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Programmbeschwerde: ARD-aktuell liefert einseitige Lagebilder aus Brasilien
#1
Brasilien-Berichterstattung

http://www.tagesschau.de/multimedia/send...19945.html
http://www.tagesschau.de/ausland/brasili...r-101.html
http://www.tagesschau.de/ausland/brasilien-343.html
 
Sehr geehrter Herr Intendant,
die Berichterstattung über die Vorgänge in der Hauptstadt Brasilia am 24. und 25.Mai ist ARD-aktuell-typisch unvollständig und verfälschend, die Politik und Rolle des Präsdenten Temer werden geradezu verharmlost.  
Studiomeldung: „In Brasilien werden die Proteste gegen Präsident Temer immer heftiger. Bei einer Demonstration mit zehntausenden Teilnehmern kam es in der Hauptstadt Brasilia zu Ausschreitungen. Demonstranten verwüsteten Regierungsgebäude. Temer setzte zwischenzeitlich Soldaten ein. Der rechtskonservative Präsident hatte im vergangenen Jahr die linke Politikerin Rousseff nach einem umstrittenen Amtsenthebungsverfahren abgelöst. Er ist in einen Korruptionsskandal verwickelt. Seine Sozialreformen sind umstritten.“
Im anschließenden Filmbericht (auf Bildmaterial internationaler Nachrichtenagenturen vom Vortag, unserer Kenntnis nach nicht Material des ARD-Korrespondenten-Büros)  wird dann weiter mitgeteilt, Gewerkschaften und linke Parteien hätten zu einer Großkundgebung gerufen, die „mit dramatischen Bildern endete“...Demonstranten greifen Sicherheitskräfte und Ministerien an ...Die Opposition (im Parlament) wirft Temer Eskalation vor..."
Verschwiegen wird in diesen ARD-aktuell-„Nachrichten“ (sowohl für TV wie im Internet-Auftritt): Präsident Temer steht im Verdacht der geheimdienstliche Zusammenarbeit mit der CIA, vorgeworfen werden ihm schwere aktive und passive Bestechungsfälle, bei denen es um Millionen von US-Dollars ging. ARD-aktuell verschwieg, dass die Generalstaatsanwaltschaft deswegen gegen Temer ermittelt; dass laut jüngsten Umfragen 95 Prozent der Bevölkerung seinen Rücktritt wollen und damit nicht nur, wie im von ARD-aktuell behauptet, die "linke Arbeiterpartei und die Gewerkschaften" hinter den Protesten stehen; dass die Organisatoren der Demonstration eine Teilnehmerzahl von 130 000 meldeten, mehr als viermal höher als die Polizeiangaben; dass die überwältigende Mehrheit der Demonstranten sich friedlich verhielt; dass die Gewalttäter und Brandstifter maskiert und im typischen Outfit der „black blocks“ auftraten, eines bezahlten Gesindels, das oft in die Demonstrationen infiltriert wird, was auch der vormalige Präsidialamtsminister Gilberto Carvalho hervorhob;  dass der von Temer angeordnete Militäreinsatz verfassungswidrig war (und nicht nur eine „Eskalation“), weil Temer den zuständigen Gouverneur des Bundesdistrikts sowie den Parlamentspräsidenten überging;  dass die Generalität mit Hinweis auf die Unzuständigkeit des Militärs die Einsatztruppe sofort zurückbeordert hatte; dass Temers Befehl nicht nur von Parlamentariern “um die Arbeiterpartei” kritisiert wurde, wie es in den Berichten von ARD-aktuell manipulativ hieß, sondern dass er von allen Parteien verurteilt wurde, sogar von der äußersten Rechten, z.B. vom Senatspräsidenten Renan Calheiros sowie  vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Rodrigo Maia; verurteilt außerdem von allen Kirchen und juristischen Körperschaften, Gewerkschaften u.v.a. Selbst der Generalstaatsanwalt der Föderation, Rodrigo Janot, registrierte die Maßnahme als "Vergehen gegen die Verantwortlichkeit im Amt” und leitete eine Anklage ein. Aber auch das verschwieg ARD-aktuell. 
Was blieb als ARD-aktuell-„Botschaft"? Die brasilianischen Demonstranten sind radikalisiert, machen das Spiel der bösen linken Arbeiterpartei und zünden die Hauptstadt an. AgitProp der übelsten Art.
 
Es wäre ja auch zu viel verlangt, dass die werten ARD-Kollegen in Südamerika – falls sie überhaupt in Brasilia anwesend waren und nicht, wie üblich, in Rio de Janeiro unterm Zuckerhut saßen –  sich  
a) von ihrer Caipirinha trennen und selbst recherchieren, was wirklich Sache ist 
und dass sie  
b) auch alle Fakten und Informationen verarbeiten, die man zwar in Washington und damit auch in Berlin nicht hören will, die aber der deutsche Zuschauer zum Verständnis der Vorgänge in Brasilien bräuchte. 
Nach Lage der Dinge will ARD-aktuell aber genau das vermeiden, zwecks Pflege des guten Klimas zwischen Medien und Politik in Deutschland. Und in Brasilien wird die Politik weiterhin in der Hauptstadt Brasilia gemacht, während die ARD-Korrespondenten  in einer Bürosuite vom Allerfeinsten und Teuersten an der Copacabana in Rio ihrer schweren jurnalistischen Arbeit nachgehen. 
 
Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer
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