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8 Tote nach Schiesserei in Hanau
#85
Freitag, 21. Februar 2020

Hanau: Bombe im Kopf
https://www.politplatschquatsch.com/2020...-kopf.html

[Bild: Hanau%2Bschlagzeilen%2BM%25C3%25B6rder.jpg]

An Erklärungen herrscht schon kurz nach der Tat kein Mangel mehr. Und was jetzt getan werden muss, ist zum Glück auch gar keine Frage.

Kaum ist der Pulverdampf verweht, geht es wieder um alles. Wer kann, was geschehen ist, am besten für seine Zwecke nutzen? Wie lässt sich, was wie aus heiterem Himmel über eine ganz normale Stadt gekommen ist, verwerten für eine politische Agenda, die vor allem daraus besteht, die eigene Ratlosigkeit hinter Symbolhandlungen zu verbergen? Was kann, was muss, was ist noch drin im großen Topf der Verschärfungen von Strafrecht, der Begradigung der Bürgerrechte, der Ausweitung von Überwachung und Meldepflichten? Und lässt sich, schließlich, nicht mittels dieser Tragödie, ausgelöst von einem womöglich psychisch schwer erkrankten Mann, endlich ein Problem lösen, das spätestens seit dem, was späteren Generationen nur als "Thüringen" bekannt sein wird, droht, die Regierbarkeit des Staates zu gefährden?

Der "Arm des Hasses"

Es riecht ein wenig nach Reichstagsbrand, wenn Cem Özdemir die den politischen Gegner zum "politischen Arm des Hasses" erklärt, wenn die SPD die Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz fordert und die Süddeutsche Zeitung ohne jeden Beleg orakelt,  die "Gewaltbereiten im Lande fühlten sich plötzlich verstanden".  Ganz so, als ob irgendwo irgendwer und sei es noch so leise Applaus zur Tat des Hanauer Mörders Tobias Rathjen geklatscht habe. UNd wenn, dann waren das neben der AfD die CDU und die FDP, die dem Mörder den Weg geebnet haben", wie die Linke in Thüringen versichert.

Ein deutsches Phänomen seit Jahren. Als der 21-jährige Arid Uka vor 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss und zwei schwer verletzte, war das kein Terrorakt, sondern der Gewaltausbruch eines Verstörten. Als in München ein 18-jähriger um sich schoss, lautete das schnelle, aber gesellschaftlich beruhigende Urteil "Amoklauf".  Auch den Attentäter von Nizza war letztlich nur "psychisch krank" (FAZ), im Grunde konnte auch er nichts für das, was er getan hatte.

Und ebenso wenig konnte irgendeine Behörde oder gar die Regierung vorher etwas dagegen tun. So ist das, das Leben ist gefährlich, es endet mit dem Tod und je gewalttätiger die Zeiten sind, desto früher geschieht das. Kein Geheimdienst, keine Polizei, kein Gesetzgeber und keine Betroffenendemo kann verhindern, dass Menschen wie der Halle-Attentäter Stefan Ballet oder Tobias Rathjen, der  Todesschütze  von Hanau, an irgendeinem Tag aus ihrer Haustür treten und ankündigungslos Menschen ermorden, weil sie - wie Rathjen es offenbar tat - an selbstausgedachte Horrormärchen über unwerte Völker, tausende gefolterter Kinder in unterirdischen US-Militärbasen und die eigene Vollüberwachung durch namenlose Geheimdienste glauben.

Kurt Cobain ist schuld?

Ein Satz wie "Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind", der honorigen Männern wie Woody Allen und Joseph Heller zugeschrieben wird, ist eine Bombe, die im Kopf solcher Menschen jederzeit zünden kann. Macht das Woody Allen zum Mittäter? Oder Joseph Heller? Oder Henry Kissinger, Delmore Schwartz, Terry Pratchett und Kurt Cobain, der die Zeile ""Just because you're paranoid / don't mean they're not after you" in seinem Song "Territorial Pissings verwendete?

Politisch gesehen ist das nicht die Frage. Politisch gesehen ist es eine Chance. Je weniger etwas zu verhindern ist, umso größer müssen die Bemühungen sein, so zu tun, als könne man es verhindern. Und umso weniger Erfolg das verspricht, umso weitgehender können die Maßnahmen sein, die eingeleitet werden. Je weniger man gegen Taten wie die in Hanau tun kann, umso mehr muss man so tun, als könne man etwas dagegen tun. Zumal das den Vorteil hat, dass man etwas für sich selbst tun kann: Man nennt den politischen Gegner als Verantwortlichen. Man verschafft sich nur Gesetze, die mehr Überwachung erlauben. Und gestattet es den Sicherheitsbehörden, auf einer niedrigeren Schwelle tätig zu werden: Wenn einer losschlägt, der nie im Verdacht stand, dann, das ist nur logisch, kommt es auf den Verdacht nicht an. Man muss gerade die im Blick behalten, die keinen Verdacht erregen. 

Rathjen, im Unterschied zu zahlreichen anderen Tätern des neuartigen Alltagsterrorismus aus der Nachbarschaft von Politiker, Medien und Ermittler nicht abgeheftet als ziellos aus sich selbst heraus mordender Wahnsinniger, trat an einem Tag in Aktion, an dem das Bundeskabinett mit der Verschärfung des NetzDG nach pakistanischem Vorbild das größte, umfassendste und am tiefsten in die Privatsphäre von Millionen eingreifendste Überwachungsrecht aller Zeiten verabschiedet hatte.  Ein Gesetz, das nun zweifellos nicht so bleiben können wird, denn es muss - die Lage verlangt es, das muss nun jeder einsehen - verschärft, noch durchgreifender und noch umfassender gestaltet werden.

Ein Mechanismus, der nach jedem Akt des Rechtsterrorismus greift,  und immer weit, weit ins Leere. Auf Menschen zu schießen, in der Absicht, sie zu ermorden, weil sie entweder dies sind oder jenes, oder das nicht oder nicht genug, braucht es  neben einer Motivation, die aus religiöser oder ideologischer Verblendung kommt, in jedem Fall ein Maß an moralischer Verkommenheit, das pathologisch ist und nicht Folge von Whatsappchats oder Besuchen auf Parteiversammlungen, seien sie auch noch so aufpeitschend.

Jeder weiß das. Aber das ist unnützes Wissen. Es verunsichert. Und eignet sich kaum zur Verwendung im politischen Meinungsstreit.  Der nutzt deshalb andere Erklärungen, immer herrscht schon Stunden nach der Tat kein Mangel mehr an Bezichtigungen, Verantwortlichen, Hintermännern, Drahtziehern und geistigen Brandstiftern. 

Aber was jetzt getan werden muss, ist zum Glück auch gar keine Frage, nirgendwo. Der Staat und seine Organe müssen jetzt aufrüsten – technisch, aber auch mental. Horst Seehofer hat schon reagiert. Und die angekündigt, die Polizeipräsenz vor Shisha-Bars Moscheen zu erhöhen. 


suedwestfunk hat gesagt…
So sieht's aus. Es ist so schön bequem, die eigene Deutungshoheit und die Macht im Staate mittels Feindbildern und politischen Stempelkästen zu zementieren. Und das ist um so einfacher, je vollständiger die Masse geblendet und mittels Versprechen der Teilhabe an der Macht im Interesse eigener Wohlfahrt auf Linie gebracht wird. Hat beim Einrichten von Gulags funktioniert wie bei der von Konzentrationslagern, hat die Angst vor der Tscheka geschürt wie die vor der Gestapo und der Stasi. Hält jede Form von Omerta am Leben.
Und noch im Lager darf mitgefeiert werden, wenn zur Ziehharmonika gesungen und getanzt wird und saukomische Possen oder geiler Sport vergessen machen, dass morgen wieder die Norm erfüllt werden muss, damit es was zu essen gibt. So regiert die totale Normierung - und unter der aufgehübschten Oberfläche wuchern die Gewaltphantasien.
Es soll Soziologen und Psychiater geben, die sie für heilbar halten.

Volker hat gesagt…
Ich meine, das hat schon was, das tausendstimmige

Hurra - Der Täter ist ein Deutscher!

Da kann man schon mal das Instrumentalisierungsverbot aussetzen. Davon werden wir erst wieder beim nächsten sog. "Einzelfall" hören.
 
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RE: 8 Tote nach Schiesserei in Hanau - von BSB - 20.02.2020, 12:54
RE: 8 Tote nach Schiesserei in Hanau - von INP - 20.02.2020, 15:31
RE: 8 Tote nach Schiesserei in Hanau - von INP - 20.02.2020, 23:08
RE: 8 Tote nach Schiesserei in Hanau - von fhh - 21.02.2020, 01:14
RE: 8 Tote nach Schiesserei in Hanau - von ossi - 21.02.2020, 11:04
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