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Medien und Blogs zum Thema
1. Prozesstag (gesicherter Ticker der Mitteldeutschen Zeitung)
Versteinerte Mienen bei Nebenklägern: Attentäter kichert beim Erzählen 

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  • 21.07.20

Halle (Saale) -
Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der rechtsterroristische Angriff von Halle machte weltweit Schlagzeilen. Für den Prozess, der am Dienstag beginnen soll, sind 18 Verhandlungstage anberaumt. 

Hier finden Sie die Live-Berichterstattung vom Prozess gegen Stephan B. in Magdeburg sowie einen Rückblick auf die Ereignisse seit dem 9. Oktober 2019:

21.07.2020: Tag 1 im Terrorprozess gegen Stephan B.


17.23 Uhr: Ende der Verhandlung
Zuletzt geht es um B.s Verhältnis zur Bundeswehr. Warum habe er sich dort beworben?, fragt einer der Richter. „Es ist die einzige Armee, zu der ich kann“, sagte B. Ihn stört, dass der Staat seine eigenen Soldaten „fast wie Mörder“ behandele.
B. hatte sechs Monate Wehrdienst geleistet und bewarb sich später erneut beim Bund, zog das aber zurück. „Aus medizinischen Gründen“, wie er sagt. Er habe seit seiner Operation empfindlich auf Wetterveränderungen reagiert.
Um 17.15 Uhr schließt die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens die Verhandlung und vertagt sie auf Mittwoch. Dann sollen die Nebenkläger Gelegenheit bekommen, Fragen an den Angeklagten zu stellen. Auch das von B. produzierte Tätervideo soll vorgeführt werden.

17.03 Uhr: Attentäter Stephan B. mit Automatik-Schaltung überfordert
Stephan B. schildert seine weitere Flucht mit einem erpressten Taxi. Er saß angeschossen am Steuer, atmete durch, wollte starten – und stellte fest, dass der Wagen ein Automatikgetriebe hatte. „Das haben Taxis ja häufig“, sagt die Richterin. „Das war mir nicht bewusst“, sagt B. Beim Starten habe die gesamte Elektronik aufgeleuchtet wie das Cockpit der „Enterprise“, erzählt B. lachend. Irgendwie gelang es ihm, das Auto zu starten, dann trat er versehentlich auf die Bremse und bleib fast stehen.
Der Angeklagte hat jetzt sichtlich Freude daran, seine Taten zu schildern, auch seine Ungeschicklichkeit. Immer öfter muss er beim Erzählen kichern. Versteinerte Mienen bei den Nebenklägern. 

16.52 Uhr: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht bei Schuss auf Autobesitzer
Stephan B. berichtet, wie er in Wiedersdorf bei Halle die Herausgabe eines anderen Fluchtwagens erzwingen wollte. Der Besitzer, Jens Z., weigerte sich, obwohl B. eine Pistole auf ihn richtete. Der Mann habe ihn gefragt, was er von ihm wolle. Stephan B:: „Ich habe mal von einem Räuber gehört: Wenn dich jemand nicht ernst nimmt, bist du kurz davor, entwaffnet zu werden. Da habe ich geschossen.“ Der Schuss traf sein Opfer in den Hals. 
Dennoch besteht B. darauf, er habe den Mann nicht töten wollen. „Ich wollte das Auto, mehr nicht.“ Auch die Lebensgefährtin schoss B. danach an. Mitleid zeigt er nicht - die beiden hätten sich ja noch unterhalten können, sagt er der Richterin.

16.36 Uhr: Beinahe-Kollision mit einem schwarzen Fußgänger am 9. Oktober 2019
Die Vorsitzende Richterin befragt den Angeklagten jetzt zu einer Sequenz seines selbst gefilmten Videos. Stephan B. bestätigt, dass er auf der Flucht in Halle einen Schwarzen wahrgenommen habe.
Es bereitet ihm Vergnügen, zu schildern, er hätte den Mann überfahren können. Das sei aber nicht möglich gewesen, der Bordstein sei zu hoch gewesen. Sein Auto mit zwei zerschossenen Reifen habe er nicht weiter gefährden wollen. B. bestreitet, dass er auf den Mann gezielt zugefahren sei.

16.24 Uhr: Fragen zum Feuergefecht mit den Polizisten in Halle
Der Angeklagte war sich darüber im Klaren, dass er bei seinem Terrorangriff sterben könnte. „Entweder gewinnen oder sterben“ – das sei sein Plan gewesen. „Hatten Sie Angst zu sterben?“, fragt die Vorsitzende Richterin. „Leicht mulmig wird’s einem schon, wen man mit einer improvisierten Schrotflinte gegen die Polizei kämpfen muss.“ Jetzt geht es um das Feuergefecht mit Polizeibeamten in Halle.

16.13 Uhr: Kein echtes Bedauern nach Tod von Kevin S.
Die Richterin fragt jetzt nach dem Geschehen im Imbiss „Kiez Döner“. Stephan B. bedauert lediglich, dass er mit Kevin S. „einen Weißen“ erschossen hat, keinen Muslim. „Wenn es ein Muslim gewesen wäre, hätte ich überhaupt kein Problem damit.“ Er behauptet, es gebe keinen friedlichen Weg, sich für ein „weißes“ Europa einzusetzen.

Um 15.50 Uhr wird der Angeklagte erneut in den Gerichtssaal geführt, die Pause endet.

15.40 Uhr: Solidaritätskundgebung vor dem Gerichtsgebäude
Vor dem Gerichtsgebäude, in dem der rechtsextreme Anschlag von Halle verhandelt wird, haben sich Menschen aus Solidarität mit Betroffenen, Hinterbliebenen und Opfern versammelt. Sie wollen vor allem die Nebenkläger unterstützen.

14.30 Uhr: Stephan B. fühlt sich als „Versager“
"Fühlten Sie sich als Versager?“, fragt die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens den Angeklagten mit Blick auf das gescheiterte Eindringen in die Synagoge. Stephan B. lacht bitter. „Fühlen? Es ist offensichtlich so.“ Um 14.30 Uhr beginnt jetzt eine einstündige Mittagspause. Dem Angeklagten werden wieder Handfesseln angelegt, er verlässt den Gerichtssaal. 

14.11 Uhr: Stephan B. erklärt, warum Jana L. sterben musste
Im Prozess geht es jetzt um den Tod von Jana L., der 40-Jährigen, die dem Täter während der Attacke auf die Synagoge über den Weg lief.
Warum hat Stephan B. auf sie geschossen? „Eine Kurzschlussreaktion.“ L. habe ihn „von der Seite angemacht“. Warum hat er noch einmal auf sie geschossen, als sie schon am Boden lag? „Zur Sicherheit. Wenn man so etwas macht, muss man es auch durchziehen.“
Beklemmender Moment im Gerichtssaal, nicht der erste. B. weiter: Wenn er sie nicht getötet hätte, „hätten mich alle ausgelacht“. Dann hätte es geheißen: Alles, was reicht, um einen Rechten zu stoppen, ist ein dummer Kommentar. Auf Nachfrage, ob er denn kein Mitleid habe, sagt B. dann: „Es tut mir leid. Ich bereue es. Ich habe viele Weiße angeschossen, das wollte ich nicht.“

14.06 Uhr: Medienraum: So können weitere Journalisten den Prozess verfolgen
Das Interesse an dem Prozess in Magdeburg ist riesig. Trotz des extra umgebauten Saales finden nicht alle Journalisten Platz. Deshalb gibt es zusätzlich einen sogenannten Medienraum, von dem man das Prozessgeschehen verfolgen kann. 

13.52 Uhr: Stephan B. und seine Verschwörungstheorien
Im April oder Mai 2019 habe er sich entschieden, die Synagoge von Halle anzugreifen, berichtet der Angeklagte Stephan B. Warum die Synagoge, wenn er doch stets über den Zuzug von Muslimen klage?, fragt die Richterin Mertens.
Der Angeklagte erklärt seine Verschwörungstheorie: „Die Juden sind die Hauptursache am weißen Genozid. Sie wollen eine neue Weltordnung errichten.“ Im Sommer habe er die Synagoge ausgespäht – da stand die Tür, die ihn später stoppen sollte, offen. Er habe mit niemandem über seinen Plan gesprochen. „Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, dass es keiner mitkriegt.“ 

13.41 Uhr: Stephan B. baute Waffen, wenn Vater nicht da war
Über einen Zeitraum von drei Jahren hat sich Stephan B. seine insgesamt acht Waffen gebaut – immer, wenn der Vater nicht da war und wenn er sich selbst motivieren konnte. Dafür nutzte er Werkzeug, das er vom Großvater geerbt hatte. Auch die Patronen stellte er selbst her, insgesamt 700 bis 800 Schuss. Ein als Deko-Artikel gekauftes Schwert besaß B. ebenso wie mehrere Messer.
Der Angeklagte berichtet mit hörbarem Stolz davon, räumt aber auch ein, dass er die Waffen nicht ausreichend getestet habe. Wenn B. sein Heimatdorf mal verlassen wollte, war er auf das Auto seiner Mutter angewiesen, er fuhr dann zu Baumärkten.
„Würden Sie sich als einsamer Mensch bezeichnen?“, fragt die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens. „Ich denke schon.“ 

13.19 Uhr: Stephan B. berichtet über Erfahrungen mit Flüchtlingen 
Der Angeklagte berichtet, er sei in der Schule unbeliebt gewesen, „wegen meiner niedrigen sozialen Stellung“. Erklären kann er das auf Nachfrage nicht.
Richterin Ursula Mertens will wissen, wie ihn Flüchtlinge in seinem Heimatdorf Benndorf (Mansfeld-Südharz) beeinträchtigt hätten. Er kann kein konkretes Erlebnis nennen. Die 2015 angekommenen Flüchtlinge nennt er „Eroberer aus dem muslimischen Kulturkreis“. Auf der Fahrt nach Halle, wo er das Fluchtfahrzeug mieten wollte, sei er im Zug von Schwarzen an den Rand gedrückt worden. „Sie bewegen sich wie die Eroberer, die sie sind.“

13.05 Uhr: Rassistische Ausfälle des Angeklagten Stephan B.
Es kommt zum Disput über den rassistischen Begriff „N…“ für Schwarze. Stephan B. sagt, ab 2015 habe er nichts mehr für diese Gesellschaft tun wollen, die ihn „durch Juden und N… ersetzen“ wolle. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens weist ihn zurecht und droht mit Ausschluss von der Verhandlung.

13.02 Uhr: Stephan B. berichtet über seine Vergangenheit
Stephan B. schildert auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin sein Leben. Seine Schwester nahm ihn mit zu ihren Freunden, eigene Freundschaften hätten sich daraus aber nicht entwickelt. Nach der Bundeswehr begann er ein Studium, wechselte im zweiten Semester das Fach, bis eine Operation ihn aus dem Studium riss. Danach glitt er ab in die Lethargie. „Was waren Ihre Pläne?“ – „Ich hatte keine mehr.“ Auch eine Kur wurde ihm wohl angeboten, er lehnte jedoch ab.

12.50 Uhr: Richterin befragt Stephan B. zu seiner Kindheit
Jetzt erhält Stephan B. das Wort. Die Vorsitzende Richterin befragt ihn nach seiner Kindheit – er blockt ab. „Meine Tat hat keinen Bezug zu meiner Familie.“ Dann bestätigt er, dass er eine drei Jahre ältere Schwester hat, Biologie in der Schule mochte und Probleme mit Englisch hatte. Ob er einen guten Freund gehabt habe, will die Richterin wissen. Antwort: „Nein.“ Seine Interessen? „Internet“. In Deutschland gebe es außer dem Internet keine Möglichkeit, sich frei zu unterhalten. 

12.38 Uhr: Bundesanwalt Kai Lohse: Hass auf andere ein zentrales Motiv
Das Verlesen der Anklageschrift dauert an. Zwei Themen ziehen sich durch den Vortrag von Bundesanwalt Kai Lohse: Stephan B.s Hass auf andere und eigenes Versagen. Der Angeklagte schoss laut Anklageschrift vor der Synagoge auf Jana L. – „er hielt sie aufgrund ihres Erscheinungsbilds für minderwertig“.
Später im Imbiss „Kiez Döner“ feuerte er laut Anklage auf Kevin S. und Dr. H., weil er sie für Muslime hielt. Viele potentielle Opfer blieben nur deshalb am Leben, weil die mitgeführten Waffen Ladehemmungen hatten oder weil eine Sprenggranate nicht ihr Ziel traf.
Begonnen hatte der Terrorzug mit dem gescheiterten Versuch, die Synagoge zu stürmen und so viele Juden wie möglich zu töten, wie Bundesanwalt Lohse vorträgt.

12.16 Uhr: Bundesanwalt Kai Lohse verliest die Anklageschrift gegen Stephan B.
Bundesanwalt Kai Lohse verliest die Anklageschrift. Juristisch wird der dem Angeklagten vorgeworfene Terrorfeldzug als Kombination aus 13 rechtlich selbstständigen Handlungen gewertet, vom Mord in zwei Fällen, Mordversuch an 68 Menschen, räuberischer Erpressung bis herab zu Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung.

12 Uhr: Prozess beginnt mit zweistündiger Verspätung
In Magdeburg hat der Prozess zum antisemitischen Terroranschlag von Halle begonnen. An Händen und Füßen gefesselt wurde der Angeklagte Stephan B. um kurz vor 12 Uhr in den Gerichtssaal geführt. Der Angeklagte Stephan B. hat angekündigt, auszusagen.

11.40 Uhr: Prozess kann bald beginnen
Der Start des Prozesses naht, der Gerichtssaal füllt sich. Es sind nur noch wenige Plätze für Zuschauer und Journalisten frei.
Fotografen bilden ein Pulk um die Anklagebank, auf der Stephan B. Platz nehmen wird.  Er wird gefesselt in den Saal geführt werden. Es wird sein erster öffentlicher Auftritt seit dem Anschlag. Das Gericht wird ihm die Möglichkeit geben, zur Anklage Stellung zu nehmen.

11.15 Uhr: Kameraleute hoffen auf Aufnahmen von Stephan B.
Vor dem Gerichtssaal C 24 haben Kameraleute ihre Stative aufgebaut. Sie hoffen auf Bilder, sobald der Angeklagte hereingeführt wird.

11.05 Uhr: Prozess gegen Stephan B.: Warten auf Journalisten
Gerichts-Sprecher Wolfgang Ehm verspricht, dass der Prozess erst beginnt, wenn alle Journalisten im Saal sind.

11 Uhr: Kritik an Organisation des Landgerichtes Magdeburg
Die Stimmung unter den wartenden Journalisten schwankt zwischen Klassenausflugs-Stimmung und Empörung, warum das Gericht den Einlass nicht besser organisiert hat. Zwar haben Justiz-Anwärter die Kontrollsituation zuvor geprobt, wie ein Gerichtssprecher sagt. Allerdings hatte beim Probedurchlauf niemand Laptops, Kameras oder Notizblöcke dabei.

10.59 Uhr: Lange Schlange vor Landgericht: Prozessbeginn in Magdeburg verzögert sich
Auch weit nach 10 Uhr, dem ursprünglich geplanten Prozessbeginn, warten noch immer Besucher und Journalisten vor dem  Gerichtsgebäude. Die Sicherheitskontrollen nehmen viel Zeit in Anspruch.

10.47 Uhr: Betreiber des Kiez-Döner zum Prozessauftakt in Magdeburg
Auch Ismet Tekin, der Betreiber des „Kiez-Döner“ in Halle, ist zum Prozessauftakt nach Magdeburg gekommen. In seinem Imbiss wurde am 9. Oktober das zweite Opfer, der 20-jährige Kevin S. erschossen. Tekin wurde erst in der Woche vor Prozessbeginn als Nebenkläger zugelassen.

10.39 Uhr: Journalisten werden mit Wasser versorgt
Seit zweieinhalb Stunden und länger warten Journalisten vor dem Landgericht. Die Sonne brennt, es gibt keinen Schatten. Eben bringt ein Mitarbeiter des Oberlandesgerichts Naumburg Pappbecher mit Wasser.

9.57 Uhr: Medienvertreter warten noch immer auf Einlass ins Landgericht Magdeburg
In diesen Minuten sollten eigentlich alle Journalisten im Gerichtssaal sitzen - so war der Plan des Oberlandesgerichts Naumburg.
Tatsächlich stehen noch mehr als 50 Pressevertreter in der Schlange vor dem Eingang. Drinnen gibt es für die Personenkontrolle nur einen Eingang, dadurch geht es im Zeitlupentempo voran. Ein pünktlicher Prozessbeginn ist ausgeschlossen.

9.55 Uhr: Anwalt Juri Goldstein: Größte Herausforderung ist der Prozess selbst
Nebenkläger im Prozess zum rechtsextremen Terroranschlag von Halle erhoffen sich vor allem eine Beleuchtung der Strukturen. Es gehe darum, zu klären, wie sich der Täter so radikalisieren konnte, sagte Juri Goldstein, Anwalt von Besuchern der Jüdischen Gemeinde in Halle, vor dem Prozessauftakt am Dienstag in Magdeburg.
Es gehe um die Frage: Wie konnte jemand so viel Hass entwickeln „auf die Menschen, die er gar nicht kennt“. „Wir werden versuchen, diese antisemitische Straftat so gut wie möglich aufzuklären“, erklärte Goldstein.
Die größte Herausforderung in dem Verfahren sei der Prozess selbst, so der Nebenkläger-Vertreter. „Sie müssen bedenken, es ist eine der größten und schwerwiegendsten antisemitisch motivierten Straftaten, die wir in den vergangenen Jahrzehnten hatten. Das ist Aufgabe genug.“ 

9.38 Uhr: Politiker Cem Özdemir erläutert seine Erwartungen an den Prozess
Auch Grünen-Politiker Cem Özdemir ist zum Prozessbeginn nach Magdeburg gekommen. Er gibt ein kurzes Statement zu den Erwartungen an den Prozess gegen den Attentäter von Halle.

9.26 Uhr: Zahlreiche Schaulustige vor Landgericht
Eine bunte Mischung in der Warteschlange für Nebenkläger. Ein Mann mit HFC-Fanschal steht dort ebenso wie zwei Juden mit Kippa auf dem Kopf.

9.24 Uhr: Kundgebung vor Landgericht in Magdeburg
Vor dem Gerichtsgebäude haben sich Menschen aus Solidarität mit Betroffenen, Hinterbliebenen und Opfern versammelt.
Die Kundgebung mit dem Motto „Solidarität mit den Betroffenen - keine Bühne dem Täter“ will dafür sorgen, dass die Nebenklägerinnen und Nebenkläger nicht allein in den Prozess gehen, hieß es von den Veranstaltern. Es sei ein Ort der Trauer, der Wut und der Forderungen. Vor dem Prozessbeginn sprachen die Veranstalter von rund 100 Teilnehmern. 
Die Kundgebung und eine Mahnwache sind organisiert von einem Bündnis mehrerer Organisationen, darunter sind der Arbeitskreis Antirassismus Magdeburg, die Initiative 9. Oktober Halle, Solidarisches Magdeburg und die Seebrücke Magdeburg.

9.06 Uhr: Verzögert sich Prozessbeginn gegen Stephan B.?
Der Prozessbeginn könnte sich verzögern. In der langen Warteschlange der Journalisten vor dem Gerichtsgebäude geht es seit langem keinen Schritt voran. Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens lässt soeben ausrichten, dass sie den Prozess erst dann eröffnet, wenn alle im Saal sind.

8.55 Uhr: Was genau wird Stephan B. vorgeworfen?
21.07.2020, Mageburg: MZ-Reporter Jan Schumann erklärt im Detail, was dem Angeklagten Stephan B. vorgeworfen wird.

8.52 Uhr: Sebastian Striegel hofft auf Informationen über die Polizeiarbeit
In die Warteschlange vor dem Landgericht hat sich der Grünen-Politiker Sebastian Striegel eingereiht. Er beobachtet den Prozess als Vorsitzender des Landtags-Untersuchungsausschusses. „Uns interessieren vor allem Informationen über die Polizeiarbeit am Tag des Anschlags“, sagt er der MZ.

8.45 Uhr: Anwalt Hans-Dieter Weber stellt sich vor die Kameras
Ungewöhnlich für einen Strafverteidiger: Stephan B.s Anwalt Hans-Dieter Weber stellt sich vor dem Gericht den Kameras und gibt ein kurzes Statement. Zu hören ist es nur für die, die im Gedränge ganz vorn stehen.

8.20 Uhr: Stephan B. wird mit Blaulicht zum Landgericht Magdeburg eskortiert
Mit dem Hubschrauber wurde der Angeklagte Stephan B. aus dem Gefängnis Burg nach Magdeburg geflogen. Eine Polizeieskorte bringt ihn um 8.05 Uhr ins Landgericht Magdeburg. Im Gebäude wartet ein gesicherter Haftraum auf ihn, bis er an Händen und Füßen in den Gerichtssaal geführt wird.

7.59 Uhr: Zahlreiche Medienvertreter vor dem Landgericht in Magdeburg
Das Interesse am Prozess ist erwartungsgemäß groß. Am Dienstagmorgen  finden sich vor dem Eingang des Landgericht in Magdeburg etliche Journalisten aus aller Welt zur Berichterstattung ein. Auch die Reporter der MZ sind vor Ort und berichten. 


https://www.mz-web.de/halle-saale/anschlag-in-halle-saale/1--prozesstag-versteinerte-mienen-bei-nebenklaegern--attentaeter-kichert-beim-erzaehlen-37045232
Antworten
Halle-Attentat: Nach der Provokation der Richterin lacht der Angeklagte

(gekürzt; URL für Volltext unten. Dazu gibt es bei der Welt ein Video. Farbige Hervorhebungen von mir)


Von Von Per Hinrichs Chefreporter WELT AM SONNTAG

Vor Gericht sitzt einer, der nichts mehr zu verlieren hat. Stephan Balliet hat zwei Menschen ermordet, mehrere andere verletzt und einen Anschlag auf eine Synagoge geplant, um möglichst viele Juden zu ermorden. Wie ist so einer? Wie denkt er? Empfindet er Reue? Mehr als 100 Besucher und Journalisten sind am Dienstag nach Magdeburg in den Saal des Landgerichts eingelassen worden, um darauf Antworten zu finden; mehr als 60 Nebenkläger wurden zugelassen und die fünf Richterinnen und Richter des Strafschutzsenats des Oberlandesgerichts Naumburg sitzen vor dem Angeklagten, um die Wahrheit herauszufinden
Und Balliet will reden. Ja, er wolle aussagen, sagt der Angeklagte um kurz nach 12 Uhr. Er hat eine Glatze, trägt eine schwarze Jacke, Jeans und Turnschuhe.
[...] Der Amoklauf dauerte eine Stunde und 40 Minuten.
Richterin Ursula Mertens beginnt mit der Befragung. Sie hat verschiedene Stationen in der Justiz mit Bravour gemeistert, ist die Vorsitzende des Senats und gilt allein deshalb als eine der Top-Juristinnen Sachsen-Anhalts. Mertens, 57, engagiert sich auch bei „Soroptimist“, einem Service-Club „berufstätiger Frauen mit gesellschaftspolitischem Engagement“, wie es auf der Webseite heißt. Die beruflich erfolgreiche, engagierte Frau und der Verlierer Stephan Balliet, der zum Mörder wurde, scheinen Galaxien zu trennen.
Und so verläuft die Vernehmung wie ein Schlagabtausch, bei dem die beiden einander häufig missverstehen. „Wie ist Ihre Kindheit abgelaufen“, will sie wissen. „Das ist unwichtig.“ – „Haben Sie die Trennung als belastend empfunden?“ – „Nein.“ – „Haben Sie ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern gehabt?“ Das spiele keine Rolle, die Frage habe „keinen Bezug zur Familie, meine Kindheit hat da keinen Einfluss drauf“.
Balliet antwortet einsilbig und wirkt schnell genervt, wenn es um Fragen nach seiner Familie und seiner Kindheit geht.
„Hatten Sie Freunde?“ – „Nein.“ – „Machten Sie Sport?“– „Nein“. – „Was waren Ihre Interessen? „Internet.“ So geht das hin und her, manchmal wirft Balliet auch ein, dass das „doch in den Akten“ stehe. Immerhin, er gibt an, dass er in der Schule gehänselt worden sei, niemand habe etwas mit ihm zu tun haben wollen. Seinen Eltern habe er das nicht erzählt. 
„Warum nicht“, will die Richterin wissen. „Macht doch alles noch schlimmer.“ – „Warum, das würde mich wirklich interessieren. Haben Sie sich gewehrt?“ – „Eher nicht, nein. Habe das hingenommen.“
Munterer wird der Angeklagte, wenn er über seine Motive spricht. Er habe 2015 beruflich nichts mehr gemacht, weil die „Flüchtlingskrise das Land mit Muslimen und Juden durchsetzt“ habe. Mertens ermahnt Balliet, nicht zu hetzen, andernfalls würde sie ihn aus dem Saal führen lassen. „In meinem Gerichtssaal dulde ich keine Straftaten“, sagt sie.
Doch die Vernehmung, die ja darauf abzielen muss, die Motive und die Persönlichkeit des Angeklagten zu ergründen, bewegt sich ständig auf einem schmalen Grat. Einerseits muss er frei reden können, damit sich die Prozessbeteiligten ein Bild von ihm machen können – auch, um die Frage einer möglichen Schuldunfähigkeit zu beantworten. Andererseits erhält er eine Bühne, um seine Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen.
Je länger die Vernehmung dauert, desto mehr stellt sich die Frage, wie zurechnungsfähig Balliet tatsächlich ist. Er scheint sich tief eingesponnen zu haben in seinen Kokon aus Verfolgungswahn und Rassenhass. Dringt man da noch durch?

Die Richterin versucht ihn zu stellen - doch sein Kokon hält
Mertens probiert es wenigstens, sie versucht, Balliet zu stellen. „Ihr Name ist hugenottischen Ursprungs, ihre Ureltern waren doch auch Flüchtlinge“, so probiert sie es. Und der australische Attentäter Brenton Tarrant, den Balliet verehrt, stamme doch auch von Einwanderern ab, nämlich denen, die Australien eingenommen hätten. 
Doch der pädagogische Ansatz, den Angeklagten zur Reflexion seiner Gedanken zu zwingen, misslingt. „Meine Vorfahren kamen aus Elsass-Lothringen, und das war damals deutsch“, sagt Balliet. Und Tarrant habe sich gegen die Einwanderer wehren wollen, sonst würden die das Land beherrschen, wie einst die Weißen, die kamen. 
Als sie ihn fragt, ob er wusste, wie viele Menschen in der Synagoge waren, antwortet er mit Nein. „Ich wusste ja nicht einmal, wie es darin aussieht“, bekennt er. „Schade, dass sie beim Tag des offenen Denkmals nicht mal eine Synagoge angesehen haben“, fällt Mertens dazu ein. Ein Satz, Lichtjahre von der Lebens- und Gedankenwelt des Angeklagten entfernt.
Dann versucht die Richterin, den Angeklagten zu provozieren. „Für jemanden, der mit fast 30 Jahren noch im Kinderzimmer seiner Mutter lebt, legen sie wohl keine großen Wert auf Lebensqualität“, sagt sie. Balliet lacht kurz. „Keine Antwort.“ Dass er ein Verlierer ist und sich selbst auf der „niedrigsten Stufe der Gesellschaft einordnet, weiß er ja selbst. Seien Mutter habe ihn bekocht, die Krankenversicherung bezahlt und ihn in Ruhe gelassen. 
Wo die Richterin mit Verstand argumentiert und Vorbehalte zu zerstreuen sucht, stößt sie auf eine Wand. „Wieviele Flüchtlinge leben denn ihrem Wohnort Benndorf?“ – „Weiß ich doch nicht.“ – „Wurden Sie denn von denen beeinträchtigt?“ – „Ich denke schon.“ – „Wie denn, Sie waren doch ständig in Ihrem Kinderzimmer?“ Da lacht er wieder sein glucksendes, unvermitteltes Lachen. 
Balliet kenne doch keine Flüchtlinge, er sei ja nie draußen gewesen, stichelt sie. „Das Problem ist doch, dass sie keine Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen haben“, sagt Mertens. Drei Tage vor der Tat sei er von „drei dunkelhäutigen Menschen in der Bahn zur Seite gedrückt worden“, beschwert er sich. „Kann doch mal passieren“, sagt Mertens. „Nein, sie benehmen sich wie die Eroberer, die sie sind.“ Der Kokon hält.
Wer Balliet nach Gefühlen wie Reue oder Mitleid befragt, zielt ebenfalls ins Leere. Die Passantin, der er in den Rücken schoss, musste sterben, damit sie ihn nicht „entwaffnen konnte“, sagt Balliet. „Ich musste es durchziehen, daher habe ich geschossen.“ Das wichtigste sei aber, dass die Tat ins Internet übertragen worden sei. „Das ist viel wichtiger als die Tat selbst“, so Balliet. Damit würden ähnlich denkenden Menschen signalisiert, dass sie nicht alleine seien.

„Wie geht es Ihnen mit der Einsamkeit?“ – „Suboptimal.“
So argumentierten auch Massenmörder wie Anders Behring Breivik und Brenton Tarrant. Ihr narzisstischer Impuls war mindestens so stark wie der Hass, des sich durch ihre verzerrte Wahrnehmung der Welt aufstaute, bis er sich in der Tat entlud. „Ich wollte gegen meine Feinde vorgehen“, sagt der Angeklagte mehrmals an diesem Tag.
„Sind Sie eigentlich ein einsamer Mensch“, will Richterin Mertens wissen.
„Ja.“
Wie geht es Ihnen damit?
„Suboptimal“, sagt Balliet.
Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

https://www.welt.de/politik/deutschland/...lagte.html
Antworten
„Hätte ich das nicht gemacht, hätten mich alle ausgelacht“

(Farbige Hervorhebungen von mir)

Hannes Heine

Mit Sturmhauben maskierte Beamte treten aus einer Seitentür in den Saal, die Männer, allesamt in Schutzwesten, postieren sich um den Tisch, der für den Angeklagten reserviert ist – sofort hören die 200 Wartenden im Saal C 24 mit dem Geraune auf. Nun eskortieren Beamte in Kampfmontur den an Händen und Füßen gefesselten Angeklagten zum Platz. Minutenlang prasselt Blitzlicht auf Stephan Balliet ein. 
Pandemiebedingt trägt der Angeklagte – wie die meisten anderen im Saal – einen Nasen-Mund-Schutz. Sein an Regungen armes Gesicht wirkt so vollends statisch.
Zwei Stunden haben Nebenkläger, Angehörige, Anwälte, Wachtmeister, Übersetzer, Sachverständige, Journalisten im Magdeburger Landgericht warten müssen, nun eröffnet Ursula Mertens, die den Prozess führt, verspätet die Verhandlung. Balliet werden die Handschellen abgenommen – die Fußfesseln bleiben.

Zweifacher Mord, vielfacher Mordversuch
Neun Monate nach dem Attentat von Halle muss er sich seit Dienstag vor einem Staatsschutzsenat verantworten: Zweifacher Mord, vielfacher Mordversuch, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Volksverhetzung – der Bundesanwalt liest fast 40 Minuten die Anklage vor. Es ist der bedeutendste Prozess in Sachsen-Anhalt seit der Existenz des Bundeslandes, verhandelt wird über einen der schlimmsten Akte antisemitischen Terrors der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Schmächtig wirkt Balliet zwischen seinen Verteidigern, seine Stimme heiser, seine Antworten entrückt: Es geht um Juden, Muslime, Schwarze, Meinungsfreiheit, Diktatur, Internet, Waffen und Verfassungsschützer – dabei wollte die Vorsitzende zunächst nur wissen, wie sich die Jugend des Angeklagten gestaltet habe.
Ein, das bestreitet im Saal kaum jemand, trauriges Leben schildert der Angeklagte, zumindest kein glückliches, auf eine potenziell frohe Zukunft gerichtetes Leben. Ein Leben, in dem Balliet aus allerlei Ideologiefragmenten, Halbwissen, Sorgen jenen antisemitischen Wahn entwickelte, der ihn am 9. Oktober 2019 auf einen Mordzug führte.

"Hatten Sie Freunde?" - "Nein"
Wenn es um ihn selbst geht, bleibt Balliet knapp, zuweilen wird er pampig. Schullaufbahn? „Unauffällig.“ Hatten sie Freunde? „Nein.“ Sein abgebrochenes Studium, die Krankheit damals? „Sie haben die Daten doch.“ Waren sie in einem Verein, hatten sie Interessen? „Internet.“
Und die Familie? „Hat damit nichts zu tun.“ Wäre gut, sagt die Vorsitzende, wenn er doch bitte in ganzen Sätzen antworte, sie verstehe ihn dann besser. Mertens insistiert, Balliet auch: Sein Privatleben spielte bei der Tat demnach keine Rolle.
Als Kind gehänselt, wegen der „geringen sozialen Stellung“, wie er sagt. Als Jugendlicher ohne Freundin, auch ohne Freund, die Eltern trennten sich. Als Bundeswehrsoldat immer noch allein. Als Chemiestudent erkrankt, Rückzug zur Mutter nach Benndorf, bei Eisleben gelegen, 40 Kilometer von Halle entfernt.
Als Dauernutzer diverser Internetforen bahnt sich nie ein Kontakt an, der zu einem Treffen im analogen Leben hätte führen können. Von sich selbst spricht Balliet wie von einem Verlierer: ohne Freunde lebte er weitgehend allein in seinem Kinderzimmer der mütterlichen Wohnung in der mitteldeutschen Provinz. Die Welt – Quell ständiger Besorgnis, zunehmender Wut.

Die Tat gibt er im Wesentlichen zu
Schon in den ersten Stunden in Saal C 24 gibt Balliet die Tat im Wesentlichen zu – auch, dass er Jana L., 40, aus Halle tötete. „Hätte ich das nicht gemacht, hätten mich alle ausgelacht“, sagt er, seine Taten waren live im Internet zu sehen. Die Frau habe ihn angeschnauzt, wenn er nicht geschossen hätte, dann hätte es geheißen, „dass ein dummer Kommentar reicht, um einen Rechten zu stoppen“.
Auch dass er Kevin S., 20, aus Merseburg in einem Döner-Lokal tötete. S., der als Maler arbeitete und als Fan des Halleschen FC zu fast allen Spielen ging. Eigentlich wollte Balliet, das gestand er in Verhören durch das Bundeskriminalamt in unverhohlener Ehrlichkeit, möglichst viele Juden ermorden. Dass dies nicht gelang, hat jedenfalls nicht mit fehlendem Vernichtungswillen zu tun.
Balliet sah sich auf einer Mission. Sein Attentat filmte der Mann mit einer Helmkamera. Warum, fragt die Vorsitzende, ihm das Live-Übertragen so wichtig war? „Man selbst kann nur wenig erreichen, selbst wenn man effizient arbeitet. Aber man kann andere erreichen, die kämpfen wollen.“ Andere? „Weiße Männer.“ So wie in Christchurch, Neuseeland, im März 2019, als 50 muslimische Einwanderer von einem australischen Rechtsextremen getötet wurden. Da habe sich ein Weißer gewehrt. „Und ihm ist auch egal, was die anderen über ihn sagen.“
Er habe sich wegen des Zuzugs von Migranten nach Deutschland ausrüsten wollen, damals im Krisensommer 2015, als er beschlossen hatte, dieser Gesellschaft nichts mehr geben zu wollen. „Weil ich kein sozialer Mensch bin, habe ich auch keine Kontakte zu Kriminellen, kann mich also nicht auf dem Schwarzmarkt bedienen.“

Ein Neonazi sei er nicht, behauptet er
Als heimliche Verursacher realer oder vermeintlicher Widrigkeiten betrachten Männer und Frauen ziemlich ungleicher Milieus "die Juden" - selbst Balliet bezeichnet sich explizit nicht als Neonazi. In einer repräsentativen Umfrage der Anti-Defamation-League aus dem Jahr 2015 zeigten 16 Prozent der befragten Bundesbürger antisemitische Neigungen - und das sind diejenigen, die ihren Wahn nicht verstecken. Das Bundeskriminalamt registrierte 2019 bundesweit 1839 antisemitische Delikte, 2018 waren es 1799 Taten. Dabei wurden vergangenes Jahr 72 antisemitische Gewalttaten gezählt.
Bedauern? Also „Weiße“ habe er nicht töten wollen. Ärgerlich sei, das sein Plan nicht klappte, sagt Balliet, er sehe sich nun schon als „Versager“, der sich „global lächerlich gemacht“ habe.
Im Internet findet er Anleitungen, die Werkzeuge kamen aus der Laube des verstorbenen Großvaters – Balliet baute in drei Jahren acht Waffen. „Die Juden sind die Organisatoren 2015 gewesen.“ Mit seiner Toleranz führe das Christentum dazu, dass die Massen einwanderten. Warum er keine Moschee, sondern eine Synagoge angegriffen habe? „Es ist ein Unterschied, Symptom oder Ursache zu bekämpfen.“

Mehr als 50 Gläubige feierten Jom Kippur
Die Tat ist weitgehend ausermittelt, wie das Juristen nennen. Am 9. Oktober 2019 versuchte Balliet, in die Synagoge im Paulusviertel in Halle einzudringen. Mehr als 50 Gläubige feierten dort Jom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag. Das Tor zur Synagoge blieb zu, Schüsse reichten nicht, 1,7 Kilogramm Aluminiumsprengstoff zündeten nicht, anderenfalls wäre „die Tür zerrissen“ worden, wie Balliet inzwischen auskunftsfreudig erklärt.
Überhaupt redet er immer dann in ganzen Sätzen, fast ein wenig erregt, wenn es um Waffen, Technik, Chemikalien geht.
Die Richterin lässt sich den Hergang nochmals schildern: Vor der Synagoge kommt Jana L. vorbei – sie hat, so scheint es auf dem Tatvideo, das Attentat gar nicht als solches erkannt. Jedenfalls motzt sie Balliet an, warum er herumknalle. „Es tut mir sehr leid, dass ich sie erschossen habe“, sagt der auf Nachfrage der Richterin. „Ich bereue es auf jeden Fall.“ Aber sie habe eben den Angriff gestört.
Warum er mehrfach auf Jana L. schoss? „Zur Sicherheit.“ Balliet raste in einem Mietwagen davon, stoppte an einem Döner-Lokal, schoss dort um sich, Ladehemmungen verhinderten offenbar, dass es mehr Tote gab. Dann lieferte er sich ein Gefecht mit anrückenden Beamten und schoss auf der Flucht ein Paar nieder, um ein Auto zu rauben. Bei Zeitz, etwa 60 Kilometer südlich von Halle gelegen, rammte er einen Lastwagen und wurde festgenommen.

[...]

In Saal C 24 sitzt auch Norbert Leygraf. Der bekannte Psychiater ist mit dem in solchen Fällen üblichen Gutachten betraut worden, er hat an drei Tagen mit Balliet gesprochen und ihm eine komplexe Persönlichkeitsstörung mit autistischen Zügen attestiert. Balliets Schuldfähigkeit sei nicht beeinträchtigt gewesen. Verschwörungstheorien und Waffen, so lesen sich die 100 Seiten Gutachten grob vereinfacht, haben sein Leben bestimmt. Selbst nach einer Therapie sei wahrscheinlich, dass Balliet erneut schwere Straftaten begehen würde.

Vollständige Fassung:  https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/prozessauftakt-zum-anschlag-von-halle-haette-ich-das-nicht-gemacht-haetten-mich-alle-ausgelacht/26025192.html
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Deutschland: Attentäter von Halle vor Gericht


Hansjörg Friedrich Müller, Magdeburg

In Deutschland hat der Prozess gegen Stephan B. begonnen, der vor zehn Monaten die jüdische Gemeinde in Halle angegriffen hatte. Er habe Angst gehabt, von Einwanderern verdrängt zu werden, sagt der Angeklagte.

[...]

Einsilbigkeit und Besserwisserei

Nachdem B. erklärt hat, aussagen zu wollen, bittet Richterin Mertens ihn um einen «mehr oder weniger zusammenhängenden Vortrag». Was der Angeklagte auf Nachfrage hören lässt, ist eine Mischung aus Einsilbigkeit, Besserwisserei und Wahnvorstellungen. Gesprächig wird er vor allem, wenn es um technische Details seiner Tat geht oder wenn er die Chance sieht, sein Weltbild zu erläutern. Sein Privatleben hingegen erklärt er für unwichtig. «Natürlich» oder «Natürlich nicht» antwortet er auf zahlreiche Fragen, über andere lacht er. Zurück bleibt das Bild eines Menschen, der sich in einer Welt des Selbstmitleids und der Gefühlskälte eingerichtet hat. Ob er Freunde habe, fragt die Richterin. «Nein», sagt B. Und Interessen? «Internet», lautet die Antwort. Dort habe er sich frei unterhalten können, was in Deutschland sonst nicht möglich sei.

Nach und nach entsteht ein Eindruck vom Werdegang des Angeklagten: Nach der Matura leistete B. sechs Monate lang einen verkürzten Wehrdienst, den er offenbar als sinnlos empfand: Die deutsche Bundeswehr sei «keine richtige Armee, Öko in Uniform», erklärt er. Ein erstes Studium bricht er ab, ein zweites ebenfalls, nachdem er einige Jahre lang erkrankt gewesen ist. Über seine Krankheit will B. nicht reden, er wohnt in dieser Zeit wieder bei seiner Mutter in Benndorf, einem 2000 Einwohner zählenden Dorf rund 30 Kilometer westlich von Halle. Seine Eltern, die geschieden sind, unterstützen ihn finanziell; ausser zu ihnen und seiner älteren Schwester unterhält B. laut eigener Aussage keine sozialen Kontakte.

2015 habe er beschlossen, «etwas gegen die Gesellschaft zu tun, die mich durch Muslime und Neger ersetzt». Damals habe er «aus Selbstschutzgründen» begonnen, sich zu bewaffnen; seit 2016 habe er innert drei Jahren selbst acht Waffen angefertigt. «Ich bin am unteren Rand der Gesellschaft», sagt der Angeklagte. «Leute wie ich rutschen raus, wenn Fremde kommen.» Ob er jemals überlegt habe, in einer Partei mitzumachen oder auf Demonstrationen zu gehen, fragt Richterin Mertens. Der Angeklagte lacht: «Auf keinen Fall.» Dort, wo er sich allenfalls engagieren würde, seien alle Organisationen von Agenten des Verfassungsschutzes unterwandert.

[...]

https://www.nzz.ch/international/deutsch...ld.1567440
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Prozess zu Anschlag in Halle: Das Fanal

Konrad Litschko

(Hervorhebungen von mir)

Vor neun Monaten versuchte Stephan Balliet, die Synagoge in Halle zu stürmen und tötete zwei Menschen. Nun begann der Prozess.

Es sind sechs Stuhlreihen, welche die Nebenkläger im Saal C24 des Landgerichts Magdeburg füllen. 43 Betroffene, die am Dienstagmittag nun auf Stephan Balliet schauen. Auf den Rechtsextremen, der sie vor neun Monaten töten wollte, am 9. Oktober 2019 in Halle.
Stephan Balliet hatte in der Synagoge von Halle ein Massaker geplant. Einige der 52 Gläubigen, die in dem Gebetshaus beim Angriff gerade Jom Kippur feierten, den höchsten jüdischen Feiertag, sitzen im Gerichtssaal. Außerdem Menschen, auf die der Attentäter im nahegelegenen Kiezdöner oder auf der Straße schoss, die teils schwer verletzt wurden und denen nur Ladehemmungen der Waffen das Leben retteten. Und Familienmitglieder von Jana L. und Kevin S., die Balliet tatsächlich erschoss.
Einige tragen Kippa, sitzen eng beieinander, geben sich Kraft. Andere haben sich neben ihre Anwälte gesetzt, 21 Opferanwälte sind vor Ort. Und einige besuchten vor dem Prozessauftakt noch eine Kundgebung einer linken Initiative vor dem Gericht. Christina Feist, eine junge Philosophidoktorandin, die beim Anschlag in der Synagoge war, geißelt dort den Antisemitismus in diesem Land. Seit Jahrzehnten werde dieser nicht angegangen. Aus dem „Nie wieder“ seien „leere Worte“ geworden.
Und nun starren sie alle auf Stephan Balliet, der von vermummten Polizisten mit Hand- und Fußfesseln in den Saal geführt wird. Der ansetzt, seinen Hass noch einmal auszubreiten. „Die Juden sind die Hauptursache am weißen Genozid“, ätzt er auch vor Gericht. Teilt gegen Muslime aus, die Deutschland „erobern“ würden. Beklagt, dass man sich in Deutschland nicht mehr frei äußern könne. Für die Nebenkläger ist es kaum erträglich, sie verfolgen es konsterniert.
Balliets Tat hatte einen stundenlangen Ausnahmezustand in Halle ausgelöst. Und sie zielte auch auf Nachahmer: Balliet übertrug sein Attentat live im Internet. Am Dienstag nun begann der Prozess gegen Balliet im Landgericht Magdeburg, im größten Gerichtssaal von Sachsen-Anhalt. Ein Prozess, auf den sich international die Blicke richten.

Ein Einzelgänger, der bei seiner Mutter wohnte
Das wird schon im Morgengrauen sichtbar. Bereits da sammeln sich BesucherInnen und JournalistInnen vor dem Gericht. Sie müssen gleich mehrere Sicherheitskontrollen passieren, um in den streng bewachten Saal C24 zu gelangen. Einige warten stundenlang in der Sonne. Erst mit knapp zweistündiger Verspätung beginnt mittags der Prozess. Eine Organisationsschlappe für das Gericht.
Nachdem zunächst die NebenklägerInnen im Saal Platz genommen haben, wird Stephan Balliet hereingeführt, der Angeklagte. Zuvor wurde er mit dem Hubschrauber aus der JVA Burg eingeflogen. Ein 28-jähriger Arbeitsloser, ein Einzelgänger, der die letzten sieben Jahre bei seiner Mutter in Benndorf wohnte, 40 Kilometer vor Halle.
Nun trägt Balliet Glatze, wie im Tatvideo, dazu eine schwarze Jacke und Jeans. Er starrt regungslos in den Saal, versteckt sein Gesicht nicht. Drei Beamte bleiben die ganze Zeit hinter ihm stehen. Auch auf der Anklagebank muss Balliet die Fußfesseln anlassen – weil er Ende Mai aus der JVA flüchten wollte, eine Mauer überkletterte, dann aber scheiterte. Nun macht er klar, dass er, wie mit seinem Tatvideo, auch den Gerichtssaal als Bühne nutzen will. „Ich würde eine Aussage machen“, kündigt er an, mit rauer Stimme.
Zuvor wird noch die Anklage gegen den 28-Jährigen verlesen. Zweifacher Mord und 68-facher Mordversuch lautet der Vorwurf. Bundesanwalt Kai Lohse rekonstruiert, wie Balliet am 9. Oktober 2019 durch Halle zog, wie er möglichst viele Menschen töten wollte. Aus tiefem Hass auf Juden und Muslime. Balliet verfolgt es ohne Regung.
Aber dann spricht er selbst, den ganzen Nachmittag lang, über Stunden. Er beantwortet frei Fragen von Richterin Ursula Mertens, ohne jede Intervention seiner zwei Verteidiger. Einige Fragen quittiert er nur mit einem hämischen Lachen. Und er sucht immer wieder die Provokation.
Mertens hakt zunächst bei seiner Kindheit nach, zu der Balliet erst nichts sagen will. „Das hat mit der Tat nichts zu tun“, wiegelt er ab. Aber Mertens bleibt hartnäckig. Balliet erzählt daraufhin, dass sich seine Eltern trennten, als er Teenager war. Dass er in der Schule gehänselt wurde. Wie er Chemie studierte, dies aber wegen einer Erkrankung abbrach. Und die Pläne danach? „Hatte ich keine mehr.“
Aber Balliet verweist auf das Jahr 2015, als Zehntausende Geflüchtete in Deutschland Schutz suchten. Für den Rechtsextremisten eine „Eroberung“. Schon da habe er sich ein Gewehr besorgt. Ob er von den Geflüchteten im kleinen Benndorf überhaupt etwas mitbekommen habe, fragt Mertens. Er sei wiederholt angemacht worden, behauptet er. Und zieht dann über Araber und Schwarze her. Wiederholt muss Mertens ihn unterbrechen: Sie dulde keine menschenverachtenden Äußerungen, sonst müsse sie ihn des Saals verweisen.

Balliet nennt das Christchurch-Attentat in Neuseeland als Initialzündung
Balliet nennt das Christchurch-Attentat in Neuseeland, bei dem ein Rechtsextremist 52 Menschen in zwei Moscheen tötete, als Initialzündung. Seine Bewunderung damals: „Da wehrt sich ein weißer Mann, er nimmt es selbst in die Hand.“ Daraufhin habe er mit dem Waffenbau begonnen, sieben Gewehre und Sprengstoff, habe die Synagoge in Halle ausgespäht. Warum keine Moschee, fragt Mertens? Weil es um die Ursachen, nicht um Symptome gehe, sagt Balliet.
Mertens muss Balliets Hetze immer wieder ausbremsen. Dann schildert der Angeklagte seinen Angriff auf die Synagoge, wie er dort mit seinem Mietwagen vorfuhr und an der verschlossenen Tür und Mauer scheiterte. „Ich habe mich lächerlich gemacht.“ Warum habe er keine Leiter dabei gehabt, fragt Mertens. „Gute Frage“, antwortet Balliet. Aber wenn er mit seinen Waffen dort abgestürzt wäre, „wäre das noch lächerlicher geworden“.
Und warum habe er Jana L. erschossen, die ihn zuvor passiert hatte und arglos fragte, was das hier solle? „Eine Kurzschlussreaktion.“ Ein Mord „zur Sicherheit“. Mertens reagiert verständnislos auf die kalte Antwort, fragt ihn nach Mitleid. Da stockt Balliet kurz. Er bedauere den Mord, sagt er. Weil Jana L. ja auch eine Weiße sei.

Kevin S. habe er für einen Muslim gehalten
Am Tag der Tat aber stieg Balliet wieder in seinen Wagen, entdeckte den nahegelegenen Kiezdöner. Auch dort schoss er hinein und tötete Kevin S., der gerade zu Mittag aß und sich noch hinter einem Kühlschrank versteckte. In Döner-Imbisse gingen nur Menschen, die mit Muslimen kein Problem hätten, zeigt sich Balliet auch hier kalt. Und gibt seinen Opfern unverfroren eine Mitschuld: Die Gäste hätten ihn ja „wegdeckeln“ können, als seine Waffen wieder stockten. Kevin S. habe er für einen Muslim gehalten, wegen der „schwarzen, krausen Haare“. Als er bei der Vernehmung erfahren habe, dass dem nicht so war, sei er „hart getroffen“ gewesen. Der Tod von Kevin S. sei bedauerlich, weil er ebenso „ein Weißer“ sei. Balliet floh damals noch weiter und wurde erst nach einem Unfall festgenommen, auf einer Landstraße vor Halle.
Balliets Vortrag ist einer ohne Reue über seinen Anschlagsplan. Über die Opfer spricht er ohne jede Empathie. Länglich beklagt er nur, was alles bei seinem Attentat scheiterte. Die Nebenkläger verfolgen es mit teils vors Gesicht geschlagenen Händen, mit ungläubigem Raunen, andere verlassen zwischendrin den Saal.
Schon in seinen Vernehmungen hatte sich Balliet ungeläutert gezeigt. Und er macht nun erneut klar, was er schon in einer Art Manifest vor der Tat schrieb: Dass er sich als Teil eines „weißen“ Kampfes gegen einen vermeintlichen Bevölkerungsaustausch durch Muslime und Migranten versteht. Es gebe keinen friedlichen Weg gegen einen multikulturellen Staat mehr, behauptet Balliet. Neben Christchurch bezeichnet er auch den Rechtsextremisten, der im August 2019 eine Moschee in Oslo angriff, als „weißen Krieger“. Deshalb, sagt Balliet, habe er die Tat auch gefilmt. „Um anderen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Dass sie auch bereit sind zu kämpfen.“
Die Nebenkläger glauben nicht an einen isolierten Einzeltäter. Man wolle diesen „Mythos“ aufdecken, erklärten mehrere vor Prozessbeginn in einer Stellungnahme. „Wir müssen den Ideologien, die zu der Barbarei führen, die wir in Halle erlebt haben, und all denen, die solche Gewalt in Deutschland und im Ausland verherrlichen, furchtlos entgegentreten.“
Hatte der 28-Jährige sich wirklich unbemerkt radikalisiert? Hinterließ Balliet im Internet keine Warnzeichen? Hätten die Sicherheitsbehörden ihn wirklich nicht stoppen können?

[...]

Ismet Tekin hätte nichts dagegen. Er ist der Betreiber des Kiezdöners, auch er sitzt am Dienstag im Gericht. Als Balliet in seinem Imbiss mordete, war Tekin vor der Tür, geriet in den Kugelhagel, mit dem der Attentäter auf die Polizei schoss. Seine Hoffnung sei, sagt Tekin, dass der Täter „so bestraft wird, dass keiner sich jemals wieder so etwas überlegt“.

Vollständig bei: https://taz.de/Prozess-zu-Anschlag-in-Halle/!5695684/
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Deutscher Verdächtiger bei tödlichem Anschlag auf Synagoge in Halle gibt Flüchtlingen die Schuld

Kate Connolly

(Rohübersetzung)

Ein deutscher Neonazi, der vor neun Monaten wegen einer tödlichen antisemitischen Schießerei auf eine Synagoge in der Oststadt Halle (the eastern city of Halle) vor Gericht stand, hat behauptet, er habe den Anschlag geplant, weil Flüchtlinge nach Europa gekommen seien.

Stephan Balliet, 28, wurde mit einem Hubschrauber zum Gericht gebracht und seine Hände und Füße waren gefesselt, als er auf der Anklagebank erschien. Er sagte, er habe sich von den Hunderttausenden von Flüchtlingen, die im Sommer und Herbst 2015 nach Deutschland kamen, "überholt" gefühlt.

Während der Zeugenaussage, die dazu führte, dass die Richterin Ursula Mertens drohte, ihn wegen beleidigender und ausdrücklich rassistischer Sprache aus dem Gerichtssaal auszuschließen, behauptete Balliet, dass die Tatsache, "auf der untersten Stufe der Gesellschaft" zu stehen, den Angriff, einen der schlimmsten antisemitischen Gewaltakte in der deutschen Nachkriegsgeschichte, rechtfertige.

Balliet steht wegen 13 Vergehen vor Gericht, darunter zweifacher Mord und mehrfacher Mordversuch, nachdem er versucht hatte, die Synagoge im Oktober zu stürmen, was ihm jedoch nicht gelang.

Ankläger sagen, Balliet habe mit Sprengstoff und Schusswaffen versucht, sich Zugang zur Synagoge zu verschaffen, in der 52 Gläubige Jom Kippur, den heiligsten Tag im jüdischen Kalender, feierten.

Nachdem es ihm nicht gelang, die verschlossene Holztür der Synagoge zu durchbrechen, erschoss er eine Passantin und einen Mann in einem nahe gelegenen Dönerladen. Er filmte den Überfall und übertrug ihn live im Internet.

Der Anschlag schockierte Deutschland und schürte die Besorgnis über zunehmenden Rechtsextremismus und antijüdische Gewalt, 75 Jahre nach dem Ende der Nazizeit.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nach dem Anschlag an einer Mahnwache in einer Berliner Synagoge teilnahm, sagte, das Blutvergiessen in Halle zeige, dass Deutschland "mehr tun müsse", um die jüdischen Menschen zu schützen.

Balliet bezeichnete sich vor Gericht als einen Einzelgänger mit wenigen Freunden, der schlecht im Sport sei und sich für die Wissenschaft interessiere. Er sagte, er habe noch im selben Jahr, 2015, begonnen, Waffen zu sammeln, indem er sein Kinderspielzeug, elektronische Geräte und Hausrat verkaufte, um sich mehr Schusswaffen leisten zu können.

Die Ankläger im Prozess sagten, Balliet habe ein "sehr umfassendes" Geständnis abgelegt, in dem er "rechtsextreme und antisemitische Motive" bestätigte. Balliet sagte, er habe den Überfall mit einem Mobiltelefon, das er speziell für den Angriff gekauft hatte, nachgestellt. Der Film soll vor Gericht gezeigt werden.

Balliet veröffentlichte auch Dokumente online, die zur Tötung aller Juden aufriefen. Ihm droht eine zusätzliche Anklage wegen Aufstachelung zum Hass, weil er den Holocaust in dem Filmmaterial leugnet.

Wenn er für schuldig befunden wird, droht ihm lebenslange Haft.

Von Mertens über seine Kindheit befragt, antwortete Balliet: "Das ist nicht wichtig. Ich möchte nicht über meine privaten Dinge sprechen. Das hat nichts mit dem zu tun, was ich getan habe."

Balliet, der mit seiner Mutter außerhalb von Halle wohnte, erzählte dem Gericht, er habe sich auf den Anschlag im Detail vorbereitet und die Synagoge im Vorfeld ausgekundschaftet.

Die Gläubigen im Inneren seien nur gerettet worden, weil die Tür erst kürzlich verstärkt worden sei, hörte das Gericht. Die Tür, die noch die Einschusslöcher trägt, soll entfernt und für ein kommunales Kunstprojekt genutzt werden.

Präsident Frank-Walter Steinmeier, der von vielen als moralischer Kompass Deutschlands angesehen wird, sagte in seiner Weihnachtsansprache im vergangenen Dezember, es sei "ein Wunder", dass die Tür dem Angriff widerstanden und Dutzende von Leben gerettet habe.

"Sie symbolisiert auch, wofür wir stehen. Sind wir stark und widerstandsfähig? Stehen wir einander genug zur Seite?", sagte er.

Das Attentat von Halle erfolgte drei Monate nach der Ermordung des migrantenfreundlichen Lokalpolitikers Walter Lübcke in der Kasseler Weststadt, der von einem bekannten Neonazi ermordet worden sein soll.

Im Februar dieses Jahres tötete ein Bewaffneter mit offensichtlich rechtsextremer Gesinnung neun Menschen in einer Shisha-Bar und einem Café in der Stadt Hanau in der Nähe von Frankfurt.

Innenminister Horst Seehofer hat seitdem den Rechtsextremismus zur "größten Sicherheitsbedrohung für Deutschland" erklärt und eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen versprochen.

Der Balliet-Prozess wird voraussichtlich bis Mitte Oktober dauern.

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

https://www.theguardian.com/world/2020/j...an-balliet
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Deutschland beginnt Prozess gegen Rechtsextremisten wegen Synagogenanschlag 2019

Enrique Müller

(Rohübersetzung)

[Bild: V3TF7KVE3JCQDHKTXQDZYUFZQU.jpg]

Stephan B., dem vorgeworfen wird, im vergangenen Oktober zwei Menschen erschossen und versucht zu haben, eine Synagoge auszurauben, trifft am Dienstag im Magdeburger Gerichtsgebäude ein. (POOL / Reuters)

Inmitten starker und beispielloser Sicherheitsvorkehrungen hat die deutsche Justiz am Dienstag einen Prozess mit der entscheidenden Aufgabe begonnen, die Verantwortung und auch mögliche Kontakte des 28-jährigen deutschen Ultra-Rechts-Aktivisten Stephan Balliet festzustellen, der gestanden hat, am 9. Oktober 2019 erfolglos ein Massaker in der Synagoge der Stadt Halle im Bundesland Sachsen-Anhalt verübt zu haben. Balliet war nicht in der Lage, die schwere Holztür des Gebäudes aufzubrechen und tötete in seiner Frustration eine Frau auf der Straße und einen Mann, der in einem türkischen Restaurant aß.

Während der Anhörung erklärte der gestandene Täter des Doppelverbrechens, dass er den 9. Oktober, das Datum des Jom Kippur, des wichtigsten Feiertags für die jüdische Gemeinde, absichtlich auf den 9. Oktober gelegt habe, und bedauerte auch den Tod der Frau. "Es war nicht geplant. Ich habe auf ihn geschossen, als ich die Tür nicht öffnen konnte", sagte der Angreifer, der den Tod seines zweiten Opfers, eines 20-Jährigen, den er für einen Moslem hielt, nicht widerrufen hat. Nachdem er sein zweites Opfer erschossen hatte, verwundete er auf seiner Flucht mehrere Personen, bevor die Polizei ihn anderthalb Stunden nach Beginn der Tat, etwa 50 Kilometer südlich von Halle, festnahm.

Balliet, wurde von der Staatsanwaltschaft wegen Doppelmordes, versuchten Mordes an neun Personen, Anstiftung zum Rassenhass und eines Angriffs auf Bürger jüdischen Glaubens mit antisemitischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Motivation angeklagt. Wird er für schuldig befunden, könnte er zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Ihr Zweck war es, "so viele jüdische Tote wie möglich zu verursachen", sagte die Anklage, als sie die Anklage ankündigte.

Der Angeklagte ist mit Handschellen an Händen und Füßen gefesselt und schwarz gekleidet im Gericht eingetroffen. In seiner ersten Erklärung vor dem Richter sagte er, dass seine Radikalisierung mit der Flüchtlingskrise begann, die im September 2015 begann. "Nach 2015 habe ich beschlossen, nichts mehr für diese Gesellschaft zu tun, die mich durch Muslime und Schwarze ersetzt", sagte Balliet, der auch gestand, dass er nach 2015 mit dem Kauf von Waffen begonnen hat, aber nicht sagte, wie er an das Geld gekommen ist. Ab 2016 begann er selbst Waffen zu bauen.

Am Morgen des 9. Oktober 2019 zog sich Balliet in Tarnkleidung an, bedeckte seinen Kopf mit einem Helm und begab sich mit mehreren Schusswaffen und Sprengstoff in die Stadt Halle, um die Synagoge der Stadt zu stürmen, in der sich mehr als 50 Gläubige zur Feier des Jom-Kippur-Festes versammelt hatten. Er filmte den Überfall auf die Synagoge und übertrug ihn live im Internet. Die 35-minütige Aufnahme, die während des Prozesses gezeigt wird, zeigt den Schützen beim Betreten des Stadtzentrums, wie er versucht, in das Gebäude einzubrechen und auf die schwere Holztür zu schießen.

Das war noch nicht alles. Er schickte auch eine Broschüre an ein ultra-rechtsgerichtetes Internetforum, in der er die Vernichtung der sogenannten "ZOG-Schlange" (die angebliche Existenz einer "Regierung der zionistischen Organisation") forderte. "Es spielt keine Rolle, ob ich versage oder sterbe, aber wenn es mir gelungen ist, einen einzigen Juden zu töten, wird sich das gelohnt haben", hieß es im Text.

Der Anschlag schockierte Deutschland, ein Land, das der jüdischen Gemeinde wegen des Holocausts viel schuldet, aber er belebte auch die Besorgnis über die zunehmende Militanz und die Terrorakte der Rechtsextremen wieder. Der Anschlag in Halle erfolgte nur drei Monate nach der Ermordung des christdemokratischen Politikers Walter Lübcke durch einen Neonazi. Der Prozess begann vor einem Monat mit dem Vorwurf, der Verdächtige Stephan Ernst sei durch "rechtsextreme politische Überzeugungen" motiviert gewesen. Seither hat Bundesinnenminister Horst Seehofer mehrfach wiederholt, dass der Rechtsextremismus "die größte Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands" sei.

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

https://elpais.com/internacional/2020-07...cidos.html
Antworten
(21.07.2020, 16:38)Boris B schrieb: Am Tag des Anschlags: Stephan B. soll versucht haben, zwei weitere Menschen zu töten

Im vom Täter veröffentlichten Video sei zu hören, wie er das Fahrzeug beschleunigt und es zu einer Erschütterung kommt.

...

Strafrechtsprofessor sieht Tatmerkmale für versuchten Mord gegeben
Der Strafrechtsprofessor Martin Heger der Humboldt-Universität Berlin bewertet die Situation anders: "Letztlich würde für eine solche Anklage wegen versuchten Mordes Vorsatz genügen. Dafür spricht die extreme Gefährlichkeit und Rücksichtslosigkeit der Fahrweise". 
Weiter sagte Heger, man könne annehmen, dass Aftax Ibrahim vor allem wegen seiner Hautfarbe ins Visier des Täters geraten sei. Er verwies darauf, dass es für das Opfer wichtig sei, so etwas auch gesellschaftlich anzuerkennen. 

[...]

https://www.mdr.de/nachrichten/panorama/...n-100.html

Mit scheint, es ist die Aufgabe des Gerichtes zwischen FAKT und FIKTION zu unterscheiden...

"Mit scheint, es ist die Aufgabe des Gerichtes zwischen FAKT und FIKTION zu unterscheiden..."

Nicht die Bohne! Es ist ein Hexenprozess und die Hexe gesteht alles.
Es war in den Moskauer Prozessen nicht anders.
Was in der Schmiere noch gefehlt ist BLM ... eigentlich sollte gemäß Skript ein Rentner und ein Schwarzer auf dem Weg von der Synagoge zum Döner angefahren werden ... 
Hier die aktuelle Fiktion der Frau Merkel aus dem Hause des MDR:
https://mdronline-vh.akamaihd.net/i/mp4d...00_av.m3u8

FAKT besser FIKTION ist beim Versuch des Nachstellen offensichtlich kläglich gescheitert und zeigt nur die Anfart, aber der angeblich eigentliche Fahrweg wird nicht Rekonstruiert.

24:14 Humboldtstraße
24:25 Paracelsusstraße
"Tatort" Haltestelle Magdeburger Straße, Halle (Saale) nähe Halle Tower /  Randstad Cityhaus Halle
25:40 Haus plus Straßenbahn
25:41 Laterne rechts
25:44 Ampel
25:44 / 45 rund Laterne links (Kreuzung Magdeburger Str. / Anhalter Str.)
25:46 / 48 Abellio Rail Mitteldeutschland GmbH, Magdeburger Straße, Halle (Saale)
http://archive.is/oTPPy
[Bild: a8a9ab6f01bd2b0dee07463fec73a877bc5732cb.png]
http://archive.vn/FfVtc
[Bild: 039098827a7a76b8e706c17c4903eb1aac93146f.png]
http://archive.is/Ftl8g
[Bild: 06eca8bacec80a6af70910e05c626a92fbef0192.png]

Also die 8 Sekunden vom ersten sichtbaren Haus bis Abellio sind so rund 110 bis 120 Meter, wenn der Tatort nun nochmals 300 Meter zuvor müsste die Beschleunigung um 25:20 erfolgen doch diesen Fakt den "Fakt" vermeldet haben wir erst 25:34 typischer Filmfehler / Situationsfehler: unserer globalen Mafia.

Noch einmal die Gebäude an der Fahrstrecke ... 
http://archive.is/8HimV
[Bild: bdbf1c386b8b832a78956d85ec99705d82cebaf8.png]
http://archive.is/2g412
[Bild: f05aec24b78e95fd7b78d7e1e763256969f1ddb9.png]
http://archive.is/MsUAU
[Bild: 438bbd42430512492c1492bb6b0a3c99116a17bb.png]
http://archive.is/734K7
[Bild: 39b55a720313d04bb95b797246b29bba99ec3dc9.png]

PS: Indymedia down
https://www.neues-deutschland.de/artikel...media.html

Also liebes ND ohne Doppelpunkt und Unterstrich und Binnen-I in Großschreibung da fühle ich mich diskriminiert und selbstverständlich muss auch Sternchen ... soviel Zeit muss sein dies wusste bereits Eddie Arent!
Antworten
@ Boris B.

Danke und Anerkennung für dein Engagement, die Prozeßberichterstattung möglichst umfänglich abzubilden. Dennoch besteht imo momentan die Gefahr, daß dieses Bemühen eher zu Verwirrung und Ermüdung beizutragen geeignet ist; aufgrund oft notwendigerweise gleichlautender Inhalte ist dann ein Mehrwert nicht wirklich zu erkennen, wenn alle zitierten Blätter fast Identisches berichten. Weniger wäre auch hier vielleicht mehr; evtl. reicht es, den Pressespiegel mit Rücksicht auf Leser und Lesbarkeit als Auswahl zusammenzustellen, gern auch vergleichend, und Wesentliches zu zitieren, das zur Klärung des Tatgeschehens und der Hintergründe beiträgt, statt endlose redundante Texttapeten mit Altbekanntem zuzüglich politischer Wertungen einzustellen. Eine Rezeption jeweiliger Artikel durch Geomatiker würde dadurch sogar etwas erleichtert.
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