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LEBT DIE STASI WEITER? Der Fall Knabe
#1
LEBT DIE STASI WEITER?

Empörungswellen nach dem »virtuellen Mord« an Hubertus Knabe

Hubertus Knabe waren von über 190 Einsicht-Anträgen über zwei Jahre ganze 15 ermöglicht worden. Von der Behörde jener Marianne Birthler, die seine Interims-Nachfolgerin werden soll. Von Holger Douglas und Hariolf Reitmaier.
Hohe Empörungswellen umfluten die »Stasiopfer-Gedenkstätte« inzwischen auch im Berliner Senat. Dort sitzt noch der »eigentlich starke Mann der Linkspartei in der Hauptstadt« (Die Welt) Klaus Lederer als Kultursenator. Der wollte den sehr renommierten, aber aus Genossen-Sicht politisch höchst inkorrekten Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe per Hauruck-Rauswurf nach 17 erfolgreichen Jahren erledigen.

Die Empörungswelle, die zunächst von CDU-, FDP- und AfD-Politikern rund um das Ex-Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen losgetreten worden war, wurde noch von vier Mitgliederinnen des Gedenkstätten-Beirats in einem offenen Brief weiter verstärkt.

Die DDR-Bürgerrechtlerinnen Heidi Bohley und Schriftstellerin Freya Klier, die Gedenkstätte-Beiratsmitglieder Professorin Barbara Zehnpfennig und die ehemaligen Fernsehmoderatorin Edda Schönherz, die selbst drei Jahre hinter Stasi-Gefängnisgittern auch in Hohenschönhausen saß, empörten sich über Lederers Dolchstoßaktion. Knabes Freistellung sei „entwürdigend“ und „von der Sachlage her keinesfalls gerechtfertigt“. Ohne den Angeklagten anzuhören hatte das Stiftungsrats-Gericht unter Vorsitz Lederers den SED-PDS-Die Linke-Feind aus der Gedenkstätte entfernt. Dies habe, so die vier empörten Protestbrief-Autorinnen, mindestens den „Anschein einer Strafaktion“ gehabt, die „sich eher als Reaktion auf seine politische Unangepasstheit denn als Antwort auf (vorgebliche) Verfehlungen deuten“ lasse. Ihre Forderung: sofortige Aufhebung des Urteils der Lederer-Strafkammer und damit die sofortige Wiedereinsetzung Knabes als Gedenkstätten-Direktor.

Zum Verhängnis sollte Knabe werden, dass er seinen Vize Frauendörfer wegen – angeblicher – sexistischer Angriffe auf sieben anonyme Frauen – Volontärinnen, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen – nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern vor zwei Jahren nur verwarnt und ihm das Gelöbnis der angeblich »strukturell-sexistischen« Besserung abgerungen hatte. Anfang 2018 hatte Knabe gar Anzeige wegen der Flurfunk-Berichte gegen Unbekannt erstattet. Die Ermittlungen waren jedoch von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

Durchgestochen worden war die Knabe-Anklageschrift an den »Linke«-nahen öffentlich-rechtlichen Sender RBB schon fünf Tage, bevor Lederer sein Kurzprozess-Urteil über den Anti-SED-Die Linke«-Triebtäter Knabe verkündete. Fünf Tage später schrieb der Journalist und Historiker Sven Felix Kellerhoff in der Welt: »Entlassung von Knabe wird für Lederer zum Bumerang, Berlins linker Kultursenator will den politisch unbequemen Chef der Stiftung Berlin-Hohenschönhausen um jeden Preis loswerden. Er instrumentalisierte anonyme Vorwürfe.«
Verloren habe einerseits Knabe, aber auch sein Scharfrichter Lederer. Kellerhoff: »Ihm dürfte nur der Rücktritt bleiben, wenn tatsächlich, wie anzunehmen ist, gerichtlich die Rechtswidrigkeit seiner Vorgehensweise gegen Knabe festgestellt werden sollte. Denn einen Stiftungsverantwortlichen aufgrund von anonymen Beschuldigungen gegen eine andere Person zu entlassen, ohne ihn auch nur anzuhören, spricht dem Rechtsstaat Hohn.«
Eine nur interne Empörungswelle unter den Stasi-Forschern schließlich hatte eine als »nahezu skandalös« empfundene Personalie ausgelöst: Die Berufung der Ex-Chefin der »Bundesbeautragten für die Stasiunterlagen« (BStU), Marianne Birthler als kommissarische Knabe-Nachfolgerin. Sie hatte für Bündnis 90/Grüne 1990 in der DDR-Volkskammer gegen den »Beitritt der DDR in die die BRD« gestimmt und war in den Jahren 2011 bis 2018 eher als BStU-Verschleierungs-Expertin vor allem im Blick auf West-Stasi-und auch NS-Belastete aufgefallen. Kellerhoff aktuell: »Sie ist persönlich zwar integer, aber lässt sich von Lederer instrumentalisieren. Dabei ist sie, auch das ist kein Geheimnis, mit Knabe persönlich verfeindet. Sie hätte deshalb wegen persönlicher Befangenheit besser die ihr angetragene Aufgabe ablehnen sollen.«

Kahl und bleich habe Hubertus Knabe die Gedenkstätte verlassen, das ehemalige Stasi-Gefängnis. Grußlos, nachdem ihm sein Rauswurf bekannt gemacht wurde. Das berichtet ein Mitarbeiter, einer von bald hundert Begleitern meist mit Historiker-Examen, die Besucher-Gruppen durch die Stasi-Opfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen führen......

weiter > https://www.tichyseinblick.de/meinungen/...tus-knabe/

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