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Der Fall Rebecca
#1
um was es geht:

Rebecca Reusch aus Berlin wird noch immer vermisst. Ihr Schwager Florian R. sitzt in U-Haft und schweigt - nun könnte er schon bald wieder freikommen. Der News-Ticker.

[*]Seit dem Morgen des 18. Februar 2019 wird die 15-jährige Rebecca aus Berlin vermisst. 
[*]Die Kripo geht von einem Tötungsdelikt aus.
[*]Zuletzt übernachtete die Schülerin bei einer ihrer Schwestern und deren Ehemann im Haus des Paares. 
[*]Am zehnten Tag nach dem Verschwinden Rebeccas kam es zu einer Festnahme - ihr Schwager steht unter Verdacht und ist Polizeibekannt.
[*]Die Ermittler suchten auch über die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ - rund 700 Hinweise gingen bislang ein. 
[*]Noch immer ist unklar, was mit dem Mädchen passierte - und ob es noch lebt. 
>>>Aktualisieren>>>

> https://www.merkur.de/welt/rebecca-reusc...28902.html
 
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#2
Es schreibt eine Anwaltskanzlei:

Fall Rebecca R.: Treibjagd im Live-Tickermodus

7. März 2019  Rechtsanwalt Carsten R. Hoenig
Die Vereinigung der Berliner Strafverteidiger hat eine Presseerklärung zur Berichterstattung im Fall der vermissten Rebecca R. aus Berlin veröffentlicht, die ich nachfolgend vollständig zitiere:
Das Vorstandsmitglied, Frau Rechtsanwältin Cäcilia Rennert kritisiert im Namen der Vereinigung Berliner Strafverteidiger e. V. die Berichterstattung im Fall Rebecca R. ebenso auf das Schärfste wie die Bereitschaft von Ermittlern, die Presse mit aus ihrer Sicht belastenden Details zu füttern.
Wir fordern die Presse auf, die mediale Vorverurteilung des Tatverdächtigen im Fall des verschwundenen Mädchens genauso einzustellen wie wir die Strafverfolgungsbehörden auffordern, die Durchstechereien nicht nur zu stoppen, sondern aktiv dem Eindruck entgegenzuwirken, das mediale Treiben sei für sie tolerabel.
Die aktuelle Berichterstattung, insbesondere in BILD, B. Z., aber nicht mehr nur in den Boulevardmedien tritt die Unschuldsvermutung des Verdächtigen mit Füßen und imponiert als Treibjagd im Live-Tickermodus. Darstellungen, die sich darüber hinaus im Ringen nach Sensationseffekten in Spekulationen ergehen und überbieten, untergraben in der frühesten Phase des Verfahrens bewusst das, was der Rechtsstaat um seiner selbst willen garantieren will und soll: Unvoreingenommenheit und Fairness gegenüber einem Verdächtigten.
Es ist auch an der Staatsanwaltschaft, die nach unserer Einschätzung keine Quelle derartiger Berichterstattung ist, dem rechtswidrigen Treiben von mindestens Teilen der Ermittler entgegenzutreten. Diese korrumpieren im Umgang mit der Presse die Verfahrensfairness möglicherweise irreparabel. Die Richtlinien für das Straf- und Bußgeldverfahren mahnen hierzu aus gutem Grund in RiStBV Nr. 23 an, dass die Unterrichtung von Medien durch die Ermittler weder den Untersuchungszweck gefährden noch dem Ergebnis der Hauptverhandlung vorgreifen dürfe und der Anspruch des Beschuldigten auf ein faires Verfahren nicht beeinträchtigt werden darf.
Diese in den Normappell gekleidete zivilisatorische Errungenschaft wird von manchen Medien sowie Teilen der Ermittler gegenwärtig auf dem Altar sich aufschaukelnder Sensationslust geopfert. Und zwar auch um den Preis, die Fairness des Verfahrens irreparabel zu beschädigen. Es ist an der Zeit und für alle dem Rechtsstaat professionell Verpflichteten geboten, diesem Treiben gemeinsam und deutlich entgegenzutreten.
Der Vorstand
Die Sorge um die vermisste Rebecca R. rechtfertigt auch meiner Ansicht nach nicht die Demontage elementarer Prinzipien unseres Rechtsstaats. Ich verurteile das kollusive Zusammenwirken der Ermittlungsbehörden mit insbesondere den Boulevardmedien, das durchaus Erinnerungen an amerikanische Westernfilme aufkommen lässt.

> https://www.kanzlei-hoenig.de/2019/fall-...ckermodus/
 
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#3
dazu ein Kommentar des "Fatalisten":

Ingo Delamar
vor 9 Stunden (bearbeitet)
Im Fall der vermissten Rebecca aus Berlin schäumt nicht nur der Vorsitzende der Vereinigung Berliner Strafverteidiger, Stefan Conen vor Empörung, weil die Unschuldsvermutung durch die Strafverfahren eklatant verletzt wird, sondern auch die Presse.....
der Tagesspiegel titelt am 10.3.19
“Fall Rebecca, der Rechtsstaat nimmt Schaden“ und kommentiert “...im Fall Rebecca scheinen einfachste Grundsätze außer Kraft gesetzt zu sein...die Unschuldsvermutung scheint faktisch außer Kraft gesetzt zu sein....“

Der Tagesspiegel und auch andere empörte Mitbürger und Mitbürgerinnen, wie der Vorsitzende der Vereinigung Berliner Strafverteidiger, haben anscheinend nicht bemerkt, das die Unschuldsvermutung im Fall Rebecca nicht faktisch außer Kraft gesetzt worden ist,- die Unschuldsvermutung ist bereits am 4.11.2011 erodiert und wenige Tage später, am 22.11.2011 durch die wegweisende Erklärung des Deutschen Bundestages im Hinblick auf den sogenannten NSU total und gänzlich abgeschafft worden. Seit 22.11.2011
hat sich der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung zum Obersten Gerichtsherrn in Deutschland proklamiert! Insoweit kann man die Empörung der Presse und die Erklärung des Vorsitzende der Vereinigung Berliner Strafverteidiger nur als verlogene Inszenierung derjenigen bezeichnen, die sich im November 2011 an der Abschaffung der Unschuldsvermutung beteiligt haben und das ist die Presse in Deutschland und die Vereinigungen von Juristen aller Sparten, die dies durch Stillschweigen oder sogar tatkräftige Unterstützung ermöglicht haben. Zwei Juristen, die sich im November 2011 als Bundestagsabgeordnete an tatkräftig an der Abschaffung der Unschuldsvermutung beteiligt haben, sind mittlerweile grandios befördert worden, der eine Bundestagsabgeordnete ist jetzt Bundespräsident und der andere ist jetzt Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts.

Mittlerweile ist man in der Republik in der Rechtsprechung allerdings schon unaufhaltsam weiter fortgeschritten...
Im Prozess gegen den wegen mehrfacher Tötung angeklagten Krankenpfleger Niels Högel hat der Vorsitzende der Großen Strafkammer die Anwesenden (Richter Staatsanwälte Verteidiger Publikum etc) vor Verlesung der Anklage aufgefordert, sich zu erheben, um in einer Schweigeminute der Opfer des Angeklagten zu gedenken (Weserkurier vom 30.10.18 “Mordserie an Patienten-Ex Krankenpfleger Högel gesteht“). Der Verteidiger des Angeklagten hat diese eklatante Verletzung der Strafprozessordnung nicht gerügt und hat auch keinen Antrag gestellt, das Gericht wegen Befangenheit abzulehnen,- der Verteidiger hat sich wohl ebenfalls vor Verlesung der Anklage zu einer Schweigeminute erhoben, um der Opfer seines Mandanten zu gedenken, anderes ist jedenfalls nicht berichtet worden!

(Die Korrumpierung des Rechts)
 
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#4
Fall Rebecca

Der Rechtsstaat nimmt Schaden

Ständig werden neue Details aus Ermittlungsakten publik. Im Fall Rebecca scheinen einfachste Grundsätze außer Kraft gesetzt zu sein. Ein Kommentar.
Von Alexander Fröhlich

Jetzt soll sogar Rebeccas Unterwäsche im Bad gelegen haben. Angeblich noch ein Indiz gegen den verdächtigen Schwager der vermissten 15-Jährigen aus Berlin. So klingt das, wenn Internetnutzer und Medien zu Hobbyermittlern werden. Das Interesse ist groß – vollkommen zurecht. Es zählt zu dem Schlimmsten, was Eltern geschehen kann: Das eigene Kind verschwindet, könnte Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein. Der Fall entsetzt auf vielen Ebenen.

Alle paar Tage werden neue Details aus Ermittlungsakten publik – durch Polizei, Staatsanwälte oder die Familie selbst? Mit Schaudern und Anteilnahme sieht man Eltern, Verwandte im TV und in sozialen Medien: Ist das noch Traumaverarbeitung, die letzte Hoffnung oder schon Arglosigkeit? Es gibt einen dringend Tatverdächtigen – doch ob er der Täter ist, was genau geschah, wissen selbst Polizei und Staatsanwaltschaft nicht. Beide stehen unter enormem Druck. Erst Ende des vergangenen Jahres wurden Pannen im Fall der seit 2006 vermissten Georgine Krüger publik.

Um Rebecca zu finden, ein hehres Ziel, wird der in Untersuchungshaft sitzende Verdächtige in den Medien gezeigt wie sonst selten ein gesuchter Schwerverbrecher. Die Unschuldsvermutung ist faktisch außer Kraft gesetzt – und das per Richterbeschluss. Die Medien sollten nun innehalten, die Ermittler ihren Job machen. Der Schrecken ist schon groß genug, doch der Schaden am Rechtsstaat ist noch lange nicht zu ermessen.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/fall ... 86626.html
 
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#5
Seit drei Wochen kein Lebenszeichen mehr
Anwältin des Schwagers war früher bei der Kripo: Wie es im Fall Rebecca weitergeht

Sonntag, 10.03.2019, 19:11

Am Montag sind es exakt drei Wochen, dass von der 15-jährigen Rebecca aus Berlin jede Spur fehlt. Eine heiße Fährte in einem Wald 50 Kilometer südöstlich der Bundeshauptstadt führt ins Leere, die Ermittlungen in dem mysteriösen Fall stocken. Derweil soll sich der hauptverdächtige, in U-Haft sitzende Schwager von Rebecca eine Ex-Polizistin als Anwältin genommen haben.

Der Sturm über dem brandenburgischen Kiefernwald am Wolziger See 50 Kilometer südöstlich von Berlin hat sich gelegt, die Hundertschaft der Polizei, die hier drei Tage lang mit Leichenhunden nach Rebecca gesucht hat, ist verschwunden. Was bleibt, sind die größer werdende Ungewissheit und Angst um das Leben der 15-jährigen Schülerin aus Berlin Neukölln. Die 3. Berliner Mordkommission geht seit mehr als einer Woche davon aus, dass das Mädchen einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel und nicht mehr am Leben ist.

Ein letztes Zeichen von ihr sind WhatsApp-Nachrichten. Rebecca übernachtete vom 17. auf den 18. Februar im Haus ihrer Schwester Jessica und ihres Schwagers Florian R. in Berlin Britz unweit des Elternhauses in Neukölln. Zumindest fanden Ermittler heraus, dass vom Handy des Mädchens zwischen 6 und 8 Uhr am 18. Februar noch Nachrichten geschrieben wurden, und zwar über den Router des Hauses der Schwester. Danach verliert sich ihre Spur.

Weil sich Schwager Florian, der erst am frühen Morgen des 18. Februar von einer Firmenfeier nach Hause kam, in Widersprüche über den Verlauf des Morgens und dem Tag danach verstrickte, an dem er Rebecca nicht mehr gesehen haben will, sitzt er seit dem 4. März in Untersuchungshaft.

Ermittlungen festgefahren

„Es ist nicht auszuschließen, dass es eine neue Suche an einem anderen Ort geben wird“, erklärte eine Polizeisprecherin FOCUS Online am Sonntag auf Anfrage. Dies hänge jedoch wesentlich davon ab, ob unter den mittlerweile 1200 Hinweisen, die es zum Verschwinden von Rebecca gebe, eine neue heiße Spur gefunden werde. Die Auswertung dauere an, so die Sprecherin. Die Suche zwischen Kummersdorf und Wolzig am gleichnamigen See, etwa ein halbes Dutzend Kilometer südlich der A12-Ausfahrt Storkow gelegen, sei nur aufgrund eines einzigen Hinweises ausgelöst worden.

Die Widersprüche, in die sich Florian R. verstrickte, sollen „erdrückend“ sein, wie Berliner Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise kolportierten. Das gilt vor allem für zwei Fahrten mit dem auffallenden himbeerroten Twingo. Er war von einer Kennzeichenkamera auf der A12 bei Storkow am Tag von Jessicas Verschwinden und am Tag darauf gefilmt worden. Florian R., der der einzige war, der zu dieser Zeit Zugriff auf das Auto hatte, schweigt zu den Fahrten. Mit diesen beiden Fahrten hing auch die Suchaktion im Wald am Wolziger See zusammen. Die Polizei vermutete, dass Rebeccas Leiche dort vergraben worden sein könnte.

Das Hauptproblem der Mordkommission: im Haus von Rebeccas Schwager und auch im Auto waren keinerlei Spuren gefunden worden, die auf ein Gewaltverbrechen schließen ließen. Ohne eine Leiche stecken die Ermittlungen fest, auf Indizien lässt sich keine Anklage aufbauen.

Ungewöhnlich: Familie deckt Rebeccas Schwager weiter

Während der Florian R. weiter schweigt zu den Vorwürfen, stellt sich die Familie noch immer schützend vor den Schwiegersohn. Mehr noch: sie versucht, Florian R. aktiv zu entlasten. Das gilt sowohl für Haare von Rebecca und Faserspuren von einer mit dem Mädchen verschwundenen Fleecedecke, die im Kofferraum des Twingo gefunden wurden, als auch für die beiden ominösen Fahrten mit dem Twingo Richtung Storkow.

Haare und Fasern seien in dem Auto, weil Rebecca dort mit der kleinen Tochter ihrer Schwester Jessica gespielt habe. Und die beiden merkwürdigen Autofahrten Richtung Storkow habe Florian R. ihnen „schlüssig und glaubhaft“ erklärt, sagten die Eltern. Zum Grund der Fahrten schweigen jedoch auch sie.

Mehr dazu: „Extrem merkwürdig“: Profiler verwundert, warum Rebeccas Vater Schwiegersohn verteidigt

Unterwäsche der 15-Jährigen im Badezimmer gefunden?

Die Eltern von Rebecca hoffen noch immer, dass ihre jüngste von drei Töchtern lebt. In einem Interview mit den TV-Sender RTL hatte sie Anwohner aufgefordert, in Kellern und Lauben nachzuschauen, ob Rebecca irgendwo festgehalten wird.. Wie sie auf diese Idee kommt, ist allerdings unklar.

Laut RTL soll im Badezimmer von Schwester und Schwager nach dem Verschwinden von Rebecca Unterwäsche der 15-Jährigen gefunden worden sein – und zwar „so, als wollte sie sich gerade umziehen“, was als weiteres Indiz dafür gewertet werden könnte, dass sie das Haus nicht freiwillig verlassen habe. Zur Frage, ob dies von den Ermittlern allerdings als weiteres verwertbares Indiz für eine Gewalttat gewertet wird, wollte sich die Polizei gegenüber FOCUS Online nicht äußern.

Schwager nimmt sich Ex-Polizistin als Anwältin

Der Hauptverdächtige hat sich inzwischen eine Anwältin genommen. Dabei handelt es sich um eine Fachanwältin für Strafrecht. Nach eigenen Angaben hat sie in den 80er-Jahren bei der Berliner Kripo im Dienstbereich des Polizeipräsidenten ermittelt und später unter anderem als Referatsleiterin für Schwerstkriminalität und Geiselnahmen gearbeitet. Seit dem Jahr 2000 ist sie als Anwältin tätig, steht auf ihrer Homepage.

Auf Anfrage von FOCUS Online will sie sich derzeit nicht zu dem Fall von Florian R. äußern. Es ist aber davon auszugehen, dass sie schnell die Möglichkeiten eines Haftprüfungsantrages ausloten wird. Denn dringend Tatverdächtige können nach Paragraph 112 der Strafprozessordnung in der Regel maximal sechs Monate in Untersuchungshaft festgehalten werden.

„Dringend tatverdächtig“ bedeutet, dass eine hohe Wahrscheinlich der Tatbegehung durch den Beschuldigten bestehen muss. Zudem muss ein Haftgrund wie etwa Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr oder aber auch die Wiederholungsgefahr bei bestimmten Delikten vorliegen. Eine Verlängerung wird nur in Ausnahmefällen gewährt. Die maximale Dauer beträgt ein Jahr.

Strafverteidiger kritisieren Staatsanwaltschaft und Polizei

Kritik am Umgang mit dem Hauptverdächtigen hatte zuvor schon die Vereinigung der Berliner Strafverteidiger geübt. Der Vorsitzende Stefan Conen bezweifelt sogar, dass ein „faires Strafverfahren“, bei dem bis zur Urteilsverkündigung die Unschuldsvermutung gelten müsse, überhaupt noch möglich sei.

Die Unschuldsvermutung sei allein durch die Veröffentlichung von Portraits von Florian R. und des Autos in Zusammengang mit den ungeklärten Fahrten nach Storkow konterkariert worden, sagte Conen „rbb 24“.

Das sei „irreparabel, das gefährdet ein faires Strafverfahren - falls es jemals zu einem solchen kommt“, so Conen. „Wenn es nicht zu einem solchen kommt, wird dieser Beschuldigte, der als unschuldig zu gelten hat, sein Leben lang von den Behörden mit dem Kainsmal eines Verdachts bedacht - und wird dieses auch nicht mehr abstreifen können.“

https://www.focus.de/panorama/welt/seit ... 32335.html
 
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