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Prozess in Magdeburg
#11
2 Liveticker

https://www.volksstimme.de/sachsen-anhal...ytlpage=68
Der 5. Prozesstag im Liveticker - 03.08.2020
Anja Guse

https://www.mz-web.de/halle-saale/anschlag-in-halle-saale/liveticker-richterin-verliest-bka-gutachten--wie-gefaehrlich-waren-die-selbstbauwaffen--37123594
03.08.2020: Tag 5 im Terrorprozess gegen Stephan B.
03.08.20, 09:48 Uhr

11.10 Uhr: Sitzung ist geschlossen - am 25. August geht es weiter
Die kurze Sitzung ist geschlossen, weiter geht es am 25. August. Morgen wird der Staatsschutzsenat um Ursula Mertens die Zeugenliste für die kommenden Prozesswochen festlegen. Unter anderem BKA-Mitarbeiter stehen darauf, aber auch Augenzeugen, die die Angriffe auf die hallesche Synagoge und den Dönerimbiss in der Ludwig-Wucherer-Straße miterlebten. Auch der Psychiater Norbert Leygraf soll noch eine Einschätzung zum Angeklagten abgeben – unter anderem zur Frage, ob er Stephan B. noch für gefährlich hält. Richterin Mertens deutet an, dass der Prozess bis in den November hineinreichen könnte. Sie habe bereits Termine reserviert.

11.00 Uhr: Prozess geht in die Sommerpause
Nebenklage-Anwalt Alexander Hoffmann warnt, wichtige Fragen dürften „nicht im stillen Kämmerlein“ besprochen werden – gerade wenn es um die Onlineforen gehe, in denen sich Stephan B. vor seiner Tat bewegte. „Diese Foren müssen benannt werden“, sagt er. Richterin Mertens versichert aber, dass dies auch nicht geschehen solle. Zumal auch einige BKA-Mitarbeiter auf der Zeugenliste stehen, die zu den fraglichen Themen befragt werden sollen. Die Zeugenvernehmungen können ab dem 25. August fortgeführt werden. Dann geht der Prozess nach einer kurzen Sommerpause weiter.

10.53 Uhr: Richterin ordnet Selbstleseverfahren für Akten an
Eine Reihe von Nebenklägern warnt davor, dass wichtige Dokumente im Verfahren nur im sogenannte Selbstleseverfahren behandelt werden - und in der Hauptverhandlung demnach nur am Rande zur Sprache kommen. Hintergrund: Richterin Ursula Mertens hatte den Prozessbeteiligten eine Reihe von Dokumenten zur Verfügung gestellt, um diese außerhalb der Hauptverhandlung lesen zu können. Unter anderem geht es um Geheimdienstvermerke des Verfassungsschutzes und des Militärischen Abschirmdienstes mit Erkenntnissen zum Angeklagten. Aber auch um sein Onlineverhalten auf Computerspiel-Plattformen und Imageboards.

Mehrere Nebenkläger erklären, mit Blick auf den Öffentlichkeitsgrundsatz dürften diese wichtige Fragen nicht ins Selbstleseverfahren verlagert werden. Richterin Mertens sagt bereits zu, zentrale Dokumente auch in der Hauptverhandlung zu besprechen.  

Sitzung beendet
10:42
03.08.2020
 
Die Sitzung ist beendet. Fortsetzung ist am 25. August. 


10:45
03.08.2020
 
Richterin Mertens weist auf die dreiwöchige Pause hin, wünscht allen Beteiligten einen schönen Urlaub und erklärt: "Nächste Woche soll es wieder sehr heiß werden. Da bin ich froh, dass wir hier nicht sitzen müssen."


Zusätzliche Prozesstage
10:39
03.08.2020
 
Richterin Ursula Mertens geht davon aus, dass es weitere Verhandlungstermine über den Oktober hinaus geben wird. 


Anordnung der Richterin
10:33
03.08.2020
 
Die Richterin ordnet das selbständige Lesen von Dokumenten an. Diese werden dann als Beweismittel in das Hauptverfahren eingeführt und nicht mehr während der Verhandlung verlesen. Allerdings können besonders relevante Dokumente sehr wohl zusätzlich während der Verhandlung verlesen werden. 


Selbstleseverfahren
10:31
03.08.2020
 
Bundesanwaltschaft sieht kein Problem mit dem Selbstleseverfahren und verweist darauf, dass dennoch wichtige Zeugen gehört werden. 


Erklärung
10:28
03.08.2020
 
Mehrere Rechtsanwälte schließen sich der Erklärung an. 


Erklärung
10:21
03.08.2020
 
Der Rechtsanwalt eines Nebenklägers erklärt, dass verschiedene Dokumente nicht nur im Selbstleseverfahren, sondern öffentlich im Prozess behandelt werden sollten. 


Erklärung
10:15
03.08.2020
 
Ein Rechtsanwalt liest eine Erklärung zur Anordnung des Selbstleseverfahrens vor. 


Pause beendet
10:14
03.08.2020
 
Der Senat tritt ein. Die Sitzung wird fortgesetzt. 


10:10
03.08.2020
 
Stephan B. wird wieder in den Gerichtssaal geführt. Die Handschellen werden ihm abgenommen. 


10.00 Uhr: BKA bestätigt Gefährlichkeit der Selbstbauwaffen
Das BKA hat die hohe Gefährlichkeit der Selbstbauwaffen amtlich bestätigt. Sowohl die Maschinenpistole als auch Pistole und Schrotflinte könnten „potenziell tödliche Verletzungen“ hervorrufen, schreibt das Kriminaltechnische Institut Wiesbaden. Das BKA hatte eigene Schusstests mit den sichergestellten Waffen durchgeführt – unter anderem auf ballistische Gelatineblocks, die menschliches Gewebe nachbilden. Die Kriminaltechniker testeten nicht nur die Durchschlagskraft, sondern auch die Schrotverteilung der Flintenschüsse, und verglichen die Ergebnisse mit handelsüblichen Waffen. Stephan B. hatte seine Schusswaffen selbst gebaut, unter anderem mit Teilen aus einem 3D-Drucker.


Pause
09:53
03.08.2020
 
20 Minuten Pause. Es wird auf einen Rechtsanwalt gewartet. 


Ergebnis Gutachten
09:52
03.08.2020
 
Ergebnis: Alle Waffen waren potenziell tödlich. 


9.46 Uhr: Richterin verliest BKA-Gutachten zu Selbstbauwaffen
Der Prozesstag beginnt mit der Verlesung eines BKA-Gutachtens zu den sichergestellten Waffen, die Stephan B. bei dem Anschlag benutzte. Es geht um die selbstgebaute Maschinenpistole (Luty), eine Pistole und eine Schrotflinte. Der Attentäter hatte all diese Waffen am 9. Oktober 2019 eingesetzt. Kriminaltechniker des BKA sollten die Gefährlichkeit der Waffen begutachten.

Ergebnis des Gutachtens
09:45
03.08.2020
 
Richterin Mertens liest das Gutachten vor:
Im Test durchdrangen sowohl die Munition der Maschinenpistole (9mm) als auch der Pistole (38 spezial) vollständig einen 26,5 Zentimeter langen Gelantine-Block. 
Das Schrot der Flinte (Kaliber 12) blieb in einem 34 Zentimeter langen Gelantine-Block bei etwa 25 Zentimeter stecken. 


Gutachten
09:38
03.08.2020
 
Gutachten kommt zu dem Schluss, dass "augenscheinlich" sowohl Maschinenpistole und Pistole als auch die Flinte im Eigenbau hergestellt wurden. 


Gutachten
09:33
03.08.2020
 
Das Behördengutachten des BKA vom 20. Mai zu Maschinenpistole, Pistole und Flinte wird eingeführt. 


09:31
03.08.2020
 
Nicht alle Rechtsanwälte und Nebenkläger sind heute erschienen. 


9.30 Uhr: Warum heute verhandelt wird
Eigentlich wäre das Gericht am vergangenen Mittwoch in eine kurze Sommerpause gegangen. Doch das lässt die Strafprozessordnung nicht zu. Da der Prozess noch nicht mindestens über zehn Tage läuft, darf nicht länger als drei Wochen pausiert werden. Daher kommen Richter und Anwälte heute zusammen.


Senat betritt den Saal
09:30
03.08.2020
 
Der Senat tritt ein, Richterin Mertens jetzt in Robe. 


09:29
03.08.2020
 
Richterin Mertens hat den Saal noch einmal hektisch verlassen.


09:27
03.08.2020
 
Stephan B. schaut sich ein paar Papiere an, grinst. Bespricht sich dann mit seinem Verteidiger Thomas Rutkowski. 


09:25
03.08.2020
 
Richterin Ursula Mertens hat bereits zuvor - nahezu unbemerkt - Platz genommen, ohne Robe.


Angeklagter erscheint
09:24
03.08.2020
 
Stephan B. wird in den Gerichtssaal geführt. 


Wenig Interesse
09:22
03.08.2020
 
Das Interesse am fünften Prozesstag  ist im Vergleich zu den vorherigen Sitzungen gering. Der Zuschauerraum ist noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt. 


08:51
03.08.2020
 
Um 9.30 Uhr wird am Montag der Prozess gegen den Halle-Attentäter fortgesetzt. Allerdings geht es heute nur um einige Formalien. Die Sitzung soll nur etwa eine Stunde dauern. Danach geht das Gericht in eine dreiwöchige Sommerpause.


8.13 Uhr: Kein gewöhnlicher Tag vor Gericht
Es wird ein ungewöhnlicher Prozesstag. Heute wird weder der Angeklagte befragt, noch werden Zeugen gehört. Stattdessen ist dieser Termin ausschließlich für das Abarbeiten von Formalien im Prozess anberaumt worden – voraussichtlich wird es heute auch Hinweise darauf geben, wie es in den kommenden Wochen im Prozess weitergeht: Welche Zeugen noch gehört, welche Fragen beleuchtet, welche Beweismittel gesichtet werden. Bis in den Oktober hinein hat das Oberlandesgericht Prozesstermine reserviert.
Antworten
#12
Im folgenden möchte ich einen dritten Ticker (rsp. die Berichterstattung) ergänzen, den von Radio Brocken. Der Sender ist ebenfalls im Gerichtssaal. Auf diese Weise kommt ein dritter Zungenschlag ins Spiel. Einige mir bemerkenswerte Stellen habe ich farbig markiert.

Attentat von Halle: So lief der erste Prozesstag

[Bild: prozessauftakt_21.07.20_attent%C3%A4ter_von_halle]

Mit Verspätung begann am Dienstagmittag der Prozess am Landgericht Magdeburg gegen den Attentäter von Halle, Stephan B..
Am ersten Tag des Prozesses hat Stephan B. beide Morde gestanden. Der Mord an Jana L. sei nicht geplant und nicht gewollt gewesen. Den 20-jährigen Kevin S., den er im Imbiss Kiez-Döner erschossen hatte, hatte er für einen Muslim gehalten. Es tue ihm leid einen Weißen erschossen zu haben. Stattdessen habe er möglichst viele Muslime und Schwarze töten wollen. Echte Reue zeigt B. nicht. Für seine rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen wurde er von Richterin Ursula Mertens mehrfach in seinen Ausführungen unterbrochen.
Mertens befragte Stephan B. auch zu den Vorbereitungen der Tat. Als normaler Passant sei er zuvor an der Synagoge in Halle gewesen, um den Zielort auszuspähen. Bis zur Tat habe niemand von seinem Vorhaben gewusst.
Gegen 17.15 Uhr vertagte die Richterin den Prozess. Dieser wird am Mittwoch fortgesetzt und beginnt mit der Sichtung des Videomaterials, welches Stephan B. im Internet streamte.

Prozess zum Attentat von Halle: der erste Tag im Ticker

+++17.17 Uhr Prozess vertagt+++
Der Prozess wird von Richterin Mertens vertagt. Der morgige Prozesstag soll dann mit dem Abspielen der Videos, die Stephan B. im Netz gestreamt hat, begonnen werden.

+++16.27 Uhr Wiederaufnahme des Prozesses nach der Pause+++
Nach einer Pause geht es im Landgericht Magdeburg weiter. Stephan B. gesteht, Jana L. und Kevin S. erschossen zu haben. Der Kollege des getöteten Kevin S. ist zudem seitdem arbeitsunfähig.

+++14.05 Uhr Das Töten von Jana L. war eine "Kurzschlusshandlung"+++
Den zweiten Schuss auf Jana L. kommentiert der Täter mit: „Wenn man etwas macht, muss man es richtig machen.“ Gleichzeitig spricht er von einer "Kurzschlusshandlung". Außerdem tue es ihm leid, dass er "so viele Weiße getötet habe."

+++13.58 Uhr Täter lacht über seine Fehler bei der Tat+++
Am 9. Oktober um 11 Uhr startete der Täter vom Haus seines Vaters in Helbra. Auf dem Weg zur Synagoge verfuhr er sich. Auf die Frage, warum er keine Leiter bei seiner Tat dabei hatte, antwortet der Angeklagte lachend: "Das war einer meiner vielen Fehler."

+++13.35 Uhr Drei Jahre Waffen selbst gebaut, seit 2019 Ziel ausgespäht+++
Drei Jahre hat der Attentäter von Halle an seinen Waffen gebaut. Am Anfang konnte er nach eigenen Aussagen nicht einmal ein Loch gerade bohren. Zum Schluss hat er sogar das Schießpulver selbst hergestellt.
Im Sommer 2019 hat der Täter mehrfach sein Ziel in Halle ausgespäht.

+++13.10 Uhr Familie des Attentäters äußert sich nicht+++
Die Eltern des Attentäters und seine Schwester haben vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.

+++12.52 Uhr Der Angeklagte äußert sich zu den Vorwürfen+++
Die getötete Jana L. hielt Stephan B. für minderwertig. Auch beide Opfer aus Landsberg werden vom Angeklagten als minderwertig erachtet. Ihren Tod nahm er in Kauf.
Der Täter gibt an, dass er keine Freunde oder Interessen hatte, außer das Internet. Nach dem durch Krankheit abgebrochenem Studium, lebt der Täter „in den Tag hinein“, bei seiner Mutter im Kinderzimmer. Im Sommer 2017 hat der Täter begonnen, sich zu bewaffnen. Die Tatwaffen wurden in der Werkstatt des Vaters und im alten Kinderzimmer im Haus des Vaters gebaut.
Nachdem sich der Täter mehrfach im beleidigenden und menschenverachtenden Kontext äußert, ermahnt die Richterin ihn, dass er auch von der Verhandlung ausgeschlossen werden kann.

+++12.37 Uhr Anklageschrift wird verlesen+++
Die Anklageschrift wird verlesen. 13 Anklagepunkte. Darunter: Leugnung des Holocaust, Mord und versuchtem Mord. Mit zum Teil heimtückischen Mitteln, wie es in der Anklage steht.
Mit acht Schusswaffen und verschieden Sprengsätzen wollte er Menschen töten und andere zu ähnlichen Taten animieren. Die Molotowcocktails beim Angriff auf die Synagoge fertigte der Angeklagte aus Motoröl und Benzin. Die selbstgebaute Sprenggranate, die der Täter auf den Döner Imbiss warf, war mit Nägeln gefüllt. Eine Passantin wurde auf der Straße von Nägeln am Fuß getroffen.
Fast 45 Minuten dauert das Verlesen der Anklageschrift, auch aufgrund der Fülle an Straftaten.

+++12.35 Uhr Stephan B. spricht das erste Mal+++
Zum ersten Mal spricht der Täter vor Gericht. Klar. Zackig. Kurz.

+++12.25 Uhr Der Prozess beginnt+++
Der Prozess läuft natürlich auch unter Corona Bedingungen. Mindestens 45 Minuten soll jede Unterbrechung dauern, damit der Täter dann aus dem Saal geschafft werden kann. Es soll aber auch kurze Pausen zum Lüften geben.
Das Gericht stellt die Beteiligten des Verfahrens vor. Die Richterin sagt, sie hätte noch nie ein Verfahren mit so vielen Beteiligten geleitet.

+++11.18 Uhr Unser Reporter ist im Gerichtssaal+++
Schon vor Prozessbeginn gibt es harsche Kritik am Gericht: einige Journalisten haben über 3 Stunden in der prallen Sonne warten müssen. Die Medienplätze im Saal sind außerdem sehr schlecht: Kein Journalist wird dem Angeklagten im Prozess ins Gesicht schauen können. Landeshauptstadt-Reporter Lars Frohmüller ist im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen zumindest schon mal im Gerichtssaal.

+++10.45 Uhr Gleich geht es ins Gerichtsgebäude+++
Mit 45 Minuten Verspätung geht es jetzt gleich ins Landgericht. Ein Pressesprecher hat gerade zugeben: beim Probelauf ist nicht alles bedacht worden. „Es läuft nicht alles optimal.“ Der Prozess soll nun 11 Uhr beginnen.

+++08:17 Uhr Ankunft des Attentäters in Magdeburg+++

+++08:05 Uhr: Geänderte Route zum Landgericht+++
Der Attentäter wurde nicht, wie bisher gedacht, über die A2 und A14 transportiert, sondern mit dem Hubschrauber zum Flugplatz Magdeburg gebracht. Von da ging es per Eskorteam ins Landgericht.

https://www.radiobrocken.de/nachrichten/Attentat-von-Halle-So-lief-der-erste-Prozesstag-id430307.html
Antworten
#13
Attentat von Halle: So lief der zweite Prozesstag
Pünktlich um 10 Uhr beginnt am Mittwoch der zweite Prozesstag zum Anschlag von Halle im Landgericht Magdeburg.


Nachdem der Angeklagte am Vortag bereits die Morde an Jana L. und Kevin S. gestanden hat, beginnt der zweite Verhandlungsakt mit dem Sichten des Videomaterials, welches der Attentäter mit seiner Helmkamera ins Internet streamte.

Keine Reue beim Täter, Tränen bei den Nebenklägern
Bereits am Vortag war der Angeklagte durch rassistische und menschenverachtende Äußerungen bei der Schilderung der Tat aufgefallen. Auch beim Zeigen des Videomaterials zeigt er keinerlei Reue. Die Nebenkläger verlassen während der Todesszenen unter Tränen den Gerichtssaal.
Mit seiner Tat wollte Stephan B. zeigen, was man auch mit improvisierten Mitteln erreichen kann. In seinen Aussagen wird einmal mehr sein tiefverwurzelter Fremdenhass deutlich. Für seine Ziele hätte er auch den eigenen Tod in Kauf genommen. Dass Jana L. sein Opfer wurde, beschreibt er als Zufall - es hätte auch jeden anderen Menschen, der sich ihm in den Weg stellt, treffen können.

Mittag: Rechtsanwalt Hans-Dieter Weber befragt seinen Mandanten
Stephan B. beantwortet die Fragen. Er berichtet u. a., dass er nie in einer Synagoge war. Er sagt, dass er auch Angst hatte, dass während der Tat niemand in der Synagoge ist. Hintergrund: Sein Anwalt will damit suggerieren, dass sein Mandat nicht wusste, ob Menschen in der Synagoge waren. Einspruch der Nebenkläger. Die Vorsitzende belehrt den Anwalt über das Verfahren. Weber will die Aussage seines Mandanten später korrigieren lassen. Weber will 15 Minuten unterbrechen, um einen Antrag zu verfassen. Am Ende wird der Antrag abgelehnt.
Auch andere Anwälte befragen den Angeklagten. Zwei Anwälten möchte er nicht mehr antworten. Die Fragen der Anwälte werden dem Gericht übergeben, sodass die Fragen später über das Gericht gestellt werden können.

Woher hat Stephan B. die Waffenbaukenntnisse?
Im Darknet hat sich Stephan B. mit einem Gesprächspartner dazu ausgetauscht. Dieser Chatpartner hat dem Angeklagten ebenso 0,1 Bitcoins geschickt. Stephan B. hat dem Chartpartner versprochen, dieses Geld für einen Anschlag auf Muslime zu verwenden. Um aus den Bitcoins Bargeld zu machen, tauschte Stephan B. die Bitcoins mit einem anderen Kontakt in 1.000 Euro um. Die Übergabe erfolgte in einem Schnellrestaurant in der Lutherstadt Eisleben. Das Geld hat er dann für die Vorbereitung für den Anschlag verwendet.
Nächste Woche Dienstag, 28. Juli geht die Fragerunde weiter.

https://www.radiobrocken.de/nachrichten/Attentat-von-Halle-So-lief-der-zweite-Prozesstag-id430511.html
Antworten
#14
Attentat von Halle: So lief der dritte Prozesstag
Am dritten Prozesstag sprechen zum ersten Mal Zeugen.


Der Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle am 9. Oktober 2019 ging am Dienstag (28.07.2020) in den dritten Verhandlungstag. Dabei wurde die Befragung des Angeklagten durch die Anwälte der Nebenkläger abgeschlossen, es wurde ein mutmaßlicher Abschiedsbrief der Mutter vorgelesen und der erste Zeuge wurde gehört: Ein Ermittlungsbeamter des Bundeskriminalamtes (BKA), der den Angeklagten nach dem Attentat fünf Mal vernommen hatte.
Zu Beginn des dritten Prozesstages befragen die Rechtsanwälte der Nebenkläger den Halle-Attentäter zu seinen Lebensumständen, seiner Schulzeit, dem aktuellen Kontakt zu seinen Eltern und wie er zur freiheitlich demokratischen Grundordnung steht. Unter anderem befragt ihn ein Anwalt, der die Polizei vertritt, die am 9. Oktober (am Tag des Attentats) vor Ort waren.
Stephan B. sagt, er wurde in der Schule nicht gemobbt. Der 28-Jährige hatte drei Monate nach dem Attentat wieder Kontakt zu seinen Eltern und telefoniert "hin und wieder" mit ihnen, um zu erfahren, wie es ihnen geht. Die Frage zu seinem Demokratieverständnis kommentiert er mit einer Verschwörungsideologie. Detail-Fragen zu seinem verfassten und veröffentlichten Manifest will der Attentäter den Rechtsanwälten nicht beantworten: "Ich habe kein Interesse, [...] meine Pläne zu erklären." Die Frage, ob er auch Kinder getötet hätte, wenn eins vor Ort gewesen wäre, bejaht der Attentäter.
Im Prozess wurde beschrieben, was die Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) auf dem Rechner des Attentäters gefunden haben. Stephan B. habe strategisch gehandelt: Er habe entschieden, was die BKA-Beamten finden und was nicht. So löschte er zielgerichtet am 9. Oktober seinen Browserverlauf und versuchte das auch mit seiner Festplatte, bevor er loszog, um Menschen zu töten. Teile seiner Festpatte konnten wieder hergestellt werden. Anderes ließ er leicht auffindbar auf seinem Desktop stehen.
Die Beamten fanden auf seinem Rechner beispielsweise Kriegslieder aus aller Welt, Lieder der Hamas, Videos von IS-Hinrichtungen (u. a. an Kindern) und Dokumente einer rechtsextremen Gruppierung aus den USA, die rechtsextreme und islamistische Massenmörder als Vorbilder verherrlicht, international aktiv vernetzt ist und als eine der gefährlichsten Neonazi-Gruppen der Gegenwart gilt.

Attentäter von Halle bewegte sich intensiv in der rechtsextremen Online-Szene
Nachweislich bewegte sich der Attentäter intensiv in der rechtsextremen Online-Szene. Kontakte zur lokalen rechtsextremen Szene habe er hingegen nicht gehabt, wie der Verfassungsschutz bestätigte. Der Sachsen-Anhalter radikalisierte sich zuhause über das Internet. Unter anderem war er im Darknet unterwegs, wo er nicht nur auf ideologische Foren gestoßen ist, sondern auch auf Kinderpornografie. Letztes sei ein Versehen gewesen, verteidigt sich Stephan B. Außerdem hört der Attentäter rechtsextreme (meist englischsprachige) Musik, die offen Nazi-Symbole und antisemitische, rassistische, queerfeindliche sowie sexistische Texte verwenden. Für die Nebenkläger ist klar, dass der Angeklagte nicht allein, sondern mit vielen im digitalen Resonanzraum handelt. Der Fall dürfe streng genommen nicht als Einzeltat betrachtet werden, zumal sich Stephan B. auch an anderen Attentätern orientierte. Juden soll damit signalisiert werden, dass sie nicht sicher sind. Es darf in diesem Prozess nicht der Fehler gemacht werden, das hier nur eine Person angeklagt wird, so die Nebenkläger. Auch aus dem Gefängnis heraus ist der Attentäter weiterhin nach Außen vernetzt. So schreibt er umfangreich Briefe mit verschiedenen Personen, vorrangig aus Mitteldeutschland. Die Namen der Empfänger sind bekannt und er wird damit konfrontiert. Stephan B. will zu den Personen aber keine weiteren Angaben machen und blockt komplett ab.
Generell versucht Stephan B. privaten Fragen auszuweichen und will kaum Persönliches preisgeben. Bei anderen Fragen nutzt er hingegen häufig die Gelegenheit, Verschwörungsideologien zu verbreiten. Richterin Ursula Mertens macht die Anwälte der Nebenkläger darauf aufmerksam und gibt zu bedenken, inwieweit sie dem Angeklagten eine Bühne dafür bieten wollen oder beim Verhör seine Sprache aufgreifen, indem sie beispielsweise ebenso rassistische Wort benutzen. Mertens betont, dass das Fragerecht dabei nicht beschnitten werden soll. Die Formulierungen sollten jedoch durchdacht sein und Anwälte sollen überlegen, inwiefern sie den Angeklagten beim Antworten abschweifen lassen.
Ein Gutachter befragte den rechtsextremen Attentäter von Halle beispielsweise zu seinen Erkrankungen. Zum ersten Mal zeigte sich so etwas wie Zorn im Gesicht. Er wurde kleinlaut und einsilbig bei den Antworten auf die Fragen, die sich um seine Erkrankungen drehen. Auf die Frage, wann Stephan B. das letzte Mal Amphetamine konsumiert habe, antwortet der Angeklagte mit: "Keine Ahnung."
Der 28-jährige Attentäter hatte sich seit einer Erkrankung selbst stark sozial isoliert und sich später in seinem Kinderzimmer bei seiner Mutter radikalisiert. Seine Eltern wurden nun doch für Mittwoch, 29.07.2020 als Zeugen vorgeladen. Ob sie aussagen werden, ist jedoch fraglich. Letzte Woche haben die Eltern noch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und mussten so weder mündlich noch schriftlich Fragen zu ihrem Sohn und dem Fall beantworten.

Mutmaßlicher Abschiedsbrief der Mutter wird im Gerichtsaal vorgelesen
Der Attentäter erzählte auf Nachfrage, dass er ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter habe. Der sonst so redselige Angeklagte wollte sich dazu aber nicht weiter äußern. Im Prozess wurde dann ein Brief der Mutter als Abschrift im Gericht gezeigt. Gefunden wurde er in der der Wohnung der Mutter. Es handelte sich dabei mutmaßlich um einen Abschiedsbrief. Dieser ist an die Schwester des Attentäters gerichtet: "ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommen würde. [...] Du weißt wie sehr ich um ihn gekämpft habe. Ich habe ihn verloren. Ich habe euch lieb [...]."
In dem sechsseitigen Brief von ihrem mutmaßlichen Suizidversuch zeichnete die Mutter mehrfach Davidsterne, die sie durchstrich, außerdem verklärt sie das Attentat ihres Sohnes und sucht die Schuld beim Staat: "Dieser Staat hat mich und Stephan so im Stich gelassen." Weiter schrieb sie: "Bevor ich gehen muss, schalte ich den Fernseher an, damit ich meinen Sohn noch einmal sehen kann. Sie haben so viele Bilder von ihm, ich kann es kaum glauben, dass er es sein soll." Dass die Mutter sich außerdem antisemitisch im Brief geäußert habe, verteidigt ihr Sohn, indem er meint, dass sie das nur unter Einfluss von Alkohol und Tabletten geschrieben haben könne.
Rechtsanwältin Kati Lang äußerte sich gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung zum Abschiedsbrief der Mutter des Attentäters: „Der Brief lässt aus unserer Sicht darauf schließen, dass es auch im familiären Kontext antisemitische Denkstrukturen gab“, so Lang, die drei Opfer aus der Synagoge vertritt.

BKA-Mitarbeiter ist der erste Zeuge im Prozess, der angehört wird
Am Nachmittag wurde der erste Zeuge angehört: Ein BKA-Mitarbeiter, der Stephan B. fünf Mal verhört hatte. Laut Zeuge habe der Attentäter hin und her geschwankt, ob er aussagen wolle oder nicht. Erst bei der Sicherung der Fingerabdrücke habe der Angeklagte sich geäußert und nachgefragt, was die Beamten von ihm wissen wollen. Der Angeklagte habe sich den Beamten gegenüber mehrmals überlegen gefühlt, indem er die Arbeit der BKA-Mitarbeiter korrigierte und sich über Beamte lustig machte, die Jargon der Gaming-Szene nicht verstünden.
Beispielsweise habe er einen BKA-Beamten korrigiert, der erst den falschen Fingerabdruck nehmen wollte. Ein anderes Mal überschrieb er im Gaming-Jargon Beleidigungen auf Dokumente. Und auch zum heutigen Prozesstag freut sich der Attentäter über die Ausführung des Beamten und korrigiert fleißig Details, die der Beamte aus der Gaming-Szene nicht kennt.
Dennoch habe sich Stephan B. während der Vernehmung kooperativ verhalten und auf die Fragen geantwortet, so der BKA-Mitarbeiter im Zeugenstand.
Der BKA-Mitarbeiter spricht als Zeuge über die Vernehmungen mit Stephan B. Der Rechtsextremist habe das Attentat akribisch geplant. Es wird detailliert darüber berichtet, wie der 28-Jährige bei der Planung des Attentats vorgegangen sei, wie er seine Pläne warum modifizierte, warum er welchen Streaming-Dienst und welche Sprache wählte und was er ursprünglich nach dem Attentat geplant hatte, wie etwa mögliche Fluchtrouten. Es sei dabei ebenso um Dokumente gegangen, die er vor dem Attentat in Halle verfasste. Darin beschreibt der Attentäter neben seinen Plänen auch seine Ideologie sowie Querverbindungen zu anderen Attentätern. Außerdem berichtete der BKA-Beamte über die Vernehmung als es um den Schusswechsel mit der Polizei, seine Flucht und die Situation in Wiedersdorf (Saalekreis) ging.
Der BKA-Mitarbeiter schlussfolgerte für sich, welche Ereignisse Stephan B. womöglich beeinflussten, zum Attentäter zu werden:
Seine schwere Erkrankung, weswegen er sich 2013 sozial isolierte und einen Groll gegenüber Ärzten und der Gesellschaft hegte. Der Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland 2015 verstärkte seinen Eindruck, im Stich gelassen zu werden - auch wenn er bisher nicht begründen konnte, was sich für ihn dadurch verändert habe. Im Internet stieß er später auf Baupläne für Waffen, die er dann auch nachbaute. Das jüngste Ereignis sei dann 2019 der Anschlag in Christchurch (Neuseeland) gewesen, was ebenfalls live gefilmt und ins Internet übertragen worden war und was er unter anderem als Vorbild nahm. Jedoch: Zwei Tage bevor er den Wagen auslieh, hatte er noch kleinere Zweifel, überlegte, ihn zurückzugeben. Erst am Tattag, als er in den Wagen einstieg, sei ihm klar gewesen, dass er den Anschlag wirklich verüben werde – so der BKA-Beamte.

Vierter Verhandlungstag findet am Mittwoch, 29. Juli statt
Am Mittwoch wird der Prozess um den Attentäter von Halle fortgesetzt.
Der Angeklagte, der Sachsen-Anhalter Stephan B., hatte bereits zu Prozessbeginn gestanden, am 9. Oktober 2019 schwer bewaffnet versucht zu haben, in der Synagoge von Halle ein Massaker anzurichten. In dem Gotteshaus feierten zu dem Zeitpunkt 52 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Dem Angeklagten gelang es jedoch nicht, in die Synagoge zu gelangen. Daraufhin erschoss er vor der Synagoge eine zufällig vorbeikommende 40-Jährige und später einen 20-Jährigen in einem Dönerimbiss. Der Attentäter filmte seine Tat und übertrug das Video live ins Internet.
Für das international beachtete Verfahren hat das Gericht zunächst 18 Verhandlungstage bis Mitte Oktober 2020 angesetzt. In der 121-seitigen Anklageschrift werfen die Bundesanwaltschaft und die 45 Nebenkläger dem 28-Jährigen unter anderem Mord und versuchten Mord vor. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

https://www.radiobrocken.de/nachrichten/...32308.html
Antworten
#15
Prozesstag 4: Radio Brocken Live-Ticker

Radio Brocken Landeshauptstadt-Reporter Lars Frohmüller versorgt Sie via Twitter mit Infos aus Magdeburg.

+++16.20 Uhr Vierter Prozesstag beendet+++
Der vierte Verhandlungstag ist nun abgeschlossen. Der Prozess um den Attentäter von Halle wird am Montag (03.08.2020) fortgesetzt.

+++15.21 Uhr Stubenkamerad des Attentäters sagt aus+++
Nun wird ein 29-Jähriger als Zeuge befragt, der mit dem Angeklagten bei der Bundeswehr für ein paar Monate auf einer Stube mit zwei weiteren Kameraden gewohnt hatte. Der Täter habe öfter Stress mit den anderen auf Stube gehabt, zwischenzeitliches wurde Stephan B. auch gemobbt. Stationiert waren sie gemeinsam in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern). Der Zeuge erinnere sich, dass der Angeklagte bei der Bundeswehr „Jude“ als Schimpfwort benutzt hatte. Laut Zeuge sei das in diesem Umfeld aber nicht selten gewesen.

+++15.08 Uhr Weitere Kollegin und Grundschullehrerin des Täters sagt nun aus+++
Nun wird die Grundschullehrerin des Täters in den Zeugenstand gerufen. Sie unterrichtete Stephan B. von 1998 bis 2002. Zur Mutter pflegte sie nur einen kollegialen Kontakt.
Täter hatte gute Leistungen in Mathe und Musik, nicht aber im Sportunterricht. Der Angeklagte wollte immer der beste sein, das hatte da aber nicht geklappt. Er habe sich stets angestrengt, aber auf Grund der Größe seien gute Leistungen nicht möglich gewesen. Stephan B. sei bis Ende der Grundschulzeit der Kleinste in der Klasse gewesen.
Der Täter war für die Zeugin damals ein ganz normaler Schüler, der sich sehr für Tiere interessiert hat. Er sei in der Grundschule introvertiert gewesen, emotionale Nähe lies er aber nie zu, war körperlich distanziert und mochte es auch nicht, in den Arm genommen zu werden. Der Angeklagte habe bereits in der Grundschulzeit kaum bis keine Freunde gehabt. In Konflikten habe er sich eher verbal gewehrt.

+++ 14.51 Uhr Kollegin spricht über Mutter nach Suizidversuch+++
Nach dem 9. Oktober war die Zeugin im Krankenhaus, um die Mutter zu besuchen, die am Tag des Anschlages versuchte, sich mit Tabletten und Alkohol das Leben zu nehmen. Die Zeugin weint und erzählt, dass es eine sehr schlimme Zeit war. Die Mutter habe zu ihr gesagt: Er hat mich belogen, betrogen und verraten. Die Mutter sei am Ende gewesen. Laut Zeugin habe die Mutter immer gedacht, dass ihr Sohn sich eher umbringt, statt so auszuticken. Die Zeugin sagt, dass Stephan B. die falschen Freunde im Internet hatte. Er hat nicht nur das Leben fremder zerstört, er hat das Leben seiner Familie zerstört und seines Neffen.
Der Angeklagte zeigt keine Reaktion, während die Zeugin das unter Tränen erzählt. Er sieht sie kaum an.
Die Aussagen im Abschiedsbrief der Mutter irritieren die Zeugin. Wenn sie ihre Kollegin nicht kennen würde, würde sie den Inhalt auch als rassistisch einstufen. Die Kollegen habe in den letzten 20 Jahren keine rassistischen Äußerungen oder ähnliches mitbekommen. Sie habe nicht wahrgenommen, dass sie Unterschiede zu beispielsweise syrischen oder vietnamesischen Kindern gemacht hätte.

+++14.26 Uhr Grundschullehrerin und Kollegin der Mutter wird befragt+++
Eine Grundschullehrerin und Kollegin der Mutter wird nun als Zeugin befragt. Stephan B.s Mutter war Lehrerin für Deutsch, Ethik, Kunst und Mathe an der Grundschule. Die Kollegin gibt an, keine Freundin der Mutter zu sein, ist aber mit ihr in den Urlaub gefahren und sie haben gemeinsam Wandertage und Feste organisiert. Die Zeugin war aber nie Lehrerin des Sohnes bzw. hat diesen nie unterrichtet.
Die Kollegin der Mutter erzählt, dass der Angeklagte aufgeweckt gewesen sei und sich für vieles interessiert habe, er wollte wissen was hinter den Dingen steckt. Er sei als Vorschulkind Gleichaltrigen voraus gewesen. Der Täter habe aber wenig Umgang außerhalb der Familie gehabt. Allgemein sei die Familie in sich geschlossen und "sich selbst genug". Aber sie wurde mit ihrem Mann gelegentlich mal zu Geburtstagen eingeladen. Der Angeklagte sei ihr dabei nie negativ aufgefallen, aber immer als Einzelgänger. Die Mutter sei sehr stolz auf ihren Sohn gewesen und er war der Mittelpunkt der Familie. Die Mutter hielt ihren Sohn für hochbegabt.
Die Zeugin gibt an, dass die Krankheit den Angeklagten verändert habe. Die Mutter hatte große Angst das ihr Sohn stirbt, weil die Ärzte wohl erst keine Ursache ausmachen konnten und deshalb dachten, er simuliere. Schließlich kam es doch zur OP.
Die Lehrerin hat der Mutter ins Gewissen gesprochen: Sie solle sich um den Sohn kümmern, das er wieder unter Leute kommt. Als das nichts half, hat sie ihr geraten den Jungen aus dem Haus zu werfen, lieber unter die Brücke schicken, damit er sich wieder aufrafft. Die Mutter habe aber gesagt, dann er sich so das Leben genommen hätte. Danach habe es einen Bruch in der Beziehung zwischen Mutter und Kollegien gegeben.

+++13.44 Uhr Attentat wird innerhalb der Familie nicht thematisiert+++
Nach einer langen Mittagspause spricht der Schwager darüber, wie die Familie mit dem Attentat umgeht. Das Thema und alles rund um Stephan B. werde wohl vermieden, besonders weil die Mutter dafür sehr anfällig sei. Seit der Tat ist die Familie kaputt, sagt der Zeuge. Davor war das Verhältnis in der Familie gut. Wie der Schwager berichtet, wollte auch die Schwester des Täters ursprünglich vor Gericht aussagen, jedoch sei "dem Druck nicht gewachsen“.

+++12.13 Uhr Sexualität des Täters sei oft hinterfragt worden+++
Der Anwalt der Nebenkläger fragt den Schwager, welches Verhältnis Stephan B. zu Frauen hatte. Der Zeuge erzählt, dass die Sexualität des Angeklagten öfters hinterfragt wurde, weil er offensichtlich keine feste Freundin hatte. Stephan B. sei darüber verärgert gewesen, wenn er von Freunden des Zeugen gefragt wurde, ob er homosexuell sei. Die Schwester habe einmal gesagt, dass er definitiv an Frauen interessiert ist und "dass da mal was gewesen war", was sie aber nicht genau wisse.

+++12 Uhr Betroffene befragt Schwager+++
Eine Nebenklägerin, die sich während des Anschlags in der Synagoge in Halle befand, befragt den Schwager des Angeklagten. Sie will wissen, wie er seinem Kind das Attentat und die Taten seines Onkels einmal erklären will: „Das ist eine Frage, die ich mir selbst jeden Tag noch stelle.“ Eine Antwort darauf habe er bisher nicht - auch nicht, wie er seinen Sohn davon abhalten wolle, einmal selbst so zu werden wie der Angeklagte.

+++11.35 Uhr Schwager spricht über Anschlag+++
Erst gegen 20.30 Uhr am Tattag hat der Zeuge vom Anschlag in Halle erfahren. Als er daraufhin bei seiner Ex-Freundin anrief, war die Mutter bereits im Krankenhaus. Über den Inhalt des Abschiedsbriefes der Mutter und die Situation allgemein war er sehr schockiert.
Auch seine Ex-Freundin, also die Schwester von Stephan B., sei an dem Tag komplett baff gewesen. Sie habe sich dem Zeugen gegenüber geäußert, dass sie auf ihren Bruder sauer ist, ihn verurteilt und die Tat in keinster weise verstehen könne. Einmal habe sie ihren Bruder im Gefängnis besucht, was nicht nochmal vorkommen werde. Sie könne den Anblick ihres Bruders nicht mehr ertragen.
Der Zeuge selbst wisse bis heute nicht, wie er über die Tat sprechen soll. Der Schwager gibt zu, selbst in der rechten Szene unterwegs gewesen zu sein. Er hätte nie gedacht, dass sowas hätte passieren können.

+++11.03 Uhr Schwager spricht über Persönliches vom Attentäter+++
Der Schwager spricht nun über Stephan B. und beschreibt den Täter als Einzelgänger, der die meiste Zeit am Computer verbrachte - sowohl bei der Mutter als auch beim Vater zuhause. Im Zimmer hatte der Täter Modellpanzer, Helm und gefundene Patronenhülsen. Beim Vater habe der Angeklagte er aber auch in der Werkstatt getüftelt. Einmal habe er dem Zeugen gezeigt, dass er dort eine Presse gebaut hat. Die Frage der Richterin, ob diese zum Pressen von Metall oder von Blüten (gefälschten Geldscheinen) war, konnte der Zeuge nicht beantworten.
Die Mutter hatte den Zeugen in der Vergangenheit gebeten, den Sohn mal mit raus zu nehmen. Bei einem Streit zwischen einem Freund des Zeugen und dem Angeklagten, soll Stephan B. ein Messer gezogen haben. Der Zeuge wisse das aber nicht mehr so genau, weil er betrunken war. Auch im Supermarkt sei er aggressiv gegenüber Menschen gewesen, die mutmaßlich kein (gutes) Deutsch sprächen. Er schrie sie deswegen lautstark an. Wenn der Zeuge ihn darauf angesprochen hatte, habe der Täter seine Aussage nur wiederholt. Innerhalb der Familie wurde sich auch über Flüchtlinge unterhalten. Der Täter habe sich über die Regierung geäußert, deren Entscheidungen nicht verstanden und eine Verschwörung vermutet. Die Schwester des Täters habe ihn zwar teilweise bekräftigt, hatte aber sonst keine Meinung dazu. Dass der Attentäter sich öfters abfällig über Juden geäußert hatte, war bekannt.
Als der Täter Ende 2012/Anfang 2013 im Krankenhaus war, besucht ihn seine Mutter dort täglich, weil sie Angst um ihn hatte. Die Schwester eher weniger und der Zeuge gar nicht. Die Eltern wünschten sich, dass er wieder ins Leben zurück findet. Nachdem Stephan B. aus dem Krankenhaus kam, versuchte der Vater ihn zu überreden, sich wieder Arbeit zu suchen. Das führte öfters zum Streit. Er habe es nicht eingesehen für diesen Staat zu arbeiten, hatte der Täter von sich gegeben. Wenn die Mutter sich über ihre Arbeit beschwert hatte, habe der Sohn auf sie geschimpft - Sie solle sich doch wieder einkriegen.

+++10.45 Uhr Ex-Freund der Schwester sagt über Familie des Attentäters aus+++
Der Ex-Freund der Schwester und somit Schwager des Angeklagten wird in den Zeugenstand gerufen. Er hat mit der Schwester ein gemeinsames Kind, seit 2018 sind sie kein Paar mehr, sind aber noch befreundet.
Anders als die Eltern und die Schwester des Angeklagten, hat er kein Zeugnisverweigerungsrecht. Er spricht darüber, wann und wie er die Eltern sowie den Attentäter selbst kennengelernt hat und was er über die Familie weiß:
  • Die Mutter hatte er zum ersten Mal vor acht Jahren zu Weihnachten kennengelernt. Da auch den Angeklagten.
  • Die Mutter wohnt momentan wieder bei ihrem Ex-Mann, dem Vater von Stephan B. "Das ist auch gut so. Wegen des ganzen Stresses", kommentiert der Sohn die Aussage.
  • Über Stephan B.s Mutter erzählt der Zeuge, dass sie sehr oft gestresst von der Arbeit kam und viel über die Schulleitung gemeckert habe. Sie habe aber gern über die Kinder erzählt, wie die sich in der Schule entwickeln.
  • Den Vater beschreibt der Zeuge als "arbeitswütig", ruhig und jemanden, der nicht schnell in Rage gerät.
  • Finanziell ging es den Eltern des Angeklagten nicht schlecht, so der Zeuge.
  • Die Mutter wohnte im Plattenbau. Vater gehört das Haus mit Garten und Schuppen.
  • Zu Geburtstagen war nur die Kernfamilie anwesend. Generell haben sich die physischen sozialen Kontakte auf die Kernfamilie konzentriert. Der Zeuge beschreibt den Täter als sehr zurückhaltend anderen Menschen gegenüber und sagte Sachen wie "Das sind eure Freunde, nicht meine."
  • Zum Angeklagtem selbst habe der Zeuge kein gutes Verhältnis gehabt: Sie haben kaum mit einander gesprochen, Stephan B. habe sich kaum für ihn interessiert, wenn dann haben sie nur über den Neffen (das gemeinsame Kind der Schwester und des Zeugen) gesprochen. Der Zeuge habe den Täter nie Lächeln sehen, außer wenn er mit dem Kind gespielt hat. Er und die Schwester hatten ihm vorgeschlagen auf das Kind aufzupassen, das habe sich der Täter aber nicht zugetraut.
  • Die Richterin fragt den Zeugen, ob er den Angeklagten mochte. Daraufhin der Zeuge nach einem langen Atmer: "Mögen ist so eine Sache. Ich habe ihn nicht gehasst, ich habe ihn akzeptiert, aber ich war mir bei ihm nicht so sicher, weil er mich oft wegen meines Übergewichts neckte und ärgerte."
  • Über die Beziehung des Attentäters zu seiner Mutter sagt der Zeuge, dass sie sich zwar auch mal gestritten hätten, die Mutter ihren Sohn aber bevorzugt habe. Die Schwester hingegen habe "immer nur die Schimpfe bekommen“.
+++10.16 Uhr Anwalt appelliert an Schwester auszusagen+++
Auch die Halbschwester des Angeklagten wird in den Zeugenstand gerufen. Während ihr Bruder sie immer wieder zu ihr blickt, sieht sie ihn nicht an. Der Rechtsanwalt der Nebenkläger ergreift das Wort und spricht die Zeugin direkt an. Er appelliert, vor Gericht auszusagen. Richterin Ursula Mertens greift ein und entzieht dem Anwalt das Wort. Die Situation wäre nicht zulässig. Die Zeugin verweigert ihre Aussage.

+++10.07 Uhr Befragung der Eltern vor Gericht+++
Der vierte Verhandlungstag beginnt mit der Befragung der Eltern des Attentäters, welche geschieden sind und getrennt leben.
Die 55-jährige Mutter und der 63-jährige Vater machen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch: Als Eltern des Angeklagten sind sie aufgrund des Verwandtschaftsgrades nicht verpflichtet über ihren Sohn und dessen Tat zu sprechen. Auch müssen sie schriftlich keine Stellung zum Fall nehmen. Das heißt auch, dass die Aussagen, die sie vorher gegenüber der Polizei gemacht hatten, nicht mehr vor Gericht verwendet werden dürfen.
Damit wird es keine Information geben, wie die Familie zu Stephan B.s Taten bzw. Einstellungen steht.
Der Attentäter fixierte seine Mutter mit Blicken während der Befragung, seinem Vater nickt er beim Verlassen des Zeugenstandes zu.

+++08.12 Uhr Vierter Verhandlungstag+++
Heute könnte es im Landgericht emotional werden. Die Familie des Angeklagten ist vorgeladen. Mit einer Aussage wird nicht gerechnet. Aber die Mutter steht ihrem Sohn erstmals seit Monaten im Gerichtssaal gegenüber. Ihr Verhältnis wird als eng beschrieben.

https://www.radiobrocken.de/nachrichten/...28994.html
Antworten
#16
Zitat:https://www.volksstimme.de/sachsen-anhal...ytlpage=68
Der 5. Prozesstag im Liveticker - 03.08.2020
Anja Guse
.............
Sitzung beendet
10:42
03.08.2020
 
Die Sitzung ist beendet. Fortsetzung ist am 25. August. 


10:45
03.08.2020
 
Richterin Mertens weist auf die dreiwöchige Pause hin, wünscht allen Beteiligten einen schönen Urlaub und erklärt: "Nächste Woche soll es wieder sehr heiß werden. Da bin ich froh, dass wir hier nicht sitzen müssen." **

**Kann ich verstehen Wink  bei der Wärme ist man lieber draußen im Schatten eines Baumes oder im Schwimmbad oder auf der Terrasse im eigenen Garten.

Aber geht es hier nicht um die große Sache, dass Deutschland einen seiner schweren Rechtsradikalen vor Gericht behandeln muss?
Antworten
#17
(03.08.2020, 19:14)fhh schrieb:
Zitat:...

10:45
03.08.2020
 
Richterin Mertens weist auf die dreiwöchige Pause hin, wünscht allen Beteiligten einen schönen Urlaub und erklärt: "Nächste Woche soll es wieder sehr heiß werden. Da bin ich froh, dass wir hier nicht sitzen müssen." **

**Kann ich verstehen Wink  bei der Wärme ist man lieber draußen im Schatten eines Baumes oder im Schwimmbad oder auf der Terrasse im eigenen Garten.

Aber geht es hier nicht um die große Sache, dass Deutschland einen seiner schweren Rechtsradikalen vor Gericht behandeln muss?

Pünktlich zu Ende der Sommerferien geht es ja weiter. Und sollte dann auch die öffentliche Aufmerksamkeit wieder gegeben sein (vorbehaltlich anderer "schwarzer Schwäne" wie zweite Welle & Co, versteht sich)...
Antworten
#18
Tag 6 im Terrorprozess gegen Stephan B. 
(Teil 1 von 2)


Zwei Ticker in einem: 
Magdeburger Volksstimme hat einen Doppelpunkt in der Zeitangabe und diese Schrift.  ist im Gerichtssaal
Die Mitteldeutsche Zeitung nur einen Punkt in der Zeitangabe und ist an dieser Schrift zu erkennen. Die MZ benennt ihren Autoren nicht.
Farbige Hervorhebungen (blau) von mir.

Die URLs:
https://www.volksstimme.de/sachsen-anhal...cker-tag-4

https://www.mz-web.de/halle-saale/anschl...r-37234314

09:04
In etwa einer Stunde beginnt der sechste Verhandlungstag des Prozesses gegen Stephan B.. Der Angeklagte ist bereits im Gebäude. Auch viele Zuschauer sind bereits im Gerichtsgebäude.

9.46 Uhr: Sechster Verhandlungstag im Prozess gegen den Halle-Attentäter Stephan B. 
Nach drei Wochen Pause geht es im Terrorprozess gegen den Halle-Attentäter Stephan B. weiter. Ab 10 Uhr wird heute verhandelt. Laut Plan sollen heute sechs Zeugen gehört werden. Es handelt sich hauptsächlich um Sachverständige, die über die Waffen des Rechtsterroristen Auskunft geben sollen. Der Tag wird also vor allem von technischen Details geprägt sein.

09:43
In wenigen Minuten wird die Verhandlung fortgesetzt. Die Anwälte des Angeklagten sind bereits im Saal. Die Fotografen haben sich bereits in Stellung gebracht und warten auf Stephan B..


09:50
Die Tür zum Saal wird geschlossen, Richterin Mertens ist ebenfalls da. Es wird gleich losgehen.

09:52
Jetzt wird der Angeklagte durch einen Nebeneingang hereingeführt. Begleitet wird er von schwer bewaffneten und maskierten Polizisten. Sieben Beamte schirmen den Attentäter ab und bewachen ihn.


09:56
B. nutzt die Gelegenheit, während die Fotografen ihre Fotos machen, für ein kurzes Gespräch mit seinen Verteidigern. Er wirkt gelassen.


10:03
Die Vorsitzende Richterin Mertens eröffnet die Sitzung und stellt die Prozessbeteiligten vor.


10:07
Es gibt zu Beginn einen Antrag der Verteidigung einen Sachverständigen erneut zu laden. Es gebe Zweifel an der Verteilung des Schrotes aus einer der Waffen des Angeklagten. 


10:10
Der Vertreter der Bundesanwaltschaft Schmidt, sieht dazu keine Veranlassung, da sich die Funktion der Waffen, nicht auf den Tötungsvorsatz des Angeklagten auswirken.


10:15
Vertreter des Angeklagten und der Nebenklage diskutieren darüber, ob eine Ladung des Sachverständigen nötig ist. Es geht darum, ob die Waffe bei der Schießerei in der Ludwig-Wucherer-Straße in Halle tödlich hätte wirken können, bei der Entfernung, die der Angeklagte zu den Polizisten hatte.


10:19
Kriminalhauptkommisar H. ist der erste Zeuge.


10:21
Der Polizist ist 42 Jahre alt, arbeitet beim Bundeskriminalamt und hat einen Bericht über die Sprengkörper, die im Auto des Angeklagten gefunden wurden, angefertigt.
Redaktion Magdeburg

10:25
Es wird ein Bild der gefundenen Sprengkörper gezeigt. Zur chemischen Zusammensetzung kann der Beamte nichts sagen.


10:26
Die Richterin wird von einem Anwalt der Nebenklage darauf hingewiesen, dass "im Publikum eine ihm bekannte Rechtsextremistin sitzt". Diese trägt keinen Mund-Nase-Schutz. Sie zeigt ein Attest vor, dieses wird von Richterin Mertens begutachtet. Anschließend weist die Richterin die Zuschauerin an, die Maske aufzusetzen. "Sie sitzen doch hier ganz ruhig, haben keine körperliche Anstrengung, da können sie trotz Asthma eine Maske tragen." 


10:30
Jetzt geht es mit der Befragung des Zeugen weiter. Es geht um die Beschaffenheit der Zünder und die Möglichkeit auf Spuren, die auf weitere Täter hinweisen.


10.32 Uhr: Zwei Anträge der Verteidigung
Zu Beginn werden zwei Anträge der Verteidiger von Stephan B. verlesen, die beide das gleiche Thema haben. Es geht um das Gutachten zu der Waffe, die der Attentäter während des Feuergefechts mit den Polizisten verwendete. Es handelt sich um eine Schrotflinte. Diese wurde von einem Sachverständigen untersucht, um ihre Wirkung auf verschiedene Distanzen zu prüfen – also auch, ab wann sie tödliche Verletzungen hinterlässt. Dabei untersuchte der Experte die Waffe bis zu einer Distanz von 35 Metern. Die Verteidiger von Stephan B. bemängeln nun, dass keine Aussagen über die Wirkung der Waffe bei Distanzen von über 50 Metern gemacht werden. Aus dieser Entfernung schoss Stephan B. nämlich auf die Polizeibeamten. Sie fordern deswegen, dass das Gutachten erweitert wird.
Der Hintergrund: Sie wollen damit beweisen, dass ihr Mandant zumindest bei den Polizisten keinen Tötungsvorsatz hatte, weil seine Waffe das auf diese Distanz gar nicht leisten konnte. Der Oberstaatsanwalt allerdings hält ein weiteres Gutachten für nicht angebracht. Ob Stephan B. wusste, welche Wirkung seine Waffe auf diese Distanz entfaltet, sei nur ein Indiz hinsichtlich des Vorwurfs des Tötungsvorsatzes. Das Gericht will später entscheiden, ob ein weiteres Gutachten eingeholt wird.


10:34
Der Polizist erläutert, dass er die Zusammensetzung der Spreng- und Brandkörper über die Bestellungen des  Angeklagten im Internet rekonstruieren konnte. Und diese sich mit den Aussagen des Angeklagten decken.


10.37 Uhr: Rechtsextremistin im Publikum
Kurz gerät das Publikum in das Blickfeld. Einer der Nebenklage-Anwälte macht darauf aufmerksam, dass im Publikum eine „ihm bekannte Rechtsextremistin“ sitzt, die keinen Mundschutz trage – dieser ist im Publikum vorgeschrieben. Die aus der Neonaziszene einschlägig bekannte Frau aus dem Raum Dresden zeigt ein Attest vor, das Richterin Ursula Mertens anschließend prüft. Darauf, so liest sie vor, werde das Tragen eines Mundschutzes nur empfohlen. Die Richterin fordert die Frau deswegen auf, einen Mundschutz aufzusetzen, da sie im Publikum nur sitze und sich körperlich nicht anstrenge.


10:40
Der Zeuge wird entlassen. 


10:42
Ein weiterer Zeuge hat bereits im Saal Platz genommen. Die Vernehmung muss aber noch warten, da noch organisatorische Dinge zwischen Nebenklage und Gericht geklärt werden müssen.


10:44
Der Zeuge ist Kriminalhauptkommissar D., ein 49-jähriger Beamter des BKA.


10.47 Uhr: BKA-Beamter sagt zu Sprengvorrichtungen aus
Erster Zeuge des Tages ist ein Kriminalhauptkommissar aus Meckenheim (Nordrhein-Westfalen), der sich unter anderem mit den „Unkonventionellen Spreng- oder Brandvorrichtungen“ (USBV) von Stephan B. befasst hat. Es wird ein Bild gezeigt, das der Attentäter vor seiner Tat im Internet hochlud. Darauf sind die Sprengvorrichtungen zu sehen, die er benutzte bzw. benutzen wollte. Der Beamte im Zeugenstand ist jedoch nur bedingt aussagefähig, da er nur verschiedene Berichte zusammengefügt habe. Dass er kaum Aussagen treffen kann, sorgt beim Gericht und den Nebenklägern für etwas Unmut. Der Zeuge wurde nach wenigen Minuten wieder entlassen.


10:48
Der Zeuge erklärt, wie er den Bericht organisiert hat. Wo wurden Waffen gefunden, welcher Art waren die Waffen und welche Funktion diese hatten.


10:50
Der Zeuge sagt aus, dass B. während seiner Flucht noch zwei Waffen bei sich trug, und noch fast 200 Schuss Munition für die Waffen hatte.


10:52
Der Angeklagte hatte seine Waffen in dem Bettkasten im Haus seiner Mutter versteckt. Es werden gerade verschiedene Fotos gezeigt, die B. selbst gemacht hat. B. in militärischer Montur und mit Waffe. Das Foto zeigt ein Spiegelbild, das B. fotografiert hat. Auch ein Foto des 3D-Druckers, den B. benutzt hat, wird analysiert. Der Drucker habe etwa 300 Euro gekostet und wurde in Einzelteilen aus China bestellt.


10:57
"Durch die Finanzermittlungen wurde festgestellt, dass der Angeklagte viele Dinge, die mit der Waffen- und Munitionshersstellung in Verbindung gebracht werden konnte", sagt Zeuge D. aus. Es seien aber auch Materialen über das Konto der Mutter des Angeklagten bezahlt wurden.


10.58 Uhr: Zeuge spricht von „Standardwaffen der Bundeswehr“
Ein weiterer Kriminalhauptkommissar kommt nun in den Zeugenstand. Er soll sich über die von Stephan B. verwendeten Waffen äußern. Eine ließ der Rechtsterrorist bereits im Dönerimbiss in Halle zurück. Als B. gefasst wurde, hatte er noch zwei Waffen in seinem Rucksack: eine Einzelschusspistole mit zehn Patronen sowie eine Maschinenpistole mit zwölf Magazinen und 179 Patronen. Der Kommissar sagt aus, dass Stephan B. bei der Bundeswehr im Gebrauch von Schusswaffen ausgebildet worden war. Dabei habe es sich um Pistole, Gewehr und Maschinengewehr gehandelt – „also die Standardwaffen der Bundeswehr“.


11:01
Die Ausrüstung des Angeklagten hat laut Aussage des Zeugen D. an der Synagoge etwa 29 Kilogramm gewogen. Am Döner-Imbiss waren es noch 22 Kilogramm. Vor seiner Flucht trug B. etwa 13,5 Kilogramm Ausrüstung bei sich.

>>> Aus dem »Gezwitscher« eines der Prozeßbeobachter (Valentin Hacken) entnehme ich folgendes, was nicht in den Medienberichten erwähnt wird 

(die Teile-# habe ich entfernt; es sind 4-6 :: https://mobile.twitter.com/valentinhacken_/status/1298173161545043969?p=v):

Derzeit wird ein Ermittler des BKA vernommen. Er weiß nichts, kann sich an nichts erinnern, hat nur die Akten anderer zusammengestellt – die Aussage ist kurz und bringt wenig. Spannend jedoch: Erst am 30. Dezember 2019 wurden noch zwei weitere Molotowcocktails gefunden. Man hatte dann im Video des Angeklagten gesehen, dass er fünf Molotowcocktails dabei hatte, die Polizei aber nicht alle gefunden hatte. Erinnerung: Anschlag & Video 9. Oktober, Auffinden von restlichen Molotowcocktails 30. Dezember. 
Seit geraumer Zeit sagt ein weiterer BKA-Ermittler aus, ihm wurden bisher reichlich Bilder zu den Waffen des Angeklagten vorgehalten, zu denen er aussagte. Nebenklage will von ihm wissen, ob er einen Vermerk zur Verbreitung der Dokumente des Angeklagten im Internet geschrieben habe. Er weiß es nicht. Nachdem sie ihm vorgehalten wurde, kann er sich erinnern. Er habe das spät abends in Eile gemacht, es sei sonst niemand da gewesen. Es sei auch nicht so relevant gewesen.
<<<

11:05
Grundlage für diese Aufstellungen sind verschiedene Foto- und Videoaufnahmen die von B. erstellt wurden.


11.07 Uhr: Bilder zeigen das Waffenlager von Stephan B.
Es werden Bilder zu den Waffen von Stephan B. gezeigt – so etwa sein Bettkasten. Dort hatte er sich ein Waffenlager mit Maschinenpistole, Sprengvorrichtungen und mehr eingerichtet. Auch wie der Attentäter sich die Waffen beschafften, wurde anhand der Kontodaten überprüft. Dabei wurde festgestellt, dass er sich das Material zum Selberbau seiner Ausrüstung über Jahre beschaffte. Die Bestellungen, die oft nur geringe Eurobeträge umfassten, wurden meist via Zahlungsdienst PayPal bezahlt. Eine Bestellung wurde auch über das Konto der Mutter des Attentäters bezahlt. Dabei handelte es sich um „Schneideisenhalter, Bohrer und ähnliche Spezialwerkzeuge“, wie der Kriminalhauptkommissar berichtet.


11:08
Nach der Tötung könnte B. auf weitere Passanten angelegt haben, sagt der Zeuge aus. Es sei nicht einfach zu klären gewesen, ob der Angeklagte auch abgedrückt hat. "Eine Szene in dem Streamingvideo lässt darauf schließen, dass die Waffe geklemmt hat. Herr B. konnte sich auf Nachfrage nicht an die Szene erinnern", sagt der Zeuge.


11:12
"Herr B. hat sich beim Bau der Waffe sehr viel Mühe gemacht", sagt Zeuge D.


11:15
Eine sogenannte Single-Shot-Pistol wurde bei der Festnahme von B. bei diesem sichergestellt. Die Waffe war geladen und die zugehörige Patrone wurde darin gefunden, berichtet der Zeuge.


11.16 Uhr: Attentäter trug bis zu 29 Kilo Ausrüstung
Während seines Attentats war Stephan B. unterschiedlich ausgerüstet. „Im Laufe der Tat hatte er verschiedenen Ausrüstungsgegenstände abgelegt, verloren und auch neu angelegt“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. Zu Beginn, vor der Synagoge, habe Berechnungen zufolge seine Ausrüstung am Körper 29 Kilo gewogen. Vor dem Dönerimbiss dann noch 22 Kilo. Dort legte er seine Weste in seinem Auto ab, woraufhin er dann noch 13 Kilo am Körper trug.


11:17
Eine Waffe "der Marke Eigenbau", wie Richterin Mertens diese vorstellt, wurde im Mietwagen von B. gefunden. "Die Waffe befindet sich Versuchs- oder Prototypstadium, sie ist nicht sehr zuverlässig, sagte B. in der Vernehmung", berichtet der Zeuge.


11:20
Eine weitere gefundene Waffe ist bei der Schussuntersuchung des BKA "auseinandergeflogen", sagt der Zeuge.


11:22
Die einzige industriell hergestellte Waffe, die B. besaß, war eine Nachbildung eines Gewehrs aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Diese kann in Deutschland, nach Information des Zeugen, frei ab 18 Jahren gekauft werden.


11:26
Der Zeuge beschreibt noch immer weitere Schusswaffen, die B. bei sich hatte. 


11.27 Uhr: Auf wen wollte der Attentäter wirklich schießen?
Zu den wesentlichen Fragen des Verfahrens gehört, wann und auf wen Stephan B. schoss beziehungsweise schießen wollte. Dabei geht es um seinen Tötungsvorsatz. Vor der Synagoge kam es zu einer Situation, die im vom Attentäter veröffentlichten Video zu sehen ist. Am Ende der Straße entdeckt er zwei Frauen, auf die er sofort zielt. Gleich danach sagt er, dass seine Waffe klemme. Die Frauen können fliehen.
Die Frage war nun, ob Stephan B. wirklich abdrückte. Das kann bei der verwendeten Waffe am Ladenhebel erkannt werden. „Wir sind bei dieser Szene zum Schluss gekommen, dass der Ladehebel nicht ganz vorn und nicht ganz hinten war“, so der Hauptkommissar. Das spreche für einen Defekt. „Ob er wirklich abdrückte, ist nicht ganz sicher zu sagen.“
Auch die Waffe, mit der Stephan B. den Dönerimbisskunden Kevin S. erschießen wollte, wies einen Defekt auf. Dort war eine Patrone verklemmt. Allerdings verletzte der Attentäter den jungen Fußballfan kurz nach dem Defekt mit einer anderen Waffe tödlich.


11:28
Richterin Mertens lenkt die Vernehmung auf die Stichwaffen, die B. im Mietwagen zurückgelassen hatte. Darunter ist unter anderem ein Langschwert.


11:32
B.s "Secret Weapon" ist eine sogenannte Grabenkeule. Ein Holzstiel mit einem am Ende befestigten Zahnrad. Der Zeuge sagt: "B. hat in seinem Pre-Action-Report dazu aufgerufen, sich den Livestream anzusehen, um die Waffe in Aktion zu sehen."


11:34
"Die sämtliche aufgefundene Munition ist improvisiert von Herrn B. hergestellt worden." Für acht Waffen wurden vier verschiedene Munitionskaliber sichergestellt.


11.36 Uhr: Fast alle Waffen waren selbst gebaut
Der Attentäter benutzte fast ausschließlich Waffen, die er sich selbst gebaut hatte – unter anderem mit einem 3D-Drucker. Dabei verwendete er Anleitungen des 2011 gestorbenen britischen Autors und Büchsenmachers Philip Luty. Die einzige Waffe, die industriell gefertigt wurde, war ein Perkussionshinterlader – in diesem Fall ein Gewehr, das im amerikanischen Bürgerkrieg verwendet wurde. Es ist in Deutschland für Personen ab 18 Jahren frei erhältlich. Stephan B. kaufte es bereits am 15. Mai 2015. Bei seinem Attentat kam es nicht zum Einsatz. Es war als „Rückfall“-Waffe gedacht, falls er für seine anderen Waffen keine Munition mehr habe beziehungsweise diese nicht mehr funktionstüchtig seien.

11:42
Laut Polizeibericht wurden bei B. insgesamt etwa 270 Schuss Munition gefunden. 


11:46
Richterin Mertens beendet ihre Befragung.  


11:52
Es gibt mehrere Nachfragen der Nebenklagevertreter. Diese beziehen sich vor allem auf die Funktionalität des 3D-Druckers und das Wissen, das der Angeklagte hatte um diesen zu bedienen.


11.54 Uhr: Stephan B. hatte auch Messer, Schwert und „Grabenkeule“ dabei
Neben seinen Schusswaffen war der Attentäter auch noch mit anderen Waffen ausgerüstet. So hatte er ein Messer dabei, ein Langschwert sowie eine von ihm als „Grabenkeule“ benannte Waffe. Dabei handelt es  sich um einen Holzstab, an dem ein massives Zahnrad befestigt ist.

11:57
Der Zeuge berichtet, dass der Angeklagte Dokumente im Internet veröffentlicht hatte und diese auch von anderen Personen heruntergeladen und möglicherweise weiter verbreitet wurden. Um welche Dokumente es sich handelt, sagt er nicht. 


12:02
Eine Vertreterin der Nebenklage, konkretisiert. "Es sind Dateien, die zum Mord aufrufen und Anleitungen zum Bau für Waffen."
Sie stellt die Frage, warum dieser Aspekt für die Ermittlungen des BKA keine Rolle gespielt haben. Der Zeuge kann sich nicht erinnern


12:04
Der Zeuge wird von Richterin Mertens entlassen.


12:05
Richterin Mertens ruft eine Pause aus. Die Verhandlung wird gegen 13.15 Uhr fortgesetzt.
Antworten
#19
Tag 6 im Terrorprozess gegen Stephan B. 
(Teil 2 von 2)

12.10 Uhr: Wie viele Schüsse gab Stephan B. ab?
Ermittelt wurde auch, wann der Attentäter wie viele Schüsse abgegeben hatte. So feuerte er ein ganzes Magazin, in diesem Fall 15 Schuss, auf sein erstes Opfer Jana L. ab. Kevin S., sein zweites Opfer, beschoss der Rechtsterrorist zuerst mit einer Maschinenpistole. Diese klemmte aber. Stephan B. versuchte mehrfach, sie wieder funktionstüchtig zu machen. Dann feuerte er erst mit seiner Einzelschusspistole aus seinem Beinholster und anschließend mit seiner Schrotflinte weiter. Auch in Wiedersdorf, wo er ein Auto erpressen wollte, feuerte der Attentäter zwei Mal aus der Einzelschusspistole.
Die Patronen, die er verwendete, hatte er sich selbst gebaut – ebenso wie er das Schießpulver selbst aus Chemikalien sowie abgekratzter Zündholzmasse von Streichhölzern herstellte. „Das Wissen dazu hatte er wohl aus dem Internet“, so der Kommissar.
Die Utensilien, mit denen er seine Munition fertigte, konnte von der Polizei nicht mehr sichergestellt werden. Stephan B. gab an, diese „im Supermarkt per Aushang“ verkauft zu haben. An wen er sie verkaufte, wurde nicht ermittelt.

12.24 Uhr: Die Nebenkläger haben noch Fragen
Zum Ende der Befragung des Kriminalpolizisten wollen die Nebenklagevertreter noch wissen, ob zu den Personen, die die von Stephan B. im Internet hochgeladenen Dokumente weiterverbreitet hatten, ermittelt wurde. Insbesondere handelt es sich dabei um zwei Brüder aus Nordrhein-Westfalen, die kurz nach der Tat das Manifest von Stephan B. sowie sein Video auf einer Online-Plattform teilten. „Diese Spur war für uns nicht weiter relevant“, so der Kriminalkommissar.
Diese Einschätzung hänge damit zusammen, dass die Brüder die Dokumente nicht ursprünglich hochgeladen, sondern sie nur weiterverteilt hatten. Dass einer der Brüder bereits wegen Volksverhetzung verurteilt worden war und mutmaßlich dem rechtsextremen Milieu zuzuordnen ist, war dem Beamten nicht bekannt. Anschließend geht es in die Mittagspause. 13.15 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt.

12.25 Uhr: Die Verhandlung ist unterbrochen
Nun ist die Verhandlung erst einmal unterbrochen. Nach einer Mittagspause soll es um 13.15 Uhr weitergehen.  

13:10
Es geht gleich weiter. Der Angeklagte wurde soeben in den Gerichtssaal gebracht.


13:14
Stephan B. redet während der Wartezeit weiter ganz ungezwungen mit seinen Verteidigern. Zeitweise lächelt er sogar.

13:15
Richterin Mertens setzt die Verhandlung gegen Staphn B. fort.


13:16
Die nächste Zeugin ist Frau Doktor Silke Cox. Sie ist Expertin für Chemie und Diplom-Chemikerin in Diensten des Bundeskriminalamt.


13:20
Die Expertin bezweifelt, dass der Angeklagte es mit seinen Molotowcocktails geschafft hätte die Bauten auf dem Synagogengelände in Brand zu setzen. "Massives Holz brennt nicht so einfach."


13:23
Den Angeklagten amüsieren die Ausführungen der Expertin offensichtlich. Er lacht darüber, dass die Chemikerin seine Versuche als untauglich bezeichnet.


13:25
Jetzt werden Versuche der Expertin gezeigt, wie sie zeigt, wie schwer es ist Schilfrohr zu entzünden.


13:28
Die Expertin hat mit einzelnen Schilfrohren, die von der Hallenser Synagoge stammen, experimentiert, wie schnell die Flammen wieder erlöschen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Brandbeschleuniger, wie ein Molotowcocktail, benutzt wurde.


13:32
Die Flammen sind im Experiment nach etwa 30 Sekunden erloschen.


13:33
Die Molotowcocktails haben laut der Expertin nicht funktioniert, weil das Mischungsverhältnis von Öl zu Ottokraftstoff nicht ausreichend war. Mit dieser Aussage wird die Zeugin entlassen.


13.38 Uhr: Chemikerin bewertet Molotowcocktails
Die Mittagspause ist vorbei, nun sitzt eine sachverständige Brandexpertin vom BKA im Zeugenstand. Sie soll die Frage klären, ob die Molotowcocktails, die Stephan B. über die Mauer auf die Synagoge in Halle warf, dort einen Großbrand hätten auslösen können. Die Sachverständige hat dazu die verwendeten Brandsätze untersucht.
Der Angeklagte hatte Sektflaschen mit einer Mischung aus Motoröl und Benzin gefüllt und eine Zündschnur daran geklebt. In Versuchen, die die Expertin durchführte, zeigte sich, dass die Molotowcocktails ihre angedachte Funktion nicht wirklich erfüllten. So reichte etwa die Kraft der Zündschnur nicht aus, um die Flüssigkeit zu entzünden. „Das liegt am Motoröl, das einen hohen Flammpunkt hat und deswegen schwer entzündlich ist“, so die Expertin. Stephan B. hätte mit seinen  Brandsätzen also in der Synagoge mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Brand auslösen können. Damit wird die dritte Zeugin des heutigen Tages aus dem Zeugenstand entlassen.

>>> Nochmals aus dem Gezwitscher (#9/10):
Nach der Mittagspause wird nun die Sachverständige Dr. Silke Cox (Brandexpertin des BKA) vernommen. Sie wird u.a. dazu befragt, wie die Molotowcocktails des Angeklagten gewirkt haben, was sie an der Synagoge hätten entzünden können / was nicht.
War eine kurze Aussage, Cox hat getestet, wie sich Schilfmatten auf einem Pavillon im Hof der Synagoge hätten entzünden können. Offenbar nur schwer. Publikum im Gericht scheint derweil gut unterhalten zu sein, es kommentiert mit Lachen & kichert, tlw irritierend.
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13:39
Der nächste Zeuge ist der Sachverständige Thomas Forster. Er ist Wirkungssachverständiger beim Bundeskriminalamt.


13:43
Der Zeuge hat eine der Spreng- und Brandvorrichtungen des Angeklagten untersucht. Dabei handelt es sich um eine Blechdose.


13:45
Der Boden der Dose wurde mit kleinen Stahlkugeln ausgelegt. Diese hatten einen Durchmesser von ca. 3mm.


13:48
Der Sachverständige beschreibt den Aufbau der Sprengsätze. Rund 200 Gramm Sprengstoff verwendete B. für seine Sprengsätze.


13:49
Der Sachverständige hat drei Vergleichssprengsätze erstellt und diese in einem sogenannten "Sprenggarten" gezündet. Dieser ist gesondert gesichert.


13:51
Jetzt wird ein Video gezeigt, in dem einer der Sprengsätze zur Detonation gebracht wird. Dabei wird die Wirkungsweise auf aufgestellten Sensorplatinen ermittelt.


13:53
Der Sachverständige hat ermittelt, dass die Splitter der Sprengsätze nach 157 Metern noch eine Energie von 80 Joule hatten. Splitter mit 80 Joule Energie sind nach NATO-Vorgaben tödlich.


13:57
Richterin Mertens fragt nochmal beim Sachverständigen nach. "Habe ich das richtig verstanden, das die Splitter der Sprengsätze im Radius von 157 Metern tödlich sind?" Der Sachverständige: "Ja."


13.53 Uhr: Gutachter bewertet Sprengsätze
Der nächste Sachverständige ist ein Wirkungsgutachter, der sich mit einem der von Stephan B. verwendeten Sprengsätze befasst hat. Dazu habe er diesen nachgebaut. Es handelt sich um eine mit über 200 Stahlkugeln gefüllte Blechdose, in die eine weitere Kunststoffdose gestellt wurde. „Die Kunststoffdose wurde mit Explosionsstoff gefüllt“, so der Experte. Der Sprengsatz sollte also bei seiner Explosion die Stahlkugeln in alle Richtungen schleudern und so die Menschen drumherum verletzen. Einer dieser Sprengsätze explodierte auch auf dem jüdischen Friedhof vor der Synagoge.

14:00
B stellt selbst mehrere Fragen. Es geht um die Auswirkungen des Sprengstoffs.


14:01
B. "Ich gehe aufgrund der Dichte des Sprengstoffes in meiner Granate davon aus, dass die Granaten zwar immer noch letal gewesen sind, aber der Wirkungsgrad geringer ist." Der Sachverständige: "Das mag sein, aber wir haben einen anderen Sprengstoff als Mittel benutzt, weil wir zur Masse des verwendeten Sprengstoffs keine Angaben hatten."


14.02 Uhr: Experte: Sprengsatz war auf über 100 Meter Entfernung tödlich
In einem Versuch wurde getestet, welche Wirkung der Sprengsatz entfalten konnte. Dazu wurden rund um die Dose zwei Meter hohe Bleche mit Sensorfeldern gestellt. Nach Zündung des Sprengsatzes wurde überprüft, wie schnell und mit welcher Energie die Stahlkugeln beziehungsweise deren Splitter auf die Bleche auftrafen. Durch die Messungen wurde festgestellt, dass die Splitter mit 1400 Metern pro Sekunde unterwegs waren und noch in 157 Metern Entfernung eine Energie von 80 Joule hatten. Damit hätten sie auch in dieser Distanz noch tödliche Folgen haben können.

14:06
"Der Explosivstoff, den wir verwendet haben, ist weniger effektiv, als der den der Angeklagte benutzt hat", so der Sachverständige." Richterin Mertens: "Da muss ich jetzt nochmal nachfragen, ich habe davon nämlich keine Ahnung".


14:16
Die Aussage des Sachverständigen scheinen den Angeklagten sehr zu interessieren. Er hört aufmerksam zu und beobachtet den Experten bei seinen Ausführungen genau.


14.17 Uhr: Angeklagter bezweifelt Experimente der Gutachter
Zum ersten Mal am Tag ergreift auch der Angeklagte das Wort. Er fragt den Sachverständigen nach der Masse und Art des im Nachbau seiner Sprengsätze verwendeten Explosionsstoffs. Der BKA-Gutachter gibt an, bei seinen Versuchen einen anderen Stoff als der Attentäter verwendet zu haben. Dieser habe etwas weniger Sprengkraft. Allerdings hatte das BKA mehr davon verwendet.
Der Angeklagte bezweifelt, dass seine Sprengsätze die Kraft der Nachbauten erreicht hätten. Der Gutachter räumt ein, dass der Radius, in dem nach Zündung des Sprengsatzes tödliche Verletzungen zu erwarten wären, vielleicht etwas geringer war – 150 statt 157 Meter. Jedoch hält er dem Angeklagten entgegen, dass die detonierte Granate auf dem jüdischen Friedhof Splitter bis in die Wand eines Hauses gegenüber schleuderte, wo sie 13 Zentimeter tief im Stein stecken blieb. Der Sprengsatz war also durchaus wirkungsvoll.

>>>Erneut aus dem Gezwitscher (#11-13):
In der Vernehmung eines weiteren BKA-Beamten zu Sprengsätzen die der Angeklagte bei seinem Anschlag verwendete, meldet der sich selbst zu Wort und nutzt sein Fragerecht, mit seinen Anwälten. Sein Versuch über Waffen zu fachsimpeln verfängt bei dem Zeugen nicht ebenso wenig die Fragen von Verteidiger Weber, der mal wieder gerne hören will, was der Zeuge nicht ausgesagt hat, nämlich dass die Sprengsätze so gefährlich schon nicht waren. Behördengutachten sagt: Splitter hatten Wirkung die tödlich ist. Richtigerweise muss man sagen: Deren Wirkung tödlich sein kann. Ab welchem Joule-Wert das angenommen wird, ist je nach Fachbereich (zB Rechtsmedizin, Waffenkunde) unterschiedlich, bei den Sprengsätzen des Angeklagten aber offenbar unstreitig.
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14:20
Richterin Mertens entlässt den Zeugen und ruft eine Pause von 20 Minuten aus.


14:22
Es geht also gegen 14.45 Uhr weiter.


14:45
Der nächste Zeuge ist ein Polizeibeamter. Er ist Kriminaloberkommissar beim BKA und 30 Jahre alt.



14:47
Der Beamte hat mit Kollegen am 30.10.2019 den Tatort nochmals abgesucht. Dort hatten die Beamten 17,5 Metallkugeln bei der erneuten Absuche des Tatortes gefunden. Der Zeuge berichtet darüber, wie die Splitterverteilung bei der Absuche des Tatortes ausgehen hat. 



14:51
Mit dieser Aussage ist die Zeugenvernehmung bereits beendet. Der Zeuge ist entlassen.



14:52
Die Sitzung wird nochmals unterbrochen, da technische Vorbereitungen für die nächste Aussage getroffen werden müssen. Die Verhandlung wird in 15 Minuten fortgesetzt.


14.55 Uhr: Nächster Zeuge vor Gericht
Der fünfte Zeuge des Tages ist ein Kriminaloberkommissar, der die Splitterverteilung auf dem jüdischen Friedhof untersucht hat. Dort war einer der Splitter-Sprengsätze vor einem Grab detoniert. Am 30. Oktober, also 21 Tage nach dem Anschlag, fanden die Beamten noch zahlreiche Kugeln und auch einen der Molotowcocktails sowie Scherben. An den Kommissar gab es keine weiteren Fragen, weswegen er nach nicht einmal fünf Minuten wieder aus dem Zeugenstand entlassen wurde.


15:03
Im Gerichtssaal wurden zwei zusätzliche Tische aufgebaut. darauf wurden verschiedene Pakete verteilt. Vermutlich handelt es sich um die beschlagnahmten Waffen des Angeklagten.


15:06
Richterin Mertens ist wieder zurück und auch der Angeklagte wird in den Saal geführt. Es geht weiter.



15:07
Der nächste Zeuge soll sich zu den Waffen und der Munition äußern. Der Sachverständige will die Waffen erklären. 



15:10
Der Angeklagte lächelt und freut sich, als der Sachverständige die Waffen auf den Tischen auspackt.



15:11
Der Sachverständige zeigt die erste Waffe im Saal und erklärt deren Aufbau. "Sie besteht vollständig aus Baumarktmaterial."



15:13
"Die Maschinenpistole ist vollautomatisch", erklärt der Sachverständige. Das heißt die Waffe hört erst auf Patronen abzufeuern, wenn das Magazin leer ist oder der Schütze den Finger vom Abzug nimmt.



15:18
"Herr B. da gibt es jetzt nicht zu lachen", ermahnt die Richterin den Angeklagten, als dieser bei den Ausführungen des Sachverständigen lacht. Grund dafür war, dass der Sachverständige sagte: "Mit dem Anbau der Taschenlampe an das Gewehr, wird diese zu einer gefährlichen Waffe."
B. entgegnet daraufhin: "Ist nicht das Gewehr schon per Definition schon eine gefährliche Waffe?" "Das ist eine gute Frage", so der Sachverständige.


15.19 Uhr: Gericht nimmt die Waffen von Stephan B. in Augenschein
Nach einer weiteren Unterbrechung werden nun die Waffen von Stephan B. in Augenschein genommen. Sie liegen in Tüten und Kartons verpackt auf zwei Tischen im Gerichtssaal. Um die Waffen zu erklären, ist ein Sachverständiger für Schusswaffen und Schusswaffenspuren vom BKA anwesend. Die erste Waffe ist eine Maschinenpistole, die der Brite Philip Luty 1996 als Reaktion auf die Verschärfung des Waffenrechts in Großbritannien hin entwickelt hatte. Sie kann vollständig aus Material, das man im Baumarkt kaufen kann, gefertigt werden. Während der Vorführung der Waffen nickt und lächelt Stephan B. Er wirkt deutlich erfreut über die Ausführungen zu seiner Waffe, mit der er Jana L. tödlich verletzte.


15:23
Die Vorsitzende möchte wissen, ob die Waffe schon einmal vor der Tat abgefeuert wurde. "Das kann man ohne unbekannte Hülsenfunde nicht nachvollziehen".


15:25
Der Angeklagte erklärt: "Das mit dem Zucker war mir bewusst, wie ich schon gesagt habe, mir war auch bewusst, dass die Patronen zu kurz waren. Ich habe diese absichtlich gekürzt, da sie in der originalen Länge Bleispuren hinterlassen haben."


15.28 Uhr: Waffenexperte: Nutzte Stephan B. falsche Patronen?
Der Waffenexperte macht deutlich, dass die von B. selbst gefertigte Munition kürzer war als industriell gefertigte Munition. Das sei ein entscheidender Grund, weswegen es beim Attentat mehrfach zu Verklemmungen und schließlich zur Unbrauchbarkeit der Waffe kam. Stephan B. gibt an, dass er das gewusst habe. Bei seinem Test hätten die Patronen aber funktioniert.


15:29
Der Sachverständige erklärt, dass Waffen die vollständig im 3D-Drucker entstanden sind, beim abfeuern aufgrund des großen Drucks explodiert sind. 
Deshalb werden Waffen industriell mit speziellem Stahl gefertigt.
"Die Maschinenpistole Nummer 2 haben wir unter keinen Umständen zum Schiessen gebracht." 


15:31
B. lässt sich ein: "Die Waffe hat funktioniert, dafür muss man aber ein bestimmtes Magazin benutzen."


15:34
"Die Einzelschusspistole hat mal mehr mal weniger funktioniert, von 10 Schüssen hat sie fünf Mal geknackt", berichtet der Sachverständige.


15:37
Je größer die Entfernung ist desto schwieriger ist es das Ziel zu treffen, beschreibt der Sachverständige die Zielgenauigkeit. Er habe schon viel in seinem Leben geschossen, und würde sein Ziel mit der Waffe auf etwa 20 Metern treffen. Ein ungeübter Schütze müsse näher dran sein.


15:43
Der Angeklagte verteidigt sein handwerkliches Können. "Die Waffe hatte Kimme und Korn als ich sie gebaut hatte", so B.. Das Korn sei vermutlich abgebrochen, bei den vorgenommenen Falltests.


15.47 Uhr: Maschienenpistole nur theoretisch schießfähig?
Der Sachverständige zeigt nun weitere Waffen. Die erste, eine Maschinenpistole, bezeichnet er als „theoretisch schießfähig“, allerdings hätten die Experten sie nicht zum Schießen bringen können. Stephan B. widerspricht dieser Aussage und gibt an, selbst mit der Waffe im Vorfeld des Attentats geschossen zu haben.
Die nächste Waffe, eine Pistole, haben die BKA-Beamten zum Schießen gebracht. „Von zehn Schuss hat sie fünf Mal funktioniert.“ Es handelt sich um eine Nahwaffe, die auch bei dem Attentat zum Einsatz kam. Über ihre Zielgenauigkeit kann der Experte keine eindeutige Antwort geben. Der Attentäter hatte bei seiner Vernehmung angegeben, zielgenau auch auf Beine geschossen zu haben.


15:50
"Beim ersten Schuss, schießt die Waffe nie, man muss immer zweimal abrücken", so der Angeklagte, als der Sachverständige eine weitere Einzelschusspistole präsentiert und sagt, dass diese nicht funktioniert. Der Sachverständige lakonisch: "Danke für den Tipp, ich werde es mir für das nächste Mal merken."

>>> Wieder Gezwitscher v. V. Hacken (Rest von  #13 - 15):
Derzeit wird ein weiterer Ermittler zu den Waffen des Angeklagten vernommen. Der Angeklagte nutzt das weiter, um selbst Fragen zu stellen. Was schon bekannt war, bleibt auch hier: Die Schusswaffen sind geeignet Menschen zu erschießen. Erschreckend bleibt der Sound der Ermittler. Die Begriffe die der Angeklagte für seine Waffen in seinen Dokumenten verwendete, werden einfach übernommen. Ein BKA-Ermittler sagt er wisse ja nicht, was der Angeklagte "so drauf habe" – der nutzt sein Fragerecht für Einwürfe / Aussagen. 
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15:59
Wieder verteidigt der Angeklagte seine Konstruktion. 


16:00
Richterin Mertens zu B.:"Hatten sie eigentlich kein Vertrauen in ihre Waffen, oder warum hatten sie so viele davon dabei?" 
"Wenn ich sowas mache, dann lasse ich sicherlich keine Waffen bei meinen Eltern zurück."


16.05 Uhr: Warum hatte Stephan B. so viele Waffen dabei?
In den Tests der BKA-Experten waren einige Waffen nicht einsatzfähig. Die Richterin fragt daraufhin und auch im Hinblick auf die Masse der Waffen, die Stephan B. bei sich hatte, ob er seiner Ausrüstung nicht getraut habe. „Ich weiß von jeder Waffe, was sie kann und was sie nicht kann“, so der Angeklagte. Den Schrottflinten etwa habe er sehr vertraut: „Die schießen immer.“ Dass er trotzdem Waffen dabei hatte, von denen er wusste, dass sie nicht funktionieren werden, lag laut seiner Aussage daran, dass er keine Waffen bei seinen Eltern zurücklassen wollte.


16:06
Die Richterin ermahnt den Angeklagten erneut, sich der Situation angemessen zu verhalten. "Es gibt wirklich wenig zu lachen." Der Angeklagte winkt ab. Die Ausführungen des Sachverständigen, der  seine selbstgebauten Waffen kritisiert, scheinen ihn zu stören.


16:10
Als der Sachverständige das Langschwert hervorholt, grinst der Angeklagte übers ganze Gesicht. Dies sei ein Zierschwert, erklärt der Sachverständige. Es kann allerdings aufgrund seines Gewichts trotzdem verletzen.


16:19
Der Sachverständige sagt, dass der Gefahrenbereich der Waffen des Angeklagten bei ca 800 Meter betrage. Auf Nachfrage der Verteidigung bestätigt der Sachverständige, dass die Waffen auch auf die Entfernung noch tödlich seien.


16:32
Die Frage ob der Täter einen Schuss mit der Schrotflinte so beherrschen kann, dass er einschätzen kann wo die Kugeln hingehen, kann der Sachverständige nicht beantworten.


16:36
Auf weitere Nachfrage verneint der Sachverständige. Der Angeklagte hat bei der Abgabe des Schusses aus der Schrotflinte keine Kontrolle mehr darüber, ob er nur eine bestimmte Person trifft auf die er angelegt hat, sondern eventuell auch unbeteiligte andere Menschen, die sich im Streufeld aufhalten.


16.37 Uhr: Alle Waffen von Stephan B. werden einzeln gezeigt
Jede der Waffen von Stephan B. wird nun gezeigt und der Experte erklärt ihre Funktionsweise – ein etwas langwieriger Prozess. Die Schrotflinten, die sich der Attentäter selber gebaut hatte, bezeichnet auch der Waffenexperte als „sichere Bank“. Sie funktionierten aufgrund ihrer einfachen Bauweise eigentlich immer. Erneut kommt im Zusammenhang mit der Schrotflinte die Frage auf, ob sie auch aus einer Distanz von über 50 Meter tödlich sein kann. Der Experte will sich dazu nicht festlegen.

16:41
Zur letzten Schrotflinte sagt der Sachverständige: "Wenn man sich überwindet und sich darauf einlässt was dabei passiert, dann ist das ein zuverlässiges Ding." 
Der Angeklagte lacht darüber und freut sich über diese Formulierung. 


16:48
Zu dem beim Angeklagten gefundenen Luftgewehr sagt der Sachverständige: "Da das Gewehr vor 1991 in der DDR gefertigt wurde, unterliegt es nicht dem Waffenrecht und ist eine freie Waffe." Eine Einschränkung bei Luftgewehren gab es erst nach der Wiedervereinigung. Seit dem dürfen Projektile aus Luftgewehren nicht mehr als 7,5 Joule Energie haben. 


16:54
Ein Kuriosum stellen bestimmte Patronen des Angeklagten dar, so der Sachverständige.
Manche Patronen waren mit kleinen Geldmünzen gefüllt. Die Münzen waren mit Hakenkreuzen und SS-Runen markiert.


16:58
Der Zeuge wird nach der Befragung entlassen


16:59
Eine Nachfrage der Nebenklage an den Angeklagten dreht sich darum, dass er vorher gesagt hatte, dass er die Waffen nicht ausprobiert hat, aber dem Sachverständigen erklärt, dass die Waffen funktionieren.
"Ich habe die Waffen ausprobiert, aber ich habe nicht damit geübt."



17:01
"Ich habe jede einzelne Waffe einmal abgefeuert um zu sehen, ob sie funktioniert." "Das war sozusagen ein Drucktest." "Ich habe die Waffen in den Schraubstock eingespannt und daraus abgefeuert." Erklärt der Angeklagte.



17:04
Warum diese Tests nicht gehört wurden, kann der der Sachverständige nicht erklären. "Vielleicht hat es einfach niemanden interessiert."


17:05
Die Richterin schließt die Sitzung und verschiebt den Sitzungsbeginn auf 10 Uhr morgens. 
Ich verabschiede mich an dieser Stelle und wünsche einen angenehmen Abend.


17.04 Uhr: Der sechste Prozesstag endet
Mit der Entlassung des BKA-Waffenexperten aus dem Zeugenstand geht der sechste Prozesstag zu Ende. Schon morgen, am Mittwoch, wird weiterverhandelt. Dann sind sechs Zeugen geladen und es wird voraussichtlich um das soziale Umfeld des Angeklagten gehen sowie sein Verhalten im Internet.


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Und hier noch ein paar Informationen, die der Landeshauptstadt-Reporter Lars Frohmüller von Radio Brocken gehört und aufgeschrieben hat, die seine schreibenden Kollegen entweder nicht hörten oder nicht für mitteilenswert hielten. (Mit anderen Worten: Ich habe den Sermon um alles gekürzt, was zuvor schon zu lesen war. Die URL zum vollständigen Ticker findet sich dort, wo man sie erwarten kann, unten drunter)

Prozesstag 6: Radio Brocken Live-Ticker
Radio Brocken Landeshauptstadt-Reporter Lars Frohmüller versorgt Sie via Twitter mit Infos aus Magdeburg.


+++10.55 Uhr: Waffen im Kinderzimmer gelagert+++
Im Saal werden Fotos aus dem Kinderzimmer des Angeklagten gezeigt. Im Bettkasten lagerte B. seine Waffen. Ein weiteres Bild zeigt den Angeklagten in einer grünen Uniform salutierend vor dem Spiegel. Den 3D-Drucker für seine Waffen bestellte er in China und modifizierte diese danach weiter. Das Werkzeug wurde zum Teil vom Konto der Mutter bezahlt.


+++11.09 Uhr: Waffen und Zubehör am Körper wogen 29kg+++
Die Waffen und weiteres Zubehör, welches der Attentäter am Körper trug, wogen insgesamt 29kg. Jedoch verlor B. Teile seiner Ausrüstung während der Tag. An seiner Weste war zudem ein iPod befestigt, über welchen er Musik hörte. Auf Rücken trug er einen Lautsprecher.

+++11.32 Uhr: Waffen waren selbst gebaut+++
Die Waffen baute der Attentäter unter anderem mit einem 3D-Drucker. Dabei verwendete er Anleitungen des 2011 gestorbenen britischen Autors und Büchsenmachers Philip Luty. Nicht alle Waffen, die Stephan B. baute, kamen auch zum Einsatz. Viele waren nur als Ersatz geplant, falls seine Munition nicht reichen würde. Selbst Kugeln hat er sich zum Teil aus Blei selbst gegossen. Neben seinen Schusswaffen trug der Attentäter unter anderem noch Messer und Schwert bei sich.

+++11.47 Uhr: Attentäter gab insgesamt 34 Schüsse ab+++
In Summe gab Stephan B. 34 Schüsse ab: 15 auf Jana L., 3 auf die Tür der Synagoge, 1 in die Luft, 2 im Döner-Imbiss, 1 auf Kevin S., 10 auf der Straße und erneut im Döner und 2 in Landsberg.


https://www.radiobrocken.de/nachrichten/halle-prozess/Radio-Brocken-live-vor-Ort-Der-sechste-Prozesstag-zum-Attentat-von-Halle-id428994.html#_Prozesstag-6:-Radio-Brocken-Live-Ticker
Antworten
#20
Terror Marke Eigenbau: Waffenexperten sagen im Prozess gegen Halle-Attentäter aus 
  • Hagen Eichler 
  • 25.08.20 22:33 

Magdeburg/Halle (Saale) -
Mit einem Gewehrmodell aus dem amerikanischen Bürgerkrieg ging es los. 2015 war das, ganz legal kaufte Stephan B. damals den Perkussions-Hinterlader, Modell Smith Carbine. Als der Rechtsextremist vier Jahre später loszog, um in Halle Juden und Muslime zu ermorden, hatte er sich mit sieben weiteren Schusswaffen hochgerüstet, sämtlich selbst gebaut.

[An dieser Stelle hat die MZ das Kassenhäuschen aufgebaut. Ich zitiere daraus einige »technisch relevante« Fakten, die gestern im Ticker nicht zu lesen waren.]

[…]

Die Mordwerkzeuge des Halle-Anschlags
Die Mordwerkzeuge des Halle-Anschlags standen am sechsten Verhandlungstag des Terrorprozesses im Mittelpunkt. […]

[…] Die Herstellung der Waffen mag langwierig gewesen sein - teuer war sie nicht. Bauteile und Werkzeug besorgte sich B. im Baumarkt und bei eBay. Mal elf Kilogramm Bleischrot für 22,80 Euro; mal Präzisionsrohre für 62,10 Euro; selbst der chinesische 3-D-Drucker, der fehlende Bauteile erzeugte, kostete lediglich 103 Euro. Nach einem im Internet kursierenden Bauplan des britischen Waffenkonstrukteurs Philip Luty baute sich der abgebrochene Chemiestudent zwei Maschinenpistolen. „Da hat er sich sehr viel Mühe gemacht“, sagt ein BKA-Beamter. Der Angeklagte lächelt geschmeichelt.

Detonation mit Stahlkugeln
Viele Stunden lang geht es am Dienstag um Details der Waffen. Bei der Expertenbefragung dürfte das Gericht weniger auf die vollendeten als auf die versuchten Morde zielen. Es geht um die Frage, ob die Waffen grundsätzlich zum Töten geeignet gewesen wären - oder ob es sich um das handelte, was Juristen einen „untauglichen Versuch“ nennen.
Es zeigt sich: Ja, die Waffen waren mordsgefährlich – jedenfalls viele. Der Sprengsatz etwa, den B. über die Mauer auf den Synagogenfriedhof geschleudert hatte. […]

[Der Text, den ich weggelassenen habe, ist inhaltlich identisch mit dem Ticker der MZ von gestern…]

Gezündeter Sprengsatz mit enormer Kraft
Ein Splitter aus dem an der Synagoge gezündeten Sprengsatz wurde in einer Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite gefunden, im zweiten Obergeschoss. Er hatte die Fensterscheibe durchschlagen und war in der Wand steckengeblieben. […]

[Ich habe zwei Absätze weggelassen: Dort geht es um die Bewertung der Molotowcocktails, die im Ticker der MZ von gestern inhaltlich identisch abgebildet werden und um die Bewertung der Maschinenpistole, die nicht eingesetzt wurde; ebenfalls im Ticker.]

BKA-Experte präsentiert Waffen des Anschlags von Halle
Wann immer der BKA-Experte eine der Waffen aus der Verpackung zieht und dem Gericht präsentiert, geht ein Leuchten über das Gesicht des Angeklagten. Es drängt ihn, seine Konstruktion zu erklären, mal geht er auf ein abgebrochenes Visier ein, mal auf einen aus seiner Sicht clever konstruierten Schalldämpfer. […]

Rechtsextremistin im Saal
[…]
Auch wenn es an diesem Dienstag ausschließlich um Waffen geht: Die Ideologie des Angeklagten findet sich selbst in der Ausrüstung. Kurz vor Ende des Prozesstages zeigt Mertens Fotos von B.s selbstgebauter Munition, darunter einige speziell präparierte Schrotpatronen. Statt Bleikugeln enthielten sie eine Cent-Münze. Für den Anschlag hatte B. die Geldstücke bemalt: mit Hakenkreuzen und SS-Runen. (mz)

https://www.mz-web.de/halle-saale/anschlag-in-halle-saale/terror-marke-eigenbau-waffenexperten-sagen-im-prozess-gegen-halle-attentaeter-aus-37241980
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