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Geheimnisse des „PROLOG“-Verlags in den CIA-Dokumenten
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Geheimnisse des „PROLOG“-Verlags in den CIA-Dokumenten

[Bild: csm_Mr._Lebed_CIA_dc224a2a52.gif]

Zitat:Die Redaktion von World Economy setzt ihre Publikationsreihe über die Recherchen in den freigegebenen CIA-Dokumenten über Aktivitäten der nationalistischen ukrainischen Bewegungen OUN-UPA fort.

Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Chef-Redakteur

Wir sprechen erneut mit Lew Zelinger, früher Journalist bei der ukrainischen Redaktion des „Radio Swoboda“. Zelinger zählt zurecht zu den führenden Experten auf dem Gebiet der Aktivitäten von OUN-UPA.

WE: Können Sie uns näheres über den „PROLOG“ berichten?

Lew Zelinger:

Im November 2011 schrieb Taras Kuzjo in dem Artikel „Die Strategie der nationalistischen Immigranten und Ukrainisch-Sowjetische Realitäten“, dass, nachdem in der Ukraine der organisierte Untergrund zerschlagen wurde, OUBR, UPA und OUN versucht hätten, unter den neuen Umständen eine andere Strategie für die Befreiung der Ukraine zu erarbeiten. AV OUBR lehnte es ab in der sowjetischen Ukraine ein neues Netz aus Untergrundorganisationen zu erschaffen und konzentrierte sich auf der Vorbereitung einer „Friedlichen Revolution“. AV OUBR und „PROLOG“ unterstützten Oppositionsgruppen und Dissidentenbewegungen, darunter auch den national-kommunistischen Flügel der ukrainischen Kommunistenpartei. Seit den 1950ern bis zu den 1980-ern wurde durch zwei Immigranten-Verlage eine massive Menge an Selbstveröffentlichungen und Dissidentenliteratur heraus gegeben, die das komplette ideologische Spektrum abdeckte - von den National-Kommunisten bis hin zu den Liberalen und Nationalisten. Damit haben sich „PROLOG“ beschäftigt, sein Münchner Flügel „Suchasnistj“ und der Verlag „Smoloskip“ aus Baltimore, der von Osip Zinkewitch geleitet wurde. „Unter dessen“ - schreibt Taras Kuzjo - „setzte die OUN die typische Strategie einer politischen Immigrantenpartei fort und baute Netzwerke aus Untergrundorganisationen in der sowjetischen Ukraine auf. Die weitere Entwicklung zeigt deutlich, dass der KGB ihnen mit Freude dabei behilflich war.“  

Die sowjetischen Geheimdienste im Laufe von etwa drei Jahrzehnten (1950-1980) mehrmals die Bandera-OUN infiltriert hatten. Kuzjo merkt an, dass sich die OUN nie öffnen und eigene Dokumente aus dieser Zeit der Öffentlichkeit zugänglich machen wird. Was den Selbstverlag angeht, den die OUN veröffentlicht hat, so handelte es sich dabei meistens um Werke von Nationalisten aus der Westukraine. In einer anderen Publikation „Wie Lebed mit Pichowschik die Union zum Einsturz brachten. Mit dem Geld der amerikanischen Geheimdienste.“, behauptet Taras Kuzjo, dass die “OUBR und die USA eine Schlüsselrolle bei der Unabhängigkeit der Ukraine inne hatten, obwohl sie die Geschichte bis heute nicht publik gemacht haben. Die Zeugen sind entweder nicht in der Stimmung darüber zu reden oder haben diese Welt bereits verlassen…“ Eine besondere Rolle schreibt er Mikola Lebed zu, der 1944 von der OUBR nach Westeuropa geschickt wurde, um Kontakte zu den westlichen Verbündeten zu knüpfen, auch deshalb, weil zu der Zeit viele - auch die OUN selbst - daran glaubten, dass sobald die Nazis besiegt würden, es zu einem Krieg zwischen dem Westen und der UDSSR kommen wird.

WE: Die ukrainischen Nationalisten glaubten fest an einen Krieg zwischen den USA und der UDSSR, aber warum waren sie sich so sicher? Im August 1949 führte die Sowjetunion erfolgreiche Atomwaffentests durch und die Welt trat in eine Epoche der möglichen Selbstzerstörung ein - falls es zu einem Atomaren Krieg gekommen wäre. Und warum hat die Führung der politischen Immigranten, die sich zu der Zeit bereits alle im Westen befanden, nicht die Einstellung des sinnlosen Partisanenkriegs der UPA gegen den sowjetischen Sicherheitsapparat befohlen?

Lew Zelinger:

Der Kampf der UPA ging bis 1955. Ob die zusätzlichen Opfer nötig waren? Es ist bekannt, das im Endeffekt der Hauptbefehlshaber der UPA Roman Schuchewitsch befahl den Kampf einzustellen. Dieser lange Widerstand gab der sowjetischen Propaganda einen Grund die ukrainischen Nationalisten zu beschuldigen, sie seien schlicht Agenten des Westens und es ginge gar nicht um die Unabhängigkeit der Ukraine. So geschehen im Magazin „Krieg und Frieden“ vom 12.08.2016:

„Die Vertreter der OUN waren nicht an einem Befreiungskrieg auf dem Territorium der Ukraine beteiligt, sondern betrieben anti-sowjetische Aktivitäten im Namen der CIA, waren einfache Spionageagenten, Verbrecher und Mörder. Als die CIA sich 1991 dazu entschloss, dass Lebed-Programm einzustellen, erpresste er die CIA mit der Drohung alles publik zu machen. Er bekam 1,75 Millionen Dollar Schweigegeld.“

Für eine Erklärung wenden wir uns an einen unmittelbaren Zeugen dieser Geschehnisse - Anatol Kaminski. In seinen Erinnerungen über die Tätigkeiten des „PROLOGS“ und des Magazins „Suchasnistj“, darüber, wie die Finanzierung des „PROLOGS“ tatsächlich eingestellt wurde und ob der Verlag ohne Finanzierung hätte weiter existieren können, schreibt er, dass der Verlag im Frühling 1991 über etwa eine Million Dollar verfügte. Der Buchhalter des Verlags, Stephan Welgash, stellte Informationen zur finanziellen Situation des Verlags zusammen, laut denen der Verlag seine Arbeit im Laufe der nächsten Jahre hätte fortsetzen können. Es stellte sich jedoch heraus, dass die neue, junge Verlagsführung nicht bereit war über Finanzen zu sprechen.

Kaminski schreibt: „Erst im November 1992 informierte P. Sodol, (Vorsitzender der „PROLOG“-Verwaltung) M. Prokop (Präsidiumspräsident der OUBR) telefonisch darüber, dass der Verlag in letzter Zeit schwere finanzielle Verluste eingefahren hat, nannte dafür jedoch keine Gründe. Es gab unterdessen Gerüchte, „PROLOG“ wäre aufgrund von Einkäufen diverser Videoapparate und der damit verbundenen Geschäfte pleite gegangen. Seitens der Verwaltung hat das niemand bestätigt“. In seinen Erinnerungen beschreibt Kaminski ausführlich die Umbrüche, die den Verlag kurz vor seiner Schließung erschütterten und wie die neue Führung sich sowohl die Firma „PROLOG“, sowie auch deren ganzes Besitztum unter den Nagel riss. Das betraf auch den Archiv der AV OUBR und deren Präsidiums, der bei „PROLOG“ aufbewahrt wurde und im Weiteren begann aufzutauchen - versehen mit dem Stempel „Aus den Archiven des Generalsekretärs der OUBR für Außenangelegenheiten M. Lebed“.

WE: Sie erwähnen Lebed immer wieder, als einen der einflußreichsten Funktionäre. Warum hat er trotz seiner Möglichkeiten die ganzen internen Streitereien und Zwistigkeiten nicht beendet?

Lew Zelinger:

Anatol Kaminski schreibt über die Motive von Lebed, der nur dabei zuschaute, wie sich „PROLOG“ in ein Privatunternehmen verwandelte, dass „man hierbei die politische Mentalität von Mikola Lebed berücksichtigen muss. Er gehörte zu den Politkern, die ihre Tätigkeit gern mit Hilfe ihrer eigenen Privatunternehmen unterstützten, die aus ihm persönlich ergebenen Leuten bestanden und ohne jegliche Kontrolle von Außen. Dadurch sah er die operative Reaktionsfähigkeit gewährt.“

Kaminski meint, dass berücksichtigt werden müsse, dass Lebed bereits erkrankt war und vermutlich ohnehin meinte „PROLOG“ würde es nicht mehr lange schaffen, während - wenn man den Verlag in eine Privatgeschäft umwandelt - wenigstens ein Teil gerettet werden könnte. Leider, lag er damit falsch. Moral der der Geschichte? Nicht alles, was über den Verlag veröffentlicht wird, sollte für bare Münze gehalten werden. Die Wahrheit ist meistens komplizierter und verstrickter. Und sie liegt irgendwo in der Mitte, zwischen Lüge und Wahrheit. Dass Mikola Lebed 1,75 Millionen Dollar Schweigegeld erhalt hat, muss erstmal bewiesen werden.

Hätte der Verlag ohne die CIA-Finanzierung überleben können? Die Antwort ist klar - ja, wenn die Geldmittel nicht auf geheimnisvolle Weise verschwunden wären. Und die, wie die meisten meinen, aufregendste Frage: Beteiligten sich die ukrainischen Nationalisten an den antisowjetischen Aktionen der westlichen Geheimdienste, darunter auch der CIA? Und kannte die CIA den Background ihrer Partner? Natürlich haben sie es gewusst, wofür wäre sonst ein Geheimdienst gut. Aber wo hätte man in der Nachkriegszeit andere Partner hernehmen sollen? Es wurde genommen, was man in den Lagern fand. Die, die Geheimoperationen in Moskau, Washington, London oder München geplant haben, sind längst nicht mehr am Leben.

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Zelinger meint, man kann nicht immer nur schwarz und weiß malen. Die Kuratoren der Operationen und ihre Handlanger sind nicht mehr am Leben. Viele Archive sind bereits geöffnet worden, wenn nicht ganz, dann doch wenigstens teilweise. Der Journalist erzählte uns, dass als Norman Goda und Richard Breitmann 2007 ihren Bericht verbreiteten, der auf den freigegebenen Dokumenten des US-Geheimdienstes über Naziverbrecher basierte, die in den Jahren des Kalten Krieges mit den Westlichen Geheimdiensten kooperierten und als das Nationalarchiv der USA diesen Bericht später an den Kongress geschickt hatte, ein Bekannter zu ihm meinte: „Wozu haben sie das gemacht? Das lässt das Land doch nur in einem schlechten Licht erscheinen.“

Mit einer ähnlichen Logik agieren auch die, die heutzutage den Historikern, die den Geschehnissen in der Ukraine zur Zeit des Zweiten Weltkriegs auf den Grund gehen, mit Gerichten drohen, sie verleumden und zum Schweigen zu bringen versuchen.

„Wäre es dann nicht eine gute Idee die CIA zu verklagen?“ - fragt Journalist, und weiter: „In der ukrainischen Diaspora und unter den Diaspora-Historikern - inzwischen auch unter den Historikern in der Ukraine selbst - gibt es so einige klar denkende Köpfe, die sich darüber im Klaren sind, dass die Wahrheit über die Vergangenheit nicht dosiert verabreicht werden kann.“

Fortsetzung folgt…


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Geheimnisse des „PROLOG“-Verlags in den CIA-Dokumenten - von Steuerzahler - 29.09.2016, 20:36

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