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Wie NGOs die Demokratie untergraben
#1
Wie NGOs die Demokratie untergraben (Teil 1)


Sie sind die fünfte Gewalt im Lande. Sie heißen Deutsche Umwelthilfe oder ATTAC, Bertelsmann-Stiftung oder Greenpeace, Seawatch oder Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Paritätischer Wohlfahrtsverband oder Fridays for future, um nur einige wenige zu nennen. Die Rede ist von den sogenannten NGO (Nichtregierungsorganisationen). 
Zumeist organisiert als Vereine, Stiftungen oder gGmbHs (das kleine „g“ steht für gemeinnützig; Fridays for future ist eine Ausnahme, hinter der aber wiederum mehrere Stiftungen und Vereine stehen) durchdringen sie sämtliche Lebensbereiche. Sie sind unkontrolliert, intransparent, oft lautstark moralisierend und sich empörend. Sie wollen anordnen, verbieten, erziehen. Natürlich alles im Sinne des „guten“ Zwecks, für den sie vorgeben einzutreten. 
Ihr politischer Einfluss hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen. Sie bestimmen auf vielen Themenfeldern die politische Diskussion und öffentliche Wahrnehmung und treiben die Parteien vor sich her. Genannt seien Umwelt, Ernährung, Energie, Verbraucherschutz oder aktuell Klima. Auf sie passt, was Dirk Maxeiner kürzlich formulierte: Null Wertschöpfung, 100 Prozent Wortschöpfung. Sie bezeichnen sich selbst als „Zivilgesellschaft“ – ein aus ihrer Sicht sehr gelungenes, dennoch falsches Framing, ist es doch tatsächlich nicht die Gesellschaft, sondern eine radikale gesellschaftliche Minderheit von Politaktivisten, die sich über die NGO erhebliche Macht verschafft hat. 
Ganz überwiegend sind die NGO im links-grünen Bereich angesiedelt. Nichts ist von der Vielfalt/Buntheit zu erkennen, die sie meist propagieren. Links-grüne Einfalt dominiert. Ein vergleichbares Angebotsdickicht existiert im rechten, liberal-konservativen Bereich nicht einmal ansatzweise.  
Das Recht privilegiert linkes – betreuendes – Denken
Diese einseitige politische Ausrichtung erklärt unter anderem, warum Positionen der Mitte, wie sie etwa die CDU vor nicht allzu vielen Jahren vertreten hat, kein Gehör mehr finden. Zumal auch die Medien als sogenannte vierte Gewalt weitgehend links-grün positioniert sind.  
Die links-grüne Dominanz wird begünstigt durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen (Gemeinnützigkeits- und Verbandsklagerecht), die in den letzten zwei Jahrzehnten noch erweitert wurden. So wurde etwa der begünstigte „Wischi-waschi“-Zweck „Förderung des bürgerschaftlichen Engagements“ neu eingeführt. Und auch das Verbandsklagerecht wurde 2006 und 2013 stark erweitert. 
Als gemeinnützig begünstigt sind vielfach solche Zwecke, deren Verwirklichung vermeintlich neue Vorschriften, Verbote und Umverteilung erfordern. Wer etwa für „Bedürftige“ eintritt, wird mehr Geld für diese und höhere Steuern fordern und kann dies unter dem Label der Gemeinnützigkeit tun. Wer hingegen für Marktwirtschaft, mehr Eigenverantwortung, geringere Steuern und Abbau von Regulierungen eintritt, wird (auch wenn dies alles Bedürftigkeit letztlich sehr viel besser beseitigt) sich schwer tun, dies im Rahmen eines der zugelassenen Gemeinnützigkeitszwecke zu tun. 
Ähnlich beim Verbandsklagerecht. Dieses ermöglicht es Organisationen/Verbänden, sich als Sachwalter der Allgemeinheit aufzuspielen und zu klagen, um gesetzliche Regeln durchzusetzen. Die Bereiche, in denen dies möglich ist, betreffen Naturschutz und Umwelt, Tierschutz, Behindertengleichstellung, Verbraucherschutz (und in Planung Arbeitnehmerschutz). Typisch links-grüne Politikbereiche also. Eine Verbandsklagebefugnis für liberale oder konservative Vorstellungen (z.B. zur Durchsetzung von Marktwirtschaft oder Grenzschutz oder zur Verhinderung von Freiheitseinschränkungen wie beim Netzwerkdurchsetzungsgesetz) wird gar nicht erst erwogen.  
Das Recht privilegiert also linkes – betreuendes – Denken, das darauf ausgerichtet ist, Forderungen an Staat und Gesellschaft zwecks Erlass von Vorschriften/Verboten und zwecks Umverteilung zu richten. Es unterstützt das linke Ziel, sämtliche Lebensbereiche durchzupolitisieren – vom Kindergarten bis zum Fußball, von der Kultur bis zur Wirtschaft. Wer dies ablehnt, wer vom Staat in Ruhe gelassen werden will, wer Freiheit und Eigenverantwortung schätzt, wird sich nicht zusammenschließen, um etwas vom Staat zu fordern, sondern allenfalls zu gegenseitiger Hilfe. 
NGO – ein Euphemismus
Sieht man sich die politisch tätigen NGO an (und nur um solche geht es in diesem Beitrag), kann bei vielen von Nicht-Regierungsorganisation kaum die Rede sein. Tatsächlich sind sie personell, finanziell und ideell massiv mit der Politik verwoben. 
Das den Klima-Wahn befeuernde Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beispielsweise ist ein als gemeinnützig anerkannter Verein mit einem Etat von circa 24 Millionen Euro und mehr als 300 Mitarbeitern, der je zur Hälfte vom Bund und vom Land Brandenburg finanziert wird. Der Gründer und langjährige Direktor des PIK, Hans Joachim Schellnhuber, ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Im Kuratorium des PIK wiederum sitzen Vertreter des Bundesbildungsministeriums und des Brandenburger Wissenschaftsministeriums. 
Auch die umstrittene Amadeu Antonio Stiftung erhält jährlich Millionen Euro aus den Staatshaushalten, ohne die sie nur ein Schatten ihrer selbst wäre, wird von Politikern bis zur Bundeskanzlerin offen unterstützt (siehe hier), hat den Thüringer Verfassungsschutzpräsidenten Kramer genauso wie den langjährigen Staatssekretär im Bundesfamilienministerium Ralf Kleindiek in ihrem Stiftungsrat und ist Trägerin des vom Bundesland Thüringen geschaffenen und finanzierten sogenannten Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft. Den Staats-Millionen gegenüber steht der Einsatz der Stiftung im Kampf gegen die politische Konkurrenz, wenn sie etwa mit Fake-News gespickte Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD herausgibt (und darin fordert, selbst deren vom politischen Gegner als gut erachtete Vorschläge generell abzulehnen, siehe hier). 
Vom Staat mitfinanziert wird auch Correctiv, eine als gemeinnützig anerkannte GmbH, die fremdfinanzierten Kampagnenjournalismus macht (und das mehr schlecht als recht, siehe hier). Hunderttausende Euro stammen zum Beispiel von der Bundeszentrale für politische Bildung. Miteigentümer von Correctiv ist der frühere Bundestags-Fraktionsgeschäftsführer der Grünen (1994-2010) Lukas Beckmann, Gründungs-Aufsichtsrat war der frühere Kanzleramtsminister Bodo Hombach (SPD). 
Die Verbindung von NGO und Staat ist mittlerweile so selbstverständlich, daß NGO bei der Erfüllung originärer Staatsaufgaben mitwirken und die Staatsanwaltschaften unterstützen sollen, wie etwa bei der geplanten Meldestelle für Online-Hetze in Hessen (siehe hier). 
NGO lohnt sich: 15,5 Milliarden Euro allein vom Bund 
Oder ein letztes Beispiel: Deutsche Umwelthilfe (DUH). Deren früherer Co-Geschäftsführer war der Grünen-Politiker Rainer Baake, der zuvor Staatssekretär unter Bundesumweltminister Trittin und danach unter Bundeswirtschaftsminister Gabriel war. Auch DUH und die Tochterfirma DUH Umweltschutz GmbH erhalten etliche Millionen Euro vom Steuerzahler (siehe hier). Bezeichnenderweise werden übrigens die Verträge zwischen Bundesregierung und DUH geheimgehalten (siehe hier). 
Auf insgesamt 15,5 Milliarden Euro summierten sich laut einem Artikel in der Druckausgabe der Welt am Sonntag vom 12.5.2019 die direkten Geldtransfers an Vereine, Stiftungen und Privatfirmen nur im Jahr 2018 und allein aus dem Bundeshaushalt. Dazu kommen Milliarden in ungezählter Höhe von Bundesländern, Kommunen und EU. 
Davon können die Vorstände, Geschäftsführer und leitenden Angestellte der NGO gut leben. Der DUH-Geschäftsführer Resch beispielsweise bezieht monatlich 18.400 € (plus Altersvorsorge). Dazu kommt möglicherweise – so darf man annehmen – noch ein Gehalt für die zusätzliche Geschäftsführertätigkeit bei der DUH-Tochterfirma; darüber macht er keine Angaben. 
Eigennutz also oder Gemeinnutz? – es fragt sich, inwieweit das Agieren solcher politisch tätigen Organisationen tatsächlich gemeinnützig ist und inwieweit das demokratische Prinzip durch NGO infrage gestellt wird, die ihre eigenen Politikvorstellungen anderen aufzwingen wollen, ohne demokratische Mehrheiten erringen zu müssen? Dazu mehr in Teil 2 anhand der in die Kritik geratenen Vereine ATTAC und DUH (mit ihrem aus dem Ausland unterstützten Klagefeldzug gegen deutsche Kommunen). Bei ersterem hat das für die Gemeinnützigkeitsprüfung zuständige Finanzamt tatsächlich einmal genauer hingesehen und die Gemeinnützigkeit aberkannt, worüber dann der Bundesfinanzhof Anfang 2019 zu befinden hatte.

Quelle
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#2
Wie NGOs die Demokratie untergraben (Teil 2)


Sie sind die fünfte Gewalt im Lande, die sogenannten NGO (Nichtregierungsorganisationen). Vornehmlich aus dem links-grünen Politikmilieu stammend, zumeist als gemeinnützig anerkannt und vielfach vom Staat finanziell gefördert bestimmen sie auf vielen Themengebieten die öffentliche Diskussion und gewinnen in stark zunehmendem Maße Einfluß auf die Politik. Siehe hierzu Teil 1 des Beitrags. Wie darin erläutert, lohnen sich NGO. Finanziell für die Gründer/Geschäftsführer/Organisatoren, politisch für die links-grünen Ideologen und deren Gesinnungsgenpossen in politischen Ämtern und Behörden. Deren links-grüne Vorstellungen dominieren die Welt der NGO. Denn das Gemeinnützigkeits- und Verbandsklagerecht bevorzugt strukturell linke Vorstellungen, die auf „Betreuung“ anderer, auf Anordnungen, Verbote und Erziehung sowie Politisierung aller Lebensbereiche ausgerichtet sind. 
Mit dem Verbandsklagerecht haben NGO ein besonderes Instrument erhalten, das sie vor allen anderen privilegiert. Ein kleiner Verein mit wenigen Mitgliedern wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kann sich dadurch als Sachwalter der Allgemeinheit, quasi als Hilfs-Sheriff aufspielen, um Rechtsvorschriften durchzusetzen. Einzelpersonen können dies generell nicht (Stichwort: kein allgemeiner Gesetzesvollziehungsanspruch). Die DUH profitiert dabei gleich doppelt vom Verbandsklagerecht. Zum einen sucht sie als Abmahnverein systematisch auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts/Verbraucherschutzes kleinste Formfehler von Unternehmen und mahnt diese dann kostenpflichtig ab. Und zum anderen verklagt sie als Umweltverband aufgrund des 2006 eingeführten und 2013 erweiterten Verbandsklagerechts in Umweltsachen bundesweit Kommunen zwecks Einrichtung von Fahrverboten. 
Juristisch unterstützt wird die DUH dabei von einer NGO namens Client Earth mit Sitz in London und Büros in mehreren anderen Städten Europas. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von circa 70 Rechtsanwälten, die europaweit Rechtsfälle in Umwelt-/Klimasachen vertreten. Ihr Gründer James Thornton ist ein früherer Anwalt aus den USA, der den europäischen Umweltsektor als lohnenden Markt erkannt hat und nach Europa kam, um „juristischen Aktionismus nach amerikanischem Vorbild nach Europa zu bringen“ (siehe hier). Genau diese Masche zieht die DUH derzeit in Deutschland ab. Da verwundert es nicht sonderlich, daß an die DUH mehrere Millionen Euro von der amerikanischen Climate Works Foundation geflossen sind, einer Stiftung, die zugleich einer der größten Förderer der ebenfalls amerikanischen ICCT ist, die die Aufdeckung der VW-Abgasmanipulationen initiierte.
Mit Resch und Thornton haben sich also augenscheinlich zwei „richtige“ gefunden. Der eine (Resch) auf einem ideologischen Kreuzzug gegen die Autoindustrie. Der andere (Thornton), der sich vermessen als „Anwalt der Erde“ sieht und laut dem Magazin New Statesman einer von zehn Menschen sei, die die Welt ändern könnten (siehe hier). 
Das Verbandsklagerecht hat sich verselbständigt
Sie beide stehen stellvertretend für die Anmaßung der NGO-Politaktivisten, ihre eigenen Politvorstellungen anderen aufzwingen zu wollen, ohne dazu eine demokratische Mehrheit erringen zu müssen. Ohne an dieser Stelle auf das Für und wider des Verbandsklagerechts im einzelnen eingehen zu können, ist festzustellen, daß damit das demokratische Prinzip infrage gestellt ist. Intransparente und unkontrollierte Privatorganisationen sind dadurch in die Lage versetzt, mittels der Justiz umzusetzen, was im offenen parlamentarischen Wettstreit nicht möglich oder gewollt war (zum Beispiel Fahrverbote).
Auch wenn es „nur“ darum geht, bestehende Gesetze durchzusetzen – augenscheinlich wollte die Mehrheit das bisher so nicht, sonst hätte sie es selbst längst veranlassen können. Das Verbandsklagerecht hat sich verselbständigt und ist über sein eigentliches Ziel hinausgeschossen. Es geht nicht um die Beachtung von Umweltvorschriften bei Großprojekten, sondern um die Erzwingung von Verhaltensänderungen der Bürger im allgemeinen bis hin zur Abschaffung ganzer Industrien.   
Ein anderer linker Verein ist ATTAC. Er ist Anfang 2019 in die steuerpolitischen Schlagzeilen geraten, als der Bundesfinanzhof (BFH) über dessen steuerlicher Gemeinnützigkeit zu entscheiden hatte. Entgegen so mancher Rezeption bestätigte der BFH nicht die Aberkennung der Gemeinnützigkeit durch das zuständige Finanzamt. Vielmehr stellte der BFH lediglich fest, daß unter der Bezeichnung „ATTAC“ politische Aktionen ausgeführt worden sind, die gemeinnützigkeitsschädlich sind und die Aberkennung der Gemeinnützigkeit rechtfertigen würden. Zu prüfen ist aber zunächst vom zuständigen Finanzgericht, ob diese Aktionen überhaupt dem Verein als solchem zuzurechnen seien. 
Das Urteil des BFH hat ein großes mediales Echo hervorgerufen, obgleich der BFH die politische Ausrichtung von ATTAC gar nicht geprüft hat und seiner bisherigen Rechtsprechung treu geblieben ist. Demnach besitzen gemeinnützige Körperschaften kein sogenanntes allgemeinpolitisches Mandat, sie dürfen ihren Satzungszweckweck nicht durch Einflußnahme auf die politische Willensbildung und Gestaltung der öffentlichen Meinung verfolgen, da dies nach dem Grundgesetz den Parteien vorbehalten ist. In § 52 II Nr. 24 Abgabenordnung sind dem entsprechend “Einzelinteressen staatsbürgerlicher Art“ ausdrücklich von der Steuerbegünstigung ausgenommen. 
Kein allgemeinpolitisches Mandat 
Die Grenzziehung zwischen unzulässigem allgemeinpolitischen Mandant und zulässiger Befassung mit politischen Themen ist allerdings naturgemäß schwierig. 
Laut Bundesfinanzhof (BFH) muß etwa beim Gemeinnützigkeitszweck „Bildung“ die Vermittlung und Diskussion politischer Fragen in geistiger Offenheit erfolgen. Eine gemeinnützige Organisation darf nicht eine vorgefertigte Ansicht propagieren, sondern muß über sämtliche Aspekte aufklären und sich neutral mit den Themen auseinandersetzen. Bei ATTAC kritisierte der BFH eine einseitige – negative – Sichtweise auf die  Globalisierung und fehlende Neutralität. 
Beim Gemeinnützigkeitszweck „Förderung des demokratischen Staatswesens“ gilt Vergleichbares. Um die verfassungsrechtlich gebotene Funktionstrennung zwischen Parteien und NGO nicht gänzlich zu verwischen, fordert die Rechtsprechung, daß die Befassung mit politischen Themen seitens gemeinnütziger Organisationen objektiv und überparteilich zu erfolgen hat. Sie dürfen auch nicht zu konkreten Handlungen aufrufen und Forderungen zu tagespolitischen Fragen erheben. So mißbilligte der BFH im Falle ATTAC beispielsweise die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer oder einer 30-Stunden-Woche und Appelle etwa an die Bundesregierung zum Thema Steuerflucht während des Aushandelns eines geplanten Steuerabkommens. 
Legte man diese Kriterien auch an andere Vereine an, so müßten man wohl etlichen die Gemeinnützigkeit aberkennen. 
Die politische Betätigung von gemeinnützigen Organisationen ist verfassungsrechtlich insofern problematisch, als nach dem Grundgesetz ausdrücklich die Parteien, nicht aber die NGO mit dem Auftrag ausgestattet sind, an der politischen Willensbildung mitzuwirken, siehe Artikel 21 Grundgesetz. (Was selbstverständlich nicht bedeutet, daß man sich nur innerhalb von Parteien politisch betätigen darf.) 
Nach Lust und Laune
Die besondere Vorzugsrolle der Parteien korrespondiert mit zahlreichen Vorgaben, denen NGO nicht unterliegen: demokratische Struktur, Rechenschaftsverpflichtung (die allerdings tatsächlich nur teilweise verwirklicht ist und zudem über die Parteistiftungen und Parlamentsfraktionen umgangen wird), nur eingeschränkte Abzugsfähigkeit von Parteispenden, gesetzlich geregelte Parteifinanzierung. Dem gegenüber sind gemeinnützige Organisationen zu rein gar nichts verpflichtet, sie müssen nicht demokratisch organisiert sein, müssen weder Finanzen noch Strukturen und Verbindungen zu anderen Organisationen offenlegen, können anderes als Parteien unbegrenzt Gelder aus dem Ausland annehmen, und Spenden sind für die Spender voll abzugsfähig. Welche NGO in welcher Höhe staatliche Mittel erhält, entscheidet das jeweilige Ministerium nach Lust und Laune. Auskunft über Auswahlkriterien und Höhe der Zuwendungen an einzelne Organisationen geben die Ministerien unter Berufung auf den Datenschutz mehrheitlich nicht, wie die Welt am Sonntag berichtete (siehe Teil 1 des Beitrags). 
Die Beispiele zeigen die Problematik der politischen Betätigung gemeinnütziger Organisationen. Sie nehmen massiv Einfluß auf die Politik, ohne demokratisch legitimiert zu sein, an Parlament und Exekutive vorbei. Sie werden mit Steuergeldern ausgestattet, ohne daß dies kontrolliert wird. Die Subventionierung politischer Tätigkeit durch NGO bevorzugt ein paar Hundert oder gegebeenfalls auc tausend Aktivisten, die sich in solchen NGO zusammentun, und verzerrt die politische Landschaft. Sie ist ebenso wie die Subventionierung von Wirtschaftsunternehmen abzulehnen. 
Grundlegende Kritik am NGO-Unwesen gibt es kaum. Selbst wenn es mal einer sehr „arg“ treibt wie zur Zeit die Deutsche Umwelthilfe mit ihren Fahrverbots-Exzessen, gibt es allenfalls ein wenig Schaumschlägerei ohne Konsequenzen. Die Grundsatzfrage, ob und wie das Gemeinnützigkeits- und das Verbandsklagerecht entpolitisiert werden kann, wird nicht gestellt. 
Realistischer Weise  ist an einschränkende Rechtsänderungen nicht zu denken. Zu groß ist der gegenseitige Nutzen von Politik und NGO am Status Quo. Im Gegenteil: Es gibt Bestrebungen, sowohl das Verbandsklagerecht auszudehnen (zum Beispiel auf den Bereich Arbeitsrecht) als auch die Möglichkeiten zur Erlangung der Gemeinnützigkeit zu erweitern, zum Beispiel Journalismus als gemeinnützigen Zweck anzuerkennen. Eine Anregung im steuerrechtlichen Schrifttum nach der ATTAC-Entscheidung des BFH lautet sogar, „politische Vereine“ ausdrücklich als gemeinnützig zuzulassen, also Vereine, die zwar nicht an Wahlen teilnehmen, aber Politik ganz offiziell machen dürfen.
Letzteres wäre dann zumindest ehrlicher als die bisherige Praxis, würde aber selbstverständlich auch nicht rechtfertigen, daß Millionen redlich arbeitender Bürger staatsnahe Absahner und selbsternannte Weltverbesserer über Steuervergünstigungen und Fördergelder finanzieren müssen. 

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