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Jugoslawien 2018
#1
Ich fand bisher nur einen Strang "Balkan 2016" mit drei Beiträgen. "Balkan" umfaßt allerdings mehr Länder und Regionen als die Länder des ehemaligen Jugoslawien. Da diese aber eine enorm wichtige Rolle in der Geopolitik spielen, war dieser Strang überfällig. Obwohl der Gemeinschaftsstaat derzeit nicht existiert, (was meiner Meinung nach historisch auf die Dauer nicht haltbar ist,) bildet das Beziehungsgeflecht der Länder untereinander und nach außen einen abgrenzbaren Gegenstand. Und da der Name übersetzt lediglich "Südslawien" heißt, plädiere ich für dessen Beibehaltung.
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#2
Aus einem RT-Deutsch-Artikel über die Gedenkveranstaltung zum 19. Jahrestag des Beginns des NATO-Angriffskriegs gegen die BR Jugoslawien:
Zitat:
Heute hat sich wieder keiner der westlichen Diplomaten die Mühe gemacht, an dieser Zeremonie teilzunehmen. Sie zeigen also keine Reue und glauben außerdem, dass sie alles richtig gemacht haben. Es sieht so aus, als wären die Serben für sie keine Menschen, aber sie lehren uns dennoch weiterhin Humanismus.
 

Das sagte der russische Botschafter.

Aus einer Umfrage:
Zitat:
Die große Mehrheit der Serben – 84 Prozent – ist gegen einen eventuellen Beitritt ihres Landes zur NATO. Dies zeigt eine erst kurz vor dem Jahrestag des Angriffs durchgeführte Umfrage. Rund 62 Prozent der Befragten würden eine Entschuldigung für die Bombardierungen seitens der Militärallianz nicht annehmen. Diese trotzige Haltung ist unter den Belgrader Bürgern (65,9 Prozent) und den 30- bis 44-Jährigen (67,3 Prozent), die während des Bombenangriffs Jugendliche oder junge Erwachsene waren, am stärksten ausgeprägt. Eine Mehrheit von 66 Prozent sagte, die NATO-Angriffe auf Jugoslawien hätten vermieden werden können.

Der ehemalige Präsident Jugoslawiens Slobodan Milošević und seine Politik werden von 17,4 Prozent der Serben als Hauptgrund für die Bombenangriffe angeführt. Am zweithäufigsten (15,2 Prozent) wurde genannt, dass die USA und die westlichen Mächte einfach ihre Interessen verfolgten. Weitere Erklärungen waren das Ziel, ethnische Serben aus dem Kosovo zu vertreiben (12,6 Prozent), und das Kosovo von Serbien abzutrennen (10,5 Prozent).

Das Belgrader Institut für Europäische Angelegenheiten befragte insgesamt 1.203 Bürger aus ganz Serbien (Kosovo und Metochien ausgeschlossen).

Offenbar sind die Begründungen, die sich im Kern um das Bestreben der NATO-Länder zur Zerschlagung Jugoslawiens drehen, stark aufgesplittert, so daß es nicht so eindeutig aussieht. Auch "Milosevic und seine Politik" ist ja wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht als Schuldzuweisung zu verstehen, sondern bringt nur zum Ausdruck, daß die NATO damit eben ein Problem hatte.

"aus ganz Serbien (Kosovo und Metochien ausgeschlossen)" - also eben doch nicht ganz Serbien, sondern gerade das Gebiet, in dem die Ablehnung der NATO am stärksten ist, wurde ausgenommen. Das hat verwaltungstechnische Gründe, ist aber Tatsache.
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#3
Zur Erinnerung daran, wie der freie Westen den Agriffskrieg gegen Jugoslawien geführt hat:

Die NATO bediente sich in diesem Krieg der Eskalationsstrategie des US-Luftkriegstheoretikers John A. Warden. Die Anwendung der Strategie verstieß gegen das Kriegsrecht und war ein Kriegsverbrechen.

Warden beschreibt einen potentiellen Feind als ein System konzentrisch angeordneter Ringe, deren strategische Relevanz von innen nach außen abnimmt. Im Zentrum befindet sich die politische und militärische Führungsspitze. Im zweiten Ring befinden sich sich Schlüsselindustrien (Stromerzeugung, Wasserversorgung, die petrochemische Industrie und der Finanzsektor), im dritten die Transportinfrastruktur, im vierten die Zivilbevölkerung und zuletzt, ganz außen, das Militär. Diese Luftkriegsdoktrin zielt bewusst auf die Zerstörung der Lebensgrundlagen eines Staates ab, die Zivilbevölkerung selbst wird zum Ziel noch vor dem Militär deklariert. Warden begründet dies wie folgt: Im Gegensatz zu Clausewitz bestehe das Wesen des Krieges nicht in der Vernichtung des feindlichen Militärs; das Wesen des Krieges bestehe darin, den Gegner davon zu überzeugen, unsere Position zu akzeptieren. Die Streitkräfte des Feindes zu bekämpfen, sei bestenfalls Mittel zum Zweck, schlimmstenfalls aber totale Zeit- und Energieverschwendung, so Warden.

Eine Strategie aber, die bewusst und vorsätzlich die Lebensgrundlagen einer Gesellschaft zerstören will, die die Zivilbevölkerung als Ziel ausgibt, verstößt eindeutig gegen das Völkerrecht.

Dass Wardens Strategie durch die NATO angewendet wurde, zeigen folgende Zahlen: Von insgesamt 10.484 (Luft)Einsätzen wurden nur 2.155 gegen militärische Ziele unmittelbar auf dem Gefechtsfeld geflogen.

Ansonsten wurden allein in Rest-Jugoslawien 200 Fabriken, 190 Schulen, 50 Brücken, fünf Zivilflughäfen sowie ungezählte Wohnhäuser und Agrarbetriebe sowie Radio- und Fernsehsender angegriffen. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai wurden durch die Bombardierung von Umspannwerken mittels spezieller Graphitbomben die Stromversorgung lahmgelegt und die Wärmekraftwerke in Obrenovac und Kostolac attackiert. Die NATO ist sogar stolz auf ihre Kriegsverbrechen wie das Statement von NATO-Pressesprecher Jamie Shea zeigt: „Die Tatsache, dass die Lichter in 70 Prozent des Landes ausgingen, zeigt, denke ich, dass die NATO jetzt in Jugoslawien ihre Finger am Lichtschalter hat, und dass wir den Strom abstellen können, wann immer wir müssen, wo immer wir wollen.“
Oder die Aussage von NATO Admiral Schmahling: „Der Plan war, Druck auf die zivile Bevölkerung Serbiens auszuüben.“

Mit einer Entschuldigung seitens der Kriegsverbrecher ist es m.E. nicht getan.

=============

Dass durch die NATO-Staaten offensichtlich gegen das Völkerrecht verstoßen wurde, zeigt ein Blich in die "Nürnberger Pronzipien", die nachfolgend im Wortlaut wiedergegeben sind. Rot markiert sind die Passagen, die beim Krieg gegen Jugoslawien m.E. unstrittig vorliegen.
   

Die normativen Grundsätze des Internationalen Rechts, wie sie nach der Satzung des Nürnberger Gerichtshofes und dessen Urteil anerkannt sind, formuliert von der "International Law Commission" der Vereinten Nationen (29. Juli 1950):

Grundsatz I. Jede Person, die eine Tat begeht, die nach dem Völkerrecht als Verbrechen bestimmt wurde, ist dafür verantwortlich und wird der Bestrafung zugeführt.

Grundsatz II. Der Umstand, dass das nationale Recht keine Strafe für eineTat vorsieht, die nach Völkerrecht als Verbrechen bestimmt ist, entlastet den Täter nicht von seiner Verantwortlichkeit nach Völkerrecht.

Grundsatz III. Der Umstand, dass der Beschuldigte eine nach Völkerrecht als Verbrechen gekennzeichnete Tat in seiner Eigenschaft als Staatschef oder verantwortliches Mitglied einer Regierung begangen hat, entlastet ihn nicht von seiner Verantwortlichkeit nach Völkerrecht.

Grundsatz IV. Der Umstand, dass eine Person nach dem Befehl ihrer Regierung oder eines Vorgesetzten gehandelt hat, entbindet sie nicht von der Verantwortlichkeit nach Völkerrecht, es sei denn, dass sie keine Möglichkeit gehabt hat, sich frei zu entscheiden.

Grundsatz V. Jede Person, die eines Verbrechens gegen das Völkerrecht beschuldigt wird, hat Anspruch auf einen fairen Prozess, und zwar in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht.

Grundsatz VI. Die nachstehend aufgeführten Verbrechen sind als Verbrechen nach dem Völkerrecht zu bestrafen:

a)Verbrechen gegen den Frieden:

(i) Das Planen, Vorbereiten, Anzetteln oder die Durchführung eines Angriffskrieges oder eines Krieges durch Verletzung internationaler Verträge, Vereinbarungen oder Versicherungen.

(ii) Die Teilnahme an einem gemeinsamen Plan oder einer Verschwörung zur Ausführung irgendeiner der unter (i) aufgeführten Taten.

b) Kriegsverbrechen:

Bruch des Rechts oder der Gebräuche des Krieges, wobei die Vergehen nicht auf Mord, Grausamkeiten oder Deportation der Zivilbevölkerung in Arbeitslager oder zu einem anderen Zweck aus dem oder in das besetzte Gebiet begrenzt sind, jedoch Mord oder Grausamkeiten an Kriegsgefangenen und Personen auf See, das Töten von Geiseln, die Plünderung von öffentlichem und privatem Eigentum, die mutwillige Zerstörung von Großstädten, Städten oder Dörfern oder deren Verwüstung, die nicht durch militärische Notwendigkeit gerechtfertigt ist, einschließen.

c) Verbrechen gegen die Menschlichkeit:

Mord, Ausrottung, Versklavung, Verschleppung und andere unmenschliche Taten, die sich gegen die Zivilbevölkerung richten, sowie die Verfolgung aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen, wenn die Taten in Ausführung von oder in Verbindung mit Verbrechen gegen den Frieden oder Kriegsverbrechen begangen werden.

Grundsatz VII. Die Mittäterschaft bei der Ausführung eines Verbrechens gegen den Frieden, eines Kriegsverbrechens oder eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, wie in Grundsatz VI niedergelegt, ist ein Verbrechen nach Völkerrecht.
Ihr wisst schon genug.
Ich auch.
Nicht an Wissen mangelt es uns.
Was fehlt, ist der Mut, begreifen zu wollen, was wir wissen und daraus die Konsequenzen zu ziehen.
Sven Lindqvist
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#4
(08.04.2018, 15:42)Jens Niestroj schrieb: Warden begründet dies wie folgt: Im Gegensatz zu Clausewitz bestehe das Wesen des Krieges nicht in der Vernichtung des feindlichen Militärs; das Wesen des Krieges bestehe darin, den Gegner davon zu überzeugen, unsere Position zu akzeptieren. Die Streitkräfte des Feindes zu bekämpfen, sei bestenfalls Mittel zum Zweck, schlimmstenfalls aber totale Zeit- und Energieverschwendung, so Warden.

Und damit unterliegt er demselben Irrtum wie schon Hitler und Churchill: Noch in keiner kriegerischen Auseinandersetzung haben Angriffe auf die Zivilbevölkerung zu einer Demoralisierung derselben geführt, sondern viel eher zu einem Zusammenstehen gegen den äußeren Feind.
                                                                                     
"To vouch this is no proof" - Shakespeare: Othello
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#5
2019 is declared a NATO year in Kosovo

https://www.president-ksgov.net/en/news/...-in-kosovo

President of the Republic of Kosovo, Hashim Thaçi, declared the 2019 to be the NATO year in Kosovo.

This year marks the 20th anniversary of the NATO humanitarian intervention on Kosovo, intervention which took place after the massacres, ethnic cleansing and crimes perpetrated by the Serbian forces upon the civilian population in Kosovo , and after the failure of the global diplomatic engagements in finding of a peaceful solution for Kosovo.

On March 24th, 1999, NATO Air Force commenced the bombing campaign against targets within the Serbian state, which lasted for 78 days and which halted the genocide and brought Kosovo its freedom.

People of Kosovo will remain eternally grateful to the NATO member states for their support.
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