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Experimente im ARD: Terror Ihr Urteil
#1
ARD: Terror Ihr Urteil
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#2
Dann erfülle ich hier mal gleich - im Ggs. zur ARD - den Wunsch von Gerhard Baum und verlinke das Urteil des BVerfG:
http://www.bundesverfassungsgericht.de/S...0.2_cid393

Wie immer in diesen Justizsachen geht es erst sehr weit unten zur Sache - aber die Aspekte sind klar und deutlich, also verständlich, auf den Punkt gebracht.
Die Terrorhydterie wird seitens der ARD mit dem Sympathen-Darsteller des Piloten und unrealistischer Basis unter Auslassung von Fakten und Alternativen auf die Spitze getrieben. Und Im Nachgang brachten es E-Verteidigungsminister Jung und sein Soldatenkumpel schön auf den Punkt: die Verfassung gilt für diese Herren in bestimmten Situationen nicht mehr. Wann diese Situationen eintreten, entscheiden sie. Wie sie entscheiden, entscheiden sie. Wen sie umbringen, entscheiden sie.
Astreine Faschisten im Kleidchen der Biedermänner.
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#3
"Beides hat mich darin bestärkt, die Sache hier noch einmal zu erörtern. Ich meine nämlich, dass Autor, Verlag und Medien ein übles Spiel zu Lasten der Bürger spielen. ....Der Einstieg über den Begriff des "Terrors", verbunden mit einer naturalistisch imitierten Gerichtsverhandlung mit Anklage, Beweiserhebung, Urteil und vor allem der Aufforderung an den Zuschauer, an letzterem aktiv – als eine Art Geschworener, durch "Entscheidung über das Schicksal eines Menschen" – mitzuwirken (!), ist eine unverschämte, schwer erträgliche Manipulation der Öffentlichkeit im Namen eines quasistaatlichen Anliegens, ohne dem auch nur die mindesten staatlichen Garantien an Wahrhaftigkeit und Unvoreingenommenheit zugrunde zu legen. Das ist ein starkes Stück.

....

Theaterstück und Film unterschlagen diesen – entscheidenden! – Unterschied nicht nur, sondern leugnen ihn obendrein ausdrücklich: "Der Richter" (Vorsitzender) belehrt den Angeklagten nachdrücklich, auf seine "innere Sicht", seine subjektiven Meinungen und Motive komme es im Strafverfahren überhaupt nicht an; hier gehe es "allein um die Feststellung der Tatsachen". Dieses ist eklatant falsch und geradezu die Umkehrung des rechtsstaatlichen Ansatzes. Es ist komplett falsch, wenn Schirach durch Weglassen suggeriert, für die Entscheidungen zwischen Rechtmäßigkeit und "Gewissen" halte das Recht keinerlei Maßstäbe bereit. Die Zuschauer werden durch diesen Unsinn gezielt und von vornherein desinformiert und auf eine Fährte gelockt, die es dem Autor zuletzt gestattet, seine alberne "Abstimmungs"-Dramaturgie durchzuführen. Das ist schäbig....




Der Film faselt zwar über "Schuld" und "Unschuld", meint und erklärt aber etwas anderes. Dass er die grundlegende Kategorie der (strafrechtlichen) Schuld nicht kennt, ist ein fachlicher und ein künstlerischer Skandal zugleich. Entweder weil der Autor sie selbst nicht verstanden hat (was schlimm genug wäre), oder weil er sie vorsätzlich verschweigen will (was noch schlimmer wäre). Der Text des Stücks und all die "Belehrungen", die man den Zuschauern, auch im Film, angedeihen lässt, machen es noch schlimmer – hier wird wahrlich alles durcheinandergebracht, was nur geht: Ein einziges Desaster der Unkenntnis, und mittendrin der liebe Zuschauer, der nun aufgefordert ist, in einer "realen" Rechtsfrage auf der Grundlage der "realen" Rechtslage eine "Entscheidung über Schuld und Unschuld" zu treffen.

Das ist die größtmögliche Verarschung des Publikums. Wer Unrecht und Schuld in eins setzt, fällt um Jahrhunderte (!) hinter unsere Rechtskultur zurück und benutzt seine Zuschauer als Gaudi-Gäste für eine Rechtsshow der billigen Sorte.


http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesc...r-im-recht


https://propagandaschau.wordpress.com/20...hr-urteil/
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#4
Und eins noch für den weniger gedankenstarken "Urteiler":

Man reduziere die Zahl der im Fussballstadion Anwesenden. Es müssen ja keine 70.000 sein - vielleicht nur 700. Oder 70. Oder 7. Oder nur einer, der Platzwart, alt, bucklig und sowieso schon bald im Heim.

Wann beginnt, wann endet das gesetzlose "Liebe-Gott-Spiel"?

Der ARD gehört was vor die Haustür gekarrt.
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#5
Das Terrorurteil #TerrorIhrUrteil, Philosophie und das Grundgesetz

Zitat:Sorry Leute, welch ein Schwachmatenkram. Was soll die Sendung, die Diskussion und vor allem die Abstimmung?
Letztendlich kommen wir wieder auf das altbekannte Trolley-Problem zurück.

Um ETWAS weiter auszuholen: Vor dem Ende einer offenen Kette von Möglichkeiten ist alles offen. So kann – um zu der perversen Volksbefragung im TV zurück zu kommen – im ALLERLETZTEN Moment ein Passagier im Flugzeug den/die Attentäter überwältigen und so die Passagiere und die Besucher des Stadions retten.

Kant erklärt uns:“Du solltest nicht lügen“ – niemals, never – lügen ist Bäh-Bäh. Ja, sagt ihr, aber was ist in dem Fall, dass sich ein Freund von dir in deiner Wohnung versteckt und ein Mörder vorn an der Tür klingelt und dich fragt: „Ist dein Freund bei dir“? Was antwortest Du? Die erste Antwort wird natürlich immer sein (Für die Katholen: Lässliche Lüge): „Nein, der ist nicht hier, sorry ich kann nicht helfen “ um dann zu hoffen, dass der Mörder nicht in das Haus hinein kommt.
.. weiter ..
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#6
§ 11 Gehorsam




(1) Der Soldat muss seinen Vorgesetzten gehorchen. Er hat ihre Befehle nach besten Kräften vollständig, gewissenhaft und unverzüglich auszuführen. Ungehorsam liegt nicht vor, wenn ein Befehl nicht befolgt wird, der die Menschenwürde verletzt oder der nicht zu dienstlichen Zwecken erteilt worden ist; die irrige Annahme, es handele sich um einen solchen Befehl, befreit den Soldaten nur dann von der Verantwortung, wenn er den Irrtum nicht vermeiden konnte und ihm nach den ihm bekannten Umständen nicht zuzumuten war, sich mit Rechtsbehelfen gegen den Befehl zu wehren.

(2) Ein Befehl darf nicht befolgt werden, wenn dadurch eine Straftat begangen würde. Befolgt der Untergebene den Befehl trotzdem, so trifft ihn eine Schuld nur, wenn er erkennt oder wenn es nach den ihm bekannten Umständen offensichtlich ist, dass dadurch eine Straftat begangen wird.

Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/sg/BJ...40956.html

Leider wurde auch auf diese Rechtslage nicht hingewiesen. Unserem abschussfreudigen Piloten lag im Film ja nicht einmal ein rechtswidriger Befehl vor - und selbst wenn: er hätte ihn ignorieren können. So wie übrgens während des Krieges gegen Jugoslawien diverse Bundeswehr-Piloten, die von Aviano aus das Völkerrecht hatten brechen sollen, dem Kriegsverbrecher Schröder und seinen Verbrecher-Kumpanen Scharping und Fischer den befehl verweigerten. Was in unserer Qualitätspresse nicht ge- und beschrieben wurde, was jedoch dennoch so war.
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#7
Der Darsteller des Angeklagten sagte m.W.n. im Film deutlich, das er das Urteil des Bundesverfassungsgerichts für Falsch erachtet.
Von dem Moment an war er für mich nicht mehr (er)tragbar! Ein Staatsdiener, der die oberste Prämisse seines Dienstherren nicht anerkennt? Bananen-Republik!
Ein Gramm Information wiegt mehr als eine Tonne Meinung...
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#8
Wenn Recht zur Meinungsabstimmung auf Grundlage unterschlagener Fakten verkommen wird, lebt man...
Na wer weiß es?
Bueller. Bueller. Bueller?




In einer Propaganda-Simulation.

INP
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#9
Nur zur Vollständigkeit: Egon W. Kreutzer hat auch noch was dazu beizutragen.

00.46 Uhr Nicht schuldig?

Zitat:Meine ursprüngliche Skepsis gegenüber der filmischen Verarbeitung einer problematischen Entscheidungssituation und vor allem gegenüber der anschließenden Publikumsbefragung ist gestern Abend geschwunden. Sowohl die filmische Adaption des Theaterstücks als auch die anschließende Talkrunde bei Frank Plasberg kann ich nur als gelungen bezeichnen.

...

Früher nannte man das "Pharisäer"!

Während meiner aktiven Bundeswehrzeit (1969 und 1970) stand ich zwei Mal mit geladener und entsicherter Waffe anderen Menschen gegenüber. Im einen Fall hätte ich in die Luft geschossen, weil von dem Menschen, den ich beim Freigang zu bewachen hatte, keine Gefahr ausging. Im anderen Fall hätte ich mich, meinen Kameraden, und die Einrichtung, die wir sicherten, mit scharfen Schüssen verteidigt. Gottseidank war es nur eine Horde Betrunkener, die mit der Gewaltandrohung mit der Waffe zum Abzug zu bewegen war.

Mit der Haltung: Was da passiert, ist mir scheißegal, Hauptsache ich bewege mich im Rahmen der Dienstvorschriften und halte die eigene Weste sauber, hätte ich in beiden Situationen das Falsche getan.

Wie war das doch gleich noch mit den "Mauerschützen"? Die einen haben nicht oder daneben geschossen - und wurden dafür belangt, die anderen haben geschossen und getroffen und wurden später dafür belangt, als sich die Verhältnisse geändert hatten.

Jeder muss immer das tun, was er für richtig hält. Sich an das geltende Recht halten, oder bewusst dagegen verstoßen. Darin, im Bewusstsein des Menschen für seine Entscheidungen und seine Taten vor sich selbst verantwortlich zu sein, liegt letztlich die Würde des Menschen.

Die eigene Würde vom Urteil eines Richters abhängig zu machen, heißt schon, sie aufgegeben zu haben.


.. vollständig hier ...
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#10
Als Offizier - zudem als Stabsoffizier - hat der Pilot die Befähigung und damit die Verpflichtung, zu erkennen, wie sein (geplantes) Handeln rechtlich (also straf- und dienstrechtlich) und ethisch moralisch einzuordnen ist.

Die gesetzlichen Grundlagen und das Urteil des Verfassungsgerichtes sind ihm ebenso bekannt, wie der eindeutige Befehl seines/r höchsten Vorgesetzten, der mithin nicht rechtswidrig war.

In der gezeigten Situation hat der junge Mann sich über Recht, Gesetz und eindeutige Befehle - denen eine bereits erfolgte Abwägung durch Ministerin und dazwischengeschaltete Stabsoffiziere/Generäle, welches denn wohl das "kleinere" Übel sei, zugrunde lag - selbstherrlich hinweggesetzt, und die ihm in verantwortungsvolle Hände gegebenen Waffen zur Durchsetzung seiner eigenen privaten Meinung missbraucht.

Aus meiner Sicht undenkbar.
                                                                                     
"To vouch this is no proof" - Shakespeare: Othello
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