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ARD-aktuell über den „war on terror“ in Syrien und im Irak
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ARD-aktuell über den „war on terror“ in Syrien und im Irak
Datum: 1. Mai 2017 um 20:54:36 MESZ
An: "NDR RR VWR" <gremienbuero@ndr.de>, l.marmor@ndr.de

 
Sehr geehrte NDR Rundfunkräte, sehr geehrter Herr Intendant Marmor,
vorab möchten wir an folgendes erinnern: Unbeschadet der ARD-internen Regelungen über die „Zuständigkeit“ der jeweiligen Anstalten für anfallende Programmbeschwerden: Für die Sendungen der ARD-aktuell trägt der Intendant des NDR die Gesamtverantwortung. Beschwerden über tendenziöse Berichterstattung dieser Redaktion aufgrund sowohl regierungshörigen als auch transatlantischen Rollenverständnisses der ARD-aktuell-Redaktionsleitung sind bisher stets auch von den Chefs der anderen Sender und meist in der typischen unübertrefflichen ARD-Selbstherrlichkeit abschlägig beschieden worden, wobei die Faktenlage keine Rolle spielte.
Wir haben nach wie vor Bedenken an Ihrer Verfahrensweise, da die Programmverantwortung nicht teilbar ist. Nach der redaktionellen Entscheidung von ARD-aktuell, einen Beitrag zu senden und dann zu argumentieren, man sei gar nicht verantwortlich für den Beitrag, kann nicht richtig sein. Im Zweifel sind die entsprechenden Regelungen im Rundfunkstaatsvertrag nach unserer Auffassung unwirksam.
Unserer neuen Programmbeschwerde liegt eine ausgezeichnete Analyse des Herausgebers des „Spiegelkabinett“ zugrunde, auf die wir vollinhaltlich als Begründung Bezug nehmen,
 
http://spiegelkabinett-blog.blogspot.de
 
Zu Ihrer Übersicht: die Kritik bezieht sich auf folgende Sendungen:
 
http://www.tagesschau.de/multimedia/send...-4913.html
 
http://www.tagesschau.de/multimedia/send...-4635.html
 
http://www.tagesschau.de/multimedia/send...-4913.html
 
http://www.tagesschau.de/multimedia/send...17347.html
 
http://www.tagesschau.de/multimedia/send...-5175.html
 
http://www.tagesschau.de/multimedia/send...19377.html
 
 
1.Die Beiträge verstoßen jeweils gegen die Verpflichtung zur Objektivität und Unparteilichkeit., gegen die Pflicht zur umfassenden und wahrheitsgetreuen Berichterstattung, gegen die Pflicht, anerkannte journalistische Grundsätze zu berücksichtigen.
 
2.Gegen den Rundfunkrat insgesamt erheben wir Beschwerde, weil er seiner Verpflichtung nach § 18 NDRStV in der Syrienberichterstattung nicht nachkommt.
 
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer
 
 
 
Es ist die Sprache die entscheidet - Ein Vergleich der Berichte von ARD-Korrespondent Volcker Schwenck über Mossul und Aleppo
Es war wohl dem Umstand des Besuchs des deutschen Aussenministers Gabriel im Irak geschuldet, dass die ARD-Aktuell Redaktion das Land und den Kampf der Anti-IS-Koalition um die Stadt Mossul neu für sich entdeckte. Der Besuch Gabriels selbst gab nicht her. Denn der tat das, was deutsche Minister immer tun, wenn sie denn im Ausland unterwegs sind: Er erteilte gute Ratschläge und erzählte den „dummen“ Irakern, wie sie ihr Land zu regieren hätten und wie sie es wirtschaftlich organisieren müssten.
In der Tagesschau am 19. April zitierte Sabine Rau den Herrn Minister:
„Gabriel hat hier deutlich gemacht, dass der Irak als große Ölnation für den Wiederaufbau mehr tun müsse. Deutschland könne weder mehr finanzielle, noch militärische Hilfe leisten. Trotz der erkennbaren Sorge, dass der Kampf gegen den Terror des IS hier noch lange nicht gewonnen ist.“
Eine Neuigkeit hatte der deutsche Aussenminister dann einen Tag später, am 20. April wiederum in der Tagesschau, zu verkünden. Tagesschausprecherin Judith Rakers zitierte Gabriel:
„Die Peschmerga verteidigten mit ihrem Kampf gegen den islamischen Staat auch die Sicherheit Deutschlands“
Der deutsche Michel hört und staunt. War er doch seitdem der damalige Verteidigungsminister Peter Struck im Dezember 2002, den in Hinsicht auf den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, sich zunehmend widerspenstig und ablehnend gebenden Deutschen erklärt hatte:
„Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“,
davon ausgegangen, dass er seine Sicherheit dem deutschen Engagement im Krieg in Afghanistan zu verdanken hat. Nun also nicht mehr der Afghanische Hindukusch, sondern das Gebiet der Kurden im Irak.
 
Mossul, das ist ein heisses Eisen im deutschen Fernsehen und den Titeln der schreibenden Zunft. Einerseits wird dort mit deutscher Hilfe der IS militärisch bekämpft, und wie man jetzt aus berufenem Mund und von allerhöchster Stelle erfahren konnte die „Sicherheit Deutschlands“ verteidigt – andererseits schiesst dort die Koalition auch nicht mit Wattebäuschen. Krieg, zumal wenn es sich dabei um einen, wie es immer so schön verharmlosend umschrieben wird, einen asymmetrischen Krieg, also in gutem Deutsch einen Krieg ohne Regeln, ohne Rücksicht auf die Genfer oder irgendeine andere Konvention, handelt. Ein Krieg also, in dem die Menschenrechte absolut keine Rolle spielen.
 
In so einem Krieg gibt es viele zivile Opfer: Tote, Flüchtlinge und Vertriebene. Es gibt Geiselnahmen. Kämpfer verstecken sich hinter Frauen und Kindern, nutzen Wohngebiete als Aufmarschgebiete und Wohnhäuser als Hinterhalt für Scharfschützen oder funktionieren Schulen und Krankenhäuser zu militärischen Stellungen oder Gefechtsständen um.
 
Tote Frauen und Kinder, von Bomben zerstörte Wohnviertel, bombardierte Schulen und Krankenhäuser – das, so hat man wohl in unseren Qualitätsmedien stillschweigend beschlossen, will man seinen Lesern, Zuschauern und Zuhörern nicht zumuten. Jedenfalls nicht, wenn die todbringenden Bomben aus den Schächten westlicher Flugzeuge fallen und wenn die Artilleriegranaten, die ganze Wohnviertel in Schutt und Asche legen, von westlichen Haubitzen abgeschossen wurden.
 
Nun reist aber der deutsche Aussenminister in den Irak. Und der erwartet, besonders zu einer Zeit, in der der Bundestagswahlkampf in Fahrt kommt, dass ihm in der veröffentlichten Meinung, seine ihm zustehende Sendezeit und seine Zeitungsspalten in gebührender Form, Länge und Breite zugestanden werden. Das wiederum bringt die Zunft der Hofberichterstatter in arge Bedrängnis. Berichtet man aus einem Land, dass seit 2003 immer wieder von den verschiedensten Heuschreckenschwärmen heimgesucht wird, angefangen bei den Freiheit und Demokratie bringenden US-Kriegern bis hin zu den Kopfabschneidern des Islamischen Staates, so kommt man nicht umhin auch über den Kampf um die Stadt Mossul zu berichten.
In der ARD erinnerte man sich in dieser heiklen Situation an jemanden, der - vulgär gesprochen – aus einem Furz einen Donnerschlag machen kann und aus einem Donnerschlag ein laues, wohl riechendes Lüftchen: Volker Schwenck, aus dem ARD-Studio in Kairo, musste seinen bequemen Aussichtsplatz, einen Balkon über den Dächern Kairos mit unmittelbarem Nilblick räumen und sich in den ungemütlichen, von schweren Krisen geschüttelten Irak begeben, und die Welt seines obersten Chefs, Dr. Kai Gniffke wieder zurechtrücken.
 
Schwenck, der des öfteren von seinem, oben erwähnten Balkon in Kairo aus, die Grausamkeit und abgrundtiefe Menschenverachtung des syrischen Präsidenten Assad und dessen in tiefer Männerfreundschaft verbundenen russischen Autokraten Putin, in die deutschen Wohnzimmer getragen hatte, ohne auch nur ansatzweise zu wissen wovon er sprach ( seine Zeugen waren ausnahmslos, von ihm Aktivisten benannte Kopfabschneider aus Aleppo). Dieser Mann war genau der richtige für die Aufgabe, den um nichts weniger grausam ausgetragenen Kampf um Mossul wie den um das syrische Aleppo im letzten Jahr, als ein heroisch ausgetragenes Ringen um die Freiheit und die dabei unvermeidlichen Schäden an Leib und Leben der Bevölkerung, bestenfalls als ein notwendiges unvermeidliches, höchst bedauerliches Übel zu schildern.
 
Das Erlebnis der Schwenckschen Bemühungen konnte die deutsche Öffentlichkeit am 19. April in der ARD-Tagesschau um 20:00 Uhr und später am Abend des gleichen Tages noch einmal in etwas abgeänderter Form und um einige Szenen erweitert, in den ARD-Tagesthemen um 22:15 bewundern.
Linda Zervakis moderiert an:
„Seit einem halben Jahr versuchen irakische Streitkräfte die Stadt Mossul vollständig von der IS-Terrormiliz IS zurückzuerobern“, 
und versorgt die Zuschauer mit ein paar unpräzisen Fakten:
„Tausende sind durch die Kämpfe getötet worden, hunderttausende wurden in die Flucht getrieben.“
Genaues mag man der versammelten Fernsehgemeinde wohl nicht zumuten.
 
Die „taz“ veröffentlichte am 27. März ein Interview mit dem Direktor der britischen NGO „airways.org“, Cris Woods, indem dieser die Todesopfer durch Luftangriffe in Mossul benennt:
„Im März haben wir mehr als 110 Fälle dokumentiert, in denen die Koalition Zivilisten getötet haben soll. Allein bis zum Wochenende (also bis zum 24. des Monats) sollen mindestens 1.300 Zivilisten durch die Koalition getötet worden sein“,
und er fügt hinzu, diese Daten seien
„vergleichbar mit der Zahl der Opfer durch russische Aktionen.“
Nur für's Protokoll: Also die Opferzahlen in Mossul sind vergleichbar mit denen, die es im Kampf des „Schlächters“ Assad und seines Beschützers, dem „Gott-steh-uns-bei“ Putin gegen die Kopfabschneider in Aleppo gegeben hat!
 
Am 18 April veröffentlichte die „OCHA“, das „Amt für die Koordinierung Humanitärer Aufgaben“ der UN die neuesten Flüchtlingszahlen aus Mossul:
„...Jetzt sind es bereits etwa 493.000 Menschen, die alles zurücklassen mussten“, 
sagte die OCHA-Koordinatorin für den Irak Lise Grande und sie fügte hinzu, dass sich noch immer ca. 500.000 Menschen im vom IS kontrollierten Westen Mossuls befänden.
 
In der Form eines Kriegsberichterstatters aber mit dem getragenen Timbre eines professionellen Redners bei einer Trauerfeier beginnt Schwenck seinen Bericht:
„Rauch über West-Mossul“,
um dann mit einem Heldenepos, vergleichbar mit denen der deutschen Wochenschauen in Weltkrieg zwei, fortzufahren:
„Mühsam kämpfen sich die irakischen Sicherheitskräfte vor“,
bevor er uns die Mühsal und die Gefahr in der die edlen Recken sich befinden, mit wenigen präzisen Worten zu schildert:
„Es ist ein Krieg der Scharfschützen geworden, ein Kampf um jedes Haus.“
aber der Sieg der Aufrechten ist nicht mehr fern.
„Seit Ende Januar drängen Spezialeinheiten der Irakischen Armee und der Polizei die Terrormiliz IS immer weiter zurück.“
Und das freut uns, denn schliesslich wissen wir ja, zumindest seit unser Aussenminister uns diesen Umstand so plastisch und mit Hilfe der Tagesschau vor Augen geführt hat, dass der
„...Kampf gegen den islamischen Staat auch die Sicherheit Deutschlands“
sichert. Wie zur Bestätigung unseres neuen Gefühls von Sicherheit und Geborgenheit lässt Schwenck einen irakischen Polizisten zu uns sprechen:
„Es ist schwierig in den engen Strassen sagt ein Polizist. Überall verschanzt sich der IS. Aber wir haben die Lage im Griff.“
Wir lehnen uns zurück und dämmern hinüber in einen entspannten und ruhigen Schlaf: „Lieb Vaterland magst ruhig sein“
Wie anders klang da noch unser Kriegsberichterstatter vor ziemlich genau vier Monaten. Diesmal hieß die belagerte Stadt Aleppo und die Guten waren nicht etwa wie bei Mossul die Belagerer, die Befreier, sondern die Guten waren die eingeschlossenen, die Kopfabschneider der Al-Nusra Front und ihre Spießgesellen, die Schwenck liebevoll „militärische Opposition“ oder auch einfach „Aktivisten“ nannte. Die Bösen waren der „Schlächter“ Assad und sein russischer Beschützer Putin.
 
In der Tagesschau vom 10. Dezember 2016 entrüstete sich der damalige US-amerikanische Aussenminister John Kerry:
„Die rücksichtslosen Bombardierungen des Regimes, die gegen das Kriegsrecht verstossen und in vielen Fällen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind, müssen enden.“
Zuvor hatte Schwenck aus seinem Studio in Kairo über die Lage in Aleppo berichtet. Dieses Mal macht die Anmoderation aus der Zentrale in Hamburg Judith Rakers. Der Ton ist weit weniger kriegerisch als am 19. April. Der Ton gleicht eher den Wochenschauen kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges, als die Rote Armee auf Berlin vorrückte. Der Feind droht von aussen:
„Im Krieg in Syrien rückt ein Sieg der Regierungstruppen im Kampf um Aleppo offenbar immer näher. Angesichts der heftigen Gefechte und Luftangriffe spitzt sich die Lage für die Menschen im Ostteil der Stadt weiter zu. Ihnen fehlt es an Trinkwasser Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Immer mehr Bewohner fliehen.“
Die Aufmerksamkeit wird dieses Mal nicht auf die handelnden Personen gelenkt auf die kämpfenden, die Zurückeroberer, sondern auf die Zivilbevölkerung, die den Krieg erleidet. Nicht die Zuversicht des kommenden Sieges ist Thema, sondern das Leid, das die Bevölkerung der Stadt zu ertragen hat. Die Sicht der Zuschauer ist eine völlig andere als die heute auf die Eroberung Mossuls, obwohl die Lage der Zivilbevölkerung in Mossul durchaus vergleichbar mit den Einwohnern Ost-Aleppos damals im Dezember 2016 ist.(s. Vergleichbarkeit der Opferzahlen)
Nahtlos übernimmt Volker Schwenck:
„Heftige Bombenangriffe auf die Gebiete Ost-Aleppos in denen sich die bewaffnete Opposition noch halten kann.“
Anstatt die islamistischen Gruppen, an ihrer Spitze der Al-Quaida-Ableger, die Al Nusra-Front benutzt Schwenck die verharmlosende Umschreibung „bewaffnete Opposition“. Er suggeriert, ein paar, oppositionell zur Regierung Assads stehende Syrer ,hätten sich zu ihrem eigenen Schutz bewaffnet. Nicht einmal über eine Benutzung dieser Waffen gibt seine Umschreibung Auskunft. So entsteht das Bild einer wehrlosen, harmlosen Gruppe politisch Andersdenkender, die dazu noch von der Regierung und ihren Alliierten brutal bombardiert (heftige Bombenangriffe) werden. Ihre Ausrichtung so will Schwenck die Welt glauben machen, sei rein defensiv (noch halten kann). Er verschweigt, dass es die Islamisten waren, die 2012 Aleppo unter dem Gebrauch von schweren Waffen und der Anwendung roher Gewalt erobert und damit die Gewalt in die Stadt getragen haben.
 
Weiter berichtet Schwenck, dass nach russischen Angaben 20.000 Menschen aus Ost-Aleppo geflohen seien und 1.200, Schwenck nennt sie in Verkennung ihrer wahren Absichten und Handlungen „oppositionelle Kämpfer“ die Waffen niedergelegt hätten, bezweifelt diese Angaben aber indem er einwendet:
„Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht“.
Und nun wird es peinlich für Schwenck, aber vor allen Dingen für ARD-Aktuell. Nun werden nämlich aus den Kopfabschneidern, den Mördern, Vergewaltigern und Geiselnehmern völlig friedfertige, unbewaffnete „Oppositionsaktivisten“, die noch dazu die Russen der Lüge bezichtigen und von Gräueltaten der Regierungstruppen zu berichten wissen:
„Oppositionsaktivisten behaupten, nur wenige Menschen würden die Rebellengebiete verlassen. Viele seien bei der Flucht getötet worden.“
Schwenck entblödet sich nicht, Terroristen die von den USA, wenn sie denn nicht gerade in Aleppo für die Freiheit der syrischen Bevölkerung kämpfen, sondern sich im Sudan, im Jemen oder in Afghanistan aufhalten, mithilfe von Drohnen mitsamt ihren Familien und völlig unbeteiligten, rein zufällig anwesenden, unschuldigen Menschen in ihre elementarsten Bestandteile zerbombt werden, als friedfertigen Aktivisten zu bezeichnen.
 
Wie anders doch seine Berichterstattung aus West-Mossul. Schwenck hat seinen bequemen Balkon in Kairo verlassen und besucht als embedded Journalist die vom IS befreiten Gebiete Mossuls. Das bedeutet allerdings nicht, dass seine Berichterstattung deswegen an Glaubwürdigkeit gewonnen hätte. Hat er doch von Kairo aus ausschliesslich Propagandamaterial der Kopfabschneider verwand, immer wieder tauchen in der oberen linken Ecke des Bildschirms das Zeichen Smart oder AMC auf.
Beide Institutionen werden überwiegend vom CFI finanziert. Das CFI ist eine dem französischen Aussenministerium unterstellte Kooperationsagentur und Medienbetreiber. 
 
Frankreich ist aber nicht nur ein aktiver Kriegsteilnehmer. Es betrachtet das Syrien seit dem Sykes-Picot-Abkommen im Jahr 1916, dass das damalige türkische Reich zwischen Frankreich und Grossbritannien aufteilte als seine Einflusssphäre. 
 
Vom AMC stammt auch das Bild des kleinen Omran Dacqneesh, dem kleinen staubbedeckten Jungen, der apathisch auf dem Sitz eines Rettungswagen sitzt. Das Bild wurde weltweit zum Sinnbild für das Grauen der Bombardierung Ost-Aleppos. Später stellte sich dann heraus, dass das Bild von dem Fotografen Mahmoud Raslan stammte, der sich auf einem anderen Bild fröhlich lachend mit Kämpfern der Islamistengruppe Harakat Nour al-Din al-Zenki zeigte, einer dieser Gruppen, die Schwenck zu „Oppositionsaktivisten“ macht, die kurz zuvor den 12-jährigen Jungen Abdullah Issa vor laufenden Kameras enthauptet hatten.
 
In Mossul zerrt Schwenck nun höchstpersönlich „Zeugen“ vor die Kamera, die ihr Sprüchlein aufzusagen haben:
„Im Nachbarhaus hatten sich IS-Kämpfer versteckt, sagt er. Und wann immer die geschossen haben, hat die irakische Armee zurückgeschossen und dabei auch Zivilisten gefährdet. Aber das war das Kalkül der Dschihadisten.“
Eines fällt auf: Die irakische Armee schiesst nur, wenn zuvor der IS geschossen hat. Das Feuer der Armee hat zwar Zivilisten gefährdet, aber verantwortlich dafür war der IS, der ja nur in der Absicht geschossen hat, die irakische Armee zur Gegenwehr zu veranlassen, um eben dadurch die Zivilisten zu gefährden. Eine bestechende Logik. Es ist wie immer, wenn der freie Westen Menschenleben vernichtet. Alles geschieht nur aus dem Zwang der Selbstverteidigung heraus, ist keineswegs bösartig oder in kriegerischer Absicht, sondern nur zum Besten der hilf- und wehrlosen Bevölkerung..
 
In dieser Logik versteht sich auch wenn uns Schwenck aus Mossul von dem Zeugen berichten lässt:
„Der IS habe ganze Familien entführt, als die irakischen Sicherheitskräfte sich näherten. Um zu fliehen mischten sich IS-Kämpfer unter Zivilisten berichtet dieser Mann. Wir haben uns versteckt und dann haben wir gehört wie der IS Menschen aus der Nachbarschaft als menschliche Schutzschilde mit sich genommen hat. Wer sich weigerte wurde erschossen oder sie haben sein Haus angezündet.“
 
In Aleppo dagegen durfte ein Islamist über die Anzahl der fliehenden Menschen noch völlig unbewiesen behaupten:
„ ...nur wenige Menschen würden die Rebellengebiete verlassen. Viele seien bei der Flucht getötet worden“,
natürlich von Assads Schergen, wie die syrische Armee auch gerne in unseren Qualitätsmedien genannt wird.
 
Schwenck fühlt sich zu einem abschliessendem Fazit berufen. Es klingt fast wie ein Appell ist aber eher als Anklage des IS, gleichzeitig aber auch eine Verteidigung der Angreifer auf Mossul, eine vorauseilende Entschuldigung für die vielen tausend Toten und Vertrieben, die dieser Kampf noch unter der Zivilbevölkerung kosten wird:
„Vierhunderttausend Menschen sitzen noch in der Altstadt fest, keine Chance der Gewalt zu entkommen. Der IS kann den Kampf um Mossul nicht mehr gewinnen, aber er kann noch viele Zivilisten mit in den Tod reissen.“
Gleiches hätte er auch im Dezember 2016 der Al-Nusra, dem IS, der Ahrar al-Sham und eben jener Harakat Nour al-Din al-Zenki, die den 12-jährigen Jungen vor laufenden Kameras köpfte, die Ost-Aleppo und seine Einwohner als Geiseln hielten, mit gleicher Berechtigung zurufen können, wie in diesen Tagen dem IS in Mossul.
 
Aber Schwenck argumentierte genau anders herum, in den Tagesthemen am 13. Dezember 2016:
„Monatelang hat Machthaber Assad die bewaffnete Opposition in Aleppo belagert, ausgehungert und dann über Wochen bombardiert. Viertel um Viertel wurde erobert oder befreit, je nach Perspektive. Für die Zivilbevölkerung brachte der Kampf um Aleppo vor allem eines: Entsetzliches Leid.“
Über Monate verbreitet er Durchhalteparolen, so wie bereits am 02. August 2016 in den Tagesthemen. Russen und die Syrische Armee hatten damals gerade Fluchtkorridore für die Zivilbevölkerung aus dem belagerten Ostteil der Stadt eingerichtet, die aber von den Islamisten unter schweres Feuer genommen wurden, um eine Flucht der Menschen zu verhindern.
 
Schwenck beginnt mit einer dreisten Täuschung der Zuschauer:
„Im Moment sehe man in den Rebellenvierteln vor allem Kämpfer der Freien Syrischen Armee kurz FSA. Abu Sharif hält Wache“,
schliesslich ist selbst dem vertrottelsten Zuschauer kein bärtiger Nusra-Kämpfer mit schwarzem Stirnband als Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit zu verkaufen. Und nachdem der Mann, den man extra für die deutschen Fernsehzuschauer mit einem Anstecker der Fahne der FSA am Kampfanzug ausgestattet hat, ausgiebig über die mangelnde Unterstützung des Westens klagt , darf er markige Durchhalteparolen ins Mikrofon sagen:
„Wir werden weiterkämpfen bis zum Schluss. Wir stehen Seite an Seite mit den Zivilisten hier. Wir haben schon so lange der Belagerung und den Luftangriffen widerstanden.“
Schwenck wäre allerdings nicht Schwenck, wenn er nicht noch versuchte den Menschen vor den Fernsehern ein schlechtes Gewissen einzureden. Er wechselt wieder in die pastorale Intonation:
„Rauch über Aleppo. – Die Menschen ducken sich in den giftigen Qualm und hoffen auf Schutz vor dem nächsten Angriff. - So ähnlich muss es wohl in der Hölle aussehen.“
Wer nun etwa meint, eine solch eindringliche Schilderung könne nur ein Augenzeuge des Geschehens vermitteln, der sieht sich getäuscht. Schwenck ist wieder einmal gar nicht vor Ort. Er lässt sich wieder einmal einen Film schicken von einem Kameramann, der den Dschihadisten angehört. Schwenck sitzt derweil in Kairo und dichtet einfach auf die Bilder, was ihm gerade so in den Sinn kommt. In der Anmoderation hatte Thomas Roth, damals noch als Anchorman bei den Tagesthemen in Amt und Würden, die Leistung Schwencks, „die Lage in der Stadt zu zeigen“, ohne auch nur annähernd zu wissen, was ihm da von den Kopfabschneidern untergejubelt wurde, in tiefer Ergriffenheit gewürdigt:
„Kaum ein Journalist kann regelmässig aus Aleppo berichten, denn die Gefahr ist einfach zu groß. Unser Korrespondent schafft es trotzdem mithilfe der Bilder eines der Opposition nahestehenden Kameramanns , die Lage in der Stadt zu zeigen.“
Die Lage der Besatzer Ost-Aleppos war damals schon hoffnungslos. Sie waren eingezingelt, verfügten über keinerlei Luftabwehr und von Tag zu Tag wurden ihre militärischen Ressourcen knapper. Aber sie hatten ihre Geiseln. Zwischen 60.000 und 250.000 Zivilisten, die Zahlen gingen je nach Interessenlage der Berichterstatter weit auseinander, sollen sich zu dieser Zeit noch in Ost-Aleppo in der Gewalt der Terroristen befunden haben.
 
Aber Schwenck will zu diesem späten Zeitpunkt des Kampfes um Aleppo, am diesem 13. Dezember , da es nur noch wenige Tage dauern wird, bis die ganze Stadt wieder in den Händen der Regierung ist scheinbar nicht, dass die wehr- und schutzlosen Zivilisten Ost-Aleppo verlassen. Verbreitet er doch 1:1 die Propaganda der Geiselnehmer.
 
Einer dieser Terroristen spricht in seine Handykamera, während er sich selbst filmt, wie er durch eine menschenleere Straße Ost-Aleppos geht, links und recht in Trümmern liegende Ruinen:
„Nach dem das Regime vorgedrungen ist, haben wir von Massakern gehört, sagt dieser Aktivist aus den Rebellenvierteln. Wir wissen nicht wieviele genau getötet wurden, weil der Kontakt zu all denen, die in Regime-Gebieten sind, der ist abgerissen.“
Der „Aktivist“ weiß nichts genaues. Ebenso wie Schwenck, der zitiert die UNO, die von „mindestens 82 Zivilisten“, berichtet, die Regierungssoldaten ermordet haben sollen, „darunter Frauen und Kinder.“
Das syrische Militär weise das zurück aber die Hinweise seien glaubhaft, die Namen bekannt, beruft sich Schwenck auf den Sprecher der UNO, Rupert Colville. Der Brite Colville, der sein Büro in Genf hat, ist auch nur auf hören-sagen angewiesen, weiss anscheinend auch nichts Genaues, denn auch er benutzt die vage Formulierung „haben sollen“. Eines weiss er allerdings genau:
„Einige wurden erschossen als sie fliehen wollten. Andere wurden in ihren Häusern erschossen in denen sie Zuflucht gesucht hatten. Das ist eine alarmierende Entwicklung“.
Die Täter aber bleiben im dunklen, im wagen. Aber die Botschaft der Geiselnehmer an die Zivilisten in Ost-Aleppo ist klar: „Bleibt wo ihr seid, oder ihr seid tot!“ Volker Schwenck überbringt sie.
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