dass er immer noch mit dem Auto woanders hinfahren können. Das sei dann aber nicht möglich gewesen [wegen des zerschossenen Reifens, Anm. democ. ], hätte er gedacht. Er sei selbst erstaunt gewesen, wie weit er noch gekommen sei. B. lacht immer wieder bei seinen Ausführungen. Lohse fragt, ob er Vorstellungen hatte, wo Objekte in Halle sein könnten, die er angreifen könnte. B. antwortet, er hätte nur gewusst, dass in Halle ein “Zentrum für Muslime” ist, da hätte er aber nicht hingelangen können, also habe er sich gesagt, “die Innenstadt ist voller Muslime”.
Herr Oberstaatsanwalt Schmidt übernimmt das Wort. Er fragt B. nach der Person, die er in Magdeburg angefahren hat und wie sich die Verkehrssituation für ihn dargestellt habe. B. lacht. Das sei schwer zu realisieren gewesen, er habe sehr versucht, sich zu konzentrieren. Da habe ein […] auf dem Bordstein gestanden. Schmidt fragt, warum er das Fahrmanöver eingeleitet habe. B. sagt, das habe er gemacht, um möglichst schnell von der Polizei wegzukommen. Schmidt geht auf den Moment ein, als B. erkannt hat, dass es sich um eine Person dunkler Hautfarbe handelt. Er bittet B., den Moment zu beschreiben. B. lacht laut, das sei ziemlich schwer, er habe überhaupt kein Zeitempfinden. Schmidt fragt ihn, ob er nach dem Zusammenstoß mit der Person gewusst habe, ob und wie er ihn getroffen habe. B. sagt, er habe nicht gewusst, ob er ihn getroffen habe, er wisse noch, dass er dachte “Das war ziemlich knapp”. Schmidt fragt ihn, ob er sich unmittelbar danach Gedanken gemacht habe, was mit der Person ist. B. lacht wieder laut. “Neeeein”. Er sei auf der Gegenfahrspur gewesen und hätte wieder auf die Richtige gemusst. Schmidt hakt nochmal nach, ob er sich Gedanken gemacht habe, ob die Person verletzt sei. B. Lacht. “Nein”. […] Schmidt fragt, ob er die Polizei wahrgenommen habe. B. verneint. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.] Schmidt fragt, wie er sich das eigentlich vorgestellt habe, wie es weitergehen soll. B. lacht. Er sei angeschossen gewesen, das sei ziemlich schlecht gewesen. Aber er hätte noch Waffen gehabt, also hätte er noch eine Chance gehabt weiterzukämpfen. Dazu müsse man aber erstmal aus der Gefahrensituation raus, danach können man planen, was jetzt folge, das nächste Ziel suchen usw. Schmidt fragt ihn, warum er das Feuergefecht mit der Polizei aufgenommen habe. B. sagt, er hätte nicht gedacht, dass das Auto noch irgendwie fahre. Da habe er dann unterbewusst sehr schnell versucht, sich da wegzubringen. Er habe größtenteils nicht nachgedacht und sei einfach losgefahren. Das seien allein die Instinkte. Da die Polizei dort gestanden hätte, habe er gedacht, dass er da nicht wegkomme und er habe auch gedacht, dass sie schon draußen [außerhalb des Autos Anm. d.V.] stehen. Schmidt wendet ein, die Polizei sei ja nicht sein primäres Angriffsziel gewesen. B. bejaht. Aber wenn er an seiner Tat gehindert werde, müsse er natürlich kämpfen, damit er weitermachen kann. 
Lohse ergreift wieder das Wort und kommt auf den Vorfall in Landsberg zu sprechen. Dort habe B. versucht, ein Fahrzeug zu erbeuten und dabei Dagmar M. angeschossen. Er fragt B., welches Vorstellungsbild er davon gehabt habe, wie stark die Person verletzt war. B. antwortet, die Pistole sei sehr schwach, deshalb aber er es als nicht so schlimm eingeschätzt. Klar, die Person sei am Hals getroffen worden, aber das sei er ja auch und er konnte noch weiterfahren. Lohse fragt, ob er es für möglich gehalten habe, dass das Opfer sterben könnte. B. sagt, möglich sei vieles, aber das sei unwahrscheinlich gewesen. Schmidt spricht an, dass S. bei der Polizei seiner Erleichterung Ausdruck verliehen habe, dass die beiden noch leben. B. bestätigt das. Er sei natürlich froh gewesen, dass es ihnen gut geht, weil er sie ja nicht mal anschießen wollte. […] Lohse sagt, er habe den Eindruck, dass es für B. die Alternative “Gewinnen oder Sterben” gegeben habe. Er fragt ihn, was er unter Gewinnen verstanden hätte. B. antwortet: “Meine Feinde besiegen”. Lohse erwidert, das seien Millionen Menschen. B. sagt: “Einer muss ja anfangen”. 
Lohse fragt, ob er sich eigentlich in seiner Zeit im Studium oder bei der Bundeswehr mit anderen über Politik unterhalten habe. B verneint. In Deutschland unterhalte man sich lieber nicht mit Fremden oder Bekannten über Politik, das könne schnell “schief ausgehen”. Lohse fragt nach seiner politischen Entwicklung. B. sagt, das sei mit der Zeit stärker geworden. Aber er hätte seit der Schule gewusst, dass es wichtige Tabuthemen gebe, die keiner anspreche. Lohse fragt ihn, ob er also gegenüber Dritten politische Themen gemieden hätte, was B. bejaht. Lohse sagt, dass B. berichtet habe, dass er kein besonders sozial integrierter Mensch war und auch keine Freundin hatte. B. sagt: “Leider nein”. Lohse erwidert: “Hätten Sie aber gern gehabt?” B. sagt: “Auf jeden Fall”. Lohse fragt, ob er in dieser Hinsicht eine Konkurrenzsituation mit Geflüchteten empfunden habe. B. antwortet, dass Muslime seine Gegner seien. Lohse sagt, er habe den Eindruck gewonnen, dass er genau analysiert habe, wo er Fehler gemacht habe. Er fragt B., ob er das im Nachhinein gemacht habe. B. bejaht. Das habe er erst gekonnt, nachdem er die Bewertung seiner Waffen gelesen habe.
Lohse erklärt, dass er nicht empfunden habe, dass B. sich die Frage gestellt habe, ob es ein Fehler war, diese Sachen überhaupt zu tun. B. antwortet: “Die Synagoge anzugreifen war kein Fehler. Das ist mein Feind. Die versuchen aktiv die Weißen auszurotten”. Lohse wendet ein, dass B. eines Tages sterben werden, er selbst auch und alle Menschen die in dieser Zeit leben. Er fragt, ob darauf nicht folge, dass wir unabhängig von Hautfarbe, Religion oder anderen Merkmalen, aus dieser Perspektive alle gleich sind und ob das nicht die Folge habe, dass wir alle unabhängig von Hautfarbe, Rasse, […] ein gleiches Recht haben zu leben. B. lacht. Lohse schließt mit der Aussage, dass B. diese Überlegung mitnehmen solle, er habe wahrscheinlich einige Zeit, darüber nachzudenken. 

Befragung durch die Verteidigung
Die Vertreter der Verteidigung, RA Weber und RA Rutkowski, erhalten das Wort. Sie beginnen mit dem Fall R., im Bezug auf das Video. […] B. sagt, er habe, soweit er weiß, keinen Schuss abgegeben.
Die Verteidigung spricht an, B. habe erklärt, er habe keine Sozialhilfe angenommen. B. sagt: “Ich stehe ungern in anderer Schuld.” 
RA Weber spricht nun über den Tatvorgang an der Synagoge und fragt den Angeklagten, wie er gestern auf die Frage nach dem Tathergang geantwortet habe. B. antwortet, er wisse nicht mehr, was er gestern gesagt habe. Er habe halt seine Gegner angreifen wollen. Er habe nicht gewusst, ob überhaupt Leute in der Synagoge sind, er habe nicht mal gewusst, wie der Hof aussah. Bei seiner Recherche habe er viele Synagogen im Internet gefunden. Da habe immer “Denkmal” gestanden. Er habe die Möglichkeit gefürchtet, dass das Gebäude leer ist. Das wäre dann sehr lächerlich gewesen, so B. Weber hakt nach, ob das heiße, dass es keine konkreten Anhaltspunkte dafür gebe, dass dort Leute sein würden. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]. Weber sagt, weil er das alles nicht wusste, habe sich der Tatplan spontan entwickelt. 
RA Pietrzyk, Vertreterin der Nebenklage, beanstandet diese Frage. Sie sagt, wenn Weber die Aussage korrigieren wolle, solle er sie korrigieren. Aber er würde jetzt versuchen, funktional Schutzbehauptungen einzubauen. Das seien keine zulässigen Fragen, insbesondere, weil es sowieso kein wörtliches Protokoll gebe. Weber sagt, da möchte er widersprechen. Alles würde aufgezeichnet. Die Vorsitzende schaltet sich ein. Die Dokumentation sei für wissenschaftliche Zwecke und stehe nicht als Beweismittel zur Verfügung. Insofern bitte sie Weber darum, erstmal offene Fragen zu stellen. Wenn er einen Vorhalt machen wolle, solle er mit “Ich habe in Erinnerung, dass Sie…” starten. Dann habe der Rest des Gerichts die Möglichkeit zu widersprechen.
RA Scharmer von der Nebenklage ergreift das Wort. Er sagt, Weber habe seine Frage begonnen mit “Haben Sie gestern Folgendes gesagt, …” – da sei per se eine unzulässige Frage. […]
Die Verteidigung fragt B., da er nicht davon ausgehen hätte können, dass Personen in der Synagoge waren, ob es richtig ist, dass es eine spontane Entscheidung war. Die Vorsitzende ergreift erneut das Wort. Sie habe es ganz klar so in Erinnerung, dass B. gesagt habe, dass er den Plan hatte nach Halle zu fahren, um die Synagoge zu überfallen und sich danach überlegt habe, womöglich auf Muslime umzustellen. Er habe sich bewusst Jom Kippur herausgesucht, weil er davon ausging, dass da viele Leute da sein würden. Weber erwidert, er stelle nicht in Abrede, dass B. das sagte. Aber auf die Frage nach der konkreten Tathandlung habe er gesagt, dass er nicht wisse, ob dort Menschen sind, ob die Synagoge überhaupt besucht wird oder nur ein Denkmal ist. Und er habe gesagt, dort sei dann alles spontan abgelaufen. 
Die Vorsitzende sagt, dass ihre Erfahrung sei, dass man nur wörtlich protokolliere, wenn es auf den Wortlaut ankommt. Hier habe man es aber mit einer vielschichtigen Aussage zu tun. Da komme es nicht nur auf eine Sequenz im Tatablauf an, sondern auch entscheidend auf den Tatplan. Dann müsste man die ganze Aussage protokollieren, sagt sie. Sie denke, dass es auf den Wortlaut nicht ankomme.
[…] Weber ergreift das Wort, spricht aber unverständlich. Trotz mehrmaliger Ermahnung durch die Richterin spricht er nicht richtig ins Mikro. 
Die Richterin sagt, sie habe jetzt nicht gehört, dass B. nur mal die Synagoge besichtigen wollte und versuchte, die Tür aufzuschließen. 
RA Pietrzyk beanstandet, dass es nicht zulässig und offensichtlich sei, was die Verteidigung da mache. Dann solle sie bitte einen Antrag stellen, dann könne man Stellung dazu beziehen. 
Weber bittet um 15 minütige Unterbrechung zur Fertigung des Antrags.

15 Min. Pause.
Die Verteidigung beantragt die Korrektur der Aussage. Weber sagt, die Aussage des Angeklagten habe gelautet, dass er nur den Hof kannte und seine Recherchen ergeben hätten, dass es auch hätte sein können, dass es sich nur um ein Denkmal handelte. Er habe ausgesagt, keinen konkreten Anhaltspunkt dafür gehabt zu haben, dass dort Leute seien, der Tatplan sei spontan entstanden. Weber räumt ein, dass B. zwar gesagt habe, dass er Juden töten wolle, entscheidend sei aber, ob er bereits unmittelbar zum Töten angesetzt hatte, als er die Tür zur Synagoge aufzusprengen versuchte. 
Lohse beantragt, den Antrag abzulehnen, da eine solche Protokollierung voraussetze, dass es auf den genauen Wortlaut ankäme, was hier nicht der Fall sei, weil es um eine Gesamtwürdigung des Tatgeschehens gehe. Diese setze sich aus vielerlei Teilen der Aussagen zusammen, deshalb komme es auf diese spezifische Aussage nicht an.
RA Scharmer beantragt ebenfalls, den Antrag abzulehnen und frag die Verteidigung, warum sie es nicht im Vorfeld beantragt habe, wenn sie es als so wesentlich betrachten.
RA Siebenhühner erläutert noch einmal für die Öffentlichkeit, dass eine Protokollierung in dieser Instanz nur möglich sei, wenn es auf eine Feststellung im hiesigen Verfahren ankomme. Das tue es dann, wenn Vorgänge und Äußerungen z.B. Verfahrensfehler enthalten, auf die eine Revision gestützt werden kann oder Anlass für weitere Beweisanträge bieten. Der Antrag sei unbegründet, weil Weber nicht vortrug, warum es für das laufende Verfahren darauf ankomme.
Die Vorsitzende sagt, dass der Antrag abgelehnt sei. 
Weber beantragt die Herbeiführung eines Senatsbeschlusses. Nun wird Sitzung nochmal unterbrochen für ca. 15 Min. 
Die Entscheidung, den Antrag abzulehnen, wird bestätigt, da die Voraussetzungen nicht gegeben seien. Es komme bei der vom Verteidiger zitierten Aussage nicht auf den Wortlaut an, sondern auf deren Sinngehalt im Kontext der Gesamtaussage des Angeklagten.
Weber befragt Herrn B. zum Wurf der Sprenggranate im Dönerimbiss. Er fragt, was das für eine Granate gewesen sei und was für eine Wirkung die hatte. Ein Vertreter der Nebenklage beanstandet die Frage, weil sie am Vortag eindeutig beantwortet worden sei. 
RA Hoffmann, ebenfalls Vertreter der Nebenklage, beanstandet die Frage ebenfalls, auch weil die Frage nach der Sprengkraft keine Frage der Wahrnehmung des Angeklagten sei, sondern eigentlich eine wissenschaftliche Frage. B. habe vorher schon ausgesagt, dass er nicht die Möglichkeit gehabt habe, so etwas zu testen. 
[XXX, Details zu Waffen und Tatdurchführung, Anm. democ.]
Weber spricht an, dass B. in Panik verfallen sei, als die Türsprengung nicht klappte und “rotgesehen” habe. Er fragt, was das heißen solle. B. antwortet, sein Sichtfeld hätte sich leicht eingefärbt, es sei merkwürdig gewesen. Weber fragt, ob es eine Sinnestrübung war. B. lacht. Da frage Weber ihn medizinische Sachen. Das habe sich über sein normales Sichtfeld drüber gelegt. Weber fragt, ob er tatsächlich eine farbliche Veränderung gesehen habe. B. antwortet “Ja, leicht”. Weber fragt, wann das erstmalig aufgetreten sei. B gibt an, das sei gewesen, als die Hauptladung nicht zündete und er gemerkt habe, dass er nicht in die Synagoge komme. Weber hakt nach, ob das gewesen sei, noch bevor er auf Frau L. schoss, was B. bejaht. 
Anschließend kommt Weber auf Herrn Z. zu sprechen, von dem B. seine Autoschlüssel verlangt habe. Er fragt B., welche Absicht er mit diesem Schuss verfolgt habe. [XXX, Details zur Waffe und Tatdurchführung, Anm. democ.] Weber fragt ob B. Herrn Z. töten wollte. B. verneint.
Die Vorsitzende ermahnt Weber, dass er offen fragen müsse, das es sonst suggestiv sei. Weber fragt B., was er bezweckt habe. B. sagt, er habe ihn verletzen wollen, um den Schlüssel zu bekommen. Wenn er ihn hätte töten wollen hätte, hätte er ihn auf dem Boden erschossen. Weber fragt nach, ob er auf einen weiteren Schuss bewusst verzichtet habe. B. Antwortet, klar, er wolle keine Weißen verletzen. Weber fragt, welche Absicht B. bei Frau M. gehabt habe. B. antwortet, er habe ihr ins Bein schießen wollen, damit sie nicht die Polizei ruft. Weber fragt, ob er eine weitergehende Absicht hatte, was B. verneint. Dann fragt Weber nach B.’s Absicht, als der dem Taxifahrer das Geld hingeworfen habe. B. antwortet, er habe ihn zur Fahrt zwingen wollen, das sollte für den Sprit und die Taxikosten sein.
Die Vorsitzende sagt, sie wolle noch einmal festhalten, dass er gerade gesagt habe, dass er weiße Menschen nicht erschießen wolle – verletzen aber sehr wohl. B. antwortet, er gehe nicht rum und schieße aus Spaß Weiße an, er habe aber in der Situation ein Auto gebraucht. Er sei sozusagen in einer Zwangslage gewesen. Die Vorsitzende fragt, ob es ihm schwerfalle, zu akzeptieren, dass andere Leute nicht seinen Wünschen entsprechen wollen. 
B. erwidert, das sei kein zielorientiertes Handeln bei einem Anschlag. Die Vorsitzende fragt, ob der nicht vielleicht schon vorbei war. B. verneint, er habe noch Waffen gehabt, er habe also noch weiter kämpfen wollen. [XXX, Details zur Tatdurchführung, Anm. democ.]
Die Vorsitzende fragt, warum B. nicht auf die Idee gekommen sei, einfach abzudrehen, als er die Polizeifahrzeuge sah. B antwortet, er habe nicht damit gerechnet, dass das Auto noch weit fahre, sonst wäre er vielleicht nach Halle-Neustadt gefahren, zum Muslimischen Zentrum “oder wie das heißt”. [XXX, Details zur Tatdurchführung, Anm. democ.]
Auf die Frage, ob seine Handlung auch damit zu tun hatte, dass er verletzt war, antwortete B., das sei unterbewusst abgelaufen. “Ich sag mal Instinkt, fight-or-flight”. Er hätte im rationalen Zustand niemals so viel Gas gegeben, da die zerschossenen Reifen dafür hätten sorgen können, dass das Auto sich überschlägt o.ä. Das sei ein riskantes Manöver gewesen. Auf die Rückfrage, ob er das getan habe, weil er verletzt war, antwortet B.: Ja, also unterbewusst. 

45 Min. Unterbrechung. 

Befragung durch die Nebenklage
Es wird ein Bild vorgelegt, auf dem verschieden Sprengvorrichtungen zu sehen sind. RA Scharmer befragt B. dazu. [XXX, Details zu den Waffen, Anm. democ.]
RA Görgülü richtet sich an B. Dieser habe gesagt, wenn er die Chance habe weiterzukämpfen, würde er weiterkämpfen. Er fragt ihn, ob er den Kampf jetzt als beendet sehe. B. antwortet: “Kein Kommentar”.
Der Bevollmächtigte von RA Friedmann ergreift das Wort. Er spricht das Geschehen in der Magedburger Straße an. B. erinnere sich ja mit bemerkenswerter Klarheit, dass er eine schwarze Person wahrgenommen habe. Er fragt B., ob das für ihn besonders herausstechend war. B. antwortet, das sei deutlich zu sehen gewesen. Der RA fragt nach, ob die Person in seinem Sichtfeld gewesen sei, also ob ihm klar gewesen sei, dass es jetzt zur Kollision kommt. B. sagt, es sei ihm bewusst gewesen, dass es dazu kommen könnte, aber die Person sei umgedreht und zurückgegangen, deshalb sei es ja nicht so schlimm ausgegangen, er habe wahrscheinlich das Auto gehört. Der RA erwidert, B. sei ja entgegen der Fahrtrichtung gefahren, er habe die Person ja angefahren und verletzt. B. entgegnet, das habe er später erfahren. Der RA fragt, ob B. versucht habe auszuweichen. B. sagt, er habe keine großen Lenkbewegungen machen können, er habe zerschossene Reifen gehabt und sich sonst überschlagen können. Der RA fragt, ob er also überlegt habe, ob er ausweichen könnte und nicht ausgewichen sei, weil er sich sonst selbst hätte gefährden müssen. B. bejaht das. Der RA fragt, ob es eine Rolle gespielt habe, ob er beim Ausweichen das Leben der Person hätte schützen können. B. lacht und verneint. Der RA fragt: “Obwohl ihnen klar war, dass es extrem gefährlich für die Person war?”. B. sagt, es sei ja auch für ihn gefährlich gewesen. Der RA fragt, ob er vielleicht eher ausgewichen wäre, wenn es eine weiße Person gewesen wäre. B. lacht. “Auf jeden Fall, ja”. Dann hätte er sich vielleicht gefährdet. 
Ein weiterer Nebenklagevertreter fragt B., ob er einen Plan B gehabt habe. B. antwortet, er habe nur gewusst, dass es noch andere Synagogen gibt. Der Nebenklagevertreter fragt B., warum er das Wort “Weißer Krieger” benutzt. B. sagt, das sei ihm so eingefallen. Der RA fragt, ob ihm bewusst sei, dass Breivik und Tarrant im Internet so genannt würden. B. Antwortet: “Naja, sie sind weiß und sie sind Krieger”. Der RA fragt, wo er diese Diskussion zu “Wenn jemand dich nicht ernst nimmt, bist du kurz davor entwaffnet zu werden” wahrgenommen habe. B. antwortet, das sei irgendwo im Internet gewesen. 
Der RA fragt B. nach der Stelle im Video, bevor er versucht, einen Sprengkörper in die Synagoge zu werfen und sagt “Vielleicht kommen die ja raus”, was sein Ziel gewesen sei, wenn “die rauskommen”. B. antwortete, dass er dann auf sie geschossen hätte, deswegen sei er da gewesen. Der Rechtsanwalt fragt, ob er das also gemacht habe, damit sie rauskommen, um sie zu erschießen. B. sagt “Natürlich”, er sei da gewesen um gegen Juden zu kämpfen und um auf Juden zu schießen. 
Der RA fragt nach der Musik. Es seien verschiedene Lieder gewesen. Ob B. das erste Lied sinngemäß zusammenfassen können. B. bejaht. Dann fordert der RA B. auf dies auch zu tun. B. lehnt ab. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
Der RA fragt, wann der Plan zum Angriff auf die Synagoge gereift sei. B. sagt, es hätte ja ursprünglich eine Moschee werden sollen, aber dann habe er sich umentschieden. Da müsse man sich dann umschauen, wo Juden sind.
Der RA sagt, er werde B. keine Bühne geben, das was er sagen will im Rahmen seiner Befragung verlauten zu lassen. Er fordert B auf, seine Frage zu beantworten. B. sagt, dass er keine Fragen dieses RA mehr beantworten werde. 
Der RA hat die Möglichkeit, dem Gericht seinen Fragenkatalog vorzulegen. 
Ein weiterer Nebenklagevertreter erhält das Wort. [XXX, Details zu Waffen, Anm. democ.] Er kommt auf den 3D-Drucker zu sprechen und fragt, ob B. den mal jemandem gezeigt habe. B. gibt an, er habe den Drucker mal seinem Vater gezeigt, der habe ihn aber für Spielzeug gehalten. Der Rechtsanwalt fragt, ob sein Vater mal etwas angefasst habe, was er gedruckt hat. B. sagt, es könne sein, dass er ihm mal was “von dem kleinen Kruppzeug” gegeben habe, das nur zum Testen des Druckers war. Die Waffen habe er nicht gesehen oder angefasst. Der RA fragt, ob er dem Vater mal etwas Gedrucktes gegeben habe. B. verneint, er habe nie was für ihn gedruckt. Wenn, dann in der Zeit, als er ihm den Drucker gezeigt habe. 
Der RA fragt, warum er ausschließe, dass der Vater mal in sein Zimmer gegangen sei. B. antwortet, weil sein Vater das nicht machen würde, es sei ein ehrenwerter Mann. Er fragt den RA ob dieser seinen Familienmitgliedern vertraue, “anscheinend nicht”. Der RA fragt, ob er selber sein Zimmer geputzt habe. B. bejaht. Der RA hakt nach, ob seine Mutter nie geputzt habe. B. antwortet: “Nein. Lassen Sie Ihre Mutter Ihr Zimmer putzen?”. Sein Zimmer bleibe allgemein auch abgeschlossen, wenn er weg sei. Der RA fragt, ob die Eltern das akzeptiert hätten. B. antwortet, sie hätten es nicht toll gefunden, aber er habe ihnen erklärt, dass er nicht will, dass jemand an seine Sachen geht. Der RA fragt, ob B. es also für notwendig gehalten habe, abzuschließen, obwohl er von Vertrauen rede. B. sagt, das seien zwei verschiedene Räume. Bei seinem Vater sei nur Werkzeug drin, bei seiner Mutter lägen Waffen im Bettkasten, da habe er zur Sicherheit abgeschlossen. Auch, weil seine Schwester manchmal mit ihrem kleinen Sohn komme, nachher passiere da noch was, wenn der da rumkramt. […]
Ein weiterer Vertreter der Nebenklage befragt B. zum “Großen Austausch” und fragt ihn, ob er diese Verschwörungstheorie kenne. B. lacht und fragt, ob das jetzt auch schon eine Verschwörungstheorie sei. Auf die Nachfrage, ob er die Theorie nun kenne, antwortet er: “Ich kenne die Wahrheit”. Der RA fragt, wann er zum ersten mal davon erfahren habe. B. sagt, dass habe er im Manifest von Tarrant gelesen. Dass der große Austausch stattfindet, habe er 2015 gesehen. Der RA fragt ihn, ob er inhaltsgleiche Themen vor 2015 schon mal wahrgenommen habe. B. bejaht, er habe sowas hin und wieder mal angelesen. Der RA fragt, wo er so etwas gelesen habe. B. sagt, er wolle dazu keine Aussage machen, das sei im Internet gewesen. Der RA sagt, es ergebe keinen Sinn, dass B. eine Aussage verbreiten wolle, aber ihm nicht erzählen wolle, wo im Internet er die gelesen habe. B. erwidert, das ergebe sehr wohl Sinn. “Ich will hier niemanden anscheißen”. Er wolle seinen “eigenen Leute” schützen. Der RA fragt nach was “seine eigenen Leute” bedeute und ob er zu anderen Kontakt aufgenommen hätte. B. verneint. Der RA fragt, ob er nur verneint, um Personen zu schützen. B. gibt an, er sage Nein, weil er Nein meine. Der RA fragt ihn, ob er ihm das mit dem Schützen erklären könne. B verneint, das wolle er nicht. 
Der RA fragt, ob er mal die These vertreten habe, dass Ausländer ihm die Arbeit wegnehmen. B. sagt, das könne passieren, dass die das machen. Der RA erwidert, B. habe doch gar nicht arbeiten wollen. Er fragt B., wann er vertreten habe, dass Ausländer ihnen die Arbeit wegnehmen. B. antwortet, dass er das nicht vertreten habe, er habe nur gesagt, dass das was ist, was passieren kann. Der RA fragt, ob er darüber mal mit Anderen geredet hätte. B. verneint. Man treffe sich nicht mit Leuten auf ein Bier, um politische Diskussionen anzufangen. Der RA fragt ihn, wann, in welcher Phase seines Lebens, ihm ein Nicht-Deutscher die Arbeit weggenommen habe. B. entgegnet, ob er ihm jetzt gesamtwirtschaftliche Strukturen erklären solle. Der RA fragt, welchen Job er wegen eines Ausländers nicht bekommen habe. Er unterbricht B. immer wieder, wenn dieser versucht auszuholen. B. lacht. Er habe es ihm er erklären wollen, aber der RA wolle seine Antwort nicht hören. Der RA erwidert, B. wolle ihm irgendwelche Theorien erzählen, aber konkret könne er keine dieser Thesen füllen. Es wird etwas lauter zwischen den beiden. Der RA sagt zu B., dieser habe doch gar nichts Nützliches gemacht, stattdessen würde er hier erzählen, dass Ausländer ihm die Arbeit wegnehmen. B. erwidert, er habe diesen Satz nicht getätigt, er habe lediglich gesagt, dass sowas auch zutreffen kann. Der RA solle ihm nicht andere Worte in den Mund legen. Wenn ihm das so wichtig gewesen wäre, stünde es im Manifest. 
Der Nebenklagevertreter spricht an, dass B. seine Ansprache im Video mit “My Name ist Anon” begonnen habe und fragt, was für einen Sinn das habe. B. antwortet, da habe er sich anscheinend nicht informiert, er würde ihm jetzt nicht das Internet erklären. Das sei was von jungen Leuten. 
Der RA sagt, dass auf einem Asservat – einem Magazin, dass mit dem 3D-Drucker gefertigt wurde – die DNA von einer unbekannten Person gefunden worden wäre und fragt, wie B. sich das erkläre. B. sagt, er habe wenig Ahnung, durch wie viele Hände sein Zeug gegangen sie, nachdem man es ihm abgenommen hat. Er fragt: “Seh ich so aus, als wüsste ich, wie da DNA drankommt?”. Der RA erwidert, es hätte ja sein können, dass ein Freund es in der Hand hatte. B. sagt: “Nein, überhaupt nicht”. Er habe das selbst gefertigt. Das einzige, was er sich vorstellen könne, wie die DNA an das Asservat gelangt ist, sei, dass es irgendwie beim Auswachsen dazu gekommen sei. Diese Plastikdrucke habe man, nachdem sie gedruckt sind, auswaschen müssen, das habe er in der Küche von seinem Vater gemacht. […]
B. gibt an, er habe aus einem Papiercontainer (in seinem “Kommunistenblock” sei das ein geteilter Container) Cornflakes Packungen genommen und die Pappe für seine Waffen verwendet, so habe er nichts kaufen müssen. Vielleicht sei so die fremde DNA zu ihm gelangt. 
RA Hoffmann von der Nebenklage spricht B. auf eine seiner Aussagen an: “Feminsm is the cause of declining birth rates in the west, which acts as a scapegoat for mass imigration, and the root of all these problems is the jew”. Er fragt ihn, ob er also der Meinung sei, dass der Feminismus daran schuld sei, dass zu wenige Deutsche oder Weiße geboren würden und die Juden hinter dem Feminismus steckten. B. bejaht das, und sagt, der Feminismus sei jüdisch. Die Richterin wirft ein, dann habe das Judentum da ja etwas Nettes hervorgebracht. B. erwidert, das sei Ansichtssache.
Hoffmann fragt B. nach seinen Bezügen zum NS. Er fragt, was für ein Verhältnis B. zum NS habe. B. antwortet, er habe keine Verhältnisse, er habe keine Freundin. Der RA fragt: “Wollen sie mich vergackeiern? – B. bejaht. Hoffmann fragt nach dem Zitat “Nobody expects the internet SS”, er will von B. wissen, was dieser damit meint. B. sagt, dass sei ein Witz von Monty Python, umgeschrieben. Der RA fragt ihn, ob ihm die Brigade Dirlewanger etwas sage. B. bejaht. Die Rückfrage, ob der die Musikband mit diesem Namen kenne, verneint B. 
Hoffmann fragt, woher er sein Wissen über Jom Kippur habe. B. antwortet, das habe er aus dem Internet. Auf die Nachfrage, wo im Internet er das gelesen habe, gibt B. Wikipedia an. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
Der RA fragt B. wie das Passwort für den verschlüsselten Container auf dem Medienstick […] laute. B. antwortet, das würde der RA wohl gern wissen, das werde er von ihm aber nicht bekommen. Der RA fragt ihn, ob sich der Name des Containers auf Pepe den Frosch bezieht. B. antwortet, möglicherweise sei das so, möglicherweise auch nicht. Der RA erwidert, er solle antworten oder nicht. B. sagt, er werde auf keinen weiteren Fragen des RA antworten, weil er das nicht müsse. Auch RA Hoffmann kann seine Frageliste beim Gericht einreichen.
Anschließend ergreift RA Onken das Wort. Er fragt B. danach, dass dieser angegeben habe, dass ihm mal zwischendurch was herausgerutscht sei. Er fragt, was das gewesen sei. B. antwortet, er wisse es nicht, vielleicht was Tagespolitisches, wo rauskam, dass er Muslime nicht mag. Er wisse nicht, was er beim Bier trinken geredet hat, das sei ja das Wunder von Alkohol. Der RA fragt, ob ihm solche Sachen schon immer herausgerutscht seien, seit er Alkohol konsumiert. B. sagt, das sei selten passiert, er wolle nicht die Stimmung versauen. Der RA fragt, wann das denn gekommen sei. B. antwortet, das sei von einem Tag auf den anderen gewesen. Er gibt 2015 als Zeitpunkt an, während der “Flüchtlingskrise”. Der RA fragt, was in den Jahren vorher war, ob er solche Gedanken da nicht hatte. B. antwortet, er hätte davor nicht den Gedanken gehabt, in eine Synagoge zu gehen und Leute zu erschießen. Da habe es noch nicht so viele Muslime hier gegeben. Der RA fragt nochmals, ob B. also vor 2015 solche Gedanken nicht hatte und auch die Gesellschaft nicht so wahrgenommen habe. B. sagt, er sei allgemein früher nicht sehr politisch gewesen. 
Der Rechtsanwalt fragt B. ober einen Spitznamen habe. B. verneint. Der RA spricht an, dass er B. davon sprach, “seine Leute” aus dem Internet schützen zu wollen. B. habe angegeben, dort niemals selbst kommuniziert zu haben. Er fragt, ob B dabei bleibte. B. fragt: “Was kommuniziert?” Der RA antwortet, er meine das erstmal ganz allgemein, also ob er niemals in irgendein Forum irgendwas geschrieben habe. B. antwortet, natürlich habe er mal in irgendeinem Forum irgendeinen Kommentar zu irgendwas gemacht. Bei politischen Themen aber eher nicht, da das gut verfolgbar sei. Der RA fragt, was mit Boards sei, die er als sicher betrachte, aber nicht benennen wolle. B. antwortet, die seien nicht sicher.
Der RA fragt B., ob der Angeklagte selbst aktiv kommuniziert habe. B. sagt, er habe eher weniger aktiv kommuniziert. Das habe er dann getan, wenn man mal “ein gutes Thema” gehabt habe. Der RA fragt, wie viele Menschen das seien, die B. schützen wolle. B. antwortet mit der Gegenfrage, wie viele Internetanschlüsse es gebe. Der RA erwidert, wenn B. die Fragen nicht ernsthaft beantworten wolle, sollten sie das beenden und sagt: “Spielen Sie keine Spielchen”. B. antwortet, er spiele sehr gerne Spiele, deshalb würde er ihm jetzt keine Fragen mehr beantworten. 
Die Vertreterin der Nebenklage, RA Lewin, erhält das Wort. Sie fragt B., ob er sich für klug halte. B. sagt: “Nicht unbedingt”. Die RA fragt ihn, ob er eine eigene Meinung habe. Er antwortet, natürlich habe er eine. Sie spricht an, dass er angab, keine Juden an der Synagoge gesehen zu haben – aber er habe gesagt, dass er Passanten gesehen habe. Sie fragt, woran er denn erkannt habe, dass es keine Juden seien. B. antwortet, die seien an der Synagoge vorbeigelaufen oder auf der anderen Straßenseite. Und teilweise könne man Juden auch am Gesicht erkennen. Die RA fragt, woran genau man das erkennen könne. B. sagt, er denke, das interessiere hier keinen und er müsse da sein Wissen nicht teilen. Die RA sagt, er habe geäußert, dass er nicht rumgehe und auf weiße Leute schieße. Muslime und Schwarze seien seine Gegner. B. antwortet, sie könne noch Juden hinzufügen. Sie fragt, zu welcher Kategorie denn Juden gehören würden. B. antwortet, sie gehörten zu den Semiten. Die RA fragt ihn, ob Nationalität da eine Rolle spiele. B. verneint, jeder Jude könne in Israel einen Pass beantragen. Die RA fragt, ob es richtig sei, dass er geplant habe, die Synagoge anzugreifen, weil er Juden bekämpfen wollte und weil nach seiner Auffassung Juden die Flüchtlingskrise organisiert hätten. B. antwortet: “Ja, neben ganz viel anderem.”
Die RA fragt, warum er also den Anschlag auf eine Synagoge geplant habe, wenn auch andere dafür verantwortlich seien. B. antwortet, in einer Synagoge seien Juden und keine anderen Leute. Da würden sich keine Unbeteiligten treffen. Die RA fragt ihn, ob er schonmal Juden getroffen habe. B. antwortet, das habe er hin und wieder. Wenn er mit ihnen geredet habe, dann übers Internet, eigentlich eher weniger. Die RA fragt, ob er mal im realen Leben Juden getroffen hätte und wie die aussahen bzw. wie er sie in seine Schwarz-Weiß-Kategorien einordne. B. antwortet, Juden seien keine Weißen, sie seien Semiten. 
Die RA sagt, er halte sich also für nicht besonders klug. B. gibt an, er halte sich für durchschnittlich intelligent. Die RA fragt ihn, ob es sein könne, dass er überhaupt nicht erkennen könne, wenn jemand ein Jude ist. B. antwortet, man sehe es nicht jedem an, das sei ja gerade das Gefährliche. Die RA fragt, ob er also bei seinem Anschlag in Kauf genommen habe, möglicherweise andere zu treffen. B antwortet, in der Synagoge seien Juden, keine Anderen. Die RA sagt: “Das war ihr Ziel?”. B. bejaht. Sie fragt ihn, ob er sagen würde, dass sein Plan aufgegangen ist. B. antwortet: “Nein, auf jeden Fall nicht”.
Die RA fragt ihn, ob er Reue fühle. Er antwortet, er fühle ein wenig Reue für die Weißen, die er erschossen habe. Die RA fragt B., ob er sich wieder dafür entscheiden würde, eine Synagoge anzugreifen. B. sagt, er habe ja nicht gewusst, dass es so schiefgeht. Er würde es nicht tun, wenn er wüsste, dass er dann nur Weiße und keine Juden erschieße. Die Juden seien immer noch seine Feinde. Die RA fragt, was er aus der Tat gelernt habe. Er antwortet, er habe zum Beispiel gelernt, wie viele m/s die Mündungsenergie seiner Maschinenpistole bemisst. Das habe er vorher nicht wissen können. 
Die Nebenklagevertreterin fragt, ob ihm etwas an seiner Familie liege. B. bejaht, klar liege ihm etwas an seiner Familie. Die RA fragt, wie seine Familie damit zurechtkommt. B. antwortet: “Sehr sehr schlecht”. Die RA fragt ihn, ob er etwas in diese Richtung fühlt. Er antwortet, es treffe ihn sehr hart, dass seine Familie seinetwegen leiden muss. Das sei lange das einzige gewesen, was ihn daran gehindert habe, zu handeln. Die RA fragt ihn, ob es das wert war. Er antwortet, es sei das nicht wert, eine Synagoge anzugreifen, wenn man keine Juden tötet. Die RA fragt ihn, wer “seine Leute” sind, von denen er sprach. Er antwortet, das seien Weiße. Sie fragt ihn, ob sie auch dazugehöre. Er antwortet, sie sei Jüdin. Sie fragt ihn, woher er das weiß. Er sagt, er wisse das wegen ihres Namens. Sie antwortet, vielleicht habe sie den ja von ihrem Mann. B. erwidert, dann sei sie eine Kollaborateurin.
Sie spricht an, dass B. angab, dass er keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen wollte, weil er es nicht möge, abhängig von anderen zu sein. Sie fragt ihn, ob er sich geschämt habe, von den Gaben seiner Eltern zu leben. Er bejaht das. Die RA fragt ihn, warum er nichts geändert habe. B. sagt, er habe keine Möglichkeit dazu gesehen, bei der hohen Arbeitslosenrate. Die RA sagt, er ziehe es vor, von der Hand seiner Mutter zu leben, anstatt selbst erwerbswirtschaftlich tätig zu werden. 
Ein weiterer Vertreter der Nebenklage erhält das Wort. Der RA bezieht sich auf eine Aussage von B., wo dieser erklärte, wenn man jetzt sage, Stephan sei ein Nazi und ein Antisemit, dann würde er sagen, dass nicht jeder Antisemit ein Befürworter des Nationalsozialismus ist. Der RA fragt B., wie er das meine. B. sagt, die Gruppe der Antisemiten und die Gruppe der Nazis sei nicht deckungsgleich. Der Nationalsozialismus sei eine bestimmte Staatsvorstellung. Der RA fragt ihn, wie das bei ihm sei. B. antwortet, dass er keine weiteren Kommentare dazu abgeben werde.
Anschließend geht das Wort an RA Kalwait, ebenfalls von der Nebenklage. Der RA spricht an, dass B. sich nach eigener Aussage ab und zu mit Leuten auf ein Bier getroffen habe und fragt, in welchem Zeitraum das war. B. antwortet, das sei als Jugendlicher gewesen, nach seiner OP dann so gut wie gar nicht mehr. Wegen seiner gesundheitlichen Verfassung habe er nicht mehr wirklich Alkohol getrunken und man gehe halt ungern mit Leuten feiern, wenn man selbst nicht trinkt und alle anderen schon. 
Der RA fragt B., ob er sich noch im Heimatort mit Leuten getroffen habe. B. antwortet, das sei unglaublich selten gewesen. Er glaube, er sei noch einmal auf einer Geburtstagsfeier gewesen und das sei dann auch alles gewesen. 
[XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
Der RA erwähnt, B. habe bei der Polizei ausgesagt, dass er gewusst habe, dass es am Feiertag fünf Gebete gibt und dran gestanden habe, dass Mittags eine Pause gemacht wird. B. erwidert, seine Vermutung sei gewesen, dass vielleicht ein paar Menschen draußen sind. Dass es fünf Gebete gebe, habe er allgemein über Jom Kippur herausgefunden. Das werde von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich gehandhabt. Er sei davon ausgegangen, dass es wenigstens ähnlich wäre. Der RA entgegnet, “stand dran” klinge aber nach einem Aushang. B. sagt, er wolle keine weitere Aussage dazu machen, das sei dann eine ungenaue Formulierung gewesen. 
[XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
Der RA Böhmke erhält das Wort. Er fragt B., wie viele jüdische Mitbürger er vor dem gestrigen Tag getroffen habe. B. antwortet, das könne er nicht sagen. Der RA fragt, ob es nicht so sei, dass ihm nie real welche begegnet sind. B. verneint das. Der RA sagt, er habe beim Film den Eindruck gehabt, dass B. bei seiner Attacke auf die Besucher des Dönerimbisses keine Auswahl getroffen habe. B. erwidert, das sei des RAs Einschätzung. Auf dem Video sehe es anders aus, wenn man in der Situation ist, stehe man ziemlich unter Stress, er habe aber versucht, so weit es ihm möglich war, eine Auswahl zu treffen.
Der RA sagt, Kevin S. habe versucht, ihn abzuhalten, man habe dabei sein Hallesches Idiom gehört. B. entgegnet, das würde man in so einer Situation nicht hören, nur weil jemand einen Akzent habe, heiße das nicht, dass er einheimisch ist. 
Der RA sagt, er habe beim Schauen des Videos am Morgen des Verhandlungstages auf eine Geste des Mitleids bei B. gewartet. Die Opfer seien ja in seiner Vorstellung gar nicht seine Feinde. Aber die Reue scheine ihm nur eine Phrase zu sein. B. antwortet, er zeige seine Gefühle nur äußerst ungern.
Im Anschluss erhält RA Scharmer, Nebenklagevertreter, das Wort. RA Scharmer sagt, B. nehme Bezug auf einen Mark und fragt, wer das sei. B. antwortet, das sei irgendeine Person aus dem Internet. Der RA fragt, was B. mit dieser Person zu tun hatte. B. gibt an, er habe mit dem mal gechattet und der habe ihm 0,1 Bitcoin geschickt. 
Auf die Frage, wo er mit Mark kommuniziert habe, antwortet der Angeklagte, dass seien zwei Seiten gewesen, eine der Seiten, wo er etwas freier reden konnte, sei im Darknet gewesen. Er will nicht sagen, um welche Seiten es sich handelte. 
B. sagt, er habe im Darknet ein paar seiner Erkenntnisse zum improvisierten Waffenbau geteilt, die er bei seinen Experimenten gewonnen habe. [XXX, Details zu Waffen, Anm. democ.] Er halte diese Information und die praktische Anleitung für wertvoll.
Der RA fragt, ob er darüber mit Mark gechattet habe, was B. bejaht. Scharmer fragt, wie es zu der Spende kam. B. sagt, er habe mal aus Spaß zu Mark gesagt, dieser könne ihm ja was auf sein Bitcoinkonto zahlen und das kam dann auch. Der RA fragt, was er damit gemacht habe. B. gibt an, er habe es zu richtigem Geld gemacht, was recht anspruchsvoll gewesen sei. Der RA fragt, wie und mit wem er das gemacht habe. B. antwortet, er werde nicht sagen mit wem, er scheiße keine Leute an. Es sei schwer, das anonym zu machen, der beste Weg sei, sich physisch zu treffen. Das gehe anonym, ohne seinen Namen zu sagen bzw. ihn dann auch später nicht zu nennen, wenn man danach gefragt werde (wie jetzt hier). Er sei mit dem Käufer übers Darknet in Verbindung gekommen, was gar nicht so einfach sei.
Der RA sagt, er stelle sich vor, da müsse man erstmal ein bisschen suchen und ein paar Leute anschreiben. B. antwortet, man schreibe da keine Leute an, man mache ein Angebot. Er habe es gegen 1000 Euro bar angeboten, obwohl es eigentlich mehr wert sei, der Käufer habe also Profit gemacht. Der RA fragt, ob er also quasi gesagt habe “Hier, wer will?”, wie bei Ebay. B. sagt, das sei jetzt keine Auktion, aber ein Angebot habe er reingesetzt. Dann habe sich jemand bei ihm gemeldet, es wurde ein Platz ausgemacht, in einem Fast Food Geschäft. Der RA fragt, ob er sich also real mit der Person getroffen habe und diese Geld in Bar mitgebracht habe. B bejaht. 
Der RA fragt, wofür er das Geld genutzt habe. B antwortet, das könne er nicht genau sagen, z.B. wenn er sich Waffen oder Stahl gekauft habe. Auf die Rückfrage, ob er es also für die Anschläge benutzt habe, antwortet B. “Unter anderem”.
Der RA sagt, in der polizeilichen Vernehmung vom 27. September 2019 wurde B. gefragt, ob ihm die Bitcoins für bestimmte Versprechen überwiesen wurden. B. gibt an, er habe zu Mark gesagt, dass er auf Muslime schießen würde, also er habe gesagt, dass er das machen will, weil er Muslime nicht mag. Sowas könne man im Darknet sagen. Der RA sagt, B. habe in der polizeilichen Vernehmung auf die zitierte Frage ausgesagt, dass ihm die Bitcoins nicht dafür überwiesen wurde, dass er etwas versprochen hat. Aber er habe schon darüber gesprochen, dass er Waffen herstelle und die noch hochladen werde. B. erklärt, das habe nichts direkt mit dem Anschlag zu tun, man könne sowas auch einfach so hochladen. Der RA fragt: “Um was zu machen?” B. antwortet, damit andere Leute sich schützen können, gegen Juden, Muslime, Schwarze, aggressive Ausländer und Leute, mit denen man Streit hat. 
Der RA fragt, wie viele Leute in dem Chat waren. B. antwortet, am Anfang seien es vier gewesen, zum Schluss nur Mark und er. Auf die Frage, wie der Chat hieß, antwortet B., die Seiten würden dauernd runtergenommen und andere hochkommen, die würden nicht lange bestehen, weil die Betreiber Anonymität schätzten. […]
Der RA fragt, ob er seine Informationen zum Waffenbau dann hochgeladen habe, als er den Bitcoin bekommen hat. B. antwortet, er habe das mal hochgeladen, aber nicht, weil das die Bedingung für den Bitcoin war. 
Der RA fragt, was er noch über Mark wusste. B. antwortet, Mark sei Moderator von mehreren Seiten gewesen, unter anderem von einer im Videospielbereich. Ursprünglich sei er Moderator von 8Chan, die Seite sei ja jetzt tot. Er sei auch Administrator von einer anderen vch.moe, damit sich da Leute einfinden können. Der RA fragt nach weiteren Erkenntnissen über Mark. B. antwortet, er denke, Mark sei Jude, zumindest nennen andere ihn so. Der RA erwidert, B. würde das ja auch von anderen Leuten sagen, von denen er es nicht wisse. 
RA Herrmann erhält das Wort. […] Der RA sagt zu B., dieser habe emotional gewirkt, als es um seine Familie ging, und dass da ein Unterschied sei zwischen diesem Bedauern und zu sagen “Es tut mir leid”. Er fragt B., ob er gegenüber seiner [weißen, Anm. democ.] Opfer echtes Bedauern spüre oder ob er sie als notwendigen Kollateralschaden im Zuge seines Kampfes sehe. B. antwortet, es sei beides. Der RA sagt, B. habe große Sorgfalt für den Stream aufgewendet. Eine seiner ersten Fragen bei der Ermittlung sei gewesen, ob es durchgekommen sei. Er hätte sich an Außenstehende gewendet. Er fragt B., ob er sich von dem Stream ein Publikum erhofft habe und wenn ja, welches. B. antwortet: “Jeder der er sehen will”. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
Der RA fragt ihn, ob er seine Tat im Nachhinein als wertvollen Beitrag für den Kampf ansehe, als Beispiel wie man es nicht tun soll. B. antwortet, das sei kein wertvoller Beitrag gewesen, so solle man es nicht machen. Der RA fragt B., ob er sich als Märtyrer sehe. B. erwidert: “Ich sitze doch hier”.
Der RA spricht an, dass B. gesagt habe, einer der größten Fehler sei, dass alle Menschen vor Gott gleich sind. Er fragt B, was dann seine moralische Instanz sei, wenn es nicht Gott oder die Nation ist. B. antwortet, er wolle die weiße Rasse erhalten, das sei sein oberstes Ziel. […]
Der RA sagt zu B., dieser habe gesagt, da wo seine Familie ist, sei seine Heimat. Er habe Leid über sie gebracht, ob er damit nicht seine Heimat zerstört hat? B. verneint. Die sei schon von Juden zerstört worden, die das Ziel des braunen Weltbürgers verfolgten. […]
Ein weiterer Vertreter der Nebenklage spricht an, dass B. gesagt habe, dass er schlechte Erfahrungen bei Diskussionen um politische Themen habe. Er fragt, was das für Erfahrungen gewesen seien. B. antwortet, das könne er nicht genau nennen, es sei schon lange her. Wenn man in Deutschland etwas sage, was abseits vom Mainstream ist, würden einen alle anschauen als wäre man außerirdisch. Der RA fragt, wo er das erfahren habe. B. antwortet, die Erkenntnis habe er schon seit Jahrzehnten, er könne kein genaues Beispiel nennen. 
Der RA fragt, in Bezug auf die “Flüchtlingskrise” 2015, woher B. seine Informationen bezogen habe, auf die sich seine Sicht stützen, ob das Fernsehen, Presse, Internet, […] gewesen seien. B. sagt: “Aus allen Quellen”. Man müsse so viele Quellen wie möglich kennen, selbst die des Feindes. Der RA fragt, was feindliche Quellen seien. B. antwortet, das sei die komplette “Mainstreampresse” in Deutschland und Amerika, die sei komplett in Judenhand. Der RA fragt, was denn der Mainstream sei, und wo B. sich dann informiert habe. B. antwortet, er nenne keine Seiten. 
Der RA fragt, ob er sich bei der Tat berauscht gefühlt habe, was B. verneint. Er fragt, ob B. so eine Art Glücksgefühl oder Adrenalinkick gespürt habe. B. antwortet, bei so einem Adrenalinkick platze einem fast das Herz, das sei nicht gerade ein Glücksgefühl. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
Der RA fragt ihn, ob er sich noch für einen Krieger halte. B. antwortet: “Na, zumindest für keinen guten”. Er würde die Entscheidung anderen überlassen, ob sie ihn als Krieger sehen. Zurzeit sei er gefangen. 
Die Vorsitzende beendet die Verhandlung.

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#6
4. Prozesstag Kurzbericht: „Es gab die Anzeichen, wir dürfen sie nicht übersehen.“


Die Familie des Angeklagten erschien vor Gericht und verweigerte die Aussage. Bekannte des Angeklagten beschrieben ihn als intelligenten, rassistischen und bedrohlichen Einzelgänger.

Für den vierten Verhandlungstag am 29. Juli 2020 waren sechs Zeugen aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten geladen. Zu Beginn des Prozesses teilte die Vorsitzende Richterin Mertens mit, dass der Zeuge M., ein Bekannter des Angeklagten, ein Attest geschickt habe, dass er wegen einer Krankheit nicht reisefähig sei und daher nicht vor Gericht aussagen könne. Nach einer kurzen Recherche habe die Richterin Zweifel, ob das Attest in dieser Form ausreiche, sie werde dem noch einmal nachgehen.
Als erste Zeugin erschien die Mutter des Angeklagten, Claudia B. Die 51-Jährige ehemalige Grundschullehrerin machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, das die Strafprozessordnung für nahe Verwandte eines Angeklagten vorsieht.
Auch der Vater des Zeugen, der Rundfunk- und Fernsehmechaniker Roland B., verweigerte die Aussage ebenso wie die Halbschwester des Angeklagten, Anne B.
Nach der entsprechenden Ankündigung der 31-Jährigen wandte sich der Nebenklage-Anwalt Alexander Hoffmann direkt an sie und machte deutlich, dass es aufgrund des von der Tat existierenden Videos nicht darum gehe, dass sie ihren Halbbruder belasten solle, ihre Aussage aber den Betroffenen helfen könne. Die Vorsitzende Richterin Mertens entzog ihm daraufhin das Wort, da sein Einwurf eine unzulässige Einflussnahme auf die Zeugin sei.
Aussagen musste indes der ehemalige Lebensgefährte Anne B.s, der mit der Halbschwester des Angeklagten ein gemeinsames vierjähriges Kind hat und noch immer in engem Kontakt zu ihr steht. Mario S. schilderte seine Einblicke in das Familienleben: Seit rund acht Jahren kenne er den Angeklagten und dessen Eltern. Die Beziehungen der Familienmitglieder habe er für normal gehalten. Dem Angeklagten sei aber eine besondere Rolle in der Familie zugekommen: Seine Lebensgefährtin habe ihn als Mittelpunkt der Familie wahrgenommen, dem viel Aufmerksamkeit zukomme. Zugleich sei er, in den Jahren, in denen S. ihn etwa bei gemeinsamen Mahlzeiten kennenlernte, sehr schweigsam gewesen. Der Angeklagte habe Gespräche nur gelegentlich gehässig kommentiert und sei insgesamt ein Einzelgänger gewesen, der nahezu keine sozialen Kontakte pflegte. S. schilderte auch Situationen, in denen sich der Angeklagte offen rassistisch und antisemitisch geäußert habe. Er habe auf ihn potentiell bedrohlich gewirkt. So berichtete S. von einer Auseinandersetzung, die bereits am dritten Verhandlungstag zur Sprache gekommen war, und in deren Verlauf der Angeklagte ein Messer gezückt habe. In einer anderen Situation habe der Angeklagte einmal zwei Männer, die sich in einer Pizzeria nicht auf deutsch unterhielten, wüst beschimpft.
Der Zeuge distanzierte sich von diesen Aussagen. Er sei selbst in seiner Jugend in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen, habe seine Ansichten aber mittlerweile geändert. Er habe allerdings nach wie vor rechtsextreme Freunde, die etwa äußern würden, man müsse Bundeskanzlerin Merkel “wegmachen”. Auf Fragen der Rechtsanwältin Pietrzyk zu diesen Jahren reagierte er ausweichend. Erst nach und nach räumte er ein, dass er selbst auch bei gewalttätigen rassistischen Übergriffen anwesend war, wollte sich an diesen aber nicht beteiligt haben. 
Rechtsanwalt Özata befragte den Mario S. nach seinen eigenen Online-Aktivitäten und nannte ihm einen spezifischen Namen eines YouTube-Accounts. S. verneinte zunächst, diesen zu kennen und bestätigte erst später, dass es sich um seinen Account handele. Auf dem Account ist ein zehn Jahre altes Video zu sehen, in dem der Angeklagte und mutmaßlich auch der Zeuge bei einem gemeinsamen Trinkspiel zu sehen sein sollen, in deren Verlauf es immer wieder zu rassistischen Aussagen komme. Das Video lässt Zweifel an der Aussage hinsichtlich der vollständigen sozialen Isoliertheit des Angeklagten entstehen und verdeutlicht ein Klima, in dem rassistische Aussagen normal zu sein scheinen.
Die Nebenklage konfrontierte den Zeugen insbesondere mit der Frage, warum er den rassistischen und antisemitischen Aussagen des Angeklagten nicht widersprochen habe. Rechtsanwalt David Hermann fragte den Angeklagten, ob er auch nicht eingreifen würde, wenn sich sein Sohn in zwanzig Jahren sozial völlig isolieren, rassistisch äußern, Militaria sammeln und in einem Schuppen mit schweren Metallteilen basteln würde: “Da müsste jeder normale Mensch hellhörig werden.” Der Rechtsanwalt verband damit einen Appell an alle Anwesenden: “Es gab die Anzeichen, wir dürfen sie nicht übersehen.”
Beklemmend waren die Aussagen des Zeugen bezüglich seines vierjährigen Sohnes. Im Umgang mit diesem habe sich der Angeklagte üblicherweise von einer völlig anderen Seite gezeigt, sei gelöst und gut gelaunt gewesen. Er schilderte jedoch eine Szene, in der der Sohn auf dem Bett des Angeklagten herumgesprungen sei, dies habe der Angeklagte sofort unterbunden. Rechtsanwältin Pietrzyk konfrontierte ihn mit dem mutmaßlichen Hintergrund der beschriebenen Strenge, mit der der Angeklagte auf dieses Springen reagiert habe: Unter dem Bett lagerte er zu diesem Zeitpunkt wohl schon Sprengstoff und Waffen. 
Im Anschluss wurde zunächst die Zeugin Karin D., eine ehemalige Kollegin und Freundin der Mutter des Angeklagten, und dann dessen ehemalige Grundschullehrerin Dagmar H. befragt. Beide beschrieben den Angeklagten als aufgewecktes, intelligentes Kind, das allerdings immer ein Einzelgänger gewesen sei. Während er in der Schule sehr introvertiert und ruhig gewesen sei, sei er im familiären Kreis lebhaft gewesen. D. schilderte, welche emotionale Belastung seine Krankheit im Jahr 2013 für die Mutter gewesen sei. Eindringlich habe sie die Mutter Claudia B. nach der Genesung des Angeklagten gewarnt, dass dieser nun wieder unter Leute gehen müsse und sie ihn aus ihrer Wohnung werfen solle, wenn er sein Leben nicht wieder selbst in die Hand nehme. Frau B. habe darauf verärgert reagiert.
Die menschenfeindlichen und antisemitischen Überlegungen Frau B.s, die im Abschiedsbrief anklingen und die die Zeugin der Presse entnommen habe, hätten sie sehr überrascht.
Als letzter Zeuge des vierten Verhandlungstages wurde der 29-jährige Martin H. angehört, der sich im Jahr 2010 während des Grundwehrdienstes eine Stube mit dem Angeklagten geteilt hatte. Er beschrieb ihn als schwierigen Charakter, der in der Hierarchie der Kompanie weit unten gestanden hätte, sich dagegen aber “mit Händen und Füßen gewehrt” hätte. Er selbst sei mit ihm aber recht gut ausgekommen. An spezifische rassistische oder rechte Positionen des Angeklagten könne er sich nicht erinnern. Schon in der polizeilichen Vernehmung merkte er aber von sich aus an, dass es sicher einmal zu antisemitischen oder homophoben Beleidigungen durch den Angeklagten gekommen sein könnte. Das sei in der damaligen Gruppe an der Tagesordnung gewesen. In der polizeilichen Vernehmung in den Wochen nach der Tat hatte der Zeuge den Angeklagten mit den Worten beschrieben, er halte ihn im Rückblick für einen “Klischee-Amokläufer”. Er präzisierte in der Verhandlung, dass er damit einen Menschen meine, dem man anmerkt, dass in seinem Leben etwas schiefgelaufen sei und der sich deshalb fatal entwickele.
Zum Abschluss des Verhandlungstages diskutierten die Vorsitzende Richterin und die Nebenklage, ob es machbar sei, dass die Anwälte der Nebenklage schon bis zum nächsten Montag Stellung zu einer umfassenden Liste fürs “Selbstleseverfahren” beziehen sollen, die die Vorsitzende angefertigt habe. Einige Vertreter*innen der Nebenklage bemängelten die knappe Zeit. Sie müssten die Stellungnahme mit ihren Mandant*innen klären, schließlich gehe es dabei auch um die Frage, welche Beweismittel nicht in der Hauptverhandlung der Öffentlichkeit präsentiert würden.

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#7
5. Prozesstag Kurzbericht: Gutachten zu eingesetzten Waffen: Alle potentiell tödlich 

Für den 5. Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter von Halle am 03. August 2020 war nur eine Stunde anberaumt. Es wurde ein kriminaltechnisches Gutachten zu den selbstgebauten Waffen des Angeklagten verlesen und von der Vorsitzenden Richterin Mertens ein Selbstleseverfahren für diverse Urkunden angeordnet, das mehrere Nebenklagevertretrer*innen in einer Stellungnahme kritisierten.
Bei der letzten Sitzung vor der dreiwöchigen Prozesspause blieb der Gerichtssaal vergleichsweise leer. Zunächst wurde ein Gutachten verlesen, das sich mit den Ergebnissen der ballistischen Untersuchung der Waffen und der Geschwindigkeitsmessung der Geschosse befasst. Gegenstand der Untersuchung seien drei selbstgebaute Schusswaffen des Angeklagten gewesen. Die Waffen aus dem Eigenbau des Angeklagten seien mit handelsüblichen Vergleichswaffen aus der Sammlung des Bundeskriminalamtes abgeglichen worden. Das Gutachten kam für alle untersuchten Waffen zu dem Ergebnis,  dass mit potentiell tödlichen Verletzungen gerechnet werden könne. Auch wenn die ermittelte Wirkung teilweise unterhalb derer der handelsüblichen Waffen lag, so befand sie sich dennoch bei zwei von drei Waffen in derselben Größenordnung.
Nach einer 20minütigen Unterbrechung gab die Vorsitzende Richterin Gelegenheit zur Stellungnahme im Hinblick auf das beabsichtigte Selbstleseverfahren. Nach § 249 StPO können Schriftstücke durch Verlesung oder durch Anordnung des Selbstleseverfahrens zum Gegenstand der Beweisaufnahme gemacht werden. 
RA Hoffmann verlas daraufhin eine Stellungnahme der RAin von der Behrens, die selber nicht anwesend sein konnte. Der beabsichtigte Umfang der Selbstleseanordnung gebe Anlass zu erheblichen Bedenken, da auch wesentliche Ermittlungsergebnisse etwa zur Finanzierung der Tat oder zur Ideologie des Angeklagten inbegriffen seien. Die umfangreiche Selbstleseanordnung würde die Hauptverhandlung als Kernstück des Strafverfahrens, in dem die Tat- und Schuldfrage gestellt wird, entwerten. Zudem sei der Öffentlichkeitsgrundsatz tangiert, da die Öffentlichkeit ihre Kontrollfunktion nicht ausüben könne. Die Stellungnahme weist auch auf das gesteigerte öffentliche Informationsinteresse aufgrund des rassistischen und antisemitischen Hintergrunds der Tat hin. Außerdem gibt RAin von der Behrens zu bedenken, dass relevante Erkenntnisse bisher fast ausschließlich durch den Angeklagten und den Vernehmungsbeamten verhandelt worden sei.  Da bisher nur die Perspektive des Angeklagten im Zentrum der Hauptverhandlung gestanden habe, sei es umso wichtiger in der öffentlichen Verhandlung auch objektive Ermittlungsergebnisse einzuführen. 
Mehrere Nebenklageverteter*innen schlossen sich der Stellungnahme an.
Die Bundesanwaltschaft, vertreten durch Oberstaatsanwalt Schmidt, nahm ebenfalls Stellung zum Selbstleseverfahren. Er erklärte, von Seiten der Bundesanwaltschaft gebe es keine Bedenken bezüglich der Anordnung des Selbstleseverfahrens. Schmidt betonte, dass  die Anordnung nicht bedeute, dass wesentliche Teile der Hauptverhandlung vorenthalten bleiben würden, parallel zur Selbstlese müsse man ja auch die Ladung der Zeugen sehen. 
Anschließend ordnete die Vorsitzende das Selbstleseverfahren unter Bezug auf § 249 StPO an. Sie erklärte, dass die Anordnung des Selbstleseverfahrens nicht ausschließe, dass Urkunden, die als besonders relevant angesehen werde, zusätzlich in der Hauptverhandlung vorgelesen werden könnten. Anträge und Anregungen dazu seien jederzeit möglich. 
Zum Schluss der Verhandlung kündigte die Vorsitzende Richterin noch an, dass sie vorsorglich bereits weitere Termine im Oktober terminiert habe. Mit einem Urteil sei wohl auch frühestens im November zu rechnen.

https://democ.de/5-prozesstag-kurzberich...-toedlich/
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#8
"Auch wenn die ermittelte Wirkung teilweise unterhalb derer der handelsüblichen Waffen lag, so befand sie sich dennoch bei zwei von drei Waffen in derselben Größenordnung."

Eine der drei Waffen (Luty SMG 9mm Parabellum-Gewehr, Schrotflinte, Pistole) hatte nicht die Wirkung einer vergleichbaren handelsüblichen Waffe. Welche mag das gewesen sein? Erfahren wir leider nicht, würde aber Aufschluß über die Authentizität der Situation geben, in der sie verwendet wurde.

Selbstleseanordnung:

"Der beabsichtigte Umfang der Selbstleseanordnung gebe Anlass zu erheblichen Bedenken, da auch wesentliche Ermittlungsergebnisse etwa zur Finanzierung der Tat oder zur Ideologie des Angeklagten inbegriffen seien. Die umfangreiche Selbstleseanordnung würde die Hauptverhandlung als Kernstück des Strafverfahrens, in dem die Tat- und Schuldfrage gestellt wird, entwerten. Zudem sei der Öffentlichkeitsgrundsatz tangiert, da die Öffentlichkeit ihre Kontrollfunktion nicht ausüben könne."

Selbstleseverfahren gibt es auch beim parallelen Staatsschutzprozeß gegen den angeblichen Lübcke-Mörder Ernst:

Zitat:"Der Prozess wird am 27. Juli mit der Verlesung von Urkunden fortgesetzt. Dass das Gericht insgesamt 37 Vermerke, Untersuchungsberichte, Urteile und andere Dokumente im Rahmen des sogenannten Selbstleseverfahrens einführt und nicht im Prozess verlesen lässt, stieß bei einem von Ernsts Verteidigern auf scharfe Kritik. "Das ist schlicht zu komplex" wandte der Rechtsanwalt Frank Hannig mit Blick auf den dicken Aktenordner für seinen Mandanten ein. Er habe dabei "erneut den Eindruck, hier soll ein kurzer Prozess gemacht werden."


https://www.n-tv.de/regionales/hessen/Fr...88552.html

Die neue Masche nach dem NSU-Prozeß, um eine kritische Öffentlichkeit im Dunkeln zu lassen (Balliet) oder den Prozeß abzukürzen (Ernst)?
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#9
3. Verhandlungstag: Prozessprotokoll | democ. (Teil 1/2)

Hauptverhandlung gegen Stephan B. vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgericht Naumburg

3. Verhandlungstag (28. Juli 2020)
CN: Das nachfolgende Protokoll enthält explizit gewaltverherrlichende, rassistische, antisemitische und menschenverachtende Aussagen und Ausdrücke und Beschreibungen der Tat.
Wir protokollieren die vollständige Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Attentäter von Halle. Wir versuchen dabei, so nah wie möglich am Wortlaut der Verhandlung zu bleiben, direkte Zitate sind durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Da es nicht zulässig ist, die Verhandlung mitzuschneiden, entsteht unser Protokoll auf Basis unserer Mitschriften aus dem Gericht. 
Einige Passagen haben wir bewusst gekürzt. So werden etwa Inhalte, die die Persönlichkeitsrechte von Prozessbeteiligten oder Dritten verletzen könnten, nicht veröffentlicht. Zudem streichen wir in der öffentlich zugänglichen Fassung des Protokolls jene Passagen, die Details der Tat und Tatplanung beinhalten und deren Veröffentlichung eine Gefahr, etwa durch Nachahmer, darstellen könnte. Die entsprechenden Abschnitte werden mit “[XXX]” gekennzeichnet. In begründeten Ausnahmefällen können etwa Wissenschaftler*innen oder Journalist*innen die gestrichenen Passagen bei uns anfragen. 
Nachnamen werden ggf. abgekürzt. An Stellen, an denen uns unser Protokoll nicht präzise genug war, etwa weil Wortbeiträge unverständlich vorgetragen wurden, haben wir Auslassungen auf die gängige Weise “[…]” angegeben.

Um 9:52 Uhr wird der Angeklagte Stephan B. in den Saal geführt.
Die Vorsitzende Richterin Mertens eröffnet die Sitzung zehn Minuten später, vereidigt den Dolmetscher Herrn J. und stellt fest, dass fast alle Beteiligten wieder da seien, die auch beim letzten Mal da gewesen seien.
Die Bundesanwaltschaft werde von Herrn Lohse und Herrn Schmidt vertreten. Die Reihe der Nebenkläger sei fast identisch mit der beim letzten Mal. Nur RA Onken lasse sich entschuldigen, für RA Hoffmann sei RA Zünbül da.
Neu dabei ist der Vertreter der erst letzte Woche zugelassenen Nebenkläger, RA Duvnjak.
Als Verteidiger B.s sind RA Weber und RA Rutkowski anwesend.
Die Vorsitzende fasst das Geschehen der ersten beiden Verhandlungstage zusammen: Stattgefunden habe die Einlassung des Angeklagten und eine erste Fragerunde der Nebenklage, die nun dort fortgesetzt werden solle, wo sie beim letzten Mal aufgehört habe.

Befragung des Angeklagten durch die Nebenklage
RA Christoph Günther, der den Angeklagten bereits beim letzten Mal befragt hatte, unterbricht die Vorsitzende und stellt noch eine ergänzende Frage an B. Er will wissen, was dessen Ziele in der Situation nach dem Wurf seiner Rauchgranate vor dem “Kiez Döner” gewesen seien.
B. sagt, er habe die Granate nicht nicht geworfen, sondern sie sei ihm heruntergefallen, entsprechend habe es auch die Situation nicht gegeben: “Das reicht als Aussage.” 
RA Günthers Nachfrage, was B.s Ziel gewesen sei, als er die Granate habe werfen wollen, will B.s Verteidiger Weber beanstanden, da sie rein hypothetisch sei. Für eine Beanstandung sieht die Vorsitzende keinen Anlass, nimmt aber an, dass der Angeklagte nicht antworten wolle. B. bejaht das.
RA Günther macht ihm daraufhin einen Vorhalt aus der BKA-Vernehmung am 24.11.19. B. habe in dieser Vernehmung gesagt, dass [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]. 
RA Jan Siebenhüner, der einen der Polizeibeamten, die in dieser Situation vor Ort waren, vertritt, fragt den Angeklagten, ob er es zumindest für möglich gehalten habe, dass er die Beamten durch die Schüsse mit der Schrotflinte verletzen könne. B. sagt, dies habe er für möglich gehalten, aber es sei die Frage, was mit “verletzen” gemein sei. Auf die Distanz habe die Schrotflinte keine Kraft.
RA Siebenhüner fragt ihn, ob er die Schäden am beschossenen Polizeifahrzeug gesehen habe. B. verneint das, er habe aber Fotos davon in den Akten gesehen. Um aus den darauf zu sehenden zerschossenen Scheiben Schlüsse auf die Kraft der Schrotflinte zu ziehen, müsse man aber auch das Material der Scheibe berücksichtigen. Er vermute, dass es sich um ein Material gehandelt habe, das schon bei einer kleinen Berührung zerspringe.
Die Frage, ob er zwischen der Tat und seiner Festnahme Kontakt mit seiner Familie gehabt habe, verneint er. Erst später in der Haft sei ein Kontakt wieder zustande gekommen.
RA Siebenhüner befragt B. nach dessen Kindheit und beginnt mit einer Frage nach den Vorbildern und dem Berufswunsch in jungen Jahren. B. lacht und sagt, er habe beides nicht gehabt. Sein Lieblingsfach in der Schule sei Biologie gewesen. Geschichte, wie RA Siebenhüner nachfragt, sei es auf keinen Fall gewesen. Gehänselt worden sei er nicht, auch Probleme mit Mitschülern habe es nicht gegeben.
“Wie können Sie sich dann erklären”, fragt Siebenhüner, “dass ein Mitschüler Ihnen die Tat zugetraut hat?” B. lacht und fragt nach, wer so etwas sage. Siebenhüner nennt einen Herrn K., mit dem B. Abitur gemacht habe. B. sagt, er kenne diesen nicht, als “unsozialer Mensch” habe er die Leute aus anderen Klassen “eher weniger” gekannt.
Die Einschätzung des Herrn K. könne er sich nicht erklären.
RA Siebenhüner möchte wissen, wo die Eltern des Angeklagten aktuell wohnen. B. möchte diese nicht beantworten, da er seine Familie nicht schaden wolle. R Siebenhüner fragt nach, ob sie in Helbra wohnen würden. B. sagt erneut, er wolle nicht antworten.
Auf entsprechende Fragen teilt er mit, dass er von seiner Familie aktuell finanziell nicht unterstützt werde. Sie würden hin und wieder telefonieren, man könne aber nicht sagen, dass ihn die Familienmitglieder “auffangen” würden. Es gehe ihm bei den Telefonaten eher darum, zu erfahren, wie es ihnen gehe.
RA Siebenhüner fragt B., ob er wisse, warum seine Mutter versucht habe, sich umzubringen.
B. sagt: “Wegen der Tat.” Wie B. zur Bundesrepublik Deutschland und der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehe, will Siebenhüner wissen. B. lacht: “Ein Staat, der die eigene Bevölkerung ersetzen will? Ein Traum.”

Siebenhüner will wissen, ob B. Polizisten als Kollaborateure betrachte. B. verneint das: “eher nicht.”
RA Siebenhüner stellt in den Raum, dass im Tatvideo zu sehen sei, wie B. mit sich selbst spreche und will wissen, ob der Angeklagte auch vor der Tat Selbstgespräche geführt habe. B. verneint das. Auch während der Tat habe er keine Selbstgespräche geführt, er sei ja gefilmt worden.
Betäubungsmittel habe er nur sehr selten konsumiert, antwortet B. auf RA Siebenhüners Frage in diese Richtung. “Welche?”, will dieser wissen. B. gibt an, es seien Methamphetamine gewesen und fügt mit ironischem Tonfall an: “Wie es im Osten unter der armen Jugend vorkommt.”
Er wird gefragt, wie er seine Haft verbringen wolle und antwortet, er habe diesbezüglich ja ohnehin keine Wahl. Dem widerspricht RA Siebenhüner und führt aus, dass er etwa eine Therapie machen oder die Strafe nur absitzen könne. Darüber habe er sich keine Gedanken gemacht, sagt B.
Abschließend will RA Siebenhüner wissen, was B. nach der Tat getan hätte, wenn sein Anschlag auf die Synagoge erfolgreich gewesen wäre. B. antwortet wörtlich: “Noch sind meine Feinde nicht besiegt, es wurde nur ein Schlag gegen sie gesetzt.”
Einen Plan, was er in der Synagoge genau habe tun wollen, habe er nicht gehabt. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
RA Juri Goldstein setzt die Befragung fort und stellt zunächst Fragen zu B.s Überlegungen vor der Tat. B. gibt auf diese an, er sei selbstverständlich davon ausgegangen, dass sich Juden in der Synagoge befänden. Wen er genau dort vorfinde, habe ihn nicht interessiert. Auf RA Goldsteins Frage, ob er alle habe töten wollen, antwortet er, das wäre aufgrund seiner Waffen schwierig geworden. […] RA Goldstein fragt, ob er sein Waffenarsenal denn aufgebraucht hätte. B. verneint das, er hätte es aber auf jeden Fall genutzt.
RA Goldstein fragt den Angeklagten, ob er bei den Tötungen eine Unterscheidung zwischen Mann und Frau getroffen hätte. B. antwortet prompt: “Sie wollten Gleichberechtigung.” 
RA Goldstein fragt, ob er einen Unterschied hinsichtlich des Alters seiner Opfer gemacht hätte. Wieder antwortet B.: “Sie wollten Gleichberechtigung.” “Sie hätten auch Greise erschossen?”, hakt RA Goldstein nach. B. sagt, er habe die Frage bereits beantwortet.
“Sie hätten auch Kinder erschossen?”, vergewissert sich RA Goldstein. B. antwortet: “Damit meine Kinder das in Zukunft nicht machen müssen, ja.”
“Wäre das eine besondere Errungenschaft gewesen, ein jüdisches Kind zu erschießen?”, will RA Goldstein wissen.
B. verneint das, meint aber zu wissen, dass sich RA Goldstein auf eine Aussage in B.s Manifest beziehe. Diese stehe da, da seine zentrale Aussage gewesen sei: “Feinde sind Feinde.” RA Goldstein sagt, in B.s Manifest sei es ja ein besonderes Achievement, ein jüdisches Kind zu töten. B. sagt, dass es für ihn kein besonderes Achievement gewesen sei. Es sei ihm nur darum gegangen klarzumachen: “Feinde sind Feinde.”

“Was haben Sie gegen ein jüdisches Kind?”, fragt RA Goldstein.
“In zehn Jahren blutet [schwer verständlich, evtl. auch: beutet, Anm. democ.] es mich aus.”, antwortet B. 

RA Goldstein fragt B. nach der Aussage im Manifest, er wolle jemanden mit einer Nagelbombe töten. Diese Achievements seien bloß auf die Waffen bezogen und würden keine besonderen Errungenschaften darstellen, antwortet B. 
“Können Sie das erklären?”, fragt RA Goldstein. “Ich könnte das tun, habe aber kein Interesse.”, antwortet B. RA Goldstein erwidert, dass das aber alle sehr interessieren würde.
B. sagt: “Ja natürlich, Sie sind ja meine Feinde. […] Ich erkläre aber meinen Feinden nicht alles.” Er habe kein Interesse daran, dass seine Feinde alles wüssten und dann Vorkehrungen dagegen treffen könnten. 
RA Goldstein zitiert aus dem Manifest, “Crusty Kebab: Burn down a mosque”, und fragt den Angeklagten, ob er das vorgehabt habe. B. antwortet, dass das einzig infrage kommende Gebäude leider ein muslimisches Kulturzentrum gewesen sei und der Weg dorthin zu weit gewesen wäre. Auf dem Weg dorthin wäre er erschossen worden. Genaue Pläne habe er ohnehin nicht gehabt. 
Erneut zitiert RA Goldstein aus dem Manifest: “Was bedeutet: ‘Anudda shoah? Kill 6 jews.’?”
B. lacht. Das wisse der Fragende ganz genau. “Warum ‘6 jews’?”, will RA Goldstein wissen. B. lacht und erwidert, RA Goldstein solle keine absurden Fragen stellen.

RA Goldstein fragt, was “Blue-screened. Kill a ZOG-bot.” im Manifest bedeute. B. sagt, er wolle ihm nicht alles beantworten. RA Goldstein sagt, er verstehe darunter die Polizei. B. sagt, er verstehe darunter ein “Zionist Occupied Government” und ein bot sei jemand, der kein Jude sei, aber diesen trotzdem diene. Das “Blue-screened” habe nichts mit der Polizei zu tun, sondern beziehe sich auf einen technischen Begriff, ähnlich dem Greenscreen. 
“Haben Sie über diese Ansichten mit jemandem direkt gesprochen?”, fragt RA Goldstein.
B. lacht und verneint. RA Goldstein sagt, dass die Akten etwas anderes behaupten würden, worauf ihn ein Verteidiger B.s auffordert, einen konkreten Vorhalt zu machen. RA Goldstein sagt, das mache er gleich. Er habe B. die Gelegenheit geben wollen, zutreffende Angaben zu machen.

B. betont, dass er mit seiner Familie nicht über seine Ansichten gesprochen habe. Wenn man in Deutschland über Politik spreche, sei die Stimmung sofort im Keller. RA Goldstein hakt nach, ob er denn Zustimmung durch Bekannte erfahren habe. Auch das verneint B., ihm seien höchstens einmal “seichte” Kommentare “herausgerutscht.
“Ist ‘Scheiß Jude’ zu sagen, ein seichter Kommentar.”, fragt RA Goldstein, worauf B. lacht und mit “das kommt auf die Weltsicht an, die man hat” antwortet.
“Scheiß Ausländer”, zu sagen, sei ein “seichter Kommentar” behauptet B., nachdem RA Goldstein ihn danach fragt. Man könne ja auch sagen, man solle alle Ausländer umbringen.
RA Goldmann hält ihm vor, dass er Mario S. [dem ehemaligen Partner der Halbschwester B.s] gegenüber einmal “Die Scheiß Juden sind an allem Schuld.” gesagt haben soll. B. sagt, das werde ihm im Suff herausgerutscht sein. Man solle solche Themen nicht bei einem Bier besprechen.
S. habe die Aussage nicht gefallen und man habe schnell das Thema gewechselt.
RA Goldstein fragt, ob dem Angeklagten der Name Vanessa H. etwas sage. B. vermutet, das sei der Name der Freundin eines Bekannten. RA Goldstein konfrontiert ihn damit, dass H. gesagt habe, B. habe von “Ausländerpack” gesprochen. B. sagt, er könne sich daran nicht erinnern. Über Politik gestritten habe er sich nicht, da er ohnehin nie darüber geredet habe.
RA Goldstein fragt, ob er sich an den Geburtstag von Thomas W. im Jahr 2016 erinnern könne. B. verneint das. RA Goldstein gibt an, er solle auch damals “Die Juden sind an allem Schuld gesagt haben.” B. sagt, er sei betrunken gewesen und könne sich nicht erinnern. Als RA Goldstein ihn nach einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf ein Messer gezogen worden sein soll [offen bleibt in der Frage, von wem, Anm. democ.], fragt, lacht er und gibt an, sich ebenfalls nicht erinnern zu können. Auch die Aussage Goldsteins, dass diese Erzählung von Max F. komme, ändert nicht ans B.s Lachen und Verneinen.
RA Goldstein wechselt daraufhin das Thema und fragt B. nach einem Buch über Handwaffen, das in seinem Zimmer beschlagnahmt wurde. B. gibt an, er habe das Buch “als Witz” zum Geburtstag bekommen, können sich aber nicht mehr erinnern, von wem. Zur Vorbereitung auf die Tat habe er es nicht genutzt, da es darin vor allem um die Technik und Geschichte industrieller Waffen ginge. 
RA Goldsteins Frage, ob er sich Gewaltvideos angesehen habe, weist B. als “unwichtige Frage” zurück, gibt nach Goldsteins Nachhaken aber an, dass er sich Hinrichtungsvideos des IS heruntergeladen und angesehen habe. Was das mit ihm gemacht habe, will RA Goldstein wissen. Lachend antwortet B.: “Meine Feinde haben kein Problem, mich umzubringen.”
RA Goldstein fragt, ob B. das Video “Turkish BBQ” kenne, in welchem türkische Soldaten zu sehen seien, die vom IS ermordet würden. B. kennt das Video: “Ich habe nichts dagegen, wenn meine Feinde brennen.” 
Was mit den Daten geschehen sei, wisse er nicht, das müsse RA Goldstein das BKA fragen. RA Goldstein fragt, was B. mit den Daten auf dem Rechner in seinem Kinderzimmer gemacht habe, bevor er losgezogen sei, um Menschen zu ermorden. B. gibt an, er habe einen Zettel auf den Rechner gelegt, der sich an die Ermittler gerichtet habe [Inhalt des Zettels wird genannt, aber unverständlich, Anm. democ.]. 
Er sei selbstverständlich davon ausgegangen, dass Ermittler kommen würden, wenn Juden angegriffen würden, denn “Juden sind ja die besseren Menschen in Deutschland.”
[XXX, RA Goldstein stellt Fragen, wie B. Daten auf seinem PC löschte. B. beantwortet diese] Auf RA Goldsteins Frage nach dem Warum lacht B. und sagt: “Also darauf keine Antwort mehr. […] Die meisten Menschen wollen nicht, dass Menschen ihren Browserverlauf kennen.” Kompromittierende Dateien habe er damit nicht gelöscht. Wenn es so gewesen wäre, hätte das BKA sie ohnehin rekonstruieren können. Das Bereinigen der Festplatte sei ein Witz gewesen. “Ihre Witze kommen nicht an”, sagt RA Goldstein. B. erwidert, sie seien auch nicht für ihn gedacht und er erkläre keine Witze. 
RA Goldstein fragt, ob G. Speichermedien verschlüsselt habe, damit der Staat nicht darauf zugreifen könne. “Oder als Witz”, antwortet B.
Was ihm “Meguca” sage, fragt RA Goldstein. Das sei irgendeine Animeseite, sagt B. Dass er auf ihr sein Manifest hochgeladen habe, sei reiner Zufall gewesen. 
“Sie waren ja auch viel auf Steam unterwegs”, hält ihm RA Goldstein entgegen. Er habe dort u. a. ein Spiel 246 Stunden gespielt. “Gar nicht mal so viel”, reagiert B. 
Discord, nach dem RA Goldstein ihn fragt, sage ihm nur dunkel etwas. Es sei irgendein Chat-Programm, das er nicht genutzt habe. Auch über seine Spiele habe er keinen Kontakt zu Anderen gehabt.
Er wird gefragt, ob er den Nicknamen “Kommissar” kenne. Der sage ihm nichts, aber er habe in den Akten gesehen, dass er ihn in seiner Jugend wohl genutzt habe. “Es wird wirklich viel geforscht, wenn sie jemand einzeln gegen das jüdische System stellt. Unglaublich.“ RA Goldstein sagt, dass es auf die Seite Kiwi Farms im Jahr 2018 einen Zugriff mit dem Namen Kommissar gegeben habe. B. verneint, Kiwi Farms genutzt zu haben. Kommissar sei ja ein relativ verbreitetes Wort. Auch den Nicknamen Faggot [Schreibweise mutmaßlich: fag0t, Anm. democ.] habe er nicht genutzt. So würde er sich niemals nennen. 
Als nächstes befragt RA Florian Feige, der Jens Z. und Dagmar W. aus Landsberg vertritt.
Er fragt B. mit welcher Pistole er auf Herrn Z. gezielt habe. B. sagt, es sei die metallene blaue Pistole gewesen, mit der er auch Herrn S. getroffen haben.
RA Feige fragt ihn, ob er nach den Schüssen etwas ins Blumenbeet geworfen habe. B. sagt, dass er möglicherweise Patronenhülsen geworfen habe. RA Feige hält ihm daraufhin ein Foto vor. B. gibt an, das der Gegenstand im Blumenbeet, der darauf zu sehen ist, die Gürtelschnalle des Halfters seiner Pistole sei. Den Halfter habe er abgezogen, weil er damit nicht durchs Dorf habe laufen wollen. Die Schnalle aus Klett habe er wohl noch an der Kleidung gehabt. Sie sei dann mutmaßlich ins Blumenbeet gefallen.
RA Andreas Schulz, der die beiden Männer vertritt, von denen B. die Herausgabe des Taxis, das er als Fluchtwagen nutze, erzwang, fragt B., ob er sich derzeit in der U-Haft als Häftling oder Kriegsgefangener sehe. Hintergrund seiner Frage sei, dass in den Vernehmungsakten so oft die Ausdrücke “Kampf” oder “Krieg” auftauchen würden.
B. sagt, ein Kriegsgefangener habe einen Staat, der hinter ihm stehe – das habe er nicht. Er wäre aber gern ein Kriegsgefangener.
RA Schulz nimmt dann Bezug auf die Befragung durch den Bundesanwalt. Dieser habe gefragt, was gewesen wäre, wenn nicht Frau Jana L., sondern jemand anderes vorbeigekommen an der Synagoge vorbeigekommen wäre. B. habe darauf geantwortet, es sei vermutlich dasselbe passiert.
RA Schulz fragt, wie er auf ein jüdisches Kind reagiert hätte. B. fragt, woran er das hätte erkennen sollen. RA Schulz benennt die Möglichkeiten einer Kippa oder einer Kette mit Davidstern. B. antwortet: “Wie gesagt: Feind ist Feind.” RA Schulz hakt nach: “Das heißt ein jüdisches Kind hätten Sie erschossen?” “Wenn ich es sicher gewusst hätte, ja.”, antwortet B.
Wie es mit einem muslimischen Kind oder einem “Kind aus Afrika” gewesen sei, will RA Schulz wissen. B. überlegt. Das sei eine schwierige Frage, aber wahrscheinlich sei auch ein solches Kind ein Ziel gewesen. […]
RA Schulz fragt den Angeklagten, ob er sich für verrückt halte. Dieser antwortet, er sehe sich nicht als verrückt. Verrückt sei es, sein eigenes Volk auslöschen zu wollen.
Ob er die psychiatrische Exploration gelesen habe, fragt RA Schulz. 
B. lacht und bejaht, dass er das vorläufige Ergebnis kenne: “Komplexe Persönlichkeitsstörung”. Wenn jemand nicht ins Muster passe, sei das sofort eine Störung und wenn man es nicht erklären könne, sei es dann komplex. […]
RA Schulz fragt B. nach dem Verhältnis von Juden und Muslimen. Muslime könnten ja “den Israel haben” [sic], wenn da keine Juden mehr seien, sagt B. […] Er denke, wenn sie, die Muslime, mit ihrer Sodomie lang genug warten könnten, um eine Synagoge zu sprengen, dann könnten sie auch ein Stück Land haben.
RA Schulz hält B. eine Aussage aus seiner Vernehmung vor: “Ich muss einen Juden nicht kennen, um so zu denken. Ich kenne Frau Merkel auch nicht, aber mit der Flüchtlingskrise hat sie ordentlich in die Suppe gepisst.” […] Auch habe er sich einmal über Nicolas Sarkozy geäußert. B. bestätigt die Aussagen. Er trägt eine angebliche Äußerung Sarkozys über einen Austausch der Bevölkerung vor. [unverständlich] Seinen Nachforschungen zufolge sei Sarkozy “übrigens ein Vierteljude”.
RA Schulz fragt B. nach seinem Fluchtversuch in der Haftzeit. B. sagt, er sei über einen Zaun geklettert. Sein Ziel sei es gewesen, herauszukommen, sonst wäre es ja kein Fluchtversuch gewesen, sondern Sport. Am zweiten Zaun sei er gescheitert. Er wisse nicht, was er nach einer geglückten Flucht getan hätte, seine Ausrüstung zum Kämpfen habe er ja nicht mehr. Er habe gedacht: “Eins nach dem andere. Erst rauskommen und dann sehen wir weiter.”
RA Goldstein fragt noch einmal bzgl. der Achievements nach, ob diese wie in einem Computerspiel als Ziele gedacht gewesen seien, die man abarbeiten müsse. B. sagt, das sei ein Witz gesehen. Auf die Frage von RA Schulz, ob es so gedacht gewesen sei, dass tatsächlich eine andere Person seine Achievements abhakt, möchte er nichts aussagen: “Wie gesagt, ich möchte das nicht ausführen. Vor allem nicht gegenüber meinen Feinden.”
RAin Kristin Pietrzyk befragt den Angeklagten bezüglich des Suizidversuchs seiner Mutter und zitiert aus dem Abschiedsbrief, den diese an ihre Tochter, die Halbschwester des Angeklagten schrieb: “Sie haben ihn zerstört. Vergiss das nie. […] Ich liebe meinen Sohn. […] Er hat sein Leben gegeben für die Wahrheit, für euch. Er wollte nur eines: Die Wahrheit. Er hat es nicht geschafft. Sie lügen.”
B. sagt, dass seine Mutter unter Einfluss von Tabletten und Alkohol gestanden habe, als sie diesen Brief schrieb.
RAin Pietrzyk fragt ihn, ob er mit seiner Mutter über Juden gesprochen habe. B. verneint das. “Wie kommt sie zu antisemitischen Verschwörungstheorien?”, fragt RAin Pietrzyk. 
Wieder verweist B. auf Tabletten und Alkohol. RAin Pietrzyk sagt, dass ihr dieser Umstand bewusst sei. So wie sich B. betrunken rassistisch äußern würde, würde sich seine Mutter antisemitisch äußern. Sie fragt, ob seine Mutter wegen ihm Englisch gelernt und gesprochen habe. B. verneint, dass sie Englisch sprechen konnte. Sie habe aber seinetwegen ein paar Worte gelernt. RAin Pietrzyk fragt, ob B. seiner Mutter Schriften des Christchurch-Attentäters gegeben habe. B. verneint. 
Auf die Frage RAin Pietrzyks, ob er mit seiner Mutter politische Gespräche geführt habe, erwidert er: “Unwichtige Frage”. RAin Pietrzyk sagt, dass dies nicht in seinem Kompetenzbereich liege. Zur Frage, wie seine Mutter politisch denke, sagt er nichts.
Sein Verhältnis zu seiner Schwester beschreibt er mit: “Es geht.” RAin Pietrzyk fragt, wie seine Schwester zur Einschätzung, “Er hat Hass auf Ausländer, vor allem auf Juden”, komme. B. sagt, das sei ihm “vielleicht rausgerutscht”. Wenn man in Deutschland eine Einstellung wie er habe, sei es “richtig, richtig schwer, sich sein ganzes Leben lang verstellen zu müssen.”
RAin Pietrzyk will wissen, ob ihm jemand widersprochen habe. Wieder sagt B., es habe keine politischen Diskussionen gegeben. “Doch, die gab es!”, entgegnet RA Pietrzyk. B. beharrt darauf, dass es sie nicht gegeben habe. Selbst wenn ihm einmal ein “dummer Kommentar […] rausgerutscht” sei, seien die Reaktionen seines Umfelds negativ gewesen.
RAin Pietrzyk benennt, dass B. seine Rohrbomben wegen der Explosionsgefahr nicht zu Hause, sondern im Haus seines Vaters gelagert habe: “Sollte lieber Ihr Vater sterben als Sie?” B. widerspricht. Die Gefahr bei diesen Bomben seien die Splitter gewesen, die aber durch eine Wand aufgehalten worden wären. Außerdem hätte die Bomben unter seinem Bett im Haus des Vaters gelegen, maximal wäre also er selbst gefährdet gewesen.
RAin Pietrzyk will wissen, wer Maximilian Z. aus Cottbus sei. B. ist überrascht. Das sei jemand, der ihm einen Brief geschrieben habe. Er habe darauf natürlich geantwortet. Was, wolle er aber nichts sagen. B. wird laut und sagt, dass er hier nichts zu privatem Briefverkehr sagen werde. Mit “Gleiche Antwort” reagiert er dann auch, als RA Pietrzyk ihn nach Sarah B. aus Helbra, K. J. aus Aschersleben, Andrea U. aus Halle und Viktoria Sch. aus Bernburg befragt.
Ein Verteidiger B.s schaltet sich ein: Sein Mandant habe gesagt, er werde keine weiteren Fragen beantworten. 
RAin Pietrzyk fragt B., woher er sein Wissen zum Judentum habe. B. sagt, er werde ihr keine weiteren Fragen mehr beantworten. “Warum denn nicht? Wenn es für Sie ungemütlich wird?”, fragt RAin Pietrzyk.
Die Vorsitzende Mertens sagt, sie denke, RAin Pietrzyk habe die Entscheidung des Angeklagten zu akzeptieren.
RA Özata fragt B., ob er sich an die Reaktion der Polizei erinnern könne, nachdem er bei einem Schusswechsel getroffen wurde und kurzzeitig benommen war. B. kann sich nicht erinnern und wird dann nach den Einschränkungen seines Wagens befragt [er hatte schon vor der Synagoge selbst versehentlich in dessen Reifen geschossen]. Das Auto sei nur langsam zu beschleunigen und zu bremsen gewesen, außerdem habe es zur Seite gezogen, vermutlich nach links. Er könne sich aber nicht mehr richtig erinnern.
Er wird gefragt, warum er den Haustürschlüssel zum Haus seines Vaters weggeschmissen habe, als er dieses kurz vor der Tat in Kampfmontur verließ. B. sagt dies sei eine symbolische Geste gewesen: Es sei ein Zeichen gewesen, dass er nicht mehr wiederkomme und sein Vorhaben wirklich “durchziehe”: “Entweder ich werde erschossen oder ich kämpfe weiter.” Als er seinen PKW, den er für die Tat nutzte, gemietet habe, habe er sein Vorhaben noch abbrechen können. Nach dem Wegwerfen des Schlüssels sei das nicht mehr möglich gewesen.
RA Özata befragt ihn dann, wie er Englisch gelernt habe und warum. B. gibt an, dass er sich die Sprache vor allem übers Internet angeeignet habe, um verschiedene technische Probleme am Computer, etwa beim Installieren von Spielen, besser lösen zu können. In der Schule sei Englisch sein schlechtestes Fach gewesen.
Er wird dann nach Lieder der Hamas und der Al-Qassam-Brigaden befragt, die auf seinem Rechner gefunden worden sein. B. sagt, er habe sich für Kriegslieder aller möglichen Völker interessiert. Selbst jüdische Lieder einer “faschistischen Partei aus Israel” habe er gehört. Die hätten ihm gut gefallen. Er höre die Musik seiner Feinde, wie er auch deren Bücher lese.
RA Özata fragt B., wo er gedient habe. B. sagt in Hagenow in Niedersachsen. RA Özata sagt, der Ort liege in Mecklenburg-Vorpommern. Er könne sich nicht mehr richtig erinnern, vielleicht sei er auf dem Weg durch Niedersachsen gefahren, sagt B. Der RA fragt ihn, ob er einen Metalldetektor gehabt habe. B. bestätigt das. Er habe diesen bei eBay Kleinanzeigen gekauft und genutzt, um Münzen zu suchen.
RA Özata fragt B., ob sie ihn richtig verstanden habe, dass er seine Feinde haben umbringen wollen, aber nicht gewusst habe, wer in der Synagoge sei, da er davon ausgegangen sei, dass es auch ein Museum hätte sein können. B. bestätigt das. Dann hätte er sich noch weiter blamiert.
“Es hätte ja auch eine Schulklasse drin sein können.”, sagt RA Özata. B. behauptet, das sei unmöglich, da Juden keine Nicht-Juden in ihre Synagogen lassen würden. Er reagiert überrascht als der RA ihn korrigiert, dass das sehr wohl möglich sei.
“Wenn Sie an der Zugangsrampe gewesen wären. Wie hätten sie selektiert? Wer hätte nach links und wer nach rechts gehen müssen?”, will RA Özata wissen. B. sagt, am höchsten Feiertag würden ja wohl Juden in einer Synagoge sein. Außerdem hätte er sie am “Gebetswand”, Gebetsschal oder Kippa erkannt. Auf die Frage, woher er das wisse, lacht B. und sagt ironisch, das sei “geheimes Templerwissen”. Dann gibt er an, das seien relativ bekannte Informationen, die er sich über Jahre angeeignet habe, ohne dass dies bereits etwas mit der Tatvorbereitung zu tun gehabt hätte. So etwas wisse man ebenso wie er auch gelernt habe, was ein Muslim ist.
B. wird mit seiner Aussage konfrontiert, dass Synagogen besonders geschützte Objekte seien. Er bestätigt diese. Er sei daher nicht davon ausgegangen, dass er wieder herauskäme. Der RA hält ihm eine Aussage aus der Vernehmung vor: “Die Synagoge anzugreifen, war kein Fehler, denn da sind meine Feinde drin.” Nachdem B. das bestätigt, schließt der RA, dass er also gewusst habe, dass Juden in der Synagoge seien. B. sagt, Juden würden eben in eine Synagoge gehören. Wirklich sicher habe er nur gewusst, dass in Berlin Synagogen von Juden besucht würden. [XXX, B. beschreibt Überlegungen vor der Tat, Anm. democ.]
B. wird gefragt, warum er in der Vernehmung gesagt habe, dass sein erbeuteter Fluchtwagen [das Taxi, Anm. democ.] blinke “wie die Enterprise”. B. lacht: “Ich hasse Stark Trek mit einer Leidenschaft, das können Sie sich nicht vorstellen.” Er kenne Star Trek nicht gut, aber gut genug, um es zu hassen. “Was ist bei Ihnen ‘gut genug kennen, um etwas zu hassen’?”, fragt RA Özata.
B. redet sich in Rage: Star Trek sei ein multikulturelles, jüdisches, schwules Space Imperium. Es werde dort umgesetzt, was die Kommunisten wollen würden. “Nachdem alle Probleme gelöst sind, reisen sie durchs Universum und tun den […] den Kommunismus bringen.”
Autos und andere Maschinen würden wegen Star Trek so aussehen, wie sie heute aussähen. “Neben Juden ist Star Trek Schuld?”, fragt der Nebenklage-Vertreter. B. sagt, in Hollywood würden die Juden den Ton angeben und sich damit selbst brüsten.
RA Özata spricht B. auf seine Aussage in der Vernehmung an, er würde Gefühle nur ungern zeigen. B. bestätigt das. “Warum dann das ständige Grinsen?”, will RA Özata wissen:
“Warum lachen sie über ‘Crusty Kebab’? Warum lachen Sie bei eigenen Witzen, die hier niemand versteht?” B. sagt, die Witze seien ja auch nicht für die Anwesenden gedacht. “Das ist eine Gefühlsregung. Das ist ein Widerspruch.”, stellt RA Özata fest. B. verneint das.
Die Vorsitzende sagt sarkastisch, es sei ja auch eine besondere Situation, B. habe ja in den letzten drei Verhandlungstagen mit mehr Menschen gesprochen als in den letzten Jahren.
RAin Pietrzyk nimmt Bezug auf die vorangegangen Fragen zur Musik “der Feinde” B.s und fragt, welche Bücher seiner Feinde er denn gelesen habe. “Wie wäre es mit dem Koran?”, fragt B. zurück. Mehr wolle er dazu nicht sagen. 
RAin Pietrzyk fragt, ob er während der Tat Musik gehört habe, die auf einen Attentäter Bezug nähme, der mittels seines Fahrzeuges zehn Menschen getötet habe. B. zählt die fünf Lieder auf, die er während der Tat hörte, auf: Dies seien “Power Level” von “Mr. Bond”, “Happy, happy friends”, […, unverständlich], der “Suicide Prototype” Soundtrack und “Alek Minassian” [Attentäter von Toronto, 23. April 2018, Anm. democ.] von “Egg White” gewesen. Letzteres sei das Lied, auf dass sich RAin Pietrzyk mit ihrer Frage bezogen habe. RAin Pietrzyk fragt erneut, ob er damit Bezug auf den Attentäter genommen habe, der zehn Menschen getötet habe. B. sagt, er wisse nicht, wie viele Menschen dieser tötete. RAin Pietrzyk hakt nach, ob er das gehört habe, während er Auto gefahren sei. B. will dazu nichts weiter sagen. 
RAin Pietrzyk fragt, warum B. in einer Vernehmung Anetta Kahane erwähnt habe. B. sagt, diese stehe ganz weit oben auf seiner Feindesliste.
RA Schulz fragt den Angeklagten, was dieser gemacht hätte, wenn auch die Männer mit dem Taxi ihm dieses nicht überlassen hätten. Das wäre ein Problem gewesen, sagt B. Er habe nicht noch mehr Weiße anschießen wollen. Feinde seien beide auf keinen Fall gewesen.
Die Vorsitzende Richterin fragt B., ob er wisse, dass es bei Star Trek den Vorgänger des 3D-Druckers gegeben habe. B. bejaht das. Die Waffen seien dort aber ziemlich schlecht gewesen. “Das war bei Ihnen ja auch so.”, entgegnet die Vorsitzende. Ja, die Waffen seien ziemlich schlecht gewesen, sagt B.
Ein Anwalt der Nebenklage hält B. Bilder der Synagoge vor. Deutlich sieht man darauf ein einzelnes Schild neben dem Tor der Synagoge. Der RA beschreibt: “Da sieht man ein Schild: ‘Jüdische Gemeinde Halle – Synagoge’.” Die Vorsitzende schaltet sich ein. Sie habe die Synagoge kürzlich vor Ort besucht und einen Schaukasten entdeckt, in dem u. a. eine Telefonnummer stünde, unter der man sich melden könne, wenn man den Gottesdienst einmal aus Interesse besuchen wolle. B. sagt, das hätte er nicht gemacht. Den Schaukasten habe er nicht gesehen.
RAin Dr. Kati Lang hält dem Angeklagten die Aussage aus der Vernehmung vor, dass er sich bei der Auswahl der Musik für seinen Livestream etwas gedacht habe, schließlich lebe man in Unterhaltungszeiten. Sie will wissen, ob B. Töten unterhaltsam fände. B. verneint, aber sagt, wir würden zweifelsohne in Unterhaltungszeiten leben.
RAin Lang zeigt B. ein Album Cover, das bei ihm gefunden wurde und fragt ihn, wann er das erste Mal “Mr. Bond” gehört habe. In dem Lied “Power Level” heiße es “Leistungsstufe, […] vertrete den Faschismus, […] lasse rote Pillen auf die Schwuchteln regnen” [im englischsprachigen Original: “Power level, […] rep the fash, gotta rep the fash, […] dropping red pills on the normalfags”, Anm. democ.]
B. sagt, er habe das vielleicht anders verstanden, er sei ja nur durchschnittlich begabt. […, unverständlich]. RAin Lang fragt, nach, was er gesagt habe. B. sagt, sie hätte ihn schon verstanden.
RAin Lang fragt, ob die Zusammenstellung […], zu deutsch “die Judenfrage”, die auf seinem PC gefunden worden sei, von ihm stamme. B. bejaht das, auch das Cover habe er entworfen. RAin Lang fragt, was es mit dem darauf zu sehenden “Moon Man” auf sich habe. B. fragt, zur Beantwortung müsse er wissen, ob dieser nach seiner Tat als Symbol verboten worden sei. “Wissen Sie, wofür Moon Man steht?”, fragt RAin Lang. B. lacht. RAin Lang sagt deutlich: “Entweder Sie beantworten die Fragen ernsthaft, oder wir lassen das. Das ist hier keine Show.” Das sei eine ernsthafte Antwort gewesen, sagt B.
RAin Lang fragt, ob B. ein Incel sei. B. verneint das. RAin Lang fragt, warum er dann ein Lied von “Egg White” bzw. “The Eggman” gehört habe. B. sagt, das sei ein gutes Lied.
“Haben Sie jemals ein Schullager besucht?”, fragt RAin Lang. B. antwortet, den Ort kenne er nicht. “Das ist ein Wort.”, sagt RAin Lang. B. antwortet nicht.
RAin Lang fragt B., ob er Kinderporno-Seiten aufgesucht habe und hält ihm vor, dass er eine Domain aufgerufen habe, die Orientierung im Darknet biete und dort Rubriken für kinderpornografische Inhalte geöffnet habe. B. sagt, er habe auf dieser Seite nach allem möglichen geschaut. RAin Lang will wissen, ob er ein Unterforum, [unverständlich], genutzt habe, das u. a. Journalisten in den USA nutzen würden, um etwa sensible Informationen anonym von Quellen zu bekommen und ob er erwogen habe, dort den Link zu Stream und Bekenntnisdokumenten zu veröffentlichen. B. sagt, er wisse nicht, wovon die RAin rede.
RAin Lang sagt, im Tatvideo sei zu hören wie der Angeklagte sage: “Scheiß drauf, vielleicht kommen sie ja raus”. Sie fragt ihn, was er dann getan hätte. “Ich wäre gegen sie vorgegangen”, antwortet B. “Wenn ich Sie richtig verstehe, war alles nicht-deutsche der Feind.”, sagt RAin Lang. B. sagt, er habe nicht “nicht-deutsch” gesagt. Auch “Ausländer” würde er nicht sagen, denn “nicht jeder Ausländer ist Musel”.
RAin Lang sagt, B. habe sich eindeutig geäußert: “Sie verbreiten nationalsozialistische und faschistische Ideologie. Genau das sind Sie: Ein Nazi.”
B. will zu einer Erwiderung ansetzen, die Vorsitzende unterbricht ihn und erteilt der nächsten Nebenklage-Vertreterin das Wort.
Diese fragt B. welche Werte in seiner Familie wichtig gewesen seien. B. sagt, das seien die normalen Werte der BRD gewesen und zählt Ordnung, Respekt und einige andere auf. Die RAin fragt ihn, ob er diese Werte verinnerlicht habe. B. sagt, er habe andere Werte entwickelt. Die RAin fragt, ob die Mutter nicht versucht habe, ihn auf den rechten Weg zu bringen und etwa angedroht habe, ihn rauszuschmeißen. B. bejaht das. Letzteres sei ein- oder zweimal der Fall gewesen.
Die RAin fragt B., ob er wisse, was seine älteren Familienmitglieder, etwa der Großvater, zur Zeit des Holocaust gemacht hätten. B. sagt, Großvater und -mutter seien beide sehr jung gewesen. Sein Großvater habe als siebenjähriger Junge durch einen Tieffliegerangriff sein Bein verloren. Seine Großmutter sei so klein, weil sie nach dem Krieg habe hungern müssen. Er hätte mit beiden nicht über den Krieg gesprochen, da dies für seine Großeltern belastend gewesen wäre. “Vielleicht hat sie ja belastet, dass Juden umgebracht wurden? Kinder, mit denen sie vielleicht befreundet waren?”, stellt die RAin in den Raum. B. sagt, er denke nicht, dass das der Fall sei, sie seien ja noch Kinder gewesen.
Die RAin sagt, B. erwecke den Eindruck, dass er für die eigene Familie Gefühle aufbringen könne. B. sagt, für die eigene Gruppe sei das der Fall. Die RA entgegnet, er rede viel über Gruppen, aber deren Definition sei nie stringent. Wo Juden, Muslime oder Schwarze hingehören würden, könne er nicht erklären. B. lacht. Das habe er ziemlich klar erklärt. Die RAin widerspricht. Es gäbe in seinem Denken viele offene Fragen und Widersprüche.
Sie will wissen, wann B. begonnen habe, sich als Krieger zu betrachten, wenn er doch mit den “normalen Werten der BRD” aufgewachsen sei. B. sagt, ein richtiger Krieger sei er nicht, dazu hätte er einen seiner Feinde erwischen müssen. Aber im Auto habe er vorgehabt, Krieger zu werden: “Wenn man nichts macht, ist man kein Krieger.” Heute würde er sich als Gefangenen betrachten.
Die Vorsitzende richtet sich an die Nebenklage: Sie habe keine Handhabung, das Fragerecht einzuschränken, aber vielleicht sollte die Nebenklage darüber nachdenken, keine Fragen mehr zu stellen, die B. Gelegenheit geben, seine Ideologie, die schwer erträglich sei, weiter vorzutragen.
RAin Pietrzyk fragt B. nach seiner Antwort auf die Frage, ob er Incel sei. Dazu habe er nein gesagt. Sie sagt, wenn man “Incel” googlen würde, würde man erfahren, dass Incels Männer seien, die unfreiwillig im Zölibat leben, und man würde ein Bild von ihm sehen.
B. sagt, für diese Menschen sei das Zölibat das wichtigste für ihre Identität. RAin Pietrzyk fragt: “Und was ist das bei Ihnen? Ihr Antisemitismus? Ihr Rassismus?” 
B. antwortet: “Mein Interesse für Waffen.”
Ein anderer Nebenklage-Anwalt sagt, alle hätten nun viel über “schwarz, braun und weiß” gehört. Er wolle nun gern einmal etwas zu “gelb” hören, auch wenn der Angeklagte das so nicht sagen würde, und zwar zu den Japanern. B. fragt, was seine Frage sei. Der RA will wissen, wie Japaner einzuordnen seien. B. sagt, er habe Respekt, da Japaner Weiße nicht angreifen wollen würden. […] Der RA fragt, ob es noch einen weiteren Grund gebe. B. bejaht das, aber das wolle er nicht ausführen.
Eine andere Vertreterin der Nebenklage bittet das Gericht, es möge darauf achten, dass weder der Angeklagte noch die Anwaltschaft rassistische Ausdrücke wie “Neger” oder “Musel” nutze. Die Vorsitzende sagt, es sei klar, dass das Rechtsorgan solche Aussagen nicht fördern wolle. Es sei aber auch die Frage, ob man entsprechende Fragen, die solche Antworten zulassen würde, überhaupt an den Angeklagten richte.
RA Goldstein will dem Angeklagten einen Vorhalt aus der Vernehmung machen und gibt die entsprechende Stelle in den Akten an. B.s Verteidiger unterbricht ihn, zu derselben Stelle habe B. sich schon vor zehn Minuten geäußert. RA Goldstein fährt fort und hält B. die Aussage, “wenn sie rausgekommen wären, hätte ich geschossen”, vor. Er will wissen, ob dies zutreffend sei. B. bejaht.
“Was war die erste Frage die Sie an Herrn Weber [Verteidiger, Anm. democ.] gerichtet haben?”, will RA Goldstein wissen. “Sind Sie Jude?”, sagt B. Er lacht. Er habe auf keinen Fall von einem Juden verteidigt werden wollen. RA Goldstein fragt ihn, ob er ein Nazi sei. B. wartet lange. Dann antwortet er unverständlich. Auf RA Goldsteins “Wie bitte?” antwortet er: “Kein Kommentar”. “Sind Sie Faschist?” fragt RA Goldstein weiter. Wieder antwortet B. mit “Kein Kommentar”. RA Goldstein sagt: “Und nun habe ich noch eine Frage, die Ihnen gefallen wird: Sind Sie Antisemit?” B. antwortet: “Das bin ich.”
Mehrere Nebenkläger regen eine Pause an, da der Verhandlungssaal sehr stickig sei. Die Vorsitzende möchte vorher noch den Abschiedsbrief der Mutter des Angeklagten verlesen.
Da einige Bildschirme der NebenklägerInnen, auf denen die Akten dargestellt werden, nicht funktionieren, ordnet sie dann doch um 12 Uhr die Pause an.
Pünktlich um 13 Uhr wird die Hauptverhandlung fortgesetzt.
RAin Lang sagt, ihr Mandant Ezra W. wolle Fragen zur Person des Angeklagten direkt an B. richten. Zunächst funktioniert die technische Übertragung der Simultanübersetzung nicht richtig. Sie wird laut abgespielt, sodass die Fragen weder auf Englisch noch auf der deutschen Übersetzung verständlich sind. Die Vorsitzende entscheidet daher, dass die Übersetzung nicht simultan, sondern abschnittsweise erfolgen soll.
Der Nebenkläger Ezra W. sagt, seine Fragen würden sich auf das Verständnis des tiefen Hasses gegenüber Menschen, die der Angeklagte nie gesehen habe, beziehen. Er fragt, für welche Menschen im Denken des Angeklagten Platz im Nahen Osten sei. 
B. sagt, er sei in jedem Fall nicht mehr bereit, Juden zu dulden. Für Muslime gelte dasselbe. Diese würden den Plan, Europa zu erobern, seit 1.300 Jahren ausführen. Da habe er keine Akzeptanz mehr.
Der Nebenkläger sagt, er sei Jude und B. habe behauptet, Dinge wie Stärke, Schönheit oder Gesundheit würden von den Juden abgelehnt. “Können Sie sagen, was Sie damit meinen?”
B. sagt, das würde er gern erläutern. Die Juden hätten als Teilgruppe, die sich von einer größeren Gruppe ernähre, kein Interesse an dem Wohlergehen dieser größeren Gruppe. Im Gegenteil hätten sie das Ziel, diese zu schwächen.
Der Nebenkläger sagt: “Reden wir über mich. Inwiefern schwäche ich die Gruppe?” B. antwortet, die BRD sei so schwach, dass sich der Nebenkläger entschieden habe, in die BRD zu ziehen. Das sei ein Zeichen ihrer Schwäche. Der Nebenkläger sagt, er möge Gesundheit. Er fragt, was B. meint, inwiefern er diese ablehne. B. antwortet: “Gesellschaftlich gesehen.” Der Nebenkläger bedankt sich für die Klarstellung und fragt: “Wo sehen Sie den destruktiven Instinkt in mir?”
B. antwortet: “Ich kenne Sie persönlich nicht. Ich denke mal, Sie sind Professor?” Der Nebenkläger unterbricht ihn. Das sei er nicht. B. sagt, das hätte er in der Zeitung gelesen. Der Nebenkläger, setzt an, zu sagen, dass er unterrichte, ehe ihn B. unterbricht und fortfährt: 
“Ich denke, dass Sie Mathematiker sind? Sie haben ein Interesse, dieses Wirtschaftssystem weiterzubringen.” Der Nebenkläger erwidert, dass er sich mit Zahlentheorie beschäftige. Er sagt dann, dass der Angeklagte letzte Woche erwähnt habe, dass er gern eine Freundin gehabt hätte. Er will nun wissen, ob ihm eine Freundin beim Anschlag im Weg gestanden hätte. “Auf jeden Fall”, antwortet B. Auch eigene Kinder hätten ihm vermutlich im Wege gestanden, aber das könne er nicht sicher wissen, da er eben keine habe. Im Übrigen sei es über Jahrtausende üblich gewesen, dass Männer trotz Kindern gekämpft hätten. Dass das heute anders sei, sei Teil der europäischen Schwäche.
Der Nebenkläger fragt, ob es ein Kollateralschaden gewesen wäre, hätte sich die Mutter des Angeklagten erfolgreich das Leben genommen. B. verneint das. Vor allem auf das Ergebnis seiner Tat bezogen, sei das nicht bloß ein Kollateralschaden gewesen.
B. hasse Menschen, die er nie getroffen habe, hält der Nebenkläger fest. Das gelte für Juden ebenso wie beispielsweise für Frau Merkel. Er will wissen, ob es für den Angeklagten leichter oder schwerer gewesen wäre, die Menschen zu töten, wenn er sie vorher einmal getroffen hätte. B. sagt, er greife Juden ja nicht für ihre einzelnen Taten an. Wenn er etwa Anetta Kahane als Leiterin der NGO [B. stockt, fährt dann, ohne Namen zu nennen, fort] angreife, falle es wesentlich leichter.
Die Vorsitzende stellt fest, dass es zunächst keine weiteren Fragen durch die Nebenklage mehr gibt. In Richtung des Angeklagten sagt sie, sie wolle noch festhalten, dass er ja viel von “Kampf” und “Krieg” rede. Für den Großteil der Bevölkerung sei ein Kampf aber eine Auseinandersetzung und nicht das Vorgehen des Angeklagten, das mit den Worten des Strafgesetzbuches als heimtückisch beschrieben werden könne. B. habe nicht gekämpft, sondern sich jahrelang in seinem Kinderzimmer versteckt.

Verlesung des Abschiedsbriefes der Mutter des Angeklagten
Die Vorsitzende verliest dann ein Asservat, das unter einem Bett gefunden wurde. Es handele sich dabei um einen Abschiedsbrief, den die Mutter des Angeklagten, Claudia B., während eines Suizidversuchs an ihre Tochter Anne B., B.s Schwester gerichtet habe:
“Meine liebe Anne, ich hätte nie gedacht […] die Presse steht schon vor der Tür […] Ich hab euch lieb, aber so kann ich keinem Menschen in die Augen schauen. […] Dieser Staat hat mich und Stephan so im Stich gelassen. Das leben könnte wunderbar sein, […] ist es aber nicht. Du weißt, wie ich immer über meine Kräfte gegangen bin, um ihn zu retten. Geschafft habe ich es aber nicht […] Niemand kann sich meine Verzweiflung vorstellen […] Roland hatte mich angerufen, war dann hier und hat mir das alles im Fernsehen gezeigt. Ich konnte, wollte das nicht glauben. […] Sag meinem lieben Alex, dass ich ihn sehr vermissen werde. […] Ich weiß, dass ich euch im Stich lasse, aber ich kann nicht mehr. […] Ein weiteres Leben kann ich mir nicht vorstellen. Ich hab euch so lieb. […] Sicher wirst auch du durch die Hölle der Medien gehen müssen. […] Keine Ahnung, wie lang die Tabletten brauchen, um zu wirken.
Du fehlst mir schon so lange. Aber ich hatte so gehofft, dass ich ihn wieder ins Leben zurückholen könnte. […] Da die Presse schon hier war, ist klar, dass Stephan dabei war. Ich wollte es nicht glauben, aber bevor ich endgültig gehen muss, schalte ich das Fernsehen an und sehe ihn ein letztes Mal. Er hatte eine gute Seele, keinem Insekt konnte er etwas tun. […] Sie haben ihn mir zerstört.
An die verdammte […] Welt: Ich liebe meinen Sohn. Ihr habt ihn zerstört. Gegen euch war ich machtlos. 
Liebe Anne, ich kann dir nicht mehr schreiben, […] Ich weiß, […] meine Tabletten wirken nicht so schnell […] habe […] Chance.
Sie haben so viele Bilder von ihm. Ich glaube es immer noch nicht, dass Stephan das getan haben soll. Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Er hat alles erzählt und wie oft hatte er einen echten Ärger. Ich hasse diese Welt, sie ist nicht mehr echt. Er wurde angeschossen. Das Fernsehen zeigt es ja. Natürlich können sie ihn nicht anzeigen […] Sie fühlen, dass Juden freie Hand hatten. Er hat sein Leben gegeben für die Wahrheit, für euch. […] 
Er wollte nicht, dass wir leiden. Aber ich kann […] Er wollte nur eins: Die Wahrheit. Er hat es nicht geschafft. Sie lügen. Wie […] unschuldig. Aber ihr wisst es nicht. Durchgestrichener Judenstern. Selbsterfüllende Prophezeiung. Die Juden wollen, unleserlich. Durchgestrichener Judenstern.”
Die Vorsitzende richtet sich an den Angeklagten: “Ihre Mutter treibt das Thema Juden auch um, nicht?” “Absolut nicht, nein”, erwidert B. Er denke der Brief sei das Resultat aus einer Kombination von Alkohol und Medikamenten.

(Fortsetzung Teil 2)


Angehängte Dateien
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Antworten
#10
3. Verhandlungstag: Prozessprotokoll | democ. (Teil 2/2)

Der Sachverständige Psychiater Prof. Dr. Norbert Leygraf befragt den Angeklagten zu seiner Bauchverletzung im Jahr 2013. Er will von B. wissen, was das für eine Sportverletzung gewesen sei. “Kein Kommentar”, sagt B.

Leygraf sagt, dass im Arztbrief über die Aufnahme vom 11. April 2013 etwas von Kampfsport stehe, den der Angeklagte betrieben haben soll. “Kein Kommentar”, reagiert B. wieder.
Laut Leygraf habe B. damals gesagt, er habe die Beschwerden zum ersten Mal während einer Vorlesung am ersten Tag des Semesters gehabt. B. bestätigt das. Leygraf fragt, ob er möglicherweise während der Semesterferien ähnliche Beschwerden gehabt habe. B. sagt, das könne sein, das sei lange her. Leygraf fragt, ob es sein könne, dass B. schon am 17. Februar 2013 wegen ähnlicher Beschwerden im Krankenhaus gewesen sei. Damals habe er angegeben, am Vorabend Amphetamine konsumiert zu haben. “Kann sein”, erwidert B. Leygraf meint, er frage das, weil B. vorhin von Drogenkonsum in seiner Jugend gesprochen habe. Im Februar 2013 sei er aber 21 gewesen. B. sagt, er könne dazu nichts sagen. Er wisse auch nicht mehr, wann und warum er das letzte Mal Amphetamine konsumiert habe.
Leygraf knüpft nun an die Aussage B.s an, er wisse nicht, ob die Synagoge in Betrieb sei. In seinem “pre-action report” habe er aber geschrieben, er habe die Synagoge ausgewählt, weil sie der nächste Ort mit Juden sei. B. sagt, es sei eben eine Synagoge und in einer Synagoge sollten Juden sein. Er wüsste auch andere Orte, aber die sehen noch mehr gesichert.
Leygraf fragt B. ob er sich Gedanken gemacht habe, was er tue, wenn niemand in der Synagoge sei. Schließlich habe er ja detaillierte Überlegungen angestellt, wie er vorgehe, wenn er in die Synagoge nicht hereinkommen sollte.
B. sagt, das sei derselbe Plan. Leygraf erwidert, das könne nicht sein. [XXX, es geht um Details der Tatplanung, Anm. democ.]
“Wenn keiner da ist, kann ich keinen herzaubern.”, sagt B. Was hätte er tun sollen, wenn niemand in der Synagoge gewesen wäre, fragt er. “Das, was sie gemacht haben”, antwortet Leygraf. Er habe sich andere Opfer gesucht. Ob das der Plan gewesen sei, will der Psychiater wissen. B. sagt, natürlich sei der Plan gewesen, in die Innenstadt oder zum muslimischen Kulturzentrum zu gehen. Zu weit vorauszuplanen, sei aber nicht effizient. 
Die Vorsitzende fragt B., ob es wegen seines Magendurchbruchs zwei Krankenhausaufenthalte gegeben habe. B. bestätigt das. Er sei dort etwa zwei Wochen gewesen. Angaben zur ambulanten Versorgung und zur Dauer der Genesung, nach der die Vorsitzende ihn fragt, könne er nicht machen. “Man fragt sich ja, wieso Sie so lange zu Hause waren.”, sagt die Vorsitzende. “Ich habe alles gesagt, kein Kommentar.”, antwortet B. 
Die “Flüchtlingskrise” sei ja 2015 gewesen, also zwei Jahre später, merkt die Vorsitzende an. B. wird ungehalten: “Muss ich mich wiederholen? Kein Kommentar.”
Er sei zwei Semester in Magdeburg immatrikuliert gewesen, ehe er ohne erbrachte Leistungsnachweise nach Halle gewechselt sei. Die Vorsitzende will wissen, warum es in Magdeburg mit dem Studium nicht geklappt habe. B. will auch dazu nichts sagen.
RAin Dr. Lang gibt eine Erklärung nach § 257 StPO für Ihren Mandanten Ezra W. ab und verliest diese. In der Erklärung heißt es, dass sich der Angeklagte auch vor Gericht offen antisemitisch äußere. Der Nebenkläger hatte und habe keine Illusion, dass der Angeklagte seine Taten bereue. Seit der Wiedervereinigung habe es in Deutschland mehr als 200 Tote antisemitischer und rassistischer Gewalt gegeben. Zuletzt starben am 19. Februar in Hanau zehn Menschen.
Der Angeklagte sei Rassist und Antisemit. Das sei weder zu pathologisieren noch durch die Lebensumstände, um die es nun auch im Verfahren gehe, zu entschuldigen. Sein Ziel sei es gewesen, Juden und vermeintlich Undeutsche zu töten. Wenn es nun in der Öffentlichkeit und im Gericht so dargestellt würde, dass er allein gehandelt habe, möge das im eng strafrechtlichen Sinne korrekt sein. Der Angeklagte bewege sich aber im digitalen Raum und habe angestrebt, Nachahmer zu motivieren. In seinem Fall seien aus Worten Taten geworden. Es sei deshalb wichtig, die Taten von Utøya und Oslo, von Halle und schließlich von Hanau nicht als Taten von Einzeltätern anzusehen. Die digitalen Verbindungen seien teils lose, aber nicht unstrukturiert. […] Die Betroffenen sollten in Angst und Schrecken versetzt werden. Das habe gerade in Deutschland eine besondere Bedeutung. Der Angeklagte habe weitere weiße Männer zu Taten ermutigen wollen. Man dürfe nicht den Fehler machen, das zu verharmlosen, indem nur eine Person angeklagt würde und indem das Bild erzeugt würde, die Taten seien durch die Lebensumstände des Angeklagten zu entschuldigen. Der Nebenkläger gebe diese Erklärung nicht ab, um etwas zu kommentieren, sondern um zu widersprechen.

Befragung des Zeugen Rainer D. (BKA-Vernehmungsbeamter)
Als Zeuge wird nun der Kriminaloberkommissar Rainer D., 51 Jahre, vom BKA Meckenheim befragt. Die Vorsitzende belehrt ihn über seine Pflichten als Zeuge und befragt ihn zu seinen Personalien.
Sie beginnt dann mit der Befragung zur Vernehmung B.s durch den Zeugen.
D. hatte B. ab dem 22. November 2019 und an den vier darauffolgenden Tagen in der JVA Halle vernommen und im Anschluss einen umfassenden Personenbericht erstellt. 
Ebenfalls bei den Vernehmungen anwesend waren seine Kollegen Herr V. und Herr W. Die Vorsitzende erklärt ihr Vorhaben, zunächst einmal Herrn D. zu befragen, um dann im Anschluss klären zu können, ob die Vorladung der anderen Polizeibeamten erforderlich ist.
Der Vernehmung vorausgegangen war laut D. ein Gespräch der Bundesanwaltschaft mit B.s Verteidiger RA Weber. RA Weber habe nicht beantworten können, ob sein Mandant zur Aussage bereit sei, er schwanke hin und her. Das BKA nutzte daher den Anlass einer notwendigen ergänzenden erkennungsdienstlichen Behandlung, in deren Verlauf etwa seitliche Fingerabdrücke genommen wurden, um mit dem Beschuldigten in Kontakt zu treten. B. habe dabei sinngemäß gesagt: “Wo Sie schon einmal da sind, was wollen Sie wissen?” RA Weber sei bei den Vernehmungen nicht dabei gewesen, war aber über die Termine informiert. Es habe daher keine Bedenken gegeben, mit den Vernehmungen zu beginnen.
Bei der ergänzenden erkennungsdienstlichen Behandlung hätten seine Kollegen und er B. zum ersten Mal gesehen. Er habe in sich gekehrt gewirkt und auf den Boden geschaut, sei aber kooperativ gewesen. So habe er etwa einen Fehler der Beamten korrigiert, die einen Fingerabdruck auf dem entsprechenden Bogen dem falschen Finger zuordnen wollten.
Die Vorsitzende fragt nach dem Dokument “Your F&A Guide”, nachdem der Angeklagte schon in der ersten Vernehmung befragt worden sei. D. bestätigt das. Sie hätten B. gefragt, was das bedeuten solle. B. habe gesagt, das stehe für “Frage und Antwort”, sei aber auch ein versteckter Witz: Wenn man das “e” am Ende wegnehme, sei der Titel auch als “Your Faggot” zu lesen, was D. mit “Du bist ne Schwuchtel” übersetzen würde. B. habe das sehr lustig gefunden. Er gab an, das Dokument auf Englisch geschrieben zu haben, um ein breites Publikum zu erreichen. Um Muslime sei es gegangen, weil Juden in Deutschland zu sehr bewacht würden. Außerdem habe er im Dokument Bezug auf ein Online-Spiel genommen, dass D. selbst nicht kenne, aber in dem es wohl darum ginge, dass sich der Protagonist am Ende des Spiels erhängen müsste.
B. unterbricht den Zeugen: Das Erhängen des Protagonisten sei nicht das Ende des erwähnten Spiels und in der Überschrift “Your F&A Guide” sei ein “e” versteckt. Die Vorsitzende sagt, das sei jetzt nicht wichtig. D. erzählt, dass es B. schon in der Vernehmung viel um den von ihm intendierten Witz gegangen sei. Es sei regelrecht aus ihm herausgeplatzt, wie gut der Witz sei und das er am Anfang stehen müsse, da er sonst nicht wirke. Für wen der Witz gedacht gewesen sei, fragt die Vorsitzende. Der Witz sei für alle Menschen, die das Dokument lesen würden, bestimmt, sagt D. Der damals Beschuldigte habe die Zielgruppe des Textes als Menschen, die wie er denken würden, beschrieben, als “weiße Männer, die nicht mit den Umständen zufrieden sind”. Die Vorsitzende fragt: “Die auch zu Hause im Kinderzimmer sitzen?” D. sagt, das habe B. so nicht gesagt. […] 
D. sagt, er habe Schwierigkeiten, die fünf Vernehmungen in seiner Erinnerung zu treffen. Die Vorsitzende meint, das sei nicht so schlimm, es hätten ja alle die Akten. Sie fragt, ob D. noch wisse, wann “Your F&A Guide” verfasst worden sein soll. D. weiß es nicht. Die Vorsitzende richtet dieselbe Frage an den Angeklagten. B. sagt, das müsse nach Tarrant gewesen sein, im April ungefähr. [Nach dem Anschlag Brenton Tarrants in Neuseeland im März 2019, Anm. democ.] Die Vorsitzende sagt, das könnten sie ja auch noch einmal nachlesen. Zu den Waffen würde sie D. nicht befragen, teil sie ihm mit, da habe sie spezielle Experten der Polizei für Ende August eingeladen. Auch müsse Sie nicht noch einmal die Ausführungen B.s dazu anhören.
Sie fragt D. nach der Vernehmung vom 23. November 2019, in der es um Juden gegangen sei. Der BKA-Beamte sagt, B. habe ihnen mitgeteilt, den Tatentschluss nach Brenton Tarrants Tat in Christchurch gefasst zu haben und mit Ausspähhandlungen im Sommer 2019 begonnen zu haben. In dieser Zeit habe er auch bereits entschlossen, den Feiertag Jom Kippur [D. spricht “Dschom Kippur”, Anm. democ.] für seine Attacke auszuwählen. Wenn es im Jahr 2019 nicht geklappt hätte, hätte er die Tat auf Jom Kippur im darauffolgenden Jahr verschieben wollen. Er habe sich von dem Datum erhofft, dass besonders viele Juden in der Synagoge seien. Außerdem sei seine Überlegung gewesen, dass zu Jom Kippur auch viele Juden in der Synagoge seien, die dort nur ein- bis zweimal im Jahr hingingen. Diese Juden würden ihm besonders schaden. Sie seien international in der Wirtschaft aktiv. Demgegenüber hätte orthodoxe Juden, die oft in die Synagoge gingen, gar keine Zeit ihm wirklich zu schaden, da sie zu sehr von ihren religiösen Angelegenheiten eingenommen seien. Über Jom Kippur habe sich B. über Wikipedia informiert. Die Vorsitzende sagt, man kenne das von Evangelen oder Katholiken, dass sie nur zu Weihnachten in die Kirche gingen und will wissen, ob B. sich das auch so für Juden vorgestellt habe. Der Zeuge D. bejaht das. Die Vorsitzende spricht dann an, dass sich der Angeklagte ja nicht sonderlich gut in Halle ausgekannt habe.
D. sagt, das müsse so gewesen sein, sonst hätte sich B. nicht schon auf dem Weg zum Anschlagsziel verfahren. Möglicherweise sei er auch mit dem Auto nicht zurechtgekommen. Für seine Ausspähfahrten habe er den Wagen der Mutter genutzt und sei kurz vor der Synagoge zu Fuß weitergegangen. Er habe mehrere Kameras am Tor der Synagoge und am danebenliegenden Friedhof wahrgenommen und den Innenhof der Synagoge als Sackgasse identifiziert. Insbesondere habe er auch den Livestream-Aspekt seiner Tat getestet und geprüft, wie der Empfang und die Uploadrate vor Ort sei. 
In der Vernehmung habe der Angeklagte die Route auf einer Karte rekonstruieren können. Er habe angegeben, sich zunächst verfahren zu haben, konnte sich dann aber wieder am Wasserturm in Halle orientieren.
Die Vorsitzende sagt, D. habe B. ja gefragt, was er sich vorgestellt habe. D. sagt, B. habe sich erhofft, dass das Tor zum Friedhof offen stehe und er eindringen könne. Er habe möglichst viele Menschen töten wollen. Die Vorsitzende fragt, wie es denn mit der Bewachung der Synagoge ausgesehen habe. D. sagt, B. habe in der Vernehmung gesagt, muslimische und jüdische Gotteshäuser seien immer gut bewacht. Er verstehe aber nicht, worauf die Vorsitzende mit ihrer Frage hinaus wolle. Sie hätten B. ja nicht fragen können, warum keine Polizei vor Ort gewesen sei. Die Vorsitzende fragt, ob auch beim Ausspähen keine Polizei vor Ort gewesen sei. “Genau”, sagt D.
B. habe in der Vernehmung beschrieben, dass er während der Tat in einem Kampfmodus gewesen sei. Kampfmodus und normales Leben hätte er strikt getrennt. “Der Plan war dann: ‘In die Synagoge rein und den Feind bekämpfen’?”, fragt die Vorsitzende. D. bejaht das. Auch wenn Polizisten nicht zu B.s Feinden gehört hätten, hätte er sie sofort getötet, wenn sie ihn in seinem Kampfmodus an der Tat gehindert hätten. [XXX, es geht um Details der Tatplanung, Anm. democ.]
Die Vorsitzende zitiert aus den Vernehmungsakten: “Man muss bereit sein, im Kampf zu sterben.” B. habe keinen suicide by cop angestrebt, sondern habe im Kampf sterben wollen. Sie fragt, ob B. Polizisten zu seinen Feinden gezählt habe. D. verneint das, aber wiederholt, dass B. im Kampfmodus jeden rücksichtslos erschossen hätte, der sich ihm in den Weg gestellt hätte. Er habe nicht gewusst, wie weit die Reichweite seiner Schusswaffen gewesen sei, [XXX, es geht um Details der Tatplanung, Anm. democ.]. D. sagt, B. sei bereit gewesen, im Kugelfeuer zu sterben, aber eben kämpfend.
Die Vorsitzende fragt, ob B. auch seinen Frust über die gescheiterte Tat geäußert habe. 
D. bestätigt das, man höre es ja auch schon im Video. B. sei sehr frustriert gewesen. Er habe etwa schon beim Versuch, die Synagoge aufzusprengen am Knall gehört, dass nicht die 1,7 Kilogramm Sprengladung, sondern nur der Zünder umgesetzt habe. Daraufhin habe B. im körperlichen Sinne rotgesehen. Er sei sehr unter Stress gewesen, also Frau L.ihn angesprochen habe. Nachdem er auf sie geschossen und sich weggedreht habe, habe er sich noch einmal umgedreht und Frau L. noch eine Salve in den Rücken geschossen. In der Vernehmung hätten sie ihm vorgehalten, dass doch keine Gefahr mehr von Frau L. ausgegangen sei. B. habe daraufhin gesagt, es seien schon Millionen von Soldaten gestorben, weil sie zu viel Milde gezeigt hätten. D. sagt “Feind am Boden, nochmal drauf”, sei B.s Marschroute gewesen. Er hätte ihnen den relativ unbekannten Fall eines Attentäters in Norwegen geschildert, der über einen angeschossenen Mann hinweggestiegen und von diesem dann am Fuß festgehalten und an der Tat gehindert worden sei. Das habe B. nicht riskieren wollen. Zu Mandy R. und dem Mann im Transporter, die in der Nähe der Synagoge ins Visier B.s gerieten, habe dieser nicht viele Angaben gemacht. An den Mann im Transporter habe er sich nicht erinnern können. Dass die Waffe in seine Richtung gezeigt habe, sei ein antrainiertes Verhalten von Egoshootern, bei denen die Waffe immer in die Blickrichtung zielt.
Die Vorsitzende will wissen, wie es dann weitergegangen sei. D. sagt, B. habe vom “Umschwenken auf Sekundärziel” gesprochen. Seine Angaben seien aber unscharf gewesen. Mal habe er davon gesprochen, dass er nach Hautfarbe töte, dann wieder ein Kunstwort [unverständlich, Anm. democ.] für Muslime und “Andersfarbige” genutzt. Der Dönerladen sei absolut nicht geplant gewesen, habe B. angegeben. Nach seiner Vorstellung hätte der Kampf mit der Polizei unmittelbar an der Synagoge stattfinden müssen. Er sei daher davon ausgegangen, dass er von dem Ort gar nicht wegkommen würde. Der Dönerladen sei eher ein Zufall gewesen: B. habe gemerkt, dass sein Reifen platt sei, nachdem er versehentlich in diesen geschossen hatte, und sich gedacht, er könne am besten bergab rollen. Daher habe er sich für die Straße entschieden, die ihn schließlich zum Dönerladen geführt habe. B. habe im Vorfeld die Vorstellung gehabt, dass ein Dönerladen nur von Muslimen besucht werde und dass er entsprechend Muslime treffen würde. Im Laden selbst habe er dann die Personen, etwa Herrn Schwarze, auch als Muslime wahrgenommen. Die Vorsitzende sagt, B. habe vor Gericht gesagt, es sei egal, wer im Dönerladen konkret sei, es seien ohnehin Unterstützer. D. sagt, das habe B. ihnen gegenüber nicht ausgesagt. Ihm sei das Differenzieren nach Abstammung wichtig gewesen und er habe für sich in Anspruch genommen, dass er eben diese Differenzierung vornehmen könne. So habe er geschildert, dass ein blaues Auto vorm Dönerladen entlang gefahren sei und er die erhobene Waffe heruntergenommen habe, da im Auto nach seiner Wahrnehmung nur Weiße gesessen hätten.
Die Vorsitzende sagt, sie springe nun zur Vernehmung vom 23. November 2019, in welcher B. gefragt worden sei, wann er das erste Mal die Idee gehabt habe, eine solche Tat zu begehen. Der Zeuge D. sagt, B. habe drei Ereignisse angeführt, die ihn zur Tat geführt hätten: Im Jahr 2013 sei er gesundheitlich schwer krank, dem Tod näher als dem Leben, gewesen und habe ein Jahr gebraucht, um sich wieder bewegen zu können. Sein Studium habe er danach nicht wieder aufgenommen. Er sei von der Menschheit und den Ärzten enttäuscht gewesen. Zwei Jahre später, im Jahr 2015, sei die “Flüchtlingskrise” für ihn eine Zäsur gewesen. Er habe Flüchtlinge als sehr aggressiv wahrgenommen und etwa erwähnt, dass sich das christliche Spanien bereits im Mittelalter gegen die Muslime habe wehren müssen und nun in einer ähnlichen Situation sei. In ihm sei die Überzeugung entstanden: “Ich muss mich jetzt bewaffnen.” B. habe damals die [XXX, Waffenbezeichnung Anm. democ.] gekauft, die er auch während der Tat im Auto dabei, aber nicht eingesetzt habe. Ende 2015 habe B. angefangen, Waffen selbst zu bauen. D. fasst zusammen, B. sei nun enttäuscht, unzufrieden und bewaffnet gewesen. Als drittes Ereignis habe er die Tat von Christchurch angegeben und in der Vernehmung sinngemäß gesagt, damals habe er gedacht: “Der tut doch was, der ist auch unzufrieden. Ich könnte doch auch Menschen umbringen.” Den Tatentschluss habe er demnach am 15. März 2019 getroffen, habe aber noch Zweifel gehabt. Selbst zwei Tage vor der Tat, als er den Mietwagen lieh, den er nutzen wollte, habe er noch gezweifelt, ob er die Tat wirklich “durchziehe”. Sicher sei er erst gewesen, als er in Kampfmontur und bewaffnet das Haus seines Vaters verlassen und den Schlüssel weggeworfen habe.
Die Vorsitzende zitiert aus dem Personenbericht, den D. verfasst hat. Demnach habe B. zu der Zeit zwischen 2013 und 2015 nichts gesagt. Ihr, der Vorsitzenden, erscheine es unplausibel, dass er in dieser Zeit nichts getan habe, um sein altes Leben wiederzuhaben. So hätte er ja vorher in Magdeburg Molekular[unverständlich] und in Halle Chemie studiert.
D. bestätigt das und schildert die Lebenssituation B.s. Das Studium habe ihm nach Aussage seiner Großmutter Spaß gemacht. B. habe rund 120 Euro BAföG erhalten und sei von seinen Eltern unterstützt worden. Zunächst habe er nach seiner Erkrankung im Haus des Vaters gelebt, dort sei es ihm mit seinen Einschränkungen leichter gefallen, sich zu bewegen. Dieses Wohnverhältnis habe aber nicht lange gehalten, ehe er wieder zur Mutter zog. Diese habe ihm die Krankenkasse bezahlt und “das Leben ermöglicht”, indem sie Wohnung, Einkäufe und ein Auto finanzierte. Die Vorsitzende merkt an, dass B. ja auch bescheiden gelebt habe. Sein Vater habe die finanzielle Unterstützung nach Ende des Studiums eingestellt, die Mutter habe ihm monatlich 200 Euro gezahlt. Die Vorsitzende spekuliert, dass sie dies in der Hoffnung getan haben könnte, dass B. sein Studium wieder aufnehme. Sie fragt, ob das nicht vorhandene Geld für B. eine Rolle für die Tat gespielt habe. Der Zeuge D. sagt, dass kein Geld zu haben, einen wichtigen Aspekt der Tat tangiere. B.s Mission sei es gewesen, zu zeigen, dass man auch mit wenig Geld und selbstgebauten Waffen, “etwas tun” könne. 
Die Vorsitzende fragt nach der Vernehmung vom 27. November 2019, in der die Aussage “Schlüssel weg, jetzt ziehe ich es durch” und die Granate auftauche.
D. sagt, B. habe sich in der Vernehmung zur Granate und den Brandsätzen sehr eindrücklich geäußert. Sie, die Vernehmungsbeamten, hätten hören wollen, was sie sich aufgrund des Videos natürlich hatten denken können. Als sie ihn gefragt hätten, sei die Antwort wie eine Explosion aus ihm herausgekommen: “Natürlich wollte ich sie erschießen, dafür war ich ja da!” [D. imitiert B., schreit dabei fast, beugt sich weit über den Tisch, Anm. democ.]. [XXX, es geht um Details der Tatplanung, Anm. democ.]
Die Vorsitzende fragt, ob B. auch einmal Selbstkritik geäußert habe. D. überlegt lange: “Selbstkritik? Mhh…” Die Vorsitzende präzisiert: “Na, weil ja nicht alles so gelaufen ist. Man könnte auch sagen, er ist grandios gescheitert.” D. sagt, B. hätte an vielen Stellen ausgesagt, er hätte vieles falsch gemacht oder vergessen. So sei er beim Schusswechsel mit den Polizisten etwa am Hals getroffen worden, als er sich ins Auto hinunterbeugte, um ein Feuerzeug für seine Rauchgranate zu holen, dabei habe er zwei Ersatzfeuerzeuge in seinen Hosentaschen getragen. Diese hätte er schlicht vergessen. Auch die Toten, die er nicht habe erschießen wollen, oder die zerschossenen Reifen hätten ihn geärgert. 
Die Vorsitzende fragt nach der Situation mit Mandy R. vor der Synagoge. In einer Vernehmung habe B. gesagt, er wisse nicht mehr, ob er auf sie gezielt habe. Er sei im Kampfmodus gewesen und habe Feinde töten wollen. Die Waffe habe aber geklemmt. […] [XXX, es geht um Details der Waffen, Anm. democ.]
Die Vorsitzende zitiert nochmals aus den Vernehmungsakten. Es geht um die Schüsse auf Jana L., als diese schon am Boden lag. B. habe dazu “der Feind am Boden…drauf” gesagt. D. sagt, da sei es um die bereits geschilderte Situation aus Norwegen gegangen. B. habe sichergehen wollen, dass von L. keine Gefahr für ihn ausgehe.
Die Vorsitzende spricht nun die Situation im Dönerimbiss an, zu der sich B. eingelassen habe. Sie will wissen, wie B.s Situation auf sein “Lebt der immer noch?” im Video bei dessen Inaugenscheinnahme während der Vernehmung gewesen sei. D. überlegt eine Weile. Die Reaktion sei unauffällig gewesen, sie hätten das Video aber auch nicht ständig gestoppt.
Woran B. später den Polizeiwagen erkannt habe, könne er nicht sagen. Sie selbst würde bei der Polizei in so einer Situation eher flüchten, sagt die Vorsitzende, warum habe B. das nicht getan, sondern sei aus dem Auto ausgestiegen. D. meint, B. habe die Polizisten erschießen wollen, damit er in die Innenstadt gelangen und dort nach Hautfarbe hätte töten können. Sie hätten ihn gefragt “Warum flüchten Sie?”, da dieses Verhalten nicht zu dem Vorhaben, im Kampf zu sterben, gepasst habe. […]
Er sei dann ins Auto gestiegen, weggefahren und noch einmal an der Synagoge vorbeigefahren, wobei er sich vermutlich eher verfahren habe, zitiert die Vorsitzende aus den Akten. Auf der Magdeburger Str. sei es dann zur Kollision mit einem “schwarzhäutigen Menschen” gekommen. 
D. sagt, daran habe B. nur vage Erinnerungen gehabt. Er habe in der Vernehmung angegeben, er sei nur geradeaus gefahren, das habe aber nicht gestimmt. Der Schwarze sei auf die Straße und dann wieder zurückgetreten. B. habe sich an die Kollision nicht erinnern können. Sie hätten ihn explizit gefragt: “Der erste Schwarze und Sie halten nicht an und erschießen ihn?” B. habe nur gesagt: “Ja, gute Frage.” Er sei auf der Flucht gewesen und habe nur weggewollt. 
Die Vorsitzende fasst das weitere damalige Geschehen zusammen. B. sei weiter mit dem Auto unterwegs gewesen, über die B100 gefahren und habe die Ortsgemeinde Landsberg erreicht. Er habe sehr unter Stress gestanden, das Auto nicht richtig im Griff gehabt, “für jemanden, der sich so mit Technik auskennt, erstaunlich.” So sei etwa der Scheibenwischer permanent an gewesen, obwohl es trocken gewesen sei. 
D. sagt, B. habe ein Auto mit Handbremse gesucht, in Landsberg bei mehreren Häusern geklingelt, aber niemand habe aufgemacht. Er habe dann einen älteren, grünen Wagen gesehen und diesen haben wollen. Er habe jemanden hinterm Haus gehört und sei dort hingegangen.
RA Günther regt eine Pause an, da es im Saal sehr stickig sei. Die Vorsitzende ordnet eine 45-minütige Pause an.
Pünktlich um 15:35 Uhr geht es weiter. Die Vorsitzende fragt D., wie B. die Auseinandersetzung mit dem Besitzer des alten, grünen Autos geschildert habe.
D. erzählt, B. habe in der Vernehmung geschildert, wie er geklopft oder geklingelt habe. Er sei dann um das Haus herum gegangen und habe einen Mann, den er dort antraf, gefragt: “Ist das Ihr Auto?” Der Mann [Jens Z., Anm. democ.] habe das bejaht, habe das Auto aber nicht herausgeben wollen. B. habe auf seine [XXX, es geht um Details der Waffe, Anm. democ.] gezeigt und so unausgesprochen gedroht. Sie hätten minutenlang über das Auto diskutiert. Der Besitzer habe gesagt, B. kriege das Auto nicht und er habe den Autoschlüssel nicht. B. habe sich dann entschieden, auf den Besitzer zu schießen, nachdem dieser etwas “aufmüpfiges” gesagt habe. In der Vernehmung habe er gesagt, er habe Angst gehabt, andernfalls die Kontrolle über die Situation zu verlieren und entwaffnet zu werden. Eine Frau sei dann, nach dem Schuss, dazugekommen [Dagmar W., Anm. democ.] und habe den Mann aufgefordert, B. die Schlüssel auszuhändigen. Dem sei der Mann aber nicht nachgekommen. B. habe die Waffe nachgeladen und auf die Beine der Frau geschossen, damit diese nicht die Polizei holen könne. Die Frau habe gesagt: “Bitte gehen Sie jetzt.” Daraufhin ist B. gegangen.
B. sei daraufhin zu einer Werkstatt gegangen, bei der mehrere Taxis standen. Diese hätte er schon vorher gesehen, habe sich aber nicht hingetraut, da sich dort nicht eine, sondern drei Personen aufgehalten hatte und er nur einen Schuss in seiner Waffe hatte. Er habe Angst gehabt, überwältigt zu werden. Außerdem habe er ein altes Auto haben können. Nachdem er am Raub des grünen Autos scheiterte, habe er sich aber entschieden, sich eines der Taxis zu holen. B. habe die Männer aufgefordert, ihm einen Wagenschlüssel zu geben und habe diesen direkt bekommen. [XXX, es geht um Details der Tatplanung und -durchführung bzgl. des Autos, Anm. democ.]
Die Vorsitzende liest aus der Vernehmung vor: Einer der Männer habe B. vorgeschlagen, ihn wegen seiner offensichtlichen Schussverletzung ins Krankenhaus zu fahren. B. habe erwidert: “Nein, ich bin der meistgesuchte Verbrecher Deutschlands und habe schon zwei Menschen angeschossen.” Er habe sich beim Weggehen gewundert, dass sich die Männer nicht wehren und sich noch umgeschaut, ob sie ihn nun verprügeln würden. […]
Die Vorsitzende sagt, für morgen seien Mutter, Vater und Schwester des Angeklagten geladen. Wegen des möglichen Verwertungsverbotes habe sie keine Fragen in diese Richtung an den Zeugen.
Sie fragt aber nach der finanziellen Situation B.s. D. sagt, sie hätten im Rahmen der Ermittlungen verifiziert, dass B. keine Sozialleistungen erhalten habe. Er habe sich einmal arbeitslos gemeldet, sei dann aber direkt in eine Maßnahme gesteckt worden und habe den Antrag zurückgezogen. Er hatte eigentlich nur eine Bescheinigung für die Bundeswehr gebraucht, wie B. der Vorsitzenden Richterin sagt. D. stimmt zu: B. sei bei der Bundeswehr gewesen, er habe gerade noch zu dem Jahrgang gehört, der Wehrdienst habe leisten müssen. Er sei ein halbes Jahr Panzergrenadier gewesen und sei an Schusswaffen ausgebildet worden. Nach seiner “Bauchgeschichte” [der Erkrankung im Jahr 2013, Anm. democ.] habe sich B. noch einmal bei der Bundeswehr beworben. Er habe dort einen Lebenslauf eingereicht und in diesem von einem Sportunfall im Jahr 2013 gesprochen. Er habe eine Einladung zum Bewerbungsgespräch gehabt, diesen Termin aber zwei Tage vorher abgesagt und sich nicht mehr gemeldet. Die Sache sei für die Bundeswehr damit erledigt gewesen. Aus den Unterlagen sei ohnehin hervorgegangen, dass B. schlechte Aussichten im Bewerbungsverfahren gehabt hätte. Das habe B. aber nicht gewusst.
Die Vorsitzende fragt, ob man den Unterlagen der Krankenkasse habe entnehmen können, welche Behandlungen stattgefunden hätten. D. sagt, das sei aufgrund des Datenschutzes und der ärztlichen Schweigepflicht nicht zu ermitteln gewesen.
Die Vorsitzende und die anderen Richter des Staatsschutzsenates haben keine weiteren Fragen.
Bundesanwalt Kai Lohse fragt, was B. zu seiner Bitcoin-Transaktion gesagt habe. D. sagt, B. habe eine Spende oder Schenkung über 0,1 Bitcoin von einem “Mark” bekommen. Wer oder was Mark sei, sei aber unklar geblieben. Die Schenkung stamme aus einer Zeit, als der Bitcoin-Kurs noch nicht so hoch war. Es sei damals in manchen Chats oder Imageboards üblich gewesen, seine Adresse in der Hoffnung, “mal eine Spende zu bekommen”, zu posten. Die Zeitpunkte der Schenkung und der Umsetzung in Bargeld habe man nicht ermitteln können. Sie könnten nur Vermutungen anstellen. Es seien wohl rund 1.000 Euro gewesen, das könne zusammenfallen mit dem Kauf der [XXX, Name des industriell gefertigten Gewehrs, das sich B. gekauft hatte, Anm. democ.] im Jahr 2015.
Lohse fragt, wie B. die 0,1 Bitcoin veräußert habe. D. sagt, B. hätte sich offline mit einer Person in einem Kaufhaus getroffen, einem Kaufland oder Kaufhof in Eisleben. Er hätte der Person dort einen USB-Stick übergeben, auf der die Bitcoin in einem Wallet gespeichert war. Mit Laptops hätten sie dann noch vor Ort geschaut, ob der Transfer funktioniert habe und B. habe das Bargeld erhalten.
Lohse fragt nach einer Notiz, die beim Angeklagten gefunden wurde [unklar wo, Anm. democ.] und auf der unterschiedliche Orte, etwa im Harz und Schwarzwald, notiert gewesen sein sollen. D. sagt, B. habe in der Vernehmung angegeben, dass es sich dabei um mögliche Fluchtorte gehandelt habe, an denen er auch sein Video noch habe hochladen wollen.
Lohse fragt, ob B. etwas zur Frage gesagt habe, ob er Kontakte mit Dritten gepflegt habe. D. sagt, das sei schwer zu sagen. B. habe verschieden Online-Kontakte gehabt. Einige Fragen diesbezüglich habe er bereitwillig beantwortet. Zu Avataren, Nicknamen oder Passwörtern habe er aber die Aussage mit der Begründung verweigert, er wolle die jeweiligen Boards und deren Betreiber schützen.
Mit rechten Gruppen oder Personen getroffen habe B. sich nach seiner Aussage nicht. Er habe gesagt, es gäbe keine Gruppen, die so denken würden wie er, sonst seien diese verboten. Er sei nie auf rechten Demonstrationen oder Konzerten gewesen.
Die Polizei habe auch beim Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt, dem BND und dem MAD angefragt: Nirgendwo hätten Erkenntnisse zu Kontakten B.s vorgelegen. Außerdem hätten die Ermittler mit einem Bekannten B.s aus dessen ersten Lebensjahren gesprochen. Dieser habe sinngemäß gesagt: “Ich bin der Rechte hier im Ort und wüsste, wenn B. dabei gewesen wäre.” Auch andere Quellen seien durchs BKA direkt und ergebnislos angesprochen worden.
Bundesanwalt Lohse will wissen, wie B. reagiert habe, als während der Inaugenscheinnahme des Videos der Beschuss der Handwerker zu sehen gewesen sei. D. meint, B. habe die beiden beschossen, weil er sie für Muslime gehalten habe. Er sei sehr verwundert gewesen, dass er sie mit dem ersten Schuss nicht getroffen habe. Er sei beim Ansehen des Videos aufrichtig enttäuscht gewesen, dass er sie nicht getroffen hatte. 
Lohse fragt nach der Situation, in der B. auf Jens Z. schoss und zitiert aus den Vernehmungsakten: “Ich konnte keinen Warnschuss abgeben. Ich habe abgedrückt, richtig zielen konnte ich aber nicht.” [XXX, es geht um Details der Tatplanung, Anm. democ.] Mit dem vorgehaltenen Zitat habe er vermutlich gemeint, dass er nicht auf Kopf, Hals oder Brust gezielt habe. 
Lohse fragt, wie B. die Situation vor seiner Festnahme an der Baustelle beschrieben habe. D. sagt, B. habe einen Polizeiwagen wahrgenommen, sei deshalb über Rot gefahren und habe dann einen LKW touchiert. Beim Aussteigen hätte er, seiner Aussage zufolge, gern weitergekämpft, aber habe ja keine Waffe mehr gehabt.
Lohse fragt nun zur Personenbeurteilung, die D. verfasst hat, und zum Internetverhalten und den Datenträgern des Angeklagten. D. berichtet, dass er die Internetbewertung nicht übernommen, aber von seinen Kollegen übernommen und mit Fußnoten im Personenbericht kenntlich gemacht habe. Er erinnere sich, dass die Kollegen versucht hätten, den Firefox-Browser auszuwerten, dies sei aber schwierig gewesen, da der Angeklagte [XXX, seine Spuren verschleierte, Anm. democ.]. Einige Spuren hätten sie allerdings trotzdem gefunden: Teils habe man rekonstruieren können, welche Seiten B. aufgerufen habe, allerdings nicht, was er dort dann genau getan habe. Außerdem sei natürlich nicht auszuschließen, dass auch eine andere Person den PC genutzt haben könnte.
Die Kollegen hätten die Daten nach verschiedenen konkreten Gesichtspunkten ausgewertet. So habe man festgestellt, dass B. zum Christchurch-Attentat alles gespeichert hätte, was er habe finden können. Die Spiele, die er genutzt habe, seien recht normal und nicht spezifisch rechtsextrem oder antisemitisch gewesen.
B. habe allerdings verschiedene Gewaltvideos gespeichert, wie etwa die Zerstückelung eines Kindes oder verschiedene Videos des IS. Lohse fragt, ob D. bestimmte Accounts erinnerlich seien. D. bittet um einen Vorhalt. Lohse fragt nach B.s Steam- oder Twitch-Accounts. D. sagt, er sei sich nicht sicher. Da er selbst nicht spiele, könne er sich die Spiele immer nur schlecht merken. Zur Nutzung der Chat-Funktion bei Steam könne er nichts sagen. E-Mail-Konten habe der Angeklagte verschiedene gepflegt, z. B. eine eigene nur für eBay-Kleinanzeigen, eine alte Adresse mit dem Namen kommissar1337 oder verschiedene E-Mail-Adressen, für die er seinen realen Namen genutzt habe.
Mit RA Christian Eifler beginnt die Befragung D.s durch die Nebenklage. RA Eifler will wissen, ob B. in der Vernehmung Reaktionen gezeigt habe, als im Video der Tat Herr S. [der Erschossene im “Kiez Döner”, Anm. democ.] zu sehen gewesen war, der “um sein Leben wimmerte”. D. sagt, er glaube B. habe diese Situation gar nicht kommentiert. Ein anderer RA will wissen, ob B. in der Vernehmung gelacht habe. D. sagt, B. habe immer wieder gelacht, es sei regelrecht aus ihm herausgeplatzt. […] D. wird auf die unterschiedlichen Pausenlängen bei der Vernehmung angesprochen. Bei der ersten Vernehmung seien 1:35 Stunden Pause gemacht worden, bei der zweiten 19 Minuten, bei der dritten gar keine. D. erklärt das mit den Abläufen der JVA Halle. Sie hätten grobe Absprachen gehabt, sich aber auch nach den festen Pausenzeiten der JVA richten müssen. B. selbst habe die Pausen gar nicht in Anspruch oder ausreizen wollen und hätte etwa nach dem Einnehmen seines Mittagessens dazu aufgefordert, die Befragung nun fortzusetzen.
RAin Ilil Friedman [vertritt den angefahrenen Abdi R. I.] fragt, warum B. vor der Straßenbahnhaltestelle die Spur gewechselt habe. D. sagt, aus der Akte ginge hervor, dass B. das getan habe, um die Spur zu wechseln. Ob er sich auch in der Vernehmung entsprechend geäußert habe, wisse er nicht mehr. Er selbst rekonstruiere es aber so: B. sei auf der rechten Spur gefahren, dann einer Menschenmenge, die aus einer Straßenbahn gekommen sei, ausgewichen und auf die linke Spur gefahren, dort sei es zur Kollision gekommen, im Anschluss sei er wieder nach rechts gefahren. RAin Friedman hakt nach, ob er das aus der Vernehmung oder der Akte beschrieben habe. D. sagt, dies seien seine Schlussfolgerungen aus der Akte. In der Vernehmung habe B. verwirrende Angaben gemacht und seinen Fluchtweg beispielsweise falsch eingezeichnet, als sei er generell auf der linken Spur, in die falsche Fahrrichtung, gefahren.  
RAin Pietrzyk fragt, ob D. wisse, warum er B. nach der “Atomwaffendivision” gefragt habe.
D. antwortet, B. habe Bezüge auf diese wohl auf seinen Datenträgern gehabt, er habe das aber nicht selbst gesehen. RAin Pietrzyk hält ihm die entsprechende Stelle aus der Vernehmung vor: Die Vernehmungsbeamten hätten gesagt “Wir haben auf Ihren Datenträgern die ‘Atomwaffendivision’ gefunden.” RAin Pietrzyk will wissen, wie B. reagiert habe. D. sagt, die “Atomwaffendivision” hätte für B. keine große Bedeutung gehabt. Er hätte die entsprechenden Dateien in einem “shit-post folder” abgespeichert. Er hätte sie offenbar für interessant erachtet und sicherheitshalber abgespeichert, vielleicht bräuchte er sie ja noch einmal. RAin Pietrzyk hält D. B.s Antwort aus den Vernehmungsakten vor: “Ich wäre froh, wenn sie echt wären.” Dann habe B. wohl an der Echtheit gezweifelt, schließt D. Die Antwort sei ihm nicht mehr erinnerlich gewesen.
RAin Pietrzyk will wissen, ob D. sich noch erinnern könne, was für eine Granate B. über die Mauer der Synagoge geworfen habe. D. sagt, B. habe diese [XXX, Kürzel des Sprengstoffs, Anm. democ.]-Granate genannt. D. vermutet, RAin Pietrzyk wolle darauf hinaus, ob es eine Splittergranate sei. Er könne aber nur wiedergeben, dass B. immer von [XXX]-Granate gesprochen habe.
RAin Pietrzyk befragt D. zu B.s Verhalten im Internet. B. habe laut D. viel “shitposting” betrieben, also “Frechheiten” oder “Gemeinheiten” gepostet. Dies sei für ihn ein Ausdruck von Meinungsfreiheit gewesen. Er habe gesagt, Meinungsfreiheit sei nicht, wenn man “Guten Tag” sagen dürfe. Mehrfach sei er laut seinen Aussagen bei verschiedenen Boards gesperrt worden.
RAin Pietrzyk hält D. die Frage “Waren Sie im Darknet? Was haben Sie da gemacht?” aus der Vernehmung vor. B. habe darauf laut Akten geantwortet, das sei langweilig, da gäbe es nur Imageboards, die “tot” seien, oder Kinderpornos. [XXX, Name des Attentäters vom OEZ, München, Anm. democ.] habe ja angeblich seine Waffe dort her, er selbst, B., habe aber nichts Entsprechendes gefunden.
D. sagt, jetzt erinnere er sich. B. habe den Attentäter von München als schlechtes Beispiel erwähnt. Dieser habe ja zweimal für Waffen bezahlt und keine erhalten. B. habe einmal getestet, wie seriös die Waffenanbieter im Darknet seien und ein Bild einer angebotenen Waffe über die Google-Rückwärtssuche gesucht und gefunden. Er habe daraus geschlossen, dass es ein Fake-Angebot sei und er “nur beschissen” würde.
RAin Pietrzyk vergewissert sich, ob B. [XXX, Name des Attentäters vom OEZ, München, Anm. democ.] von sich aus erwähnt habe. D. bestätigt das.
Die RAin will dann wissen, wie B. den Sprengsatz bezeichnet habe, den er am “Kiez Döner” eingesetzt habe. D. fängt an, die Einsatzweise zu beschreiben. RAin Pietrzyk unterbricht ihn, sie wolle nur wissen, wie B. den Sprengsatz bezeichnet habe. D. sagt, er wisse nicht, wie dieser genannt worden sei, sondern nur, wie er funktioniert habe. RAin Pietrzyk hält ihm B.s Aussage aus der Vernehmung vor: “Von den Nagelbomben habe ich eine mit 300 Gramm Sprengstoff drin in den Döner werfen wollen.” D. sagt, er könne sich an diese Aussage erinnern.
RAin Pietrzyk will wissen, wie sich der Angeklagte bei Twitch [Streaming-Plattform, Anm. democ.] bewegt habe. D. sagt, B. habe dort einen Account “spilljuice” einige Monate vor der Tat angelegt, um die Tat streamen zu können und habe das streamen auch getestet. “Hat er den Account nur dafür angelegt?”, will RAin Pietrzyk wissen. D. bejaht das. Er habe außerdem gesagt, dass er aus El Paso und Christchurch gelernt habe und nicht Facebook für den Stream habe nutzen wollen, weil dieses nach dem Anschlag von Christchurch seinen Algorithmus so geändert habe, dass es entsprechende Streams von Gewalttaten schnelle offline nehmen könne. Er habe sich deshalb für Twitch entschieden. 
RAin Pietrzyk fragt, warum B. einer seiner Dateien auf Japanisch benannt habe. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.] Außerdem stecke wohl auch hinter diesem Namen eine Art Witz. [XXX, Details zur Tatplanung, Anm. democ.]
RAin Pietrzyk spricht die Übersetzung der Bitcoins in Bargeld an: Ihr komme es seltsam vor, dass B. eine Person über das [unverständlich, vielleicht “Straw”, Anm. democ.]-Netzwerk kennengelernt und diese, die überall auf der Welt hätte leben können, dann ausgerechnet in Eisleben getroffen habe. Sie will wissen, ob D. einmal nachgehakt habe, warum sich die beiden Männer ausgerechnet in Eisleben getroffen hätten. B. habe erzählt, berichtet D., dass die Person nicht aus Eisleben gekommen, sondern stundenlang angereist wäre. Er habe sie vorher nicht gekannt.
RAin Pietrzyk fragt, ob B.s Bauanleitungen der Waffen mit anderen Waffen rechter Straftäter abgeglichen worden seien. D. sagt, damit sei er nicht betraut gewesen, er könne daher nichts dazu sagen.
RAin Lang fragt, ob B. etwas dazu gesagt habe, in welcher Sprache er sich mit seiner Mutter unterhalten habe. D. sagt, das sei auf Deutsch, aber auch teilweise auf Englisch gewesen. Es sei dabei aber nicht so gewesen, dass bestimmte Themen nur auf Deutsch, andere auf Englisch thematisiert worden seien.
Ein RA fragt, wie B.s Hass auf Flüchtlinge zustande gekommen sei. D. sagt, dieser sei durch die “Flüchtlingskrise” 2015 verstärkt worden, es hätte sich in der Vernehmung aber auch nicht ergeben, dass B. diesen nicht vorher auch schon gehabt habe. Sein Hass auf Juden sei eine allgemein gehaltene Verschwörungstheorie gewesen: Das wisse man doch, man lese über Juden in den Nachrichten oder im Internet.
RA David Herrmann fragt, ob B. im Dönerimbiss die sitzende Person mit weißen Haaren habe erschießen wollen und woran es ggf. gescheitert sei. B. habe die Person vermeintlich als Muslim und deshalb erschießen wollen, sagt D. Sie sei aber erfolgreich weggelaufen. 
RA Herrmann will wissen, ob D. die Funktionsweise von Imageboards erklären könne. D. verneint das: “Leider kann ich das nicht.” RA Herrmann bittet das Gericht, einen Experten zu diesem Thema einzuladen. Dieser sei wichtig, um zu verstehen, inwiefern sich B. tatsächlich allein radikalisiert habe.
RAin Doreen Blasig-Vonderlin fragt, ob die Vernehmungsbeamten B. bei der Inaugenscheinnahme des Tatvideos gesagt hätten, dass die beiden Männer im Video weiße Deutsche gewesen seien. D. sagt, das hätten sie ihm nicht gesagt. Er nehme an, dass B. es später irgendwie erfahren habe, aber das wüsste er nicht. Es sei üblich, dass sie in einer Vernehmung manches Wissen nicht mit dem Beschuldigten teilten.
RA Siebenhüner befragt D. zu B.s Computer und der Hausdurchsuchung. D. sagt, das BKA habe keine Hinweise auf andere Nutzer des Rechners gehabt. [XXX, Details zur Art, mit der B. seine digitalen Spuren verschleierte, Anm. democ.] Er selbst, D., sei bei der Durchsuchung der mütterlichen Wohnung zwar nicht dabei gewesen, wisse aber von Kollegen, dass es dort Hinweise gegeben habe, dass B. von einer Durchsuchung ausgegangen sei. So habe er der Akte entnommen, dass B. einen Zettel mit dem Wort “Niete” beim Waffenkoffer unter seinem Bett hinterlegt hatte, der im Moment der Durchsuchung ja leer gewesen sei.
RA Siebenhüner fragt, ob D. ein bestimmtes ungewöhnliches Verhalten B.s in der Vernehmung erlebt habe, er sei schließlich erfahrener Kriminalbeamter. Das unpassende häufige Lachen sei ihm aufgefallen, sagt. D. Selbstgespräche, nach denen RA Siebenhüner fragt, habe B. in seiner Gegenwart nicht geführt.
RA Özata hält D. ein Foto der verschiedenen Sprengsätze vor [das einem der Dokumente, die B. zur Tat hochgeladen hatte, entstammt, Anm. democ.] und fragt, was auf diesem zu sehen sei. D. erzählt, dass sie das Foto B. in der Vernehmung gezeigt hätten und B. ihnen alle darauf zu sehenden Waffen benannt und erklärt habe. [XXX, Details zur Bewaffnung B.s, Anm. democ.] RA Özata fragt, ob B. gesagt habe, was er mit [XXX, Waffe, Anm. democ.] vorgehabt hätte. Die Verletzungsabsicht habe im Vordergrund gestanden, sagt D., aber er könne sich nicht mehr genau erinnern, da müsste RA Özata einen Vorhalt machen. RA Özata hält ihm eine Aussage aus der Vernehmung vor, der zufolge er mit [XXX, Waffe, Anm. democ.] Menschen habe verletzen wolle, um sie dann anschließend zu töten. D. sagt, daran könne er sich erinnern.
RA Özata fragt, was B. mit [XXX, Waffe, Anm. democ.] vorgehabt habe. Er hält D. eine Aussage vor, laut der B. diese mit der “Zielrichtung zu töten” eingesetzt haben wolle. [XXX, D. äußert, dass B. Waffe nicht direkt zum Töten einsetzen wollte, Anm. democ.] RA Özata sagt, das lese er aber anders und hält D. noch einmal die Stelle aus der Vernehmung vor: “mit der Zielrichtung zu töten.” D. räumt ein, dass er sich daran nicht mehr habe erinnern können. [XXX, Details zur Bewaffnung B.s, Anm. democ.] RA Özata hakt nach, dass ein Achievement doch aber “Stab a muslim.” gelautet habe. [XXX, Details zur Bewaffnung B.s, Anm. democ.]
RAin Pietrzyk will sich ausdrücklich der Anregung von RA Herrmann anschließen und schlägt vor, Karolin S. als Sachverständige zu laden. Diese sei ausgewiesene Expertin zu Online-Rechtsextremismus und den entsprechenden Plattformen.
Die Vorsitzende sagt, der Strafsenat werde diese Anregungen auf jeden Fall prüfen.
Sie entlässt den Zeugen D. und wünscht ihm eine Gute Heimreise nach Meckenheim.

Veröffentlicht: 5. August 2020

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