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weil zur Zeit (mal wieder) Venezuela aktuell ist:

Staatsstreiche und Militärinterventionen nach 1945 in Lateinamerika

Über 1,5 Millionen Opfer des Terrors
Von Winfried Hansch
amerika21
 
Das Jahr 2014 war ein Jubeljahr des Fußballs in Brasilien. Es ist aber auch das des 50. Jahrestages des Militärputsches vom März 1964. Am 31. März 1964 wurde Staatspräsident Joao Goulard, (Millionär und strenggläubiger Katholik) von den Militärs unter General Castello Branco gestürzt1, weil nach Einschätzung von US-Botschafter Lincol Gordon und Militärattaché Vernon Walters mit einem Versuch "zur totalitären Machtübernahme zu rechnen sei"2.
Fast 30 Jahre wurde in Brasilien durch Amnestiegesetze der Militärregierung aus dem Jahre 1979 die Untersuchung der Verbrechen der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 verhindert. Als 1990 in São Paulo ein Massengrab mit 1.000 Leichen entdeckt wurde, wurde nicht geklärt, ob es sich um Bestattungen von Armen handelte oder um Opfer von politischer Gewalt3. Erst im Mai 2012 wurde in Brasilien eine Wahrheitskommission eingerichtet.
Das massenhafte Foltern, Töten und Entführen (Verschwundene) setzte in Lateinamerika schon früher ein. Die Blutspur der Militärinterventionen und Putsche überzog nach 1945 die ganze Region. Es begann mit dem Putsch von General Rojas Pinilla 1953 in Kolumbien und dem Sturz von Präsident Jacobo Árbenz 1954 in Guatemala und endet mit dem Putsch gegen Präsident Fernando Lugo am 22. Juni 2012 in Paraguay. In diesem Zeitraum haben in Lateinamerika über 20 Militärputsche und ausländische Interventionen stattgefunden. Bei diesen Verbrechen gegen die Völker Lateinamerikas wurden über eine Million Menschen getötet. Bürgerkriege und reaktionärer Staatsterror haben mehrere Millionen Lateinamerikaner zu Kriegsflüchtlingen gemacht oder ins Exil getrieben. An den Folgen dieser Putsche und Militärinterventionen leiden die Völker Lateinamerikas noch heute.
Die Aufstellung über Opfer der Militärinterventionen und Putsche in Lateinamerika basiert hinsichtlich der Verifizierbarkeit der Zahlen auf unterschiedlichen Quellen und Erfassungssystematiken verschiedener Länder.
Chronologie der Militärinterventionen und Putsche nach 1945
Kolumbien: 1953 (Putsch durch General Rojas Pinilla) bis heute4: 6.800.000 Kriegsopfer, davon 950.000 Morde, Entführungen, Folterungen und Vergewaltigungen
Paraguay: Mai 1954: Putsch durch General A. Stroessner:5 50.000 Tote; bei 19.882 Verhaftungen, 18.772 Gefolterte, 30.000 Verschwundene, 400.000 Vertriebene
Guatemala: 1954 (Sturz der Regierung Jacobo Árbenz), bis 19966: 200.000 Tote, 45.000 Verschwundene, 1.000.000 Vertriebene
Kuba: April 1961 (Invasion Schweinebucht) bis heute7: 3.700 Tote, 104 Milliarden US-Dollar Embargo-Verluste
Brasilien: März 1964 (Putsch unter General Castelli Branco) bis 1985:8 3.000 Tote, 200 Verschwundene, 20.000 Gefolterte
Bolivien: Putsch19809: 500 Tote, 4.000 Verhaftete
Dominikanische Republik: April 1965 (Militärintervention der USA)10: 4.000 Tote
Uruguay: 1973 (Putsch) bis 198511 700 Tote, 164 Verschwundene
Chile: 11. September 1973 (Putsch) bis 199012: 2.100 Tote, 1.100 Verschwundene, 200.000 Verhaftete, 100.000 Gefolterte, 400.000 Exilierte
Argentinien: 24. März 1976 (Putsch) bis 198213: 30.000 Tote und Verschwundene
El Salvador: 15. Oktober 1979 (Putsch) bis 199214: 75.000 Tote
Nicaragua: Somoza- Diktatur und Unterstützung der Contras15: 100.000 Tote, 350.000 Kriegsflüchtlinge
Peru: 1980 - 2000 Aufstandsbekämpfung gegen den "Leuchtenden Pfad"16: 60.000 Tote, 7.000 Verschwundene, 1.000.000 Vertriebene, 10.000 politische Gefangene
Grenada: 1983: Militärintervention der USA17: 94 Tote, 511 Verwundete
Panama: 1989: Militärintervention der USA18: 3.000 Tote
Venezuela: April 2002: Putsch gegen Präsident Hugo Chávez19: mehr als 100 Tote
Bolivien: September 2008: Putschversuch der Separatisten in Santa Cruz, keine Zahlen bekannt
Honduras: Juni 2009: Putsch gegen Präsident Zelaya, 100 Tote
Ecuador: 30. September 2010: versuchter Staatsstreich gegen Präsident Correa20: fünf Tote, 30 Verletzte,
Paraguay: 2. Juni 2012, Staatsstreich gegen Präsident Bischof Fernando Lugo, keine Zahlen bekannt
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Der Bürgerkrieg in Kolumbien dauert über 60 Jahre. Im Juni 1953 stürzte General Rojas Pinilla mit der Losung "Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit" den 1949 an die Regierung gekommen Reaktionär Laureano Gomez, der als Anhänger Hitlers galt. Pinilla versprach, den Bürgerkrieg zu beenden. Es war aber nur eine neue Etappe der Gewalt. Der Krieg in diesem Land ist die schlimmste menschliche Katastrophe Lateinamerikas seit den Befreiungskriegen vor 200 Jahren. Seit 1953 wurden über 6,5 Millionen Kolumbianer zu Kriegsflüchtlingen. Mehr als eine halbe Million Kolumbianer passierten bis Januar 2011 ohne Dokumentation die Grenze nach Ecuador21.
Die Härte der militärischen Auseinandersetzungen zeigt sich auch darin, dass die Guerillabewegung Farc allein im Jahr 2011 über 2.100 Militäraktionen unternahm22. Die Regierungsseite gab an, von 2008 bis 2011 über 7.300 Kämpfer der FARC getötet oder verwundet zu haben. Bei den grausamen inneren Auseinandersetzungen in Kolumbien kamen von 2002 bis 2007 mindestens 14.000 Zivilisten ums Leben. Am 15. Juni 2012 bestätigte die Staatsanwaltschaft Kolumbiens die Existenz von 180 Massengräbern, die von den faschistoiden Paramilitärs in den Jahren 1995 und 1996 in den nordöstlichen Regionen Choco und Antioquia angelegt worden waren23. Der volle Umfang der nationalen Tragödie wird sich erst nach Friedensschluss zeigen....

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