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Faschismus – eine Wiederkehr?
#1
Faschismus – eine Wiederkehr?
Von Sebastian Müller
Glaubt man den medialen Kassandra-Rufen, scheint der Faschismus in den westlichen Industrienationen wieder aus der verschlossen geglaubten Gruft der Geschichte aufzuerstehen.
Ob Donald Trump in den USA, der Front National in Frankreich, Viktor Orban in Ungarn oder die PiS in Polen – in den demokratischen Kernländern Europas und den USA erwacht, so vernimmt man, der (Neo)Faschismus. Ein Attribut, das in immer mehr Analysen und Kommentaren vorbehaltlos übernommen wird, wenn es um die Einordnung des Phänomens „rechtspopulistischer“ Parteien geht.
Im Falle des Front National dürfte das Ganze wohl nicht unwesentlich Luc Melénchon losgetreten haben. Melénchon, damals Kandidat des Wahlbündnisses Front de gauche, hatte 2012 während des Präsidentschaftswahlkampfes im Fernsehen Marine Le Pen gefragt:
„Warum glauben Sie, dass das französische Volk das einzige Volk sein soll, das eine Faschistin an der Spitze haben will?“
Kein Wunder also, das nun vor allem linke Publikationen kaum hinter dem Berg halten: „Faschismus mit modernen Gesicht“, titelte etwa Marx21, „kein Fußbreit dem Faschismus“ das Neue Deutschland.
Doch auch für die bürgerliche Presse wie das Handelsblatt ist die Frage „Wie faschistisch ist die Partei von Marine Le Pen“ allenfalls eine rhetorische, genauso wie für Wolfgang Schäuble. Am martialischsten warnte die Huffington Post vor den „Faschisten auf dem Weg zur Machtergreifung“.
Indes, die Schwächung des Verfassungsgerichts und das neue Mediengesetz der PiS zu kritisieren, ist das eine. Dass unter Trump noch nichts dergleichen geschehen ist, das andere. Und der FN ist noch nicht einmal in Regierungsverantwortung. Kann also die pauschale Etikettierung „faschistisch“ überhaupt angemessen sein? Oder zeigt sich darin eine Überreaktion des Establishments, die gezielte Instrumentalisierung eines historischen Begriffs?
Angesichts der einhelligen, fast ausschließlich dämonisierenden Berichterstattung der westlichen Medien kann man sich durchaus fragen, wer hier eigentlich vor einer Gleichschaltung der Medien warnt.
Was ist Faschismus?
Doch was ist die historische Definition dessen, was jetzt reflexartig als Etikett herhalten muss? Der Begriff „Faschismus“ war die Eigenbezeichnung einer politischen Bewegung, die in den 1920er Jahren als Reaktion auf das in eine Legitimationskrise geratene autoritär-liberale Regime in Italien entstand. Bald wurde er für alle nach dem Führerprinzip organisierten (damit ist nicht der Macronismus oder die postdemokratische Personalisierung schlechthin gemeint), extrem nationalistischen Bewegungen verwendet.
Der Faschismus war demzufolge antiliberal und bisweilen antimarxistisch. Gleichwohl gab es mit dem Sowjetbolschewismus Berührungspunkte, die durchaus in einer gewissen gegenseitigen Faszination zum Ausdruck kamen. Sein totalitärer Anspruch kam im Terror der Straße und der politischen und medialen Gleichschaltung zum Ausdruck, mit dem man die parlamentarischen Demokratien abzulösen suchte.
Jedoch ist die Verallgemeinerung des Faschismus-Begriffs von einer zeitlich und national begrenzten Eigenbezeichnung (Benito Mussolinis Italien) zur Gattungsbezeichnung einer bestimmten Herrschaftsart in der Forschung umstritten.

weiter hier:https://makroskop.eu/2017/06/faschismus-...iederkehr/
 
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Faschismus – eine Wiederkehr? - von Rundumblick - 16.07.2017, 21:00

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