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Prozess in Magdeburg
#51
Grauenhaft die Sagen.
Aber zu Wiedersdorf kann frei erfunden werden.
Geil natürlich das da so ein zweiter Reifen geplatzt ist. Halt einfach so, oder hatte der Fernsehkoch schon mal was vorbereitet?
Antworten
#52
Zitat:


Zitat:10.38 Uhr: Opfer aus Wiedersdorf kritsieren Polizeieinsatz
[...]
Auch bei Toni M. zeigt sich, was die Taten von Stephan B. angerichtet haben. Die Zeugin meidet Menschenansammlungen, traut sich kaum mehr aus dem Haus. Sie habe ihre im August geborene Enkelin bis heute nicht gesehen, weil sie die Strecke dorthin nicht fahren könne. Zur Hochzeit der Tochter habe sie auch nicht fahren können. „Man kann keinen Bus mehr fahren, man möchte am liebsten gar nicht mehr rausgehen, obwohl es zu Hause ja auch nicht schön ist, weil man daran erinnert wird, wo es passiert ist.“
[...]


Glaube ich nicht.
Antworten
#53
Halle-Prozess wird länger als geplant ausgesetzt

Der Prozess um den antisemitischen Terroranschlag von Halle pausiert länger als geplant. Der einzige für diese Woche angesetzte Verhandlungstermin am Mittwoch müsse entfallen, teilte das Oberlandesgericht am Montag in Naumburg mit. Grund sei die Erkrankung von Prozessbeteiligten. Das Gericht betonte, dass es sich nicht um eine Corona-Infektion handele.
Damit pausiert die Verhandlung jetzt für zwei Wochen, sie wird am 13. Oktober fortgesetzt. Zuletzt hatten vorigen Mittwoch die Überlebenden des Ortes Wiedersdorf ausgesagt, die der Attentäter auf der Flucht bedroht und angeschossen hatte, um ein Auto zu rauben.
TRAUMA Seit Juli arbeitet der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts den Terroranschlag vom 9. Oktober 2019 mit zwei Toten und vielen Verletzten und Traumatisierten auf. Aus Platzgründen wurde der Prozess in den größten Verhandlungssaal des Landes im Landgericht Magdeburg verlegt. Derzeit sind Termine bis Mitte November angesetzt.
Angeklagt ist ein 28 Jahre alter Deutscher. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, »aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus einen Mordanschlag auf Juden« geplant zu haben. Der Angeklagte Stephan B. hat die Taten gestanden.
Als ihm misslang, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur in die Synagoge einzudringen, erschoss der Attentäter eine 40 Jahre alte Passantin. Im Anschluss attackierte er in einem nahen Döner-Imbiss und tötete einen 20 Jahre alten Mann. Auf seiner Flucht verletzte er weitere Menschen, ehe er von der Polizei gefasst wurde. dpa

https://www.juedische-allgemeine.de/poli...usgesetzt/
Antworten
#54
(30.09.2020, 10:17)Boris B schrieb: Der einzige für diese Woche angesetzte Verhandlungstermin am Mittwoch müsse entfallen, teilte das Oberlandesgericht am Montag in Naumburg mit. Grund sei die Erkrankung von Prozessbeteiligten. 

Ja wer könnte das wohl sein?
Einer der Richter? Oder von der Staatsanwaltschaft? Da sind ja nicht grundlos  mehrere Vertreter der Staatsmacht.  Also unplausibel.

Wenn es ein Zeuge oder  Nebenkläger könnte ein anderer Zeuge vorgezogen werden.

Bleibt  nur der Hauptdarsteller, ist der etwa aus seinem  "Wachkoma" seiner Trance erwacht  und spielte nicht mehr  mit?
Antworten
#55
(02.10.2020, 03:26)Hallo schrieb:
(30.09.2020, 10:17)Boris B schrieb: Der einzige für diese Woche angesetzte Verhandlungstermin am Mittwoch müsse entfallen, teilte das Oberlandesgericht am Montag in Naumburg mit. Grund sei die Erkrankung von Prozessbeteiligten. 

Ja wer könnte das wohl sein?
Einer der Richter? Oder von der Staatsanwaltschaft? Da sind ja nicht grundlos  mehrere Vertreter der Staatsmacht.  Also unplausibel.

Wenn es ein Zeuge oder  Nebenkläger könnte ein anderer Zeuge vorgezogen werden.

Bleibt  nur der Hauptdarsteller, ist der etwa aus seinem  "Wachkoma" seiner Trance erwacht  und spielte nicht mehr  mit?

Kann so sein, muß nicht so sein. Die dpa-Meldung war ohnehin nur ganz wenigen der Erwähnung wert. Neben der Jüdischen Allgemeinen, hatte sie noch die Volksstimme und T-Online (und home.1und1.de). So viel zum Interesse der Massenmedien am Prozeß.
dpa hat offensichtlich verträumt die (relevanten) 50 Worte der Pressemitteilung des OLG Naumburg übernommen, ein wenig angedickt und nicht nachgefragt. So gesehen sind sie selbst dran schuld, wenn die Spekulationen wild ins Kraut schießen...

Im Original ließt sich das wie folgt:

Zitat:(OLG NMB) Verfahren gegen Stephan B.: Fortsetzungstermin am 30.09.2020 entfällt 

28.09.2020, Naumburg (Saale) – 014/2020 

Oberlandesgericht

In dem Strafverfahren gegen Stefan B ist der Fortsetzungstermin am 30.09.2020 wegen einer (nicht im Zusammenhang mit der COVID 19 –Pandemie stehenden) Erkrankung von Prozessbeteiligten aufgehoben worden.
Die Verhandlung wird wie geplant am 13.10.2020 fortgesetzt. Was an diesem Tage Gegenstand der Beweisaufnahme sein wird, wird zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt.


Wolfgang Ehm
stv. Pressesprecher


Impressum:
[...]

Quelle: https://olg.sachsen-anhalt.de/aktuelles/...teilungen/

Dort findet sich denn auch (in der Pressemitteilung 013/2020) die geplante Liste der Fortsetzungstermine. Der 13. Oktober war ohnehin der nächste geplante Termin.

Zitat:Mittwoch, 30. September 2020, 09:30 Uhr, 
Es sind 7 Polizeibeamte als Zeugen geladen. Gegenstand der Beweisaufnahme werden voraussichtlich die Festnahme des Angeklagten sowie die weiteren Ermittlungsergebnisse sein.

Dienstag, 13. Oktober 2020, 09:30 Uhr, 
Es sind 3 rechtsmedizinische Sachverständige geladen.

Mittwoch, 14. Oktober 2020, 09:30 Uhr, 
Dienstag, den 3. November 2020, 09:30 Uhr,
Mittwoch, den 4. November 2020, 09:30 Uhr,
Dienstag, den 10. November 2020, 09.30 Uhr,
Mittwoch, den 11. November 2020, 09:30 Uhr,
Dienstag, den 17. November 2020, 09:30 Uhr,
Mittwoch, den 18. November 2020, 09:30 Uhr

Sein wir also mal gespannt, wer am 13. Oktober zu Worte kommt. Die Zeugen, die ursprünglich am 30. September aussagen sollten oder die rechtsmedizinischen Sachverständigen.
Antworten
#56
(OLG NMB) Verfahren gegen Stephan B.: Hauptverhandlungstermine ab dem 13. Oktober 2020 

05.10.2020, Naumburg (Saale) – 015/2020 
  • Oberlandesgericht
In dem Verfahren gegen Stephan B. sind folgende Termine zur Fortsetzung der Hauptverhandlung anberaumt:

Dienstag, den 13. Oktober 2020, 9:30 Uhr
Es sind insgesamt 8 Zeugen und Sachverständige geladen, der letzte für 15:00 Uhr. Es werden voraussichtlich Gutachten aus dem Gebiet der Rechtsmedizin und der Kriminaltechnik erstattet, ein Zeuge zu den Geschehnissen vor dem Dönerimbiss und Polizeibeamte zur Festnahmesituation vernommen.

Mittwoch, den 14. Oktober 2020, 9:30 Uhr
Für diesen Verhandlungstag sind insgesamt 7 Zeugen geladen, der letzte für 15:00 Uhr. Gegenstand der Beweisaufnahme werden wahrscheinlich Aspekte aus der Vorbereitungsphase und das Verhalten des Angeklagten in den Justizvollzugsanstalten sein.

Dienstag, den 3. November 2020, 9:30 Uhr
Es sind 2 Ermittlungsbeamte des Bundeskriminalamtes geladen. Sie werden voraussichtlich zu den von ihnen gefertigten Vermerken über den Inhalt der beim Angeklagten sichergestellten Speichermedien und die während der Tat gefertigten Videoaufzeichnungen vernommen. Ferner ist für diesen Tag die Erstattung der Sachverständigengutachten zur Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten erwogen.

Mittwoch, den 4. November 2020, 9:30 Uhr
Es ist eine sachverständige Zeugin geladen. Gegenstand der Beweisaufnahme werden voraussichtlich Internetaktivitäten im Anschluss an den Livestream vom 9. Oktober 2019 sein.

Anschließend sind weitere Fortsetzungstermin bestimmt auf:
Dienstag, den 17. November 2020
Mittwoch, den 18. November 2020
Dienstag, den 1. Dezember 2020
Dienstag, den 8. Dezember 2020
Mittwoch, den 9. Dezember 2020
Dienstag, den 15. Dezember 2020
Mittwoch, den 16. Dezember 2020

Es erscheint denkbar, dass vorbehaltlich weiterer Beweisanregungen und –anträge am 17. November 2020 die Schlussvorträge gehalten werden könnten. Ob die weiteren Fortsetzungstermine in vollem Umfang benötigt werden, ist derzeit nicht absehbar.
Die bisher auf Dienstag, den 10. November, und Mittwoch, den 11. November, anberaumten Termine sind aufgehoben.

Henning Haberland

https://olg.sachsen-anhalt.de/aktuelles/pressemitteilungen/
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#57
Ticker Prozeßtag 16 

Ticker der Mitteldeutschen Zeitung und der Volksstimme

Aus dem Gericht berichtet für die MZ Hagen Eichler, für die Volksstimme Anja Guse

Zur Unterscheidung: Die MZ hat ›.‹ in der Zeitangabe, die VS ›:‹

https://www.mz-web.de/halle-saale/anschl...n-37386688

https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/halle-attentat-der-16-prozesstag-im-liveticker

Als dritte Stimme aus dem Gerichtssaal verwende ich den Twitter-Kanal von Valentin Hacken (für Radio Corax in Magdeburg). (https://mobile.twitter.com/valentinhacken_)
Den jeweiligen Twitter-Block kennzeichne ich am Anfang mit TW.

                                                                                                    


Vorab: Darum geht es am 16. Tag der Verhandlung
Am inzwischen 16. Prozesstag soll es um die Festnahme des Attentäters gehen. Nach der Flucht über Wiedersdorf wurde Stephan B. an der B91 südlich von Halle gestellt. Geladen sind sieben Polizisten, die bei der Festnahme dabei waren oder weitere Ermittlungsergebnisse vortragen sollen.

09:17
Der Zuschauerraum ist voll.

09:27
Stephan B. wird in den Gerichtssaal geführt, in der Hand einen großen Briefumschlag. 

09:36
Die Verhandlung beginnt mit sechs Minuten Verspätung.

Erkrankung
09:38
Eine Richterin ist seit 28. September erkrankt und wird bis mindestens Ende des Jahres ausfallen. Deshalb wird ein anderer Richter in den Senat berufen.

Ballistik
09:45
Ein Ballistiker berichtet von seinen Untersuchungen.

9.46 Uhr: Gericht tauscht erkrankte Richterin aus
Der 16. Verhandlungstag beginnt mit einer Rochade im Gericht: Eine erkrankte Richterin ist bis zum 31. Dezember reise- und verhandlungsunfähig. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens ersetzt sie durch die Ersatzrichterin, die bereits die bisherigen 15 Prozesstage von einem Extraplatz aus verfolgt hat. Der Beschleunigungsgrundsatz verlange, nicht auf die Gesundung der erkrankten Kollegin zu warten, sagt Mertens.

Ballistik
09:48
Er berichtet: Für die Untersuchung wurden Bleischrote aus 70 Meter Entfernung auf Schafsleder und Gelantine geschossen. Die 70 Meter entsprechen etwa der Entfernung beim Schusswechsel zwischen dem Angeklagten und Polizisten. 

09:51
Diagramme werden gezeigt. Sie bilden ab, wann das Geschoss nach bestimmten Entfernungen abfällt und wie schnell sie sind.

09:57
Abbildungen zeigen, wie tief die Geschosse bei bestimmten Geschwindigkeiten in Schafsleder und Gelantine eindringen. Das Leder und die Gelantine werden als Ersatz für menschliche Haut und Körpermasse genutzt.

09:59
Stephan B. schaut sich die Ergebnisse genau an, rückt dafür extra näher an den Bildschirm heran. 

10.05 Uhr: Ballistik-Experte stellte Schrotflinten-Schüsse auf die Polizei nach
Bei der ersten Aussage des Tages geht es um die Frage, wie gefährlich die Schüsse waren, die der Angeklagte am Tag des Terroranschlags auf die Polizeibeamten in der Ludwig-Wucherer-Straße abgegeben hat. Der Ballistik-Professor Bernd Salziger vom Bundeskriminalamt hat dafür im Labor die Schüsse aus der Schrotflinte nachgestellt.
Gefeuert wurde auf einen mit Schafsleder bezogenen Gelatineblock, der den Eigenschaften des menschlichen Körpers entspricht. Das Ergebnis: Die kleinen Bleikügelchen aus der Patrone konnten mehrere Zentimeter tief eindringen. Aber: Die Treffgenauigkeit war sehr gering. „Es ist nicht so, dass man nicht treffen kann, aber es erfordert mehr Übung", sagt Salziger.

10:08
Ergebnis der Ballistik: Bei einer Entfernung von 70 Metern konnte das Bleischrot potenziell tödliche Verletzungen verursachen. 

10:11
Fotos zeigen Polizei-Fahrzeuge mit Einschusslöchern.

10.15 Uhr: Schüsse waren „potenziell tödlich“
Der Ballistik-Experte Salziger beendet seinen Vortrag mit dem Fazit: Bei Schüssen mit einer Mündungsgeschwindigkeit der Schrotkugeln von 171 Meter pro Sekunde – diese erreichte die Flinte des Angeklagten – sei „mit potenziell tödlichen Verletzungen zu rechnen“. Die Verteidigung hatte bislang bestritten, dass der Angeklagte die Polizisten gefährden konnte, weil die Entfernung zu weit gewesen sei.

10:21
Frage eines Nebenkläger-Anwalts: Wäre der Schuss aus 30 Meter Entfernung dann auf jeden Fall tödlich gewesen?
Ballistiker: Das Geschoss wäre dann 19 Zentimeter in den Körper eingedrungen. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, was das bedeutet. 

10:22
Je nachdem, welche Stelle am Körper getroffen worden wäre, hätte der Schuss aus 30 Metern auch tödlich sein können. 

>>> TW NSU Watch: 
Am Morgen zeigte im #HalleProzess ein Sachverständiger, dass die Schüsse der Schrotflinte des Attentäters von #Halle in 70m Entfernung hätten töten können. So weit waren die Polizist*innen entfernt, auf die er schoss. Nebenkläger İsmet Tekin war in dem Moment nur 30m entfernt. 
https://mobile.twitter.com/nsuwatch/status/1315949436154122246?p=v

TW:
Heute ist Tag 16 im #HalleProzess. Es werden unter anderem die psychologischen Gutachter_innen aussagen. Vor dem Gerichtsgebäude findet auch heute wieder eine Kundgebung statt, organisiert von @kundgebung1310. Die Zuschauer_innenplätze im Saal sind voll. 
Der erste Zeuge ist beim Kriminaltechnischen Institut des Bundeskriminalamtes beschäftigt, er untersuchte, ob der Angeklagte mit seiner Schrotflinte auf 70 Meter Distanz tödliche Verletzungen an getroffenen Menschen hätte verursachen können. Die Frage ist relevant für einen Teil der Taten des Angeklagten auf der Ludwig-Wucherer-Straße, dort schoss er u.a. mit einer Schrotflinte auf Polizeibeamte. Die Anklage geht von einem Mordversuch aus. Die Verteidigung hatte das Gutachten beantragt, zu dem der Zeuge aussagt. 
Das Gutachten zeigt, dass bei Schüssen im Labor auch über die Distanz von 70 Metern noch Ziele getroffen werden konnten, der verschossene Bleischrot auch noch in der Lage wäre mehrere Zentimeter tief in den Körper einzudringen, selbst durch Knochen. Um das zu testen schießt die Kriminaltechnik u.a. auf Gelatine, Schafsleder, durch künstliche Knochen. Je nach Konstellation drang das Projektil zwischen 1,6 cm bis zu mehr als 10 cm tief ein. Damit sind die zu erwartenden Verletzungen potentiell tödlich. 5/ 

                                                                                                    


Rechtsmedizin
10:25
Jetzt berichten die Rechtsmediziner.

10:26
Es werden keine Fotos aus der Rechtsmedizin öffentlich gezeigt - aus Persönlichkeitsgründen.

10:28
Ein Rechtsmediziner berichtet über die Untersuchungsergebnisse der erschossenen Passantin Jana L. 

10:33
Senat, Verteidiger, Anwälte und Gutachter schauen sich verschiedene Fotos an, die die Obduktion dokumentieren. Dieses Mal rückt der Angeklagte Stephan B. nicht näher an den Bildschirm heran. 

10:37
Der Rechtsmediziner berichtet von 11 Durchschüssen bei Jana L., dazu 3 Streifschüssen.

10:39
Ergebnis: Durch die Schüsse kam es zu einer Luftembolie des Herzens. Zudem atmete das Opfer Blut ein. Beides war tödlich. 

10.45 Uhr: Rechtsmediziner schildert Wirkung der Schüsse auf Körper von Jana Lange
Die vom Angeklagten tödlich getroffene Jana Lange wurde von elf Schrotkugeln durchschossen, drei weitere Steckschüsse wurden festgestellt. Ein Rechtsmediziner von der Uni Halle schildert, welche Wirkung die einzelnen Kugeln auf Venen, Arterien und innere Organe hatte. Die Vorsitzende Richterin erspart dem Publikum die Bilder von der Leichenschau, die Monitore im Gerichtssaal sind abgeschaltet. Jana Lange starb vor allem durch das Einatmen von Blut und eine zerstörte Aorta.

10:48
Es geht um ein Projektil. Wieder rückt Stephan B. kurz an den Bildschirm heran. 

10:56
Richterin Mertens fragt: Lebte Frau L. bei den Nachschüssen noch?
Rechtsmediziner: Man kann davon ausgehen, dass sie innerhalb einer Minute oder gar weniger tot war. 

Pause
10:58

11:03 Uhr: Rechtsmediziner: Tod von Jana Lange trat schnell ein
Neben den Schussverletzungen erlitt Jana Lange beim Sturz auf den Boden einen Bruch der Schädelbasis. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens will wissen, wie lange das Opfer nach dem ersten Schuss noch am Leben war. Der Rechtsmediziner Marco Weber von der Uni Halle spricht von „Sekunden“, maximal einer Minute. Weber hatte die Leiche obduziert.
Das Gericht unterbricht für eine kurze Pause – der Gerichtssaal muss wegen der Corona-Pandemie regelmäßig gelüftet werden.

TW
Nun sagen Rechtsmediziner über die Leichenschau und die Obduktion der beiden Getöteten aus. Die dazugehörigen Bilder werden nicht für den Zuschauer_innen und Pressebereich im Saal gezeigt, die Zeug_innen beschränken sich auf die relevantesten Punkte.
Die Details der Obduktion der Getöteten werde ich nicht hier bei Twitter schreiben. Nach den Vernehmungen dieser Zeug_innen berichte ich weiter. 7/ 

                                                                                                    


Rechtsmedizin
11:23
Die Ergebnisse der Obduktion von Kevin S. werden vorgestellt.

11.24 Uhr: Die Verteidiger fehlen im Gerichtssaal
Nach der Pause will die Vorsitzende Richterin beginnen, doch es fehlen die Verteidiger des Angeklagten. Eine Justizwachtmeisterin macht sich auf die Suche nach den beiden. Alle anderen warten. Schließlich erscheint Hans-Dieter Weber mit einem Kaffeebecher in der Hand, im Schlepptau sein Kollege Thomas Rutkowski.

11:32
Auch diese Obduktions-Fotos werden nicht öffentlich gezeigt. 

11:36
Ergebnis: Kevin S. starb an Herz- und Lungenschüssen. Er verblutete. 

11:37
Ergebnis: Kevin S. wurde in vier Regionen getroffen - am Kopf, am Oberarm und am oberen und unteren Oberkörper.

11.41 Uhr: Schüsse trafen das Herz von Kevin Schwarze
Die Autopsie des Terror-Opfers Kevin Schwarze hat Rüdiger Lessig vorgenommen, der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Uni Halle. Er sagt nun als Sachverständiger aus. Der 20-jährige Malerlehrling wurde an vier Stellen durch Schüsse getroffen. Zwei Projektile durchbohrten das Herz und die Lunge – das war die Todesursache. Der Tod müsse sofort nach diesen Schüssen eingetreten sein, sagt der Professor auf Nachfrage.

                                                                                                    


11:41
Eine Rechtmedizinerin berichtet von den zwei Verletzten, auf die Stephan B. geschossen hatte.  Es handelt sich dabei um das Paar aus Wiedersdorf. 

11:49
Ergebnis: Dagmar M. wurde am Gesäß getroffen, das Geschoss blieb im Oberschenkel stecken. Die Verletzung war zwar nicht tödlich, hätte aber potenziell tödlich sein können, da sich in diesem Bereich größere Gefäße befinden. 

11.56 Uhr: Opfer aus Wiedersdorf erlitt Steckschuss
Eine Rechtsmedizinerin schildert nun die Verletzung von Dagmar M., die vom flüchtenden Täter in Wiedersdorf (Saalekreis) angeschossen worden war. Das Projektil ist in das Gesäß eingedrungen und blieb im Oberschenkel am Knochen stecken.

11:57
Ergebnis: Jens Z. wurde links im Nacken getroffen. Das Projektil blieb im rechten Bereich stecken. Schmauchspuren deuten auf eine nahe Abgabe des Schusses hin. Es bestand keine akute Lebensgefahr, aber es bestand potenzielle Lebensgefahr aufgrund der Wundnähe zu lebenswichtigen Gefäßen.

12:05
Nachfrage an den Rechtsmediziner zu den Schüssen mit Bleischrot aus einer Entfernung von 30 Metern - ob diese potenziell tödlich gewesen wären bei einem Eindringen von bis zu 19 Zentimetern? Antwort: Entscheidend ist, wo getroffen wird und nicht, ob das Projektil 13 oder 19 Zentimeter eindringt. Beim Herzen würden wenige Zentimeter reichen.

12.06 Uhr: Beide Schüsse in Wiedersdorf waren „potenziell lebensbedrohend“
Der Schuss auf den Lebensgefährten von Dagmar M, Jens Z., traf den Mann im Nacken und blieb dort in der Muskulatur stecken. An der Einschussstelle habe man Schmauchspuren festgestellt – der Schuss wurde also aus nächster Nähe abgegeben.
Die Schüsse auf das Paar auf Wiedersdorf waren nicht akut lebensgefährlich. Aber: In den getroffenen Körperregionen gab es viele Stellen, deren Verletzung schwerste Folgen gehabt hätte. Beide Schüsse seien daher „potenziell lebensbedrohend“, sagt die Gutachterin von der Uni Halle.

12.08 Uhr: Nach der Pause sagt Zeuge vom Döner-Imbiss aus

Das Gericht geht nun in die Mittagspause. Um 13.30 Uhr soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Dann sagt ein Mann aus, der den Angriff auf den „Kiez Döner“ in Halle miterlebt hat.

TW
Das Gericht macht nun Mittagspause bis 13:30 Uhr. 8/ 

Pause bis 13.30 Uhr
12:22

Besucher
13:23
Der Besucherbereich im Gerichtssaal wird inzwischen so voll, dass bereits ein dritter Block für die Gäste geöffnet wird. Dafür müssen die Medienvertreter enger zusammenrücken. 

                                                                                                    


13:25
Der Angeklagte wird wieder hereingeführt. Er nimmt Platz, trägt dabei noch die Handschellen.

Zeuge B.
13:37
Zeuge B. (36, Verputzer auf einer Baustelle) berichtet, was er am 9. Oktober 2019 vor dem Dönerimbiss erlebte: "50, 60 Meter vor dem Dönerladen kam ein Auto sehr schnell. Dann war ein Knall. Dann kam jemand aus dem Auto. Er sah aus wie ein Soldat. Er ging hinten ans Auto, nahm etwas raus, das aussah wie eine Waffe."
"Dann bin ich gerannt."

13:41
"Ich stand unter Schock."

13:42
Zeuge B. berichtet, es wurde dreimal auf ihn geschossen. Er lief weg und rief seinen Chef an, berichtete ihm, was geschehen war. Der sagte, er solle ruhig bleiben und zur Baustelle zurückkommen. Er ging zur Arbeitsstelle zurück, holte seine Sachen und fuhr dann nochmal zum Dönerimbiss. Da war die Polizei schon da. 

13:45
"Ich hatte eine Woche Schmerzen an den Füßen, weil die Arbeitsschuhe so schwer waren beim Laufen."
"Nach der Tat wollte ich am liebsten erstmal zu Hause bleiben."

13:47
Zeuge B. ging sieben Monate nicht arbeiten. Psychologische Hilfe nahm er nicht in Anspruch. Richterin Mertens weist ihn eindringlich darauf hin, die ihm angebotene Hilfe anzunehmen. Mittlerweile arbeitet Zeuge B. seit fünf Monaten wieder. 

13.47 Uhr: Augenzeuge berichtet von drei Schüssen auf ihn
Der 36 Jahre alte Verputzer Abdülkadir B. aus Halle sagt jetzt aus. Er hatte auf einer Baustelle in der Adam-Kuckhoff-Straße gearbeitet und wollte zum Mittagessen in den „Kiez Döner“, als der Attentäter mit dem Auto vorfuhr und ein Gewehr auspackte. „Ich bin gerannt, so schnell ich konnte. Ich habe drei Schüsse gehört, bis ich um die Ecke gebogen bin.“ Einen anderen Mann konnte er noch warnen.

14.01 Uhr: Beschossener Verputzer war monatelang arbeitsunfähig
Auch dieser Zeuge wurde von den Schüssen aus der Bahn geworfen. Sechs oder sieben Monate habe er nicht arbeiten können, sagt er auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin. Ärztliche Hilfe nahm er dennoch nicht in Anspruch.

TW
Die Verhandlung wird nun fortgesetzt mit der Vernehmung eines weiteren Zeugen. Er berichtet, dass er am Tag des Anschlags einen Döner essen gehen wollte. Dort habe er gesehen wie sehr schnell ein Auto heran gefahren sei und er dann einen Knall gehört habe. Der Zeuge habe dann einen Mann aus dem Auto kommen sehen, der militärisch gekleidet gewesen sei. Der habe eine Autotür aufgemacht, einen gewehrähnlichen-Gegenstand aus dem Auto geholt. In der Situation habe er gemerkt, dass etwas nicht in Ordnung gewesen sei und habe begonnen so schnell zu rennen wie er gekonnt habe. Der Attentäter habe drei mal auf ihn geschossen. Im Wegrennen habe er noch einen Mitarbeiter des Kiez Döners gesehen und ihm zugerufen, er solle nicht zum Kiez Döner zu gehen, da sei jemand mit einer Waffe. Der Zeuge schildert, dass er dann seinen Chef angerufen habe und seine Sachen bei der Baustelle abgeholt habe, auf der er gearbeitet habe. Dann sei er zurück in Richtung Kiez Döner, dort sei dann schon sehr viel Polizei gewesen. Er berichte auch, dass er über mehrere Monate nicht arbeiten konnte. Inzwischen sei er wieder in der Lage zu arbeiten, psychologische Hilfe habe er nicht in Anspruch genommen, sondern sei von seiner Frau unterstützt worden.
Das Gericht wird als nächstes mehrere Polizeibeamte als Zeug_innen vernehmen und ich muss mich korrigieren, die psychologischen Gutachter_innen werden heute nicht als Zeug_innen vernommen. 14/ 

Unterbrechung bis 14.15 Uhr
13:58

                                                                                                    


13:59
Stephan B. wird mit Handschellen und Fußfesseln aus dem Saal geführt. 

Zeugen
14:18
Verwirrung: Kriminaloberkommissar (KOK) W. tritt ein, nimmt als Zeuge Platz. Doch Richterin Mertens schickt ihn wieder raus. Für ihn werde später etwas mehr Zeit benötigt. Er könne ja noch einen Kaffee trinken. Sie will jetzt entweder Polizeihauptmeister (PHM) K. oder PHM F. befragen.

Zeuge PHM K.
14:22
K. schildert seine Erlebnisse vom 9. Oktober 2019.

14:23
"Ich war etwas früher auf Arbeit, wie immer."

14:24
K. hörte über Funk von den Ereignissen. Er fuhr dann mit seinem Kollegen zur A14. In einer Baustelle entdeckten sie das Taxi. Es war das Fluchtfahrzeug von Stephan B. 

14:27
An einer engen Stelle verließ Stephan B. das Taxi. Er wurde festgenommen.
"Wir haben ihn durchsucht, hatten von den Sprengkörpern gehört."

TW
Das Gericht vernimmt nun als Zeugen einen Polizeibeamten aus Zeitz, der am Tag des Anschlags im Einsatz war. Er erkannte auf der Autobahn das Taxi (am Kennzeichen), dass der Angeklagte sich in Landsberg-Wiedersdorf beschafft hatte. Mit diesem Taxi fuhr er er in einer Autobahnbaustelle eine Betonbegrenzung und einen LKW an. Unter Androhung von Schusswaffengebrauch habe der Zeuge den Angeklagten damals festgenommen, der sich auf den Boden haben legen müssen und durchsucht worden sei. 16/

14.31 Uhr: Festnahme mit gezogener Pistole
Jetzt sagt der erste der beiden Polizisten aus, die den Attentäter am Ende von dessen Flucht fassen konnten. Der 54 Jahre alte Polizeihauptmeister sagt, er habe den Flüchtigen beim Durchfahren einer Baustelle entdeckt. Stephan B. sei dann davongerast, gegen einen Betonpfeiler und einen Lastwagen geprallt. „Wir haben ihn aufgefordert, sich hinzulegen. Das hat er nach kurzer Zeit auch getan.“ Der Polizist hatte seine Waffe gezogen, wie er auf Nachfrage sagt.

                                                                                                    


Zeuge PHM F.
14:33
PHM F.: "Das Taxi passierte eine Ampel bei Rot, es kam zu einem Unfall mit einem Lkw. Der Fahrer des Taxis sprang aus dem Auto raus, sprang über die Leitplanke. Dann nahm er die Arme auf unsere Aufforderung hin hoch."
Stephan B. wurde festgenommen. Auf die Frage, ob er verletzt sei, sagte er nein. Dann habe man eine Verletzung am Hals entdeckt und einen Rettungswagen gerufen.

14:37
Bei der Durchsuchung von Stephan B. fand man in seinen Taschen 10 oder 11 Einzelschuss Munition, eine Kamera, einen USB-Stick und Geld, "ich glaube, einen 50-Euro-Schein."

14:38
Stephan B. war bei der Festnahme ruhig. 

14:40
Es werden Fotos von der Festnahme gezeigt. Stephan B. kniet dort auf dem Boden, die Hände fixiert.

TW
Derzeit vernimmt das Gericht den Kollegen des Polizeibeamten, der eben vernommen wurde. Er berichtet, der Angeklagte habe bei der Festnahme immer noch seine Sicherheitsweste getragen und u.a. einen USB-Stick dabei gehabt. Später sei das SEK eingetroffen. 17/ 

Pause
14:41
Es gibt noch einmal eine kurze Lüftungspause.

14.49 Uhr: Richterin dankt Polizisten für Festnahme
Der zweite an der Festnahme beteiligte Polizeihauptmeister schildet den Ablauf identisch. Er habe den Festgenommen belehrt, dass er bis auf seinen Namen nichts sagen müsse. „War er sonst auffällig?“, fragt die Vorsitzende Richterin. „Nein, gar nicht“, sagt der Beamte. In den Taschen habe man einige Schuss Munition, etwas Geld und einen USB-Stick gefunden. Die Richterin spricht dem 59-Jährigen ein Lob aus. „Das war sehr gut, dass Sie auf der B 91 Richtung Weißenfels gefahren sind. Vielen Dank dafür.“
Erneut gibt es eine Lüftungspause, dann soll der für heute letzte Zeuge aussagen.

                                                                                                    


Zeuge W.
14:54
Kriminaloberkommissar (KOK) W. sagt als Zeuge aus.

Zeug KHK W.
14:55
KOK W. ist mittlerweile Hauptkommissar.

14:56
W. hatte eine Datei zusammengestellt und aktualisiert, in der alle Gäste der Synagoge zur Tatzeit aufgelistet sind. Es sind insgesamt 52 Namen drauf, wobei eine Frau die Synagoge zwischenzeitlich verlassen hatte. 

15 Uhr: In der Synagoge waren 51 Gläubige
Ein Kriminalhauptkommissar aus dem Bundeskriminalamt sagt nun aus. Er hat die Liste aller Menschen erstellt, die während des Anschlags in der Synagoge waren. Bislang war stets von 52 Menschen die Rede, in Wahrheit waren es 51. Eine Frau hatte die Synagoge zeitweise verlassen.

15:02
W. stellte auch Skizzen zusammen, auf denen verschiedene Entfernungen ersichtlich werden.
Es werden Fotos aus dem Tätervideo gezeigt. Darauf ist zu erkennen, wo beispielsweise Polizeibeamte während des Schusswechsels standen.

15:06
Zu potenziellen Unterstützern bzw. Mittätern von Stephan B.: Bei der Auswertung von Videos sind keine Mittäter bei der Tatausführung erkennbar gewesen. Auch bei den hochgeladenen Dateien von Stephan B. im Internet sind im Nachgang keine Mittäter erkennbar.

15:10
Zeuge KHK W. fasste Zeugenaussagen zusammen. Demnach war B. Einzelgänger, auch schon in der Schulzeit. Als Kleinster sei B. oft gemobbt worden. Kontakt bestand hauptsächlich zur Familie. 

15.10 Uhr: Schussdistanz auf Polizisten lag bei maximal 72 Metern
Der befragte BKA-Beamte hat zudem anhand von Tatortfotos nachgemessen, wie groß die Distanz zwischen dem schießenden Täter und dem beschossenen Polizeiwagen auf der Ludwig-Wucherer-Straße in Halle war. Laut Messung waren die Kontrahenten 67 bis maximal 72 Meter voneinander entfernt.

15:12
Die Waffen konnte B. selbst herstellen, auch die Sprengkörper. Dafür waren keine Mittäter notwendig. 

15:14
Auch die Auswertung von Handydaten etc. ergab keine Anhaltspunkte zu potenziellen Mittätern. 

15:17
Mark M. soll Stephan B. auf einer Plattform 0,1 Bitcoin für das Ausführen seiner Tat überwiesen haben. Wirklich bestätigt ist das nicht. 
Martin W. soll im Internet einen Beitrag veröffentlicht haben, der Verlinkungen zum Tatvideo enthielt. 

15:21
Drei Personen sollen sich den Livestream von Stephan B. auf Twitch angesehen haben bzw. wurden drei IP-Adressen ermittelt, zwei in den USA (Washington, Iowa), eine in der Schweiz (Zürich). Es konnte keiner Person eine Mittäterschaft nachgewiesen werden. Sie seien wohl zufällig auf den Stream gestoßen.

15.30 Uhr: BKA-Beamter sieht keine Hinweis auf Mittäter oder Mitwisser
Der 33-jährige BKA-Beamte sagt als Zeuge weiterhin aus, dass es keinerlei Hinweise auf Mittäter oder Mitwisser gebe. Er hat die Videos der Tat geprüft, zudem 320 Zeugenaussagen und die Internet-Aktivitäten des Angeklagten. Insgesamt drei Personen haben sich das live gestreamte Video des Attentats angesehen, das ein weltweites Publikum zu Nachahmertaten anstacheln sollte. Zwei Personen wurden in den USA ermittelt – beide sollen rein zufällig auf das Video gestoßen sein.

15:31
Man kann davon ausgehen, dass sich B. intensiv mit dem Waffenbau beschäftigt hat.

15:33
Fazit: Es gab keine Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte Personen in Kontakt mit B. standen und auch bei der Tatvorbereitung hätten helfen können. Es wurden keine Personen festgestellt, die ihm geholfen haben. 

15:35
Allerdings konnten keine Online-Kontakte verifiziert werden, da B. keinerlei Angaben dazu machte. Das Fazit gilt also nur für das reale Leben, nicht für das Leben in der virtuellen Welt.

15:40
Jeder kann sich den Bauplan für eine Waffe aus dem Internet herunterladen.

Pause bis 16.05 Uhr
15:48
Es muss wieder gelüftet werden. 

Datenauswertung
16:10
Stephan B. grinst, als bekannt wird, dass wegen der Verschlüsselung noch immer nicht alle seine Daten ausgewertet werden konnten.

Zeuge KHK W. wird entlassen
16:13

Sitzung geschlossen
16:17
Richterin Mertens lobt das vorbildliche Tragen der Masken zum Schutz vor Corona und schließt die Sitzung. Die Verhandlung wird am morgigen Mittwoch ab 9.30 Uhr fortgesetzt. 

TW
Nach einer kurzen Unterbrechung vernimmt das Gericht nun einen BKA-Ermittler als Zeugen, derzeit zu einem Vermerk den er angefertigt hatte. Darin fasste er Ergebnisse zum Schusswechsel zwischen dem Angeklagten und der Polizei zusammen. Darüber hinaus wurde durch den BKA-Ermittler ein weiterer Vermerk über mögliche Unterstützer des Angeklagten erstellt. Er kommt zu dem Ergebnis, der Angeklagte habe keine Mittäter oder Mitwisser gehabt. Weder bei der Vorbereitung noch der Ausführung der Tat. 
Der Ermittler berichtet aus den ihm vorliegenden Zeugenaussagen habe sich ergeben, dass der Angeklagte immer ein Einzelgänger gewesen sei. Im Prozess erinnerten sich Zeugen auf Nachfrage immer wieder an Situationen, in denen der Angeklagte unter Menschen war. Auch die Auswertung der Kommunikationsmittel des Angeklagten habe keine Hinweise auf Mitwisser / Kontakte ergeben, sagt der Zeuge. Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass zB Teile des Computers des Angeklagten durch diesen gelöscht wurden. "Diese Internetkontakte sind natürlich, ja, noch nicht aufgeklärt", sagt der BKA-Ermittler. Der Angeklagte habe selbst keine Angaben zu Online-Kontakten, Benutzernamen von Accounts etc. machen wollen.
Auf Nachfrage erläutert der Zeuge nochmals, dass sein Bericht sich nicht auf Erkenntnisse zu Online-Kontakten stützen kann, da es hier keine Erkenntnisse gab und gibt. Es waren zum Zeitpunkt als der Vermerk geschrieben wurde auch noch nicht alle technischen Speichermedien ausgewertet. Laut Generalbundesanwaltschaft dauert das noch an, die Erfolgsaussichten seien aber auf Grund der Verschlüsselung der Datenträger eher gering. Das Fazit des Ermittlers stützt sich also, fragt @RPietrzyk nach, nur auf nicht-gelöschtes, auf Aussagen des Angeklagten (der nicht über seine Online-Aktivitäten spricht) und die Aussagen von Zeug_innen. Das Fazit – keine Mitwisser & Unterstützer – bleibt insofern unvollständig beziehungsweise vorläufig.
Die Vorsitzende Richterin weist darauf hin, dass @raeuberhose am 4. November 2020 als Sachverständige/Zeugen geladen wurde. Damit ist die Sitzung für heute beendet. Vor dem Gericht findet noch die Kundgebung von @kundgebung1310 statt. 26/ 

16.25 Uhr: Verhandlungstag endet mit kritischen Nachfragen an BKA-Beamten
Mehrere Nebenklage-Anwälte stellen dem BKA-Beamten kritische Fragen. Rechtsanwalt Alexander Hoffmann etwa will wissen, ob der Computer untersucht wurde, von dem aus direkt nach der Tat vom Täter veröffentlichte Dokumente weiterverbreitet wurden. Der Beamte muss einräumen, dass er das nicht weiß. Auch bestätigt er, dass die Online-Kontakte des Angeklagten für die Polizei weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln sind – Stephan B. schweigt und gibt keine Passwörter heraus.
Damit endet der 16. Verhandlungstag.
Antworten
#58
Toll
Zitat:Frage eines Nebenkläger-Anwalts: Wäre der Schuss aus 30 Meter Entfernung dann auf jeden Fall tödlich gewesen?

Ballistiker: Das Geschoss wäre dann 19 Zentimeter in den Körper eingedrungen. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, was das bedeutet.

und wie sieht es mit Schüssen aus einer Entfernung von einem  Meter, 1,5 Meter und 2 Meter  auf diverse  Materialien aus?

Kognitive Dissonanz?
Nur nicht das Wunder-Holz der Wunder-Tür betrachten?
Antworten
#59
(13.10.2020, 21:35)Hallo schrieb: Toll
Zitat:Frage eines Nebenkläger-Anwalts: Wäre der Schuss aus 30 Meter Entfernung dann auf jeden Fall tödlich gewesen?

Ballistiker: Das Geschoss wäre dann 19 Zentimeter in den Körper eingedrungen. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, was das bedeutet.

und wie sieht es mit Schüssen aus einer Entfernung von einem  Meter, 1,5 Meter und 2 Meter  auf diverse  Materialien aus?

Kognitive Dissonanz?
Nur nicht das Wunder-Holz der Wunder-Tür betrachten?

Vielleicht wurde gestern im Gerichtssaal entschieden zu wenig gelüftet. Der zusammenfassende Bericht in der MZ weist auch ein paar Stellen auf, die auf chronischen Sauerstoffmangel im Gehirn hinweisen!

Endstation für den Halle-Attentäter 
Wie die Polizei Stephan B. festnehmen konnte 
  • Hagen Eichler 
  • 13.10.20 19:08 
Hinter der für Zahlungswillige errichteten Mauer hier zu finden: https://www.mz-web.de/halle-saale/anschl...e-37483500

Zitat:
»Es dauert ein wenig, bis aus Mertens’ spröder Juristenprosa die Nachricht erkennbar wird: Der fünfköpfige Staatsschutzsenat ist nicht mehr vollständig


Na wenigstens ist Geist des Journalistigen vollständig beieinander und seine Prosa überaus kreativ ›spröde‹. 

Zitat:
Während in Halle und Umgebung Hunderte Polizeiwagen suchten, Hubschrauber kreisten und Spezialeinheiten im Einsatz waren, gelang der Erfolg zwei Kleinstadtpolizisten.


Die Dorfpolizisten kommen aus Zeitz, 27.000 Einwohner. Gut, von Magdeburg aus betrachtet ist die Stadt natürlich nur ein Fliegenschiß auf der Weltkarte…

Zitat:
… so klingt etwa die Bilanz des halleschen Rechtsmediziners Marco Weber zur Autopsie der vor der Synagoge hingerichteten Jana Lange.


Das klingt mörderisch daneben, Herr Scharfrichter!

Zitat:
Schwere Zerstörungen haben die Schrotladungen des Rechtsextremisten auch im Körper von Kevin Schwarze angerichtet, …


Ob da wohl die Schule zerstört war, in der Herr Eichler sonst Deutschunterricht gehabt hätte? Vielleicht war ja nur die Lehrkraft schwer verletzt oder gar verwundet?

Zitat:
Das Ergebnis: kein einziger Beleg für Mithelfer oder Mitwisser.


Mithilfe eines Helfershelfers, der sich mit der Bedeutung von Worten auskennt … würde es mit der Sprachkultur nicht so steil bergab gehen, wie sich sich das gegenwärtig beobachten läßt…
Antworten
#60
Ticker Prozeßtag 17 

Ticker der Mitteldeutsche Zeitung und der Volksstimme

Aus dem Gericht berichtet für die MZ Jan Schumann, für die Volksstimme Anja Guse

Zur Unterscheidung: Die MZ hat ›.‹ in der Zeitangabe, die VS ›:‹

https://www.mz-web.de/halle-saale/anschlag-in-halle-saale/liveticker-psychologe---stephan-b--ist-eine-hinrichtung-lieber--37481796

https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/halle-attentat-der-16-prozesstag-im-liveticker

Als dritte Stimme aus dem Gerichtssaal verwende ich den Twitter-Kanal von Valentin Hacken (für Radio Corax in Magdeburg). (https://mobile.twitter.com/valentinhacken_)
Den jeweiligen Twitter-Block kennzeichne ich am Anfang mit TW.
                                                                                                    
                                                                                                    


Vorab: Darum geht es am 17. Tag der Verhandlung
Am 17. Verhandlungstag sind insgesamt sieben Zeugen geladen. Das Gericht will sich heute mit der Vorbereitung des Anschlags und vor allem dem Verhalten des Täters im Gefängnis befassen. Ende Mai hatte Stephan B. in der JVA Halle einen kurzen unbewachten Moment zu einem Fluchtversuch genutzt, scheiterte aber.

07:35
Der 17. Verhandlungstag beginnt um 9.30 Uhr. Geladen sind unter anderem Mitarbeiter der JVA Halle und Burg.

Cem Özdemir
09:25
Grünen-Politiker Cem Özdemir ist heute auch als Besucher anwesend.

09:27
Der Angeklagte Stephan B. wird zu seinem Platz geführt. 

09:28
Stephan B. wird wieder herausgeführt. Die Verhandlung beginnt wegen eines Staus 15 Minuten später, so Richterin Mertens.

Cem Özdemir
09:31
"Aus Solidarität mit den Opfern" nimmt Cem Özdemir  erneut als Zuschauer am Prozess teil, sagt er gegenüber der Volksstimme. Schon zum Auftakt war Cem Özdemir da. 

09:34
Außerdem will der Bundes-Politiker heute noch nach Halle fahren, dort unter anderem den Dönerimbiss besuchen. Hier hatte Stephan B. am 9. Oktober 2019 Kevin S. erschossen.

09:43
Stephan B. wurde wieder in den Saal geführt. 

09:46
Der Senat tritt ein. 

Zeugen aus der JVA Burg
09:48
Zwei Justiz-Mitarbeiter der JVA Burg sind als Zeugen geladen.

09:49
P. (45) soll über das Verhalten von Stephan B. berichten. Dieser ist seit Sommer in der JVA Burg. 

09:50
Seit Anfang Juni habe ich Kontakt zu B. Ich verpflege ihn. Auch das Duschen wird von uns abgesichert. 

09:51
B. hat keinen Kontakt zu anderen Gefangenen. 

09:52
Sowohl in der Dusche als auch im Freiraum ist B. ohne Kontakt zu anderen Gefangenen.
Der Haftraum ist Kamera überwacht. 

09:53
"Der Kontakt zu uns ist auf das Dienstliche beschränkt. Er bekommt einmal am Tag zwei verschiedene Zeitungen, damit er sich aktuell halten kann."

09:54
"Wir haben auch Gespräche geführt. Er hat ja auch Kontakt mit dem psychologischen Dienst. Ich persönlich halte die Gespräche kurz."

09:54
"Er verhält sich immer gleich. Die Tagesabläufe variieren etwas, damit er sich nicht auf etwas einstellen kann. Das Wecken morgens ist immer zur gleichen Zeit, aber der Aufenthalt im Freiraum variiert. Es kann sein, dass er mal frühs, mal abends seinen Gang hat."

09:56
"Seine Stimmung ist immer gleichbleibend."

09:57
Welche Zeitungen erhält er?
"Er erhält die Frankfurter und die Süddeutsche." Lokale Zeitungen gibt es nicht.

09:57
"Mit der Einzelhaft kommt er ganz gut zurecht." Der Psychologische Dienst sei regelmäßig da.

09:58
"Sportliche Aktivitäten sind ihm untersagt. Er macht nur das, was in seinem Haftraum möglich ist wie Liegestütze."

09:59
"Der evangelische Pfarrer kommt bei uns vorbei und spricht mit ihm. Ein- bis zweimal die Woche."

10:01
Die Besuche sind auf die Seelsorger und die Familie beschränkt.

10:02
P. darf nichts dazu sagen, ob er gefährdet ist und deshalb in Einzelhaft sitzt.

10:02
Der Gefangene nutzt manchmal die Bibliothek. Aus Datenschutzgründen dürfe er nicht sagen, welche Bücher Stephan B. liest. 

10:03
Liest er politische Bücher?
"Nein."
Geschichtliche?
"Auch nicht."

TW:
Heute ist Tag 17 im #HalleProzess. Als erste Zeugen werden zwei Bedienstete der JVA vernommen, in welcher der Angeklagte untergebracht ist. Zur Erinnerung, in der U-Haft in Halle unternahm er einen Fluchtversuch, konnte u.a. eine Mauer überklettern in einem unbewachten Moment. In der Folge musste der Justizstaatssekretär gehen, die komplett überforderte Justizministerin wird durch die schwarz-rot-grüne-Koalition in Magdeburg weiter gehalten. 
Der JVA-Bedienstete berichtet, dass der Angeklagte alleine untergebracht ist und nur zu JVA-Beamten Kontakt hat im Alltag. Nach Angaben des Zeugen trifft der Angeklagte einen Seelsorger, wird durch den psychologischen Dienst der JVA betreut. Der Seelsorger sei ein Evangelischer Pfarrer, der 1-2 mal in der Woche mit dem Angeklagten spreche. 3/ 

10:05 Uhr: Gefangener in Einzelhaft: Kameraüberwachung für Stephan B.
Im Fokus steht zunächst Stephan B.'s Verhalten im Gefängnis. Im Zeugenstand sitzt ein JVA-Beamter des Hochsicherheitsgefängnisses Burg (Jerichower Land). Dorthin war der Terrorist infolge seines Fluchtversuchs aus der JVA Roter Ochse (Halle) im Sommer verlegt worden. Nun sitzt der Attentäter in Einzelhaft auf der Sicherheitsstation, schildert der 45-jährige Gefängnismitarbeiter. Die Zelle ist kameraüberwacht, wie bereits in Halle. „Er darf nicht mit anderen Gefangenen in Kontakt treten“, sagt der JVA-Bedienstete. Außerhalb der Zelle müsse B. zwingend von zwei Gefängnismitarbeitern bewacht werden.
„Der Kontakt zu uns ist auf das Dienstliche beschränkt“, sagt der Mitarbeiter. Gespräche ergeben sich demnach nicht zwischen Häftling und Beamten. Täglich lese B. zwei Zeitungen, die Frankfurter Allgemeine und die Süddeutsche Zeitung. Der Häftling komme offenbar „ganz gut mit der Einzelhaft zurecht“, sagt der Gefängnismitarbeiter. Gefühlswallungen könne man lediglich ab und an wahrnehmen, wenn man B. über die Kamera beim Zeitunglesen beobachte. Sport außerhalb der Einzelzelle ist dem Gefangenen untersagt.

                                                                                                    


10:18 Uhr: In Halle wurde B. von Mitgefangenen bedroht 
Nebenklageanwälte wollen wissen, ob Stephan B. durch andere Gefangene gefährdet ist – Hintergrund sind Berichte über Drohungen, die es in der JVA Halle gegen den Terroristen gab. Offen bleibt, ob es ähnliche Fälle im Sicherheitsgefängnis in Burg gab: Der befragte Gefängnismitarbeiter verweist auf seine eingeschränkte Aussageerlaubnis und beantwortet die Frage nicht. Der Beamte sagt allerdings, dass sich B. regelmäßig Bücher in der Gefängnisbibliothek ausleihe. Keine politischen Bücher, so der Zeuge – genauer wird er nicht. Auch der zweite JVA-Mitarbeiter schildert B. als „ruhigen Gefangenen“, dem auch „die Höflichkeitsformen bekannt sind“.

Zeuge P.-D. aus der JVA Burg
10:04
Zeuge P.-D., auch Hauptsekretär im Justizvollzugsdienst (40) wird als Zeuge befragt.

10:05
Stephan B. ist im Sicherungsbereich.

10:06
Stephan B. hat mit drei, vier Bediensteten auf der Station Kontakt. Das Verhältnis ist dienstlich. 

10:07
Der junge Mann kann "Danke", "Bitte", "Guten Morgen" sagen. Das wird dann erwidert. 

10:08
"Er ist ein relativ ruhiger Gefangener."

10:08
"Die normalen Höflichkeitsformen sind ihm bekannt."

10:09
Hat der Angeklagte einen Fernseher in seiner Zelle?
"Das sind sicherheitsrelevante Sachen." Ihm sei laut der Aussagegenehmigung nicht gestattet, hier darüber zu sprechen.

Unterbrechung
10:12
Unterbrechung für 10 Minuten. In dieser Zeit soll geklärt werden, was die Bediensteten der JVA Burg laut Aussagegenehmigung erzählen dürfen und was nicht. 

10:26
Richterin Mertens: Die Aussagegenehmigung erstreckt sich auf das Vollzugsverhalten des Gefangenen. 

Zeuge P.-D. aus der JVA Burg
10:27
"Im Moment hat er keinen Fernseher, aber es ist einer beantragt."

10:28
Der Zeuge ist entlassen.

TW
Das Gericht vernimmt einen weiteren JVA-Bediensteten als Zeugen. Er sagt aus, dass der Angeklagte zu 3-4 JVA-Bediensteten im Haftalltag Kontakt habe und von seinen Eltern besucht werde. Ansonsten sagt er sehr wenig und deswegen wird die Sitzung nun auch kurz unterbrochen, da sich @raahoff die Aussagegenehmigung des Zeugen anschauen möchte. Unter Verweis auf Grenzen der Aussagegenehmigung verweigerte der Zeuge immer wieder Antworten, u.a. danach, ob der Angeklagte einen Fernseher in seinem Haftraum habe.  
Die Aussagegenehmigung liegt nun den Prozessbeteiligten vor. Die Vorsitzende Richterin teilt mit, dass die Leiterin der JVA keine Bedenken habe, wenn der als Zeuge vernommene Bedienstete die Frage nach dem Fernseher beantworte. 
Zudem weist die Vorsitzende darauf hin, dass nach Angaben der JVA-Leiterin die Bediensteten keine persönlichen Gespräche mit dem Angeklagten führen sollen. Einen Fernseher gibt es auch nicht, kann aber noch kommen. Dafür hat der Angeklagte einen Laptop mit der Ermittlungsakte zur Verfügung. 7/ 

10.35 Uhr: Anweisung im Gefängnis: Beamte sollen Kontakt mit B. auf Dienstliches beschränken 
Im Hochsicherheitsgefängnis Burg ist es JVA-Beamte nicht gestattet, sich privat mit B. auszutauschen – etwa während der Essensversorgung oder anderen Gelegenheiten. Kontakte zum Terroristen seien auf das Dienstliche zu beschränken, lautet ein Anweisung im Gefängnis, bestätigt ein Bediensteter. Einen Fernseher habe B. nicht in seiner Zelle. Dieser könne beantragt werden, sagt der JVA-Mitarbeiter, dann werde geprüft.

                                                                                                    


11.05 Uhr: Stephan B. wählte rechtsextreme Musik aus, wollte Signale an internationale Naziszene senden 
Themensprung: Das Gericht beleuchtet nochmals Details zurneee Vorbereitung des Anschlags auf die hallesche Synagoge am 9. Oktober 2019. Es geht um die Musik, die Stephan B. während seines Angriffs auf das Gotteshaus laufen ließ – zu hören ist das im Livevideo, das B. ins Internet übertrug. Bereits der erste Musiktitel gilt als Zeichen an die internationale rechtsextreme Szene – das Lied reiht zahlreiche Codes der extremistischen Alt-Right-Bewegung in den USA aneinander. Laut der Kriminalistin wählte B. die Lieder offenbar mit Bedacht: Ihr zufolge wurde die Titelliste mit zwölf Liedern bereits Mitte September erstellt, also Wochen vor der Tat.
Die Playlist sei eine Mischung aus Rap, Metal und Anime-Musik, so die BKA-Expertin. Exemplarisch schildert sie ihre Befunde zum ersten Liedtitel, „Powerlevel“ von Mr. Bond. „Er beinhaltet viele rassistische und antisemitische Begriffe“, sagt die Expertin über den Text. Es gebe zudem Bezüge zu Verschwörungstheorien aus der Zeit des Nationalsozialismus. Alben des Extremisten-Rappers heißen „Mein Kampf“ und „A Nazi goes to Africa“. Ein großer Teil der Playlist bestehe indes aus Liedern der Animeszene – also aus Comicfilmen im japanischen Zeichenstil. In diesen Titeln habe sie meist keinen unmittelbaren Tatzusammen finden können, sagt die BKA-Expertin. Die Comiclieder enthielten keine ideologischen Inhalte, so die Kriminalistin.

11.25 Uhr: Lied-Auswahl von Stephan B. nahm Bezug zu Toronto-Attentat
Das Fazit: Gleich mehrere Lieder haben „einen unmittelbaren Tatzusammenhang erkennen lassen“, so die Kriminalistin. Neben dem rechtsextremen „Powerlevel“ treffe dies auch auf einen Song zu, der eindeutig Bezug auf einen Terroranschlag in Toronto im Jahr 2018 nimmt. Damals war ein 27-Jähriger mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren, 16 Menschen starben. Der Täter bezeichnete sich selbst als Incel – eine frauenhassenden Bewegung, die große Überschneidung zur rechtsradikalen US-Szene hat.
Das beim Anschlag von Halle abgespielte Lied schildere, wie der Toronto-Attentäter in die Menschenmenge fährt. „Es ist sehr aggressiv, der Song wird mehr geschrien, als dass er gesungen wird“, sagt die Kriminalistin. „Er macht aggressiv, er macht nervös.“ Das Lied sei ausdrücklich frauenfeindlich. Die Kriminalistin bilanziert: Die ausgewählten Lieder des Halle-Attentäters „unterstreichen für mich seine Lebenssituation und seine Persönlichkeit“.

Zeugin KHK R.
10:28
R. (43) ist Kriminalhauptkommissarin (KHK) beim BKA Meckenheim. Sie hat die Musik ausgewertet, die Stephan B. mittels eines MP3-Players über mobile Lautsprecher während der Tat abspielte.

10:32
Die Musik war über das Video zu hören. 

10:33
Die Musik wurde mittels eines Lautsprechers abgespielt, der am Rücken befestigt und mit einem MP3-Player verbunden war. Auf der Speicherkarte des MP3-Players waren 12 Songs gespeichert. 

10:36
"Die Playlist wurde am 14.9. zusammengestellt. Letzter Zugriff auf diese Playlist war am 7.10."

10:37
"Im Auto war die Musik gut zu hören. Sie war verständlich. Aber sobald sich der Angeklagte außerhalb des Autos bewegte, war die Musik nur schwer verständlich." Teilweise waren auf dem Video nur Bruchstücke zu hören.

10:39
Richterin Mertens: Hatte Reihenfolge der Musik System?
"Aus meiner Sicht ja. Wenn sein Plan funktioniert hätte, und er in die Synagoge eingedrungen wäre (...), wären die ersten Songs in der Synagoge zu hören gewesen. So habe ich das gewertet."

10:41
Inhaltliche Auswertung: 
Die Musik besteht aus einer Mischung von Rap, Trap Metal und sogenannter Anime-Musik. 

10:43
"Mr. Bond" ist ein rechter Rapper aus Österreich, der fünf Alben unter anderem mit dem Namen "Mein Kampf Mixtape Vol. 1488" veröffentlichte. Mr. Bond schreibt Texte um. 
"Ich habe keine Vorkenntnisse über diese Sachen gehabt. Es war der spezielle Auftrag", weshalb KHK R. gezielt nach dieser Musik im Internet suchen musste. 

10:48
Ein Album ist im Internet nicht auffindbar. Das Logo "Moon Man" steht für Rassismus. Die Figur werde oft als Mitglied des Ku Klux Klans dargestellt.

10:51
Einige Songs können der Anime-Musik zugeordnet werden. Teilweise war keine Übersetzung der Songs möglich. Dort waren keine ideologischen Inhalte festzustellen und damit kein unmittelbarer Bezug zur Tat. 

11:01
Fazit: "Drei Songs lassen einen unmittelbaren Tatzusammenhang erkennen." Diese wären bei Gelingen des Plans in der Synagoge zu hören gewesen.

11:02
Die Musik war wohl in Zimmerlautstärke. In der Synagoge wäre die Musik gut zu hören gewesen, dafür war sie laut genug. 

11:03
Ein Song (Trap Metal) handelt von einem Anschlag 2018 in Toronto, bei dem der Attentäter mit einem Van 10 Menschen tötete und 16 verletzte. Der damalige Attentäter scheint ein Vorbild  für den Musiker und Hörer des Songs zu haben.

11:14
Möglicherweise hätte die Zeugin die Anime-Songs anders bewertet, wenn sie gewusst hätte, dass das Manifest von Stephan B. selbst gezeichnete Mangas enthält.

Kritik am BKA
11:19
Anwalt kritisiert die Arbeit des BKA. "Ich bin maßlos enttäuscht und entsetzt über die Medienkompetenz." 

11:20
Kritisiert wird, dass das BKA nur Versatzstücke liefern würde und die Auswertung der Daten nicht kompetenzübergreifend vorgenommen wurde. 

11:22
Kritisiert wird, dass die Musik ausgewertet wurde, ohne einen Zusammenhang zu Internetphänomenen zu beachten bzw. einen Spezialisten für Internet-Kulturen hinzuzuziehen. 

11:24
Zeugin KHK R. wird kurz rausgebeten.

11:25
Die Bundesanwaltschaft nimmt das BKA in Schutz. Die Zeugin habe sehr gute Arbeit geleistet. Doch Anwälte kritisieren, dass die Zeugin Einschätzungen vorgenommen habe, ohne weitere Hintergrund-Kenntnis zu haben.

11:28
Anwalt: "Der Angeklagte lacht nur, sobald wir an unsere Grenzen des Verständnis kommen." Auch die Bundesanwaltschaft könne doch mit der Arbeit des BKA nicht zufrieden sein. 

Zeugin KHK R.
11:30
Die Zeugin KHK R. wird wieder in den Zeugenstand gerufen und kann dann kurz darauf wieder gehen. 

Stephan B.
11:31
Anwalt hat zwei Fragen an den Angeklagten. 
Stephan B.: "Eigentlich habe ich kein Interesse, weil sich das schon wieder viel zu lange zieht."

Kritik am BKA
11:34
Anwalt: Die Arbeit der Zeugin KHK R. werde entwertet, weil man ihr nicht gesagt habe, dass der Inhalt eines Liedes auch direkten Bezug zur Tat von Stephan B. haben könnte. Dabei gehe es um den Anschlag in Toronto mit einem Auto. 
"Dass wir das hier erfahren müsse, erschreckt mich."

TW
Die nächste Zeugin ist Kriminalhauptkommissarin, BKA. Sie sagt aus, dass sie mit der Auswertung der Musik befasst war, die der Angeklagte während seiner Taten abspielte (und die in seinem Stream zu hören war). Siehe dazu auch zwei Artikel. (https://mobile.twitter.com/doew_at/statu...6511007744)
Die Ermittlerin sagt aus, aus ihrer Sicht seien insbesondere "Suicide Prototype", "Egg White" (Alek Minassian), "Power Level" (Mr. Bond) relevant, bei Tatausführung wie durch den Angeklagten geplant, wären sie in der Synagoge zu hören gewesen. Auch sie erwähnt, die durch den Angeklagten auf seinem Rechner zusammengestellte Musik unter dem Titel "Midnight Genocide Collection", für das er ein "Moonman"-Titelbild entwarf. (Siehe dazu in kurz: https://www.adl.org/education/references...s/moon-man). 
Zeugin verweist auf den Anschlag 23.04.18 in Toronto. Der Angeklagte spielte Musik des Attentäters von Toronto. Einen Teil der Musik ordnet die Zeugin unter "Anime-Musik" ein, hier habe sie keine ideologischen Bezüge zur Tat erkennen können. Auf Nachfrage gibt sie an, sie habe keinerlei Vorkenntnisse für diese Analyse der Musik gehabt, es habe sich um einen Spezialauftrag gehandelt, zu dem sie dann vor allem online recherchiert habe. "So habe ich das im Internet gefunden", antwortet sie an einer Stelle auf eine Frage zu Incels.  
Beispielsweise will sei einen Songtext nicht online gefunden haben. Jedenfalls aktuell ist der Text bei bei genius.com online, unter den ersten Google-Ergebnissen zu sehen. Den Zusammenhang zwischen Songtext und Tatbegehung mit Blick auf Aftax I., den der Angeklagte angefahren hatte, kann sie nicht herstellen. Dabei geht es um einen Titel, in dem beschrieben wird, wie ein Attentäter Menschen mit einem Auto tot fährt. „Ich hab mir jetzt nicht den Fahrstil des Angeklagten angeschaut…“ 
Nebenklage-Anwalt Herrmann fragt die Zeugin nach den Titeln, die sie als nicht-politisch bzw. ohne Tatbezug eingeordnet hatte. Er habe einfach nebenher Titel/Interpret und "Nazi" gegoogelt und reihenweise Treffer erhalten. In den Antworten der Zeugin zeigt sich, dass die Zeugin nur die Musik ausgewertet hat, aber sich nicht mit dem Manifest beschäftigt hat ("...habe versucht die Songs möglichst neutral zu bewerten"), dass sie nichts von neonazistischen Manga-Motiven auf den Geräten des Angeklagten wusste, aber Musik als "Manga-Musik" zuordnete, dass sie im Prinzip einfach gegoogelt hat und dabei vieles auch einfach nicht gefunden und nicht in einen Zusammenhang bekommen hat. 
Ob es eigentlich beim BKA eine Fachabteilung gibt, die das kann und die das koordiniert, das kann die Zeugin nicht aussagen, denn daran hinderten sie die Grenzen ihrer Aussagegenehmigung. Der Sitzungsvertreter des Generalbundesanwalts führt nun aus, es gebe an den Ermittlungen hier nichts zu kritisieren. In Antwort auf den Sitzungsvertreter des GBA weisen Anwälte der Nebenklage darauf hin, dass man mit diesen Ermittlungsergebnissen nicht ernsthaft zufrieden sein könne und nicht zu verstehen sei, warum sich hier eine einzelne Ermittlerin abmühen müsse, online zu recherchieren, statt dass daran entsprechend geschulte Beamten_innen arbeiten, denen dann auch alle notwendigen Erkenntnisse und Ermittlungsergebnisse vorliegen, so dass diese zutreffend zusammengeführt werden. 
Zur Vernehmung der Zeugin erklärt @raahoff – andere schließen sich an –, dass es das Verfahren entwerte, wie hier das Bundeskriminalamt ermittelt habe. Ausdrücklich kritisiert er nicht die Arbeit der Beamtin die sich bemühte, sondern dass ihr die notwendigen Informationen durch die Ermittlungsbehörde nicht zur Verfügung gestellt worden waren und so weder fachlich noch organisatorisch Voraussetzungen gegeben waren, in denen erfolgreiche Ermittlungen möglich gewesen wären. Es bleibt: Das BKA & eine Frau mit Google. 22/

Pause bis 12 Uhr
11:44
14.10.2020

12.08 Uhr: Nebenklageanwälte zweifeln Analyse des BKA an 
Nebenklageanwälte bezweifeln, dass das BKA die Liedauswahl bestmöglich ausgewertet hat. Eine Kritik: Während die Kriminalistin bei einigen Songs keinen ideologischen Tatbezug feststellte, weist ein Anwalt gerade darauf hin, dass er auch in diesen Fällen problemlos Nazi-Playlists im Netz finden konnte. Die BKA-Expertin räumt ein: Die internationale Naziszene sei üblicherweise nicht ihr Fachgebiet. Auch über wichtige Details zum Halle-Attentat hatte sie während ihrer Analysearbeit keine Kenntnis: So habe sie nicht gewusst, dass Stephan B. auf der Flucht beinahe einen Mann überfahren habe.
Dass diese mögliche Parallele zum Toronto-Attentat bei der vom BKA beauftragten Expertin nicht bekannt war, sei verheerend und unverständlich, kritisiert Nebenklageanwalt Alexander Hoffmann. Auf Nachfrage kann die Zeugin auch nicht beantworten, ob andere BKA-Spezialabteilungen die Lieder und Nazi-Szenebezüge untersuchten. Nebenklageanwälte beklagen, dass Zeugen des Bundeskriminalamts im Prozess bisher lediglich „Versatzstücke“ der Ermittlungen lieferten – nie aber umfassende Darstellungen oder Analysen.

                                                                                                    


12.35 Uhr: Psychologen-Gespräche in Haft: Immer wieder lacht Stephan B. während seiner Ausführungen
Weiter geht es zum Verhalten Stephan B.s im Gefängnis: Jetzt sitzt ein Psychologe der JVA aus Halle im Zeugenstand. „Jeden Tag“ habe er Kontakt zum Attentäter gehabt, da der Gefangene vom Bundesgerichtshof zunächst als suizidgefährdet eingestuft wurde. 15 bis 20 Minuten hätten die Gespräche täglich gedauert. „Er war aufgeregt – bei mir war es ähnlich, so einen großen Fall hatten wir noch nicht“, sagt der Psychologe. In den Gesprächen mit B. sei dem Zeugen aufgefallen, „dass er sehr schnell zu seinen Tatmotiven übergegangen ist“. Immer wieder habe B. während seiner Erklärungen gelacht. „Das war für mich unpassend“, sagt der Zeuge. Nach wenigen Tagen sei klar gewesen, dass der Gefangene nicht suizidgefährdet sei.
Der Psychologe deutet eine Verhaltensstörung beim Angeklagten an. Der Zeuge habe die JVA-Mitarbeiter entsprechend informiert, dass B. immer wieder Verhaltensweisen an den Tag legen könne, die unpassend wirken. Auch eine „emotionale Kälte“ attestiert der Gefängnis-Psychologe. Er habe den Gefangenen auch zu seinen antisemitischen Verschwörungstheorien befragt. „Er ist davon überzeugt“, sagt der Zeuge. Der Psychologe habe mit B. auch über dessen Sexualität gesprochen. „Er hat Annäherungsversuche zu Mädchen gehabt, aber die führten nicht zum Erfolg“ – sofort sei B. zu antisemitischen Verschwörungserzählungen übergegangen, die seinen Misserfolg begründeten. Bereits in seinem Tatvideo hatte B. behauptet, der Feminismus sei eine Verschwörung jüdischer Eliten.

Zeuge W. aus der JVA Halle
12:03
W. (53), Diplom-Psychologe und Bediensteter der JVA Halle wird nun als Zeuge befragt.

Aussagegenehmigung
12:05
Die Aussagegenehmigung der JVA Halle erstreckt sich ausschließlich auf das Verhalten des Gefangenen, nicht jedoch auf das Verhalten am 30. Mai. An diesem Tag versuchte Stephan B. zu fliehen.

Zeuge W. aus der JVA Halle
12:07
"Das erste Gespräch war nicht länger als 15, 20 Minuten."

12:09
"So einen großen Fall hatten wir noch nicht."

12:10
"B. berichtete über Einschränkungen. Er hatte noch seine Wunde am Hals."

12:10
"B. lachte bei seinen Schilderungen oft. Das war für mich unangepasst."

12:11
"Nach drei oder vier Sitzungen wurde deutlich, dass er nicht suizidgefährdet war."

12:12
"Auf die Frage, ob er Gespräche fortführen will, hat er mit Ja geantwortet."

12:12
"Ab und zu hatten wir kontroverse Diskussionen, wenn ich meine Meinung gesagt habe, aber die wurden von ihm vom Tisch gewischt. Dann kam auch das unpassende Lachen."

12:16
B. habe bedauert, dass seine Mutter und Schwester nicht zu Hause sein und viele Kinder haben könnten. 

12:20
Die zwei tödlichen Opfer habe Stephan B. verbal bedauert, allerdings nicht emotional. Das angeschossene Paar bezeichnete er einmal als Kollateralschaden.

12:21
B. habe gesagt, die Weißen hätten ein Recht darauf, zu machen, was sie wollen. 

12:21
Einmal sei B. wütend geworden und aufgesprungen, als man in einem Gespräch sagte, dass man anderer Meinung sei als er. 
Da war der einzige Ausbruch, den W. so erlebte.

12:27
B. sah sich als Verlierer der Gesellschaft. W. habe mit B. darüber gesprochen, dass er mit dem Studium was aus sich hätte machen können. Doch dann kam die Erkrankung dazu. 

12:29
Am 9. April lehnte B. ein Gesprächsangebot ab. "Warum, weiß ich nicht." Zuvor gab es eine zweimonatige Pause, "weil ich mir den Zeh gebrochen hatte und krank geschrieben war. Das tut mir leid", so W. 

12:30
Von der Nebenklage seien viele Briefe bei B. gelandet. B. wollte von W. wissen, ob die Nebenkläger auch so viele Fragen im Gericht stellen dürften. 

12:31
B. sagte, er hätte kein Problem damit, wenn die Todesstrafe gegen ihn verhängt werde. 

12:32
"B. wirkt auch sich selbst gegenüber sehr gleichgültig."

12:33
B. habe darauf bestanden, eine besondere Jacke, die ihm gehört, zu  bekommen. 

12:35
B. gehe davon aus, dass er einen Leben lang im Gefängnis bleibt.

12:36
Anwalt: Hatte er Unterstützer?
B. sagte, dass seine einzigen Unterstützer nur die Kontakte im Internet-Chat gewesen seien.

12:38
B. hat in Gesprächen betont, er wolle keineswegs als unzurechnungsfähig dargestellt werden, darüber würde er sich fürchterlich aufregen. 

12:40
Frage: Wie zufrieden war er mit seiner Tat?
W.: "Zufrieden war er nicht."

12:40
B. wollte unbedingt Aufsehen erregen. Deshalb habe er, nachdem er nicht in die Synagoge gekommen war, zwei Menschen erschossen. 

12:41
B. habe sich als Versager bezeichnet. Er habe wahllos auf die Menschen geschossen. Reue zeigte er in Gesprächen nicht.

12.42 Uhr: Psychologe über Attentäter: „Er erwartet, dass er nie wieder rauskommt
Die JVA-Psychologe sagt: „Ich bin wahrscheinlich derjenige, der sich in den vergangenen sieben Monaten am meisten mit ihm unterhalten hat.“ In der Regel sei B. in den Gesprächen in Haft ruhig aufgetreten – es gab aber auch einen heftigen Wutausbruch, den der Experte nun schildert. Auch ein vom Bundesgerichtshof bestellter Psychologe hat bereits per Gutachten vermerkt, dass B. wütend die Gespräche abbrach.
In den ruhigeren Momenten habe der Haft-Psychologe in Halle mit Stephan B. aber auch über dessen Erwartungen an den Prozess sprechen können. „Er erwartet, dass er nie wieder rauskommt“, sagt der Zeuge. „Er sagte, das nimmt er auf sich. Er wollte ein Zeichen setzen. Er hätte auch nichts dagegen, wenn es die Todesstrafe gebe.“ Der Psychologe bilanziert, Stephan B. sei in den Gesprächen auch sehr gleichgültig gegenüber sich selbst gewesen.

12:47
B. sehe seinen Kampf nicht als beendet an. Er habe sich drei Szenarien vorgestellt:
1. Dass er selber erschossen wird.
2. Dass er flüchten kann und aus einem Versteck heraus seinen Kampf fortführt.
3. Dass er verhaftet wird. 

12:48
Für B. stelle sich nicht die Frage, ob er nach seiner Verhaftung den Kampf noch fortführen könnte. 

12:51
W.: "Durch die Postkontrolle haben wir auch Einsicht auf eine Zeichnung von ihm gehabt. Es war eine junge Frau mit hochgezogenen Schultern."

12:54
B. bekomme auch Post von ihm unbekannten Personen. Ein Brief davon war von einer Frau, der er mit der Zeichnung geantwortet habe. 

12.56 Uhr: Psychologe betont: Stephan B. wolle keinesfalls als psychisch krank gelten
Der Psychologe schildert, Stephan B. habe sich in den Gesprächen in Haft ausdrücklich auf den Attentäter von Christchurch (Neuseeland) bezogen. Dieser Täter habe sich „getraut“, habe B. gesagt. Im Gegensatz dazu gebe es aber „zu viele Maulhelden“. Der Attentäter von Christchurch hatte 2019 zwei Moscheen angegriffen, 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt.
Auch über das Bomben-Attentat in Oklahoma mit 168 Toten im Jahr 1995 habe B. gesprochen. B. habe bedauert, beim Attentat in Halle nicht mehr Menschen getötet zu haben. „Er sieht seinen ‚Kampf‘ nicht beendet.“ B. habe bei dem Anschlag drei Optionen gesehen: „Dass er erschossen wird. Dass er flüchtet und aus dem Untergrund den Kampf fortführen kann. Und dass er verhaftet wird.“
Der Psychologe betont: Stephan B. wolle keinesfalls als psychisch krank gelten. Vereinzelt habe der Experte mit B. über seine Kindheit gesprochen. Freunde seien dem Angeklagten in der Schulzeit mehr und mehr abhandengekommen, „er berichtete am Ende nur noch von zwei“. Im Studium sei es zunächst besser gewesen, doch nach seiner schweren Darmkrankheit und Operation habe er gar keine Kontakte mehr gepflegt.

13.07 Uhr: Besuch in Haft: Eltern berichteten von „Verfolgung“ durch Presse
Erst nach geraumer Zeit durften B.'s Eltern den Angeklagten in der Haft in Halle besuchen. Der Gefängnis-Psychologe schildert, die Eltern hätten dem Angeklagten bei ihrem ersten Besuch über „Verfolgung“ durch die Presse berichtet. Stephan B. habe später im Gespräch mit dem Psychologen gesagt: „So schlimm hatte er sich das nicht vorgestellt“, als er im Vorfeld die Konsequenzen seines Anschlags durchdacht habe. In Haft habe Stephan B. auch geäußert: Statt 30 oder 40 Jahre in Haft zu sitzen, wäre ihm seine Hinrichtung lieber. So würde sein Gefängnisaufenthalt nicht dem Steuerzahler zu Last fallen. „Ich habe das aufgeschrieben, weil es auffällig ist“, sagt der Gefängnispsychologe im Zeugenstand. Der Prozess legt eine Mittagspause ein.

Pause bis 14 Uhr
13:00

Der Zeuge den das Gericht nun vernimmt ist beim psychologischen Dienst der JVA Halle beschäftigt. Zunächst wird die Aussagegenehmigung verlesen, sie erfasst ausschließlich das "vollzugliche Verhalten" des Angeklagten. Explizit ausgenommen sind Ereignisse am Tag des Ausbruchsversuchs des Angeklagten. 
Der Zeuge berichtet, ihm sei bei seinem ersten Gespräch mit dem Angeklagten schon dessen häufiges Lachen aufgefallen, das der Zeuge als "unpassende Affekte" bezeichnet. Eine Suizidgefahr habe der Angeklagte verneint. Der Angeklagte habe im Gespräch mit dem Zeugen seine "Überzeugungen" oft dargelegt, gemeint sind offenbar seine antisemitischen, rassistischen, frauenfeindlichen Einstellungen. Der Zeuge nennt die "Verschwörungsideologie von der jüdischen Weltverschwörung". 
Der Zeuge spricht von einer verfestigten Einstellung des Angeklagten, die geprägt sei von "white supramacy", von der Vorstellung der Überlegenheit von Menschen mit weißer Hautfarbe. Bei Widerspruch habe er auch mit Wut reagiert.  
Der Angeklagte habe sich erkundigt wie der Prozess ablaufen werde, ob etwa Vertreter_innen der Nebenklage ihm auch Fragen wie das Gericht stellen könne. Seine Unterstützer seien die Menschen "im Internet", seine Taten sieht der Zeuge auch als indirekte Botschaft des Angeklagten an diese Unterstützer. Der Angeklagte habe sie als Maulhelden bezeichnet, nach den Anschlägen in Christchurch habe der Angeklagte zeigen wollen, dass man handeln müsse. Neben Christchurch habe er sich auf einen anderen Anschlag bezogen an welchen kann sich der Zeuge nicht erinnern. 
Er berichtet auch auf Nachfrage von @RPietrzyk, dass der Angeklagte ihm gesagt habe, er wolle auf keinen Fall als unzurechnungsfähig dargestellt werden. Der Angeklagte habe Aufsehen erregen wollen, in dem er zwei Personen erschossen habe, nachdem sein Anschlag auf die Synagoge scheiterte. Hier ist nicht ganz klar, inwieweit der Zeuge den Angeklagten wiedergibt, oder selbst eine Bewertung vornimmt. 
Bemerkenswert, der Zeuge gibt an, dass er zur Bewertung ob eine Suizidgefahr vorliege ein Gespräch von etwa 20 Minuten führe, "auf Grund der Prominenz des Verfahrens" habe er sich hier jedoch mehrere Tage Zeit genommen. Erinnerung, in der JVA Halle gab es in den letzten Jahren mehrere Selbsttötungen von Inhaftierten.
In der Vernehmung ergibt sich noch mal, dass der Angeklagte Briefkontakte in der Haft hatte (und wohl noch hat), er schreibe u.a. mit mehreren Frauen. Die Sitzung ist nun bis 14 Uhr unterbrochen. 32/ 

                                                                                                    


13:59
Stephan B. hat bereits wieder Platz genommen.

14:03
Der Senat ist noch nicht aus der Pause zurück. 

14:10
Der Senat tritt ein, die Verhandlung wird fortgesetzt.

TW
Dr. Kati Lang stellt nach der Mittagspause einen Beweisantrag, Mick Prinz von @AmadeuAntonio soll als Sachverständiger/Zeuge zum Gaming-Verhalten des Angeklagten aussagen, insbesondere bei Steam und auch zu den dort verwendeten Namen des Angeklagten wie "Antag", "Kommissar1337" und "Der Ostpreuße" sowie deren Bedeutung. Sie verweist dabei auf 1137 als Schreibweise für "Leet" bzw. "Elite" – "Leetspeak" ersetzt Buchstaben durch Ziffern, relevant & populär bei "Counter Strike". Zudem erwähnt Dr. Lang sozialdarwinistische 34/ 
des Angeklagten bei der Ermordung von Jana Lange durch den Angeklagten. Mick Prinz von @AmadeuAntonio soll auch dazu aussagen, inwieweit sich durch Online-Spiele Fähigkeiten für den Waffenbau aneignen lassen. Das Gericht muss über den Antrag noch entscheiden. 35/ 

Zeugin M. aus der JVA Halle
14:19
M. (54), Beamtin im Justizvollzugsdienst in der JVA Halle wird als Zeugin befragt.

Beamtin M. aus der JVA Halle
14:22
Gab es Auffälligkeiten?
"Ich kann mich lediglich an den 8.4. erinnern. Da waren sechs Monate U-Haft fast rum. Irgend jemand hatte ihm gesagt, dass in der Regel eine U-Haft nicht länger als sechs Monate dauert. Da wurde B. etwas unruhig, lief in seiner Zelle umher. Er stellte einen Antrag auf sofortige Entlassung."

14:26
"Ich war beim ersten Besuch seiner Eltern dabei, wo seine Mutti fürchterlich geweint hat. Das tat ihm leid. Da waren bei ihm ein paar Emotionen zu sehen."

14:28
Gab es Hinweise auf einen Ausbruchsversuch?
"Darüber darf ich nicht reden."

14:28
"B. verhielt sich immer korrekt, fast militärisch, mit kurzen Antworten. So wünscht man sich einen Gefangenen."

14:30
Eine Anwältin fragt: Stimmt es, dass die Kamera bei Hofgängen bei ungünstiger Öffnung einer Tür verdeckt ist?
M.: "Da bin ich nicht berechtigt, darüber zu sprechen. Das hat nichts mit dem Verhalten von B. zu tun."

14:37
Hatten Sie beim Ausbruchsversuch Dienst?
M.: "Nein."
Können Sie  die Namen der Kollegen nennen, die an diesem Tag Dienst hatten?
M.: "Ich werde doch hier nicht die Namen der Kollegen nennen. Das hat auch was mit Datenschutz zu tun. Da müssen Sie die Anstaltsleitung fragen."

14:38
Denken Sie nicht, dass B. versucht hat, Sie durch seine ruhige, entspannte Lage zu beeinflussen?
M.: "Ich denke nicht, sonst hätte er es bei mir versucht."

14:40
Also halten Sie ihn nicht für besonders gefährlich in Bezug auf weitere Ausbruchsversuche?
M.: "Ich weiß nicht, ob ich darauf antworten muss."
Richterin Mertens: "Nein, Sie müssen hier keine Einschätzung geben."

14.44 Uhr: Stephan B. in Haft: „korrekt, fast militärisch“
Eine weitere Justiz-Bedienstete aus Halle, die Haus-Leiterin der JVA Roter Ochse, berichtet über den Häftling B.: Emotionale Regungen habe sie bei dem Häftling nicht wahrgenommen. Einzige Ausnahme sei der erste Besuch der Eltern in Haft gewesen. „Seine Mutter hat fürchterlich geweint. Da hat man schon gesehen, dass ihm das leidtat.“ Stephan B. habe sich gegenüber dem Gefängnispersonal immer korrekt, „fast militärisch“ verhalten. „So wünscht man sich das von einem Gefangenen eigentlich“, sagte die Haus-Leiterin. Nebenklage-Anwältin Assia Lewin fragt, ob dieses Verhalten nicht nur Mittel zum Zweck gewesen sei – schließlich habe der Gefangene im Sommer einen spektakulären Ausbruchsversuch unternommen. Die Zeugin glaubt das nicht. „Er wird sich in Burg nun genauso benehmen.“

TW
Das Gericht vernimmt nun als Zeugin die Hausleiterin der JVA Halle zum Verhalten des Angeklagten in der U-Haft. Nach sechs Monaten habe er einen Antrag auf Entlassung gestellt, es habe ihm jemand gesagt, U-Haft könne nicht länger als 6 Monate dauern. 
"Gab es denn Hinweise darauf, dass er einen Ausbruchsversuch wagen würde?" - "Darauf darf ich gar nicht antworten", sagt die Zeugin von der JVA-Halle, sie verweist auch auf die Leitung der JVA Halle, die dazu befragen sei und ihre Aussagegenehmigung. 37/
Wer am Tag des Ausbruchsversuchs Dienst hatte, will die Hausleiterin aus der JVA Halle nicht nennen. Sie nenne doch hier keine Kollegen, man solle dazu die Anstaltsleitung befragen. Für sie sei der Angeklagte ein Häftling wie man ihn sich wünsche. 39/

                                                                                                    


KHK E. vom BKA Meckenheim
14:41
Kriminalhauptkommissar E. (37) hat nun Platz genommen. Er hat umfangreiche Finanzermittlungen gemacht. 

14:44
Ziel der Finanzermittlung war es, zu gucken, was hat B. für Konten und welche Zahlungs-Kontakte hatte er.

14:45
Bis 2014 überwies ihm die Mutter Geld,vermutlich Taschengeld, anfangs weniger, dann 230 Euro, zum Schluss 330 Euro.

14:48
Auf dem Konto war kaum Bewegung.

15:08
Es gingen ein paar Zahlungen an Outdoor- und Militärausstatter raus sowie an Firmen, bei denen B. Chemikalien bestellt hatte. Über das Konto des Vaters seien beispielsweise Präzisionsrohre gekauft worden. 

15:11
Überwiegend habe B. auf Kosten Dritter - vermutlich der Eltern - gelebt.

15.15 Uhr: Bundeskriminalamt: Ermittler durchleuchten Konten des Attentäters
Weiter geht es mit einem Finanzermittler des Bundeskriminalamts, der die Geldströme von Stephan B. untersucht hat. Auch seine Befragung steht unter der Frage: Wie bereitete der Attentäter seine Taten vor? In den vergangenen Jahren seien über die Konten Militaria-Käufe festgestellt worden, sagt der BKA-Mann. Und: „Wir haben auf dem Konto des Vaters Bestellungen von Sachen festgestellt, die für den Bau von Waffen benutzt worden sein könnten.“ Es handele sich unter anderem um Präzisionsbohrer, aber auch um Bleischrott. Über das Konto der Mutter sei der Kauf eines militärischen Gefechtshelms festgestellt worden, sagt der Ermittler. Auch mehrere Karabiner, eine Feldmütze und ein Molekülbaukasten stehen auf der Kaufliste.
Die Analyse der Konten zeigt aber auch die Einsamkeit des Angeklagten: In einem der vergangenen Jahre habe er lediglich rund 100 Euro abgehoben. Mit Blick auf die Bestellungen zur Tatvorbereitung sagt der Ermittler: „Ich bisschen ist die Frage, wo das Geld herkommt.“ Stephan B. habe zum Teil persönliche Gegenstände verkauft, die er nicht mehr brauchte. Nennenswerte Einnahmen habe der arbeitslose Stephan B. nach Verlassen der Bundeswehr und dem Ende der Bafög-Zahlungen aber nicht gehabt. Stephan B. habe im Kern von den Ersparnissen der Eltern gelebt, bilanziert der Ermittler. 

TW
Derzeit vernimmt das Gericht einen BKA-Ermittler, der mit den Finanzermittlungen beschäftigt war. Dazu ist im Verfahren schon einiges ausgesagt worden Zeuge berichtet von Taschengeld bis zum Studium, Sparkassen-Konto, Barzeinzahlungen die nicht zu erklären waren.
Im Auto des Angeklagten wurde ein unvollständiger Bitcoin-Seed gefunden, über den Ebay-Account der Mutter seien möglicherweise tatrelevante Einkäufe (zB Helm) getätigt worden. Der Vater habe bspw. Präzisionsrohre gekauft – genaue Verwendung unklar. 41/ 

                                                                                                    


Terminplanung
15:15
Richterin Mertens kündigt an: Da in diesem Jahr vom 10. bis 18. Dezember das jüdische Fest Chanukka gefeiert wird, würden die Verhandlungs-Termine vom 15. und 16. Dezember um eine Woche verschoben werden - sofern sie überhaupt benötigt werden. 


Kurze Lüftungspause
15:17
Wegen der Corona-Pandemie werden regelmäßig Lüftungspausen eingelegt. 

                                                                                                    


15.59 Uhr: BKA: Stephan B. kaufte im großen Umfang Präzisionsrohre und Militärkleidung
Der letzte Zeuge heute ist ein BKA-Ermittler, der zusammengefasst hat, wie der Entschluss zum Anschlag bei Stephan B. reifte. „Es gab zwei Ereignisse, die beim Angeklagten eine prägende Rolle gespielt haben“, sagt der Kriminalist: „Die Flüchtlingskrise 2014 und der Anschlag von Christchurch im März 2019.“ Die Zeit nach Christchurch (Neuseeland), wo ein Rechtsterrorist zwei Moscheen angriff und 50 Menschen tötete, nennt der Ermittler die „engere Vortatphase“ für den Anschlag von Halle. Stephan B. verübte das  Attentat am Feiertag Jom Kippur ein halbes Jahr nach dem Anschlag von Christchurch.
Laut BKA-Ermittlern schilderten Zeugen, dass B. ein halbes Jahr vor dem Synagogen-Anschlag Jogging-Training begonnen habe. Zudem nahmen Zeugen Knallgeräusche auf dem Grundstück des Vaters war – offenbar wurde dort mit einem Luftgewehr geschossen. Laut BKA verwendete Stephan B. in der Vorbereitungsphase weiterhin viel Zeit auf Computerspiele, darunter Ego- und Militär-Shooter. Ab 2016 begann er mit dem Schusswaffenbau, 2017 kaufte Stephan B. im großen Umfang Präzisionsrohre, Militärkleidung, Waffenholster und ähnliches.

KHK K. vom BKA
15:30
Kriminalhauptkommissar K. (50) vom BKA hat einen Ermittlungsbericht über das Verhalten verfasst, das zur Tat geführt haben könnte.

15:33
Zwei Ereignisse spielten für B. eine prägende Rolle, die zur Tat führten:
1. Flüchtlingskrise 2015
2. Anschlag in Christchurch am 15. März 2019

15:35
Es wurden zwei Dateien ausgewertet. Sie enthalten ein Interview, das B. offensichtlich mit sich selbst führte. Darin erklärte er seinen Hass auf Juden und Muslime sowie Homosexuelle.

15:39
Die Auswertung von Zeugenaussagen ergab, dass B. mit dem Joggen angefangen hatte. Zudem wurde auf dem Grundstück des Vaters mit einem Luftgewehr geschossen. Nachbarn nahmen zu unterschiedlichen Zeiten Knallgeräusche wahr. B. wurde zudem als Person beschrieben, die viel vor dem PC saß und spielte (Ego-Shooter etc.).

15:42
B. mietete am 7. Oktober gegen 12.30 Uhr einen VW Golf in einer Filiale in Halle an. Bei der Auswertung der gefahrenen Kilometer bleibe eine Lücke von 43 Kilometern. 

15:47
In einem zusammenfassenden Bericht sind alle Käufe der vergangenen Jahre aufgelistet, bei denen B. Dinge gekauft hat, die beispielsweise für das Herstellen von Waffen genutzt werden können.

15:54
Zusammenfassung des Berichts: Mit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 fing B. an, Schusswaffen zu bauen, anfangs für Verteidigungszwecke. Mit dem Anschlag in Christchurch im März 2019 änderte sich seine Zielrichtung. Jetzt wollte B. seine Waffen bei einem Anschlag einsetzen. Er bereitete sich auf seine Tat vor, indem er seine sportlichen Aktivitäten intensivierte. Zudem bestellte B. taktische Ausrüstungsgegenstände, spähte Örtlichkeiten aus, führte Spreng- und Waffentests durch, bereitete den Stream fürs Internet vor und schrieb seinen Tatplan für eine Veröffentlichung nieder.

Sitzung für heute beendet
16:05
Der Prozess wird am 3. November fortgesetzt. Dann sollen auch die psychologischen Gutachten vorgetragen werden, erklärt Richterin Mertens.

TW
In der Vernehmung eines weiteren BKA-Ermittlers als Zeugen geht es um die Zeit vor der Tat. Wesentliches dazu ist bereits im Prozess ausgesagt worden, neu sind einige Details zum Mietwagen des Angeklagten. 
Zeugen wird aus seinem Bericht vorgehalten der Angeklagte habe Spreng- und Waffentests durchgeführt. Das beruhe auf Aussagen des Angeklagten, erläutert der Ermittler. Er habe das nicht überprüft, ob das jemand überprüft habe und wer kann er nicht sagen. 
Damit ist der Prozesstag für heute fertig. Den Bericht gibt es wie immer morgen im Morgenmagazin bei @radiocorax und als Podcast zum Nachhören im Blog, bei Spotify und Apple Podcasts. 44/ 

16.11 Uhr: Richterin schließt die Verhandlung
Damit ist der letzte Zeuge gehört. Die Sitzung ist für heute beendet - weiter geht es am 3. November.
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