geomatiko

Normale Version: Bundestagsuntersuchungsausschuss "Breitscheidplatz"
Sie sehen gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Artikel aus dem Onlinedienst des Bundestages zur heutigen Sitzung:

https://www.bundestag.de/dokumente/texta...1ua-627624

Zeuge: Anis Amri in Emme­rich als Pro­blem­fall bekannt

Der spätere Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri war bereits im Spätsommer 2015 in seiner Emmericher Flüchtlingsunterkunft als besonderer Problemfall bekannt.
„Er galt bei uns als schlimmer Finger“, sagte ein damaliger Betreuer am Donnerstag, 14. März 2019, dem 1. Untersuchungsausschuss (Breitscheidplatz“) unter Vorsitz von Armin Schuster (CDU/CSU). Der heute 65-jährige ausgebildete Speditionskaufmann Wilhelm Berg war seit dem 1. September 2015 in der Unterkunft an der Emmericher Tackenweide tätig. Zu diesem Zeitpunkt war Amri dort seit etwas zwei Wochen gemeldet. Er habe sich aber nur selten im Haus aufgehalten, sagte der Zeuge.
Seine eigene Rolle beschrieb Berg als die eines Beraters und Helfers der Bewohner. Er habe Formulare ausgefüllt, Wohnungssuchende unterstützt, alle 14 Tage Sozialhilfeschecks verteilt: „Im Endeffekt waren wir das Rundum-Betreuungspaket für die zahlreich erschienenen Asylanten.“ Bereits bei Dienstantritt an seinem allerersten Tag in der Unterkunft sei er von Vorgesetzten und Kollegen darauf aufmerksam gemacht worden, dass es Leute gebe, „die ein bisschen Stress machen, unter anderem auch unser Freund Amri“.

„Eigentlich war sein Bett immer leer“
Dabei sei allerdings zunächst nicht die Rede von radikalislamischen Neigungen gewesen, sondern von Eigentumsdelikten und der Benutzung verschiedener Alias-Identitäten. Die Beteuer hätten Weisung gehabt, auf Amri zu achten, wenn er im Haus war, und zu beobachten, „wie er sich verhält“. Im Dienstzimmer habe eine Kopie seiner Meldebescheinigung mit Lichtbild gehangen, um die Identifizierung zu erleichtern. Auf dem Schreibtisch habe ein „Deckblatt“ gelegen, auf dem verschiedenen Alias-Namen und mutmaßlichen Straftaten Amris vermerkt waren. Vergleichbare Vorkehrungen habe es in „keinem anderen Fall“ gegeben, betonte der Zeuge. Es sei eine Ausnahme gewesen, dass die Mitarbeiter der Unterkunft „in der Form“ für einen Bewohner „sensibilisiert“ worden seien.
Er habe Amri in der Unterkunft allerdings höchsten fünf bis sechs Mal gesehen: „Eigentlich war sein Bett immer leer“, sagte der Zeuge. Wenn er im Haus gewesen sei, habe er sich „sehr, sehr unauffällig“ benommen. In der Regel sei er immer dann aufgetaucht, wenn es galt, einen Scheck abzuholen. Bei einer solchen Gelegenheit habe er Amri auch zum letzten Mal am 15. September 2016 gesehen. Obwohl bekannt gewesen sei, dass er unter mehreren Falschnamen unterwegs war, habe  Amri immer sein Geld bekommen. Das Sozialamt habe regelmäßig so entschieden, wenn Mitarbeiter der Unterkunft Rückfragen stellten.

Amris Staatsangehörigkeit „sehr, sehr wechselhaft“
Erst im September 2016 habe Anis Amri als korrekter Name des Tunesiers offiziell festgestanden, sagte der Zeuge. Bis dahin war er den Betreuern in Emmerich als „Mohammed Hassa“ und „Ahmed al Masri“ geläufig. Allerdings habe sich im Nachhinein herausgestellt, dass viele Heimbewohner, insbesondere andere Tunesier, ihn von vornherein unter seinem richtigen Namen kannten. Im Übrigen hätten die Behörden nicht einmal gewusst, „welche Staatsangehörigkeit unser Freund Amri hatte. Er wurde als Ägypter geführt, als Tunesier, als Marokkaner, das war ja sehr, sehr wechselhaft“.

Der Zeuge bestätigte, dass mindestens drei Mitbewohner Amris sich über dessen radikalislamische Neigungen beschwert und sich deswegen an Kreisverwaltung und Polizei gewandt hätten. Er selbst habe zwischen Ende Januar und August 2016 drei bis vier Mal erlebt, dass sich Polizeidienststellen nach Amri erkundigten. Im Oktober und November habe die Polizei dann noch zweimal nach seinem  Aufenthalt gefragt.

Staatsschützer berichten über Ermittlungen gegen Amri
Zwei Staatsschützer aus dem Polizeipräsidium in Krefeld haben im weiteren Verlauf der Sitzung dem 1. Untersuchungsausschuss über frühe Ermittlungen gegen den späteren Attentäter Anis Amri wegen des Verdachts radikalislamischer Betätigung berichtet. Unter anderem schilderten die Kriminalhauptkommissare D. und K., wie sie im Dezember 2015 die Ausländerbehörde in Kleve aufsuchten, um dort den Hauptbelastungszeugen aus Amris Emmericher Flüchtlingsunterkunft zu befragen. Der syrische Kurde Lokman D. hatte durch einen Hinweis auf Sympathien seines Mitbewohners für den sogenannten Islamischen Staat (IS) die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Wenig später stoppte allerdings das Landeskriminalamt (LKA) die Aktivitäten in Krefeld.

Der heute 54-jährige Zeuge D. hatte seinen Dienst beim Staatsschutz in Krefeld gerade erst im September 2015 angetreten, als er zur Unterstützung eines Kollegen herangezogen wurde, auf dessen Schreibtisch das Verfahren gegen Amri gelandet war. Der war der Krefelder Kriminalpolizei damals allerdings nur als „Mohammed Hassa“ bekannt. Auf diesen Namen legte sie am 28. Oktober 2015 einen „Prüffall Islamismus“ an. Die Ermittler, berichtete der Zeuge D. weiter, hätten die Flüchtlingsunterkunft in Emmerich aufgesucht, den Verdächtigen dort allerdings nicht angetroffen. Als der zunächst zuständige Kollege in Urlaub gegangen sei, habe er den Fall übernommen.

Ermittlungsverfahren gegen radikale Islamisten
Mit dem Leiter der Ausländerbehörde des Kreises Kleve habe er vereinbart, den Hinweisgeber Lokman D. unter einem Vorwand für den 11. Dezember 2015 einzubestellen. Dort traf der Belastungszeuge auf die beiden Fahnder D. und K., die sich als Polizisten vorstellten und um ein Gespräch baten. Er habe die Angaben des syrischen Kurden „im Gegensatz zu vielen Behauptungen“, die er sonst höre, für glaubhaft gehalten, betonte der Zeuge.
Doch dann habe sich ein Anrufer aus dem nordrhein-westfälischen LKA gemeldet und ihn freundlich aufgefordert, die Akte „Mohammed Hassa“ zu schließen. Der Mann sei „Gegenstand der Beobachtung“ in einem anderen Ermittlungsverfahren gegen radikale Islamisten. Zusätzliche Nachforschungen aus Krefeld könnten da nur „kontraproduktiv“ wirken. Der Zeuge D. folgte der Anweisung, allerdings nur zum Teil. Ein „Bauchgefühl“ habe ihm geraten, die Akte vorläufig auf dem Schreibtisch zu behalten: „Der Fall hat mich nicht in Ruhe gelassen.“

Durchsuchung eines Reisebüros in Duisburg
Ihm sei eine Äußerung des Verdächtigen nicht aus dem Kopf gegangen: „Ich begehe Straftaten, um den Ungläubigen zu schaden.“ So habe er öfters das Polizeiliche Zentralregister abgefragt, ob irgendwo ein „Mohammed Hassa“ mit einem Kleindelikt aufgefallen sei, das eine Handhabe für weitere Ermittlungen hätte bieten können. Im August 2016 dann durchsuchte die Polizei in Duisburg das Reisebüro des Islamisten Hasan Celenk und beschlagnahmte eine Kartei mit Fotos seiner Anhänger. Auf einem der Bilder habe er „Mohammed Hassa“ erkannt, dort allerdings unter einem anderen Namen, sagte der Zeuge D.

Sein heute 61-jährige Kollege K. ist seit 2002 als Sachbearbeiter beim Staatsschutz in Krefeld tätig. Dieser habe in den Jahren 2015 und 2016 mindestens hundert „Prüffälle“ verdächtiger Islamisten zu betreuen gehabt, berichtete er dem Ausschuss. Die Vernehmung des Hinweisgebers Lokman D. in Kleve habe er als „ganz entspanntes Gespräch“ in Erinnerung. Er habe allerdings seine Zweifel gehabt, weil Lokman D. erwähnte, er hoffe, seine Familie nachholen zu können. Womöglich habe er sich bei den deutsche Behörden nur „lieb Kind“ machen wollen. (wid/14.03.2019)

Liste der geladenen Zeugen
  • Wilhelm Berg, ehemals Stadt Emmerich am Rhein
  • D., Kriminalhauptkommissar, Kreispolizeibehörde Krefeld
  • K., Kriminalhauptkommissar, Kreispolizeibehörde Krefeld
Zur dubiosen Rolle des Lka NRW hatten wir doch auch einiges gesammelt. Und schon wieder muss ich an Veit Rathenow denken...

INP
Lücking twittert:

Daniel Lücking‏ @DanielLuecking 9 Std.Vor 9 Stunden
Heute geht es darum, warum die Hinweise von Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung auf den IS-Bezug des späteren Attentäters nicht ernst genommen wurden. Geplanter Sitzungsbeginn ist 12:00 Uhr. #UA1BT
 
Wilhelm Berg - "... war in den letzten drei Jahren vor meiner Rente als Asylantenbetreuer bei der Stadt Emmerich beschäftigt." #ua1bt

Berg: " ... das war zu dem Zeitpunkt ja auch eine Welle, die uns überlaufen hat ..." #ua1bt

Berg hat ihn in der Unterkunft ca. 3 bis 5 Mal gesehen. Der spätere Attentäter sei sehr unauffällig gewesen. Es gab aber wegen "radikaler Sprüche" den Auftrag, ihn im Auge zu behalten. Berg beschreibt, es habe aber auch immer wieder Falschbeschuldigungen gegeben. #ua1bt
 
Berg ist gelernter Speditonskaufmann und bewarb sich als Asylbetreuer bei der Stadt Emmerich. Er leistete z.B. Unterstützung beim ausfüllen der Fomulare und bezeichnet sich als Teil des "Rundum-Betreuungspaket für Asylanten". #UA1BT

Berg: Amtsleiter und Büroleiter hatten mehr Erfahrung und gaben die Devise aus, der spätere Attentäter "könnte Stress machen". Ab ca. September 2015 war der spätere Attentäter unter seinem Namen bekannt. #UA1BT.

Berg hat in seiner Funktion nur an den Amtsleiter weitergemeldet, als es Hinweise auf extremistische Videos bzw. Bilder gab, die der spätere Attentäter in der Einrichtung zeigte. Rückmeldungen bekam er aber nicht. Nur, dass es weitergeleitet wurde. #UA1BT

Berg gibt aber an ca. 3 bis 4 Mal zwischen Ende Januar 2016 und August 2016 von Beamten des Staatsschutzes befragt worden zu sein. #UA1BT

Die Meldungen von Lokmann D. und Mohammed J. will Berg weitergeleitet haben. Mohammed J. habe sich aber noch zusätzlich direkt an die Kreisverwaltung gewendet. #UA1BT

Berg: Letzter Scheck wurde am 15. September 2016 in Emmerich an den späteren Attentäter ausgegeben. Wie mit den weitergemeldeten Aliasidentitäten umgegangen wurde, weiß nur "Herr M.... aus dem Büro". #ua1bt

Berg: ... von den Sicherheitsbehörden, die waren Tag und Nacht bei uns an der Tackenweide". #UA1BT

Berg: "Das war relativ früh bekannt, das der Staatsschutz ihn [den späteren Attentäter] auf dem Kieker hatte." #UA1BT (Zeuge scheint vom Mindset und Vokabular sehr auf der AfD-Linie zu sein. Aber auch die CDU/CSU kann da andocken)

Spannend: schon wenige Wochen nach der Ankunft ist am 1. September 2015 klar, dass der spätere Attentäter IS-Sympathisant ist, vom Staatsschutz überwacht wird und es gab Anweisungen, ihn unauffällig zu beobachten. #UA1BT

Berg kritisiert auf Frage von @oezdemir_spd, dass es zu den Weitermeldungen keine Rückmeldungen gab: "Unbefriedigend ist das. Aber so ist nun mal der Lauf der Welt." #ua1bt

Auch Berg kann sich nicht erklären, warum Mitbewohner Mohammed J. trotz all der Hinweise und Weitermeldungen nie vom Staatsschutz befragt wurde. #UA1BT

.@MartinaRenner fragt, wie es zusammen passt, dass jemand als "Stressmacher" bekannt ist, aber trotzdem normal behandelt werden sollte. Berg ist da ratlos. Die Weisung war, man hätte den späteren Attentäter nicht auf seine kriminellen Geschichten ansprechen sollen. #UA1BT

Staatsschutz und Verfassungsschutz hätten Berg nach dem Anschlag vernommen. 4 oder 5 Leute seien in der Unterkunft gewesen. #UA1BT

Die Kräfte des "Staatsschutzes" wurden von den Vorgesetzten vorgestellt. Berg weiß nicht wirklich, mit wem er da geredet hat. Landesamt, Bundesamt, keine Ahnung. #UA1BT

Berg: "Die Polizei war in erster Linie versteckt, aber gut sichtbar. Die haben das Gebäude beobachtet und waren am Gelände nicht zu sehen. Aber die Wagen der 100-schaft standen an der Tankstelle." #UA1BT

Berg: "... die kam von den Jungs aus Krefeld ... Staatsschutz oder Verfassungsschutz ... bei der Rufnummer hieß es grundsätzlich "Polizei Krefeld" ... haben sich als "Staatsschutz Polizei Krefeld" vorgestellt. " #UA1BT

Berg ist ein Musterbeispiel für deutsche Hierarchiegläubigkeit. Nichts hinterfragen, was von oben kommt. Alles als gegeben hinnehmen. Wie viele Leute dieses Schlages braucht es auf welchen Ebenen, damit Straftäter freie Bahn haben? #UA1BT

Berg: "Eigentlich waren se alle da .... ich weiß nicht, ob der #BND da war ... aber am frühesten war die Presse da. Die waren früher, als die Polizei." #UA1BT

Veith Yäger‏ @veithyaeger 7 Std.Vor 7 Stunden
Zeuge Berg wurde vor Anschlag angehalten den späteren Attentäter im Auge zu behalten. Dieses Augenmerk sei in seiner Flüchtlingsunterkunft in Emmerich einmalig. #UA1BT #Bundestag

Der #UA1BT ist mit Zeuge Berg durch. Nun kommen "die Jungs" vom polizeilichen Staatsschutz.


Zeuge KHK D. war auf "Hassan" (2.Identität vom Attentäter) sensibilisiert und ermittelte. Im Nov 2015 fief #LKA an, sie ermittelten im EK #Ventum in diesem Fall und der Zeuge solle von diesem Fall ablassen, um ihren Vorgang nicht zu gefährden #UA1BT #Bundestag

weiter > https://twitter.com/DanielLuecking
@Stafford: Bitte die Tweets bitte komplett hier hin kopieren, wahlweise verschwinden sie oder es werden wahre Trüffel wie diese übersehen:

Daniel Lücking‏ @DanielLuecking 8 Std.Vor 8 Stunden
Und nun wird der #BND Thema im #UA1BT.
1 Antwort 0 Retweets 3 Gefällt mir

---

undefined Daniel Lücking‏ @DanielLuecking 8 Std.Vor 8 Stunden
Warum Herr Elka vom LKA wusste, weiß Wolfgang B. nicht. Eine mögliche, aber unbestätigte Verbindung führt über die Ausländerbehörde. #UA1BT
0 Antworten 0 Retweets 2 Gefällt mir

Kontext für stille Leser:
Die Ausländerbehörde Kleve war vom BND kompromitiert, das LKA NRW wurde als Erfüllungsgehilfe des BND benutzt um den Kriminalpolizeilichen Staatsschutz Krefeld auszubremsen!!

INP
https://www.bundestag.de/presse/hib/629072-629072

Staatsschützer ermittelten gegen Amri

1. Untersuchungsausschuss/Ausschuss - 15.03.2019 (hib 280/2019)

Berlin: (hib/wid) Zwei Staatsschützer aus dem Polizeipräsidium in Krefeld haben dem 1. Untersuchungsausschuss ("Breitscheidplatz") über frühe Ermittlungen gegen den späteren Attentäter Anis Amri wegen des Verdachts radikalislamischer Betätigung berichtet. Unter anderem schilderten die Kriminalhauptkommissare D. und K. am Donnerstag, wie sie im Dezember 2015 die Ausländerbehörde in Kleve aufsuchten, um dort den Hauptbelastungszeugen aus Amris Emmericher Flüchtlingsunterkunft zu befragen. Der syrische Kurde Lokman D. hatte durch einen Hinweis auf Sympathien seines Mitbewohners für den sogenannten Islamischen Staat (IS) die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Wenig später stoppte allerdings das Landeskriminalamt (LKA) die Aktivitäten in Krefeld.

Der heute 54-jährige Zeuge D. hatte seinen Dienst beim Staatsschutz in Krefeld gerade erst im September 2015 angetreten, als er zur Unterstützung eines Kollegen herangezogen wurde, auf dessen Schreibtisch das Verfahren gegen Amri gelandet war. Dieser war der Krefelder Kriminalpolizei damals allerdings nur als "Mohammed Hassa" bekannt. Auf diesen Namen legte sie am 28. Oktober 2015 einen "Prüffall Islamismus" an. Die Ermittler, berichtete der Zeuge D. weiter, hätten die Flüchtlingsunterkunft in Emmerich aufgesucht, den Verdächtigen dort allerdings nicht angetroffen. Als der zunächst zuständige Kollege in Urlaub gegangen sei, habe er den Fall übernommen.

Mit dem Leiter der Ausländerbehörde des Kreises Kleve habe er vereinbart, den Hinweisgeber Lokman D. unter einem Vorwand für den 11. Dezember 2015 einzubestellen. Dort traf der Belastungszeuge auf die beiden Fahnder D. und K., die sich als Polizisten vorstellten und um ein Gespräch baten. Er habe die Angaben des syrischen Kurden "im Gegensatz zu vielen Behauptungen", die er sonst höre, für glaubhaft gehalten, betonte der Zeuge.

Doch dann habe sich ein Anrufer aus dem nordrhein-westfälischen LKA gemeldet und ihn freundlich aufgefordert, die Akte "Mohammed Hassa" zu schließen. Der Mann sei "Gegenstand der Beobachtung" in einem anderen Ermittlungsverfahren gegen radikale Islamisten. Zusätzliche Nachforschungen aus Krefeld könnten da nur "kontraproduktiv" wirken. Der Zeuge D. folgte der Anweisung, allerdings nur zum Teil. Ein "Bauchgefühl" habe ihm geraten, die Akte vorläufig auf dem Schreibtisch zu behalten: "Der Fall hat mich nicht in Ruhe gelassen."

Ihm sei eine Äußerung des Verdächtigen nicht aus dem Kopf gegangen: "Ich begehe Straftaten, um den Ungläubigen zu schaden." So habe er öfters das Polizeiliche Zentralregister abgefragt, ob irgendwo ein "Mohammed Hassa" mit einem Kleindelikt aufgefallen sei, das eine Handhabe für weitere Ermittlungen hätte bieten können. Im August 2016 dann durchsuchte die Polizei in Duisburg das Reisebüro des Islamisten Hasan Celenk und beschlagnahmte eine Kartei mit Fotos seiner Anhänger. Auf einem der Bilder habe er "Mohammed Hassa" erkannt, dort allerdings unter einem anderen Namen, sagte der Zeuge D.

Sein heute 61-jährige Kollege K. ist seit 2002 als Sachbearbeiter beim Staatsschutz in Krefeld tätig. Dieser habe in den Jahren 2015 und 2016 mindestens hundert "Prüffälle" verdächtiger Islamisten zu betreuen gehabt, berichtete er dem Ausschuss. Die Vernehmung des Hinweisgebers Lokman D. in Kleve habe er als "ganz entspanntes Gespräch" in Erinnerung. Er habe allerdings seine Zweifel gehabt, weil Lokman D. erwähnte, er hoffe, seine Familie nachholen zu können. Womöglich habe er sich bei den deutsche Behörden nur "lieb Kind" machen wollen.



https://www.bundestag.de/presse/hib/595122-595122

Zeuge schildert Amris Extremismus
1. Untersuchungsausschuss/Ausschuss - 21.02.2019 (hib 205/2019)

Berlin: (hib/WID) Vor dem 1. Untersuchungsausschuss ("Breitscheidplatz") hat ein weiterer Asylberechtigter aus Syrien über seine Begegnung mit dem späteren Attentäter Anis Amri berichtet. Er habe den Mann auf Anhieb "gar nicht gemocht", sagte der Zeuge Lokman D. am Donnerstag. Der heute 48-jährige ausgebildete Apotheker lebt seit Oktober 2014 in Deutschland, wo er im Januar 2015 aus Bitburg in das Asylbewerberheim an der Tackenweide im nordrhein-westfälischen Emmerich verlegt wurde. Dort traf im August desselben Jahres auch Amri ein. Einen anderen damaligen Mitbewohner des späteren Attentäters hatte der Ausschuss bereits in einer vorherigen Sitzung gehört.
Der gebürtige Tunesier Amri habe sich als Ägypter unter den Namen Mohammed vorgestellt, berichtete der Zeuge. Es sei ihm aber anzuhören gewesen, dass er nicht aus Ägypten stammen konnte: "Die Tunesier sagen, dass sie Arabisch reden, aber das ist ein gebrochenes Arabisch." Mit seinen syrischen Mitbewohnern habe sich Amri in klassischem Arabisch zu verständigen versucht, "aber das ist nicht gut gelungen". Er, der Zeuge, verstehe ohne weiteres ägyptisches Arabisch, aber von 20 tunesischen Wörtern höchstens eines. Ihm sei damals auch aufgefallen, dass viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien, die sich zu Unrecht als Syrer ausgegeben hätten.
In der Unterkunft habe Amri von vornherein mit seinem autoritären Auftreten Anstoß erregt, indem er die Bewohner mit religiösen Anweisungen zu maßregeln versucht habe. Drei oder vier Tage nach ihrer ersten Begegnung habe er dem Zeugen auf seinem Mobiltelefon Videos gezeigt, auf denen bärtige und langhaarige Männer mit Waffen zu sehen gewesen seien. Das seien Verwandte und Freunde, die in Syrien für den sogenannten Islamischen Staat (IS) kämpften, habe er dazu erklärt.
Als syrischer Kurde sei er dadurch aufs höchste alarmiert gewesen, sagte der Zeuge: "Ich hasse den extremistischen Islam", sagte der Zeuge. Er habe auch das Gefühl gehabt, die Behörden warnen zu müssen, denn dieser Amri "war eine extremistische Person und nicht gekommen, um Blumen an die Deutschen zu verteilen". In Syrien betrachte der IS die Kurden nicht anders als alle Europäer als "Ungläubige" und "Schweine", die getötet werden müssten: "Es ist meine Pflicht, diese extremistische Gruppe zu bekämpfen, egal, wo ich bin. Deutschland ist mein Land, und ich muss dieses Land verteidigen."
Zusammen mit drei Mitbewohnern habe er das Sozialamt in Emmerich aufgesucht, um über Amri Meldung zu machen. Drei Tage später seien ihm dort Fotos vorgelegt worden, unter denen er ein Porträt des angeblichen "Mohammed" identifiziert habe. Weil er den Eindruck hatte, dass das Sozialamt der Sache nicht mit der gebotenen Energie nachging, habe er beschlossen, sich auch an die Ausländerbehörde und die Polizei in Kleve zu wenden. Die Mitbewohner, die ihn noch zum Sozialamt begleitet hatten, hätten diesmal nicht mitkommen wollen, weil sie sich gefürchtet hätten. Die Polizei habe seine Anzeige aufgenommen und sich bedankt, doch habe bis zu dem von Amri verübten Attentat in Berlin im Dezember 2016 keine deutsche Behörde den Kontakt zu ihm gesucht, sagte der Zeuge.
Amri habe höchstens drei Wochen ständig in der Unterkunft gelebt und sei dann verschwunden. Er sei in Emmerich nur noch aufgetaucht, um einmal im Monat beim Sozialamt sein Geld abzuholen. Er, der Zeuge, habe sich nach der ersten Woche mit Amri indes persönlich von dem Mann ferngehalten, weil ihm klar gewesen sei, dass dieser "nichts Gutes im Sinn hatte".
2 x Artikel zur gestrigen Sitzung:

https://www.bundestag.de/presse/hib/630738-630738

Marokkaner warnten viermal vor Amri
1. Untersuchungsausschuss/Ausschuss - 21.03.2019 (hib 312/2019)

Berlin: (hib/WID) Der marokkanische Inlandsgeheimdienst DGST hat im Herbst 2016 in einem Zeitraum von vier Wochen viermal auf verdächtige Aktivitäten des späteren Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri hingewiesen. Dies berichtete der zuständige Verbindungsbeamte des Bundeskriminalamtes (BKA) in Rabat am Donnerstag dem 1. Untersuchungsausschuss ("Breitscheidplatz").
Der heute 47-jährige Robin O'Debie vertritt seine Behörde seit Anfang 2015 in Marokko und Mauretanien. Zuvor war er kurzzeitig im Libanon, in Tunesien und Algerien tätig gewesen. Die Mitteilungen über Amri seien zeitgleich auch dem Residenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Rabat zugeleitet worden, sagte der Zeuge.

Der erste Hinweis sei am 20. September, der letzte am 17. Oktober 2016 eingegangen. Die Marokkaner hätten von Amri als von einem "Islamonauten" gesprochen, was in ihrer Terminologie die Bezeichnung für einen Islamfanatiker sei, der durch Aktivitäten im Internet auffällig werde. Die mitgelieferten Bilder Amris seien erkennbar dessen Facebook-Profil entnommen worden. Ihrerseits habe sich die marokkanische Seite nach Telefonnummern und Kontaktpersonen Amris in Deutschland erkundigt. Die Abteilung Staatsschutz beim BKA habe auf diese Fragen hin allerdings nur bestätigen können, dass ihr die Person Amri bekannt sei.

O'Debie rühmte die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Sicherheitsbehörden als "sehr gut", sogar "herausragend" und vertrauensvoll. Fragen würden in kürzestmöglicher Frist beantwortet, wobei die Marokkaner "immer sehr werthaltige Informationen" lieferten. Auch über Amri seien sie zum Teil recht genau unterrichtet gewesen. So hätten sie gewusst, dass der gebürtige Tunesier vor seiner Einreise nach Deutschland vier Jahre lang in Italien im Gefängnis gesessen hatte.

Die Mitteilung, dass Amri in nächster Zeit in Deutschland möglicherweise irgendetwas im Schilde führen könnte, sei allerdings wohl nicht konkret genug gewesen, um im BKA gleich alle Alarmglocken schrillen zu lassen. Im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) der deutschen Sicherheitsbehörden kamen die Warnungen aus Marokko am 2. November 2016 zur Sprache. Verabredet wurde, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die Plausibilität der Hinweise überprüfen sollte. Dies geschah zunächst durch eine Anfrage bei einem US-Nachrichtendienst, die freilich unbeantwortet blieb.

Auf seinem Schreibtisch seien im Laufe des Jahres 2016 rund 110 "operative Vorgänge" gelandet, von denen etwa 30 im Zusammenhang mit Hinweisen auf radikalislamische Aktivitäten gestanden hätten, berichtete der Zeuge. Unter diesen seien die vier Mitteilungen der DGST zum Fall Amri in keiner Weise "außergewöhnlich" gewesen. Etwa zwei bis drei Tage nach Eingang der letzten beiden Hinweise am 17. Oktober habe er seine marokkanischen Ansprechpartner zu einer Unterredung aufgesucht, in der es unter anderem um die Frage gegangen sei, woher sie ihre Informationen über Amri hatten. In der Regel sei es so gewesen, dass die marokkanischen Dienste auf der Suche nach Islamisten das Internet, insbesondere Facebook, "detailliert" ausgewertet hätten.

Seine eigene Rolle in Rabat beschrieb O'Debie als die eines "Briefboten" beim Informationsaustausch deutscher und marokkanischer Sicherheitsbehörden. Er habe in gut vier Jahren rund 500 "operative" und 250 "Grundsatzvorgänge" bearbeitet. Diese beträfen die deutsche Ausbildungs- und Ausrüstungshilfe für die marokkanische Polizei, mit der er ebenfalls befasst sei.


https://www.bundestag.de/dokumente/texta...mri-628466

Der marokkanische Inlandsgeheimdienst DGST hat im Herbst 2016 in einem Zeitraum von vier Wochen viermal auf verdächtige Aktivitäten des späteren Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri hingewiesen. Dies berichtete der zuständige Verbindungsbeamte des Bundeskriminalamtes (BKA) in Rabat am Donnerstag, 21. März 2019, dem 1. Untersuchungsausschuss  („Breitscheidplatz“) unter Vorsitz von Armin Schuster (CDU/CSU). Der heute 47-jährige Robin O'Debie vertritt seine Behörde seit Anfang 2015 in Marokko und Mauretanien. Zuvor war er kurzzeitig im Libanon, in Tunesien und Algerien tätig gewesen. Die Mitteilungen über Amri seien zeitgleich auch dem Residenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Rabat zugeleitet worden, sagte der Zeuge.

„Islamonaut“ Amri
Der erste Hinweis sei am 20. September, der letzte am 17. Oktober 2016 eingegangen. Die Marokkaner hätten von Amri als von einem „Islamonauten“ gesprochen, was in ihrer Terminologie die Bezeichnung für einen Islamfanatiker sei, der durch Aktivitäten im Internet auffällig werde.
Die mitgelieferten Bilder Amris seien erkennbar dessen Facebook-Profil entnommen worden. Ihrerseits habe die marokkanische Seite sich nach Telefonnummern und Kontaktpersonen Amris in Deutschland erkundigt. Die Abteilung Staatsschutz beim BKA habe auf diese Fragen hin allerdings nur bestätigen können, dass ihr die Person Amri bekannt sei.

Lob für marokkanische Sicherheitsbehörden
O'Debie rühmte die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Sicherheitsbehörden als „sehr gut“, sogar „herausragend“ und vertrauensvoll. Fragen würden in kürzestmöglicher Frist beantwortet, wobei die Marokkaner „immer sehr werthaltige Informationen“ lieferten. Auch über Amri seien sie zum Teil recht genau unterrichtet gewesen. So hätten sie gewusst, dass der gebürtige Tunesier vor seiner Einreise nach Deutschland vier Jahre lang in Italien im Gefängnis gesessen hatte.
Die Mitteilung, dass Amri in nächster Zeit in Deutschland möglicherweise irgendetwas im Schilde führe, sei allerdings wohl nicht konkret genug gewesen, um im BKA gleich alle Alarmglocken schrillen zu lassen. Im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) der deutschen Sicherheitsbehörden kamen die Warnungen aus Marokko am 2. November 2016 zur Sprache. Verabredet wurde, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die Plausibilität der Hinweise überprüfen sollte. Dies geschah zunächst durch eine Anfrage bei einem US-Nachrichtendienst, die freilich unbeantwortet blieb.

110 „operative Vorgänge“ auf dem Schreibtisch
Auf seinem Schreibtisch seien im Laufe des Jahres 2016 rund 110 „operative Vorgänge“ gelandet, von denen etwa 30 im Zusammenhang mit Hinweisen auf radikalislamische Aktivitäten gestanden hätten, berichtete der Zeuge. Unter diesen seien die vier Mitteilungen der DGST zum Fall Amri in keiner Weise „außergewöhnlich“ gewesen. Etwa zwei bis drei Tage nach Eingang der letzten beiden Hinweise am 17. Oktober habe er seine marokkanischen Ansprechpartner zu einer Unterredung aufgesucht, in der es unter anderem um die Frage gegangen sei, woher sie ihre Informationen über Amri hatten. In der Regel sei es so gewesen, dass die marokkanischen Dienste auf der Suche nach Islamisten das Internet, insbesondere Facebook, „detailliert“ ausgewertet hätten.
Seine eigene Rolle in Rabat beschrieb O'Debie als die eines „Briefboten“ beim Informationsaustausch deutscher und marokkanischer Sicherheitsbehörden. Er habe in gut vier Jahren rund 500 „operative“ und 250 „Grundsatzvorgänge“ bearbeitet. Diese beträfen die deutsche Ausbildungs- und Ausrüstungshilfe für die marokkanische Polizei, mit der er ebenfalls befasst sei.

Zeuge berichtet über Bewertung Amris durch BKA
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Februar 2016 drei „explizite Gefährdungsbewertungen“ zur Person des späteren Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri abgegeben und dabei die Bedrohungsprognose geringfügig nach oben korrigiert. Dies berichtete der damals zuständige Kriminaldirektor Martin Kurzhals im weiteren Verlauf der Vernehmung im Untersuchungsausschuss. Der heute 47-jährige Referatsleiter im BKA vertrat von 2014 bis Mitte 2018 seine Behörde im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) der deutschen Polizeien und Nachrichtendienste. Er moderierte in dieser Funktion zwischen Anfang Februar und Juni 2016 sechs Besprechungen, in denen der Fall Amris erörtert wurde.
Der gebürtige Tunesier kam erstmals am 4. Februar 2016 im GTAZ zur Sprache. Damals war die Rede von Anschlägen mit Schnellfeuerwaffen, die Amri angeblich plante. Entsprechende Erkenntnisse, die das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) durch einen Informanten gewonnen hatte, hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz am 26. Januar ohne Nennung der Quelle in einem „Behördenzeugnis“ für die Berliner Polizei verarbeitet. Der Februar 2016 sei in seiner Erinnerung ein Wendemoment in der Bewertung Amris durch deutsche Sicherheitsbehörden gewesen, sagte Kurzhals: „Im Februar 2016 war Amri am nächsten an einer Anschlagsvorbereitung. Nach Februar war die Brisanz der Lage ein Stück weit abgeebbt.“ So sei es zumindest erschienen.

Anis Amri im polizeilichen Prognosemodell
In der ersten seiner drei Gefährdungsbewertungen setzte das BKA Amri damals auf Rang sieben in einem achtstufigen polizeilichen Prognosemodell. Das bedeutete, dass ein unmittelbar bevorstehender, durch ihn verursachter Schadensfall „eher auszuschließen“ war. In der zweiten Bewertung stieg Amri in die Stufe fünf auf, womit ein von ihm ausgehender Schaden als „eher unwahrscheinlich“ galt. Bei dieser Beurteilung blieb das BKA auch in seinem dritten Amri-Gutachten.
Auf Stufe eins der Skala ist mit dem Eintritt eines Schadensereignisses „zu rechnen“, auf Stufe zwei „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen“, auf Stufe acht ist er „auszuschließen“. Als Beispiel für einen Gefährder der Stufe zwei nannte Kurzhals den syrischen Flüchtling Dschaber al-Bakr, der unmittelbar vor der Ausführung seines geplanten Sprengstoffanschlags auf den Berliner Flughafen stand, als er im Oktober 2016 in Chemnitz festgenommen wurde. Amris Höherstufung auf Rang fünf habe durchaus bedeutet, dass er als Gefährder „ernstzunehmen“ gewesen sei, betonte der Zeuge.

Welle des radikalislamischen Terrorismus
Das Behördenzeugnis über Amri habe der Verfassungsschutz auf Bitten des nordrhein-westfälische LKA gefertigt, um dessen V-Mann in der Islamistenszene vor den Kollegen des Berliner LKA zu verschleiern, sagte Kurzhals. Dieser Sachverhalt sei aber damals schon kein Geheimnis gewesen. Er selbst habe bei der Vorbereitung der GTAZ-Besprechung am 4. Februar im Vertrauen davon erfahren.
Kurzhals erinnerte an die Zeitumstände des Jahres 2016, das von einer verschiedene Länder erfassenden Welle des radikalislamischen Terrorismus geprägt gewesen sei. Im Januar ereignete sich der Anschlag auf Touristen in Istanbul, in März fanden die Attentate in Brüssel statt, im Juli kam es zum ersten Massenmord mit einem Schwerlaster in Nizza. Deutschland erlebte im Januar eine Messerattacke auf dem Hannoveraner Bahnhof, im April den Anschlag auf einen Sikh-Tempel, im Juli einen Axtüberfall in einem Nahverkehrszug und einen Sprengstoffanschlag in Ansbach, schließlich im Dezember das Attentat Amris in Berlin. (wid/21.03.2019)

Liste der geladenen Zeugen
  • Z., Kriminalhauptkommissar, nordrhein-westfälisches Landeskriminalamt
  • Martin Kurzhals, Kriminaldirektor, Bundeskriminalamt
  • Robin O. Debie, Bundeskriminalamt
Wird der gute Mann jetzt O'Debie geschrieben oder O. Debie?

Ein gewisser Robin O. Debie hat 2003 einen Artikel übers WWW veröffentlicht.

https://www.jurpc.de/jurpc/show?id=20030061

Hier ist seine Vita:

* Robin O. Debie hat gerade sein erstes juristisches Staatsexamen abgelegt. Davor studierte er an der Universität Trier anglo-amerikanisches Recht. Der Autor verfügt über langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Informationstechnologie und hat vor drei Jahren eine Einpersonengesellschaft mit den Schwerpunkten Web-Design, Domainbeschaffung und Sicherheitsberatung im Netz gegründet. Seit Dezember 2002 arbeitet der Autor am Institut für Rechtsinformatik in Saarbrücken mit und ist auf Honorarbasis für den juris-Praxiskommentar tätig. Die juristischen Interessen des Autors liegen auch auf dem Gebiet der Kriminologie und des Strafvollzugs sowie im Rechtsvergleich zum anglo-amerikanischen Recht. Hierzu gibt es einige Veröffentlichungen auf der Homepage


Scheint derselbe zu sein.
Zur BND-Spur:

Zitat:BGH gibt Opposition recht
Amri-Ausschuss darf Geheimdienstdokumente einsehen

Der Untersuchungsausschuss zum Terroranschlag auf den Berliner Breitscheidplatz darf nun auch geheime Akten des BND und des Verfassungsschutzes einsehen. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Er gab Oppositionspolitikern recht, die dafür geklagt hatten.
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/201...mente.html


Ausführlich:

Gericht/Institution: BGH
Erscheinungsdatum: 27.03.2019
Entscheidungsdatum: 06.02.2019
Aktenzeichen: 3 ARs 10/18
Quelle: juris
Norm: § 10 PKGrG

Zitat:Amri-Untersuchungsausschuss darf Geheimdienstakten einsehen

Der BGH hat festgestellt, dass der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages über den Terroranschlag am Breitscheidplatz verpflichtet ist, von der Bundesregierung auch diejenigen Akten der Geheimdienste beizuziehen, die diese bereits dem Parlamentarischen Kontrollgremium zur Verfügung gestellt hatte.

Der Entscheidung vorausgegangen war ein Streit zwischen einer Minderheit des Ausschusses, die die Beweiserhebung beantragt hatte, und dem Ausschuss selbst, der eine solche für unzulässig hielt, weil sie gegen Geheimhaltungsvorschriften verstoße.

Der 1. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages soll die Hintergründe des Terroranschlages auf dem Berliner Breitscheidplatz vom 19.12.2016 aufklären. Unter anderem soll untersucht werden, ob der Deutsche Bundestag durch die Bundesregierung über die ihr vorliegenden Erkenntnisse zeitgerecht, umfassend und zutreffend informiert wurde. Daher beantragten die Ausschussmitglieder Martina Renner (Die Linke), Benjamin Strasser (FDP) und Dr. Konstantin von Notz (Bündnis 90/Die Grünen), von der Bundesregierung die Akten des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesamtes für Verfassungsschutz beizuziehen, die dem Parlamentarischen Kontrollgremium auf Grund dessen Anforderungsbeschlusses vom 16.01.2017 vorgelegt worden waren, um so u.a. zu untersuchen, welche Akten dem Kontrollgremium als geheim tagendem Hilfsorgan des Deutschen Bundestages zur Kontrolle der Geheimdienste zur Verfügung gestellt worden waren. Die Ausschussmehrheit lehnte diesen Antrag ab. Sie war der Meinung, er sei unzulässig, weil er gegen die Geheimhaltungsvorschriften des § 10 Abs. 1 PKGrG verstoße.

Gegen die Ablehnung des Antrages hat sich die Ausschussminderheit an den Ermittlungsrichter des BGH gewandt. Dieser hatte ihrem Begehren mit Beschluss vom 30.08.2018 im Wesentlichen stattgegeben und den Ausschuss verpflichtet, dem Beweisantrag mehrheitlich zuzustimmen. Gegen die Entscheidung des Ermittlungsrichters wiederum hat der Ausschuss nach Beschwerde eingelegt.

Der BGH hat die Entscheidung des Ermittlungsrichters weitgehend bestätigt und entschieden, dass der Ausschuss verpflichtet ist, die Akten wie beantragt beizuziehen.

Nach Auffassung des BGH ist die beantragte Beweiserhebung nicht unzulässig. Das für das Parlamentarische Kontrollgremium gesetzlich bestimmte Beratungsgeheimnis stehe der beantragten Beweiserhebung nicht entgegen, weil sich diese nicht auf die Inhalte der Beratungen des Gremiums beziehe. Die Verschwiegenheitspflicht der Mitglieder des Gremiums werde nicht verletzt, weil Adressat dieser Pflicht nicht die Bundesregierung, von der die Akten angefordert werden sollen, sei. Überdies bleibe es der Bundesregierung unbenommen, einzelne geheimhaltungsbedürftige Unterlagen nicht herauszugeben.
Der BGH hat die Beweiserhebung nicht selbst angeordnet, sondern lediglich festgestellt, dass eine Verpflichtung des Untersuchungsausschusses zur Erhebung der Beweise bestehe. Es sei davon auszugehen, dass der Ausschuss wegen seiner Bindung an Recht und Gesetz die Entscheidung des BGH befolgen werde.
https://www.juris.de/jportal/portal/page...hricht.jsp
Zitat:Der BGH hat die Beweiserhebung nicht selbst angeordnet, sondern lediglich festgestellt, dass eine Verpflichtung des Untersuchungsausschusses zur Erhebung der Beweise bestehe.Es sei davon auszugehen, dass der Ausschuss wegen seiner Bindung an Recht und Gesetz die Entscheidung des BGH befolgen werde.


Ein kleiner Etappensieg..... Rolleyes sollte doch noch Hoffnung bestehen?
Dieses verschwurbelte Juristendeutsch.....aber wir gehen jetzt alle nicht nur davon aus, nein wir erwarten, daß die Akten der Geheimdienste angefordert werden. Was das genau heisst, daß es die Akten sind, "die bereits dem Parlamentarischen Kontrollgremium zur Verfügung gestellt worden waren"....da bin ich zu sehr Laie, um zu erkennen, welche Akten da NICHT zugehören.
https://www.bundestag.de/dokumente/texta...atz-631858

Beamte des Bundes­kriminal­amtes als Zeugen geladen

In seiner nächsten Sitzung will sich der 1. Untersuchungsausschuss („Breitscheidplatz“) den Bemühungen des Bundeskriminalamts (BKA) um den Terrorverdächtigen und Rauschgifthändler Bilel ben Ammar widmen, einen engen Vertrauten des Attentäters Anis Amri. Ben Ammar hatte den Abend vor dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 gemeinsam mit Amri in einem Restaurant verbracht. Als Zeugen geladen sind vier BKA-Beamte, von denen zwei allerdings nur hinter verschlossenen Türen aussagen dürfen. Die öffentliche Vernehmung unter Vorsitz von Armin Schuster (CDU/CSU) beginnt am Donnerstag, 4. April 2019, um 12 Uhr im Europasaal 4.900 des Paul-Löbe-Hauses in Berlin. (.......)


Ebenfalls zur Person Ben Ammars will der Ausschuss einen vierten BKA-Zeugen befragen, Kriminaldirektor Dr. Dominik Glorius. Er war an den „Eisbär“-Ermittlungen beteiligt ebenso wie an der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) „City“, die nach dem Anschlag am 19. Dezember 2016 den Spuren des Attentäter in Berlin nachging.

Dabei kam es zu einer Vernehmung Ben Ammars, über die der Ausschuss von Glorius Genaueres zu erfahren hofft, ebenso wie über die Frage, warum der Amri-Vertraute dann im Februar 2017 ziemlich plötzlich nach Tunesien abgeschoben wurde. Deutsche Beamte sind ihm dorthin noch nachgereist, um ihn ein weiteres Mal zu befragen.
(..........)
 
Liste der geladenen Zeugen
  • Karin van Elkan, Kriminalhauptkommissarin, Bundeskriminalamt
  • Dr. Dominik Glorius, Kriminaldirektor, Bundeskriminalamt
  • Herr C., Bundeskriminalamt (nichtöffentlich)
  • Herr D., Bundeskriminalamt (nichtöffentlich)

*********************************************
Info zur BAO "City"
(DeutscherBundestag – 19. Wahlperiode– 33 – Drucksache19/8434)

Frage 42. AbgeordneteMartina Renner (DIE LINKE.)
Wie viele Beamtinnen und Beamte (Abordnun-gen bitte gesondert ausweisen) waren im Bundes-kriminalamt jeweils in den Jahren 2016 bis 2019mit den Ermittlungen zum „Terroranschlag aufden Breitscheidplatz“ in der „BAO City“ befasst?

Antwort des Staatssekretärs Hans-Georg Engelke vom 4. März 2019
In der „BAO City“ waren am 21. Dezember 2016 etwa 90, am 22. Dezember 2016 mehr als 200 Beschäftigte des Bundeskriminalamtes eingesetzt. In der Spitze (Anfang Januar 2017) waren es 325.
Darüber hinaus waren etwa 400 Kräfte der Polizei des Landes Berlin eingesetzt, die später unterstellt wurden.
Die Anzahl dieser eingesetzten Kräfte wurde sukzessive reduziert. Der weitere Verlauf der Anzahlen der eingesetzten Kräfte des Bundeskriminalamtes in der „BAO City“ werden nachfolgend dargestellt:

01.02.2017  229
07.02.2017 222
14.02.2017  215
21.02.2017 204
28.02.2017  186
06.03.2017  136
13.03.2017  125
17.03.2017  78

Die „BAO City“ in Form der „Besonderen Aufbauorganisation“ wurde am 17. März 2017 in eine Ermittlungsgruppe („EG City“) überführt.
Mit Stand vom 1. April 2017 waren in dieser Ermittlungsgruppe noch 58 Beschäftigte des Bundeskriminalamtes eingesetzt, am 15. Mai 2017 waren es 30.
Danach wurde die – bis heute existente – „EG City“ in die „Allgemeine Aufbauorganisation“ in ein Ermittlungsreferat überführt. Die Anzahl der unterstellten Kräfte aus anderen Ermittlungsreferaten wurde schrittweise reduziert. Die Anzahl der aktuell eingesetzten Beschäftigten variiert in Abhängigkeit von den Ermittlungsschwerpunkten und Erfor-dernissen. Die konkrete Anzahl an eingesetzten Beschäftigten für die Jahre 2018 und 2019 kann deshalb nicht genannt werden.

*******************************************************

D. Glorius/BKA, Buchautor war im September 2016 auch hier als Zeuge und Mitarbeiter der "BAO Trio" geladen:

https://nrw.nsu-watch.info/ausschuss-sit...mber-2016/
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18