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Narrative Legenden
#1
Nebelkerzen, Alibi-Diskussionen, Trash-TV, Symbol-Politik, Boulevard-Meldungen, Teile-und-Herrsche-Diskurse sowie Nebenkriegsschauplätze, sollen uns regelmäßig von dem ablenken, was wirklich wichtig ist. Also von den Interessen der Eliten, von Reichtums-Verteilungsfragen und den wahren Hintergründen von Kriegen. Zwar weiß eigentlich jeder (mindestens gefühlt), dass es immer und überall primär nur ums Geld geht, dennoch lässt man sich immer und immer wieder auf Halb-Wahrheiten, Legenden und Mythen ein, die unsere Hirne vernebeln und unseren Verstand ausschalten sollen.
Bildung schaffe Chancengerechtigkeit. Ob konservative, linke, neoliberale oder rechte Medien: immer wieder wird der Mythos verbreitet, dass mangelhafte Bildung verantwortlich dafür sei, dass wir protzenden Reichtum neben bitterer Armut erleben müssen (ergo: selbst schuld sind). Gleichzeitig wird Bildung ständig als Wunderwaffe gegen Armut angepriesen, obwohl mittlerweile zahlreiche Studien und Untersuchungen nachgewiesen haben, dass vor allem die soziale Herkunft entscheidet, wer reich und wer arm bleibt. Die Bildungs-Legende fungiert hier häufig als Ablenkungsdiskurs, um nicht über eine gerechte Verteilung von Besitz, Vermögen und Eigentum sprechen zu müssen.
Der Mythos, dass man auf Facebook keine Party- und Saufbilder veröffentlichen sollte, weil es der Chef als unanständig empfinden könnte. Dabei ist es Personalern und Chefs doch viel wichtiger, ob ihre Mitarbeiter auf Linie getrimmt sind. Sie vorauseilend gehorchen und reibungslos funktionieren. Die Entscheidungen der Führungsebene nicht hinterfragen. Und natürlich: ob sie in Betriebsräten organisiert, arbeitsrechtlich engagiert, kommunistisch oder Mitglied von Gewerkschaften sind. Ein paar Saufbilder auf Facebook dürfte den meisten Chefs völlig wuppe sein, solange die Lohndrohnen zuverlässig und loyal weiter schuften sowie nichts hinterfragen.
Der digitale Wandel, die Automatisierung und Industrie 4.0 seien primär für Massenentlassungen verantwortlich. Nicht unwahrscheinlich, dass Automaten und Roboter zunehmend die Arbeiten von Menschen ersetzen und auch Lohnarbeiter deswegen entlassen werden. Dennoch ist vor allem der neoliberal-kapitalistische-endlos-Wachstums-Fetisch mit seinem Profitinteresse, seinen Sparzwängen und Kostensenkungen, dafür verantwortlich, wenn massenweise Menschen ihre finanzielle Existenz verlieren. Denn Maschinen und Roboter tun letztlich nur das, was man ihnen sagt. Es ist das alte rhetorische Spiel: „Ich wars nicht, die Technik ist schuld!“
weiter hier:http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2016/n...-legenden/
 
Antworten
#2
Ungenügende Bildung vergrößert die (wirtschaftliche) Ungleichheit.

Diese Aussage steht nicht im Widerspruch zu "Die Ungleichheit hat ihre Ursache in der sozialen Herkunft".

Denn: Bildung ist mittlerweile auch in Deutschland teilprivatisiert. Unser Schulsystem ist so schlecht, dass die Masse der Schüler Nachhilfe nehmen muss, was wiederum eine deutliche Steigerung der Ungleichheit zur Folge hat. Nur „reiche“ Eltern es können ihren Kindern eine ausreichende Bildung ermöglichen, um die „guten Jobs“ zu bekommen. Dies zieht sich nahtlos bis in die Universitäten. In der EU (außer in Großbritannien) sind Studiengebühren zwar mäßig (< 500 €/a), aber in der allgemeinen Diskussion werden immer wieder Stimmen laut, diese deutlich anzuheben. Was zu einer Vergrößerung der Ungleichheit führen wird.

Daher nimmt es nicht Wunder, dass die skandinavischen Länder, die die beste Allgemeinbildung bieten, die geringste Ungleichheit aufweisen.

Das am stärksten "privatisierte" Bildungssystem - das der USA - wiederum hat die größte Ungleichheit zur Folge. Hierzu ein paar Zahlen: In Kalifornien verdoppelten sich zwischen 2007 und 2012 die Studiengebühren. Dies macht es besonders den armen US-Amerikanern schwer zu studieren. Ohne Studium gibt es aber keine Chance auf eine angemessene Bezahlung - die Löhne für Arbeitsplätze ohne Studiumabschluss sanken inflationsbereinigt gegenüber den 1970ger Jahren um satte 40%.  
Daher sind immer mehr US-amerikanische Studienabgänger bei Studienende hochverschuldet, 13% haben mehr als 50.000 $ Schulden. Und diese Schulden sind nicht etwa zinsfrei - selbst auf öffentliche Bundeszuschüsse müssen die Studenten 3,4% Zinsen bezahlen, bei privaten Darlehn der Privatuniversitäten müssen noch höhere Zinsen gezahlt werden. 

Bei diesen Überlegungen sind die "Elite-Unis noch gar nicht berücksichtigt. In Harvard z.B. mussten 2012 Studiengebühren in Höhe von 54.000 $/a gezahlt werden. Und Harvard ist bei weitem nicht die teuerste US-Universität. Entgegen den unterschwelligen Behauptungen unserer Qualitätsmedien nehmen US-Eliteuniversitäten vorwiegend Kinder begüteter Eltern auf - kein Wunder bei Studiengebühren von mehr als 50.000 $/a. Die Chancen in eine der Eliteuniversitäten (Harvard, Yale, Princeton etc.) aufgenommen zu werden, steigen deutlich, falls die Eltern von Kandidaten große Geldbeträge an die Universitäten spenden. Die Aufnahme hat also nichts mit Talent, Wissen und Fleiß zu tun, sondern vorwiegend mit dem Geldbeutel der Eltern. So ist es nicht verwunderlich, dass das Durchschnittseinkommen der Eltern von Harvard-Studenten 450.000 $/a beträgt! Daher sind die talentierten, aber armen Studenten mit Stipendien in der absoluten Minderzahl - obwohl genau diese mit ihrem Wissen und ihrem Forscherdrang zu dem Ruhm der Eliteuniversitäten beitragen.


Ihr wisst schon genug.
Ich auch.
Nicht an Wissen mangelt es uns.
Was fehlt, ist der Mut, begreifen zu wollen, was wir wissen und daraus die Konsequenzen zu ziehen.
Sven Lindqvist
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