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AKK UND DIE YOUTUBER
#1
AKK UND DIE YOUTUBER

Warum die Aufregung? In Deutschland gibt es aus gutem Grund in Zeitungen keine Wahlempfehlungen. Das hat mit deutscher Geschichte zu tun und damit, dass Bürger für mündig gehalten werden
Über der Sache wuchs gerade schon das erste Gras, da musste Annegret Kramp-Karrenbauer noch einmal auf Rezos Video und die Folgen eingehen. Die Videos von 70 „Influencern“, die den Youtuber darin unterstützten, nicht CDU, nicht SPD zu wählen, veranlassten sie zu der Frage, was eigentlich passieren würde, wenn 70 Zeitungsredaktionen dazu aufriefen, zwei traditionsreiche demokratische Parteien nicht zu wählen. Gegen solche „Meinungsmache“ im Internet müsse es „Regeln“ geben.

Der Aufschrei war zu erwarten. Kramp-Karrenbauer wolle die Meinungsäußerungen „regulieren“, durch Verbote einschränken, hier drohe „Zensur“, die Meinungsfreiheit sei in Gefahr. Die CDU-Vorsitzende wolle das Grundrecht auf Pressefreiheit schleifen, hieß es gar. Was auch immer sich die Politikerin bei ihrem Ausflug in „demokratietheoretische“ Überlegungen gedacht hatte: Wenn sie eine Debatte haben wollte, wie sie im Internet üblich ist – mit Übertreibungen, Verdrehungen, Verkürzungen –, da hatte sie ihren Salat. Besser als eine Flucht ins Unterholz der Kommunikation wäre es gewesen, sich mit der Frage zu beschäftigen: Woran ist die CDU in dieser Wahl eigentlich wirklich gescheitert? 

Aber zurück zum Unterholz: Hat Kramp-Karrenbauer nicht recht? In Deutschland gibt es schon eine Regel, wenn auch eine ungeschriebene: Zeitungen geben keine Wahlempfehlungen. Sie rufen nicht dazu auf, eine Partei, eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu wählen. Angelsächsische Zeitungen gehen damit anders um. Es ist normal, dass sie in einem Kommentar vor einer Wahl offen aussprechen, warum es besser ist, diese oder jene Partei, diesen oder jenen Kandidaten zu wählen. In Deutschland ist das verpönt. Warum?
Große Aufregung herrschte lange Zeit, als die Katholische Kirche vor der Wahl von der Kanzel Hirtenbriefe verlesen ließ, die zur Wahl einer Partei aufrief – meist der CDU, bis sich dann die Kirche nicht mehr einig war. Nach dem Krieg wollten die Zeitungen und Verlage aber nicht, dass wieder Zustände herrschen wie in der Weimarer Republik, als sie Teil des politischen Kampfs geworden waren – und die demokratisch gesinnten Häuser gegen die publizistischen Feinde der Republik unterlegen waren. Der Name „Hugenberg“, dessen Medien-Imperium die Republik bekämpfte, steht für diese bittere Erfahrung.
(.....)
Daraus ergeben sich in der aktuellen Debatte drei Fragen: Sind „Influencer“ Journalisten? Halten sie ihre Zuschauer für Schafe? Und senden sie ihre Wahlempfehlung gegen Geld? Alle drei Fragen kann man verneinen. Ganz klar ist zumindest das eine aber nicht: Sie treten gerne, wie Rezo, wie Journalisten auf, auch wenn sie eigentlich Unternehmer sind. „Youtuber sind die Leitartikler unserer Zeit“, sagt Kevin Kühnert – das trifft die Sache durchaus. Dass es dabei ums Geldverdienen geht, kaschieren sie gerne – aber natürlich geht es auch und vor allem darum. Gegen Geldverdienen und steigende Einnahmen ist aber nichts zu sagen, auch wenn die Mittel, die dafür eingesetzt werden, gegen einen ungeschriebenen Kodex verstoßen. Jetzt müssen die Youtuber nur noch mit sich selbst ausmachen, ob sie ihre Zuschauer wie Schafe behandeln wollen.

Ginge es um 70 Influencer, die zur Wahl der AfD aufrufen, wäre die Diskussion in Deutschland sicher eine andere. Und würde sie Kühnert dann auch noch als „Leitartikler“ bezeichnen? Kramp-Karrenbauer mag eine Debatte losgetreten haben, die sie nicht gewinnen kann. „Absurd“, wie es jetzt heißt, ist ihr Vorstoß aber nicht. Er hat sein gutes Recht.

ganz hier > https://www.faz.net/aktuell/politik/inla...10462.html
 
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AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 28.05.2019, 12:53
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 28.05.2019, 14:32
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 28.05.2019, 14:51
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 29.05.2019, 09:55
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 29.05.2019, 10:24
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von BSB - 29.05.2019, 12:10
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 29.05.2019, 12:30
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 29.05.2019, 15:02
RE: AKK UND DIE YOUTUBER - von Rundumblick - 31.05.2019, 20:41

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