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Zivilcourage und ihre Darstellung in den Medien
#1
Wer kennt Jelal Pascha, Friedrich Tiedemann, John Paul Vann, Alexander Shimkin, Olive Schreiner, oder Christiane Ernst-Zettel ?

Diese Menschen sind wahrscheinlich den meisten unbekannt. Dass was sie taten war aber keinesfalls unbedeutend:

Jelal Pascha war 1915 Gouvaneur in Aleppo. Er weigerte sich, in seinem Bezirk die Armenier zu deportieren. Er trat damit eindeutig gegen den beginnenden Völkermord gegen die Armenier auf. Jelal Pascha ist dennoch bei uns unbekannt, einen Zusammenhang zum Völkermord an dem armeischen Volk dürfte kaum jemand herstellen.

Friedrich Tiedemann bewies 1839, dass die Arbeit des Rassisten Samuel Morton, der anhand von Schädelgrüßenvergleichen die Überlegenheit des Weißen Mannes belegen wollte, auf Manipilation der Daten beruhte. Der Rassist Morton hatte Schädel von weißen Männern mit denen von schwarzen Frauen verglichen. Tiedemann hielt sowieso einen Schädelgrößenvergleich für Unsinn und wandte sich gegen jede Form des wissenschaftlichen Rassismus. Owohl Tiedemann - im Gegensatz zu Morton - wissenschaftlich korrekt arbeitete, blieb er bis heute weitgehend unbeachtet...

Alexander Shimkin trug offizielle Daten der US-Streitkräfte zusammen, aus denen klar hervorging, dass die US-Streitkräfte im Rahmen der Operation "Speedy Express" im Mekong-Delta 1968/69 Kriegsverbrechen in einem erheblichen Umfang begangen haben. Darauf befragte ein Journalist von Newsweek, Herr Buckley US-Soldaten, die an Speedy-Express teilnahmen. Viele wollten über die Verbrechen aussagen, wesentlicher Informant war John Paul Vann. Wie es sich gehört, erging es weder Rechercheuren, noch Informanten des Buckley-Artikels besonders gut. John Paul Vann starb im Juni 1972 bei einem Hubschrauber"unfall" in Vietnam. Alexander Shimkin wurde in der Provinz Quang Tri erschossen. Alle weiteren Wistleblower zogen es darauf vor zukünftig zu schweigen.

Olive Schreiner forderte bereits 1897 ein demokratisches Südafrika für Schwarz und Weiß ohne Rassismus. Sie wurde von vielen angefeindet: von den Briten, weil sie im Burenkrieg für die Buren Partei ergriff, von den Buren, weil sie für die Rechte der Schwarzen eintrat und von den weißen Feministinnen, weil sie für schwarze Frauen die gleichen Rechte forderte.

Christiane Ernst-Zettel
weigerte sich im Jahr 2005 als Sanitätsfeldwebel in einem Feldlazarett in Afghanistan ihr Schutzzeichens (Rot-Kreuz-Armbinde) abzulegen. Dies befahl ihr Vorgesetzter, damit sie als Kombattantin (ohne Schutzzeichen) Sicherungsaufgaben im Feldlager übernehmen konnte. Nach dem I. Genfer Abkommen ist aber das Ablegen des Schutzzeichens in bewaffneten Konflikten ausdrücklich verboten. Daher weigerte sich Frau Ernst-Zettel den Befehl auszuführen. Sie wurde darauf mit einer Disziplinarbuße bestraft und musste nach Deutschland zurückkehren.


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Was haben all diese Personen gemein - sieht man einmal davon ab, dass sie weitgehend unbekannt sind?

Alle sind gegen eine Macht oder gegen die herrschende Meinung angegangen. Alle genannten Personen buckelten nicht vor der Macht, sondern "gehorchten" ihrem Herz, zeigten "Gewissen".

Aber wahrscheinlich sind es genau diese Eigenschaften, die im Mainstream nicht so gut ankommern.

Widerstand gegen die Staatsgewalt? Wo kämen wir denn dahin, wenn jeder Befehle in Frage stellen kann.

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Im Übrigen gibt es noch zahlreiche weitere Beispiele von Menschen, die gegen Unrecht aus Gewissensgründen angegangen sind. Dass diese nicht bekannt sind, spricht Bände.
Ihr wisst schon genug.
Ich auch.
Nicht an Wissen mangelt es uns.
Was fehlt, ist der Mut, begreifen zu wollen, was wir wissen und daraus die Konsequenzen zu ziehen.
Sven Lindqvist
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#2
Oh ja - z.B. die Majore der Bundesluftwaffe, die sich 1999 weigerten, bei der Bombardierung Jugoslawiens mitzumachen.
Näheres wissen die Kameraden vom "Darnstädter Signal".
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