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Medien und Blogs zum Thema
(22.10.2020, 07:12)Boris B schrieb:
(22.10.2020, 05:07)Hallo schrieb: Wenn Hofschranzen  bei der Umsetzung eines Ereignis scheitern müsste ggf. Todesstrafe drohen es sei denn diese Edlen geben zu gelogen zu haben. 

Dazu fällt mir spontan zunächst das Sprichwort ein: "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus."

Wer macht und erläßt gleich all die (juristischen) Gesetze?
Formal die in den Parlamenten sitzenden Volksvertreter; praktisch jener Teil derer, die sich als Elite verstehen (und für die auch das Synonym Hofschranzen zutrifft), ... also jene, die meinen über besondere Fähigkeiten zu verfügen, Fähigkeiten, über der Rest in der Gesellschaft (Pöbel, Plebs, Fußvolk) nicht verfügt.

Und wozu dienen deren (juristische und soziale) Gesetze?
Vordergründig dazu dem sozialen Miteinander eine sinnvolle, allen nützende Struktur zu geben. Bekanntlich sind alle Tiere gleich und doch sind einige gleicher (Orwell, Farm der Tiere). Letztlich schert sich ein jeder Parasit nur um eins: seinen vollen Futternapf! 

Durch wen/was willst Du den Parasiten ersetzen, wenn es Dir gelingt, daß der Elite-Rüpel seine Gesetze ändern muß, und sich dabei selbst ausrottet?

Es gibt (gab) Fürste und Fürsten ... ist darum der Hass der Aktuellen auf den „Ersten Diener des Staates“ so groß?
Ist darum jeder Widerspruch  gegen  den herrschenden Machiavellismus tödlich?

PS: Das mit de Bleischrotmenge von zirka 90 bis 120 Gramm in (und an) der Tür ist gut!
(Möglicherweise ist in der Asservatenkammer von LKA / BKA noch abkömmlicher Vorrat?  http://arbeitskreis-n.su/blog/2020/10/21...-reloaded/)
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22. Verhandlungstag: Halle-Prozess – Solidarität ist eine Waffe

Nicholas Potter

Endspurt im Halle-Prozess: Die Beweisaufnahme wurde bereits am 18. November abgeschlossen. Der Generalbundesanwalt fordert in seinem Plädoyer die höchste Strafe für den rechtsextremen und antisemitischen Attentäter: lebenslange Haft. Vor Weihnachten ist ein Urteil erwartet. Am 1. Dezember 2020, dem 22. Verhandlungstag des Prozesses, darf nun die Nebenklage das Wort ergreifen. Dafür sind mehrere Tage eingeplant: Denn die 43 zugelassenen Nebenkläger*innen werden von 21 Rechtsanwält*innen vertreten. Heute wird in deren Schlussvorträgen der Generalbundesanwalt scharf kritisiert. Auch die Polizei kommt nicht gut weg.
Zunächst nimmt der Rechtsanwalt Christian Eifler Platz am Rednerpult. Er vertritt die Mutter von Kevin S., der in seiner Mittagspause im „Kiez-Döner“ vom Angeklagten* erschossen wurde. Seine Mandantin habe es heute zum ersten Mal nach vier Monaten zum Prozess geschafft, ihr gehe es psychisch gar nicht gut, berichtet er. Und das liegt am Täter. Auch Eifler muss sich zusammenreißen, während er seinen Vortrag hält. Er seufzt, atmet tief ein und aus, wirkt emotional belastet, während er dem Angeklagten direkt ins Gesicht starrt. Im Anschluss spricht der Rechtsanwalt Erkan Görgülü, der den Vater von Kevin S. vertritt. Er berichtet, dass S. trotz seiner Behinderung dafür gekämpft habe, sich im Leben zu integrieren, einen Job zu finden und entgegen ärztlicher Einschätzungen zu überleben. Der Angeklagte habe gezeigt, dass man nicht Jude oder Ausländer sein müsse, um vom rechten Terror betroffen zu sein: „Das betrifft uns alle.“ Zum Schluss zitiert Görgülü Kevin S.‘ letzte Worte, bevor er starb: „Nein, bitte nicht. Bitte nicht. Nein. Bitte, bitte nicht. Nein, bitte nicht“. Stille im Gerichtssaal, manche der Anwesenden müssen weinen.

Im Stich gelassen
Nach einer 20-minütigen Lüftungspause hält der Rechtsanwalt Onur Özata sein Plädoyer. Er vertritt die Brüder İsmet und Rıfat Tekin, die den Imbiss „Kiez-Döner“ betreiben. Sein Mandant İsmet habe an jedem Verhandlungstag des Prozesses teilgenommen, er habe jedem Zeugen zugehört, während sein Bruder Rıfat die Stellung im Dönerladen gehalten habe, sagt Özata. Durch den Prozess seien die beiden Brüder andere Menschen geworden. Die Tat habe ihren Blick auf Deutschland geändert: Sie kommen ursprünglich aus der Südosttürkei und arbeiten Tag für Tag hart, um in Deutschland ein besseres Leben für ihre Kinder zu sichern. „Meine Mandanten fühlen sich aber häufig von diesem Staat im Stich gelassen. Da, wo der Staat hätte solidarisch sein müssen, hat er nur mit den Schultern gezuckt“. Zum Schluss zitiert Özata die polnische Autorin Zofia Nałkowska, die über die Shoah schrieb: „Das haben Menschen Menschen angetan“. Özata will damit eine Pathologisierung des Täters ablehnen und stattdessen betonen: Er sei kein Monster, kein Psychopath, sondern ein Mensch habe diesen grausamen Anschlag verübt.
Im Anschluss hat İsmet Tekin das Wort. Er kritisiert den Generalbundesanwalt – und er wird nicht der letzte, der das an diesem Tag tut. Er fragt, warum der Angriff auf ihn nicht als versuchter Mord gewertet wird, fragt, wie man behaupten könnte, dass der Angeklagte ihn mit einem gezielten Angriff nicht hätte töten wollen. Seit mehr als einem Jahr leide Tekin an Alpträumen, in denen der Angeklagte ihn umzubringen versuche. „Wenn Polizeibeamte mit 30 Jahren Erfahrung und schutzsicheren Westen von diesem Einsatz traumatisiert werden, was soll das für uns Nebenkläger*innen heißen?“, sagt er zum Schluss.
Auch die Rechtsanwältin Ilil Friedmann findet scharfe Worte für den Generalbundesanwalt, der den Autoangriff auf ihren Mandanten Aftax Ibrahim noch immer lediglich als ein Verkehrsdelikt und fahrlässige Körperverletzung wertet, nicht als Mord. Die Entscheidung des Generalbundesanwalts sei abwegig und nicht nachvollziehbar, so Friedmann. Für sie ist das Motiv klar: Es gehe um einen rassistischen Mordversuch, denn der Angeklagte habe ihren Mandanten aufgrund seiner Hautfarbe überfahren wollen. Ibrahim leide bis heute unter dem Angriff: Er habe Schmerzen, wenn er sitze oder Fußball spiele. Er habe keine Lust, seine Wohnung zu verlassen, habe Angst, Menschen zu treffen. Auch an Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten leide er – typische Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Aus Halle möchte er deswegen wegziehen.
Nach einer weiteren Lüftungspause will die Rechtsanwältin Kristin Pietrzyk, die drei Mandant*innen vertritt, vor allem einen Aspekt des Anschlags in ihrem Schlussvortrag beleuchten: Den Charakter der Tat als eine soziale Interaktion unter Abwesenden. Damit meint Pietrzyk den Kontext des Anschlags als Teil einer Serie ähnlicher rechtsextremer Taten weltweit von Christchurch bis El Paso, die auf Imageboards und Online-Communities zurückgehen. „Wir hören den Angeklagten nicht das Horst-Wessel-Lied singen, sehen ihn nicht mit seinen Kameraden vor einer Hakenkreuzfahne posieren, er geht nicht auf Fackelmärsche. Doch er war kein Einzeltäter.“ Neben den stabil bleibenden Kameradschaften und rechtsextremen Parteien gebe es eine neue virtuelle Struktur auf Imageboards.

Wehret den Anfängen? Wir sind mitten drin
Das habe die Online-Expertin Karolin Schwarz, die Anfang November aussagte, verstanden: Pietrzyk lobt Schwarz als Sachverständige die, anders als das BKA, in der Lage gewesen sei, dem Gerichtssaal diese virtuelle Welt näherzubringen. Pietrzyk macht deutlich, wo Mythen wie „Der große Austausch“ und eine „jüdische Weltverschwörung“, die in diesen Online-Communities viele Anhänger*innen finden, hinführen: „Zu Verschwörungstheorien gehören Vernichtungsfantasien“, sagt sie. Alleine im Jahr 2019 seien vier solcher Anschläge auf Imageboards angekündigt worden, bei denen 78 Menschen getötet wurden, so Pietrzyk. Der Angeklagte sei ein erfahrener User dieser Online-Communities, der ihre Codes kenne und nutze.
In seinem „Pre-Action Report“ brauche er daher nicht seine Ideologie ausführlich zu erklären. Stichworte und Satzstücke reichten vollkommen aus, seinen Adressat*innen zu zeigen, dass er zu ihnen gehöre. Sein Ziel: Weiteren Imageboard-Nutzer zu ermöglichen, ähnliche Taten zu begehen, aber auch, einen Platz in einer langen Reihe ähnlicher Mörder einzunehmen. Auch im Gericht wende er sich an dieses Online-Publikum, wolle den Prozess als Bühne benutzen. Das habe das BKA nicht begriffen, erfreulicherweise hätten aber einige Medien darauf verzichtet, den Angeklagten beim Namen zu nennen und ihn zu fotografieren und ihm somit eine Plattform zu geben. Zum Schluss liest Pietrzyk die Namen der Todesopfer der Anschläge in Halle und Hanau vor und sagt: „Ein Wehret-den-Anfängen ist lange nicht mehr genug. Wir sind mitten drin. Wie meine Mandantin sagt: The bullet is still in the gun.“ Die Patrone steckt immer noch in der Waffe.
Auch die Rechtsanwältin Kati Lang lobt in ihrem Schlussvortrag, dass es dem Angeklagten nicht gelungen sei, den Prozess zur Bühne für seine menschenverachtende Ideologie zu machen. Denn ein Teil der Medien zumindest sei der gemeinsamen Erklärung der Nebenklage zu Prozessbeginn gefolgt, den Täter weder namentlich zu nennen noch abzubilden: „Der Angeklagte nutzt alle ihm zur Verfügung stehende Mittel zu seinem Vorteil“, sagt Lang. So schweige er über manche Daten, die auf seinen Festplatten gefunden wurden, erwecke zugleich aber den Eindruck, dass manche Dinge gefunden werden sollten. Über seinen unverhohlenen Antisemitismus sage er viel, sobald es um seine Familie ging, sei er hingegen wieder stumm.
Andere Aspekte der medialen Berichterstattung über den Prozess kommentiert Lang dennoch kritisch: Immer sei von der guten deutschen Eichentür an der Synagoge die Rede gewesen, die von einem guten deutschen Handwerker gefertigt wurde: „Dieser Prozess darf nicht zur Bühne des guten Deutschlands werden. Denn dafür taugt er nicht“. Dennoch betrachtet sie als positiv, dass im Prozess Betroffene zu Wort gekommen sind. Und der Prozess habe zwar zu unermesslichem Leid geführt, aber gleichzeitig auch Allianzen der Solidarität geschaffen, von der Synagoge zum Kiez-Döner und darüber hinaus. Der Angeklagte konnte die Betroffenen nicht auslöschen. Stattdessen zeigen sie sich unteilbar. Denn gegen die selbstgebastelten Waffen des Attentäters hilft vor allem eines: Solidarität.
Die Plädoyers der Nebenklage werden am 2. und 8. Dezember fortgesetzt. Bis zum 22. Dezember ist ein Urteil erwartet.

* Zu Beginn des Prozesses veröffentlichte eine Gruppe von Nebenkläger*innen eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Medienvertreter*innen aufgefordert haben, den Namen des Attentäters nicht zu nennen, um ihm eine Plattform zu verweigern. Wir haben diesen Wunsch in diesem Artikel respektiert.



https://www.belltower.news/22-verhandlun...fe-108019/
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23. Verhandlungstag: Halle-Prozess – Das namenlose Irrlicht

Nicholas Potter

Der Prozesstag des 2. Dezembers 2020 ist ein kurzer mit deutlich weniger Publikum und Presse: Beim 23. Verhandlungstermin im Verfahren gegen den rechtsextremen und antisemitischen Halle-Attentäter* setzen die Vertreter*innen der Nebenklage ihre Schlussplädoyers fort. Vier Rechtsanwält*innen treten heute ans Rednerpult. Doch wo die Plädoyers am Vortag fast abgestimmt wirkten und inhaltlich aufeinander aufbauten, wurden diesmal sehr unterschiedliche Aspekte der Tat beleuchtet. Es  fehlt aber eine Dramaturgie. Zum Teil widersprechen sich die Plädoyers sogar.
Das erste Plädoyer an diesem Tag kommt von der Rechtsanwältin Assia Lewin, die zwei Überlebende des Anschlags auf die Synagoge in Halle vertritt. Sie möchte sich ihren Vorredner*innen anschließen und fordert auch eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung für den Angeklagten. In einem normalen Strafprozess wäre ihr Plädoyer damit beendet, sagt sie. „Aber das ist kein normaler Prozess“. 75 Jahre nach Beginn der Nürnberger Prozesse stehe sie vor Gericht als Vertreterin zwei Betroffenen eines antisemitischen Anschlags, in einem Land, das den Tod von sechs Millionen Jüdinnen und Juden zu verantworten habe. Lewin hat Fragen: „Wieso konnte so etwas hier wieder passieren? Wieso konnte der Angeklagte einen solchen Hass auf Juden entwickeln? Wieso hat niemand etwas mitbekommen?“ Der Prozess werde weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, eben wegen solcher Fragen, so Lewin.
Lewin sieht eine große Schuld bei der Familie des Angeklagten, die von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht im Prozess Gebrauch gemacht hatte. Als Folge sei es nicht gelungen herauszufinden, welche Umstände genau dazu geführt hätten, dass der Angeklagte seine rassistische und antisemitische Gesinnung entwickeln konnte, so Lewin. Eine Gesinnung, die in seiner Familie auf Schweigen und Wegsehen getroffen sei, die „unter dem Teppich gekehrt“ worden sei. „Seine Eltern tragen eine große Verantwortung dafür, dass er zum Massenmörder wurde“, betont Lewin. Solche Aussagen zu seiner Familie scheinen für den Angeklagten ungemütlich zu sein: Er hört aufmerksam zu mit offenem Mund, murmelt immer wieder zu sich selbst. Lewin hat scheinbar einen Nerv getroffen.

Der Krieg im Kopf
Lewins Schlussvortrag ist wortgewandt: Der Angeklagte benehme sich trotzig wie ein Kind, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen könne. Er erfinde imaginäre Feinde, um sein eigenes Versagen zu rechtfertigen. Und Lewin hat eine bittere Wahrheit für den Angeklagten: „Niemand von dieser von Ihnen so bezeichneten ‚weißen Rasse‘ möchte von Ihnen beschützt werden. Der Krieg findet nur in Ihrem Kopf statt.“ Auch seinen Antifeminismus greift sie an: Eine unterwürfige Frau an seiner Seite, die deutsche Spezialitäten in der Küche zaubere, mit der er Kinder zeugen kann – all das werde er niemals haben.
Der Angeklagte wirkt immer gereizter, als Lewin rhetorisch fragt, gegen welche Jüdinnen und Juden sein Hass gerichtet sei, amerikanische Juden, hallensische Juden? „Alle“ murmelt er vor sich hin. Erneut zeigt der Angeklagte, wie tief verwurzelt sein Antisemitismus ist, obwohl er in seinem Leben mit dem Judentum kaum in Kontakt kam. Auch das thematisiert Lewin: „In diesem Prozess haben Sie das erste Mal Juden gesehen“, sagt sie später. Sie führt fort: „Trotz ihrer Tat gedeiht das jüdische Leben in Deutschland. Als deutsche und jüdische Rechtsanwältin möchte ich Ihnen sagen: Sie haben auf ganzer Linie versagt.“ Zum Schluss appelliert Lewin an das Publikum im Gerichtssaal und auch an die Öffentlichkeit: „Wenn Sie Rassismus und Antisemitismus begegnen, fühlen Sie sich angesprochen und zuständig. Zeigen Sie ihren Widerwillen.“
Danach hält Juri Goldstein, der zwei weitere Überlebende aus der Synagoge vertritt, einen merkwürdigen Schlussvortrag, bei dem einige Nebenkläger*innen den Gerichtssaal verlassen. Er lobt ausführlich den Tischler der Synagogentür, obwohl das Narrativ der „guten deutschen Eichentür“ schon am Vortag von der Nebenklage stark kritisiert wurde, spricht von einer Instrumentalisierung des Anschlags und des Antisemitismus „von linker und rechter Seite“, auch im Hauptverfahren. Sein theoretischer Hufeisenwurf gewinnt ihm in den Reihen der Nebenklage wenige Fans.
Goldstein bemängelt auch, dass dem Angeklagten mit dem Prozess eine Bühne geboten werden würde, die er nicht haben dürfte. Am Vortag hatten mehrere Rechtsanwält*innen der Nebenklage begrüßt, dass dies zum größten Teil nicht gesehen sei. Diesen Fokus auf den Täter versucht Goldstein mit einem Zitat von Hannah Arendt zu adressieren, die beim Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem schrieb: „Im Mittelpunkt eines Prozesses kann immer nur der stehen, der gehandelt hat − in dieser Hinsicht gleicht er dem Helden eines Dramas. Und wenn er leidet, dann muss er für das leiden, was er getan hat, nicht um dessentwillen, was andere wegen seiner Tat gelitten haben.“ Goldstein findet in seinem Plädoyer aber auch andere Worte, die auf mehr Resonanz treffen, um die Tat zu kritisieren: „Die Absicht, mehr als 50 Menschen das Leben zu nehmen, ist an Abscheulichkeit nicht zu überbieten. Und dafür gibt es eigentlich keine gerechte Strafe.“ Zum Schluss betont er: „Es reicht nicht, diese Tat zu verurteilen und dann zum Tagesgeschäft überzugehen. Dieser Kampf geht uns alle an“.

Nur ein verschwörungsideologischer Dorfdepp
Den letzten Satz von Goldstein hat die Rechtsanwältin Nina Kallweit in ihrem Schlussvortrag offenbar verinnerlicht. Hier geht es vor allem um die Frage der Schuld: Sie sieht sich, als Teil der Gesellschaft, auch schuldig an der Radikalisierung des Täters, setzt sich mit der Schuld ihrer eigenen Vorfahren im Nationalsozialismus auseinander und fragt sich: „Was tust du, damit dein Sohn nicht zum Täter wird? Hast du genug getan?“ Damit so etwas nicht wieder geschehe, brauche es Dialog, so Kallweit.
Als letzter Redner des Tags spricht der Rechtsanwalt Florian Feige, der das Wiedersdorfer Ehepaar vertritt, das auf der Flucht des Angeklagten angeschossen und verletzt wurde. Feige betont, dass der Angeklagte seine Mandant*innen töten wollte und dass es bei den Schüssen also um einen Mordversuch gehandelt habe. Für den Angeklagten findet er bissige Worte: „Sie werden als namenloses Irrlicht in Erinnerung bleiben“. Der Angeklagte sei ein verschwörungsideologischer Dorfdepp. In Zeiten des Internet sei es allerdings leider so, dass alle Dorfdeppen sich zusammenfinden und austauschen können. Feige macht jedoch klar: Nur weil sie hundert Mal wiederholt würden, würden die unsinnigen Ideen des Angeklagten nicht wahrer.
Zum Schluss kritisiert Feige die Nebenkläger*innen, die während Goldsteins Vortrag den Saal verließen. Nur zusammen könne die Zivilgesellschaft Antisemitismus bekämpfen, so Feige. Er hat aber auch ein Schlusswort für den Angeklagten: „Ich bitte Sie, machen Sie nicht von ihrem Recht Gebrauch, letzte Worte zu sprechen und verschonen Sie uns alle mit ihrer zerebralen Diarrhö.“ Der Saal lacht. Und somit ist der 23. Verhandlungstag kurz nach 12:00 Uhr beendet. Am 8. Dezember halten die restlichen Vertreter*innen der Nebenklage ihre Schlussvorträge, bevor die Betroffenen des Anschlags selber zu Wort kommen. Am 9. Dezember spricht die Verteidigung ihr Plädoyer. Das letzte Wort hat der Angeklagte. Ein Urteil ist am 21. Dezember erwartet.

* Zu Beginn des Prozesses veröffentlichte eine Gruppe von Nebenkläger*innen eine gemeinsame Erklärung, in der sie die Medienvertreter*innen aufgefordert haben, den Namen des Attentäters nicht zu nennen, um ihm eine Plattform zu verweigern. Wir haben diesen Wunsch in diesem Artikel respektiert.

https://www.belltower.news/23-verhandlun...ht-108103/

(Farbige Hervorhebungen von mir)
Antworten
Urteil gegen Stephan Balliet: unfaßbar, grausam, feige

[Bild: 201221_urteil_balliet-grausam_und_feige.png]

Hatte die Chefredaktion der Spiegelnden nicht irgendwann mal be­schlos­sen, die Dichtung einzustellen, weil große Teile der Redaktion nicht mehr ganz dicht sind?
Die Titelnden unter Führung einer Dichtenden attestieren: Das Urteil gegen Balliet ist unfaßbar, grausam und feige. Da fragt man sich, welche Getränke und Kräuter an der Alster feilgeboten werden, solch Bewertung herbeizufabulieren?
Der AK NSU war schon immer der Meinung, daß die Menschen vor sol­chen Gestalten wie Balliet geschützt werden müssen. Man lese sich nur aufmerksam die Fahndungen der Polizei durch, wenn sie mal wieder einen der Klapper Entfleuchten suchen. Nicht ansprechen, der Mann ist gewalttätig. Polizei informieren, wir fangen den wieder ein.
Balliet gehört in jedem aller denkbaren Fälle in die Geschlossene. Ob ein Strafprozeß vor einem Staatsschutzsenat die richtige Antwort ist, daran darf man berechtigte Zweifel haben, denn im Staatsschutzsenat ist der Name Programm.
Völlig unabhängig davon, daß sich der Spiegel für eine Dichtende ent­schied, die eine Geschichte von der Urteilsverkündung anzuliefern hatte, sei erst mal der Fakt mitgeteilt.
Der Angeklagte Stephan Balliet wurde in Magdeburg zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.
Für zwei Morde, mehrere Mordversuche, dem Versuch des Eindringens in eine Synagoge, Verstößen gegen das Waffengesetz und und und.
Man muß sich diese materiellen Verbrechen vor Augen führen, um zu verstehen, daß dann mit dem Urteil gegen Zschäpe nur eines stimmt. Es wurde in einem Staatsschutzsenat gesprochen, vom Staatsschutzdiener Götzl. Zschäpe hat keinen Mord begangen, keinem beigewohnt und nach nüchterner Analyse auch keine Ahnung von nichts gehabt, so einen Stuß hat sie den Grasel vorlesen lassen.
Weiter im Text zu Balliet.
Das Urteil erging unter anderem wegen zweifachen Mordes, vielfachen Mordversuchs und Volksverhetzung. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, womit eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen ist. Gegen das Urteil kann Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt werden.
Es scheint, man muß die Begründung abwarten. Da muß ja ausführlich referiert werden, warum der Rücktritt vom Tatvorhaben an der Synagoge keine Bedeutung für die Strafzumessung hatte. Möglicherweise ist auch die Revision abzuwarten, die übrigens das Urteil bestätigen wird, weil die Richter zu feige sind, dem Balliet ein heftige Macke zu attestieren. Ist auch nicht deren Metier, sondern Domäne von Ärzten und Pillendrehern.
Es sei ein »feiger Anschlag« gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens …
Da stelle ich doch sogleich die Frage, weil die Frau Mertens Sachkunde zu haben scheint, was ein „kein feiger Anschlag“ oder gar ein „mutiger An­schlag“ gewesen wäre oder sein kann. Luthers Thesen an der Kirchhaus­pforte scheiden aus. Frage für die Antifa, der ich die Erkenntnisse dieser Frau Mertens zukommen lassen möchte, damit sie ihren moralischen Kompaß neu justiert.
Nun noch ein paar Worte zur Lakotta, der Dichtenden unter den Spiegeln­den.
Seine Tat gilt als einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge seit dem Zweiten Weltkrieg.
Ach ja? Was hat er denn antisemitisch getan? Gegen eine solide Eichentür gepocht, die ihrem Namen zurecht alle Ehre machte? Was kümmert es die (deutsche) Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt.
Balliet hat in der Synagoge keine Verbrechen begangen. Alles, aber auch alles, was in diesem Zusammenhang an perversem und pornografischem Ekel publiziert wurde, ist Ausdruck der Phantasie und moralischen Ver­kommenheit des jeweils Dichtenden. Es sind Projektionen ihrer widerli­chen Phantasmen auf das, was sie gerne berichtet hätten, um den Pulitzer abzuräumen. Balliet hat an die Pforte gepocht und ist vom Tatentschluß zurückgetreten, weil die Pforte nachdrücklich den berechtigten Grund ihres Daseins bewies.
Der mit Abstand größte und mittlerweile uneinholbare antisemtische Anschlag seit Ende von WK2 ist jener von Merkel, die hunderttausende begeisterte Antisemiten nach Deutschland einlud, hier ihren antijüdischen Haß ausleben zu drüfen, wenn sie es in ihren heimatlichen Landstrichen nicht mehr können. Es gibt derzeit keine schlimmeren Antisemiten unter deutscher Sonne als Merkel und Konsorten. Und Maas, der wegen Auschwitz in die Politik ging.
Zwar habe der Gutachter dem Angeklagten eine schwere Persön­lich­keitsstörung attestiert, mit paranoiden, schizoiden und selbstunsicheren Zügen. Vereinsamt habe er in seinem Kinderzimmer absurden Verschwö­rungstheorien angehangen. Aber an seiner Schuldfähigkeit bestehe kein Zweifel. *
Genau da haben wir das Problem. Bei Balliet handelt es sich um ein medizinisches. Der konnte nicht anders, und genau deswegen gehört er weggesperrt. Der hat einen schweren Hau weg. Genau das darf aber in einem Staatsschutzsenat nichts zur Sache tun, denn damit würde sich der Staat selber ins Knie schießen, da ihm Billigpropaganda flöten ginge, die er sonst teuer bei Kahane einkaufen müßte.
»Sie sind für die Menschheit gefährlich«, wendet sich Mertens noch einmal zum Angeklagten, der sie scheinbar gleichmütig anschaut. »Wir müssen die Gesellschaft vor Ihnen schützen«, sagt die Vorsitzende zu ihm. Wenn er seine Einstellung nicht ändere, werde er nie wieder in Freiheit kommen.
Die Mertens ist wohl doch nicht so schlau, wie eingangs vermutet. Der hat nie wieder was in Freiheit verloren. Das hat mit seiner Einstellung nichts zu tun, sondern mit den Pillen, die er nicht nimmt.
Die Vorsitzende schiebt gerade noch ihr Manuskript zusammen, da springt Balliet auf und schleudert wortlos einen länglichen roten Gegen­stand quer durch den Saal, er landet zwischen den Tischen der Neben­kläger.
Kurzer Aufruhr, dann ist klar, es war ein zusammengerollter Schnell­hefter. Justizbedienstete ringen den Verurteilten nieder und bringen ihn aus dem Saal.
Eben, völlig bekloppt der Mann.
Ach ja, Relotius, was hatten’s wir doch gut bei dir. Die Lakotta hat doch irgendwie Recht. Das Urteil ist zumindest unfaßbar und feige, aber nicht grausam, sondern dem medizinischen Sachverhalt angemessen.

—–
* Außerhalb der Wertung zum Schuldbefähigenden.
Der Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie des LVR-Klinikums in Essen sollte in seinem Gutachten erläutern, wie schuldfähig der Angeklagte ist. Der Mediziner beschrieb zunächst den Werdegang des Angeklagten. Dieser musste sich zwei Operationen im Bauchbereich unterziehen, die zum Teil missglückten. Sein zuvor begonnenes Studium setzte er daraufhin nicht fort. Der Mediziner sieht in diesen Operationen wichtige Schritte zur Radikalisierung des Angeklagten.
Der Typ gehört in die gleiche Meisenburg wie Balliet.

http://arbeitskreis-n.su/blog/2020/12/23...sam-feige/
 
Antworten
Wenn es nicht gerade um den NSU geht, oder das Oktoberfestattentat und ein paar andere Altfälle, wo sie Großartiges geleistet haben, kann man die psychiatrischen Gutachten des AK vergessen. Antijüdischer Haß von Merkels Gästen, deren Einlaß der ZdJ forderte, ist auch so eine billige Propagandanummer der Achgut-"Konservativen". Hätte ein Musel die Synagoge angegriffen, wäre das natürlich kein Irrer, sondern der Islam schuld am Judenhaß. Oder so.
Antworten
(23.12.2020, 17:57)kalter hornung schrieb: Wenn es nicht gerade um den NSU geht, oder das Oktoberfestattentat und ein paar andere Altfälle, wo sie Großartiges geleistet haben, kann man die psychiatrischen Gutachten des AK vergessen. Antijüdischer Haß von Merkels Gästen, deren Einlaß der ZdJ forderte, ist auch so eine billige Propagandanummer der Achgut-"Konservativen". Hätte ein Musel die Synagoge angegriffen, wäre das natürlich kein Irrer, sondern der Islam schuld am Judenhaß. Oder so.

Deutschland ist halt das Land der Dichter und der Denker. Münchhausen-Syndrom hie rund mangelnde Dichtung da (im letzteren Fall hilft die Röhricht-Firma; Gas, Wasser Scheiße... äh Sanitär.)

Zumindest die Titelzeile beim Spiegel hat zurecht Spott verdient...

Zitat:Erinnert ihr euch an den Relotius-Fall beim Spiegel?
Ich fand das ja damals nicht weiter interessant. Zeitung fällt auf Hochstapler rein. Who cares. Meine Erwartungshaltung an die war eh nicht, dass die ihre Quellen ordentlich prüfen. Das geht gar nicht, wenn man so schnell publizieren will wie Medien heute. Ich hoffe das war für niemanden von euch überraschend, dass das eines Tages passieren würde.
Überraschend war für mich an der Sache bloß, wie viele Auszeichungen und Preise der Typ gekriegt hatte. Daraus folgt für mich, dass die anderen Journalisten das nicht erkennen können, wenn einer der Ihren bescheißt. Wenn nicht mal die Journalisten selber das erkennen können, was heißt das für die Anfälligkeit des gesamten Systems?!
Das war für mich bei Relotius jedenfalls der springende Punkt damals. Die ganzen Preise.
Und jetzt hat die New York Times auch so einen Fall. Ein Podcast über den Islamischen Staat. Und wisst ihr was? Auch dieser Podcast hat wieder Preise und Auszeichnungen eingefahren, u.a. einen Peabody-Award, der in Sachen Prestigeträchtigkeit nur noch vom Pulitzerpreis übertroffen wird — und auch für den war der Podcast nominiert. Die Nominierung wurde jetzt zurückgezogen.
Damit kann für mich eine Sache als belegt gelten. Journalismus-Preise gibt es nicht für journalistische Arbeit sondern für Geschichtenerzählen. Journalistische Arbeit ist aufwendig und langatmig, und meistens kommen dabei keine schönen Geschichten raus. Beim Ausdenken kommen viel bessere Geschichten raus als bei Journalismus.

http://blog.fefe.de/?ts=a11d91b4


Womit er Recht hat. Sie sollten es denn aber auch drüber schreiben: Faktenerfinder!
Antworten
(23.12.2020, 18:49)Boris B schrieb: Deutschland ist halt das Land der Dichter und der Denker. Münchhausen-Syndrom hie rund mangelnde Dichtung da (im letzteren Fall hilft die Röhricht-Firma; Gas, Wasser Scheiße... äh Sanitär.)

Zumindest die Titelzeile beim Spiegel hat zurecht Spott verdient...

Wer es originell mag, soll sich gern an Spiegelüberschriften abarbeiten. Aber das rechthaberische "Balliet ist irre und wer das anders sieht, ist doof", ist halt kein besonders qualifizierter Beitrag zum Thema und das Geschwätz von Merkels Antisemitismus einfach nur strunzdumm.
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