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Prozeßdoku von democ.de
#11
@ Boris und fhh

Zitat Wortprotokoll des "Abschiedsbriefes" von Balliets Mutter:

“Meine liebe Anne, ich hätte nie gedacht […] die Presse steht schon vor der Tür […]"

Dann: "Roland hatte mich angerufen, war dann hier und hat mir das alles im Fernsehen gezeigt. Ich konnte, wollte das nicht glauben."

Und schließlich: "Da die Presse schon hier war, ist klar, dass Stephan dabei war." <- Das dürfte ziemlich klar Spiegel-TV gewesen sein, die Polizei (SEK/GSG9) war aber noch nicht da?

Der Ehemann war bereits da und ist in dieser Situation wieder weg, bevor Spiegel-TV anrückte? Die chronologische Unklarheit, wann genau der angebliche Suizid-Versuch stattgefunden haben soll, bleibt bestehen.

Interessant imo auch das:

Zitat:RA Siebenhüner fragt ihn, ob er die Schäden am beschossenen Polizeifahrzeug gesehen habe. B. verneint das, er habe aber Fotos davon in den Akten gesehen. Um aus den darauf zu sehenden zerschossenen Scheiben Schlüsse auf die Kraft der Schrotflinte zu ziehen, müsse man aber auch das Material der Scheibe berücksichtigen. Er vermute, dass es sich um ein Material gehandelt habe, das schon bei einer kleinen Berührung zerspringe.

??? Komisch. Balliet sarkastisch? Die Polizei hat nachträglich, die Scheibe "zerschossen"?
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#12
Danke @Boris B., da haben wir ja einiges zum durcharbeiten.

(06.08.2020, 12:31)kalter hornung schrieb: Und schließlich: "Da die Presse schon hier war, ist klar, dass Stephan dabei war." <- Das dürfte ziemlich klar Spiegel-TV gewesen sein, die Polizei (SEK/GSG9) war aber noch nicht da?

Da die Presse schon hier war, ist klar, dass Stephan dabei war."  

Mich irritierte das "dabei". Wobei, bei was und mit wem war er denn dabei.....
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#13
(06.08.2020, 16:18)fhh schrieb: Da die Presse schon hier war, ist klar, dass Stephan dabei war."  

Mich irritierte das "dabei". Wobei, bei was und mit wem war er denn dabei.....

Das "dabei" ist aus meiner Sicht noch sehr verständlich, denn angenommen sie war tatsächlich ahnungslos, hoffte sie vermutlich, ihr Sohn habe "nur" mitgemacht, sei also u.U. halb naiv in etwas hineingezogen worden, so daß die eigentliche Schuld bei anderen liegt. Der Versuch, die Verantwortung für das Unfassbare zu delegieren, drückt sich ja auch in ihrem "Abschiedsbrief" aus.

Sich an so eine Hoffnung zu klammern, ist für eine Mutter völlig normal, denn das "Mitmachen" wäre immer noch leichter zu ertragen, als wenn der Sohn für den Anschlag ganz allein verantwortlich ist.
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#14
@Kalter Hornung
Es hörte sich zunächst für mich so an, als wüsste sie von einer Gruppe, und dass sie dann ahnte, dass er "mit dabei" war.
Vielleicht aber auch anders gemeint, in dem Sinne, dass er mit dem Anschlag zu tun habe.
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#15
@kalter hornung & fhh

Ich möchte daran erinnern, in den ersten Stunden war die sog. Eil-Meldung, die in die Öffentlichkeit gelangte, zunächst noch überaus diffus: Man sprach einige Stunden von Schießerei und von mehr als einem Täter… 

Das folgende dürften die ersten zwei Twittermeldungen der Polizei gewesen sein:

Zitat:
Wir haben einen Einsatz in #Halle Nach ersten Erkenntnissen wurden Personen getötet. Wir fahnden mit Hochdruck. Täter flüchtig. Bitte bleiben Sie in ihren Wohnungen oder suchen Sie sichere Orte auf. #hal0910
3:48 AM - 9 Oct 2019 >>> müßte 12:48 MESZ sein


Zitat:
Nach ersten Erkenntnissen wurden zwei Personen in #Halle getötet. Es fielen mehrere Schüsse. Die mutmaßlichen Täter sind mit einem Fahrzeug flüchtig. Wir fahnden mit Hochdruck und bitten die Bevölkerung in ihren Wohnungen zu bleiben. #hal0910
4:10 AM - 9 Oct 2019 >> müßte 13:10 Uhr MESZ sein.


Es vergingen dann einige Stunden bis die bewährten Spürnasen das Manifest und Video von Stephan Balliet gefunden hatten und bis das Video des ehemaligen ZDF-Kameramanns Splett in die richtigen Hände gelangt war. 
(Und noch etwas länger [9:10 PM · Oct 9, 2019] bis Antonia Yamin aus einem fahrenden Bus ein Video mit feiernden Überlebenden twittern konnte: pic.twitter.com/25t0p4GKQP
אנחנו עם הניצולים מבית הכנסת. לפני שלוש שעות המשטרה ליוותה אותם בחשאיות לבית החולים, שם הם סיימו את תפילת הנעילה ותקעו בסופר. עם ישראל חי [Wir sind bei den Überlebenden der Synagoge. Vor drei Stunden begleitete die Polizei sie heimlich ins Krankenhaus, wo sie das Schlussgebet beendeten und im Supermarkt feststeckten. Israel lebt - Übersetzt mit Google]) 

Aus diesem Blickwinkel betrachtet irritiert mich der Satz »Da die Presse schon hier war, ist klar, dass Stephan dabei war« nicht.
Die Frage der "Chronologie" bleibt aber tatsächlich offen!

Als Spiegel TV (18:00 Uhr) bei der Mutter anrückte, wurde gesagt, daß die Polizei auch schon vorm Haus stünde. Die dürfte auf mehreres gewartet haben: (1) Eine richterliche Anordnung und (2) auf die Einheit, die die Durchsuchung dann ausführt. 

Sätze im Brief wie »Er hat alles erzählt und wie oft hatte er einen echten Ärger. Ich hasse diese Welt, sie ist nicht mehr echt« suggerieren mir, daß das ›Was läuft schief in unserer Welt?‹ schon thematisiert wurde und die Mutter wohl auch eine Ahnung hinsichtlich der Größe des an ihrem Sohnes nagenden Frustes gehabt haben dürfte. 
Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Mehr möchte ich dazu nicht spekulieren, weil auch die etwas längere Fassung der Briefversion letztlich nichts über diesen Nachmittag in der Wohnung der Mutter verrät (und um es "verstehen" zu können müßte man eigentlich seit Jahren sowohl der "Schatten" von Mutter, Vater, Sohn, Tochter und etlichen anderen im Umfeld von Sohn und Mutter gewesen sein...)


Was nun die Kraft der Flinte und ihrer Munition betrifft. Stephan Balliet hatte in seinem Manifest nur notieren können, was er vermutet hat … und das klang nicht überschwänglich, eher konservativ. Ausprobiert hat er seinen Waffen- und Munitionszoo letztlich nicht. So gesehen könnte »Er vermute, dass es sich um ein Material gehandelt habe, das schon bei einer kleinen Berührung zerspringe« schon Sarkasmus sein.
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#16
@ Boris

Da hast du natürlich Recht, die Lage war ja medial auch objektiv für Mutter (und Vater) unklar mit den zunächst mehreren Tätern.

Nach dem Spiegel-TV-Film schätze ich die Mutter als sehr stark emotionalen und auch intuitiven Menschen ein. Es wäre schon ein Wunder, wenn sie nicht fühlt, was mit ihrem Sohn los ist und bedrückt und daß das nicht auch Gesprächsthema war. Mglw. hat sie aus Mutterliebe versucht, sich mit der ihr fremden Welt ihres geliebten Sohnes irgendwie halb gedanklich, halb gefühlsmäßig und dabei sehr unbeholfen zu identifizieren. Ihr Brief zeigt für mich genau das.

Die Frage, die sich mir angesichts des starken Eindrucks einer abgekarteten Prozeßshow, der Klischeehaftigkeit von Balliets Aussagen, der völligen Empathielosigkeit und guten Laune und also vorbehaltlich einer Terrorinszenierung, noch immer stellt, ist, inwieweit die Eltern "eingeweiht" gewesen sein könnten, also ob Suizidversuch "ohne Gelegenheit" und Brief Teil der Show sind oder nicht, ob der Vater die Aktivitäten seines Sohnes in der Werkstatt mitbekam oder nicht.

Beides erscheint mir nach Stand der Dinge möglich mit leichter Tendenz dahin, daß zumindest die Verzweiflung der Mutter echt ist und sie - so oder so - vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Nur hätte in diesem Fall ihr Mutterinstinkt auch irgendwie drastisch versagt, was einen gewissen Widerspruch darstellt.
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#17
@Kalter Hornung
Die Fragen werden wir nicht beantworten können (es sei, das Gericht kommt später noch einmal darauf zurück).

Meine Überlegungen tendieren in eine andere Richtung. 
Letztlich dient der Prozeß (neben der Verurteilung des Angeklagten) mindestens einem weiteren Zweck: Der Suche nach Möglichkeiten, wie man in der Gesellschaft das von - vor allem - Herrn Hartleb beschriebene Ärgernis der »einsamen Wölfe« in den Griff bekommen kann. 
Den Massenmedien kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Sie haben über das Erzeugen der sog. öffentlichen Meinung Druck auf die Politik auszuüben, denn Herrn Hartlebs Meinung zufolge zeigen die von ihm in seinem Buch erwähnten Beispiele auf Defizite in der Politik, insbesondere im Bereich der inneren Sicherheit sowie im Justizministerium. Die wichtigste Aufgabe der Medien ist also: Problembewußtsein schaffen
In der Politik etwas zu bewegen gelingt möglicherweise, falls sich Herrn Hartlebs Argumentation mit Hilfe eines solchen Falls als schlüssig erweisen sollte … und über die Medien / öffentliche Meinung ausreichend Druck auf den Kessel kommt! (Anderenfalls brauchen wir wohl eine weitere regelmäßige Demo… Big Grin )
Im Verfahren geht es damit auch darum, in der Vergangenheit des Angeklagten Spuren aufzuspüren, die - hätte man sie beachtet - die Tat hätten verhindern können, so denn eine rechtzeitige Intervention stattgefunden hätte. (Natürlich gibt es Übereinstimmungen zwischen dem, was das Gericht auch ohne Medienbegleitung tun würde, und dem Anliegen von Vordenker Hartleb.) 
Im Buch findet sich gar eine Liste (zehn Punkte) mit Indikatoren, die seiner Meinung nach Indizien oder Hinweise liefern können, um die zuständigen Organe (Schulen inklusive) munter zu machen. Auf der Liste der möglichen Spuren spielen die sozialen Beziehungen (im Realen wie im Virtuellen) und Auffälligkeiten dabei ebenso eine Rolle wie psychische Störungen und die Prävention im Kontext von Schule und Ausbildung. Wenn einige Punkte der Liste zutreffen, dann sollten wir uns an die Behörden wenden, schreibt er… 
Ich bin mir fast sicher, daß hinter Herrn Hartleb bereits die Industrie mit den Füßen scharrt und smarte virtuelle IMs anbieten kann, denn sie sind eine zuverläßigere Einnahmequelle als die gute alte Blockwartskultur…
Was wohl Edward Snowden zu Herrn Hartlebs Buch sagen würde?!
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#18
@ Boris

Das mag alles so sein. Der Punkt ist, was du bei diesem irrelevanten Hartleb mutig als "Vordenken" bezeichnest, hat man gefühlt schon tausend Mal vor tausend Jahren gelesen. Überwachungsstaat, Killerspiele, lonely wolf, Innere Sicherheit, Defizite, Antisemitismus usw. ... Hartleb könnte ein veralteter Schreibautomat sein, der schon vor Urzeiten programmiert wurde und erst jetzt Analysen und Handlungsempfehlungen ausspuckt, die längst Teil der Steuerung sind.

Das ist alles so entsetzlich abgedroschen, daß man mit Wotan ausrufen möchte: Nur Eines will ich noch - das Ende! Das Ende! :D

Kein Wunder, daß ein Aufeinandertreffen zwischen surrealer Karikatur eines Verbrechers und dem pflichtgemäß entsetzten Erziehungsstaat im Staatsschutzsenat zum Schlagabtausch billigster Kalauer und müder Ermahnungen verkommt, über die nur einer lacht: der Angeklagte.
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#19
@kalter hornung 
Zitat:
Der Punkt ist, was du bei diesem irrelevanten Hartleb mutig als "Vordenken" bezeichnest, hat man gefühlt schon tausend Mal vor tausend Jahren gelesen.


Stimmt. Ich habe eine Ausrede: Gänsefüßchen waren gerade Mangelware. Wink

Hartleb aktualisiert tatsächlich nur eine abgedroschene Geschichte um neues Vokabular und neue Beispiele. Der Geist hinter den beschwörenden Worten bleibt: Überraschend auftretende bedrohliche Probleme werden stets im Auftrage von »Experten« präsentiert, die auch schon eine Lösung anbieten können... (Bisweilen werden sie auch im Auftrage von denen inszeniert.)
Von der bestehenden (Hintergrund)Geschichte wird niemand abrücken, weder die »Vordenker«, die ein grobes Argumentationsmuster zeichnen, noch die Journalisten, deren Job es ist, das Geschehene (oder Erfundene) so hinzubiegen, daß es zu diesen Leitlinien im Hintergrund paßt. Das konkrete Verhalten vom Angeklagten und/oder Gericht ist dabei letztlich egal. Früher oder später wird es jemanden gelingen, eine Darstellung des Konkreten zu präsentieren, die überzeugend zur abgedroschenen (Hintergrund)Geschichte paßt. Von all den zwischendurch zu sehenden Hirngespinsten der Journalisten und den Darsteller- Karikaturen bleibt schließlich nur eine Randglosse, die sehr schnell vergessen werden wird.
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#20
"Lösungen anbieten" ... Hm. Der gläserne Nazi ist längst Wirklichkeit, Staat kann rechtskonform vorab in die hinterste Falte jedes Verbrecherhirns hineinschauen, seinen Minority Report erstellen und das SEK losschicken, bevor der Attentäter selber weiß, was er vorhaben wird.
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