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Berlin-Lichtenberg: die September-Übung
#1
Ursprünglich wollte ich das alles nur in die allgemeine Diskussion stellen, aber sowohl die Fotos als auch die Texte bieten Diskussionsstoff speziell zum Thema Übung. Weckrieden macht es ja bzgl. der Amok-Übungen und Winnenden auch immer so, uns darauf aufmerksam zu machen.

Also:

Bahnhof Lichtenberg - Terror-Übung für den Ernstfall

Zitat:Sie nennen es "Schulungen zu komplexen lebensbedrohlichen Einsatzlagen": Einheiten der Bundespolizei haben gestern am Berliner Bahnhof Lichtenberg denkbare Anschlagsszenarien nachgestellt. Das Ziel: Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Einsatzkräfte stärken und Opfer aus der Gefahrenzone bringen.
Von Daniela Siebert
Nie wieder wird Berlin so fürsorgliche Attentäter erleben, wie gestern Nachmittag am Bahnhof Lichtenberg. Alle Teilnehmer der Übung auf einem Bahnsteig trugen Ohrstöpsel. Auch die 20 Journalisten, die das Spektakel aus einem Zug auf dem Nachbargleis beobachten durften, bekamen Gehörschutz gereicht. Und das war gut so, denn es wurde richtig laut.
Das Szenario der Übung: Auf einem Bahnsteig warten Dutzende Reisende mit leichtem Handgepäck. Daneben steht ein Zug mit geöffneten Türen, ein doppelstöckiger Regionalexpress, in dem ebenfalls Passagiere sind. Plötzlich nähern sich von einem Bahnsteigende zwei vermummte Männer, die mit automatischen Waffen um sich schießen. Innerhalb kürzester Zeit rennen die wartenden Menschen durcheinander. Manche springen ins Gleisbett und kauern sich dort schutzsuchend an die Wand. Andere ducken sich hinter Mülleimer und Sitzbänke. Die Attentäter laufen weiter über den Bahnsteig, sie schießen und werfen Nebelbomben, die die Sicht reduzieren. Erste Opfer liegen auf dem Boden. Tot oder verletzt, mit blutigen Gesichtern, Händen, Beinen. Einer Frau hängt sogar das Gedärm aus dem Bauch.
Nachdem sie noch einzelne Menschen mit gezielten Schüssen getötet und die anderen mit laut knallenden Granaten in Angst und Schrecken versetzt haben, verschwinden die Attentäter aus dem Blickfeld. Eine gefühlte Ewigkeit später, in Wirklichkeit aber nur wenige Minuten danach, betreten die "Retter" in grünen beziehungsweise grauen Uniformen die Szene: in voller Kampfmontur mit Helm und Gewehren im Anschlag martialisch aussehende Einheiten der GSG9 und der Einheit BFE+, die auf Beweissicherung und Festnahmen spezialisiert ist.
"Es ist so, dass wir seit letztem Jahr begonnen haben, Schulungen zu komplexen lebensbedrohlichen Einsatzlagen durchzuführen, das heißt dass wir unsere Kolleginnen und Kollegen entsprechend vorbereiten auf solche Szenarien, wo wir denen Handlungssicherheit geben wollen und eine Übung wie heute hier an einem realen Bahnhof, der normal im Wirkbetrieb ist, bietet uns die Möglichkeit, auszutesten: Wie gut sind unsere Konzeptionen?", erklärt Jens Schobranski, der Pressesprecher der Bundespolizei.
Echte Attentatsszenarien als Vorbild
Den ganzen Nachmittag über wurden auf dem abgesperrten Bahnsteig verschiedene aufeinanderfolgende und auch eskalierende Szenarien von Attentaten durchgespielt. Selbstmordattentate oder auch in der Öffentlichkeit deponierte Sprengsätze, wie etwa beim Boston-Marathon 2013 oder zuletzt in der Londoner U-Bahn, kamen dabei nicht vor. Die Regie der Übungen orientierte sich eher an den vielen zeitgleichen Angriffen 2008 in Mumbai.
"Wir haben hier versucht, ein Übungsszenario herzustellen, bei dem mehrere Angreifer zunächst in dem Tunnelbereich des Bahnhofes beginnen, wahllos auf Passanten und Nutzer der Bahn zu schießen, Explosivmittel umzusetzen, wurden dann in der ersten Phase durch Streifen- und Kontrollbeamte begegnet, die halt versucht haben, die Täter zurückzudrängen oder zu neutralisieren und das ging dann weiter, dass wir gesagt haben: Wir wollen sehen, dass von der Erstintervention durch normale Streifenkontrollbeamte bis zum Eingreifen von speziell ausgebildeten Kräften, wie läuft hier auch dieses Zusammenwirken der unterschiedlichen Bundespolizeikräfte?"
All die Zivilisten, die bei der Übung auf dem Bahnsteig angegriffen wurden, sind in Wahrheit Polizeischüler. Mit Schminke und teils blutrot gefärbter Kleidung wirkten sie teilweise wie echte Opfer, jedenfalls schauspielerten sie nach Kräften.
"Wir brauchen Hilfe!"
Trotz dieses Engagements wirkte die Panik, die sie nach den ersten Schüssen der Attentäter auf dem Bahnsteig inszenierten, nicht überzeugend. Doch im Ernstfall könnte gerade die unberechenbare und kopflose Panik von Menschen ein entscheidender Faktor für den Ausgang des Geschehens sein, das ist auch der Bundespolizei bewusst. Jens Schobranski:
"Ich denke schon, dass in der Realität, das anders aussieht, dass gegebenenfalls andere Panikattacken auch durch die einzelnen Betroffenen gezeigt werden, hier ist es eine entsprechende Übungskünstlichkeit, die man sicherlich bei so einer Auswertung auch berücksichtigen muss, aber wir sind trotzdem zufrieden, dass es so durchgeführt werden konnte."
undefinedLernen für den Ernstfall: Möglichst schnell soll die Situation unter Kontrolle gebracht werden. (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen)
Auf dem Bahnsteig in Lichtenberg brauchten die Einsatzkräfte nach ihrem Eintreffen rund eine halben Stunde, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Alle Opfer und Unschuldigen wurden überprüft und dann gemeinsam sitzend entlang eines Geländers platziert. Die Verletzten versorgten sie mit erster Hilfe, etwa einem Verband um den Kopf oder einer Rettungsdecke.
Die Kollegen sollen lernen
Leiter der Übung ist Sven Jahn von der Bundespolizei-Akademie in Lübeck. Er zeigte sich im Anschluss voll und ganz zufrieden.
"Stressresistenz, trotzdem aber funktionieren als Schutzmann, als Schutzfrau, das war hier heute ein Übungsziel, das zu überprüfen, und das hat mit Masse gut geklappt. Insbesondere weil wir ja mehrere Durchgänge gemacht haben, also auch da methodisch-didaktisch letztendlich schon Lernerfolge bei den Kolleginnen und Kollegen erzeugen konnten und das ist ja auch eine Form der Motivation."
Andere Bahnhofsnutzer in Lichtenberg haben von der aufwändigen Übung nur wenig mitbekommen. Zwar gab es auf den anderen Bahnsteigen Anzeigen und Durchsagen, die auf die Übung der Bundespolizei hinwiesen. Doch vielen war das trotzdem entgangen. Zumal ein Zug die Sicht auf den Bahnsteig blockierte, wo das ganze vor sich ging. Einige wenige Passanten waren zwar voll informiert, zeigten sich aber gelassen. So wie diese Dame:
"Ja ich habs gelesen, dass heute der Bahnhof gesperrt ist, die Ferngleise, bis 18 Uhr, und alles andere das ist ja alles verhangen da unten, man darf nichts sehen. – Was halten Sie davon? – Ich find's gut. Passiert viel zu viel."
Für Berlin gingen die gestrigen Übungsanschläge glimpflich aus. Alle Darsteller marschierten anschließend im Gleichschritt vom Bahnsteig zurück in die Polizeischule und auch die insgesamt drei Attentäter waren am Ende "neutralisiert", wie es der Polizeisprecher ausdrückte. Zu deutsch:
"Das heißt, dass die den heutigen Tag nicht überlebt haben. – Das heißt man kann sie auch nicht mehr befragen? – Nein."
http://www.deutschlandfunk.de/bahnhof-lichtenberg-terror-uebung-fuer-den-ernstfall

http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-lichtenberg-bahnhof-fuer-anti-terror-uebung-gesperrt
Man beachte z.B. im DLF-Text die Einladung der Pressevertreter. Oder das Abstellen eines ganzen Zuges als Sichtschutz - vgl. die mögliche Funktion des BVG-Busses  (neben der des Dummie-Transports)


EDIT Rantanplan: Links repariert
"Der Weg der Tugend ist recht schmal. Und dennoch herrscht überhaupt kein Gedränge."
(Hermine Hauß, Großtante)
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#2
""Stressresistenz, trotzdem aber funktionieren als Schutzmann, als Schutzfrau, das war hier heute ein Übungsziel, das zu überprüfen, und das hat mit Masse gut geklappt."
d.h. die Übung ist gut gelaufen, neue Erkenntnisse für den Breitscheidplatz bringen sie nicht.
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#3
(26.09.2017, 18:12)A.Hauß schrieb: Ursprünglich wollte ich das alles nur in die allgemeine Diskussion stellen, aber sowohl die Fotos als auch die Texte bieten Diskussionsstoff speziell zum Thema Übung. Weckrieden macht es ja bzgl. der Amok-Übungen und Winnenden auch immer so, uns darauf aufmerksam zu machen.

Es ist interessant dass die Berliner Antiterrorübung sich an die "zeitgleichen Angriffen 2008 in Mumbai" orientierte.  Warum interessant? Weil ich die vollständigste kritische Studie über die Mumbai Anschläge publizierte, die es gibt. Diese erschien in Januar dieses Jahres in Indien als Buch mit dem Titel "The Betrayal of India: Revisiting the 26/11 [Mumbai] evidence" (Pharos Media, New Delhi, 2017, 904 Seiten). Die Mumbai Anschläge waren wahrscheinlich eine gemeinsame Operation der indischen Spezialkräfte (NSG), der indischen Geheimdiensten (IB), der Mumbai Polizei und des US-amerikanischen FBI. Auch Scotland Yard mag mitgemischt haben. Insofern ist der Berliner Hinweis auf Mumbai spannend. Man kann sich  vorstellen, dass die Drahtzieher und Planer der Mumbai Operation auch in Berlin als Ratgeber agierten. Mein Buch ist nur auf Amazon Indien erhältlich. Interessenten können aber ein Exemplar bei mir für 30€ erhalten (eliasdav@t-online.de).
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#4
Hier noch ein Artikel dazu:
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/po...l-28486344

und ein Hinweis: Lichtenberg ist der Berliner Bezirk, aus dem Senator Geisel, der Innensenator und somit der Dienstherr der eingesetzten Polizisten stammt.
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#5
Innensenator Geisel entschuldigt sich für einen "Schnitzer"....
versehentlich hatte er seinen Parteikollegen beruhigt, indem er eine nicht mehr aktuelle Aufstockung der Polizei wahrheitswidrig bestätigte


https://www.bz-berlin.de/landespolitik/i...e-auskunft

[Bild: 6001e472f7d_1551350345-768x432.jpg]

Falsche Antwort wegen zu vieler Anfragen?
Die Zahl der schriftlichen Anfragen von Politikern an Innensenator Andreas Geisel (53, SPD) und seine Verwaltung hat sich verdreifacht.
In einer Auskunft tauchte ein grober Schnitzer auf.
Geisel erklärte jetzt, warum: Weil nicht mehr jede Antwort bis zum Ende gelesen werden kann.

„Ich muss mich an der Stelle nochmal offiziell entschuldigen“, so Geisel zu den Innenpolitikern am Montag im Innenausschuss.
Auf eine schriftliche Anfrage seines Parteigenossen Tom Schreiber (40) habe er im Dezember geantwortet, dass man plane, drei zusätzliche Polizeihundertschaften aufzubauen – eine Idee, die bei der Beantwortung längst verworfen worden war.
Geisel: „Da wir in meiner Abteilung 3 meiner Verwaltung fast 1000 Anfragen pro Jahr beantworten …“
Der Senator hielt kurz inne und begann erneut:
„Also, ich sag es mal so, sie haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die sind alle fleißig und stellen Anfragen. Das führt dazu, dass sich die Zahl der Anfragen nahezu verdreifacht hat.“


FDP-Innen-Experte Marcel Luthe (42) zur B.Z.: „Senator Geisel könnte auch gleich Anfragen korrekt und genau beantworten. Dann spart er sich die vielen Nachfragen. Abgeordnete sind seiner Meinung nach also dumm und frech – dumm, weil sie dem Senat Verantwortung geben und frech, weil sie wissen wollen, was er damit macht.“

Polizeipräsidentin Barbara Slowik pflichtete ihrem Chef, dem Innensenator, bei. Vor allem im Zusammenhang mit der geplanten Neuausrichtung in ihrer Behörde, verteidigte sie die Anzahl der Stabsmitarbeiter. „Controlling-Berichte sind ein Kontrollrecht des Parlaments, aber es betrifft nicht nur die Senatsverwaltung für Inneres, es betrifft massiv die Polizei, diese Steigerung der schriftlichen Fragen, das ist Kontrollrecht des Parlaments, gar keine Frage, aber dafür brauchen wir auch Stäbe – das ist so.“
Denn nicht der Kollege, der auf dem Funkwagen sitzt, beantworte die vielen Anfragen der Politiker. Slowik: „Genau dafür brauchen wir auch Stäbe und genau diese Fragen müssen über die Direktionen hinweg koordiniert werden, abgestimmt werden. Und der Stab, so wie er jetzt aufgestellt ist, ist dafür nicht mehr tauglich.“
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#6
Ich hoffe, der Strang hier passt auch zu Folgendem.
Mir war bisher der 31 Std dauernde Stromausfall in Berlin entgangen.

Sabotage oder Übung für den Ernstfall?

http://mediathek.daserste.de/Kontraste/3...d=60719352



31 Stunden Blackout Berlin
28.02.2019 | 6 Min. | Verfügbar bis 28.02.2020 | Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg
VIDEO konnte nicht eingestellt werden, also auf der Seite anschauen.
[url=http://mediathek.daserste.de/Kontraste/31-Stunden-Blackout-Berlin/Video?bcastId=431796&documentId=60719352#][/url]


Es war der größte Stromausfall seit Jahrzehnten in Berlin. Betroffen waren 31000 Haushalte - über 31 Stunden. KONTRASTE-Reporter waren unterwegs, um herauszufinden, was das mit Menschen macht: in einem 11-stöckigen Hochhaus, einem Einfamilienhaus, bei der Feuerwehr im Brandeinsatz und in einer Klinik, die bis auf die Intensivstation zeitweise im Stockdunkeln lag.
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#7
(11.03.2019, 16:02)Adelheid schrieb: Sabotage oder Übung für den Ernstfall?

@Adelheid: Es reicht!

Du wurdest mehrfach darauf hingewiesen, dass dieses Forum zitierfähig sein und bleiben soll. Es gibt genügend wirkliche "Aufreger" - ein bei Bauarbeiten beschädigtes Kabel gehört NICHT dazu!

Allerletzte Warnung!

https://www.morgenpost.de/bezirke/trepto...-Netz.html
Zitat:Bei einer Bohrung bei Bauarbeiten an der gesperrten Salvador-Allende-Brücke war neben dem Hauptkabel auch das Ersatzkabel beschädigt worden. Die verantwortliche Firma habe sich vorab nicht über deren Verlauf informiert, sagte die Sprecherin.

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/20...twoch.html
Zitat:- Ursache für den Ausfall waren Bauarbeiten an der Salvador-Allende-Brücke, bei denen eine wichtige Stromleitung sowie die Ersatzleitung zerstört wurden.

https://www.handelsblatt.com/politik/deu...rnyVyM-ap3
Zitat:nachdem bei Bauarbeiten neben dem Hauptkabel auch das Ersatzkabel beschädigt worden war.
[Bild: 2-format2020.jpg]
                                                        
"Die Menschen verwechselten Messungen mit Verstehen. Und sie mußten sich immer in den Mittelpunkt allen Geschehens stellen. Das war ihr größter Dünkel. Die Erde erwärmt sich – es muß unsere Schuld sein! Der Berg vernichtet uns – wir haben die Götter nicht besänftigt! Es regnet zu viel, es regnet zu wenig – es ist tröstlich zu glauben, daß diese Dinge irgendwie mit unserem Verhalten zusammenhängen, daß, wenn wir nur ein bißchen besser, ein bißchen bescheidener lebten, unsere Tugenden belohnt würden." - Robert Harris "Pompeji" (2003)

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